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Autor Thema: Identifizierung eines in der Eckernförder Bucht gestrandeten MARINEFÄHRPRAHMES  (Gelesen 23031 mal)

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Offline longwood

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Hallo,

an der Evakuierung des KZ Stuffhof (bei Danzig) auf dem Seewege im Jahre 1945 waren auch Einheiten der Kriegsmarine beteiligt.

Am 04. Mai 1945 strandete bei Bookniseck (Nordseite der Eckernförder Bucht) in der Gemeinde Waabs (Landschaft Schwansen) ein Marinefährprahm mit überwiegend weiblichen KZ-Häftlingen.

Der MFP nahm in Hela über 500 KZ-Häftlinge an Bord, darunter etwa 350 Frauen und Kinder. Die Bewachung erfolgte durch SS-Leute.

Zusammen mit 15 bis 20 anderen Schiffen fuhr der MFP am 27. oder 28. April 1945 im Geleit los. Dieser wurde aber bald durch ständige Fliegerangriffe zersprengt. Einige Schiffe fuhren bis Neustadt, Flensburg oder Dänemark.

Auch der bei Bookniseck gestrandete MFP wurde ständig von Flugzeugen attackiert. Getötete Personen wurden von der SS einfach über Bord geworfen; verletzte und unverletzte Personen aber auch von anderen Schiffen übernommen. Der letzte Angriff erfolgte in der Kieler Bucht, da angenommen wurde, dass auf den Schiffen NS-Funktionäre nach Dänemark flüchten wollten.

Der MFP erhielt auch Einschüsse unter Wasser, so dass Wasser in den Schiffsrumpf eindrang und dieser – bedingt durch den erhöhten Tiefgang – nicht direkt auf den Strand fahren konnte, sondern etwa 50 – 100 m davon entfernt aufsetzte. Zum Schluss sollen noch etwa 100 – überwiegend weibliche - KZ-Häftlingen sowie das Personal der Kriegsmarine und das Wachpersonal der SS an Bord gewesen sein. Über das weitere Schicksal der leidgeprüften Frauen berichte ich evtl. später .

Bis ca. 1950 lag das Wrack vor dem Strand und wurde von den Kindern als (hoch-) gefährlicher Spielplatz benutzt; während die Einwohner der Umgebung sich an den Einzelteilen „bedienten“.

Am 10. Januar 1950 erschien in der regionalen Zeitung – der „Eckernförder Zeitung“ (EZ) – eine kurze Notiz unter der Überschrift

Arbeiten in der Bucht
„(..) Weiter liegt bei Booknis ein alter Panzerfährprahm, bei dem vor kurzem von Unbefugten der Versuch gemacht wurde, die Eisenteile abzuwracken. Durch Eingreifen der Behörden ist dies verhindert worden. (..)“

und dann – am 20. Oktober 1950 – eine weitere kurze Notiz

„(..) Das Wrack einer in Höhe von Bookniseck in den letzten Kriegstagen gestrandeten Panzerfähre soll jetzt von einer Firma, die diese traurigen Überbleibsel turbulenter Tage für 800,-- DM aufgekauft hat, abgewrackt und der Schrott geborgen werden.“

und dann noch einmal am 11. Januar 1952 unter der Überschrift

Vom Großreinemachen in der Bucht

„(...) Im Bereich der Eckernförder Bucht wurden bisher sechs U-Boote, darunter mehrere Kleinst-U-Boote, zwei Schuten, ein Landungsprahm, einige Torpedofangboote und größere Barkassen sowie ein Schnellbootheck geborgen. (...)“

Die damalige Bergung erfolgte nur halbherzig, denn immer wieder verletzten sich Badegäste an den Eisenteilen des Wrackes zumal die Wrackstelle aus mir unerklärlichen Gründen nicht gekennzeichnet war.

Aber lassen wir die EZ ca. 37 Jahre später weiter berichten; und zwar in der Ausgabe vom 6. Dezember 1989 mit der Überschrift

Bergungseinheit hebt heute gestrandetes Schiff / Vor 44 Jahren ertranken bei Booknis zahlreiche Jüdinnen

„WAABS. Heute morgen gegen 10 Uhr wird eine Bergungseinheit der Bundeswehr versuchen, ein vor 44 Jahren bei Bookniseck gestrandetes Schiff zu bergen. Die Freiwillige Feuerwehr Waabs unter Leitung ihres Wehrführers Karl-Heinz Plett wird das Gelände weiträumig absichern. Schaulustige sind nicht willkommen, da nicht ausgeschlossen wird, dass sich an Bord des Schiffes noch scharfe Munition befindet, so der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Schwansen, Wolfgang Will, auf Anfrage. Das Schiff, das am 4. Mai 1945, einen Tag vor der Teilkapitulation des Deutschern Reiches unterging, war besetzt mit Juden, vorwiegend Frauen und Mädchen, von denen viele ums Leben kamen.

(...)

Das Schiff vor Booknis war eine Art Fähre. Es lag nur 50 bis 80 Meter vom Strand entfernt. Das Wasser war an dieser Stelle sehr flach, so dass man vom Schiff auf das Land zu Fuß gehen konnte. Ein Bürger aus Kleinwaabs, damals 26 Jahre alt, war einige Wochen nach dem Untergang des Schiffes auf dem Wrack. Der Rumpf lag zum Teil unter Wasser und einige Tote trieben noch drin“.

Und dann noch einmal am - 8. Dezember 1989 - unter der Überschrift

Waabs: Granaten geborgen / Flak-Geschosse enthielten Sprengstoff

„WAABS. Zwanzig Meter vom Ufer entfernt fanden zwei Taucher des Bombenräum-Kommandos Kiel drei mit Sprengstoff gefüllte Flak-Grananten vom Kaliber 8,8.(...) Aus dem Wasser gefischt wurde auch eine alte Landungsklappe. Der Haufen Schrott, über und über mit Muscheln besetzt, hatte Badegästen wiederholt Verdruss bereitet: Wenn sie sich nämlich durch das Wrackteil Schnittverletzungen an den Füßen zuzogen.“

Diese Bergung erfolgte aber auch nur halbherzig, denn im Sommer des Jahres 1990 hatte ich mit Schnorchel und Maske selbst an der Strandungsstelle getaucht und immer noch aus dem Meeresboden herausragende Eisenteile entdeckt.

Allerdings ist die ungefähre Wrackstelle jetzt nach den Regeln der Seeschifffahrtsordnung gekennzeichnet; und zwar durch gelbe Stangen mit einem liegenden Dreieck. Erst waren die Stangen in den Meeresboden eingerammt , jetzt aber – da diese durch Wellenschlag offensichtlich beschädigt wurden – im Strandbereich. Vor einigen Jahren sollen dort noch kleine gelbe Tonnen ausgelegt gewesen sein.

Von dem MFP existieren 3 Fotos; und zwar

1 Foto des gestrandeten MFP (Aufnahme geschätzt um 1946)

2 Fotos von der Gedenkfeier am 4. Mai 1946 – dem 1. Jahrestag der Rettung - am Strand von Bookniseck; und zwar ein Foto mit Personen an Bord und ein Foto mit Personen am Strand mit dem MFP im Hintergrund.

Nun meine Frage: Um welchen MFP handelt es sich? Bei dem Typbestimmung wird es wohl keine Schwierigkeiten geben; schwieriger wird es wahrscheinlich bei der Nummer des MFP.

Ein Anhaltspunkt könnten die Antworten zu meiner Frage „Sperrschlepper Adler“ vom 11. Januar 2011 sein.

Ferner bin ich an allen weiteren Informationen zu diesem MFP – z. B. dem gesamtem „Lebenslauf“ und Bildern - interessiert; evtl. existiert sogar das Kriegstagebuch noch.

Bei dem in der EZ vom 8. Dezember 1989 genannten Kaliber 8,8 handelt es sich wahrscheinlich um einen Schreib- oder Übertragungsfehler, denn ich – obwohl kein MFP-Fachmann – kann mir nicht denken, dass ein derartiges Geschütz an Bord installiert war.

Im Hörfunk wurden im Mai 2010 sogar von mehreren Sendern von dieser Tragödie bei Bookniseck berichtet; sehr ausführlich – ausgedruckt ca. 10 Seiten DIN A 4 – vom NDR Info am 03. Mai 2010 (aufzurufen bei Google mit „Judenschiff Booknis“) oder bei anderen Sender – allerdings in wesentlich kürzerer Form – aufzurufen bei Google unter „Flammeninferno auf der Ostsee“.

Über dieses Thema möchte ich in der neuen Chronik der Gemeinde Waabs und in einem der nächsten Jahrbücher der Heimatgemeinschaft Eckernförde berichten.

Mein „Fernziel“ ist, die gesamte Evakuierung des KZ Stutthof auf dem Seeweg zu dokumentieren.

Auf die Identifizierung des MFP hofft

Hans-Hermann H. alias longwood

PS – für die Moderatoren: Die Urheberrechte an den Bildern hat die Familie Molzahn in Ascheffel. Am 05. Januar 2011 hat Herr Molzahn mir fernmündlich seine Zustimmung gegeben, die Bilder für die Suche nach dem MFP zu verwenden.
« Letzte Änderung: 02 Februar 2011, 15:26:02 von kalli »

Offline Karsten

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Hallo Hans-Hermann,

das ist ein MFP vom Typ D - also Kennung "F 801" aufwärts. Näheres muss in Ruhe geprüft werden.

Saubere Arbeit!

Viele Grüße,

Karsten
Viele Grüße,

Karsten

Offline t-geronimo

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  • Carpe Diem!
PS – für die Moderatoren: Die Urheberrechte an den Bildern hat die Familie Molzahn in Ascheffel. Am 05. Januar 2011 hat Herr Molzahn mir fernmündlich seine Zustimmung gegeben, die Bilder für die Suche nach dem MFP zu verwenden.

Hallo longwood!

Zum einen Danke für Deine interessanten Berichte!

Und zum anderen ein besonders großes Danke schön an den verantwortungsbewußten Umgang mit dem Thema Bild- und andere Rechte. Das ist vorbildlich!! :TU:)
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Offline longwood

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Hallo,

ich habe noch einmal in mikroverfilmten älteren Zeitungen hinsichtlich der Bergung der Wrackreste des MFP „gestöbert“ und wurde tatsächlich noch einmal fündig.

In der Tageszeitung „SCHLEI – BOTE / Landeszeitung für Angeln und Schwansen“ stand in der Ausgabe von 7. Dezember 1989 folgender Artikel, den ich den Teilnehmern dieses Forums nicht vorenthalten möchte.

Waabser „Bade-Falle“ beseitigt

Klappe vom Landungsboot nach 44 Jahren geborgen

„WAABS. Am Booknisser Strand beseitigten Taucher gestern ein gefährliches Badehindernis und hoben gleichzeitig ein Stück deutscher Zeitgeschichte. Ein Bagger zog eine rund 750 kg schwere Klappe eines Landungsbootes der ehemaligen deutschen Kriegsmarine an den Strand. Zahlreiche Urlauber hatten sich in den vergangenen Jahren an den messerscharfen Rostteilen verletzt. Manche mussten sogar ins Krankenhaus.

Das große Metallstück ist auch Teil des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte. Denn in dem Landungsboot kam am 4. Mai 1945 eine nicht mehr genau feststellbare Zahl von jüdischen Häftlingen aus dem Konzentrationslager Stutthof bei Danzig an den Booknisser Strand. Das KZ war vor den herannahenden sowjetischen Truppen evakuiert worden, um die Spuren der Verbrechen zu verwischen. Die meisten Jüdinnen waren typhuskrank, waren wahrscheinlich zu medizinischen Versuchen missbraucht worden.

Von dem Landungsboot selbst fand das vom Wasser- und Schifffahrtsamt beauftragte Bergungsunternehmen gestern keine Spur mehr. Vermutlich war die Landungsklappe im Laufe der Jahre an die Küste „gewandert“. Das Boot selbst muss weiter ab liegen. Dafür fanden die Taucher andere unangenehme Dinge: Zwei Acht-Zentimeter-Flakgrananten. Der Booknisser Strand gegenüber dem Sportplatz musste großräumig abgesperrt werden. Die Granaten sind immerhin mit je 800 Gramm hochbrisantem Sprengstoff gefüllt. Den ganzen Tag über suchten die Taucher gestern noch nach weiteren Munitionsteilen, die für Badegäste und Kinder gefährlich werden könnten. Schon seit Jahren gab es in der Gemeinde Waabs Bemühungen, um die „Bade-Falle“ zu beseitigen.“

Zu den Beitrag sind zwei Fotos abgedruckt; und zwar zeigt ein Foto den Raupenbagger im flachen Wasser mit der Landungsklappe am Haken und das andere einen Taucher mit einer Granate in der Hand.

Auf die Identifizierung des MFP hofft auch weiterhin

Hans-Hermann H. alias longwood

Offline longwood

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Hallo,

als ich kürzlich mit dem Fahrrad auf dem Küstenwanderweg bei Booknis Eck gefahren bin, habe ich festgestellt, dass die Strandungsstelle des Marinefährprahmes immer noch als Sperrgebiet nach den Vorgaben der Seeschifffahrtsstraßenordnung gekennzeichnet ist.

Im Wasser liegen zwei kleine gelbe Spitztonnen aus; an Land sind zwei gelbe liegende Kreuze – jeweils befestigt an gelb-rot-gelben Stangen - aufgestellt.

Ob noch Wrackreste vorhanden sind, ist mir nicht bekannt. Als ich im Jahre 1990 „mit Schnorchel und Maske“ danach getaucht hatte, waren noch Reste – trotz der vorausgegangenen Bergungsaktion im Jahre 1989– vorhanden. Aber das ist schon über 20 Jahre her...

Ich hoffe, dass ein Taucher sich gelegentlich die Strandungsstelle ansieht und davon hier im Forum berichtet.

Leider konnte bisher im Forum nicht ermittelt werden, um welchen MFP es sich handelt...   ...aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

Gruß aus Schleswig-Holstein

Hans-Hermann H. alias longwood

PS: Leider habe ich in der Gemeinde Waabs – in der auch Booknis Eck liegt – auch kaum Einzelheiten zu der damaligen Strandung erfahren. Vielen haben etwas gehört (was meiner Einschätzung nach aber auch zum Teil in den Bereich der  Phantasie gehört) – aber keiner weiß etwas genaues (oder will es nicht sagen). Und die Zeitzeugen werden leider immer weniger...

Aber wie gesagt: Ich habe die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben...

Offline rocco

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Hallo Hans-Hermann,
das Sperrgebiet ist laut Seekarte wegen da noch liegender Munition eingerichtet. Ich vermute das man sich nicht sicher was dort noch unterm Sand liegt und hat deswegen aufgrund der Nähe zum Strand ein Sperrgebiet eingerichtet. Dies macht das tauchen dort natürlich schwierig, weil verboten  :roll: .

Viele Grüsse Rocco!

Offline longwood

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Hallo rocco,

dass es sich um ein Sperrgebiet handelt, ist mir nicht bekannt; ich dachte immer, es handelt sich "nur" um ein Warngebiet.

In einem Sperrgebiet ist natürlich jeder (unbefugte) Aufenthalt verboten.

Schade - trotzdem werde ich gelegentlich in den entsprechenden "Nachrichten für Seefahrer" - sofern ich diese irgendwo einsehen kann - nachlesen, was dort zu diesem eingerichteten Sperrgebiet steht.

Gruß - und ein schönes (Pfingst-) Wochenende

Hans-Hermann H. alias longwood

Offline longwood

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Hallo,

auf Grund der Antwort des Forumteilnehmers kuk vom 14. Dezember 2011 auf den Beitrag vom 05. Oktober 2011 mit dem Thema „Kriegsschrott in der Ostsee – etwas für Wracksucher“ habe ich auf der zitierten Homepage „munition-im-meer“ recherchiert und tatsächlich einen Hinweis auf den bis jetzt nicht identifizierten MFP gefunden.

Dieser Hinweis befindet sich in der Datei „Munitionsbelastung in deutschen Meeresgewässern – Bestandsaufnahme und Empfehlungen (Stand 2011“ auf Seite 66 und den ich nachstehend wiedergebe...

"Geografische Lage

(...)

Kleines Sperrgebiet unmittelbar am Strand zwischen Damp und Waabs, Kreis Schleswig-Flensburg

Militärhistorie

Ein Marinefährprahm wurde als Transporter für KZ-Häftlinge und Munition unter Bewachung von SS-Personal benutzt und strandete vor Booknis. Ein Teil der Häftlinge konnte gerettet werden, die Verstorbenen wurden an Land gebracht und dort bestattet. Die Munition ist damals unvollständig geräumt worden, so dass es immer wieder zu Fundmunitionsmeldungen kam.

Versenkte Munition

Überwiegend Wasserbomben und Flugabwehrmunition

Bergungen

In einer weiteren Aktion Ende der 1980er Jahre wurden weitere Teile des Fährprahms und der Munition geborgen und beseitigt. Es sind aber weiterhin Wrackteile am Strand sichtbar.

Örtliche Gefahren

Dynamische Vorgänge der Brandungszone sorgen vor allem im Gebiet Bookniseck für Abrasionseffekte am Wrack und an Munitionsköper, soweit sie noch vorhanden sind.

Vorsorgemaßnahmen

Das Gebiet ist für die Schifffahrt als Sperrgebiet gekennzeichnet. Auch der Eintritt von der Landseite her ist verboten.“

Der genannte Kreis Schleswig-Flensburg ist jedoch nicht richtig – es handelt sich um den Kreis Rendsburg-Eckernförde.

Der gesamte Bericht wurde herausgegeben von der ARGE BLMP Nord- und Ostsee (Arbeitsgemeinschaft Bund / Länder-Messprogramm für die Meeresumwelt von Nord- und Ostsee), der verschiedene Bundesministerien sowie Ministerien der Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie Behörden der Freien und Hansestadt Hamburg angehören.

Hiermit ist es auch quasi „amtlich“, dass vor Booknis Eck ein Marinefährprahm mit KZ-Häftlingen gestrandet war und die Hoffnung, dass dieser doch noch identifiziert werden kann, habe ich immer noch nicht aufgegeben...

Ich wünsche allen Forumsteilnehmern ein frohes Fest und alles Gute für das kommende Jahr

Hans-Hermann H. alias longwood

Offline Darius

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Hallo H-H-H,

vielen Dank für diese Info. Möge das Jahr 2012 uns die offene Frage beantworten.

 :MG:

Darius

Offline TD

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Hallo Hans-Hermann,

heute Morgen habe ich nochmals alles an Unterlagen durchgesehen zu dieser traurigen Strandung.

Ich finde einfach nichts zu einen Landungsfahrzeug zu diesem Datum dort.
Auch bis Kriegsende ist dort nichts zu fineden.
Am 11.Mai 1945 steht in der Verlustliste ein  Pil B 316 durch britische Flugzeugmine in der Kieler Bucht gesunken.
In den alten Unterlagen von Kugler ist am 12. Mai  1945 die Pionierlandungsfähre 316 vor Kiel auf eine Mine gelaufen und auf Strand gesetzt worden.

Die beste Möglichkeit etwas zu erfahren sehe  ich im Moment darin die
Bergungseinheit der Bundeswehr  [dürfte sich ja wohl um Bundesmarine gehandelt haben ?] zu ermitteln.

Dort wurde sicher schriftlich alles festgehalten.

Für unsere MFP- Datenbank wäre es natürlich schön die Fotos einsetzen zu dürfen und diese Beiträge zu verlinken.

Viele Grüße

theo
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

Offline longwood

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Hallo Theodor und Darius,

vielen Dank für Eure Rückmeldungen; heutzutage sagt man - so glaube ich - „Feedbacks“...

Ich werde im kommenden Jahr das Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein – Projekt Munitionsaltlasten – kontaktieren in der Hoffnung, nähere Einzelheiten zum dem MFP zu erfahren.

Auf jeden Fall werde ich darüber berichten.

Zusatz für Theodor: Die Bergung im Jahre 1989 soll – sofern ich richtig informiert bin - eine Pioniereinheit des Heeres vorgenommen haben.

Viele Grüße aus Kronshagen bei der (noch?) Marinestadt Kiel

Hans-Hermann H. alias longwood

Offline rocco

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Moin Hans-Hermann,
ich war heute mal in Booknis, mir die Stelle anschauen. Das Sperrgebiet ist augenscheinlich aufgehoben. Die Tonnen sind entfernt. Demnach spricht nichts gegen einen Tauchgang. Allerdings muss ich warten bis der Campingplatz dort wieder öffnet, da man ansonsten mit dem Auto nicht nahe genug an die Stelle kommt und mehrere Kilometer Ausrüstung schleppen ist nicht schön  :wink:. Ab April ist mein Boot auch wieder startklar, dann fahre ich über das Gebiet vielleicht mal mit dem Side-Scan-Sonar.
In Sachen Munition gibt es eine interessante und aktuelle Publikation der "ARGE Bund-Länder-Messprogramm" (BLMP).
Sie ist hier als PDF zu finden: Munitionsbelastung der deutschen Meeresgewässer
Auf Seite 12 des Dokumentes ist eine Karte in der das Gebiet vor Booknis als Munitionsverdachtsfläche ausweist.
Aus meiner Erfahrung als regelmässiger Taucher in unseren Gewässern kann man davon ausgehen das dort noch größere Mengen im Sand liegen.

Viele Grüsse Rocco!
 

Offline longwood

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Hallo rocco,

vielen Dank für Deine Antwort.

Es kann aber auch sein, dass die Tonnen vorübergehend wegen Eisgefahr eingezogen worden sind, denn regelmäßig wird die Betonnung in Nord- und Ostsee im Spätherbst „ausgedünnt“.

In meinen beiden Antworten vom 23. Dezember 2011 hatte ich auch auf die von Dir erwähnte Publikation der „ARGE Bund-Länder-Messprogramm (BLMP“ hingewiesen, aber allerdings – Asche auf mein Haupt / Schande über mich – nicht verlinkt.

Ferner hatte ich mitgeteilt, dass ich das Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein wegen des MFP vor Booknis Eck hinsichtlich weiterer Informationen kontaktieren will; habe ich auch Anfang Januar 2012 getan – leider steht eine Antwort noch aus. Aber: Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt...

Gruß – und einen schönen Start in die neue Woche

Hans-Hermann H. alias longwood

Offline longwood

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Hallo,

hinsichtlich der Identifizierung des MFP bin ich noch nicht weitergekommen; aber:

Darius hat mich mit seiner Antwort #8 vom 23. Dezember 2011 „...möge das Jahr 2012 die offene Frage beantworten...“ dazu ermuntert, nochmals meine „Gesammelten Werke“ (= Zeitungsausschnitte der damaligen Zeit) durchzusehen – und: Asche auf mein Haupt / Schande über mich: Ich hatte ganz und gar übersehen, dass es nach der ersten Bergungsaktion im Dezember 1989 noch eine weitere im Frühjahr 1990 gab.

Hierüber berichteten die regionalen Zeitungen – „Eckernförder Zeitung“ (EZ) und die „Kieler Nachrichten“ (KN) jeweils am 06. April 1990 unter den Überschriften

„Wasserbombe stoppte Seebaggerung / Bereitschaftspolizei sicherte Speegebiet vor Booknis ab – Experten bargen 114 Granaten aus der Ostsee“ (KN)

sowie

„Wasserbombe gefunden / Sucharbeiten nach Wrackteilen beendet“ (EZ).

Nachstehend gebe ich die aus meiner Sicht wichtigsten Passagen der Zeitungsberichte wieder:

Die zweite Bergungsaktion dauerte etwa 10 Tage unter der Federführung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lübeck und wurde von Experten der Munitionsräumgruppe des Landes Schleswig-Holstein begleitet. Die Absperrung des Strandgeländes wurde von Angehörigen der Bereitschaftspolizei wahrgenommen.

Zum Einsatz kam ein Greifbagger, der von einem Schwimmponton aus operierte. Geborgen wurden nicht nur stark verrostete Planken und andere Schiffsteile, sondern auch – so der Leiter des Munitionsräumdienstes – ein ganzes „maritimes Munitionsdepot“: 109 Flak-Granaten des Kalibers 2 cm, fünf größere Granaten mit dem Kaliber 8,8 cm, dazu zwei passende Treibladungshülsen und insgesamt zwölf Zünder.

„Höhepunkt“ war jedoch der Fund einer noch intakten Wasserbombe mit einem Gewicht von 185 Kilogramm, die – so der Zeitungsbericht – 130 Kilogramm hochbrisanten Sprengstoff enthielt. Diese Bombe wurde auf dem Gelände des Munitionszerlegebetriebes in Groß Nordsee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) unschädlich gemacht.

Bei der Bergung der Wasserbombe wurde auch der nahe gelegene Campingplatz evakuiert; da aber noch Vorsaison war, mussten nur wenige Camper „flüchten“.

Soweit auszugsweise die Zeitungsberichte; falls ich noch weitere finde, werde ich selbstverständlich davon berichten.

Ich hoffe, dass es im Jahre 2012 doch noch gelingen wird, den MFP zu identifizieren.


Viele Grüße aus Kronshagen bei der Marinestadt Kiel

Hans-Hermann H. alias longwood

Offline Darius

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Hallo Hans-Hermann,

danke für den Hinweis. Ich drücke uns die Daumen.

 :MG:

Darius