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Autor Thema: "Hohenzollern" (1893) mgl. Deserteur in 1902/1904? / Hilfe bei Ahnensuche  (Gelesen 664 mal)

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Offline SyKo

  • Matrose
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Hallo und danke für die Möglichkeit, hier meine Fragen zu stellen!
Zuerst einmal möchte ich erklären, dass ich nicht für mich selbst suche, sondern bei der Ahnenforschung in Kontakt zu einer Dame aus den USA kam, mit der es einen DNA-Übereinstimmung, also Hinweis gemeinsamer Ahnen gibt, aber wir noch nicht wissen, über welche Linien.
Die Dame ist ein wenig verzweifelt, da sich die Ahnensuche von daher schwierieg gestaltet, dass in einer Linie ein Vater unbekannt ist, daher also schon einmal eine ganze Linie "wegfällt" und in der anderen Linie kein Weiterkommen zu sein scheint. Sie ließ mich Einblick in bekannte Unterlagen zu letzterer nehmen und bat mich, aufgrund der Sprachbarriere, ob ich vielleicht in Deutschland mehr zu einem bestimmten Ahnen herausfinden könnte.
Auch ich - und ein weiterer lieber Hobby-Ahnenforscher - kamen keinen Schritt weiter, da es keine passenden Einträge zum Gesuchten zu geben scheint.
Doch dann fiel mir etwas auf, das mich zu einer möglicherweise verqueren, aber vielleicht nicht ganz undenkbaren Theorie kommen lässt!

Bekannt ist - das geht aus den Einwanderungsunterlagen hervor - dass der Gesuchte am 14. Oktober 1904, als Seemann, auf dem Schiff "Hohenzollern", nach New York gekommen sein soll.
Da ich nicht weiß, ob es mit dem Datenschutz vereinbar ist, schreibe ich hier nun keine kompletten Namen, auch wenn der Mann inzwischen bereits mehrere Jahrzehnte verstorben ist. Sollte dies doch möglich sein, bitte ich um Mitteilung.

Da ich mich selbst nicht mit der Schiffahrt und erst recht nicht der Marine auskenne, versuchte ich, da wir mit dem Namen und maßgeblichen Geburtsdaten nicht weiterkamen, mehr über das Schiff herauszufinden. Bis dahin dachte ich noch, es sei ein Passagierschiff.
So fand ich also heraus, dass es tatsächlich jedoch ein Militärschiff der kaiserlichen Marine war und die einzige Verbindung, die ich zwischen dem Schiff und den USA, in dem Zeitraum herausfand, war die zum Stapellauf der "Meteor", im Februar 1902.

Nun kann man sicher davon ausgehen, dass ein Marineangehöriger, als Seemann auf einem Militärschiff, auch Anfang des 20. Jahrhunderts nicht einfach so den Dienst in einem beliebigen Hafen quittieren und von Bord gehen konnte, richtig?
Liege ich also so falsch mit der Vermutung, dass der Gesuchte möglicherweise desertiert sein könnte und dann, bei den Einwanderungsbehörden in den USA, auch nicht unbedingt seine richtigen Namen und Daten angegeben haben könnte?
Auffällig ist nämlich bereits eine Schreibweise im Vornamen, die ich so noch nicht gesehen habe. Dort wird einer der Vornamen "Emiel" geschrieben und so wurde auch vom Gesuchten selbst unterzeichnet.
Ein Hinweis auf einen falsch geschriebenen, erdachten Vornamen?

Nun geht es ganz sicher nicht darum, jemanden als Deserteur zu bezeichnen oder gar zu verunglimpfen!
Ich möchte, wenn es Möglichkeiten gibt, der Dame helfen, in der Ahnenforschung die deutschen Wurzeln weiter erkunden zu können. Das geht aber eben leider auch nur - sollte der Gesuchte desertiert haben - wenn wir seinen richtigen Namen und die Daten herausfinden.
So ist die Frage, ob sich herausfinden lässt, ob von der "Hohenzollern" in 1904 oder bereits in 1902 Seeleute in oder bei New York desertierten und ob es in Archiven zu diesen Seemännern korrekte Angaben gibt, anhand derer man möglicherweise per Ausschlussprinzip, den Namen und Herkunft des Gesuchten in Erfahrung bringen kann, um so seinen amerikanischen Nachfahren weiterzuhelfen?
Oder viellecht gibt es Listen mit den an Bord befindlichen Seeleuten bei der/den Reise(n) in die USA, aus denen man vielleicht die Suche nach den realen Daten eingrenzen kann?
Der Gesuchte soll in 1904 um die 19 Jahre alt gewesen sein. Sein Geburtsdatum wird in (späteren) amerikanischen Unterlagen unterschiedlich angegeben. Mal ist es der 13., mal der 16. März 1885 und 1886.
Als Wohnort vor der Einreise wird mal Bremerhaven genannt, dann wieder als Geburtsort Wilhelmshaven. Aber geht man von der Möglichkeit aus, dass er desertiert sein sollte und untertauchen wollte, würde ich die Daten und Städtenamen auch nicht für in Stein gemeißelt halten.

Seht Ihr eine Chance, der Dame bei der Ahnensuche weiterhelfen zu können?
Ich danke für Eure Mithilfe!

LG,
Sylvia

Online Teddy Suhren

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  • Kaum macht man's richtig - schon geht's
Puh, das wird nach fast 120 Jahren eher schwierig werden, da was sinnvolles und belegbares herauszufinden.
Gruß
Jörg

WoWs Nick: Teddy191

Offline Theo

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Hallo,

Auffällig ist nämlich bereits eine Schreibweise im Vornamen, die ich so noch nicht gesehen habe. Dort wird einer der Vornamen "Emiel" geschrieben und so wurde auch vom Gesuchten selbst unterzeichnet.
Ein Hinweis auf einen falsch geschriebenen, erdachten Vornamen?

ist Emiel nicht die niederländische Schreibweise für Emil?


Gruß Rainer


Offline schiffbauer

  • Leutnant zur See
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Die Hohenzollern war kein Militärschiff im üblichen Sinne, sondern die Kaiseryacht des Kaisers Wilhelm II.
LG
Schiffbauer

Offline smutje505

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Hallo Sylvia hier 3 Bilder der "Hohenzollern"

Offline SyKo

  • Matrose
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Ganz lieben Dank für die bisherigen Antworten!
Ja, dass die "Hohenzollern" die Kaiseryacht war, konnte ich bereits herausfinden. Umso mehr würde mich verwundern, dass jemand von dort desertieren könnte, auch wenn es da nicht zustümde zu werten. Ich denke aber auch, um überhaupt irgendeine Aufgabe auf dem Schiff zu bekommen, wurden die Seeleute, die ja einerseits auch Marinesoldaten sein mussten, höchstwahrscheinlich sehr handverlesen ausgewählt, da sie ja auch regelmäßig um den Kaiser herum sein mussten und für die Sicherheit des Schiffs und damit des Monarchen Verantwortung trugen, richtig?
Der Gesuchte kann, wenn das Geburtsjahr in den Unterlagen stimmen sollte, 1902 erst 17 Jahre alt gewesen sein.
Ich weiß nicht, ab wann man Anfang des 20. Jahrhunderts zum Militär gehen konnte, aber wenn das Mindestalter 17 war, dann dürfte es doch ziemlich unwahrscheinlich sein, einen "Frischling" gleich in eine so verhältnismäßig verantwortungsvolle Aufgabe anzuvertauen, sehe ich das richtig?

Mir ist aber noch etwas in den amerikanischen Papieren aufgefallen. In den Unterlagen der Einbürgerung, die 1916 in Baltimor/Maryland war.
Neben der Kopie der Einbürgerungsurkunde liegen auch Kopien der Akteneinträge zu dem Vorgang vor und darin stolperte ich über eine kleine Aussage.
Es wurde gefragt, wann der Einzubürgernde wo die Auswanderung begann. Angegeben ist sinngemäß "um den 04. Oktober 1904 von Genua, Italien aus, mit dem Schiff Hohenzollern", Ankunft in New York "14. Oktober 1904", also etwa 10 Tage später. Letzter Wohnort des Einzubürgernden "Bremerhaven", Geburtsort "Wilhelmshaven".

Auffällig an diesen kleinen Details ist eventuell, dass die "Hohenzollern", selbst wenn sie in 1904 in New York gewesen wäre, die Überfahrt gar nicht in 10 Tagen hätte bewältigen können. In 1902, zum Stapellauf der "Meteor", brauchte sie schon reguläre mehr als 3 Wochen. Das müsste jemand, der auf der "Hohenzollern als Seemann arbeitete, doch aber wissen.
Das einzige, mir bekannte Schiff, das regelmäßig, auch in 1904, zwischen New  York und Deutschland hin und her fuhr, war die "Kronprinz Wilhelm" und die fuhr in Deutschland von Bremerhaven aus.
Zufall?
Aber wenn das Hinweise sein könnten, dass der Gesuchte in Wirklichkeit mit der "Kronprinz Wilhelm" gekommen sein könnte, dann würde sich doch die Frage stellen, warum er ein anderes Schiff und einen anderen Abfahrtsort angab? Das macht doch gar keinen Sinn, es sei denn, er wollte nicht mit der Überfahrt auf der "Kronprinz Wilhelm" in Verbindung gebracht werden.
Aber warum nicht, wenn er dort als Seemann tätig gewesen war?
Mein zweiter Gedanke war also gestern noch, ob er vielleicht als Blinder Passagier mit der "Kronprinz Wilhelm" gekommen sein könnte. Das wäre eine denkbar ungünstige Ausgangsposition für die weitere Suche, denn wir wissen ja noch immer nicht, ob der angegebene Name richtig war.
Aber der Hinweis mit der niederländischen Schreibweise könnte das Suchgebiet ausweiten. Bremerhaven und Wilhelmshaven sind ja gar nicht so weit von den Niederlanden entfernt. Es könnte also tatsächlich möglich sein, dass er gar nicht in Deutschland, sondern den Niederlanden geboren wurde und die Familie erst danach in die Umgebung von Wilhelmshaven oder Bremerhaven zog.
Aber auch da war bisher so gar nichts zu finden.

Es ist wirklich zum Verzweifeln!

Online joern

  • Kapitän zur See
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  • Beiträge: 1653
Hallo,
vielleicht noch eine andere Idee zu dieser sicherlich etwas schwierigen Nachverfolgung.
Bei Wikipedia fand ich diesen Satz:
Ab dem 30. April 1903 wurde Prinzess Irene neben dem Schwesterschiff König Albert und der alten Hohenzollern erstmals zwischen Genua und New York eingesetzt.
Eventuell spielt der Dampfer Hohenzollern vom NDL hier eine Rolle. Man müsste jetzt mal die Fahrten dieses Schiffes überprüfen. Ich weiß allerdings nicht wo man dazu etwas findet.
Grüße Joern
https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiser_Wilhelm_II._(Schiff,_1889)

Offline SyKo

  • Matrose
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  • Beiträge: 3
Hallo,
vielleicht noch eine andere Idee zu dieser sicherlich etwas schwierigen Nachverfolgung.
Bei Wikipedia fand ich diesen Satz:
Ab dem 30. April 1903 wurde Prinzess Irene neben dem Schwesterschiff König Albert und der alten Hohenzollern erstmals zwischen Genua und New York eingesetzt.
Eventuell spielt der Dampfer Hohenzollern vom NDL hier eine Rolle. Man müsste jetzt mal die Fahrten dieses Schiffes überprüfen. Ich weiß allerdings nicht wo man dazu etwas findet.
Grüße Joern
https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiser_Wilhelm_II._(Schiff,_1889)

Ich glaube, DAS könnte die Lösung in dem ganzen Wirrwarr sein!  ::Y>
DAS ergäbe nämlich absolut Sinn!
Die "Hohenzollern" (II) fuhr, laut dem Eintrag, genau die Linie Genua - New York. Und sie war im/nach Juni 1904 in Bremerhaven.
Da KÖNNTE es denkbar sein, dass der Gesuchte dort anheuerte und sich so vielleicht die Überfahrt "finanzierte".
Von Bremerhaven aus, ging es wieder ins Mittelmeer, dann auf die Linie nach New York, wo sie dann im Oktober 1904 angekommen sein könnte.
Das wäre rechnerisch also alles plausibel und auch die Orte würden stimmen.

Gut daran ist, dass dann die Theorie des Deserteurs oder Blinden Passagiers von Tisch wäre.
Schwieriger wird sich wohl gestalten, wenn überhaupt noch vorhanden, nach Listen der Besatzungsmitglieder zu forschen.
Da weiß ich noch nicht, wie und wo wir wen ansprechen könnten. Ich denke, erst einmal direkt bei der Hapag-Lloyd AG anfragen und sich weitertasten.

Ganz lieben Dank für diesen absolut wertvollen Hinweis!

LG
Sylvia