Forum Marinearchiv

Flotten der Welt => Die Deutsche Kriegsmarine => Deutsche Kriegsmarine - Geschichte und Einsätze => Thema gestartet von: bettika61 am 28 Juni 2016, 23:29:53

Titel: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 28 Juni 2016, 23:29:53
Hallo,
der Vormarsch der Russen führte im Sommer/Herbst 1944 zur Räumung der Konzentrationslager in den eroberten Ostgebieten bei Riga und Reval . Über  20.000 Häftlinge wurden per Schiff nach Danzig "evakuiert". Die Frauen kamen ins KZ-Stutthof, die Männer Richtung KZ-Buchenwald
Alte,Kranke und Kinder blieben zurück und wurden von Mordkommandos erschossen.
"Der Ort des Terrors" Benz/Distel (https://books.google.de/books?id=T3bI8JS3NjkC&pg=PA156&lpg=PA156&dq=kz+reval+evakuierung+schiff&source=bl&ots=8dGY5UQxwu&sig=RxkRYR7PS5l4WNev3AZzUTsfshQ&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiO16-iz8fNAhVEDcAKHTAoCAkQ6AEIJTAC#v=onepage&q=schiff&f=false)
Die Transporte nach Danzig  erfolgte durch  auf Schiffen der die Kriegsmarine. Informationen über Transporte und beteiligte Schiffe , habe ich bisher wenig gefunden.
Zitat
KTB SKL Bd.60/I
7.8.44 "Dampfer Bremerhaven hat 3368 jüdische Häftlinge von Riga nach Danzig.. befördert
8.8.44. "Wenn Evakuierung angemeldeter 20.000 Juden und etzwa 18.000 Letten vordringlich, müßte in dieer Zeit auf Zielschiffe Kmdr. Admiral Uboote zurückgegriffen werden. Letzterer Punkt wird von Ob.d.M abgelehnt.

KTB SKL Bd61/II
25.9.44 In Rohukuela und Werder sind insgesamt 22.500 Gefangene, 1500 Esten,3440 Flüchtlinge ...zum Abtransport eingeschifft
Da eine Zeitzeugin aus dem KZ Riga-Kaiserwald von einem Transport am 25.9.44 schreibt,
dürfte es sich bei den "Gefangenen" um KZ-Häftlinge handeln.

Überliefert ist ein Transport am 19.9.44 von Baltischport von einem KZ-Außenlager Nähe Reval.
Am 11.10.44 erfolgte der letzte Transport vom KZ-Riga per Schiff.

Welche Möglichkeiten, Quellen  gibt es , um mehr über die Transporte und die Schiffe zu erfahren? Es dürfte sich um Transporte gehandelt haben, die auch Wehrmachtsangehörige
und Flüchtlinge transportierte.

Edit: "schiffe der Kriegsmarine" geändert

Edit 10.03.2019:
Thementitel auf Wunsch von Beate geändert.
t-geronimo
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 29 Juni 2016, 12:50:13
moin, Beate,

Die Transporte nach Danzig  erfolgte auf Schiffen der Kriegsmarine.
Die namentlich bekannten Transporter waren keine Schiffe der Kriegsmarine (Kreuzer, Zerstörer, etc.)
Insofern scheinen mir dieser Satz und der Thread-Titel etwas irreführend zu sein.
Ich weiß von Flüchtlings-Einschiffungen auf Schiffen der Kriegsmarine, u.a. auf Admiral Hipper zur Zeit der Gustloff-Katastrophe, aber von KZ-Häftlingen ist mir nichts bekannt.

Gruß, Urs
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 29 Juni 2016, 13:17:41
Hallo Urs,
Den Titel kann ich gerne ändern, wäre denn "Transport durch Schiffe die Kriegsmarine" richtig?
Ich gehe davon aus , das Dienststellen der Kriegsmarine wie z.B. die KMD Danzig die Transporte mit Schiffen organisierten, deshalb fragte ich nach den möglichen Quellen wie z.B. KTB KMD Danzig.

Wenn Transportschiffe durch KM- Dienststellen  erfasst/beschlagnahmt und eingesetzt wurden, wie war dann Status/Bezeichnung, wenn nicht "Schiff der Kriegsmarine"?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 29 Juni 2016, 13:29:20
moin, Beate,

Wenn Transportschiffe durch KM- Dienststellen  erfasst/beschlagnahmt und eingesetzt wurden, wie war dann Status/Bezeichnung, wenn nicht "Schiff der Kriegsmarine"?
Warum nicht einfach erst einmal "Schiffe" ?
Wir haben hier im FMA ja auch weniger geschichts-sattelfeste lesende Gäste.
Für viele von Ihnen sind "Schiffe der Kriegsmarine" wohl eher Admiral Graf Spee oder Tirpitz.
Aus dieser Sicht heraus scheint mit der Titel zumindest mißverständlich.
Die Beteiligung von Kriegsmarinedienststellen wird dann ja im Text erwähnt.

Gruß, Urs
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TD am 29 Juni 2016, 18:41:47
Hallo zusammen,
warum nicht einfach und genau beschreibend
"Im Dienst der Kriegsmarine fahrende Schiffe" ?

Gruß

Theo
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 29 Juni 2016, 20:25:47
moin,

warum nicht einfach und genau beschreibend "Im Dienst der Kriegsmarine fahrende Schiffe" ?
stimmt das denn ??
Viele der deutschen Transporter, die im Mittelmeer, in der Ostsee und an der norwegischen Küste unterwegs waren, fuhren eben nicht "im Dienst der Kriegsmarine", sondern im Dienst der deutschen Kriegswirtschaft oder im Dienst des deutschen Heeres. Sie wurden dabei meistens von Kriegsmarine-Einheiten geleitet, woraus sich aber kein "im Dienst der Kriegsmarine" ableiten läßt.
Insofern erscheint mir auch der geänderte Threadtitel nicht ganz zutreffend. Damit aber EdD.

Gruß, Urs
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: kalli am 29 Juni 2016, 21:07:25
WERNER DE VRIES berichtet auch über den Transport mit dem letzten Schiff aus Riga nach Danzig-Stutthof.
 
Stolpersteine (http://www.stolpersteine-gelsenkirchen.de/stolperstein_werner_de_vries.htm)
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: kalli am 29 Juni 2016, 21:42:58
In einem Bericht wird der Schiffsname BREMERHAVEN genannt.

enthalten in: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager Bd. 8 (Riga, Warschau, Kaunas, Vaivara, Plaszów, Klooga, Chelmo, Belzec, Treblinka, Sobibor. 2008, 576 Seiten. ISBN 978-3-406-57237-1)
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 29 Juni 2016, 22:15:20
moin,

warum nicht einfach und genau beschreibend "Im Dienst der Kriegsmarine fahrende Schiffe" ?
stimmt das denn ??
Viele der deutschen Transporter, die im Mittelmeer, in der Ostsee und an der norwegischen Küste unterwegs waren, fuhren eben nicht "im Dienst der Kriegsmarine", sondern im Dienst der deutschen Kriegswirtschaft oder im Dienst des deutschen Heeres. Sie wurden dabei meistens von Kriegsmarine-Einheiten geleitet, woraus sich aber kein "im Dienst der Kriegsmarine" ableiten läßt.
Insofern erscheint mir auch der geänderte Threadtitel nicht ganz zutreffend. Damit aber EdD.

Gruß, Urs
Hallo Urs,
um es klar zu stellen , es geht mir um die Frage, inwieweit die Kriegsmarine an diesen Transporten, die in den meisten Fällen zur anschließenden Ermordung der Häftlinge führte, beteiligt war.
Da gilt mein Interesse vorerst , welche Schiffe waren das und welche Dienststellen  haben die Schiffe zur Verfügung gestellt und den Transport ermöglicht .
(Gleiche Verantwortung trägt die Reichsbahn, die die Züge in die Vernichtungslager stellte
http://www.tenhumbergreinhard.de/transportliste-der-deportierten/index.html das ist aber nicht Thema )

Bisher steht erst ein Schiff namentlich fest, die "SS Bremerhaven" von
Mąka Henryk in seinem Buch  "Bremerhaven" Statek Śmierci "(Schiff des Todes) (https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=pl&u=https://pl.wikipedia.org/wiki/SS_Bremerhaven_(1921)&prev=search) genannt.
Von der Kriegsmarine als Lazarettschiff in Dienst gestellt, danach bei den Hydrierwerken Pölitz schwimmendes Straflager für Zwangsarbeiter,  Vernichtungslager, ab Januar 1944 wieder von der Kriegsmarine als Transporter in Dienst gestellt . In diese Zeit fällt der Transport der jüdischen Häftlinge nach Danzig.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 29 Juni 2016, 22:26:31
In einem Bericht wird der Schiffsname BREMERHAVEN genannt.

enthalten in: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager Bd. 8 (Riga, Warschau, Kaunas, Vaivara, Plaszów, Klooga, Chelmo, Belzec, Treblinka, Sobibor. 2008, 576 Seiten. ISBN 978-3-406-57237-1)
Hallo Kalli,
danke für die Unterstützung  :MG:
das Buch habe ich #1 verlinkt
Bisher habe ich nur die digitale Voransicht anschauen können.
Im KZ Klooga (https://books.google.de/books?id=T3bI8JS3NjkC&pg=PA163&lpg=PA163&dq=Klooga+Betonminen&source=bl&ots=8dGY7WRzEo&sig=d3Gfc7mogorPq9KX33Nhu0H4LhU&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj3noXKh87NAhWsO5oKHTR1BocQ6AEIHDAA#v=onepage&q=Klooga%20Betonminen&f=false) wurden Betonminen für die Kriegsmarine hergestellt, die Arbeit von der OT und einer Spezialeinheit der Marine überwacht.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TD am 30 Juni 2016, 23:30:06
Zitat von: TD am 29 Juni 2016, 18:41:47

    warum nicht einfach und genau beschreibend "Im Dienst der Kriegsmarine fahrende Schiffe" ?

stimmt das denn ??

Ja Urs,

davon kann man ausgehen.
Im Mittelmeer und auch im Schwarzen Meer kenne ich kein deutsches Schiff, nicht einmal Yachten und Brandungsboote, welches nicht von der KM erfasst wurde, also zwangsweise übernommen wurde.
In der Ostsee fuhren zu den Kurlandhäfen, Danzig usw. die Schiffe, wenn sie nicht von der KM erfasst waren, meistens in Kriegscharter für bestimmte Reisen.
Alle Schiffe welche beim Heer, der Luftwaffe, den Reichsverteidigungskommissaren usw. fuhren mussten erst von der KM erfasst werden und gingen dann an die späteren Wehrmachstellen.
Das galt für die See und Haffschiffe, Binnenschiffe( Flüsse) wurden vom Heer u.a. erfasst.
Mitte März, Anfang April 1945 beim Zusammenbruch erfassten die Luftwaffe usw. die Schiffe selber.


Gruß

Theo
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 01 Juli 2016, 07:58:47
Hallo Beate
Von Dänemark wurden jüdische Mitbürger im Oktober 1943 mit der "Wartheland" (ex-Arija) nach Stettin und von dort nach Theresienstadt verbracht. Das habe ich aus einer Broschüre der Bundesregierung von 2004 im Zuge meiner Recherchen über Georg von Duckwitz herausgefunden.

Diente nicht die "Donau" des NDL als Gefangenentransporter für die Juden, die aus Norwegen abtransportiert wurden?

Seetransporte in so massenhaftem Ausmaß wie bei der Reichsbahn vermute ich eher nicht, denn es ging wahrscheinlich nur um die Bewältigung der Überseestrecke. Bei meinen Recherchen nach Transporten jüdischer Bürger von den Ägäischen Inseln (Rhodos) bin ich leider auf keine konkreten Schiffsnamen gestoßen.
Viele Grüße
Thomas

P.S. Nach schwimmenden Zwangslagern ("Wohnschiffen") für KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter habe ich bisher noch nicht gesucht. Das hörte ich jetzt erstmals über die "Bremerhaven".

Mit den Suchworten Wartheland und Dänemark stößt man auf einige Treffer in GOOGLE.
Aber Vorsicht: Oft werden der Flüchlingstransporter Wartheland und der Deportationstransporter Wartheland ex Arija verwechselt bzw. in einen Topf geworfen.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 01 Juli 2016, 10:17:49
moin, Thomas,

Bei meinen Recherchen nach Transporten jüdischer Bürger von den Ägäischen Inseln (Rhodos) bin ich leider auf keine konkreten Schiffsnamen gestoßen.
in der Chronik steht aber auch zum Kreta-Transport (Dein Fund  :wink:) :
[Mittelmeer, 1.- 9.6.1944]
... . Der dritte Dampfer des Geleits, Tanais (1545 BRT), wird am 9.6. auf dem Rückmarsch von Kreta nach Piräus mit 260 aus der Gemeinde Chania deportierten Juden an Bord durch das brit. U-Boot Vivid (Lt. Varley) versenkt.

Gruß, Urs
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 01 Juli 2016, 11:14:46
Diente nicht die "Donau" des NDL als Gefangenentransporter für die Juden, die aus Norwegen abtransportiert wurden?
Hallo Thomas,
danke für den Hinweis  :MG:
http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,10444.msg117782.html#msg117782
hatte eine ähnliche Fragestellung  :-)
aus The Routledge History of the Holocaust von Jonathan C. Friedman (https://books.google.de/books?id=vsrJLASVC3QC&pg=PA178&lpg=PA178&dq=deportation+von+juden+%C3%BCber+see&source=bl&ots=8noMe9rNkw&sig=YJcnQprzkqhb92bHgwT18DF7o44&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj377aV7tHNAhVJshQKHZL5APMQ6AEITzAI#v=onepage&q=ship&f=false) S.241
24.11.1942 Transportschiff "Donau" mit 532 Juden an Bord
25.2.1943 Transportschiff "Gotenland" mit 158 Juden
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 01 Juli 2016, 12:03:26
P.S. Nach schwimmenden Zwangslagern ("Wohnschiffen") für KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter habe ich bisher noch nicht gesucht. Das hörte ich jetzt erstmals über die "Bremerhaven".
Hallo Thomas,
kannte ich vorher auch nicht, den Hinweis habe ich Reinhard zu verdanken :MG:
Beim suchen habe Hinweise auf  das Marinelager Wohnschiff "Hamburg"-Frauendorf (http://sedina.pl/phpBB3/viewtopic.php?t=1170) einem Zwangsarbeiterlager in Stettin
und noch ein weiteres Schiff in diesem Lager "barrack Vessel" DRONNING ALEXANDRINe- ex Elsinore-ex ALEX-ex LOME (http://www.shipstamps.co.uk/forum/viewtopic.php?f=2&t=11544) gefunden.

Fotos vom Marinelager-Kai Stettin-Frauendorf http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php?topic=20067.120 #128
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Olaf Berg Nielsen am 01 Juli 2016, 13:36:14
Hallo Thomas und andere,

am 2.Oktober 1943 waren vier Transporte von jüdischem Mitbürger nach Theresienstadt durchgeführt. Drei mit Zug und der vierte mit Truppentransportschiff Wartheland von Kopenhagen mit 198 jüdische Gefangene und 150 Kommunisten.  Das Schiff geht nach Swinemünde und davon weiter mit Zug nach Theresienstadt. Die Kommunisten kamen zum KZ Stutthof. Insgesamt wurden 472 jüdische Dänen abtransportiert. Davon kamen 16 zuerst nach Ravensbrück.

Wartheland war auf Nakskov Skibsværft, Dänemark gebaut, aber wurde am 20.April 1944 in Libau, Lettland minengesprengt. Das Schiff wurde später erhöht und auf Nakskov Skibsværft in 1946 repariert und als M/S Falkanger umgetauft.

Mit Gruß
Olaf
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TD am 01 Juli 2016, 23:15:47
Hallo zusammen,

in der Ägäis wurden die Juden wohl durch einige Siebelfähren von Kos abgeholt.

Auf der Donau meine (!) ich dass es einige Transporte von Juden bis Wien gegeben hat,
muss aber noch richtig suchen wenn ich wieder richtig fit bin.

Gruß

Theo
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Darius am 02 Juli 2016, 15:51:37
KTB Skl. 20.08.1944, Adm. östliche Ostsee:
Zitat

Nach Osten wurden 5 Laz. Schiffe bzw. Verwundetentransporter, 5 Truppentransporter und 3 T., nach Westen ein D. mit 2.500 Juden von Reval nach Danzig, ferner 5 Transporter mit ca. 12.000 Verwundeten, Soldaten oder Gefangenen geleitet.

 :MG:

Darius
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 02 Juli 2016, 17:07:55
Hallo,
Dank an Olaf, Theo und Darius für die Unterstützung :MG:

Zitat
Beim suchen habe Hinweise auf  das Marinelager Wohnschiff "Hamburg"-Frauendorf einem Zwangsarbeiterlager in Stettin
und noch ein weiteres Schiff in diesem Lager "barrack Vessel" DRONNING ALEXANDRINe- ex Elsinore-ex ALEX-ex LOME gefunden.
Wohnschiff "Hamburg" vmtl . "kleines Wohnschiff "Hamburg" Bj.1893 340 brt
Zitat
von KM übernommen 28.6.43 Kasernenschiff KMD Stettin
DDK Bd.5


Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 02 Juli 2016, 18:43:59
moin,

.. und im Schwarzen Meer haben hiernach deutsche U-Jäger nach Weisung der Skl. Flüchtlingsschiffe rumänischer Juden in Richtung Bosporus geleitet ...
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46272609.html
Das fand auch in der u.a. von unserem Mitglied Thomas TW zu Prof. Jürgen Rohwers 80. Geburtstag herausgegebenen Festschrift http://d-nb.info/971612323/04 Erwähnung.

Gruß, Urs
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 04 Juli 2016, 08:40:48
Auf der Donau meine (!) ich dass es einige Transporte von Juden bis Wien gegeben hat,
muss aber noch richtig suchen wenn ich wieder richtig fit bin.

Zu dem Thema "Donau" siehe Rohwers Aufsatz über "Jüdische Flüchtlingsschiffe im Schwarzen Meer", hier der Text online: http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/ksp/schwarzmeer/juden_flucht_schiffe.htm

Aber das Thema ist ja nicht die Flucht über See, sondern Transporte von Häftlingen in die Konzentrationslager und der Gebrauch von Schiffen als schwimmende Konzentrationslager.
Und dazu fehlen uns noch viele Informationen.


Viele Grüße
Thomas
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TD am 04 Juli 2016, 10:27:02
Hallo Thomas,
Dank für den Hinweis.
Da mich das Thema ja schon Jahrzehnte interessiert habe ich die ganzen Bücher und Angaben, auch damals dank Deiner Hilfe, gesammelt und alles Erreichbare an Akten eingesehen.
Damals hatten wir ja schon die Berichte der Donaukapitäne, vor allen Dingen ja von Kapitän Stefan Csikós in unseren alten Arbeitskreis Donau bekommen die auch in guter Form bei Euch vorliegen.
Meine Angaben sind zur Fahrt Lom – Wien ( siehe unten) im Jahr 1943.
Ich weiß nur nicht ob die bulgarischen Schiffsnamen richtig geschrieben sind.
Die Reisen der Der Transport auf der Donau nach Wien erfolgte mit 4 Schiffen und vorwiegend bulgarischen Polizisten als Bewachungsmannschaft. Am 20.März 1943 verließen am Nachmittag zunächst die "Kara Georgi" mit 1100 Juden und in den Abendstunden die "Voiwoda Mischitsch" mit 877 Juden Lom. Am 21.März 1943 folgten zunächst die "Saturnus" mit 1250 Juden und wenig später die "Zar Duschan" mit 986 Personen. Die Transporte wurden von bulgarischen Ärzten begleitet, die hierzu von bulgarischer Seite befohlen worden waren. Von den auf der "Zar Duschan" deportierten Juden verstarben 7 Menschen auf der Fahrt nach Wien.
Bei den Schiffen aus dem Werk von Paul Silverstone hatten ja etliche Kontakt mit der deutschen Seekriegsgeschichte 1939 – 1945.
Ein anderer Kontakt waren ja die dänischen Fischkutter welche als Fluchtfahrzeuge nach Schweden benutzt wurden und von der KM und dem SD abgefangen wurden und noch nach Kriegsende von Hamburg aus im Fischfang eingesetzt wurden.
Bei den Landungsfahrzeugen habe ich auch schon fünf Fahrzeuge welche Juden fuhren.
Ein noch unbearbeitetes Gebiet ist ja auch der jüdische Fluchthelfer Berthold Storfer.
Im Buch 9096 Leben kann man vieles über die Schiffe seiner Dienststelle in Wien lesen.
Zwei Schiffe gingen ja 1939 noch im Sturm verloren und der große Dampfer ROSITTA kam noch im Dienst der KM.
Also im Ganzen gesehen eine Unzahl Schiffe welche zusammen gekommen ist und hier ja schon
ganz schön durcheinander geht.

Gruß

Theo
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 04 Juli 2016, 13:13:44
Hallo Theo,
danke das Thema  kannte ich noch nicht.
Zum Hintergrund
Zitat
Tatsächlich wurden dann Ende März 1943 aus diesen Gebieten 11 343 Juden nach Treblinka deportiert, 7122 makedonische mit der Eisenbahn von Skopje aus und 4221 thrakische. Diese wurden auf der bulgarischen Eisenbahn quer durch Bulgarien nach Lom an der Donau gebracht, von dort auf Schiffen nach Wien und dann mit der deutschen Eisenbahn nach Treblinka. Dort wurden sie alle ermordet.
 Der bulgarische Fall ist außerordentlich. Einerseits war Bulgarien neben Vichy-Frankreich und der Slowakei der einzige Staat, der auf deutschen Wunsch, aber ohne unmittelbaren Zwang und mithin freiwillig Juden an Deutschland auslieferte. Andererseits war Bulgarien das einzige Land, in dem eine Protestbewegung der Bevölkerung die Auslieferung wenigstens der eigenen Juden verhinderte..
http://www.fluchschrift.net/verbrech/maerz/10031943.htm

Der Schiffsname "Kara Georgi" wird hier  (https://books.google.de/books?id=0VJFDAAAQBAJ&pg=PA41&lpg=PA41&dq=bulgarische+Juden+Lom+schiff&source=bl&ots=4Yx6RtB-5N&sig=ySHdZkj2YWE0XP159RLpOrdrPP0&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiBub_S09nNAhVJKpoKHTv7AgQQ6AEIIjAB#v=onepage&q=schiff&f=false) "Karadorde" geschrieben
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: kalli am 04 Juli 2016, 13:28:27
Wenn Schiffe erzählen könnten…
So die von Theo erwähnte Saturnus.
Auf ihr ist kurz vor dem Krieg schon Lothar-Günther Buchheim von Belgrad bis zum rumänischen Donauhafen Giurgiuz gefahren (erwähnt in „Tage und Nächte steigen aus dem Strom“). Sie transportierte im Rahmen des Umsiedlungsprogramms (Generalplan Ost) deutschstämmige Bevölkerungsteile heim ins Reich. Jüdische Flüchtlinge hofften auf ihr nach Palästina zu kommen, dann wurden die DDSG Raddampfer Lazarett-und Truppentransporter und schließlich Transportschiffe zur Deportation von thrazischen Juden von Lom nach Wien. Die Juden wurden bei ihrer Ankunft in Wien vom Schiff direkt in bereitstehende Güterzüge zum Weitertransport nach Malkinia, einer Eisenbahnstation an der Hauptstrecke Warschau–Bialystok, weitergeleitet – das Ziel: Treblinka.

Ausführlich nachlesbar bei: Ortrun Veichtlbauer „Braune Donau“

Zur Schiffsbiografie SATURNUS (http://www.binnenschifferforum.de/showthread.php?35962-SATURNUS-DFS&highlight=SATURNUS)
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 04 Juli 2016, 14:12:38
Hallo,
im August 1944 wurden dänische Häftlinge aus dem Lager Horserød mit dem Schiff "Mars" ab
Helsingør nach Deutschland deportiert. Das Schiff wird bezeichnet als "Truppentransporter" oder "Urlauberschiff" .
Es sind 2 Zeitzeugenberichte dokumentiert
http://media.offenes-archiv.de/ha2_2_9_1_thm_2369.pdf
http://media.offenes-archiv.de/ha2_2_9_bio_1169.pdf
Für beide führte der Transport in ein Konzentrationslager.

Beim Schiff gehe ich davon aus, das es sich um die noch heute als Museumsschiff erhaltene "Witjas"  ex Mars https://de.wikipedia.org/wiki/Witjas_%28Schiff,_1939%29 handelt.
Zitat
Im Jahr 1940 wurde sie von der Kriegsmarine beschlagnahmt, im selben Jahr zurückgeliefert, aber im Jahr 1942 erneut beschlagnahmt und bis Kriegsende für Transportaufgaben im Ostseeraum eingesetzt
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 04 Juli 2016, 18:24:13
Moin Beate

bei Deinen genannten  Schiffsnamen hege ich leichte Zweifel.
Die "Mars" kann es meiner Meinung nach nicht gewesen sein.
In der Anlage habe ich Dir einen Zeitungsausschnitt aus dem Delmenhorster Kreisblatt vom 25. Oktober 1990 gelegt.
Hier berichtet der damalige 3. Ing  - Heinrich Tamm - wie er die letzten Transporte aus dem Osten erlebt hat.

Ich vermute stark, das es die dänische Fähre  -"Marks STIG" -  gewesen ist. In der Anlage ein Abzug aus der Seite "Fakta om Fartyg",
der belegt, das die Fähre 1944 von der KM übernommen worden ist und "Flüchtlinge" oder andere Leute nach Deutschland transportiert hat.
Vielleicht helfen diese Artikel ja weiter.

Mit besten Grüße

Manfred Heinken
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 04 Juli 2016, 19:03:35
Hallo Manfred,
bei den Schiffsnamen kann man grundsätzlich Zweifel haben, stützen sie sich in der Regel auf Aussagen überlebender Häftlinge und nicht auf Dokumente. Ich freue mich daher über jede Ergänzung oder Korrektur.

Der Artikel von Tamm über die "Mars" kann ich aber nicht als Beleg gelten lassen,  berichtet er doch nicht über Einsätze im Zeitraum August 1944.
Aus den zeitzeugenaussagen gehe ich bisher von einem Einzeltransport 10/12.8.1944 aus .

Natürlich könnte es auch die M/S Marsk Stig  (http://www.faktaomfartyg.se/marsk_stig_1940.htm)gewesen sein, nur verstehe ich
Zitat
1944 06 23. Kantrade fartyget i Helsingfors under lossning av bl. tanks. 

1944 06. Påbörjades bärgningen av ASSISTANS och efter ett tag så har man lyckats lossa lasten

1944 08 01. Påbörjas själva bärgningen av fartyget med hjälp av KONVOJ och SALVATOR från Finska Bärgnings Ab Neptun, samt lyftfartyget MURSU, samt  Helsingfors hamnkran TURSO.

1944 08 10. Bärgades vraket efter ett svårt arbete.
so, daß sie erst  zum 10.8.1944  in Helsinki nach einer Kenterung( beim Entladen u.a.von Panzern am 23.06.1944) geborgen wurde.
Dann kann sie schwer zum o.g. Zeitraum den Transport durchgeführt haben.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 04 Juli 2016, 19:18:56
Moin Beate,
dann werde ich einmal alle Zeitungsberichte von den Fahrten der "Mars" nachlesen.
Sollte sich etwas ergeben, dann melde ich mich sofort.
Schade, den Heinrich Tamm ich kannte ihn gut, kann ich nicht mehr fragen, der segelt längst in einer anderen Welt

Beste Grüße
Manfred Heinken
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Trimmer am 04 Juli 2016, 19:24:31
Hallo Ihr Beiden - könnte es sich dabei nicht auch um die " Thielbek " gehandelt haben  :?

Gruß - Achim - Trimmer
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 04 Juli 2016, 19:34:52
Hallo Manfred,
der Transport im August ging mit 741 dänischen Widerstandkämpfern  zum Internierungslager Frøslev . Ein Zeitzeuge berichtet von der Schiffs-Fahrt nach Flensburg.

Wenn Du Zeitungsberichte über Flüchtlingstransporte auswertest, musst Du damit rechnen, das die Transporte von KZ-Häftlinge verschwiegen ,verdrängt oder nicht wahrgenommen wurden, auch wenn sie auf dem gleichen Schiff stattfanden.
Was ich von "Bremerhaven" gelesen habe , die Häftlinge wurden in den Frachtraum gestoßen und dort sich selbst überlassen.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 04 Juli 2016, 19:56:05
Hallo Beate,
das alles war für die Besatzungen der Schiffe nur sehr schwer zu ertragen.
Da hält man lieber den Mund, war in vielen Fällen auch gesünder.

In den Büchern liest man nur die Bewegungen der Schiffe von Ost nach West.
Zielhafen war ja oft Kopenhagen, welche Ladung da aufgenommen wurde, wer weiß das noch? oder will das noch wissen?.
Oder was hat die von Achim genannte "Thielbek" transportiert. Das Schiff wird ja nicht so oft genannt.

Beste Grüße
Manfred Heinken
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 04 Juli 2016, 23:07:43
Hallo Beate,
aus den Zeitungen und auch aus den Büchern, die über die Flucht über die Ostsee berichten, steht nichts über den Transport von Häftlingen geschrieben, jedenfalls habe ich nichts gefunden.
Es wird nur über den Transport von Flüchtlingen, Soldaten und  Verwundete berichtet.
Das waren ja auch mehr als grausame Zustände auf den Schiffen, da gibt es große, auch gewollte Erinnerungslücken.
Vielleicht haben viele Besatzungen dieses alles gar nicht so wahrgenommen, dazu war vielleicht auch wenig Zeit vorhanden, es konnte doch immer etwas unvorhergesehenes aufkommen.
Die gesehenen und miterlebten Ereignisse wirst du doch dein ganzes Leben nicht wieder los.

Gruß
Manfred Heinken



Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bodrog am 05 Juli 2016, 00:17:06
Zitat
Vielleicht haben viele Besatzungen dieses alles gar nicht so wahrgenommen

Naja, die Häftlinge hatten noch drei Pfund weniger auf den Rippen und ihre längsgestreifte Kleidung an... eigentlich waren die nicht zu übersehen...  :-P und deren Todesraten waren selbst beim Eisenbahntransport exorbitant - da braucht man nur mal die Sterbebücher von Standesamtsbezirken mit größeren Güterbahnhöfen sich ab Dez. 1944 anzuschauen: fein säuberllich als "unbekannter Häftling aus dem KL xyz" protokolliert
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 06 Juli 2016, 13:44:42
Hallo,
mit dem Dampfschiff  "Apollo" (2293 brt) lag ein weiteres Schiff mit KZ-Häftlingen bei Kriegsende in Flensburg.Sie transportierte Häftlinge der 5.SS Eisenbahnbaubrigade (https://books.google.de/books?id=WRaa2s3v7GoC&pg=PA297&lpg=PA297&dq=5.+ss-baubrigade+Flensburg&source=bl&ots=P-lMvzHXDi&sig=4-u8xMamXfZGVHZ5J03jCKIcylw&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiLz9qd297NAhVC0xQKHUj6BNMQ6AEILjAD#v=onepage&q=5.%20ss-baubrigade%20Flensburg&f=false) die dem KZ Sachsenhausen unterstellt war, von Nordenham nach Flensburg.
Nach unbestätigten Angaben eines Zeitzeugen hatte das Schiff Seekabel geladen und nahm 500 Häftlinge und 80 SS-Leute an Bord. Es wird davon ausgegangen, das die "Apollo" am 28.4.1945 in Nordenham in See ging und Flensburg am 2.5.1945 gegen 11Uhr vormittags erreichte.
Am 7.5.1945 ist sie  auf "Flensburg Reede" gemeldet.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Trimmer am 06 Juli 2016, 14:28:52
Hallo Beate - nun dann müsste nun wohl auch die " Olga Siemers " in die Liste mit aufgenommen werden. Siehe  " Mit dem Frachtdampfer "Olga Siemers" durch den Nord-Ostseekanal  nach Kiel   
www.media.offenes-archiv.de
Noch einen Satz zu Manfreds Beitrag " Vielleicht haben viele Besatzungen dieses alles gar nicht wahrgenommen ....... "  Manfred - das war eine der Ausreden nach 1945 wo viele Leute plötzlich nichts mehr mit der NSDAP  am " Hut " hatten, natürlich gegen Hitler gewesen sind , von KZs überhaupt noch nie etwas gehört haben  usw.
Nein Manfred, viele haben es gewusst, haben es zur Kenntnis genommen und geschwiegen

Gruß - Achim - Trimmer
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 06 Juli 2016, 16:24:57
Moin Achim,
natürlich hast Du mit der Vergesslichkeit der Menschen nach dem Krieg Recht. Keiner will es gewesen sein.

Gruß
Manfred Heinken
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 06 Juli 2016, 16:36:47
Hallo,
gemeint ist wohl
 http://www.offenes-archiv.de/de/medium-ansicht?id=6226
mit dem Dokument http://media.offenes-archiv.de/ha7_2_2_5_2_3_thm_2480.pdf
Neben der "Olga Siemers" wird auch die "Rheinfels" erwähnt.
Die "Rheinfels" diente vom 4.5.1945 bis nach dem 10.5.1945  als schwimmendes KZ,
auf dem die in Flensburg angekommenen KZ-Häftlinge über das Kriegsende hinaus unter menschenunwürdigen Umständen gefangengehalten wurden und weiter starben.

Interessant  die Rolle der Kriegsmarine vertreten durch den Hafenkapitän Korvettenkapitän von Ramm, die das Schiff gegen den Willen des Kapitäns der "Rheinfels" beschlagnahmte. Zeitzeugen berichten, das von Ramm sich auf dem Schiff nicht blicken ließ und keine Hilfe kam.
Erst das Eintreffen der Alliierten führt zur Befreiung der Häftlinge.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bodrog am 06 Juli 2016, 18:14:27
Hans Joachim von Ramm?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Trimmer am 06 Juli 2016, 18:27:45
Ja - Korvettenkapitän Hans Joachim von Ramm - so steht der Name in dem Bericht . Genannt wird dieser Name vom Kapitän der " Rheinfels "  W. Meybohm  in einem Schreiben  an die Schiffseignerin  am 08.07. 1945

Gruß - Achim - Trimmer
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 06 Juli 2016, 18:35:24
Hallo bodrog
Ja, das Geb. Datum 10.10.1898, aus der Vernehmungsakte
(Dank an Reinhard) stimmt mit der Crewliste überein.
Interessant seine Aussage zur Weigerung des Kapitän der Rheinfels, das schiff zur Verfügung zu stellen und mit der Mannschaft an Bord zu bleiben:
Zitat
...Da dieses aus seemänischen Gründen nicht zu verantworten war,und es sich um ein Schiff handelte, das im Diensten der Kriegsmarine stand, gab ich ihm den militärischen Befehl an Bord zu bleiben.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TD am 07 Juli 2016, 03:20:10
Hallo Beate,

ich glaube dass in den Akten des BA Bayreuth einige Berichte zum Hafenkommandanten Flensburg liegen.
Interessant  die Rolle der Kriegsmarine vertreten durch den Hafenkapitän Korvettenkapitän von Ramm, die das Schiff gegen den Willen des Kapitäns der "Rheinfels" beschlagnahmte. Zeitzeugen berichten, dass von Ramm sich auf dem Schiff nicht blicken ließ und keine Hilfe kam.

Man muss wissen dass Ramm sich plötzlich um einige hundert Schiffe kümmern musste und viele Flottillen die nach Flensburg kamen.
Dazu waren neben Polizei auch viele Kräfte der Stadtverwaltung „ verschwunden“ und er musste sich um die Verpflegung der Stadt und den ganzen Schiffsbesatzungen kümmern.
Zudem war ja die „ neue Reichsregierung“, der Rest der Seekriegsleitung, alte Vorgesetzte der Ostseekommandos u.a. in Flensburg die sich mit Sonderwünschen überschlugen.
Hinterher sollte er für alles den Kopf hinhalten bis hin zum Gastwirt der sich aus einen Verpflegungslager reichlich bedient hatte bevor er die angeordnete Verteilerstelle einrichtete.
Dönitz hat übrigens in Flensburg auch wohl Schiffe beschlagnahmen lassen, hab leider im Moment keine Namen, eines wurde auf jeden Fall noch Lazarettschiff.
Zu:
..Da dieses aus seemännischen Gründen nicht zu verantworten war, und es sich um ein Schiff handelte, das im Diensten der Kriegsmarine stand, gab ich ihm den militärischen Befehl an Bord zu bleiben.
Die RHEINFELS unterstand eben der KM und wenn (!) Kapitän und Mannschaft sich geweigert haben wäre es Meuterei gewesen, eine Sache die in den letzten Kriegstagen teilweise überstreng bestraft wurde  ( auch aus lauter Angst es könnten noch Ereignisse wie zum Ende des 1. Weltkrieges kommen!)
Anderseits wollte sicher kein Kapitän in den letzten Tagen des Krieges, der Feind stand ja nur noch wenige Kilometer vor Flensburg, sein Schiff mit KZ- Häftlingen vollpacken lassen.
Gruß

Theo

P.S.: Ich glaube aber das Ramm sich nach in Augenscheinnahme um die RUTH kümmerte ?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 08 Juli 2016, 18:55:54
Hallo Beate,
hier mal 2 Anlagen von dem Frachtschiff "Mars".
Wenn man den Lebenslauf der "Mars" so richtig liest, dann kann sie nicht
an den Häftlingstransporten teilgenommen haben. Für diese Transporte blieb dem Schiff ja gar keine Zeit über.
In einem Artikel steht aber geschrieben, das man dem Schiff 500 Kojen eingebaut hat. Damit war sie ja eigentlich
auch ein Lazarettschiff.
Quelle hierfür: Das Buch: Flucht über die Ostsee und div. Zeitungen.

Beste Grüße
Manfred Heinken
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 08 Juli 2016, 19:25:18
Hallo Manfred,
Wie bereits http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,26430.15.html#lastPost #26
geschrieben, geht es um einen Einzel-Transport 10/12.8.1944.
Warum sollte er nicht zum Lebenslauf,
 wo, ohne Quellenangabe , Flüchtlingstransporte mit Ende 1944 angegeben werden , passen?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 08 Juli 2016, 20:12:50
Hallo,
bereits an anderer Stelle genannt http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,22245.msg298086.html#msg298086 #426
SS Hohenhörn 6.11.1942
http://warsailors.com/forum/read.php?1,9543,40019#msg-40019
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 09 Juli 2016, 18:09:01
Hallo,
die Frachtschiffe  Elmenhorst (https://de.wikipedia.org/wiki/Elmenhorst_(Schiff))"" und "Otterberg" dienten im Vorwerker Hafen in Lübeck
als schwimmendes Gefängnis der KZ-Häftlinge  während   der Umladeaktionen für die Transporte der"Thielbek" und "Athen" nach Neustadt.
Die Schiffe selbst haben den Hafen nicht verlassen.

Die Schiffe werden bei Schmidtke und Schön als Flüchtlingsschiffe erwähnt  , dieser Einsatz jedoch nicht.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 09 Juli 2016, 18:46:58
Hallo Beate,
so oder so ähnlich könnte es mit der "Mars" ja auch  abgelaufen sein.  Die Häftlingstragödie auf dem Schiff wurde einfach nicht erwähnt, fanden
einfach nicht statt, sie blieb ein reines Flüchtlingsschiff.
Hoffentlich wird das so nicht bestätigt.

Manfred Heinken

Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Trimmer am 09 Juli 2016, 18:58:39
Hallo Manfred - das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Selbst wenn es nur " Stückzahlen " ( bitte entschuldige den Ausdruck  ) geben würde irgend ein Dokument müsste bestimmt bei der deutschen Bürokratie existieren. Dazu waren es zuviele Häftlinge, gab es immer Mitwisser etc.

Gruß - Achim 
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 09 Juli 2016, 19:19:41
Hallo Achim,
da bin ich sehr gespannt, was sich da in diesem grausamen Dschungel noch so alles ergibt.
Gruß
Manfred
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 09 Juli 2016, 20:09:34
Ursprünglich wollte ich einwenden, dass es bei dem Transport der Hohenhörn im November 1942 um 9 jüdische Häftlinge ging, was die Bezeichnung als KZ-Schiff etwas übertrieben erscheinen lässt.

Aber die Diskussion in Finnland ist nicht bei dem Buch von Elina Suominen stehen geblieben. Nachdem renommierte finnische Historiker behauptet hatten, dass zahlenmäßig es keine nennenswerte Deportation von Juden aus Finnland gegeben habe, erschien ein Buch von Elina Sana (dieses publiziert auf englisch), in dem sie eine Zahl von 500 Juden nennt, die in Konzentrationslager deportiert wurden. Ob wiederum mit der "Hohenhörn", kann ich nicht sagen, weil ich kein Finnisch verstehe.

Zu der finnischen Auseinandersetzung dieser Artikel im Internet:
http://jcpa.org/article/finlands-tarnished-holocaust-record/

Eventuell findet ja noch Jemand etwas zur Identität der infrage kommenden Häftlingstransporter.
Viele Grüße
Thomas

P.S. Angehängter Ausschnitt aus dem Reader: "Global Perspektives on Holocaust" (https://books.google.de/books?id=Y5nWCgAAQBAJ&pg=PA83&lpg=PA83&dq=Hohenh%C3%B6rn+Arno+Anthoni&source=bl&ots=ACvZw8AMjK&sig=ICSmnHutLZjpD7B47vCISVrf104&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj086ff9ubNAhWHAsAKHfBwAyQQ6AEINTAE#v=onepage&q=Hohenh%C3%B6rn%20Arno%20Anthoni&f=false)

Hallo,
bereits an anderer Stelle genannt http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,22245.msg298086.html#msg298086 #426
SS Hohenhörn 6.11.1942
http://warsailors.com/forum/read.php?1,9543,40019#msg-40019
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 09 Juli 2016, 21:08:02
Hier die Rezension eines Buches von Oula Silvennoinen, der deutschen Übersetzung einer finnischen Dissertation über die deutsch-finnische Zusammenarbeit im 2. Weltkrieg.

http://www.h-net.org/reviews/showrev.php?id=33029
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Trimmer am 09 Juli 2016, 22:17:11
Hallo Beate, Manfred und TW - ich habe mal noch eine sehr interessante PDF zu der ganzen Sache gefunden.

http://www.schiffsingenieure.de/images/pdf/VSIH6-2015.pdf  siehe Seiten  ab 22 - 26 Intreressant auch hier die Fahrt des Schleppers "Adler " mit Kahn "Vaterland "  und Schlepper " Bussard" mit Kahn "Wolfgang  von Nickelswalde bei Elbing  am 24.04.45 - 02.05.45 nach Lübeck  bzw. weiter nach Neustadt

Abendgruß - Achim - Trimmer
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 10 Juli 2016, 13:37:36
Hier die Rezension eines Buches von Oula Silvennoinen, der deutschen Übersetzung einer finnischen Dissertation über die deutsch-finnische Zusammenarbeit im 2. Weltkrieg.

http://www.h-net.org/reviews/showrev.php?id=33029
Hallo Thomas,
Danke für den Buchtip,  :MG: werde ich versuchen ,mir auszuleihen.
In dem Buch von Elina Sana werden noch mehr Deportierte nachgewiesen, ob mit dem Schiff muß sich zeigen
Zitat
Unter anderem fand sie Dokumente, die bewiesen, dass etwa 3000 sowjetische Kriegsgefangene und mindestens 129 Zivilisten an die Gestapo und SD ausgeliefert worden sind, von denen die meisten in Konzentrationslagern starben. Darunter befanden sich circa 70 Juden. https://eisbrecherblog.wordpress.com/category/finnland/
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 10 Juli 2016, 14:11:27
Hallo Achim,

Deinem Hinweis weiter nachgehend stieß ich auf diese besonders eindrückliche Schilderung:
https://www.facebook.com/notes/muzeum-stutthofstutthof-museum/25-april-jahrestag-der-see-evakuierung-von-kz-stutthof/516252808431758/

Viele Grüße
Thomas

Hallo Beate, Manfred und TW - ich habe mal noch eine sehr interessante PDF zu der ganzen Sache gefunden.

Intreressant auch hier die Fahrt des Schleppers "Adler " mit Kahn "Vaterland "  und Schlepper " Bussard" mit Kahn "Wolfgang  von Nickelswalde bei Elbing  am 24.04.45 - 02.05.45 nach Lübeck  bzw. weiter nach Neustadt

Abendgruß - Achim - Trimmer
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Trimmer am 10 Juli 2016, 14:37:27
Hallo Thomas - manchmal möchte ich eigentlich bei dieser furchtbaren Geschichte gar nicht " tiefer " graben. Ob da nun noch ein paar Schiffe oder Boote mehr oder weniger raus kommen - zumindest mir egal. Wünschen wir uns nur das soetwas nie wieder passiert.
Das waren meine letzten Zeilen zu diesem Thema.

Gruß - Achim
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 10 Juli 2016, 15:11:18
Hier ein Bild des alten Raddampfers:
http://www.ansichtskarten-center.de/transport-verkehr/schiffe-schifffahrt-zivil/elbeschiffe/raddampfer-hamburg-hamburg-stade-linie-1928-ak?VIEW_INDEX=4

Marinelager Wohnschiff "Hamburg"-Frauendorf

Wohnschiff "Hamburg" vmtl . "kleines Wohnschiff "Hamburg" Bj.1893 340 brt 1939 von KM übernommen 28.6.43 Kasernenschiff KMD Stettin
DDK Bd.5, S.89
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 10 Juli 2016, 15:14:11
Moin zusammen,
das alles ist ja unvorstellbar.
Augenzeugen, wenn es überhaupt noch welche gibt, müssen diesen grausamen Wahnsinn doch ihr ganzes weitere Leben vor
Augen gehabt haben. Diese Anblicke wirst du doch nie wieder los.

Manfred Heinken
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 10 Juli 2016, 15:18:35
Hallo,
es ist hilfreich, das diese Ereignisse auch im Netz zu finden sind.
Das Buch von
 Elżbieta Grot „Rejs śmierci,Ewakuacja Morska Więźniów KL Stutthof”,
ist leider nicht auf Deutsch erhältlich, hat aber Eingang gefunden in die Bücher von
 Wilhelm Lange" Cap Arcona" und
für die Ereignisse in Flensburg Gerhard Paul, Broder Schwensen: "Mai 45". Kriegsende in Flensburg

Die beteiligten Schiffe sind bis heute noch nicht vollständig erfasst. Dies zu verbessern, wäre das FMA und HMA prädestiniert  :-)
Zitat
In der Nacht vom 26. auf den 27. April um 2 Uhr 30 wurden die Häftlinge auf Schiffe gebracht. Um 6 Uhr erreichten sie Hel von der südlichen Seite der Halbinsel https://www.facebook.com/notes/muzeum-stutthofstutthof-museum/25-april-jahrestag-der-see-evakuierung-von-kz-stutthof/516252808431758/
Diese Schiffe waren Landungsboote des General Henke, ersichtlich in der Skizze des Häftlings Basler, dessen Tagebuch ein wichtiges Beweisstück im Stutthof Prozeß (http://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/prozess-um-das-schwimmende-grab-id10364581.html) war.
Ein Landungsboot konnte bereits identifiziert werden http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,13909.msg262029.html#msg262029

Gibt es Chancen noch weitere zu finden, welche befanden sich zu diesem Zeitraum vor Ort?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 10 Juli 2016, 15:21:49
Ob da nun noch ein paar Schiffe oder Boote mehr oder weniger raus kommen - zumindest mir egal. Wünschen wir uns nur das so etwas nie wieder passiert. Das waren meine letzten Zeilen zu diesem Thema.

Ich dagegen möchte für die Chronik des Seekrieges gerne eine Sonderseite zum Thema herstellen. Eventuell als kleine Chronik aufgebaut oder nach Schiffsnamen gelistet; weiß noch nicht genau, jedenfalls mit Links zu allen "Quellseiten".

Ich hänge mal meine derzeitige, noch sehr provisorische Zusammenstellung unten dran.
Viele Grüße
Thomas

P.S. Dateianhang jetzt mit MFP 862 und einigen weiteren kleinen Einheiten
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 10 Juli 2016, 15:52:17
Hallo  Thomas,
in Deinem Bericht steht: 10/12. 08 1944 wurden dänische Häftlinge aus dem Lager Horserod mit dem Schiff "Mars" ab Hellsingör nach Deutschland deportiert.
Vielleicht hat man der "Mars" ja deshalb 500 Kojen eingebaut und sie auch als Truppentransporter, Urlauberschiff oder Lazarettschiff bezeichnet.
Zu den Flüchtlingstransporten wurde sie ja erst ab Ende des Jahres 1944 eingesetzt.

Gruß
Manfred Heinken

Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 10 Juli 2016, 17:09:09
Hallo Thomas,
gute Idee  :MG:
Bei den Stutthof Transporten, sind die beteiligten Schiffe der Häftlinge, die am 5.5.1945 in Klintholm landeten
am schwierigsten.
Ich habe versucht, das hier http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,4623.msg233903.html#msg233903 #13 zusammenzustellen.
Ziemlich sicher ist , das in Klintholm die Barke "Breslau" angekommen ist http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,13909.msg297838.html#msg297838
Das auf der Greifswalder Oie gestrandet Schiff könnte sein
 
Zitat
D la Anne Maria        + R/-   Greifsw. Oie  S 29. 4. 45
  aus dem Archiv von Theo  :TU:)

Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Olaf Berg Nielsen am 10 Juli 2016, 17:54:05
Hallo Theo,

mit dem Kahn, der auf Klintholm, Møn landete waren 12 Zeugen Jehovas, dabei Hermine Schmidt. Sie hat in das Buch: ”Die gerettete Freude” von seine Aufenthalt in KZ Stutthof und die Rettung in Dänemark geschrieben.

Hier ist etwas was in „Der Wachtturm“ 1. März 1987 von dieser Fahrt geschrieben war:

„Am 25. April 1945 wurden wir erneut zu einem Ostseehafen gebracht. Ich war immer noch sehr krank, so daß die Glaubensschwestern alle Mühe hatten, mich auf die Beine zu bekommen. Und doch sangen einige unsere Königreichslieder. Auf einem primitiven Lastkahn begann dann unsere abenteuerliche Seefahrt. Es waren wohl mehr als 400 Menschen an Bord, und der Kahn schaukelte bedenklich. Um die Trimmlage zu verbessern, wurden die Häftlinge unter Schlägen gezwungen, nach unten in den Laderaum zu gehen. Dort lag buchstäblich einer auf dem anderen. Die Toten wurden über Bord geworfen. Daß wir zwölf Zeugen Jehovas an Deck bleiben durften, empfanden wir als einen Segen, und wir dankten Gott dafür.
Wir waren allerdings steif gefroren, als wir am nächsten Morgen Saßnitz auf Rügen anliefen. Man nahm uns aber nicht auf und gab uns nur etwas Süßwasser. In der Nacht vom 29. auf den 30. April lief unser Kahn auf eines der vielen Riffe bei der Insel Eulenbruch auf. Der Schlepper hatte uns in dem minenverseuchten Gebiet abgehängt und sich davongemacht. Sollten wir auf diese Weise beseitigt werden? Wir hörten, wie der Kahn am Felsen rieb, und konnten uns nur noch auf Gott verlassen.
Die Küstenmarine brachte uns schließlich in Schlauchbooten an Land und dann auf einen anderen Kahn. Man zwang die Besatzung mit Waffengewalt, wieder in See zu stechen. Alle deutschen Häfen waren jedoch bereits von den Truppen der Alliierten besetzt, und so ging die Fahrt immer weiter, bis wir auf der Insel Møn (Dänemark) landeten. Gleich nach der Landung fragten wir, ob es auf der Insel Zeugen Jehovas gebe. Schon nach etwa zwei Stunden kamen zwei Schwestern, die uns gleich umarmten. Die Menschen um uns herum waren höchst erstaunt. Sobald die Brüder im dänischen Zweigbüro von unserer Ankunft erfuhren, beauftragten sie Filip Hoffmann, sich darum zu kümmern, daß wir liebevoll aufgenommen und versorgt wurden. Wie dankbar waren wir Jehova für seine Güte!”

Mit freundlichen Grüßen
Olaf
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Olaf Berg Nielsen am 10 Juli 2016, 18:27:47
Hallo Beate und anderen,

hier sind einige Bilder von Klintholm Hafen und der deutsche Kahn am 5. Mai 1945:

http://www.mandemarke.dk/historiens_pram.html

Mit Gruß Olaf
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 10 Juli 2016, 18:40:48
Danke vielmals Olaf,
 :MG:
Es ist wichtig daran zu erinnern, dass nicht allein Juden, sondern auch andere Minderheiten mit abweichenden politischen und religiösen Überzeugungen Opfer des Nazi-Terrors waren.
Viele Grüße
Thomas
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 10 Juli 2016, 19:11:01
Hallo Olaf,
auch von mir vielen Dank  :MG:
so bekommen die Opfer einen Namen und eine Geschichte, auch wenn deren Erlebnisse für uns schwer zu ertragen sind.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 10 Juli 2016, 19:25:28
und dem schließe ich mich ohne wenn und aber an.

Manfred Heinken
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TD am 11 Juli 2016, 05:15:53
Eine Datenbank zu den einzelnen Schiffen würde ich voll unterstützen.
Wen man erst einmal einen Schiffsnamen hat kommt oft der Rest später automatisch dazu.
Es  ist nur unbedingt notwendig dass alle Daten zu dem jeweiligen Schiff zusammen gefügt werden.
Die jetzige Form über viele Seiten gemischt hier im Forum ist für eine gute Forschung nicht geeignet.

Zum Wohnschiff HAMBURG habe ich zwei Schiffe im Osten gefunden welche 1945 zur Schlei kamen.

Einmal ein Schiff von der Philipp Holzmann AG, Zweigstelle Hamburg
Dieses Schiff war 29,82 m lang und hatte 154,662 Tonnen.

Die andere HAMBURG  wurde 1888 gebaut und hatte 340 BRT
Diese Hamburg war Eigentum von Leth & Co., Hamburg.
Es  war soweit ich noch weiß ein ausgeschlachteter Fischdampfer.

Ein Wohnschiff HAMBURG wurde vor dem 2.6.1944 durch Luftangriff versenkt und durch den Eisbrecher CASTOR am 10.06.1944 gehoben.

Ein Wohnboot 4 wurde noch am 3.5.1945 bei Kiel Feuerschiff versenkt durch Raketenbeschuß eines britischen Flugzeuges.

Gruß

Theo


 
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 11 Juli 2016, 15:01:50
Als "Gespensterschiff" wird in Bremerhaven ein ehemaliges Minensuchboot bezeichnet, das im Mai 1933 von der Marine-SA erworben wurde. Auf dem Schiff wurden zwischen Mai und Oktober 1933 politische Gegner der Nationalsozialisten bei speziellen Verhören geschlagen und gefoltert.

Das Minensuchboot wurde 1918/1919 auf der Seebeck-Werft als FM 21 erbaut, 1922 als Peilboot III von der Reichsmarine übernommen. Bereits 1928 wurde es wegen zahlreicher Mängel ausgemustert und 1930 an die Firma Mützelfeldt in Cuxhaven verkauft. Im Mai 1933 erwarb die Marine-SA in Bremerhaven das ausrangierte Minensuchboot und überführte das Schiff nach Bremerhaven. Zunächst lag das Schiff im Neuen Hafen, ab Juli 1933 dann im Alten Hafen.

  Auf dem „Gespensterschiff“ wurden speziell Gefangene vernommen, die in den normalen Gefängnissen nicht die von der Polizei gewünschten Aussagen machten. Die geforderten Geständnisse konnten auf dem etwas abseits gelegenen Schiff besser erreicht werden. Mit Hilfe brutalster Folterungen wurden die Gefangenen zu Geständnissen über angeblich begangene Verbrechen gezwungen. Auf dem Schiff wurde mit Gummiknüppeln, Stahlruten, der Faust und mit Nägeln bestückten Holzleisten geschlagen. Die Schreie der Gefolterten riefen in der Bevölkerung Proteste hervor und gaben dem Schiff in der Bevölkerung den Namen Gespensterschiff. Um weitere Schreie zu unterdrücken, bekamen die Gefangenen Kissen ins Gesicht gedrückt, bevor sie geschlagen wurden.

Ab Oktober 1933 wurde das Gespensterschiff nicht mehr von der SA für Verhöre genutzt. Die politischen Feinde wurden ab da in Konzentrationslager wie KZ Neuengamme, KZ Sachsenhausen oder KZ Dachau verbracht.

Die Zahl der Menschen, die auf das Gespensterschiff verschleppt wurden, steht nicht genau fest, sie wird aber auf „Hunderte“ geschätzt. Das Schiff verblieb anschließend im Alten Hafen und wurde dort 1939 aufgelegt. Es ist am 24. Oktober 1944 dort bei einem Luftangriff gesunken resp. verloren gegangen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gespensterschiff_%28Bremerhaven%29
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 11 Juli 2016, 15:59:00
Hallo,
das KZ Stutthof verfügte über zahlreiche Außenlager (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Au%C3%9Fenlager_des_KZ_Stutthof), bei denen die Häftlinge als
"Sklavenarbeiter" eingesetzt wurden. Dazu zählt das  "Außenarbeitslager Deutsche Werke Gotenhafen", das beim Bau und Reparatur von U-Booten zum Einsatz kam.
Am 25.3.1945 wurden 618  Gefangene mit den Schiffen "Zephyr" (368) und "Elbing" (250),
zusammen mit Wehrmachtsgütern abtransportiert. Sie landeten in Aussenlagern des KZ-Neuengamme in Hamburg und Kiel.
Nach Todesmärschen landeten sie nach einer Odyssee auf den KZ-Schiffen in Neustadt.

Museum Stutthof übersetzt (https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=pl&tl=de&u=http%3A%2F%2Fstutthof.org%2Fnode%2F173)

Bei der "Elbing " dürfte es sich um die "Elbing IV" handeln, dazu ist bei Schmidtke vermerkt
Zitat
"26.3.45 von Danzig über Hela, Swinemünde und Warnemünde 250 Angehörige der Schichauwerften Elbing und Danzig nach Travemünde evakuiert"
das zu der Frage, warum KZ-Häftlinge in der "Flüchtlingsliteratur" nicht auftauchen.
Die Schichauwerften Danzig und Elbing setzten ebenfalls KZ-Häftlinge  ein.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 11 Juli 2016, 16:08:17
Zur "Bremerhaven" (Hydrierwerke Pölitz) stieß ich auf diesen interessanten blog:
http://heinzslominski.blogspot.de/2015/07/das-polenschiff.html
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 11 Juli 2016, 16:55:33
Hallo ,
von September 1933 bis zum 15.5.1934 wurde  ein ehemaliger Schleppkahn des norddeutschen Lloyd als KZ genutzt
"Orte des Terrors" Bd.2 (https://books.google.de/books?id=K8KBYViZsj0C&pg=PA79&lpg=PA79&dq=kz+ochtumsand&source=bl&ots=lhyl1vXMAn&sig=yGx_Uy9JOQM950Z2VNRBv5MsZR8&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjlkKbd0evNAhVFRhQKHWI-DDkQ6AEIHDAA#v=onepage&q=kz%20ochtumsand&f=false)
Ob der Name "Ochtumsand" vom Liegeort oder vom Schiff http://www.radiobremen.de/wissen/geschichte/ns-zeit/missler100.html
herstammt  , ist widersprüchlich, ich glaube aber an ersteres.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 11 Juli 2016, 17:14:44
Hallo,
Zitat
Die I. SS-Baubrigade auf Alderney, genannt Lager „Sylt“, unterstand der Verwaltung des KZ Neuengamme. Die Häftlinge, die die laufenden Häftlingsnummern des KZ Neuengamme zwischen 16000 und 17000 erhielten, mussten aufgrund der befürchteten Invasion der Alliierten im Auftrag des Oberkommandos der Wehrmacht und der Organisation Todt Befestigungsanlagen auf der Insel errichten. Am 24. Juni 1944 wurde das Kommando „evakuiert“. Bei der Evakuierung befanden sich von den ehemals 1000 Häftlingen nur noch 636 im Lager
http://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/geschichte/kz-aussenlager/aussenlagerliste/alderney-i-ss-baubrigade/
hier (https://books.google.de/books?id=E0mG9tQy864C&pg=PA347&lpg=PA347&dq=alderney+kz&source=bl&ots=LODkd43wfl&sig=K5eeWIKN9re-4fEumYIkTU8j3OE&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiYyZXc1evNAhWL8RQKHSbuAKIQ6AEITjAI#v=onepage&q=alderney%20kz&f=false) wird als Quelle
 KTB Marinegruppenkommando West RM 35II/64 angegeben, hat das jemand , dann könnte man vielleicht  auch das Transportschiff finden.
Es muss auch ein Schiff zum Hertransport gegeben haben.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 11 Juli 2016, 22:20:10
Hallo,
habe nur das KTB Marine GruKo West aus 1944 08,
T_1022 4009I PG 37595
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 12 Juli 2016, 20:53:47
Hallo Beate
Im Artikel davor (S.78) über KZ Bremen-Mißler steht, dass es sich um den Ex-NDL-Kahn Nr. 86 handelte. Ochtumsand hieß das KZ und, da der Kahn das KZ war, eben auch der Kahn. So verstehe ich die Sätze.
Viele Grüße
Thomas

Hallo ,
von September 1933 bis zum 15.5.1934 wurde  ein ehemaliger Schleppkahn des norddeutschen Lloyd als KZ genutzt
"Orte des Terrors" Bd.2 (https://books.google.de/books?id=K8KBYViZsj0C&pg=PA79&lpg=PA79&dq=kz+ochtumsand&source=bl&ots=lhyl1vXMAn&sig=yGx_Uy9JOQM950Z2VNRBv5MsZR8&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjlkKbd0evNAhVFRhQKHWI-DDkQ6AEIHDAA#v=onepage&q=kz%20ochtumsand&f=false)
Ob der Name "Ochtumsand" vom Liegeort oder vom Schiff http://www.radiobremen.de/wissen/geschichte/ns-zeit/missler100.html
herstammt  , ist widersprüchlich, ich glaube aber an ersteres.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 12 Juli 2016, 22:55:52
Hallo Thomas,
danke, das wär dann geklärt.

Das KZ Ravensbrück hatte in Peenemünde die  Aussenlager ,Karlshagen I und II.
Karlshagen II unterstand der Heeresanstalt (Peenemünde Ost).
Zitat
Die Auflösung des Lagers Karlshagen II begann Mitte Februar 1945. 350 „Invaliden“
wurden auf dem Wasserweg nach Barth und von hier über das Mittelbau-Außenlager
Ellrich ins KZ Bergen-Belsen gebracht 1277. Die Angaben eines überlebenden
Häftlings, es habe zunächst einen Plan gegeben, den Lastkahn mit den Gefangenen
zu versenken1278, kann nicht durch andere Berichte bestätigt werden. Ebenso wenig
bewiesen ist die Versenkung eines Schleppkahns mit 335 Peenemünder Häftlingen,
die in den letzten Apriltagen geschehen sein soll1279. Mitte bis Ende April 1945 wurden
alle noch im Lager Karlshagen verbliebenen Häftlinge evakuiert. Eine Wolgasterin
will am 28. April 1945 einen langen Zug von elend aussehenden Häftlingen
gesehen haben, die durch die Stadt in Richtung Westen gezogen seien1280. Nach
Angaben eines Barther Häftlings traf im April ein Transport von rund 400 Peenemünder
Häftlingen in Barth ein1281. Ein Restkommando wurde per Schiff aus
Peenemünde evakuiert
und dann zu Fuß in Richtung Rostock in Marsch gesetzt. Die
Überlebenden dieses Todesmarsches wurden hier von sowjetischen Soldaten befreit1282
https://www.otto-brenner-shop.de/uploads/tx_mplightshop/a024.pdf
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 12 Juli 2016, 23:31:04
Hallo,
der Todesmarsch des KZ Fürstengrube führte zum KZ Mittelbau
Zitat
Nach 4 Wochen im KZ Mittelbau wurden 200 überlebende Häftlinge gesammelt und nach Magdeburg getrieben. Auf dem Weg dorthin traf die Kolonne auf eine Gruppe von 300 Häftlingen – mehrheitlich sowjetische Kriegsgefangene sowie Holländer, Franzosen und Belgier – die gemeinsam weitergetrieben wurden.

Die Häftlinge wurden am 9. April 1945 auf einen offenen Schleppkahn verladen und über die Elbe nach Lauenburg und den Elbe-Lübeck-Kanal nach Lübeck transportiert, wo sie am 12. April 1945 im Industriehafen Lübeck-Vorwerk eintrafen.
https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_F%C3%BCrstengrube-Todesmarsch
Der weitere Marsch führt zur "Cap Arcona".

Dank des unerschöpflichen Archiv von Theo , ist auch der Name des Schleppkahns als "WILMA" bekannt.Lt erhaltener Rechnung  wurde der Transport durchgeführt vom 7.4-12.4.45 im Auftrag des KZ Neuengamme .
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 13 Juli 2016, 11:00:29
Moin zusammen,
unter Antwort 68 wird die "Bremerhaven" genannt.
Hier die Daten des Schiffes:
Unter der Bau-Nr 369 wurde die "Revantazon" bei Workmann, Clark & Co, Belfast abgeliefert.
Vermessung: 5355 BRT/123,3 m Länge über alles/ 15.6 m Breit/13 Knoten war sie schnell.
1936 wurde sie von der Union und Handelsgesellschaft in Bremen angekauft und in "Bremerhaven" umbenannt.
Die "Bremerhaven" wurde in der Fruchtfahrt Bremerhaven-Mittelamerika eingesetzt.
1944 als Lazarettschiff  von der Kriegsmarine in Dienst gestellt.
31. Oktober 44 wird die "Bremerhaven" nördlich Hela durch Bombentreffer versenkt.

Quelle hierfür: Die deutschen Kühlschiffe.

Das Foto zeigt allerdings noch die "Revantazon". Als "Bremerhaven" keine sichtbaren Um-oder Ausbauten.

Beste Grüße
Manfred Heinken



Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 13 Juli 2016, 20:44:03
Die BREMERHAVEN kam schon 2x ins "Spiel": auf Seite [1] dieses threads als Transporter von Häftlingen und jüdischen Mitbürgern aus Riga nach Danzig-Stutthof im August 1944; und dann als "Wohnschiff" für die Zwangsarbeiter im Hydrierwerk Pölitz (bei Stettin) in den Jahren 1941-1943.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Darius am 13 Juli 2016, 21:04:18
Hallo zusammen,

zur BREMERHAVEN gab es in der Ausgabe 10/2008 der poln. Zeitschrift ODKRYWCA ("Entdecker") einen Artikel. Hier die einleitenden Worte in grober Übersetzung:
Zitat
„Bremerhaven“ fast wiedergefunden
von Piotr Maszkowski

Die mit der unheilvollen Berühmtheit eines schwimmenden Konzentrationslagers belegte S/S „Bremerhaven“ beendete ihren düsteren Dienst auf dem Grund der Ostsee am 31.10.1944, versenkt durch sowjetische Luftwaffe. Eine von See und von Land wirksam durchgeführte Rettungsaktion führte dazu, dass der Großteil der Passagiere gerettet wurde. Dadurch ging die Katastrophe nicht in den Kreis der größten Schifffahrtstragödien ein. Vielleicht aus diesem Grund ist das Schiff auch für Jahre in Vergessenheit geraten. Obwohl die letzte Schiffsposition genau in den deutschen Berichten festgehalten ist, ist die genaue Identifizierung des Wracks noch immer nicht ganz sicher. Trotz mehrerer Penetrationsversuche steht die endgültige Bestätigung der Identität noch aus. Die zuletzt vom „Bałtyckie Towarzystwo Wrakowe“ organisierte Expedition soll endgültig das Geheimnis des „Todesschiffes“ lösen.

Der Beiname wurde gegeben und gleichzeitig auch verbreitet durch Henryk Mąka im erstmals 1987 veröffentlichten Buch „Bremerhaven – Statek śmierci“ [Bremerhaven – Das Todesschiff]. Der Autor führte in den 1960er eine Untersuchung durch bzgl. der Identität des von den Nazis zum Konzentrationslager bei den Hydrierwerken Pölitz [http://de.wikipedia.org/wiki/Police_(Oder)] umgewandelten Schiffes durch.
[...]

 :MG:

Darius
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Darius am 13 Juli 2016, 21:34:01
KTB Skl. 29.08.1944, Admiral Östliche Ostsee:
Zitat
Vom 25/7. - 28/8. sind insgesamt nach Osten 52.735 Mann, 2.134 Pferde, 2.005 Fahrzeuge, nach Westen 34.098 Mann, 38.077 Verwundete, 72.089 Evakuierte, 35.309 Kriegsgefangene, 5.586 Pferde und 1.698 Fahrzeuge überführt. Außerdem sind 16.518 Verwundete von Pillau nach Swinemünde verbracht.

 :MG:

Darius
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TD am 14 Juli 2016, 23:46:46
Hallo zusammen,

ich habe es ja gerne wenn bei Geschichten die Schiffe ein Gesicht bekommen.

Der Seeleichter No. 86 oftmals auch NDL 86 geschrieben war im ersten Weltkrieg bei der Kaiserlichen Marine:
NDL 86 (1897, Papenburg: Meyer, aus 115-117) 442 BRT; 50,00 x 8,00 x 2,00 m; Leichter, Norddt. Lloyd, Bremen; 10.1917 Ks. Marine, Bremerhaven
1920 (?) wurde der Seeleichter dann an die Reederei Schuchmann ( später Bugsier) verkauft und bekam den Namen WESER II ( siehe unten).
Leider konnte ich den Verbleib des Schiffes bisher nicht ermitteln.

Bis dann

Theo
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 15 Juli 2016, 09:12:23
Moin zusammen,
das sehe ich auch so. Bei den Schiffen, die genannt werden, sollte man versuchen, auch wenn es teilweise nicht so einfach ist,
die Schiffsdaten herauszufinden.
Suchen wir weiter.

Beste Grüße
Manfred Heinken
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 16 Juli 2016, 19:50:27
Hallo,
der Vormarsch der Russen führte im Sommer/Herbst 1944 zur Räumung der Konzentrationslager in den eroberten Ostgebieten bei Riga und Reval . Über  20.000 Häftlinge wurden per Schiff nach Danzig "evakuiert". Die Frauen kamen ins KZ-Stutthof, die Männer Richtung KZ-Buchenwald
Weitere Informationen liefert
Buch der Erinnerung des VDK (https://books.google.de/books?id=Ozqif5WbmBIC&pg=PA77&lpg=PA77&dq=janina+grabowska+stutthof&source=bl&ots=_EWSWuAyG1&sig=2VQ_lutd6CHz0mWDqW2svobRtOo&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiQ_IjTu_jNAhVKsBQKHRiRAoAQ6AEIPzAM#v=onepage&q=balkan&f=false)
dabei ein Transport am 17.2.1945 von Libau mit dem Dampfer "Balkan"
 nach Hamburg zum Zuchthaus Fuhlsbüttel, dort kam das Schiff am 25.2.1945 an.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Darius am 16 Juli 2016, 21:38:26
Hallo zusammen,

Ergänzungen aus dem KTB Skl. 08/1944:
Zitat
01.08.1944 - 2 Mot.-Segler-Geleite mit 1733 Rhodos-Juden sind am 30. abends in Piräus eingelaufen.
Zitat
03.08.1944 - Am 3/8. Uhr sind 3 türkische Motorsegler mit jüdischen Emigranten aus Rumänien im Geleit von 2 rumänischen U-Jägern von Konstanza zum Bosporus ausgelaufen.

Darius
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 16 Juli 2016, 23:48:37
Hallo,
 :MG: danke darius,
Zitat
KTB Kdt. Ostägäis
23.7.44 21 uhr
3 Motorschiffe mit 1651 Juden aus Rhodos nach Coo über Piscopi (Tageseinstand) ausgelaufen 
http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,4204.msg57312.html#top
Edit: da ich bisher nur Angaben von 1.700 abtransportierten Juden gefunden habe, muß es sich um den gleichen Transport handeln  :?
Edit 2
Zitat
Deportiert wurden von Rhodos zumindest 1.651 Frauen, Männer und Kindern, aus Kos zumindest 83.[38] Drei Schiffe aus Rhodos liefen am 24. Juli 1944 aus, eines aus Kos schloss sich an und sie verbrachten die Inhaftierten ins KZ Chaidari. Unmittelbar nach dem Abtransport der Juden setzte Kleemann eine Erfassungskommission für den Judennachlass ein.[39] Am 3. August wurden die Juden – mit dem letzten Deportationszug aus Griechenland – von Athen nach Auschwitz verbracht, wo sie nach 13 Tagen in Viehwaggons am 16. August 1944 eintrafen. 600 Menschen wurden für den Arbeitsdienst ausgesondert, alle anderen unmittelbar nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet. „Nur 151 der von Rhodos Deportierten überlebten.“[40] https://de.m.wikipedia.org/wiki/Deportation_und_Ermordung_der_griechischen_Juden_durch_das_NS-Regime
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 17 Juli 2016, 01:14:11
moin,

Ergänzungen aus dem KTB Skl. 08/1944:
...
03.08.1944 - Am 3/8. Uhr sind 3 türkische Motorsegler mit jüdischen Emigranten aus Rumänien im Geleit von 2 rumänischen U-Jägern von Konstanza zum Bosporus ausgelaufen.
Zitat aus dem von TW in Beitrag #20 erwähnten Rohwer-Text :
"Am 3.8.1944 liefen am Abend die drei Schiffe MORINA, BULBUL und MEFKURE in der angegebenen Reihenfolge von Constanta aus. Auf jedem der Schiffe waren Unteroffiziere der rumänischen Marine eingeschifft, und sie wurden auf dem ersten Teil des Weges durch zwei rumänische, ehemals deutsche Boote der 23. U-Jagdflottille, begleitet. Nachdem man auf dem Kursänderungspunkt des deutschen Tiefwasserweges zum Bosporus eingetroffen war, übernahmen die rumänischen U-Jäger die Männer des rumänischen Begleitkommandos und entließen die Fahrzeuge zur Weiterfahrt in Richtung Bosporus. Dabei gerieten die Schiffe im Verlauf des 4.8. etwas auseinander. Die schnellere MORINA kam langsam voraus aus Sicht, während die BULBUL gegenüber der MEFKURE zurückblieb. Nach Sonnenuntergang hatte keines der Schiffe mehr die anderen in Sicht.
Am 5.8. um 0.10 Uhr wurde die MEFKURE in etwa 42°03' Nord / 29°08' Ost von dem sowjetischen U-Boot Shch-215 unter Kapitänleutnant Strižak gesichtet. Das aufgetauchte U-Boot feuerte eine Leuchtrakete und begann kurz darauf, das Schiff mit seiner 45 mm-Kanone und anschließend mit Maschinenwaffen zu beschießen. Etwa 30 Minuten nach Beginn des Angriffes sank die MEFKURE. 114) Am nächsten Tage wurden das Rettungsboot mit der 5 Mann starken türkischen Besatzung sowie 5 andere überlebende von der folgenden BULBUL aufgenommen, die jedoch wegen der Wetterlage nicht in den Bosporus einlaufen konnte und deshalb den kleinen Hafen Igneada in der Nähe der bulgarischen Grenze aufsuchte."


Diese Transporte sind aber - wie bereits erwähnt - in diesem Thread nicht das Thema.

Gruß, Urs

P.S. und Edit : ich wurde von kompetenter Stelle top darauf aufmerksam gemacht, daß der o.g. Name BULBUL nicht ganz korrekt ist, er müßte BÜLBÜL =  Nachtigall lauten
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 17 Juli 2016, 11:27:09
Zitat
KTB Kdt. Ostägäis
23.7.44 21 uhr
3 Motorschiffe mit 1651 Juden aus Rhodos nach Coo über Piscopi (Tageseinstand) ausgelaufen 
http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,4204.msg57312.html#top
Edit: da ich bisher nur Angaben von 1.700 abtransportierten Juden gefunden habe, muß es sich um den gleichen Transport handeln  :?
Edit 2
Zitat
Deportiert wurden von Rhodos zumindest 1.651 Frauen, Männer und Kindern, aus Kos zumindest 83.[38] Drei Schiffe aus Rhodos liefen am 24. Juli 1944 aus, eines aus Kos schloss sich an und sie verbrachten die Inhaftierten ins KZ Chaidari. 

Wenn man "Coo" mit Kos und "Piscopi" mit Tilos übersetzt , wird der Weg klarer.
Die 1651 Juden aus Rhodos und die 83 aus Kos ergeben (fast) die lt. KTB SKL in Piräus angekommenen 1733 Juden.
Zitat
in der Ägäis wurden die Juden wohl durch einige Siebelfähren von Kos abgeholt. http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,26430.15.html #16
Im HMA Landungsboote habe ich leider keinen Hinweis gefunden.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 17 Juli 2016, 13:12:28
Hallo,
der Abtransport der Juden aus Korfu erfolgte am 11.,14. und 17.Juni 1944
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Deportation_und_Ermordung_der_griechischen_Juden_durch_das_NS-Regime
insgesamt 1765 Personen, darunter 300 Schwangere wurden deportiert
http://bayern.vvn-bda.de/2014/03/19/die-vernichtung-der-judischen-gemeinde-auf-korfu/

ermöglicht wurde dies durch die Bereitstellung des knappen Schiffraums durch die Kriegsmarine.
Zitat
...Inselkommandant Jäger forderte sie daraufhin beim Vizeadmiral Lange an. Kapitän Magnus übernahm die Bereitstellung des Schiffraums
"Blutiges Edelweiß" (https://books.google.de/books?id=_Hpr-PK39UkC&pg=PA606&lpg=PA606&dq=juden+korfu+deportation&source=bl&ots=v2-ujTvs12&sig=qGdc7xBqi_7jZQXRpMKuL5_ae_w&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi-g-a1pfrNAhXROSwKHae2BbEQ6AEIJTAD#v=onepage&q=juden%20korfu%20deportation&f=false)

Vizeadmiral Lange dürfte Wilhelm Lange Kommandierender Admiral Ägäis sein
http://www.geocities.ws/orion47.geo/WEHRMACHT/KRIEGSMARINE/Vizeadmirals/LANGE_WERNER.html
Magnus habe ich in der Crewliste einen Werner und Alexander Magnus gefunden.
Weiß jemand , ober einer der beiden in Griechenland war?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Violoncello am 17 Juli 2016, 14:43:04
Hallo Beate,

es handelt sich um Kapitän z. S. Alexander Magnus. Er fungierte von August 1943 bis November 1944 als Seekommandant Westgriechenland.

(Lohmann/Hildebrand: Die Deutsche Kriegsmarine 1939-1945, Kennziffer 291 S. 221)

Viele Grüße

Violoncello
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 17 Juli 2016, 15:32:55
moin,

Ergänzungen aus dem KTB Skl. 08/1944:
Zitat
01.08.1944 - 2 Mot.-Segler-Geleite mit 1733 Rhodos-Juden sind am 30. abends in Piräus eingelaufen.
Bei einer Griechenland-Reise nach Rhodos und Karpathos im Jahre 2001 vermittelte unser sehr kompetenter Reiseleiter Andreas ein Gespräch mit einer älteren Überlebenden dieser Transporte und des Konzentrationslagers Auschwitz.
Sie konnte oder wollte kein deutsch sprechen, bis sie auf einmal mitten in ihrer "griechischen" Erzählung der Geschehnisse, die Andreas übersetzte, "Achtung, Antreten !" schrie. Das war schon ... gruselig.

Gruß, Urs
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 17 Juli 2016, 18:44:52
Moin zusammen,
die KZ-Stätte "Ochtumsand" ist ja nicht so weit von uns entfernt.
Heute haben wir die Stätte einmal besucht.

Der Fluss Ochtum hat sich ja seit der Zeit des KZ-Schiffes allerdings restlos verändert. Die Mündung in die Weser ist  nicht mehr vorhanden. Da wo das Schiff gelegen hat, ist heute eine Brücke. In dem alten Ochtumarm liegen jetzt Sport- und Angelboote.
Da aber wo das Schiff wohl gelegen hat, steht eine Stahlsäule mit der Aufschrift: "Grundgesetzarbeit macht frei". Weiter sind hilfesuchende Hände nach oben zur Sonne gestreckt".
Dann ist da auch noch eine Hinweistafel angebracht.

In der Anlage ein Foto von der Säule und ein Foto von der Hinweistafel.

Gruß
Manfred Heinken
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 18 Juli 2016, 14:18:26
Magnus habe ich in der Crewliste einen Werner und Alexander Magnus gefunden.
Weiß jemand , ober einer der beiden in Griechenland war?

Alexander Magnus (*1893, Crew 10) war August 1943 bis November 1944 Seekommandant Westgriechenland.
Gruß, Thomas
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 18 Juli 2016, 18:11:14
Hallo,
der Vormarsch der Russen führte im Sommer/Herbst 1944 zur Räumung der Konzentrationslager in den eroberten Ostgebieten bei Riga und Reval . Über  20.000 Häftlinge wurden per Schiff nach Danzig "evakuiert". Die Frauen kamen ins KZ-Stutthof, die Männer Richtung KZ-Buchenwald
Weitere Informationen liefert
Buch der Erinnerung des VDK (https://books.google.de/books?id=Ozqif5WbmBIC&pg=PA77&lpg=PA77&dq=janina+grabowska+stutthof&source=bl&ots=_EWSWuAyG1&sig=2VQ_lutd6CHz0mWDqW2svobRtOo&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiQ_IjTu_jNAhVKsBQKHRiRAoAQ6AEIPzAM#v=onepage&q=balkan&f=false)
dabei ein Transport am 17.2.1945 von Libau mit dem Dampfer "Balkan"
 nach Hamburg zum Zuchthaus Fuhlsbüttel, dort kam das Schiff am 25.2.1945 an.
Hallo,
zum gleichen Transport
Zitat
.....Als sich wenige Tage später die Russen Riga näherten, verlegte man uns nach Libau. Hier erlebten wir schwerste Fliegerangriffe. In unseren Reihen gab es 14 Tote. Die Verschiffung nach Lübeck war eingeleitet. Acht Tage waren wir in ständiger Minen- und Fliegergefahr in einem Kohlefrachter auf leeren Kartuschen und Munitionskisten auf hoher See.
Ein Funkspruch lenkte uns nach Hamburg um, wo wir am 27. Februar 1945 ankamen und sofort von der SS ins Polizeigefängnis geführt wurden. Nach etwa vier Wochen ging der erste Transport mit 56 Gefangenen nach Bergen-Belsen ab. Als auch ich wegkommen sollte, wurde der Transport wegen Platzmangel im dortigen Konzentrationslager nicht durchgeführt. Zu Fuß mussten wir dann 100 Kilometer nach Kiel zurücklegen...
http://www.tenhumbergreinhard.de/1933-1945-lager-1/1933-1945-lager-r/riga-1.html
Da mehre Zeugen vom "Frachter mit Wehrmachtsgut " schreiben, habe ich nach einem Frachter "Balkan" gesucht.
Bei Witthöft/ Dinklage habe ich nur eine "Balkan" gefunden, die auch bei Schmidtke als Flüchtlingsschiff auftaucht:
"Balkan" ex Clanwood BJ. 1924 2209 Brt
am 19.4.45 mit Soldaten und Flüchtlingen vor Hela versenkt , später mit Giftgas im Skagerrak versenkt
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 18 Juli 2016, 18:21:23
Hallo,
"nur" ein schwimmendes Strafgefangenenlager
Zitat
Das Strafgefangenenlager Elberegulierung Post Griebo bei Coswig (Anhalt) wurde im Jahre 1936 für 400 Gefangene eingerichtet. Weitere 150 Gefangene waren auf dem Wohnschiff „Biber“ untergebracht. Durch die Entnahme von Kies aus dem Strombett der Elbe sollte das Flussbett vertieft und einer Versandung entgegen gewirkt werden, um so eine reibungslose Binnenschifffahrt zu gewährleisten
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/7YGNABZJWAWI4T26NUHC7FYP7PPDS3EF
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 19 Juli 2016, 20:37:20
Hallo,
seit dem 4.September 1944 waren Weisungen in Kraft, die die Evakuierung des Reichsgaus Danzig-Westpreußen betrafen Deckname "Eva Fall". Dies beinhaltete auch die Pläne für die Evakuierung des KZ-Stutthof, der im Stab des Gauleiters Forster ausgearbeitet worden war. Später wurde darüberhinaus ein anderes Konzept erwogen, das die Evakuierung des KZ "über den Meerweg nach Lübeck oder zum KZ Neuengamme unter der Verwendung der Transportmittel der Kriegsmarine vorsah" (https://books.google.de/books?id=LmqM2EfCr6EC&pg=PA305&lpg=PA305&dq=eva+fall+stutthof&source=bl&ots=i6yOlbUafV&sig=wUBl9pY0o6mI7Tv4gZI1O9QXTeI&hl=de&sa=X&sqi=2&ved=0ahUKEwiTmMOrjIDOAhUlD8AKHaE5CcYQ6AEIKjAC#v=onepage&q=eva%20fall%20stutthof&f=false)
Das zitiert Buch verwendet leider keine Quellenangaben , im Gegensatz zum polnischen WIKI "Eva-Fall" (https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=pl&u=https://pl.wikipedia.org/wiki/Fall_Eva&prev=search)

Hat jemand mehr Hintergrundinformationen/Quellenangaben zum "Eva-Fall" oder hat das zitierte Buch von Dieter Schenk über Albert Forster "Hitlers Mann in Danzig" die den geplanten Einsatz der Kriegsmarine belegen könnten?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 20 Juli 2016, 17:02:49
Liebe Beate
Zumindest die Zusammenstellung des polnischen Wiki-Artikels ist grauenhaft.
Die Einflechtung der Passage über die Flüchtlingstransporte (Gustloff, Goya, Steuben) gehört nicht dorthin und weckt den Anschein, als seien mit der "Gustloff" auch KZ-Häftlinge transportiert worden. Das kann ich nach den vielen Augenzeugenberichten, die es dazu gibt, nicht glauben.

Mitautorin des Kongressdokuments "Die nationalsozialistischen Konzentrationslager : Entwicklung und Struktur / hrsg. von Ulrich Herbert ... " ist Kathrin (nicht Karin) Orth <Berlin>, die eine Menge Ahnung von Schifffahrtsgeschichte hat. Sie wäre möglicherweise am Projekt KZ-Transporte auch sehr interessiert. -- Ich kann sie ja mal an-mailen.

Ein Konzept, das die Evakuierung des KZ "über den Meerweg  unter Verwendung der Transportmittel der Kriegsmarine vorsah", ist nicht zwingend ein Konzept der Kriegsmarine. Die Untersuchung von Konzeptionen und Überlegungen irgendwelcher Schreibtischtäter ist ein weites Feld. Ich würde mich auf die tatsächlichen (schrecklichen) Gegebenheiten beschränken.

Gruß, Thomas
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 22 Juli 2016, 09:50:41
Ich habe ja schon zum Ausdruck gebracht, dass ich skeptisch bin, ob man "die" Kriegsmarine für die KZ-Transporte verantwortlich machen kann. Eine Kollegin von mir äußerte die Frage, ob eigentlich nicht, wie schon im Falle der Reichsbahntransporte, Adolf Eichmann als Koordinator und Transportorganisator infrage komme. Ein Blick in Wiki bekräftigt diese Vermutung:

"Als Leiter des Referats IV D 4 bzw. IV B 4 war Adolf Eichmann für die gesamte Organisation der Deportation der Juden aus Deutschland und den besetzten europäischen Ländern zuständig. Ihm unterstand die Koordination sämtlicher Transporte, er sorgte für die Einhaltung der Fahrpläne und die Zusammenstellung und Auslastung der Eisenbahnzüge, die die Menschen in die Ghettos und Konzentrationslager transportierten. Er war somit direkt mitverantwortlich für die Enteignung, Deportation und Ermordung von rund sechs Millionen Juden."

Organisierte er auch die Schiffstransporte?

Auf der anderen Seite muss ich nochmal sagen: Man findet in der Regel nicht einen einzelnen Schuldigen für die Verbrechen an verschiedenen Orten. Die Requirierung der Transportkähne, die konkrete Misshandlung von Häftlingen vor Ort sollte man nicht versuchen, einem Einzelnen oder einer Organisation und ihrem OB anzuhängen. Das simplifiziert die Dinge einfach zu sehr.

Viele Grüße
Thomas
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 22 Juli 2016, 13:16:07
  KZ-Schiffe und Häftlingstransporter
   Zusammenfassung
NR/ ABFAHRTSCHIFFGEBIET
01/ 06.11.1942 HohenhörnFinnland
02/ 26.11.1942 DonauNorwegen
03/ 24.02.1943 GothenlandNorwegen
04/ 20.03.1943 Namentliche RaddampferDonau
05/ 02.10.1943 WarthelandDänemark
06/ 09.06.1944 TanaïsRhodos
07/ 11.06.1944 etc. Korfu
08/ 23.07.1944 etc. Namenlose MotorseglerÄgäische Inseln
09/ 10./12.08.1944 MarsDänemark
10/ 07.08.1944 BremerhavenLettland
11/ 11.10.1944 ... Lettland
14/ 17.02.1945 BalkanLettland
15/ 25.03.1945 Zephyr, Elbing IVGotenhafen
16/ 07.04.1945 Schleppkahn WilmaKZ Mittelbau Dora
17/ 24.04.1945 Zugschiffe Adler, Bussard, Danzig ; Schleppkähne Vaterland, Wolfgang, Anne-Maria, ...KZ Stutthof
18/ 27.04.1945 MFP 862KZ Stutthof
19/ 28.04.1945 ApolloKZ Sachsenhausen
20/ 29.04.1945 Schlepper Groß-Heydekrug, Pregel ; Schleppkahn RuthKZ Stutthof
21/ 04.05.1945 Olga SiemersKZ Sandbostel
22/ 05.05.1945 Schleppkahn BreslauKZ Stutthof
23/ 03.05.1945 Cap Arcona ; Thielbek ; AthenKZ Neuengamme
24/ 06.05.1945 Rheinfels KZ Neuengamme
  Schiffe als Zwangslager
NR/ EINSATZJAHRSCHIFFORT
A/ 1933 Peilboot IIIBremerhaven
B/ 1933/34 NDL 86 = Weser IIBremen-Ochtumsand
C/ 1936 BiberElbe bei Coswig (Anhalt)
D/ 1939-1943 BremerhavenStettin-Pölitz
E/ 1943 Hamburg Stettin-Frauendorf
F/ 1944 AlexStettin-Frauendorf
G/ 05.1945 Elmenhorst, OtterbergLübeck-Vorwerk
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 22 Juli 2016, 16:52:01
Liebe Beate
Zumindest die Zusammenstellung des polnischen Wiki-Artikels ist grauenhaft.
Die Einflechtung der Passage über die Flüchtlingstransporte (Gustloff, Goya, Steuben) gehört nicht dorthin und weckt den Anschein, als seien mit der "Gustloff" auch KZ-Häftlinge transportiert worden. Das kann ich nach den vielen Augenzeugenberichten, die es dazu gibt, nicht glauben.
Lieber Thomas,
 "EVA-Fall" war der Evakuierungsfall von Danzig-Westpreußen, die "Evakuierung" vom KZ Stutthof war nur ein Teil davon
Zitat
Unter diesen Bedingungen entwickelte sich die Evakuierung der deutschen Bevölkerung aus Pommern bald in eine ungeordnete Flucht.  - Unter den Bedingungen der strengen Winter, überfüllt und bombardowanymi Straßen, Massen Flüchtlinge (250 000 wurde ihre Zahl auf 200 000 geschätzt) [10] in Panik und Chaos floh nach Westen, en masse vor Kälte, Erschöpfung oder aus sowjetischen Bomben sterben.  Die NS - Regierung keine wirksamen Hilfe für die Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen [8] .  Der tragische Verlauf war besonders Evakuierung auf dem Seeweg.  Tausende von Flüchtlingen haben sich aufgrund von Dumping durch die sowjetische starb Luftwaffe oder U - Boot - Schiff Evakuierung MS "Wilhelm Gustloff" (c. 9600 Opfer), MS "Goya" (ca.. 6.000 Opfer) oder MS "Steuben" (c. 4900 Opfer).
die Untergänge der Flüchtlingsschiffe gehören in diesen Zusammenhang und erwecken im polnischen wiki Artikel nicht den Eindruck einer Vermischung mit der Evakuierung des KZ Stutthof
Zitat
Mitautorin des Kongressdokuments "Die nationalsozialistischen Konzentrationslager : Entwicklung und Struktur / hrsg. von Ulrich Herbert ... " ist Kathrin (nicht Karin) Orth <Berlin>, die eine Menge Ahnung von Schifffahrtsgeschichte hat. Sie wäre möglicherweise am Projekt KZ-Transporte auch sehr interessiert. -- Ich kann sie ja mal an-mailen.

Bist Du sicher das es die gleiche ist Karin Orth (https://www.google.de/#newwindow=1&tbm=bks&q=karin+orth+Konzentrationslager)
dann gerne
Zitat
Ein Konzept, das die Evakuierung des KZ "über den Meerweg  unter Verwendung der Transportmittel der Kriegsmarine vorsah", ist nicht zwingend ein Konzept der Kriegsmarine. Die Untersuchung von Konzeptionen und Überlegungen irgendwelcher Schreibtischtäter ist ein weites Feld. Ich würde mich auf die tatsächlichen (schrecklichen) Gegebenheiten beschränken
.
Ich nehme Deine Hinweise ernst, die Botschaft ist verstanden  :O-O:
Für eine Einschätzung der einzelnen Fälle bin ich gerade deshalb an Hintergrundinformationen interessiert.
Das Buch von Schenk über Forster ist bestellt.
hiernach (http://dachaukz.blogspot.de/2013/12/stutthof-concentration-camp-part-710.html) wurde die "Evakuierung" des KZ Stutthof auf dem Seeweg von Forster überwacht
Zitat
As to the official report about the occupancy level of the 23rd April 1945, two days before the beginning of the evacuation, shows, there were on that day 4,508 prisoners in the camp, including 1,690 Jews (265 men and 1,425 women). The evacuation was controlled by Albert Foster, who was on Hela on the 27th of March to the 8th of May, 1945. As chief of staff for all matters of the evacuation in Gau Danzig-West Prussia, he was personally responsible for the provision of the relevant transport. The evacuation should go in three stages : from the camp after Nickelswalde from there to the half-island Hela and then by barges to Lübeck.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 22 Juli 2016, 17:06:42
Moin zusammen,
über den Transport von KZ-Häftlingen mit der "Donau" habe ich folgendes gefunden:
Siehe  Anlage.
Quelle: Wikipedia

Gruß
Manfred Heinken
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bodrog am 22 Juli 2016, 17:38:03
Kathrin Orth ist nicht Karin Orth, letztere arbeitet hauptsächlich zu NS und KZ, die erstere war bei der DGSM zusammen mit Herrn Kliem angestellt (hatte beide Damen anfangs auch wegen ähnlicher Vornamen verwechselt)

 :MG:
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 22 Juli 2016, 19:48:54
Zitat
In der Nacht vom 26. auf den 27. April um 2 Uhr 30 wurden die Häftlinge auf Schiffe gebracht. Um 6 Uhr erreichten sie Hel von der südlichen Seite der Halbinsel https://www.facebook.com/notes/muzeum-stutthofstutthof-museum/25-april-jahrestag-der-see-evakuierung-von-kz-stutthof/516252808431758/
Diese Schiffe waren Landungsboote des General Henke, ersichtlich in der Skizze des Häftlings Basler, dessen Tagebuch ein wichtiges Beweisstück im Stutthof Prozeß (http://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/prozess-um-das-schwimmende-grab-id10364581.html) war.
Ein Landungsboot konnte bereits identifiziert werden http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,13909.msg262029.html#msg262029
Hallo,
dazu ein Funkspruch des AOK. Ostpreussen O.Qu i.A. R i t g en, Major i.G.
Zitat
G e h e i m !

Funkspruch.

Von AOK. Ostpreussen O.Qu. ----------------------------------------------------------28.4.1945

 An
 1.) OKH./Gen.Qu./Qu 1 (Roon)
 2.) OKH./Gen.Qu/Qu 1 (Zeppelin)
 3.) SKL./Qu 6 Hamburg.

Schiffsmeldung: 27./28.4.1945

H e l a ab: 28.4. abends:    
........
Nacht zum 27.4. von Schievenhorst im MFP-Verkehr:
 3975 Flüchtlinge, 870 Verwundete, 2680 Soldaten,
2750 K.Z.-Häftlinge, 15 Lkw., 3 Kräder, 5 Anhänger, 3 Pzw

http://www.forum-der-wehrmacht.de/index.php/Thread/2518-Sperrriegel-Frische-Nehrung-1945/?pageNo=3
Dank an das FdW  :MG:
(Ritgen war schon mal hier (http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,22831.msg257406.html#msg257406) Thema)
dazu auch KTB SKL Bd 68 28.4.45
Zitat
4.Transportlage
A)1) Seetra-Lage noch nicht eingegangen.
26.bis 27. von Nehrung/Weichsel 11.000 Mann (davon 4.000 Flüchtlinge) 9.000 Verwundete,
3.500 Gefangene und KZ-Häftlinge, 2.600 Soldaten und 6 MFP mit Heeresgut abtransportiert.....
Nach Eingang erwarteter 7 Transporter Auflockerung Flüchtlings- und Verwundetenstau Hela 28. zu erwarten.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 23 Juli 2016, 20:34:36
Hallo,
um ihre Bauprogramme in Norwegen zu realisieren verschleppt die Wehrmacht mehr als 100.000 Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter nach Norwegen, vorwiegend aus der Sowjetunion.
Im Juni 1942 wuden erstmalig jugoslawische Partisanen nach Norwegen verschleppt, die nicht als Kriegsgefangene behandelt wurden . Zuständig war der Reichskommisar, die Gefangenenlager wurden von der SS errichtet. Die ersten 2600 jugoslawische Häftlinge wurden mit 3 Schiffstransporten  im Juni 1942 von Stettin nach Norwegen verschleppt "Krieg und Verbrechen"..Timm C.Richter (https://books.google.de/books?id=aioKQyCatq4C&pg=PA118&lpg=PA118&dq=jugoslawische+kriegsgefangene+norwegen+beisfjord&source=bl&ots=5T4CwvKRdZ&sig=bsmdOyrNBDTzlu1Ley7uccnHfBk&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjApc7kk4rOAhXFFSwKHanQA6UQ6AEIQTAG#v=onepage&q=stettin&f=false)

Eins der Gefangenlager war "Beijsfjord":
Zitat
Am 24.Juni 1942 brachte der deutsche Frachter "Kerkplein" 900 Häftlinge aus dem früheren Königreich Jugoslawien in den Hafen von Narwik http://cultureandmore.viacontext.net/content/StreamingMedia.pdf;jsessionid=efqBMheVkwiyUYuWbAsHjGze?id=8039&fileid=00006890
Am 18.Juli 1942 wurden beim "Beisfjord Massaker" (https://en.wikipedia.org/wiki/Beisfjord_massacre#cite_note-Dagbladet18-2) 288 Häftlinge ermordet.

"Kerkplein" DDK Bd.7 S.127

Über den Transport der russischen Kriegsfangenen wird hier (https://www.dokst.de/main/sites/default/files/dateien/texte/Donat.pdf) über Transporte von Stettin über die Ostsee berichtet.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 23 Juli 2016, 22:54:49
Hallo,
Nachdem die Rote Armee Kirkeness 1944 erobert hatte, kam es zur Evakuierung der Nordnorwegischen Gefangenen- und Arbeitslager
Zitat
Am 21. November verließ die Rigel (mit 28 Mann und einer Frau Besatzung und drei Lotsen) den Ort Bjerkvik am Nordostende des Ofotfjords mit 951 Kriegsgefangenen und 114 Mann Wachpersonal an Bord. In Narvik wurden kurz darauf weitere 349 Kriegsgefangene aufgenommen, ebenso 95 deutsche Häftlinge (zumeist der Fahnenflucht bezichtigte Wehrmachtssoldaten) und acht norwegische Zivilhäftlinge. Im Konvoi mit mehreren kleineren Schiffen fuhr die Rigel dann weiter nach Süden und nahm in Tømmerneset, etwa 75 km nordöstlich von Bodø, weitere 948 sowjetische und serbische Kriegsgefangene an Bord, die dort unter der Leitung der Organisation Todt (OT), Einsatzgruppe Wiking, als Zwangsarbeiter am Bau der Polarbahn(Abschnitt Fauske–Tysfjord) eingesetzt gewesen waren.[5] In Narvik und Tømmerneset kamen außerdem weitere 341 Mann Bewachungspersonal sowie OT- und Wehrmachtsangehörige hinzu.

Als die Rigel nach einem kurzen Aufenthalt in Bodø am 26. November zur Weiterfahrt nach Trondheim auslief, befanden sich insgesamt 2838 Personen an Bord: 2248 sowjetische, polnische und serbische Kriegsgefangene in den Laderäumen, 95 deutsche Wehrmachtsgefangene, acht norwegische Gefangene,
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Rigel_(Schiff,_1924)
abweichend die Anzahl der Menschen an Bord
Zitat
Am 27.11. greifen Flugzeuge des brit. Trägers Implacable vor Mosjöen (nördl. Namsos) ein südgehendes dt. Geleit an und vernichten die norweg. Frachter Rigel (3828 BRT) – von 2721 Mann, darunter 2248 russische Gefangene, werden nur 415 gerettet  http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/44-11.htm
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 24 Juli 2016, 10:56:36
Hallo,
gehören die Transporte von Kriegsgefangenen eigentlich zum Thema hier?
Es gibt bereits das Thema "Gefährdung von Transporten mit  Kriegsgefangenen, Internierten und Flüchtlingen
 und Unterlassung von Hilfeleistung" bei Chronik des Seekrieges http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/kriegsrecht/transporte.htm
Die Transporte nach Norwegen von russischen, polnischen und jugoslawischen Kriegsgefangenen nehme ich mit auf, da sie zur  Zwangsarbeit in Arbeitslager verschleppt wurden und von den Deutschen nicht den Status von Kriegsgefangenen erhielten.

10.8.41 "Bahia Laura"Stettin nach Norwegen 800 russische Kriegsgefangene
12.8.41 "Mendoza" Stettin-Norwegen 800 russische Kriegsgefangene
Die Transporte dauerten bis 1944 an, Stettin war in der Regel der Ausgangshafen
Quelle:Neutralität und totalitäre Aggression...herausgegeben von Robert Bohn (https://books.google.de/books?id=GfShF3M8Qa0C&pg=PA358&lpg=PA358&dq=russische+kriegsgefangene+in+norwegen&source=bl&ots=ji_9JfC2U9&sig=nhvLmNruHSTuI8mPzSZnIeEKcoM&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiOga-32IvOAhXBECwKHSHXDTIQ6AEIVDAJ#v=onepage&q=russische%20kriegsgefangene%20in%20norwegen&f=false)
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 24 Juli 2016, 11:21:21
Hallo,
weitere Transporter von Stettin nach Norwegen
-Palatia und Ostland
https://de.wikipedia.org/wiki/Palatia_(Schiff,_1928)
http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,9820.msg136760.html#msg136760

Meine Frage, kann jemand mit Informationen aus dem KTB Admiral Norwegen aus dem Zeitraum 1941-44
über diese Transporte von Kriegsgefangenen zur Verfügung? Nachricht geht auch per PN
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 24 Juli 2016, 18:59:51
Hallo,
Zitat
"Skjerstad "
Requisitioned on Apr. 9-1942 by Reichskommisar, while in Trondheim and on the 12th, almost 500 arrested teachers were embarked for transport to prison camps in Kirkenes, arriving on Apr. 29 after a horrendous voyage in the crowded holds and 'tweendeck (teachers had been arrested because they had refused to teach the Nazi ideas in Norwegian schools during the German occupation) http://www.warsailors.com/homefleetsingles/skjerstad.html
Als Zeitungsbericht (http://trove.nla.gov.au/newspaper/article/11975382)
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 25 Juli 2016, 10:56:23
Diente nicht die "Donau" des NDL als Gefangenentransporter für die Juden, die aus Norwegen abtransportiert wurden?
Hallo Thomas,
danke für den Hinweis  :MG:
http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,10444.msg117782.html#msg117782
hatte eine ähnliche Fragestellung  :-)
aus The Routledge History of the Holocaust von Jonathan C. Friedman (https://books.google.de/books?id=vsrJLASVC3QC&pg=PA178&lpg=PA178&dq=deportation+von+juden+%C3%BCber+see&source=bl&ots=8noMe9rNkw&sig=YJcnQprzkqhb92bHgwT18DF7o44&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj377aV7tHNAhVJshQKHZL5APMQ6AEITzAI#v=onepage&q=ship&f=false) S.241
24.11.1942 Transportschiff "Donau" mit 532 Juden an Bord
25.2.1943 Transportschiff "Gotenland" mit 158 Juden
Hallo,
es gab noch weitere Transporte von norwegischen Juden  nach Deutschland
27.4.1941 "Monte Rosa" https://lokalhistoriewiki.no/index.php/Deportasjonen_av_j%C3%B8dene
eine weitere Fahrt der "Donau" am 15.11.1941 https://lokalhistoriewiki.no/index.php/Miriam_Kristiansen
20.11.19412 "Monte Rosa" mit 20 Juden an Bord
26.11.19412 "Monte Rosa" mit 26 Juden
die o.g Fahrt der "Donau "  mit 532 Juden wird auf den 26.11.412 14.55h datiert
"Senter for studier av Holocaust og livssynsminoriteter (http://www.hlsenteret.no/kunnskapsbasen/folkemord/folkemord-under-nazismen/holocaust/norge/deportasjonen-av-de-norske-jodene.html)
Ein Bericht  (http://www.hlsenteret.no/kunnskapsbasen/folkemord/folkemord-under-nazismen/holocaust/norge/reisen_med_donau.html) dieser Fahrt übersetzt (https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=auto&tl=de&u=http%3A%2F%2Fwww.hlsenteret.no%2Fkunnskapsbasen%2Ffolkemord%2Ffolkemord-under-nazismen%2Fholocaust%2Fnorge%2Freisen_med_donau.html&sandbox=1)
Es wird  angenommen, das insgesamt
771 Juden deportiert wurden, nur 34 überlebten den Holocaust.

Edit: Daten gem. Anmerkungen @TW korrigiert
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 25 Juli 2016, 12:18:34
Hallo,
der letzte Teil im Bericht über die Überfahrt mit der "Donau" lässt aufhorchen
Zitat
Obwohl andere Schiffe auch in den Deportationen teilgenommen haben, hat sich die Donau als Symbol des Versuchs blieb die norwegischen Juden zu vernichten.  Viele norwegische politische Gefangene wurden auch von der Donau in deutsche Konzentrationslager transportiert,
Es lässt sich feststellen das der Transport von Norweger in deutsche KZ nicht nur auf die Juden beschränkt war.44000 Norweger wurden von den deutschen während der Besatzungszeit verhaftet, mehre tausend wurde nach Deutschland in verschiedene KZ und Lager transportiert
Zitat
Sachsenhausen 2 700     
•  Auschwitz 770
•  Natzweiler 504
•  Ravensbrück 130
 •  Dachau 350
•  Buchenwald 750
•  Mauthausen-Gusen 90
•  Neuengamme 110     
 •  Stutthof 370
•  Groß-Rosen 30
•  Bergen-Belsen 50
•Schildberg (Oflag XXI-C) 1 150 (Offiserer)
•  Sonnenburg 250 (Flest motstandsfolk)
http://www.slektsdata.no/oversikt_fangeleire.htm
übersetzt (https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=auto&tl=de&u=http%3A%2F%2Fwww.slektsdata.no%2Foversikt_fangeleire.htm)

Außer der "Donau" habe ich leider bisher keine Hinweise auf die Transportschiffe gefunden
Es gibt eine umfangreiche Archivseite zum Thema "nordmenn i  fangenskap"  http://www.arkivverket.no/arkivverket/Tema/Andre-verdskrig/Nordmenn-i-fangenskap
aber über die Transporte  :?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 25 Juli 2016, 15:25:52
moin,

gehören die Transporte von Kriegsgefangenen eigentlich zum Thema hier?
Es gibt bereits das Thema "Gefährdung von Transporten mit  Kriegsgefangenen, Internierten und Flüchtlingen
 und Unterlassung von Hilfeleistung" bei Chronik des Seekrieges http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/kriegsrecht/transporte.htm
Die Transporte nach Norwegen von russischen, polnischen und jugoslawischen Kriegsgefangenen nehme ich mit auf, da sie zur  Zwangsarbeit in Arbeitslager verschleppt wurden und von den Deutschen nicht den Status von Kriegsgefangenen erhielten.
als Ergänzung zu dem angeführten Chronik-Link : https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6llenschiff (https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6llenschiff)

Gruß, Urs
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 25 Juli 2016, 17:37:48
Hallo,
ein Rätsel gibt die Meldung eines vermissten Schwimmdock mit 1500 Kriegsgefangenen  im KTB SKL Bd.68 auf.
Zitat
Lage Ostsee am 7.Mai 1945 , 0800h
5.
Wehrmachtkommandant Kiel meldet, daß ein Schwimmdock mit 1500 Kriegsgefangenen mit Deutscher Bewachung unterwegs nach Förde ins Treiben geraten. Verbleib Schwimmdock unbekannt.Suchaktion eingeleitet.
Ob dies zu  Thema passt, kann sich erst zeigen , wenn die Herkunft des Schwimmdocks bekannt ist. Wer hat Informationen darüber?

Im Buch von Schmidtke wird die Vermutung geäußert, das es sich um Stettiner Schwimmdocks handeln könnte die schon nach Swinemünde geschleppt worden sind.
Im KTB SKL steht am 1.4.45 ein Hinweis , über den geplanten   Versuch Schwimmdocks  aus Stettin zu holen.
Was auffällt   Schmidtke bezieht auf die gleiche Quelle KTB SKL, schreibt aber "bei der Schleppfahrt 1000 Mann an Bord", nichts von Kriegsgefangenen,Schlampigkeit  :?

Die Herkunft der Kriegsgefangenen ist rätselhaft, seit dem 9.4.45 gilt der Befehl des Genst.d.H.,  "Jeglicher Abtransport von russ. Kriegsgefangenen aus Ost- und Westpreussen hat zu unterbleiben".
Den einzigen Hinweis auf einen geplanten Transport von Kriegsgefangene im KTB SKL ,sind "718/5/263/584 Kriegsgefangene" die noch
am 26.4. auf den Transport Oslo-Aarhus warten, der am 27.4 mit der "Ceuta" beabsichtigt ist.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bodrog am 25 Juli 2016, 21:37:39
1941 sind Gefangene aus dem KZ Börgermoor als Arbeitskommandos nach Norwegen gekommen. Da sie ja sicher nicht dorthin geschwommen sind, sollte ja auch Schiffe beteiligt gewesen sein...
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 26 Juli 2016, 12:31:56
Hallo Beate,
Manchmal steht es auch falsch in den zitierten Wiki-Artikeln (nicht überall);
aber ich ersehe aus den Zusammenhängen: die Transporte waren alle erst 1942, nicht wahr?
Gruß, Thomas

Hallo,
es gab noch weitere Transporte von norwegischen Juden  nach Deutschland
27.4.1941 "Monte Rosa"
eine weitere Fahrt der "Donau" am 15.11.1941
20.11.1941 "Monte Rosa" mit 20 Juden an Bord
26.11.1941 "Monte Rosa" mit 26 Juden
die o.g Fahrt der "Donau "  mit 532 Juden wird auf den 26.11.41 14.55h datiert
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 27 Juli 2016, 15:47:01
Hallo Thomas,
danke fürs aufmerksame mitlesen  :MG:, ich habe die Daten oben angepasst
Die beste Quelle ist noch http://www.hlsenteret.no/kunnskapsbasen/folkemord/folkemord-under-nazismen/holocaust/norge/deportasjonen-av-de-norske-jodene.html

Es gab aber offenbar auch schon Transporte von Juden in 1941 , wie Einzelschicksale zeigen. Ich  habe die Daten, wenn auch mit einigen  ? zusammengefasst. Die Ankunftsdaten der Donau und Gotenland in Stettin sind aus dem KTB KMD Stettin.
Die Transportlisten machen deutlich, wie der Weg direkt vom Schiff zur Bahn ins KZ in den Tod ging.
Erschütternd,wie aus den reinen Zahlen eine lange Liste von Namen und Einzelschicksalen wird.

Zitat
27.4.1941 (?) "Monte Rosa" https://lokalhistoriewiki.no/index.php/Deportasjonen_av_j%C3%B8dene
22.05.1941 „Monte Rosa“ Oslo-Stettin https://en.wikipedia.org/wiki/Moritz_Rabinowitz#cite_note-8 (+27.2.1942)
15.11.1941 (?)  „Donau“ (?) nach Hamburg  https://lokalhistoriewiki.no/index.php/Miriam_Kristiansen (+1.5.1942)

20.11.1942 Oslo Frachter Monte Rosa mit 20 Juden
26.11.1942 14.55h ab Oslo-Stettin  „Donau“ mit 532 Juden
30.11.1942 11.00 h an Stettin
30. 11.1942 um 16:12 Uhr läuft ein Zug mit 532 Norweger jüdischen Glaubens mit Ziel KZ Auschwitz aus. Transportliste http://www.tenhumbergreinhard.de/transportliste-der-deportierten/transportliste-der-deportierten-1942/transport-30111942-stettin.html

26.11.1942 Oslo Frachter „Monte Rosa“ mit 26 Juden

25.02.1943 „Gotenland „ mit 158 Juden
27.02.1943 11.00h an Stettin
Transportliste Auschwitz http://www.tenhumbergreinhard.de/transportliste-der-deportierten/transportliste-der-deportierten-1943/transport-27021943-stettin.html
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 27 Juli 2016, 15:56:23
Hallo,
Zitat
Die Weigerung der 10.000 Mann starken dänischen Polizei, härter gegen den einheimischen Widerstand vorzugehen, führte am 19. September 1944 zu ihrer Auflösung. Im Zuge der Aktion wurden 2.235 Polizisten in das KZ Neuengamme und das KZ Buchenwald deportiert https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%A4nemark_unter_deutscher_Besatzung

aus dem SKL C-III 21.9.1944
Zitat
Adm.Skagerrak drahtet ...
Betr.: Entwaffnung Daen. Polizei.-
......Abtransport festgenomener Daen Polizei aus Khagen, rund 1000 Köpfe heute abend durch Dpfer Cometa nach Lübeck.-...
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 27 Juli 2016, 22:27:36
Auf der Suche nach der "Kerkplain" bin ich auf einen weiteren Transport von 1551 russischen Kriegsgefangenen gestoßen.
Mir fehlen noch Abfahrt- und Ankunftdaten bzw - häfen,
aber der Angriff war am 4. Oktober 1943
Hier die Quelle: Operation 'Leader' (https://books.google.de/books?id=ofSKMh3y1BcC&pg=PA27&lpg=PA27&dq=Kerkplein+ship&source=bl&ots=srAP_QaoAf&sig=D8vEhmcP-pB73ovpvWDVfycPaNc&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi54sPZrpTOAhVpIsAKHWf_B0wQ6AEIPDAF#v=onepage&q=Kerkplein%20ship&f=false)
Gruß, Thomas
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 28 Juli 2016, 10:45:49
Hallo Thomas,
  für den gesuchten Zeitraum ist die Kerkplein nicht im KTB KMD Stettin aufgeführt.

Neu als "Wohnschiff" für russische Kriegsgefangene.
ehem. norweg. Schulschiff Sørlandet
Zitat
Early 1940s/World War II: Used by German occupiers as an accommodation vessel for their submarines. Later used to house Russian prisoners of war. During an air raid, the ship sank in Norway’s Kirkenes Bay; later risen and towed back to homeport of Kristiansand.
http://www.mlive.com/entertainment/bay-city/index.ssf/2013/07/bay_city_tall_ship_celebration_16.html
im DDK  Bd.5
Zitat
13.2.42 Gefängnisschiff Kirkeness
16.11.43 Kirkenes/sowjet. FliBo Nahtreffer,später gesunken
Umbau zum Wohnhulk...
26.10.44 i.D. 11.U-Fl. Kristiansand-Süd
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 29 Juli 2016, 12:33:36
Ich stieß vorgestern auf ein sehr langes Dokument über die Verschiffung von KZ-Häftlingen in Österreich über Ostern 1945. Leider ist nur ein einziges Schiff namentlich genannt. Ich habe hier ein paar Auszüge zusammengestellt.
Viele Grüße,
Thomas

Nach der Evakuierung des Lagers Engerau im März 1945 wurden die Insassen, so sie nicht schon vorher ermordet worden waren, mit einem Schiffstransport in das KZ Mauthausen verbracht und mussten in weitere Folge bis in das Waldlager Gunskirchen bei Wels marschieren, wo sie amerikanische Truppen Anfang Mai befreiten.

Am Karfreitag um 5 Uhr morgens war der Zug in Bad Deutsch-Altenburg angekommen und lagerte am Donauufer. Dort hätte ein Schiff die Lagerinsassen aufnehmen sollen, es war aber keines da, weshalb zwei Tage und zwei Nächte zugewartet werden musste, bis die Juden auf drei Donauschlepper "verladen" werden konnten, um in das Konzentrationslager Mauthausen transportiert zu werden.

Erstmals wurde in Zeugenprotokollen der "Engerau-Prozesse" 1945–1954 über die Fahrt auf dem Donauschlepper von Bad Deutsch-Altenburg nach Mauthausen berichtet. Zwei Ungarn sagten aus, dass die Schiffsreise sieben Tage dauerte. Die Leute waren ohne Verpflegung und täglich starben am Schiff mehrere Personen, die ganz einfach ins Wasser geworfen wurden.

In Bad Deutsch-Altenburg wurden die Häftlinge auf drei Schleppschiffe verladen und Praschak
als Verantwortlicher für die Verpflegung eingesetzt. Er gab zu, dass während der fast
einwöchigen Fahrt nach Mauthausen zwischen 25 und 30 Menschen an Hunger starben und
nahm zumindest teilweise die Schuld dafür auf sich, da „es […] meine Menschenpflicht gewesen
[wäre], irgend nur erdenkliche Wege zu suchen und den Juden zu helfen. […] Die Juden,
die man verstaut hatte, wie die erbärmlichsten Geschöpfe der Welt, hat man auf Decken gelegt,
da für Betten kein Platz vorhanden war. Die Juden kamen vor Hunger schwankend und bittend
zu mir, ich möge ihnen nur irgendetwas zu essen geben, da sie ansonsten verhungern. Ich selbst
musste die Juden abweisen, da ich wirklich nichts mehr zu essen hatte.“

„Die Schiffsreise dauerte 7 Tage, wir blieben während dieser Zeit ohne Verpflegung, ohne
Wasser. Auf unserem Schlepper starben täglich ungefähr 10 Leute. Ihre Leichen wurden
ins Wasser geworfen. Bei der Ankunft in Mauthausen wurden die Körperschwachen,
die mit ihrem Gepäck nicht mehr marschieren konnten, lebend ins Wasser geworfen
und diejenigen, die nicht sofort untergingen, sondern Versuche machten, sich auf der
Wasseroberfläche zu halten, wurden durch Schüsse getötet.“

Die Schifffahrt beschrieb ein anderer Zeuge ausführlicher: Neben ihm waren angeblich auch der
„Ehrenzeichenträger“ Bayer und der „Politische Leiter“ Fickhofer Begleiter des Transportes.
Am Karsamstagnachmittag – gegen 15 Uhr – kam das Motorschiff „Rudnick“ in Bad Deutsch-
Altenburg an, worauf die Einschiffung der jüdischen Häftlinge begann. Am Praterspitz in
Wien wurde erstmals angelegt, wo er selbst angeblich das Schiff verließ, nach Hause ging und
erst am nächsten Tag – am Ostersonntag – zurückkehrte, weil er den Befehl zu befolgen hatte,
die Juden nach Mauthausen zu bringen. In weiterer Folge wurde noch vier bis fünf Mal Halt
gemacht, die Juden hätten allerdings die Schlepper nicht verlassen, es wäre weder von ihm,
noch von seinen beiden Kameraden geschossen worden

Am Karsamstag um ½ 5 Uhr nachmittags erfolgte die Einschiffung der Juden auf ein Zugschiff
mit drei Frachtenschleppern in Bad Deutsch-Altenburg. Zu den Gefangenen des Lagers
Engerau kamen auch noch ungarische Juden aus dem Lager Bruck/Leitha. Als Bewachung
wurden neben Willibald Praschak der „Politische Leiter“ Fickhofer als Transportführer sowie
ein gewisser Bayer eingesetzt.

Auf die Schlepper, die ca. 30m lang waren, kamen 5–700 Leute hinauf. Auf dem Schlepper, auf dem ich mich befand, war keine Wachmannschaft, diese dürfte auf dem Motorschiff gewesen sein. Wir fuhren bis nach Mauthausen. Von Engerau bis Mauthausen wurde nichts zum Essen ausgegeben und haben wir den Hafer, den wir aus Ritzen im Schiffsboden herausholten vor Hunger gegessen. 6–7 Tage waren wir ohne Essen. Auch Trinkwasser gab es keines, nur Donauwasser. Bei jeder Hundertschaft befand sich ein Capo, der immer wegen des Essens intervenierte und wurden wir von einer Station zur anderen vertröstet. So kamen wir am siebten Tage ohne Essen in Mauthausen an. Es sind auf dem Schleppschiff viele gestorben und wurden dieselben einfach in die Donau geworfen. Die Schlepper legten ein paar Mal an. In Wien sind einige von den Häftlingen durchgebrannt. […] Praschak passte auf, dass niemand von den Häftlingen an Land ging. Er bewegte sich in der Länge der Schlepper hin und her. […] Die meisten kamen nach einer 6-tägigen Schifffahrt am 6. April in elendigem Körperzustand, vollkommen erschöpft im Donauhafen Mauthausen an. Natürlich nicht jeder, denn die Zahl derer war auch nicht gering, die die lang andauernde Hungerfahrt nicht überleben konnten; diese wurden unterwegs in der Donau versenkt. In Mauthausen angelangt, übernahmen uns nach erfolgter Ausschiffung SS-Soldaten […].“

Quelle: Claudia Kuretsidis-Haider: „Das Volk sitzt zu Gericht“ Österreichische Justiz und NS-Verbrechen am Beispiel der Engerau-Prozesse 1945–1954
https://fedora.e-book.fwf.ac.at/fedora/get/o:53/bdef:Content/download
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 29 Juli 2016, 18:27:09
Am Karsamstagnachmittag – gegen 15 Uhr – kam das Motorschiff „Rudnick“ in Bad Deutsch-
Altenburg an, worauf die Einschiffung der jüdischen Häftlinge begann.

Ich bin auf der Suche nach dem Schlepper Rudnik.

1887 lieferten die Stettiner Oderwerke eine neue “Dampfyacht der Allerhöchsten Herrschaften” (d.h. für den Kaiser) einen 29,4 m langen, 5,1 m breiten Doppelschraubendampfer ab, der den Namen “Alexandria” (ii) erhielt und bei der Matrosenstation in Potsdam stationiert wurde. Dieses Schiff, diente  Wilhelm II. bei vielen offiziellen Anlässen [z. B. Eröffnung des Teltowkanals und Ruder-Regatta-Eröffnung in Berlin- Grünau] als Staatsyacht.

1921 erwarb eine jugoslawische Reederei die “Alexandria”, die sie als Schlepper auf der Donau einsetzte. Erst 1985 ist das Schiff, das zuletzt “Rudnik” hieß, verschrottet worden.”

Im Gröner (Bd.6, S.197) steht aber, dass der Schlepper erst 1948 den Namen "Rudnik" bekam.
Ansonsten finde ich auf der Donau nur noch den Frachter "Rudnichar".
Findet Jemand von Euch die richtige "Rudnik"?
Viele Grüße
Thomas
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 29 Juli 2016, 22:28:28
1941 sind Gefangene aus dem KZ Börgermoor als Arbeitskommandos nach Norwegen gekommen. Da sie ja sicher nicht dorthin geschwommen sind, sollte ja auch Schiffe beteiligt gewesen sein...
Hallo bodrog,
guter tip  :MG:
Zitat
Hoffnung, der Gedanke an bessere Fluchtchancen, keimt auf, als im August 1942 aus den
Militärstrafgefangenen in den nördlichen Emslandlagern ein großes Arbeitskommando
für Norwegen zusammengestellt wird. Horst Schluckner zählt zu den Ausgewählten, die
per Schiff von Stettin über die Ostsee, entlang der norwegischen Atlantikküste bis an den
Polarkreis transportiert werden, um dort Befestigungen für die Wehrmacht zu bauen
oder in extremer Kälte Straßen vom Schnee frei zu halten. Rund die Hälfte der aus den
Moorlagern nach Nordnorwegen gebrachten Häftlinge geht an den Lager- und Arbeitsbedingungen
am Eismeer zugrunde. Horst Schluckner überlebt und kehrt im Juni 1945
zurück....
Viele der in den nördlichen Emslandlagern inhaftierten Militärstrafgefangenen verbanden
mit einem Abtransport aus dem Moor ihre einzige Überlebenshoffnung. Rund 5.000
von ihnen wurden zwischen 1941 und Februar 1945 im Torgauer Wehrmachtgefängnis
»Fort Zinna« einer mehrwöchigen Eignungsüberprüfung und »Ausbildung« unterzogen,
um danach in die Infanterie-Einheiten der Bewährungstruppe 500 eingegliedert zu werden.
 In zwei Transporten wurden 1942 rund 2.000 Moorhäftlinge in das Strafgefangenenlager
»Nord« nach Nordnorwegen gebracht, wo sie u.a. im Festungs-, Stellungs-,
Eisenbahn- und Brückenbau ...
http://www.ofg.uni-osnabrueck.de/jahrbuch-pdf/1997/JB1997_Auslaender.pdf
Das KTB KMD Stettin verzeichnet für Juni 1942  6 Transporte mit  über 4000 Häftlingen/Gefangenen ,allerdings nicht wie o.g. August 42

Edit Strafgefangenenlager Nord = Strafgefangenenlager für Militärinternierte in Bodø
https://www.bundesarchiv.de/zwangsarbeit/haftstaetten/index.php?action=2.2&tab=7&id=482
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 01 August 2016, 19:50:33
Im Oktober 1940 wurde bekannt, dass die Deutschen Hammerfest als zentralen Fischereihafen gebrauchen wollten. Hammerfest sollte Lebensmittelproduzent für das großdeutsche Reich werden. Eine Fischfabrik (Vertilo - Vereinigte Tiefkühlgesellschaften Lohmann & Co. K.G.) wurde gebaut, und etwa 300 bis 400 ukrainische Frauen wurden dort zur Zwangsarbeit gezwungen. Die ersten kamen im Juni 1942 mit dem Truppentransporter "Levante", die jüngste war 13 Jahre alt und die älteste 64 Jahre. Eine von diesen Frauen lebt noch in Hammerfest. Auch Norweger wurden zur Arbeit abkommandiert, und Verweigerung führte zu Gefängnisstrafen.

Qu: http://www.71nord.de/HamGeschichte.html#April1940
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 01 August 2016, 22:54:11
Hallo Thomas,
dank der Unterstützung eines Historikers aus Norwegen  :MG: http://warmuseum.no/ der sich mit den POW beschäftigt, kann ich den Transport bestätigen
Zitat
10.06.1942      Levante         Nord-Norge   910   Incl. 100 Ostarbeiterinnen
seine Auswertungen basieren u.a. auf den Transportlisten des Wehrmachtbefehlshaber Norwegen, Transportoffizier.
Das KTB KMD Stettin meldet für den 10.6.42 für die "MS Levante" nur "mit 32+700+82+3t Verpflegung ausgelaufen".
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 02 August 2016, 14:53:10
Hallo,
was passierte eigentlich mit den Besatzungen der "gegnerischen" Handelsschiffe, die "interniert" wurden?
Im KTB KMD Danzig wird ersichtlich , wie bei finnischen Schiffsbesatzungen aus der der anfänglich  "zuvorkommenden Behandlung als Gäste der Kriegsmarine" ein Weg ins KZ Stutthof wurde.
An anderer Stelle http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php?topic=9820.0 #5
wird sogar der Weg eienr Besatzung bis nach Neustadt aufgezeigt
Zitat
1944: When the Government of Finland agreed on armistice with the Soviet Union on 2 Sep. and severed relations with Germany, the Mercator was after having discharged a cargo of iron ore from Luleå to Danzig loading there coal for Finland. Loading was immediately stopped and on 5 Sep. discharging was started. Mercator tried on 12 Sep. to leave Danzig in ballast but it was prevented. She was on 16 Sep. arrested and on 24 Sep. taken over by KMD Kriegsmarinedienststelle Danzig (Naval Intendancy Service) in Danzig on request of OKM Oberkommando der Kriegsmarine (Commander-in-Chief of the Navy). The crew was taken ashore on 25 Sep. and 3 weeks later they were interned in a concentration camp at Stutthof. British armoured troops finally released them on 3 May 1945 at Neustadt, whereafter they returned via Denmark and Sweden back to Finland

Gab es für die Behandlung der internierten Schiffsbesatzungen internationale Regelungen?

Edit: offenbar kein Einzelfall
Zitat
Am 24. Januar 1940 wurde das Frachtschiff s/s Notung nordöstlich von Sottunga versenkt, wo es im Eis lag. Die Besatzung könnte sich an Land retten. Im Endstadium des zweiten Weltkriegs waren drei Sottungabewohner als finnische Seemänner im Konzentrationslager Stutthof in Deutschland interniert. Alle kamen Entbehrungen zum Trotz mit dem Leben davon und kamen allmählich nach Hause. http://www.sottunga.ax/deutch/history_deu.htm
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 02 August 2016, 15:32:20
Hallo Beate,
Die "Levante" wird im Buch der "Atlas Levante Reederei" als Truppentransporter für das Unternehmen "Seelöwe" bezeichnet.
Ein Häftlingstransport wird nicht erwähnt.
Wenn Du die Daten der "Levante" haben möchtest, schicke ich sie Dir.

Beste Grüße
Manfred Heinken
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 02 August 2016, 15:41:10
Hallo,
beim Untergang des Katapultschiffes "Westfalen " sind auch norwegische Widerstandskämpfer  umgekommen.
http://www.stiftelsen-arkivet.no/westfalen-katastrophe

Zitat
Am 7. September 1944 verließ die Westfalen Norwegen mit ca. 200 deutschen Soldaten und etwa 50 gefangenen Norwegern und 25 deutschen Häftlingen. Die Gefangenen sollten nach Deutschland transportiert werden und waren tief unten im Schiff untergebracht; Chef des Transports war der SS-Scharführer Wilhelm Heinze.

Am 8. September 1944 geriet das Schiff im Kattegat in schwere See. Um 11:15 Uhr gab es im Vorschiff eine schwere Explosion, eine Minute später achtern eine zweite. Die Westfalen war auf zwei Minen gelaufen. Sie brach auseinander und sank schnell in der stürmischen See. Die Gefangenen wurden aus dem Schiffsinneren befreit, als das Schiff zu sinken begann. An Deck herrschte Panik und jeder versuchte, einen Platz in einem Rettungsboot zu ergattern. Unter den Überlebenden befanden sich später nur fünf norwegische Gefangene. Insgesamt überlebten nur 78 Personen. 35 der umgekommenen Norweger wurden gefunden und beim Göteborger Dom beigesetzt, unter ihnen die Widerstandskämpfer Petter Moen[2] Reidar Olaf Østlid, Erling August Moi, Sverre Lid und Ansgar Sørlie. https://de.wikipedia.org/wiki/Westfalen_(Schiff,_1905)

Leider fehlt mit vom KTB KMD Oslo  (PG 47263) die Zeit nach dem 31.3.1944, gibt es davon eine Fortsetzung?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Trimmer am 02 August 2016, 15:56:53
Hallo Beate - zur Frage - Behandlung internierter Schiffsbesatzungen -  ja es gab eigentlich eine Regelung -  Haager Landkriegsordung. Die besagt das zivile Seeleute frei zu lassen sind  - waren Waffen an Bord = als Kombttanten ein zu stufen
Ich schreibe deshalb " eigentlich " weil sich wohl keine Seite an die Haager Landkriegsordnung gehalten hat  bzw. diese sehr offt missachtet wurde

Gruß - Achim - Trimmer
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 02 August 2016, 16:39:06
Hallo,
beim Untergang des Katapultschiffes "Westfalen " sind auch norwegische Widerstandskämpfer  umgekommen.
http://www.stiftelsen-arkivet.no/westfalen-katastrophe

Zitat
Am 7. September 1944 verließ die Westfalen Norwegen mit ca. 200 deutschen Soldaten und etwa 50 gefangenen Norwegern und 25 deutschen Häftlingen. Die Gefangenen sollten nach Deutschland transportiert werden und waren tief unten im Schiff untergebracht; Chef des Transports war der SS-Scharführer Wilhelm Heinze.
das war nicht der einzige Transport der Westfalen mit Gefangenen, aus dem KTB KMD Danzig:
Oslo           Danzig   19.45   27.08.44   Westfalen      strafgef.
Danzig   Oslo           21.00   28.08.44   Westfalen   696   Gefangene

dank an den user aus Norwegen   :O-O: für die die Bereitstellung der KTB's !
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 02 August 2016, 17:06:20
Wenn Du die Daten der "Levante" haben möchtest, schicke ich sie Dir.

Danke, Manfred, aber die LEVANTE ist schon im HMA:
http://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/weseruebung/ausgabe.php?where_value=15
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 02 August 2016, 21:28:39
Hallo,
beim Untergang des Katapultschiffes "Westfalen " sind auch norwegische Widerstandskämpfer  umgekommen.
http://www.stiftelsen-arkivet.no/westfalen-katastrophe

Zitat
Am 7. September 1944 verließ die Westfalen Norwegen mit ca. 200 deutschen Soldaten und etwa 50 gefangenen Norwegern und 25 deutschen Häftlingen. Die Gefangenen sollten nach Deutschland transportiert werden und waren tief unten im Schiff untergebracht; Chef des Transports war der SS-Scharführer Wilhelm Heinze.umgekommenen Norweger wurden gefunden und beim Göteborger Dom beigesetzt, unter ihnen die Widerstandskämpfer Petter Moen[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Westfalen_(Schiff,_1905)
Damit die Toten ein Gesicht und eine Biographie erhalten:
Petter Moen hat unter dramatischen Umständen ein Tagebuch aus seiner Gefängniszeit überliefert http://gisela-schneemann.de/pettermoen.html
R.I.P.  :MG:
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 02 August 2016, 22:24:48
moin,

das war nicht der einzige Transport der Westfalen mit Gefangenen, aus dem KTB KMD Danzig:
Oslo           Danzig   19.45   27.08.44   Westfalen      strafgef.
Danzig   Oslo           21.00   28.08.44   Westfalen   696   Gefangene
Ist das so zu verstehen, daß die 696 Gefangenen nach Norwegen transportiert wurden ?

Gruß, Urs
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 02 August 2016, 23:22:35
Hallo Urs,
ja so steht es im KTB KMD Danzig.
Ungewöhnlich ist das die o.g. Transporte der Westfalen Oslo-Danzig gingen. Eigentlich war Stettin der Hafen für fast alle Transporte von Gefangenen aller Art von/nach Norwegen.

Für die Fahrt vom 7.9.44 fehlt mir leider der genaue Start- und Zielhafen .


Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 03 August 2016, 10:48:23
moin, Beate,
danke für die Kopien :MG:

Interessant ist in der Kopie vom 28.8. die Zeile der Uhrzeit 0800 betr. Lazarettschiff Rügen.

Bernau ?  welche Stadt kann da gemeint sein ? Ich kenne nur ein Bernau bei Berlin ..

Aber es gibt https://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4rnu (https://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4rnu) ; ...
.. das könnte es - auch in Anbetracht der Frontlage im Baltikum Ende August 1944 - sein.

Merke: auch in einem Original können Fehler stecken.

Gruß, Urs
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 03 August 2016, 13:42:04
Ach Urs,
wo wir Dich gerade "an der Strippe" haben.
Es gab im Anschluß an die Kapitulation Italiens eine Reihe von Transporten italienischer Militärinternierter in der Ägäis. Auch da ging es nicht zimperlich zu. Du hast ja selber das Schicksal der Oria in einem Aufsatz im HMA eingehend geschildert.

http://historisches-marinearchiv.de/sonstiges/artikel/oria.php

Hättest Du Interesse, diese Transporte (die gingen ja noch bis weit ins Jahr 1944 hinein weiter) kurz und knapp zusammenzustellen? Und wenn es nur ein Schiffsname und ein Anhaltsdatum ist, dann kann ich genauer nachhaken.

Herzliche Grüße
Thomas

Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 03 August 2016, 13:53:30
4./5.1.1944 - Zentralatlantik
Im Jahre 1943 sollen an Bord von Blockadebrechern, die kriegswichtige Rohstoffe von Japan nach Deutschland befördern, einige inhaftierte deutsche Staatsbürger zur Aburteilung in die  Heimat gebracht werden. Dazu erläßt der dt. Marine-Attaché in Tokio, Admiral Paul Wenneker, die Anweisung, die Inhaftierten bei drohender Aufbringung durch feindliche Kriegsschiffe nicht in Gefangenschaft fallen, sondern mit dem zu versenkenden Schiff untergehen zu lassen. In 2 Fällen wird dieser Befehl ausgeführt. An Bord des Blockadebrechers Burgenland wird der wegen Spionageverdachts inhaftierte Journalist Hofmeier vor der Selbstversenkung am 4.1.1944 von einem Wachbeamten erschossen. Bei Selbstversenkung des Blockadebrechers Rio Grande am 5.1.1944 bleibt der wegen Diebstahls inhaftierte Matrose Poweleit in seiner Zelle eingeschlossen und geht mit dem Schiff unter.

Ein Schwurgericht in Hamburg stellt am 25.2.1966 das Verfahren gegen Admiral a.D. Wenneker ein und führt dazu aus: "Auf Grund der Ergebnisse der Hauptverhandlung sieht das Schwurgericht die Tötung beider Menschen als Unrecht an. Es erkennt jedoch an, daß der Angeklagte Wenneker an die Rechtmäßigkeit seines Tuns geglaubt hat. Hierin sieht es einen Verbotsirrtum. Diesen hält es hinsichtlich Hofmeiers für unvermeidbar, hinsichtlich Poweleits für vermeidbar. Insofern wertet es die Tat als Totschlag. Dieser ist verjährt." 
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 03 August 2016, 14:52:28
moin, Thomas,

Hättest Du Interesse, diese Transporte (die gingen ja noch bis weit ins Jahr 1944 hinein weiter) kurz und knapp zusammenzustellen? Und wenn es nur ein Schiffsname und ein Anhaltsdatum ist, dann kann ich genauer nachhaken.
Ja, aber ich erinnere mich, es gibt es eine solche Tabelle oder zumindest eine der "versenkten" Transporte (schon) in Gerd Schreibers Buch.
https://books.google.de/books/about/Die_italienischen_Milit%C3%A4rinternierten_i.html?id=pgJoAAAAMAAJ&redir_esc=y (https://books.google.de/books/about/Die_italienischen_Milit%C3%A4rinternierten_i.html?id=pgJoAAAAMAAJ&redir_esc=y)
Es kann sein, daß die "kleinen" Transporte mit Motorseglern etc. nicht dabei sind, das könnte ich dann, soweit auffindbar, "nacharbeiten". Da brauchen wir das KTB des Admirals Ägäis.

noch zum Wenneker-Prozeß :
Der Kapitän der Rio Grande, von Allwörden, wurde deutlich getadelt, aber freigesprochen.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46265920.html (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46265920.html) (immerhin von Gerhard Mauz)

Gruß, Urs
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bodrog am 03 August 2016, 16:20:29
Zum Thema Wenneker: Mag sein, das der Journalist Mauz renomiert war - ich kann mir aber nicht vorstellen, das man auf den wichtigen Posten des Marineattaches in Tokio einen (auch) politisch unzuverlässigen oder auch nur selbstständigen Mann gesetzt hat, den man einfach loswerden wollte. Japan war schlielich die wichtigste Stütze jenseits von Italien und mit Sicherheit die wichtigste im Kampf mit den USA.

Aus der Feststellung ergibt sich zwangsläufig die Tatsache, das der Vizeadmiral ideologisch "sattelfest" gewesen sein sollte. Unter der Prämisse sind - jenseits aller Nachkriegsbeteuerungen - die beiden Fälle auch nachvollziehbar. Und so doof wird Paul W. ja nun auch nicht gewesen sein, sonst hätte er den Posten nicht bekommen. Er wusste also recht genau, wie mit "Verrätern" oder "Volksschädlingen" umzugehen ist und was von ihm erwartet wird... der vorauseilende Gehorsam.

Er hätte auch garkeine Weisung erteilen müssen... und da wäre er auch nicht der Einzigste gewesen, der das so gehandhabt hat.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: redfort am 03 August 2016, 23:11:22

Für die Fahrt vom 7.9.44 fehlt mir leider der genaue Start- und Zielhafen .

Hi Beate,
06.09.1944 auslaufen aus Oslo zur Fahrt nach Frederikshaven / Dänemark.
Ankert in Erwartung eines Geleitzuges im Oslofjord.
07.09.1944 um 20.00 Uhr hängte sich Westfalen an ein nach Frederikshaven gehendes Staffelgeleit der 8. Sicherungsdivision an.
Geleitführer war  T 153.

Source:
Schiffsschicksale Nr. 27 von Wolfgang Müller:
Der Untergang des Flugstützpunktschiffes "Westfalen"
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Götz von Berlichingen am 05 August 2016, 01:28:44
Zum Thema Wenneker: Mag sein, das der Journalist Mauz renomiert war - ich kann mir aber nicht vorstellen, das man auf den wichtigen Posten des Marineattaches in Tokio einen (auch) politisch unzuverlässigen oder auch nur selbstständigen Mann gesetzt hat, den man einfach loswerden wollte. Japan war schlielich die wichtigste Stütze jenseits von Italien und mit Sicherheit die wichtigste im Kampf mit den USA.

Aus der Feststellung ergibt sich zwangsläufig die Tatsache, das der Vizeadmiral ideologisch "sattelfest" gewesen sein sollte.

Ihre Vorstellungskraft wird offenkundig schon in Anbetracht der Person des Botschafters 1938 - 1942 als wenig stichhaltig widerlegt.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 05 August 2016, 10:01:00
Schluss mit Wenneker !
Es geht hier nicht um seine Person oder seine Weltanschauung.

Es geht in diesem Threat um die Behandlung von Häftlingen auf Transporten über See,
und speziell bei meinem Posting um die Beurteilung nationalsozialistischer Handlungsweise
durch ein bundesrepublikanisches, unabhängiges Gericht im Jahre 1966.
Stichwort: Verbotsirrtum !
Thomas
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bodrog am 05 August 2016, 10:04:31
Tja der Herr mit der eisernen Hand und dem direkten Ausspreche:

wer war den ab 1.143 Botschafter in Japan und wer war Sonderbeauftrager des SD an der deutschen Botschaft in Tokio?

Übrigens geht - wem man dem hier glauben soll - die Initiative mit Absäufen und Erschießen auf den Mann hier zurück:

https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Meisinger

siehe Fußnote 12 und Herr Wenneker mitendrinn. Ich muss mir aber erstmal das Buch besorgen...

hier ist noch ein Nachkriegsbericht von Wenneker - solche Sachen spart er aus.

http://www.deutsches-marinearchiv.de/Organisation/seegebiete/japan.htm

Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 05 August 2016, 13:10:42
Zitat
„Goethe" versenkt

Am 3. März 1945 wurde bei den letzten Tieffliegerangriffen der Dampfer „Goethe" durch einen Bombenvolltreffer, der das Hinterschiff zerstörte und das Vorderschiff an der Galerie abbrechen ließ, im Rhein vor Oberwinter versenkt. Der Dampfer hatte neben vielen anderen hier ankernden Schiffen als Lazarett- und Unterkunftschiff für rund 1000 russische Kriegsgefangene gedient, die am linksrheinischen Ufer unter SA-Bewachung Stellungen ausheben mussten. Glücklicherweise, so berichtet ein Chronist aus Oberwinter, waren zu diesem Zeitpunkt die meisten Menschen nicht an Bord, doch soll es rund 20 Tote gegeben haben. Als die Front näher rückte, setzten sich die SA-Mannschaft und ihre Zwangsarbeiterkolonne mit dem ebenfalls in Oberwinter liegendem Schiff „Westmark" ans andere Rheinufer nach Unkel ab, wo sie das Schiff nach Verlassen an der Anlegebrücke zum Sinken brachten. http://www.kreis-ahrweiler.de/kvar/VT/hjb2003/hjb2003.56.htm
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 05 August 2016, 16:50:57

Für die Fahrt vom 7.9.44 fehlt mir leider der genaue Start- und Zielhafen .

Hi Beate,
06.09.1944 auslaufen aus Oslo zur Fahrt nach Frederikshaven / Dänemark.
Ankert in Erwartung eines Geleitzuges im Oslofjord.
07.09.1944 um 20.00 Uhr hängte sich Westfalen an ein nach Frederikshaven gehendes Staffelgeleit der 8. Sicherungsdivision an.
Geleitführer war  T 153.

Source:
Schiffsschicksale Nr. 27 von Wolfgang Müller:
Der Untergang des Flugstützpunktschiffes "Westfalen"
Hallo Axel,
Danke  :MG:
steht da mehr oder überhaupt was über die Häftlinge drin?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Götz von Berlichingen am 05 August 2016, 17:09:33
Schluss mit Wenneker !

Wer hat denn damit angefangen?
http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,26430.msg300629.html#msg300629
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 05 August 2016, 17:44:04
Hallo,
am 17.11.1942 wurde der Dampfer "Hindenburg" versenkt
http://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/asa/ausgabe.php?where_value=1186
Lt KTB KMD Danzig  waren 1000 russische Kriegsgefangene und 181 Mann Bewachung an Bord auf dem Weg von Danzig nach Jakobstad (Finnland).
Am 27.11.42 wurde die Rückkehr von
Zitat
165/-/12o und 44 Mann Besatzung und 9 Mann Flakbestzung
in Danzig gemeldet.
Eine Aussage über  Gefangene, die in den KMD Berichten immer separat ausgewiesen werden, wird nicht getroffen.
Ist über die geanauen Verluste mehr bekannt?


Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: redfort am 05 August 2016, 17:51:50

Hallo Axel,
Danke  :MG:
steht da mehr oder überhaupt was über die Häftlinge drin?

Hi Beate,
aber sicher doch  ;)

Source:
Schiffsschicksale Nr. 27 von Wolfgang Müller:
Der Untergang des Flugstützpunktschiffes "Westfalen"

45 Mann Schiffsbesatzung   
38 Mann Besatzung der Luftwaffe
 9 Mann Flakbesatzung ( 5. / Marinebordflakabteilung 3 )
136 Soldaten (Urlauber)
50 Mann Strafgefangene / 2 Bewacher

Zitat: Auf Anweisung des Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD in Oslo mussten 50 norwegische NN-Häftlinge (NN= Personen, die in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet worden waren) zur Einweisung in reichsdeutsche Konzentrationslager an Bord genommen werden. Dem Transport waren die SS-Sturmscharführer Kuhoff und Heinze zugeteilt. Aus dem Bericht des deutschen Generalkonsuls in Göteborg konnte jedoch entnommen werden, dass es sich bei den NN-Häftlingen nicht nur um norwegische Häftlinge, sondern auch um deutsche Strafgefangene und um aufgeriffene norwegische Zivilisten gehandelt hatte.

Hoffe dir damit geholfen zu haben !
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 05 August 2016, 18:06:22
Hallo Axel,
auf Dich  :MG: und Wolfgang Müller  :-)  ist Verlass.

"Nacht und Nebel" (https://de.wikipedia.org/wiki/Nacht-und-Nebel-Erlass) ein Kriegsverbrechen.
Das für Norweger zuständige Sondergericht war Kiel.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Rudergänger am 05 August 2016, 18:16:53
Hallo,
im KTB Seetransportchef östliche Ostsee (Reval) habe ich folgende Transporte mit der Eberhard Essberger und Mar del Plata im
August 1944 von Reval nach Danzig gefunden.
Quelle: NARA Roll 2664 PG 39882

Gruß

Harald
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 05 August 2016, 18:44:23
Hallo Harald,
toller Hinweis  :MG: , diese Quelle war mir noch nicht bekannt, obwohl ich sie habe.
Das waren ein Teil der  Transporte, mit denen ich#1 angefangen habe.
Zitat
der Vormarsch der Russen führte im Sommer/Herbst 1944 zur Räumung der Konzentrationslager in den eroberten Ostgebieten bei Riga und Reval . Über  20.000 Häftlinge wurden per Schiff nach Danzig "evakuiert". Die Frauen kamen ins KZ-Stutthof, die Männer Richtung KZ-Buchenwald
Alte,Kranke und Kinder blieben zurück und wurden von Mordkommandos erschossen
Bin bisher noch dabei,  das KTB KMD Danzig auszuwerten, der Transport der "Eberhard Essberger" war mir neu.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 05 August 2016, 23:21:46
im KTB Seetransportchef östliche Ostsee (Reval) habe ich folgende Transporte mit der Eberhard Essberger und Mar del Plata im
August 1944 von Reval nach Danzig gefunden.
Quelle: NARA Roll 2664 PG 39882
Hallo,
 gleicher Quelle ist noch am 10.8.1944 zu entnehmen, das durch "Führerbefehl" der Abtransport der Juden untersagt ist und die Einschiffung eingestellt wird.
Es ist im KTB nicht erkennbar, wie es später zu einer Änderung kam.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 07 August 2016, 11:16:35
Hallo,
ein Rätsel gibt die Meldung eines vermissten Schwimmdock mit 1500 Kriegsgefangenen  im KTB SKL Bd.68 auf.
Zitat
Lage Ostsee am 7.Mai 1945 , 0800h
5.
Wehrmachtkommandant Kiel meldet, daß ein Schwimmdock mit 1500 Kriegsgefangenen mit Deutscher Bewachung unterwegs nach Förde ins Treiben geraten. Verbleib Schwimmdock unbekannt.Suchaktion eingeleitet.
Ob dies zu  Thema passt, kann sich erst zeigen , wenn die Herkunft des Schwimmdocks bekannt ist. Wer hat Informationen darüber?

Hallo,
die Spur des Schwimmdocks führt nach Sassnitz
Zitat
..Sorge bereitete dem Leiter der Seetransportstelle Saßnitz zwei Schiffe: Das Schwimmdock mit 800 russischen Kriegsgefangenen und ein geschlossener Seeleichter mit KZ-Häftlingen. Dieser Leichter lag bereits einige Wochen draußen auf Reede vor Anker....
Heinz Schön "Pommern auf der Flucht 1945" S.388
Der Sassnitzer Konvoi verließ Rügen am 5.Mai um 5.00 Uhr Richtung Kopenhagen, dort lief er am Nachmittag des 6.Mai ein. Ob das Schwimmdock oder der Seeleichter beim Konvoi dabei war, steht nicht drin.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Olaf Berg Nielsen am 07 August 2016, 19:50:03
Das Schwimmdock mit 800 russischen Kriegsgefangenen kam nicht nach Kopenhagen, sondern strandete beim Påø auf Langeland am 4. Mai 1945. Es waren ca. 600 französische und 800 russische Kriegsgefangene um Bord. Die Schleppboote sind weggesiegelt. Die Franzosen haben das Trikolore am Deck wegen englischen Jägern.

Es ist Dänische Rote Kreuz eine Erlaubnis bei der deutsche Kommandant zu bekommen, so diese hungerte, arme Kriegsgefangene in Land geholfen werden können. Es waren auch ein paar hunderte deutsche Flüchtlinge mit. Die kamen zuerst in Land und wurde auf Hotel Skandinavien in Rudkøbing einlogiert. Die gehörten ja zum Herrenvolk.

Die Franzosen kamen auf Hotel Langeland und die Russen auf Rudkøbing Schule. Dänen, die Russisch und Französisch konnte haben so schnell wie möglich Lebensmitteln gesammelt. Auf das Museum in Rudkøbing liegen eine Bericht von eine französische Kriegsgefangener „Nous sommes revenus de loin“.

Gruß aus Dänemark
Olaf
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 07 August 2016, 19:57:17
Hallo Olaf,
Vielen Dank für die Informationen  :MG:
und die Unterstützung Deiner Landsleute für die Gestrandeten.
Schön Dich hier dabeizuhaben, mit Deinem Wissen über die damaligen Ereignisse in Dänemark.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 08 August 2016, 11:37:55
gleicher Quelle ist noch am 10.8.1944 zu entnehmen, das durch "Führerbefehl" der Abtransport der Juden untersagt ist und die Einschiffung eingestellt wird.
Es ist im KTB nicht erkennbar, wie es später zu einer Änderung kam.

Dieser Führerbefehl leuchtet mir überhaupt nicht ein.
Aus anderen Zusammenhängen weiß ich aber, dass in der NS-Diktatur divergierende Interessen (in diesem Fall z.B. Himmler versus Dönitz) durch Berufung auf einen angeblichen (in Wahrheit gar nicht erlassenen) Führerbefehl durchgesetzt wurden. Dönitz wollte ja "seine" Schiffe nur ungern für Häftlingstransporte requirieren lassen, und hat möglicherweise die "Isar" mit so einer Lüge räumen lassen.

Ist aber lediglich eine Vermutung ! Ich äußere sie deshalb, weil es sein kann, dass dieser sog. Führerbefehl überhaupt keine Änderung in der Politik war, sondern nur ein Trick des OKM, und deswegen auch nichts mehr nachkommt.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 08 August 2016, 14:25:05
Hallo Thomas,
mit dem möglicherweise nicht existierenden "Führerbefehl" kann ich Dir folgen,
nur wird Bezug genommen auf eine schriftliche Mitteilung des HSSPF Ostland
(vermutlich Friedrich Jeckeln (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Jeckeln)) und nicht der Kriegsmarine.

Ohne mich in der Planung und Denken von Massenmördern auszukennen  , sollte der Abtransport doch im Sinne der SS sein ?
Die einzige "Alternative" aus deren Sicht , die Ermordung aller Häftlinge, wie bereits mit den Alten, Kranken und Kindern vor Abtransport geschehen und durch  Jeckeln  tausendfach vorher praktiziert.




Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Hägar am 08 August 2016, 14:29:12
Hallo, Thomas

Vielleicht ist es zu schlicht gedacht, aber mir scheint der unausgesprochene Sinn zu sein, das 'Problem' organisatorisch einfacher unmittelbar vor Ort endzulösen (pardon, das klingt zynisch, ist aber nicht so gemeint).
Der Seetransportchef bezieht sich ausdrücklich auf eine sogar schriftliche Weisung des Höheren SS- und Polizeiführers, so dass mir etwas unklar ist, worin der Trick des OKM bestanden haben könnte.
Denkst du an ein gefälschtes Schreiben?

Dass es, sozusagen konvergent, dem OKM und nachgeordneten Stellen angesichts der Schiffsraum-Knappheit sicher nicht unangenehm war, Transportkapazitäten durch die Nicht-Evakuierung von KL-Häftlingen freizubekommen, ist davon unberührt. Dies scheint mir aber nicht hinreichend zu sein, dem OKM einen darauf abzielenden Trick zu unterstellen.

Im Gegenteil würde ich argumentieren: Hätte die Himmler-Truppe ein ausgesprochenes Interesse daran gehabt, die KL-Häftlinge abtransportiert zu sehen, dann wäre Dönitz, oder wer immer der Ausführende gewesen wäre, schlecht beraten gewesen, ein solches Täuschungsspielchen zu inszenieren, einmal abgesehen davon, dass dem sicher nur ein kurzer Erfolg beschieden gewesen wäre, weil es sofort geharnischte Proteste gegeben hätte, und auch abgesehen davon, dass eine solche konterkarierende Maßnahme für den Ausführenden wohl kaum ungefährlich war.

Allgemeiner Nachsatz:
Dokument-Faksimiles der Zeit, etwa in den Ausstellungen der verschiedenen Gedenkstätten, verwenden meiner Erinnerung nach (immer?) das Kürzel KL für Konzentrationslager.
Eingebürgert hat sich bekanntermaßen jedoch KZ.
Frage: Hat jemand Dokumente, in denen diese Abkürzung bereits zeitgenössisch erscheint, oder ist dies eine Abkürzungspraxis erst der Nachkriegszeit?
Pardon, ist keine marinespezifische Frage, kann aber vielleicht en passant beantwortet werden.

Gruß – Reinhard
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 08 August 2016, 15:12:58
Hallo,
anders sieht es mit einem (abgefangenen) Funkspruch vom 29.4.1945 aus:
da schreibt der "C in C "T"" (wer ist das, Dönitz ?) an den "Sea Defense Commandant East Prussia"
und verbietet den weiteren Transport von "immates of concentration camps, voluntary assistants and prisoner of war" nach Westen und die sofortige Ausladung der bereits eingeschifften KZ-Häftlinge
(Ich hoffe ,ich habe es einigermaßen richtig verstanden).

Das vor dem Hintergrund, das am 29.4.1945 mit der "Ruth" bereits der letzte Stutthof-Transport in Nickelswalde abgelegt hat.

Wie ist dieser Funkspruch zu interpretieren?

Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 08 August 2016, 15:30:25
moin,

.. der "C in C "T"" (wer ist das, Dönitz ?)
Nein, denn Dönitz wird ja in dem Fernschreiben als "C in C of the Navy" erwähnt.
(C in C of the Navy = Commander in Chief of the Navy = Oberbefehlshaber der Kriegsmarine)

Es handelt sich mit gewisser Wahrscheinlichkeit um den Seetransportchef der Wehrmacht
http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/ksp/ostsee/seetra.htm (http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/ksp/ostsee/seetra.htm)  wobei "T" für Transport steht.

Der zweite Adressat "C.O. 'D'" = Commanding Officer "D" ist mir allerdings noch unklar.
Denkbar wäre zum Beispiel angesichts der Lage zur Zeit des Fernschreiben (29.4.45) etwa "Seekommandant Danzig(er Bucht)"

Ich hoffe ,ich habe es einigermaßen richtig verstanden
Nicht nur einigermaßen, sondern genau richtig

Wie ist dieser Funkspruch zu interpretieren?
Tja ... wenn man es zynisch sieht, besteht mit der Entschlüsselung am 3.5.45 für die Alliierten eine Befreiung von möglichen Bedenken, auf den Transportschiffen in der Ostsee könnten KZ-Insassen oder Kriegsgefangene (also Kameraden), also schützenswerte Personen, sein, und mithin eine Freigabe für Luftangriffe.

Gruß, Urs
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Rudergänger am 08 August 2016, 16:33:55
Hallo,
bei Durchsicht des KTB's der Skl. habe ich im Band 60 / I Seite 169 unter dem Datum 07.08.1944 folgenden Hinweis gefunden:
Dampfer Bremerhaven hat 3368 jüdische Häftlinge von Riga nach...Danzig befördert.

Ich glaube diese Transport hatten wir hier noch nicht.

Gruß

Harald
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 08 August 2016, 16:35:42
gleicher Quelle ist noch am 10.8.1944 zu entnehmen, das durch "Führerbefehl" der Abtransport der Juden untersagt ist und die Einschiffung eingestellt wird.
Es ist im KTB nicht erkennbar, wie es später zu einer Änderung kam.
Hallo,
angeblich soll es schon am 17.6.1944 einen Befehl von Himmler gegeben haben, der die "Evakuierung" von KZ auf Befehl der HSSPF ermöglichte, fragt sich nur, ob man unter "Evakuierung" Ermordung oder Abtransport verstand.
Zitat
Möglicherweise gab Heinrich Himmler schon am 17. Juni 1944 einen Befehl aus, die KZ-Häftlinge nicht einfach in die Hände der alliierten Befreier fallen zu lassen. Die höheren SS- und Polizeiführer erhielten die Befugnis, bei unmittelbar bevorstehendem Angriff eine Evakuierung anzuordnen.[11]
[11] Karin Orth: Planungen und Befehle der SS Führung zur Räumung des KZ-Systems. S. 34.
https://de.wikipedia.org/wiki/Todesm%C3%A4rsche_von_KZ-H%C3%A4ftlingen#cite_note-11
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 08 August 2016, 17:12:03
Hallo,
bei Durchsicht des KTB's der Skl. habe ich im Band 60 / I Seite 169 unter dem Datum 07.08.1944 folgenden Hinweis gefunden:
Dampfer Bremerhaven hat 3368 jüdische Häftlinge von Riga nach...Danzig befördert.

Ich glaube diese Transport hatten wir hier noch nicht.

Gruß

Harald
Hallo Harald,
danke für den Hinweis  :MG:, die genauen Zahlen hatten wir noch nicht ,
nur die Zeitzeugin Gertrude Schneider (https://books.google.de/books?id=T3bI8JS3NjkC&pg=PA156&lpg=PA156&dq=kz+reval+evakuierung+schiff&source=bl&ots=8dGY5UQxwu&sig=RxkRYR7PS5l4WNev3AZzUTsfshQ&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiO16-iz8fNAhVEDcAKHTAoCAkQ6AEIJTAC#v=onepage&q=bremerhaven&f=false)
Edit, doch #1 :-D
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 09 August 2016, 12:40:57
Hallo,
etwas off topic, http://spon.de/aeN5j
Zitat
Jahrzehntelang stockte die juristische Aufarbeitung der NS-Zeit, erst zuletzt sorgten Urteile gegen Naziverbrecher für Aufsehen. Jetzt haben Ermittler neue Verdächtige aufgespürt.
Deutsche Ermittler sind auf acht mutmaßliche Nazi-Kriegsverbrecher gestoßen. "Es handelt sich um vier Männer und vier Frauen, die im deutschen Konzentrationslager Stutthof bei Danzig tätig waren", sagte der Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg, Jens Rommel.
aber es zeigt, das Thema ist immer noch aktuell.
So hat es bis heute noch keine Anklage für die Ermordung der Häftlinge der Schuten "Wolfgang" und "Vaterland" gegeben, die im Vorfeld der "Cap Arcona" Katastrophe in Neustadt strandeten und dort an Land nicht nur von Wachleuten sondern auch , so steht es bei Wolfgang Lange und Elsbieta Grot, von Angehörigen der Kriegsmarine, erschossen wurden.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 10 August 2016, 22:20:30
Neu als "Wohnschiff" für russische Kriegsgefangene.
ehem. norweg. Schulschiff Sørlandet
Zitat
Early 1940s/World War II: Used by German occupiers as an accommodation vessel for their submarines. Later used to house Russian prisoners of war. During an air raid, the ship sank in Norway’s Kirkenes Bay; later risen and towed back to homeport of Kristiansand.
http://www.mlive.com/entertainment/bay-city/index.ssf/2013/07/bay_city_tall_ship_celebration_16.html
im DDK  Bd.5
Zitat
13.2.42 Gefängnisschiff Kirkeness
16.11.43 Kirkenes/sowjet. FliBo Nahtreffer,später gesunken
Umbau zum Wohnhulk...
26.10.44 i.D. 11.U-Fl. Kristiansand-Süd
nach dieses Quelle http://www.70nord.de/MoshGeschichte.html 1943 für deutsche Strafgefangene
 
Zitat
1943 (genauer Zeitraum ist unklar) In dieser Zeit lag auch das ebenfalls von der deutschen Wehrmacht konfiszierte norwegische Schul-Vollschiff "Sørlandet" bei Kirkenes im Jakobsnes-Hafen. Wahrscheinlich wurde es als Wehrmachtsgefängnis für deutsche Militär-Gefangene verwendet, zumeist Deserteure von der nahen Murmansk-Front.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 10 August 2016, 23:02:18
Hallo,
aus der Dokumentation über deutsche Strafgefangenenlager in Finnland von Lars Westerlund
passend auch zu #117
Zitat
German Penal Camps in Finland, 1941-1944
...The march of the German penal soldiers to the Arctic Sea

In early summer 1942, 1750 penal soldiers who had already been convicted in Germany were moved from there to North Norway and North Finland. The two first groups, consisting of 1200 convicts each, were shipped in 4.6.1942 from Danzig to Pietarsaari (Jakobstad), and from thereon by train to Rovaniemi, from where the prisoners were, carrying their personal gear, forced to execute an arduous march north on foot. According to German records, either 15-20 or 30-50 convicts who committed various infractions or were merely unable to continue the journey were shot during the march...https://www.hitpages.com/doc/5945970441322496/3?q=ship#pageTop
Das KTB KMD Danzig erwähnt leider keinen Transport von (Straf)gefangenen für diesen Zeitpunkt.
Für den 6.6.42 ist ein Truppen-Transport von "Mar del Plata", "Alkaid" und "Trautenfels" nach Jakobstad verzeichnet.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 10 August 2016, 23:10:11
die gleiche Quelle enthält auch Hinweise auf die Transporte in norwegische Straflager
Zitat
The first shipment of 1100 convicts was sent to Norway in 12-13.8.1942. The next group of a 1000 convicts departed on 9.9.1942, and the last, consisting of 600 men, on 29.6.1943. Thus, the total number of transferred convicts was 2700.52 It is believed that most of the convicts who arrived in Norway in 1942 left voluntarily, spurred on by false promises from the authorities. The prisoners had been promised better provisions, milder treatment, and possibly even early release. These volunteers must have regretted their decision already on their sea voyage, and at the latest by the time they arrived in Norway. The convicts from Emsland were placed in North Norway, in Kirkkoniemi, Alta, Lakselv, Hammerfest, and Karasjok, among other places. Kommando Nord was, at its largest, composed of 16 camps. The convicts worked for Organisation Todt Einsatz Wiking, and it is likely that they were made to work especially at fortification- and road construction sites, in conditions that have been described as inhuman
https://www.hitpages.com/doc/5945970441322496/18?q=ship#pageTop
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 11 August 2016, 12:03:29
Es lässt sich feststellen das der Transport von Norweger in deutsche KZ nicht nur auf die Juden beschränkt war.44000 Norweger wurden von den deutschen während der Besatzungszeit verhaftet, mehre tausend wurde nach Deutschland in verschiedene KZ und Lager transportiert
Das Museum des KZ Neuengamme in einer Dokumentation über "Norwegen unter deutscher Besatzung" http://media.offenes-archiv.de/ha2_2_9_2_thm_2370.pdf
Zitat
Am 15.Februar[Anm. 1943] wurden wir zur Bryggen [eine Pier] am Hafen in Oslo gefahren. Es waren auch weibliche Gefangene dabei, die Frauen waren in dem einen Frachtraum und die Männer im anderen. Zusammen waren wir über 125 Personen, die mit einem der sogenannten Sklavenschiffe, das "Monte Rosa" hieß, weggeschickt wurden......Wir gingen in Arhus in Dänemark an Land.
Sygurd Syversen
Das KTB KMD Oslo bestätigt diesen Transport nicht  :? , sondern weist daraufhin, das dieser Transport wegen "Ausgasung" des Schiffes ausfiel.

Zitat
....Wir waren 150 Südnorweger, die am 10.Juni 1943 an Bord des Frachtschiffes "Monte Rosa" kamen.[...]  ...Mehr als ein Drittel dieser Gruppe würde das Land nie wiedersehen. Wir kamen nach Neuengamme...
...
Per Storeland
Das KTB KMD Oslo verzeichnet nur den Truppentransport der Monte Rosa  1490/-/6  Personen nach Arhus

Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 11 August 2016, 13:04:50
aus o.g. Quelle
Zitat
Ein Brand in der Aula der Universität Oslo wurde von der deutschen Besatzungsmacht als angebliche Widerstandsaktion zum Anlass genommen, im Dezember 1943 den Präsidenten der Universität, Professor Didrik Arup Seip, und 600 Studenten und Studentinnen in das KZ Sachsenhausen zu deportieren. Ebenfalls 1943 wurden 470 norwegische Polizisten unter dem Vorwurf der "Unzuverlässigkeit" verhaftet und 271 von ihnen in das KZ Stutthof verschleppt.

Insgesamt wurden ca. 10000 Norwegerinnen und Norweger nach Deutschland deportiert.
Das KTB KMD Stettin weist für den Dez. 1943 den Transport von 740 norweg Strafgef. und 291 norw. Häftlingen mit der "Donau" aus.

Die o.g. Norwegischen Polizisten waren auch bei den Evakuierungstransporten mit Kähnen von Stutthof dabei, auf der "Wolfgang " waren es 241 Norweger. 2 norwegische Polizisten waren es auch , die in Travemünde fliehen und die Briten über die Häftlingsschiffe, die später in Neustadt bombardiert wurden, informieren konnten.

aus dem Buch von Elsbieta Grot "Ewakuacja morska wiezniow KL Stutthof przez Rugie do Danii w 1945 r"
http://stutthof.org/node/814
(Dank an Darius  :MG: top für die Übersetzung)
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 11 August 2016, 16:26:36
Hallo,
zum gleichen Einsatz der "Donau" KTB KMD Oslo,
ursprünglich war der Transport von 1200 verhafteten Studenten vorgesehen
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Hägar am 11 August 2016, 18:08:47
Ob es bei den Recherchen in diesem Thread weiterhilft, kann ich nicht beurteilen, aber im Listenteil dieser Website tauchen auch eine Reihe von Schiffstransporten auf: http://www.tenhumbergreinhard.de/
Gruß - Hägar
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 11 August 2016, 18:14:24
Auf der Suche nach der "Kerkplain" bin ich auf einen weiteren Transport von 1551 russischen Kriegsgefangenen gestoßen.
Mir fehlen noch Abfahrt- und Ankunftdaten bzw - häfen,
aber der Angriff war am 4. Oktober 1943
Hier die Quelle: Operation 'Leader' (https://books.google.de/books?id=ofSKMh3y1BcC&pg=PA27&lpg=PA27&dq=Kerkplein+ship&source=bl&ots=srAP_QaoAf&sig=D8vEhmcP-pB73ovpvWDVfycPaNc&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi54sPZrpTOAhVpIsAKHWf_B0wQ6AEIPDAF#v=onepage&q=Kerkplein%20ship&f=false)
Gruß, Thomas
Hallo Thomas,
im KTB KMD Oslo taucht der Transport der Kerkplein auf, die Bombardierung wird erwähnt, die Toten nicht .
Die "Kerkplein" wurde als Gefangenentransporter im innernorwegischen Verkehr eingesetz und dann nach der Beschädigung durch die "Rigel" ersetzt.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 11 August 2016, 18:30:54
Ob es bei den Recherchen in diesem Thread weiterhilft, kann ich nicht beurteilen, aber im Listenteil dieser Website tauchen auch eine Reihe von Schiffstransporten auf: http://www.tenhumbergreinhard.de/
Gruß - Hägar
Hallo Reinhard,
ein tolle Seite in der sehr viel Arbeit und auch Herzblut drinsteckt. Besonders berührt haben mich diese Zeilen
http://www.tenhumbergreinhard.de/19331945opfer/index.html
Zitat
Man darf sich nicht fragen, wie solch ein Massenmord möglich war. Er war möglich, weil er stattgefunden hat. Dies ist der Ausgangspunkt jeder historischen Untersuchung zu diesem Thema. Diese Wahrheit müßen wir in Erinnerung rufen. Es gibt keine Debatte über die Existenz der Gaskammern, und es darf auch keine geben.

Besuchst du Außenstehender diese Seite dann flüstern die Toten dir das Grauen ins Ohr. Sie sind noch alle hier und ihr Schweigen seit mehr als 65 Jahren kommt wie ein Stöhnen dir vor, dann stehst du Nachgeborner zwischen den Überlebenden die manchmal zweifeln ob es gut war zu bleiben denn es denken die Täter von Heute schon wieder an morgen überschütten zynisch den Tod der Schweigenden mit braunem Hohn, So lass dir immer wieder Außenstehender von den Toten erzählen wie es damals war immer wieder und immer wieder damit du niemanden und nichts vergisst und jene vielleicht ein wenig wenigstens ein wenig vergessen können Tränen alleine sind nicht genug.

Wenn die toten Juden aufstünden, und jeder sagte bloß seinen Namen und seine Herkunft, würden zwei Jahre vergehn. Wenn jeder Jude noch meldete, wie er ermordet worden ist: erschossen, erschlagen, erwürgt, vergast, verbrannt, wären vielleicht vier Jahre vergangen. Und wenn sie, angetreten zum Zählappell wie im Lager, abzählten, noch ein Jahr..
R.I.P  :MG:
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 12 August 2016, 23:45:38
Zitat
Hallo,
am 17.11.1942 wurde der Dampfer "Hindenburg" versenkt
http://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/asa/ausgabe.php?where_value=1186
Lt KTB KMD Danzig  waren 1000 russische Kriegsgefangene und 181 Mann Bewachung an Bord auf dem Weg von Danzig nach Jakobstad (Finnland).
Am 27.11.42 wurde die Rückkehr von
Zitat
165/-/12o und 44 Mann Besatzung und 9 Mann Flakbestzung
in Danzig gemeldet.
Eine Aussage über  Gefangene, die in den KMD Berichten immer separat ausgewiesen werden, wird nicht getroffen.
Ist über die genauen Verluste mehr bekannt?
schwer weitere Informationen zu finden.
hier (http://forum.axishistory.com/viewtopic.php?f=6&t=142778) engl. Übersetzung aus finnischen wiki
Zitat
Ship crew moved to other vessels but the about 1000 Soviet POWs carried by the ship still stayed in the hold behind the locks. Hindenburg was started towing to the inner archipelago but it was stuck on a shallow at Snökubb. In this stage part of the POWs had managed to break to the deck but Germans shot them with a 20 mm gun.

After the Finnish sea rescue [rescue ship / pelastusalus "Assistans" and Estonian tug / hinaaja "Pernan"] arrived to the place POWs could be moved to Turku with a barge.
danach waren die POW auch noch beim Abschleppen unter Deck eingeschlossen, bei einem Befreiungsversuch wurden sie von den Deutschen beschossen. Das Bergen mit einem Schleppkahn durch "Assistans" und "Pernan" nach Turku könnte erklären, warum sie am 27.11.in Danzig nicht gemeldet wurden.

Eine italienische Seite
übersetzt (https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=it&u=http://www.xmasgrupsom.com/public/Forum3/viewtopic.php%3Ft%3D33&prev=search) schreibt ,das 15 Menschen ,darunter 6 sowjetische Gefangene bei der Explosion getötet , und 13 Gefangene beim Ausbruchsversuch verletzt wurden .
Das wären bei den Umständen überraschend wenige, nur fehlen die Quellenangaben.
Edit: Quellen:
Zitat
Der größte Teil des Textes ist eine Übersetzung von der Site   http://www.town.ural.ru 
  Viele der Fotos stammen von der Website.  Andere Materialien und Informationen / Korrekturen aus Wikipedia, der Website navypedia, der forum.axishistory Forum, dem Ort u-boat.net (weniger zuverlässig) und vor allem der russischen tsushima.su Forum.
  Die Bezugsbasis für die oben genannten Quellen Autor Miroslav Morozov ist das modernste und einflussreichsten zeitgenössischen Autor der sowjetischen Flotte spezialisiert).

 wissen da unsere "russischen (U-Boat) Spezialisten"  :MZ: genaueres?
 
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Darius am 13 August 2016, 00:23:39
Hallo Beate,

KTB F.d.M. Ost:

Lage am 17.11.1942, 18.00 Uhr:
Vp.Bt. 305, 1707 Geleit Gotenhafen-Üto, 2 Dampfer, 1 Netztender, 1 Sich.Schiff.[...]
20.10 Uhr Kr von Vp.Bt. 305: Qu. 2957 U-Bootsalarm. Quadratangabe wird später berichtigt auf 2951.
20.51 Uhr Vp.Bt. 305 meldet: Torpedotreffer auf "Hindenburg". Mar.Verbindungsstab und Seetransportvertreter in Helsinki werden hierauf fernmündlich um Entsendung von Schleppern zur Hilfeleistung gebeten.
23.56 Uhr Vp.Bt. 305 erhält Mitteilung, daß Schlepper "Pernau" 2135 Uhr FZ Hangö, Bergungsdampfer "Assistenz" 2330 Uhr FZ Turku nach 59 Grad 40 Min Nord, 21 Grad Ost zur Hilfeleistung ausgelaufen ist. Feuer brennen.

18.11.1942
01.31 Uhr Vp.Bt. 305 meldet: Habe "Hindenburg" im Schlepp. Standort 1 sm vor Utö. Torpedotreffer in der Maschine.
02.31 Uhr Vp.Bt. 305 meldet: Utö passiert. Schelppe "Hindenburg" nach Turku.
07.34 Uhr Kr. von Vp.Bt. 305: "Hindenburg" bei Snökupp fest. 1000 russische Gefangene an Bord versuchen zu meutern. Von der Schußwaffe wird Gebrauch gemacht. Erbitte Unterstützung.
08.43 Uhr Vp.Bt. 305 erhält Mitteilung: Finnischer Stoßtrupp von Utö zur Hilfeleistung unterwegs.
10.30 Uhr Vp.Bt. 305 funkt: Erbitte Bergungsleiter für "Hindenburg" und Fahrzeug zur Übernahme der Gefangenen. Vp.Bt. 307 hat Leine in der Schraube, wird von finn. Schlepper nach Turku geschleppt.
Vp.Bt. 305 erhält Befehl:1) Zur Übernahme Gefangener ist Sich.Schiff dem Geleit zugeteilt. 2) Bergungsleiter ist angefordert.
Seetransportvertreter Finnland teilt mit, daß "Ariadne" ein Passagierschiff ist, auf das die Gefangenen Russen nicht übergsetzt werden können, da sie hier nicht einzeln in den Kamern bewacht werden können. Es werden besondere Boote von Turku entsandt, die die Gefangenen dorthin bringen.

Bis 27.11. dann kein Hinweis mehr auf diesen Vorfall.

 :MG:

Darius
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Darius am 13 August 2016, 00:26:58
Hi,

in dem Buch "Ihre Hilferufe verstummten im Meer - Vorpostenboote - die unentbehrlichen Einheiten der Kriegsmarine im 2. Weltkrieg" gibt es ein Kapitel "Torpedierung der Hindenburg" mit 6 Seiten Text, 96-101, zu diesem Vorfall.

Fahrzeuge im Geleit:
CHRISTEL VINNEN, HINDENBURG, ARIADNE, NETZTENDER 25, V 305, V 1707

In dem Buch wird von 1000 Gefangenen geschrieben, dass mit der 20mm in "ungefährlicher Höhe" geschossen wurde, aber dass auch Gefangene über Bord gesprungen sind. Mehr Details sind wohl im KTB der 3. Vp-Flottille zu finden, auf diese verweist das Buch.

 :MG:

Darius
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 15 August 2016, 14:55:55
Das Schwimmdock mit 800 russischen Kriegsgefangenen kam nicht nach Kopenhagen, sondern strandete beim Påø auf Langeland am 4. Mai 1945. Es waren ca. 600 französische und 800 russische Kriegsgefangene um Bord. Die Schleppboote sind weggesiegelt.
Hallo,
ich weiß nicht ob dieser Funkspruch 3.T.Fl vom Mai 1945 dazugehört:
Zitat
1910 Schlepper "Nungesser" mit Dock 4.5. 18 Uhr bei Grün 03 entlasssen
wo liegt "Grün 03" und kennt jemand den Schlepper  ?

Ein weiterer Funkspruch vom 8.5.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Peter K. am 15 August 2016, 16:45:10
Zitat
wo liegt "Grün 03"

... siehe hier (http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,23761.msg267163.html#msg267163)
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 15 August 2016, 17:55:36
Hallo Peter,
 :TU:) danke, also Höhe Cap Arcona kurz hinter Sassnitz.
Die Daten passen allerdings nicht zusammen, am 4.5. war das Dock schon in Langeland gestrandet,  am 3.5. vom Schlepper getrennt.
Dies geschah wohl nach dem Luft-Angriff auf das Schwimmdock . Aus der Erinnerung des 
französischen  Zeitzeugen  (https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=da&u=http://byarkivet.langelandkommune.dk/Dengodehistorie/Viervendttilbage&prev=search) ""Nous sommes revenus de loin".


Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 15 August 2016, 18:19:00
Zitat
1910 Schlepper "Nungesser" mit Dock 4.5. 18 Uhr bei Grün 03 entlasssen
Der Schlepper taucht auch im HMA auf  :MG:
Zitat
- 27.08.1944 02.50 Uhr S-Bootangriff von Steuerbord achteraus, Oberflächenläufer trifft Führerboot AF 98 Steuerbord vorn, Ruder klemmt, mit Schlepper Nungesser Schleppverbindung hergestellt, Besatzung geht auf R 226. 04.30 Uhr 4 sm östlich Fecamp sinkt AF 98, 1 Vermißter.[3] http://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/landungsfahrzeuge/marinefaehrprahm/ausgabe.php?where_value=935
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Peter K. am 15 August 2016, 18:49:36
Zitat
Punkt "grün 03" auf 54°45,7 N, 013°33,9 E
Diese Angabe im genannten Link stammt vermutlich aus dem Punktverzeichnis als Geheimanlage zum Heft "Zwangswege im Ostseebereich", gültig für den dort fraglichen Zeitpunkt 1941. Möglicherweise wurde der Punkt "grün 03" im weiteren Kriegsverlauf verlegt, das müßte man dann aber in den "Kriegsnachrichten für Seeffahrer" nachprüfen. Wenn überhaupt, dürfte der Unterschied allerdings nicht allzu groß gewesen sein, denn beispielsweise lag 1944 der vermutlich benachbarte Punkt "grün 03 b" auf 54°44,8N, 013°16,0E (K.N.f.S. vom 07.09.1944).

BTW, besitzt hier jemand das erwähnte Punktverzeichnis als Geheimanlage zum Heft "Zwangswege im Ostseebereich"?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 15 August 2016, 19:29:50
Hallo,
mich interessiert wie lange man im Schleppverband mit einem Schwimmdock von Sassnitz bis Strander Bucht  und wie lange es dann treibend bis Langeland braucht.  :?
Als Zwangsweg nehme mich mal die Wegeführung vom DHI 1950 mangels "Alternativer Karte" an,
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 15 August 2016, 21:17:37
Beate, der Schlepper heißt Charles Nungesser,
Rouen 1931, 80 BRT, 750 PSe
wurde 1940 in Le Havre konfisziert und 1946 an Frankreich zurückgegeben
DDK (Gröner etc) Bd. VI, S.166
Lieber Gruß
Thomas

P.S. Der uns noch fehlende Frachter ZEPHYR läuft in Gröner's "Handelsflotten 1942" unter finnischer Flagge, und in Gröner's "Deutsche Handelsschiffe 1944" ist er nicht aufgeführt.
Eventuell hat man ihn erst nach Redaktionsschluss des 1944er Büchleins und anlässlich des Austritts Finnlands aus dem Achsenbündnis einfach konfisziert und irgendeiner deutschen Reederei vermacht.  :|
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 15 August 2016, 21:40:30
Danke Thomas
auf "Charles" (https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Nungesser) bin ich nicht gekommen  :-D,
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: jja60 am 15 August 2016, 22:25:52
Hello,

The only matching Finnish ship with name Zephyr is this:
s/s ZEPHYR (OFCX, LR/IMO)
Completed 11.5.1907, Deutschland, Tönning, Eiderwerft AG
3850 dwt, 1000 HP, 92.27 m x 13.15 m x 5.50 m
Owner 11/1938 Oy Suomi Shipping Ab (C.S. Bergström)
Seized 9/1944 at Stettin by German government (Seereederei Adolf Wiards & Co Hamburg).
Seized by British at Kiel 5/1945
Brits delivered 5/1946 to Finnish company Oy Suomi Shipping Ab at Kiel.

Sources:
http://kauppalaiva.nba.fi/card.php?id=4094&lang=en
http://www.aanimeri.fi/gallery2/main.php?g2_itemId=37545

Regards
Jari
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 15 August 2016, 23:13:25
Hallo jari,
 :MG: vielen Dank,
die Information Stettin und Kiel passt zum Transport der Zephyr von Goten hafen nach Kiel #67 http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,26430.msg299347.html#msg299347

Schön auch einen Experten aus Finnland dabeizuhaben, die Transporte von Kriegsfangenen nach Finnland und von  Häftlingen nach Deutschland sind auch Teil des Projekts. Größere Transporte von Finnland  nach Deutschland mit Häftlingen habe ich noch nicht gefunden.
Das Buch von Elina Sana http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,26430.45.html #48 gibt es leider nicht auf Deutsch.
Das Buch von Oula Silvennoinen habe ich gelesen. Die 500 Gefangenen, die Salina erwähnt scheint ein Austausch von Gefangenen/Kriegsgefangenen zwischen finnischen und deutschen Gefangenenlagern gewesen zu sein.
Wieviele   und mit welchem Schiff nach Deutschland kamen, suche ich noch.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 15 August 2016, 23:38:56
Hallo,
Ein Schiffstransport wird bei Oula Silvennoinen beschrieben.
14.6.1942 mit der Neidenfels von Vaasa nach Stettin:
10 "unerwünschte Ausländer" darunter  polnische Flüchtlinge und Freiwillige aus Belgien und der Schweiz  die im  Winterkrieg für Finnland gekämpft hatten sowie Wilhelm  Kernig, ein "Halbjude" , der wohl als Agent tätig gewesen war.
Ihm drohte in Deutschland die Todesstrafe, er versuchte sich auf der Neidenfels das Leben zunehmen.
Er überlebte vorerst und wurde zur Gestapo nach Berlin überstellt , am 17.1.1944 wurde Kernig  im Gefängnis Brandenburg-Görden hingerichtet.

Was den Fall Kernig aus heutiger Sicht so brisant macht , ist die Zusammenarbeit der finnischen Sicherheitspolizei mit den deutschen Behörden. Der Chef der finnische  SIPO Anthoni :
Zitat
...sondern wurde auf meinen Befehl als internationaler unmoralischer Kundschafter und Jude am 1.5.1941 in Haft genommen,wo er sich vorläufig befindet. Die finnische Staatspolizei liefert sehr gerne Kernig an die deutschen Behörden aus.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 16 August 2016, 16:47:10
Hallo,
Hier http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,5064.msg297386.html#msg297386 #12
 hat @viloncello eine Akte zitiert die besser hierher passt
Zitat
In TNA HW 8/104 wird zur Besetzung Neustadts weiter ausgeführt:

"41. ... In the harbour the S.S. prison ship S.S. ATHEN was taken. This was found to contain about 6000 prisoners for labor camps in NORWAY. They had been battened down for 12 days without food. Charts with annotations fo operational value were taken from the C.B. room and passed to F.O.I.C., KIEL. Two of the S.S. guards from the ship were summarily executed."

Was auffällt, die "Athen " hatte nur 2000 Häftlinge an Bord.
Das dort ebenfalls zitierte Buch Sean Longden:" T-Force. The race for Nazi war secrets, 1945" (London 2010) enthält S. 158 einen fast identischen Text
Zitat
In the port, 30AU helped take controll of an SS prison ship in which 6,000 prisoners were being held, having been battened down in the holds for 12 days without food........two of the SS guards were summarily executed
Was erstaunt, der Autor berichtet von einem Einsatz in Lübeck :?

Interessant der Hinweis "prisoners for labor camps in NORWAY.".
Diesen Plan hat man tatsächlich seit Anfang 1945 verfolgt, ein "Ausweich KZ" für in Deutschland zu räumende KZ in Norwegen.
Hans Aumeier (https://en.m.wikipedia.org/wiki/Hans_Aumeier) war damit bis Kriegsende in Norwegen beschäftigt, Standort entweder Terningmoen oder Moyen
Zitat
When he was finally discharged he reported back to Oranienburg and was asked whether he wanted to go to Norway to become commandant of a new concentration camp at Mysen. He asked for leave to see his family but this time it was refused and he was told to report to SS-Sturmbannführer Max Pauly, 9 immediately who would brief him. On 22nd January he arrived in Oslo met Pauly and was told he had to supervise the building of a camp to house approximately 3,000 prisoners to be used in slave labour. It seems that Aumeier managed to build this camp and his treatment of the prisoners was very different from that of how he treated the prisoners at Auschwitz.  http://forum.axishistory.com/viewtopic.php?t=67718
In einem Artikel von Karin Orth "Planungen und Befehle der SS-Führung zur Räumung des KZ-System" ,wird  berichtet , das das Lager bei Kriegsende noch in der Bauphase war und keine Häftlinge aus Deutschland deportiert wurden.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TD am 17 August 2016, 01:43:28

Hallo zusammen,

hier der Lebenslauf der  ZEPHYR  noch in deutsch:
D ZEPHYR  OFCX     2556 BRT    ;dt. ZEPHYR   DVMB (DYMB ?) 2556
BRT


1907: Erbaut durch die Eiderwerft A.G.,Tönning    Bau- Nr. 78


ex DEVA- 38 ex LEVENSAU- 20



1939: ZEPHYR  O/Y Suomi Shipping A/B (
C.S.Bergström,Mgr.),Helsingfors



1939,18.Nov.: Mit einer Ladung von 2811 ts Zellulose von Kemi
nach New
York auf Pos. 59.18 N - 19.37 E durch Minenschiff HANSESTADT
DANZIG
angehalten und mit Begleitkommando nach Pillau eingebracht.
20.Nov.: In Pillau durch KMD Stettin Zwst.Pillau zur Prise erklärt.
23.Nov.: Für weitere Untersuchungen nach Stettin verlegt.
27.Dez.: Schiff und Ladung freigegeben.
1942,29.Juni: Flakeinbau in Hamburg begonnen
27.Juli: Einbau in Nordenham beendet.
1944,11.Sept.: In Bremen. (siehe BORE VI !)
1..Sept.: Reise nach Helsingfors angetreten.
22.? Sept.: Schiff auf Befehl OKM durch KMD Hamburg,Zwst.Kiel in
Kiel-Wiek angehalten.
25.Sept.: Finn.Besatzung von Bord geholt und in ein Lager
gebracht.Der
Dampfer wird durch ein Wachkommando der Küst.Kiel
übernommen.
16.Okt.: Zugunsten des Deutschen Reiches durch OKM requiriert.
17.Okt.: Der Kauffahrtei Seereederei Adolf Wiards & Co.,Hamburg
zur
Bewirtschaftung zugewiesen.
20.Okt.: Schiff vom SBV Hamburg übernommen und gleich an
bewirtschaf-
tende Reederei weitergegeben.
1945,25.Jan.: Jahresmiete auf 89.980 RM festgesetzt.
31.Jan.: Stärkere Flakbewaffnung in Hamburg eingebaut.
4.Feb.: Durch die Reederei in Fahrt genommen.
15.März: Auf einer Reise von Stettin nach Libau. Prisenrechtliche
Behandlung auf zuständigen PHB übergeben.
23.April: Wegen Feindeinwirkung eine Reise abgebrochen und
nach
Hamburg zurückgelaufen.
1./2.Mai: Vor der Besetzung aus den Hamburger Hafen verlegt .
9.Mai: Im Kaiser-Wilhelm-Kanal,Weiche Dükerswisch.
12.Mai: Schiff von Royal Navy beschlagnahmt,dt,.Besatzung soll als
Wache an Bord bleiben.
1.Juni: Nach Kiel Reede beordert.
20.Juli: Zum Kieler Hafen verlegt zur Löschung der Ladung.
26.Juli: Ladung gelöscht und auf Kiel Reede mit 4 Mann Besatzung
auf
Anordnung des British Ministry of War Transport aufgelegt.
1946,25.Mai: Dort finn. Besatzung an Bord gekommen.
27.Mai: Schiff von Finnland übernommen,dt. Besatzung von Bord.
17.Juni: Verkauf des Schiffes durch Reederei an Lovisa Rederi A/B,
Lovisa. Neuer Name RAIMO-RAGNAR.

1952: Abbruch in Boom.


Einige Seiten aus dem Schiffstagebuch hatte ich ja schon direkt geschickt.

Gruß

Theo
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 18 August 2016, 11:16:19
Hallo,
Dank eines Hinweises von Theo  :MG:
Der Fahrgastraddampfer Vojvoda Misic ex DDSG Radetzky, lief am 11.10.1944 auf der Donau auf eine Mine.
An Bord waren je nach Quelle 700-900 italienische Militär-Internierte, es gab über 300 Tote
Hintergrund (https://books.google.de/books?id=JmDoBQAAQBAJ&pg=PT427&lpg=PT427&dq=italienische+internierte+1944&source=bl&ots=5JgvKUa3wk&sig=fXimYNPwlSQOAEXX6Z0ZH4WY3zA&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjUjObgxcrOAhXFWBQKHaNVAIAQ6AEIKDAE#v=onepage&q=misic&f=false)
Quellen: http://fow.pl/forum/viewtopic.php?t=3838
http://www.polpi.net/neue%20geschichten.htm
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 23 August 2016, 19:10:23
Hallo,
der Todesmarsch des KZ Fürstengrube führte zum KZ Mittelbau
Zitat
Die Häftlinge wurden am 9. April 1945 auf einen offenen Schleppkahn verladen und über die Elbe nach Lauenburg und den Elbe-Lübeck-Kanal nach Lübeck transportiert, wo sie am 12. April 1945 im Industriehafen Lübeck-Vorwerk eintrafen.
https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_F%C3%BCrstengrube-Todesmarsch
Der weitere Marsch führt zur "Cap Arcona"..
Hallo,
Zitat
In Magdeburg verhandelte Schmidt [Anm B. K. :Lagerleiter SS-Oberscharführer Max Schmidt] mit dem Hafenkommandanten , einem Kapitän zur See .Dieser stellte für den Weitertransport der Häftlinge einen großen Schleppkahn zur Verfügung.
aus Gerhard Hoch: Von Auschwitz nach Holstein. Die jüdischen Häftlinge von Fürstengrube

Meine Frage, gab es eine Dienststelle "Hafenkommandant Magdeburg" und ist der Name bekannt?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 06 September 2016, 13:51:15
Zitat
Zurück in Lindau und in Kressbronn blieben nur die beiden
Schwesterschiffe “Kempten” und “Augsburg”, die russischen Zwangsarbeitern
als schwimmende Unterkunftsräume dienten
http://www.konstanz-dingelsdorf-oberdorf.de/ov-dingelsdorf-wAssets/docs/mitteilungsblaetter/mitteilungsblatt2012/120426_blaettle.pdf
Zitat
1945 wurde MS Augsburg zusammen mit MS Kempten aus Sicherheitsgründen vor Luftangriffen in Überlingen verankert. Wenig später dienten die beiden Schiffe im Lindauer Hafen als Unterkünfte für russische Zwangsarbeiter http://www.bodenseeschifffahrt.de/Lindau-Motor/augsburg.html
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Darius am 06 September 2016, 20:43:19
Ein wenig OOT die Angaben zu sowj. Gefangenen aus den Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte:

Reinhard Otto/Rolf Keller/Jens Nagel
Sowjetische Kriegsgefangene in deutschem
Gewahrsam 1941–1945
Zahlen und Dimensionen
 --/>/> http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/2008_4.pdf
&
Alexander Haritonow/Klaus-Dieter Müller
Die Gesamtzahl sowjetischer Kriegsgefangener –
eine weiterhin ungelöste Frage
 --/>/> http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/2010_3.pdf

 :MG:

Darius
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 07 September 2016, 08:31:19
Aus warsailors.com:
http://www.warsailors.com/homefleetsingles/jupiter.html

Jupiter and Leda were moved to Eidsvågsbukten north of Bergen on Apr. 16-1940 and used as accommodation vessels for Norwegian prisoners of war. The tanker Tiger, which had been seized by the Germans and was laid up near Jupiter and Leda and used as floating fuel depot, was attacked by allied aircraft and a bomb was dropped very close to the 2 passenger vessels, though they were not directly hit, nor was Tiger.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 07 September 2016, 17:01:55
Hallo,
Der ehem. Passagierdampfer Deutschland
Zitat
Ab dem 17.Dezember 1940 diente sie als Kasernenschiff für die Kriegsmarine, Hafenneubaudirektion in Gotenhafen. http://www.schiffe-maxim.de/Deutschland.htm

hiernach (https://books.google.de/books?id=fYspAQAAQBAJ&pg=PA55&lpg=PA55&dq=schiffe+kriegsgefangene+kriegsmarine&source=bl&ots=Y5Ci_VPpCQ&sig=Phhlm1IO6EUaruGUXWKgrCI4a8k&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjylNmo9fzOAhVIDcAKHbS5CWk4ChDoAQgdMAE#v=onepage&q=schiffe%20kriegsgefangene%20kriegsmarine&f=false) brachte man dort zeitweilig auch kriegsgefangene Franzosen unter.

Vermutlich Marine-Dulag Gotenhafen  (https://books.google.de/books?id=JmDoBQAAQBAJ&pg=PT316&lpg=PT316&dq=franzosen+kriegsgefangene+gotenhafen&source=bl&ots=5JgxH_41qo&sig=BhCobUt8GKXZxWNK1F892XSzVwM&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi3zb_7yv3OAhVIVhQKHbEWAiAQ6AEIGzAA#v=onepage&q=franzosen%20kriegsgefangene%20gotenhafen&f=false)
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 10 September 2016, 14:12:00
MARIO ROSELLI

Als dritten Gefangenentransporter verlor die Wehrmacht im Oktober 1943 das 6804 BRT große Motorschiff „Mario Roselli“, das am 9. Oktober in Korfu eingelaufen war, um 5500 Militärinternierte nach Patras zu bringen. Am nächsten Morgen erhielt der bereits voll beladene Frachter bei einem Luftangriff von 4 Flugzeugen um 7.15 Uhr durch Bombentreffer zwei Lecks. Das Schiff bekam Schlagseite und drohte zu kentern. Schon bei dieser ersten Attacke sprangen viele Gefangene ins mehr, um sich zu retten. Viele von ihnen aber schafften es nicht, die 800 Meter entfernte Küste zu erreichen. Am 11. Oktober griffen alliierte Flugzeuge die Stadt, den Flugplatz und den Hafen von Korfu ein zweites Mal an. Die „Mario Roselli“ erlitt zwei weitere Treffer und sank. Aus der Meldung im KTB Admiral Ägäis geht nicht eindeutig hervor, ob sich beim Untergang noch Militärinternierte auf dem Frachter befanden.

Unmittelbar nach dem Bombenangriff vom 11. Oktober befahl GenMaj August Winter, Chef des Generalstabs der Heeresgruppe E, dem Marineverbindungsoffizier bei der Heeresgruppe, das bewegungsunfähige „Schiff mit den Italienern“ abzuschleppen, aber als letzterer dem General einen Tag später die Versenkung der „Mario Roselli“ mitteilte, erwähnte er keine an Bord befindlichen Gefangenen. Da in den Quellen präzise Angaben über die Toten durch 2 Luftangriffe und die Versenkung  des Transporters fehlen, bleibt zu der Versuch, sich der Wahrheit auf indirektem Weg anzunähern.

Nach den von der Kriegsmarine zusammengestellten Daten verloren bis zum 22. Oktober insgesamt rund 6000 italienische Gefangene beim Verlust von Transportschiffen ihr Leben. Werden von den 6000 Toten diejenigen abgezogen, die auf der „Donizetti“, „Ardena“, „Marguerita“ und „Sinfra“ ums Leben kamen, also 4698 Mann, so könnten bei der Versenkung der „Mario Roselli“ 1302 Italiener gestorben sein.

Quelle: Gerhard Schreiber, Die italienischen Militärinternierten, S. 266-268
Quelle: http://invisiblegraves.weebly.com/mario-roselli.html
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: t-geronimo am 10 September 2016, 14:51:37
Ist wohl mit „Marguerita“ die deutsche Margarete gemeint? Auf ihr kamen am 14.10.1943 ja anscheinend auch über 500 gefangene Italiener ums Leben.
Falls sie das nicht ist, würde das ja wieder die Zahlen ändern.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 10 September 2016, 15:13:05
Das wird das gleiche Schiff sein
Marguerita  Untergang 13.10.1943 Verluste Gefangene 544  (https://books.google.de/books?id=JmDoBQAAQBAJ&pg=PT267&lpg=PT267&dq=korfu+milit%C3%A4rinternierte+roselli&source=bl&ots=5JgxKV20tq&sig=5-_WIuETjDR0AMnL1-ihw71iVyI&hl=de&sa=X&sqi=2&ved=0ahUKEwiEhsXK5oTPAhVBLMAKHXzrD0EQ6AEIIjAB#v=onepage&q=Marguerita&f=false)


Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 10 September 2016, 16:47:26
Hallo,
gemeint ist wohl
 http://www.offenes-archiv.de/de/medium-ansicht?id=6226
mit dem Dokument http://media.offenes-archiv.de/ha7_2_2_5_2_3_thm_2480.pdf
Neben der "Olga Siemers" wird auch die "Rheinfels" erwähnt.

Hallo,
die Ereignisse bei der Räumung des KZ Neuengamme und auf der  "Olga Siemers" war Thema eines Vortrags
"Häftlinge und Wachpersonal aus dem geräumten KZ Neuengamme in Flensburg 1945"
von Dr. Reimer Möller, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Im Mittelpunkt standen die kürzlich im Archiv von Neuengamme "gefundenen" Aufzeichnungen des Funktionshäftling Paul Nowak,
http://discovery.nationalarchives.gov.uk/details/rd/07c6954f-3be9-44e2-829a-58ff9d0e28ec

der mit der "Olga Siemers"  nach Flensburg kam. Ein Dokument mit zweifelhaften "Wahrheitsgehalt" , aber historischem Wert. Nowak  ,der als Funktionshäftling Morde und Grausamkeiten an seinen Mithäftlingen begangen hat, beschreibt sich darin selbst als Menschenfreund und Wohltäter.
Er engagierte sich im Komitee ehemaliger KZ -Häftlinge
Die Geschichte von Nowak zeigt, das es für die Briten schwierig war, Opfer und Täter zu unterscheiden.
Er wurde als Zeuge, nicht Angeklagter, im Curiohaus-Prozeß gehört und verschwand dann . Er wurde später nie gefunden.
Die Angabe hier (http://www.stolpersteine-hamburg.de/index.php?&MAIN_ID=7&p=143&BIO_ID=3384) "Paul Nowak, bis zu seiner Verhaftung 1933 Redakteur des "Vorwärts" in Berlin " ist ebenso falsch.

Dr. Möller beabsichtigt ,das Dokument mit "zeitkritischer Würdigung" und Kommentierung zu veröffentlichen.

P.S kann jemand übersetzen was hier (https://books.google.de/books?id=GnVjt__dtrwC&pg=PA179&lpg=PA179&dq=paul+nowak+curiohaus&source=bl&ots=RQXNfj-rCi&sig=qXhvZ8kBvhC2N2NrAuT04qAgkLQ&hl=de&sa=X&sqi=2&ved=0ahUKEwi1hrnThoXPAhUKJ8AKHav-BRsQ6AEIMTAE#v=onepage&q=paul%20nowak%20curiohaus&f=false) über Nowak steht?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 10 September 2016, 17:30:22
Ist wohl mit „Marguerita“ die deutsche Margarete gemeint? Auf ihr kamen am 14.10.1943 ja anscheinend auch über 500 gefangene Italiener ums Leben. (...)

Es ist sicher dieselbe, Thorsten, aber ich finde die Daten der Marguerite weder in Lloyd's Register noch im Gröner. Vielleicht hat hier im Forum Jemand bessere Quellen zur Verfügung als ich.
Vielen Dank für mit der Recherche verbundene Mühen.
Schönes Wochenende, Thomas

http://www.wreckdiving.gr/wreck/marguerite
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 10 September 2016, 17:42:22
Ich habe sie gefunden in Gröner/Jung/Maass DDK Band 7, S.137/138
Marguerite ex spanisch Maria Amalia, 1918, 744 BRT.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Darius am 10 September 2016, 18:17:51
@„Mario Roselli“ hier die Originalzitate der in den von TW genannten Quelle "Akten der HGr. E", :

Zitat
Führungsabteilung Ia/Kriegstagebuch:
Aktennotizen und Ferngespräche:

11.10.1943:[...]
18.10
Genmjr. Winter Anruf an Kpt.z.S. Zechlin.
Genmjr. Winter: Im Hafen von Korfu liegt ein 10.000 to Dampfer bewegungsunfähig, wir wissen nicht, wie er nach Corfu kam.
Ich frage, ob dieses Schiff nicht abzuschleppen wäre und dabie die 5.000 Italiener mitnehmen könnte?
Kpt. Zechlin: Ich werde mich erkundigen.[...]

18.20
Oberst i.G. v. Schipp an Genmjr. Winter.
Ia: Dietl fragt an, ob Entscheidung Corfu schon gefallen ist.
Heute wurde Corfu von 30 Bombern angegriffen, der 10.000 to Dampfer erhielt Schlagseit, die Italiener waren schon verladen.
Genmjr. Winter: -Habe Zechlin gesagt, daß das Schiff mit den Italienern abzuschleppen ist.[...]

12.10.1943:[...]
09.40
MVO meldet, der in Corfu torpedierte 10.000 Dampfer Roselli gesunken ist.[...]

Aus den mir vorliegenden Unterlagen ergibt sich das Bild, dass es Anfang Oktober 1943 noch keine funktionierende und abgestimmte Küstensicherungsstruktur (Seekos) in diesem Bereich (Durazzo - Korfu) gab, so dass die Schiffsbewegungen mit Transportraumverlegung aus der Adria in die Ägäis tatsächlich für die Führungsebenen überraschend kamen. U.a. wurde z.B. auch die Roselli auf dem Marsch nach Korfu bereits an den Vortagen durch eigene Küstenstellungen beschossen.

 :MG:

Darius
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TD am 10 September 2016, 18:50:27
war nicht am PC

D  MARGUERITE  18/744  Mittelmeer Reederei
1. 4. 43 als span. "Maria Amelia" angekauft
1. 7. 43 umgenannt  KERTSCH;  6. 9. 43 in ""Marguerite"
13. 10. 43 vor Kos durch brit. Uboot  "Unruly" versenkt


Gruß

Theo
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 10 September 2016, 22:44:00
Zitat
13. 10. 43 vor Kos durch brit. Uboot  "Unruly" versenkt

ASA (http://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/asa/ausgabe.php?where_value=3138) geht von einem Minentreffer aus
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: t-geronimo am 11 September 2016, 00:21:36
Im KTB Admiral Ägäis steht auch Minentreffer, mit dem Hinweis einen Tag später, dass auch Sabotage möglich sein könnte.

HMS Unruly hat am 12.10.1943 seine 8. Feindfahrt beendet:
 --/>/> http://www.uboat.net/allies/warships/ship/3556.html
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TD am 11 September 2016, 04:13:23
Und hier zur MARIO ROSELLI   einige grobe Daten:     


M  MARIO ROSELLI  41/6838  Mittelmeer Reederei
10. 9. 43 als ital. Schiff in Triest übernommen
15. 9. 43 ab Triest 20. 9. 43 an Venedig,
27. 9. 43 ab Venedig über Triest zur Ägäis, 7. 10. 43 ab Durazzo
10. 10. 43 vor Korfu durch Luftangriff gesunken
1950 gehoben, ital. "Alpe"


204.  MARIO ROSELLI        IT  1M (18)
 6,835 "Italia" Soc. Anon. di Nav., Trieste       466.2 x 64.0
     C Cantieri Riuniti dell'Adriatico, Monfalcone (4/42) #1240    457
8/43 - under German control, seized 8 Sep at Corfu
Sunk by Allied air attack, 12 Oct 1943, at Corfu, refloated 17 Nov 1948, but sank again, refloated successfully in 1951 and re-built 1952 at Monfalcone, re-classed Oct 1952
52 - ALPE   "Italnavi" Soc. di Navigazione per Azioni, Genoa      2935
69 - Costa Armatori S.p.A., Genoa
70 - Saudena Soc. Anon. Uruguaya de Navegacion, Montevideo  [Flemar S.r.l.]  UR
Broken up at Blyth 1972 by Hughes Bolckow, Ltd., arr. Blyth 14.2.72

Damit keine neuen falschen Daten ins Netz komme etwas zu 9.9.1943
Triest Um 06:45 erfolgt unter dem Feuerschutz der Dampfer HENRY ELISABETH FISSHER und JOHN KNUDSEN die Gefangennahme der italienischen Besatzungen des Dampfers REX, des Motorschiffes MARIO ROSELLI, eines Hilfskreuzers, der Flakbatterie auf Mole 4 und der Torwachen 1 und 2. Alle Schiffe, Batterien und Waffen werden von deutschen Soldaten besetzt.
Um 07:25 eröffnet die italienische Batterie auf der Außenmole das Feuer auf das Hafengebiet, wird aber durch die Boldflakbesatzung des Dampfers JOHN KNUDSEN niedergekämpft.
Um 08:10 versenken KT6 und der Dampfer REGINA eine italienische Korvette beim Versuch des Auslaufens.


Gruß
Theo
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 28 September 2016, 20:12:32
Hallo,
Zitat
15.8.1942 D "Wolsum" 1000 Zuchthausgefangene Stettin nach Nordnorwegen
Hintergrund:
Zitat
....die als „Konzentrationslager für die Wehrmacht“ bezeichneten Feldstraflager in Finnland und Nordnorwegen. In Norwegen ließ Dietl Rückzugswege bauen. Dabei wurden Einheiten von Strafgefangenen („Moorsoldaten“ aus den Emslandlagern) der Organisation Todt eingesetzt. Weitere Einheiten wurden im Fort Zinna/Torgau aufgestellt; es waren Arbeitssklaven aus den Feldstraflagern I und II in Finnland und Norwegen, für die Generaloberst Dietl truppendienstlich verantwortlich war. Diese Feldstraflager waren die militärische Variante der Vernichtung durch Arbeit ...https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Dietl#Verstrickung_in_Kriegsverbrechen

Ein Opfer der Wehrmachtjustiz, der Matrose Johann Grewing:
Zitat
Der Matrose Johann Grewing war im Februar 1941 während seines Torpedoboot- Wachdienstes eingeschlafen; zudem hatte er nach Ansicht seines Vorgesetzten seine Ausrüstung nicht gepflegt. Die deswegen angedrohten Folgen ängstigten Grewing so sehr, dass er planlos an Land floh. Er wurde jedoch bald darauf gefasst. Die Richter schienen Verständnis für seine Gefühlslage vor der Flucht zu haben und sprachen sich in drei aufeinanderfolgenden Verfahren lediglich für eine Zuchthausstrafe aus, obwohl der Marineoberbefehlshaber das Todesurteil gefordert hatte. Mit Inkrafttreten des Urteils verlor Grewing seine »Wehrwürdigkeit«. Er wurde im April 1942 in das Lager Brual-Rhede im Emsland verbracht. Sein Aufenthalt dort galt nicht als Teil der Strafverbüßung, die erst nach Kriegsende beginnen sollte. Im August 1942 gehörte er zu einer Gruppe von Häftlingen, die das Reichsjustizministerium zur Arbeit nach Nord-Norwegen transportieren ließ. Die Lebensbedingungen am Polarkreis waren extrem hart, der Tod vieler Häftlinge bewusst einkalkuliert. Am 18. Januar 1943 nahm sich Johann Grewing das Leben. ...

Verschiffung nach Nord-Norwegen
Mitte August 1942 wurde Johann Grewing zusammen mit 1.000 anderen Gefangenen auf dem Schiff »Wolsum« nach Norwegen gebracht. Die Deportierten waren für Schwerstarbeit beim Ausbau militärischer Befestigungsanlagen und Straßen am Polarkreis vorgesehen. ...

Die Leiden auf der Wolsum – Zeitzeugen erinnern sich
»Auf dem Schiff wurden die Gefangenen in zwei Ladeluken und im Vorschiff zusammengepfercht. Als Verpflegung wurden verdorbene Lebensmittel […] ausgegeben, die die ersten Fälle von Magen- und Darmerkrankungen zur Folge hatten. […] Bat einer der Unglücklichen […] austreten zu dürfen, da er infolge der Ernährung bereits seine Kleidung mit Kot beschmutzt hatte, so wurde er mit Kolbenhieben wieder die Leiter herunter getrieben, wobei er sich dann oftmals völlig mit dem nicht länger zu stauenden Kot beschmutzte. Viele Gefangene waren gezwungen, um diesen Schlägen der Beamten zu entgehen, ihre Eßschüssel als Toilette zu benutzen und in die Feldflaschen zu urinieren. […] Auf dieser Fahrt starben 3 Gefangene an Hungertyphus. Sie wurden in Säcke genäht und mit Eisen beschwert ins Meer geworfen.«
Quelle Aus einem Bericht von Wilhelm Sonnack und fünf weiteren Häftlingen, entstanden kurz nach Kriegsende, Bundesarchiv, Zwischenarchiv Dahlwitz-Hoppegarten

aus "Drehbuch Wanderausstellung "Was damals Recht war..."
Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht

Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 28 September 2016, 20:49:44
Hallo,
aus der Dokumentation über deutsche Strafgefangenenlager in Finnland von Lars Westerlund
passend auch zu #117
Zitat
German Penal Camps in Finland, 1941-1944
...The march of the German penal soldiers to the Arctic Sea

In early summer 1942, 1750 penal soldiers who had already been convicted in Germany were moved from there to North Norway and North Finland. The two first groups, consisting of 1200 convicts each, were shipped in 4.6.1942 from Danzig to Pietarsaari (Jakobstad), and from thereon by train to Rovaniemi, from where the prisoners were, carrying their personal gear, forced to execute an arduous march north on foot. According to German records, either 15-20 or 30-50 convicts who committed various infractions or were merely unable to continue the journey were shot during the march...https://www.hitpages.com/doc/5945970441322496/3?q=ship#pageTop
Das KTB KMD Danzig erwähnt leider keinen Transport von (Straf)gefangenen für diesen Zeitpunkt.
Für den 6.6.42 ist ein Truppen-Transport von "Mar del Plata", "Alkaid" und "Trautenfels" nach Jakobstad verzeichnet.
nach dieser Quelle (https://books.google.de/books?id=6-eMBQAAQBAJ&pg=PA250&lpg=PA250&dq=feldstraflager+finnland+schiff&source=bl&ots=wCU7PGDfKk&sig=1-4WUR0wmhsNCf9uTrFF3DyO9CA&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwipp_iyxrLPAhWEbBoKHYsrDEgQ6AEIIjAA#v=onepage&q=feldstraflager%20finnland%20schiff&f=false) hat das Feldstraflager II am
4.6.1942 mit 45 Eisenbahnwaggons Torgau mit Ziel Danzig verlassen,"das Schiff"verließ am 6.6.1942 Danzig mit Ziel Jakobstad .
Es muss aber mehr als 1 Schiff gewesen sein, keiner der  o.g "Truppentransporter"  hatte  1200 Mann an Bord.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 30 September 2016, 20:20:54
Hallo Thomas und andere,

am 2.Oktober 1943 waren vier Transporte von jüdischem Mitbürger nach Theresienstadt durchgeführt. Drei mit Zug und der vierte mit Truppentransportschiff Wartheland von Kopenhagen mit 198 jüdische Gefangene und 150 Kommunisten.  Das Schiff geht nach Swinemünde und davon weiter mit Zug nach Theresienstadt. Die Kommunisten kamen zum KZ Stutthof. Insgesamt wurden 472 jüdische Dänen abtransportiert. Davon kamen 16 zuerst nach Ravensbrück.
Hallo,
dank http://forum.axishistory.com/viewtopic.php?f=6&t=194871&p=1752269&hilit=ship#p1752269  :MG:
wird erkennbar , das ursprünglich der Abtransport von 5000 Juden von Kopenhagen nach Swinemünde durch OKM mit SKL Gkdos vom 28.9.1943 am 1.10.1943  mit den Dampfern "Monte Rosa", "Lappland" ,"Wartheland" geplant war.
Die Rettungsaktion für die dänischen Juden http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/miszellen/43-10-02.htm verhinderte diese Transporte.
Nur die "Wartheland" fuhr am 2.10.1943 mit 207 Juden und 150 Kommunisten nach Swinemünde.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Darius am 01 Oktober 2016, 16:42:18
Hallo zusammen,

diesen Link kannte ich bisher nicht:
Archivführer der deutschsprachigen Quellen zur Geschichte der Italienischen Militärinternierten (IMI)
1943-1945


 --/>/> http://www.villavigoni.it/contents/files/Archivfuehrer.pdf

 :MG:

Darius
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Darius am 01 Oktober 2016, 17:02:17
Hallo zusammen,

lt. Info im folgenden Link waren auch ehem. ital. Soldaten an Bord der Andrea Sgarallino (http://www.elbaworld.com/de/zweite-weltkrieg/p-518-sgarallino.html), als diese durch HMS Uproar (Link 1 (http://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/asa/ausgabe.php?where_value=3097) und Link 2 (http://www.uboat.net/allies/warships/ship/3541.html)) versenkt wurde.

 :MG:

Darius
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 07 Oktober 2016, 18:00:06
Hallo,
im August 1944 wurden dänische Häftlinge aus dem Lager Horserød mit dem Schiff "Mars" ab
Helsingør nach Deutschland deportiert. Das Schiff wird bezeichnet als "Truppentransporter" oder "Urlauberschiff" .
Es sind 2 Zeitzeugenberichte dokumentiert
http://media.offenes-archiv.de/ha2_2_9_1_thm_2369.pdf
http://media.offenes-archiv.de/ha2_2_9_bio_1169.pdf
Für beide führte der Transport in ein Konzentrationslager.

Beim Schiff gehe ich davon aus, das es sich um die noch heute als Museumsschiff erhaltene "Witjas"  ex Mars https://de.wikipedia.org/wiki/Witjas_%28Schiff,_1939%29 handelt.
Hallo,
das Hauptbuch des Hafenamt Flensburg 1944-45 enthält den Eintrag
Zitat
13.8.1944 D. Mars von Helsingoer Wehrmacht 71 Pers. 2468 brt.
Skipper Marquardt Heimathafen Bremen
die Daten sprechen für "Witjas ex Mars"
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 08 Oktober 2016, 09:36:29
Danke Darius, aber uns geht es nicht um ein paar Soldaten, die im Quellentext auch nicht als "Internierte" bezeichnet werden, sondern um Transporte von Strafgefangenen, Kriegsgefangenen und sogenannten "Militär"internierten, die oft genug wie Vieh weggesperrt wurden und im Seenotfall in den Laderäumen eingeschlossen blieben.

Für die Ägäis haben wir inzwischen Transporte von ca 70.000 IMI nachgewiesen, für die Adria (1) und den Abtransport von Korsika (2) fehlt uns eine solche Aufstellung.

ad 1) Wieviele italienische Soldaten waren im September 1943 überhaupt auf Korsika stationiert?

ad 2) Das KTB der Seetransporthauptstelle Triest ist so oberflächlich geführt, dass man daraus keine hilfreichen Angaben ziehen kann. Es geht um den Abtransport von ein paar Tausend italienischen Soldaten auf den besetzten Inseln vor Dalmatien nach Triest und/oder Venedig. Die Soldaten auf Korfu und den südlichen Inseln wurden nach Griechenland gebracht und sind erfasst. - Ich suche immer noch nach einer ausschöpfbaren Quelle (die hat schon Gerhard Schreiber für sein Buch über die IMI vergeblich gesucht).

Trotz meiner Zurückweisung vielen Dank dafür, dass Du die Augen offen hältst. Vielleicht stößt Du ja doch bei Deiner Arbeit auf eine ergiebige Quelle

Hallo zusammen,

lt. Info im folgenden Link waren auch ehem. ital. Soldaten an Bord der Andrea Sgarallino (http://www.elbaworld.com/de/zweite-weltkrieg/p-518-sgarallino.html), als diese durch HMS Uproar (Link 1 (http://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/asa/ausgabe.php?where_value=3097) und Link 2 (http://www.uboat.net/allies/warships/ship/3541.html)) versenkt wurde.

 :MG:

Darius
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 28 Oktober 2016, 11:15:34
Zitat
Zu den im Rostocker Hafen verbliebenen Schiffen gehörte auch der im Haedge-Hafen liegende Frachter Boltenhof der zuletzt als Wohnschiff für die im Hafen arbeitenden sowjetischen Kriegsgefangenen gedient hatte...
"Schiffsschicksale Ostsee 1945" Wolfgang Müller (S.90)
Boltenhof ex Doric Bj.1911 steht bei Dinklage/Witthöft
"12.44 vor Rostock durch Bomben versenkt. 12.6.47 in Rostock  abgeliefert an Polen "Kalisa""
 ist  bekannt, wann  das Schiff gehoben wurde?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: kalli am 28 Oktober 2016, 12:28:07
1946 von sowjetischen Rettungsschiff gehoben und erhielt nach der Reparatur den Namen KAPITÄN KUSCHNARENKO. 1947 bekam Polen das Schiff als KALISZ. 1949 ging es nach Panama (in manchen Quellen 1955) als CAROLYN. 1958 verschrottet in Odense.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Rudergänger am 28 Oktober 2016, 12:59:37
Hallo,
nach Detlefsen Deutsche Reedereien Band 28 Seite 144:
Am 31.12.1944 wurde der Dampfer vor Warnemünde schwer beschädigt und nach Rostock geschleppt. 3.4.1945 Umbaubeginn zum Gefangenenwohnschiff. 1946 an die UdSSR abgeliefert. Dann weiter wie Kalli es geschrieben hat.

Gruß
Harald
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 28 Oktober 2016, 19:19:44
Hallo kalli, Hallo Harald,
danke für Eure Ergänzungen :MG:
Bei "Umbaubeginn 3.4.1945" stellt sich die Frage, ob es noch als Gefangenenschiff genutzt wurde oder nur eine Planung war.
Wenn von den Russen 1946 gehoben , müsste es ja noch mal versenkt worden sein.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 28 Oktober 2016, 20:22:13

Das KZ Ravensbrück hatte in Peenemünde die  Aussenlager ,Karlshagen I und II.
Karlshagen II unterstand der Heeresanstalt (Peenemünde Ost).
Zitat
Die Auflösung des Lagers Karlshagen II begann Mitte Februar 1945. 350 „Invaliden“
wurden auf dem Wasserweg nach Barth und von hier über das Mittelbau-Außenlager
Ellrich ins KZ Bergen-Belsen gebracht 1277. Die Angaben eines überlebenden
Häftlings, es habe zunächst einen Plan gegeben, den Lastkahn mit den Gefangenen
zu versenken1278, kann nicht durch andere Berichte bestätigt werden. Ebenso wenig
bewiesen ist die Versenkung eines Schleppkahns mit 335 Peenemünder Häftlingen,
die in den letzten Apriltagen geschehen sein soll1279. Mitte bis Ende April 1945 wurden
alle noch im Lager Karlshagen verbliebenen Häftlinge evakuiert. Eine Wolgasterin
will am 28. April 1945 einen langen Zug von elend aussehenden Häftlingen
gesehen haben, die durch die Stadt in Richtung Westen gezogen seien1280. Nach
Angaben eines Barther Häftlings traf im April ein Transport von rund 400 Peenemünder
Häftlingen in Barth ein1281. Ein Restkommando wurde per Schiff aus
Peenemünde evakuiert
und dann zu Fuß in Richtung Rostock in Marsch gesetzt. Die
Überlebenden dieses Todesmarsches wurden hier von sowjetischen Soldaten befreit1282
https://www.otto-brenner-shop.de/uploads/tx_mplightshop/a024.pdf
Hallo,
das gleiche Thema aus der Sicht eines anderen Zeitzeugen
aus "Raketenspuren: Waffenschmiede und Militärstandort Peenemünde"
von Volkhard Bode, Gerhard Kaiser
Hier wird über den Abtransport von 1000 Häftlingen mit Kohlenschuten und Schlepper ins KZ Barth berichtet.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: kalli am 28 Oktober 2016, 21:57:53
Wenn von den Russen 1946 gehoben , müsste es ja noch mal versenkt worden sein.

Beate, kann sein, dass ich etwas ungenau übersetzt habe. Vielleicht ist gerettet, gesichert genauer als gehoben. :MG:
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: SchlPr11 am 28 Oktober 2016, 22:09:14
Hallo,
das einzig (mir) bekannte Rostocker Foto der BOLTENHOF zeigt sie leicht mit Schlagseite, schwimmend im Rostocker Haedgehafen.
Wenn Wohnschiff, dann immer wohl nur provisorisch - eher als Unterkunft zu betrachten...
BOLTENHOF verließ Warnemünde und damit Rostock am 20.11. 1946 ohne Zahlung des Lotsdgeldes, wie es in den Akten steht.
REINHARD
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 29 Oktober 2016, 17:28:37
Hallo Thomas und andere,

am 2.Oktober 1943 waren vier Transporte von jüdischem Mitbürger nach Theresienstadt durchgeführt. Drei mit Zug und der vierte mit Truppentransportschiff Wartheland von Kopenhagen mit 198 jüdische Gefangene und 150 Kommunisten.  Das Schiff geht nach Swinemünde und davon weiter mit Zug nach Theresienstadt. Die Kommunisten kamen zum KZ Stutthof. Insgesamt wurden 472 jüdische Dänen abtransportiert. Davon kamen 16 zuerst nach Ravensbrück.
Hallo,
dank http://forum.axishistory.com/viewtopic.php?f=6&t=194871&p=1752269&hilit=ship#p1752269  :MG:
wird erkennbar , das ursprünglich der Abtransport von 5000 Juden von Kopenhagen nach Swinemünde durch OKM mit SKL Gkdos vom 28.9.1943 am 1.10.1943  mit den Dampfern "Monte Rosa", "Lappland" ,"Wartheland" geplant war.
Die Rettungsaktion für die dänischen Juden http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/miszellen/43-10-02.htm verhinderte diese Transporte.
Nur die "Wartheland" fuhr am 2.10.1943 mit 207 Juden und 150 Kommunisten nach Swinemünde.
Hallo,
an der Warnung und Rettung der dänischen Juden soll auch der Leiter der Seetra Aarhus Kapitänleutnant Friedrich-Wilhelm Lübke maßgeblich beteiligt gewesen sein,
"indem er einen Befehl zum Auslaufen eines Transportschiffes für die beabsichtigten Judendeportationen aus Kopenhagen sabotierte".
(Gerhard Paul "Landunter", S.137 )

Weiß jemand mehr zu den Hintergründen,
 ich habe bisher nur über die Rolle von Duckwitz gelesen?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Olaf Berg Nielsen am 29 Oktober 2016, 22:13:25
Hallo Beate

Im Zweiten Weltkrieg war Friedrich Wilhelm Lübke beim Oberkommando der Marine als Dienststellenleiter in Aarhus/Dänemark eingesetzt. Er hat zusammen mit Kapitän Heinrich Bertram sabotiert, daß das Schiff ”Monte Rosa”, der in Aarhus Hafen liegen, für Deportation die dänische Juden in Oktober 1943 gebraucht werden konnte.

Lübke hat zwischen andere Zimmermeister Lauritz Andersen in Aarhus um die kommende Judenverfolgung erzählt. Auf diese Weiße wurde der dänische Jude gewarnt.

Gruß Olaf
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 30 Oktober 2016, 00:07:55
Hallo Olaf,
Danke für die Bestätigung  :MG:, auf Deine Kenntnisse habe ich gehofft.
hiernach (https://books.google.de/books?id=roZyZvMPxfUC&pg=PT34&lpg=PT34&dq=Aarhus+1943+monte+rosa&source=bl&ots=UCnkrnoWmg&sig=yc2EXpppvY95e9Ah0FzIzSDi0uc&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjV_aKo-4DQAhWGOSwKHTshCAAQ6AEIIzAE#v=snippet&q=monte%20rosa&f=false) hat Lübke einen Schaden an der "Monte Rosa" vorgetäuscht.

Kapitän Heinrich Bertram hat später auch als Kapitän der "Cap Arcona" versucht, sich gegen den Mißbrauch seines Schiffes als KZ-Lager zu wehren  :MG:
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TD am 30 Oktober 2016, 00:16:16
Hallo Beate,
leider  kann ich ja im Moment bei den ganzen Schiffen  nicht so helfen wie ich möchte und vieles rutscht durch.
Zur Boltenhof habe ich aber auch hier ja einige Schiffslebensläufe welche genau so verschieden sind wie die vorhandenen polnischen und Russischen Lebensläufe.


188.  DORIE         BR  1T (8½)
 3,264 Dorie SS. Co., Ltd. (Burdick & Cook), London      343.0 x 49.0
     C Richardson, Duck & Co., Stockton  (3) #615    129173
32 - Alfred H. Smith, London  (Shenfield, Essex)
35 - BOLTENHOF   Aug. Bolten, Wm. Miller's Nachfl., Hamburg    GE
Sunk by air attack at Rostock, Dec. 1944,  refloated, under repair, alloc. to U.S.S.R.
47 - KALISZ   Polish Government       PL
49 - CAROLYN   Cia. Naviera Carolyn, S.A., Panama [Anton Truberg, Stockholm]  PA
Broken up at Odense 1958 by H. I. Hansen,  arr. 11.7.58

0836.) ss  BOLTENHOF    DJQE
 /März 1911 Richardson, Duck & Co., Stockton  (615) 
 3307/2064  9369/5847  5600/5480/5400
 104,2414,946,717,47 m
 3fE 610x1016x1651/1067    1500  2  12,7  428
 Blair & Co. Ltd., Stockt.            28
 "Dorie" Dorie SS Co. Ltd. (Burdick & Cook), London (GBR). 1933 A. H. Smith. 24.12.1935 angekauft und (14.1.1936) "Boltenhof" Aug. Bolten Wm. Miller's Nachf., Hamburg (DEU). 18.8.1941 KR. 31.12.1944 vor Warnemünde durch Minenentreffer beschädigt und nach Rostock gegangen. 1946 "Kucznarenko" USSR in Moskau (RUS). 12.6.1947 in Rostock an Polen "Kalisz" Polnische Regierung (Zegluga Polska SA) in Warschau (POL). 1949 "Carolyn" Cia. Naviera Carolyn SA, Panama (PAN). Juni 1958 verkauft über P. Christensen in Nakskov an H. J. Hansen zum Abbruch und 11.7 an Odense.

D  BOLTENHOF  11/3307  August Bolten, Hamburg    DJQE
12./25. 8. 39 Rotterdam - Lennox, 25. 8./14. 9. 39 Lennox - Hammerfest
29. 9./8. 10. 39 Narvik - Lübeck
15. 5. 41 vor Norderney durch Luftangriff beschädigt
5. 12. 42 ab Bergen nach Norden
10. 4. 44 in Kirkenes durch Luftangriff beschädigt
31. 12. 44 vor Warnemünde durch Minentreffer beschädigt
Mai 45 in Rostock; 12. 6. 47 an USSR, weiter an Polen "Kalisz"
Anbei packe ich eine KSA – Auswertung ( KSA = Kriegsschädenamt für die Seeschiffahrt) in welcher alle gravierenden Punkte genauer beschrieben sind.
Der genannte UNMBAU wird sich sicher in einige lange Leitern und ggf, einen neuen Abstieg in den Laderäumen begnügt haben und ggf. noch mit den Aufstellen von Betten.
Vermutlich war das beschädigte Schiff an der Ladestelle auf Grund gesackt und wurde nicht weiter beschädigt da Rostock am 1.5.1945 ja kampflos übergeben wurde.
Vielleicht lassen sich die Daten für 1944 / 194 durch weitere Hinweise verstärken, man sollte ja doch der Geschichte dieser Schiffe einen sicheren Lebenslauf geben und diesen nicht mit Angaben von 1953 ff. füllen.

Gruß

Theo



Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 11 November 2016, 20:31:24
Hallo,
der Erfolg hat viele Väter :-D
Oberstleutnant Theodor Steltzer war Transportoffizier beim Oberbefehlshaber Norwegen. Später Kontakt  Kreisauer Kreis.
Zitat
1941: Als Transportoffizier in Oslo, half Steltzer bei der Organisation einer Massenflucht norwegischer und dänischer Juden, nach Schweden
http://www.forum-der-wehrmacht.de/index.php/Thread/38390-Oberstleutnant-Theodor-Steltzer/
Ist bekannt , wie er  bei der Flucht  mitgewirkt hat?

Edit: hier (https://books.google.de/books?id=zyCRWRWpbpUC&pg=PA83&lpg=PA83&dq=theodor+steltzer+jews&source=bl&ots=9r2EqNmvkn&sig=lFCayQLQwVbfrRLYpO5ffCfem-I&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwihmvCX06HQAhWKESwKHayeBEEQ6AEIJTAD#v=onepage&q=theodor%20steltzer%20jews&f=false) wird der Kontakt von Steltzer zum Norwegischen Widerstand erläutert.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 08 Dezember 2016, 20:00:09
Im Zweiten Weltkrieg war Friedrich Wilhelm Lübke beim Oberkommando der Marine als Dienststellenleiter in Aarhus/Dänemark eingesetzt. Er hat zusammen mit Kapitän Heinrich Bertram sabotiert, daß das Schiff ”Monte Rosa”, der in Aarhus Hafen liegen, für Deportation die dänische Juden in Oktober 1943 gebraucht werden konnte.
Hallo,
Lübke war nicht der einzige Marineoffizier, der die Verhaftung der Juden sabotiert hat.
Korvettenkapitän Richard Camman , Hafenkapitän von Kopenhagen, hat den Einsatz
seiner "Patrouillenschiffe" ? verhindert, um den Fluchtweg nach Schweden freizuhalten.
 :MG:
Zitat
Duckwitz enlisted the help of an old acquaintance and German
harbour commander of Copenhagen, Korvettenkapitan Richard Camman. Duckwitz wrote
of Camman, "He took a great personal risk, but he did so without hesitation".
 The week
before the planned round up, Camman guaranteed that all German patrol ships under his
command were in dry dock; enabling the Danish fishermen to safely transport the Jews to
Sweden without risk of meeting German naval units in the 0resund waters. Camman's
heroic actions proved successful for in the first two weeks of October, the Swedish coast
guard did not report any interference in the rescue efforts involving German patrol ships.
aus Emmy Werner "A conspiracy of defence"
gibt es ein KTB, mit dem man das überprüfen könnte?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Hägar am 09 Dezember 2016, 11:18:59
Hallo, Beate

Zwar weiß ich ad hoc leider nichts Konkretes zu Cammann (sic), aber die schwimmenden Einheiten in der Gegend gehörten zur Hafenschutzflottille Kopenhagen, ab 01.10.43 in 8.Sicherungsflottille umbenannt.

Für die gab es einen eigenen Flottillenchef, so dass sich die Frage erhebt, inwieweit Cammann als Hafenkapitän tatsächlich unauffälligen Einfluss darauf hatte, dass alle Boote der Flottille zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Werft lagen (abgeleitet aus 'drydock' als Synonym, denn dass alle Boote buchstäblich in einem Trockendock versammelt waren, würde ich bezweifeln).

Wenn die Boote alle aus irgendeinem Grund den Hafen nicht verlassen konnten/sollten/durften, muss man wohl annehmen, dass der Flottillenchef (Kptltnt./KKpt. Adolf Le Coutre, Okt.40 - Jan.45) in den Zweck eines solchen Aufenthalts eingeweiht war.

Das KTB der 8.SichFl. ist ab 16.10.43 (bis Jan.45) erhalten und befindet sich auf den NARA Reels 3511+12, PG 73679-683.

Man kann jetzt natürlich alle möglichen Spekulationen anstellen, warum ausgerechnet die erste Hälfte Oktober 1943 fehlt.
Es mag aber schon einmal angemerkt sein, dass das gesamte KTB der Hafenschutzflottille nicht nachgewiesen ist, so dass nicht unwahrscheinlich ist, dass das erste Halbmonats-KTB nach der Umorganisation noch zu diesem Konvolut gehörte, also sozusagen 'gemeinsam' verlorenging.
Dies alles lediglich als Flankenüberlegung zu den Recherchen re Cammann.

Gruß - Hägar

Nachsatz: Offensichtlich hat der Thread ja mittlerweile einen gänzlich anderen Inhalt als der Titel suggeriert.
Vielleicht macht es Sinn, ihn allgemeiner umzutiteln, etwa: Transporte von NS-Regime-Verfolgten, oder ähnlich schlau :)
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Darius am 27 Januar 2017, 19:49:48
Hallo zusammen,

KTB Skl. für
19.09.1944
Zitat
Adm. Skagerrak: Um 1100 Uhr begann die Aktion zur Entwaffnung und Festnahme der dänischen Polizei in dänischen Großstädten. Dampfer zum Abtransport werden von der Kriegsmarine ab 2130 Uhr in Kopenhagen bereitgestellt.

20.09.1944

Zitat
Bei Schießereien in Kopenhagen verzeichnet Kriegsmarine 11 Tote und 16 Verwundete.
[vermutlich im o.g. Zusammenhang?]

24.09.1944
Zitat
Bei Aktion gegen dänische Polizei sind am 19/9. in Kopenhagen 2.304 Polizeibeamte festgenommen, davon 1.698 mit D. „Kometa“ nach Deutschland überführt, 130 für Wiedereinsatz herangezogen. In Odense, Aarhus und Aalborg sind weitere 430 Beamte festgenommen.

 :MG:

Darius
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 27 Januar 2017, 20:02:16
Hallo darius
 :MG: ergänzt
aus dem SKL C-III 21.9.1944
Zitat
Adm.Skagerrak drahtet ...
Betr.: Entwaffnung Daen. Polizei.-
......Abtransport festgenomener Daen Polizei aus Khagen, rund 1000 Köpfe heute abend durch Dpfer Cometa nach Lübeck.-...
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 10 Februar 2017, 20:57:10
Hallo,
Zitat
Die I. SS-Baubrigade auf Alderney, genannt Lager „Sylt“, unterstand der Verwaltung des KZ Neuengamme. Die Häftlinge, die die laufenden Häftlingsnummern des KZ Neuengamme zwischen 16000 und 17000 erhielten, mussten aufgrund der befürchteten Invasion der Alliierten im Auftrag des Oberkommandos der Wehrmacht und der Organisation Todt Befestigungsanlagen auf der Insel errichten. Am 24. Juni 1944 wurde das Kommando „evakuiert“. Bei der Evakuierung befanden sich von den ehemals 1000 Häftlingen nur noch 636 im Lager
http://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/geschichte/kz-aussenlager/aussenlagerliste/alderney-i-ss-baubrigade/

Hallo,
in den Lagern auf Alderney wurden schon seit 1942 Zwangsarbeiter vor allem Russen aber auch Juden   unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten .
Über einen Rücktransport mit den Inselversorgern "Xaver Dorsch" und "Franka"gibt's es einen Zeitzeugenbericht (https://books.google.de/books?id=9xN-DAAAQBAJ&pg=PT239&lpg=PT239&dq=xaver+dorsch+alderney&source=bl&ots=uYMkSmrAFM&sig=TVc3jyDQsXCdUMWqXaVIiOl98pU&hl=de&sa=X&sqi=2&ved=0ahUKEwinzJrP-YXSAhVBApoKHS3sA38Q6AEILjAD#v=onepage&q=xaver%20dorsch%20alderney&f=false)
Danach saßen beide Schiffe zwischen Felsen vor der Küste 2 Wochen ohne Verpflegung vor Alderney fest.
Ein Foto (https://books.google.de/books?id=c1aIAwAAQBAJ&pg=PT172&lpg=PT172&dq=xaver+dorsch+alderney&source=bl&ots=EvOfJGSm_A&sig=IONT1-rZWaapZiCS3DA8A870LHU&hl=de&sa=X&sqi=2&ved=0ahUKEwinzJrP-YXSAhVBApoKHS3sA38Q6AEIPDAG#v=onepage&q=xaver%20dorsch%20alderney&f=false) der "Xaver Dorsch" und des ebenfalls gestrandeten  "VP 703"
Das KTB des HAKO Alderney beschreibt die Ereignisse  anders: Danach wurden die Russen und die Besatzung   am  14.1.43 von der "Xaver Dorsch" geborgen und  das Schiff am 17.1.43 im Hafen auf Grund gesetzt. Am 26.1.43 lief das Schiff nach Cherbourgh aus. Entweder stimmt die Bergung nicht, oder die Russen wurden an Bord im Hafen wieder auf das Schiff geberacht und eingesperrt.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 10 Februar 2017, 22:08:40
Hallo,
überliefert ist ein weiterer Transport, der  bis zu 250 Häftlingen edit Zwangs?"Arbeitern" das Leben kostete ,
der Untergang der "SS Minotaure"
Zitat
In another covey on the night of 3 July 1944, approximately 500
workers, including a number of Jewish forced workers, were loaded onto
the SS Minotaure. The convoy, escorted by four escort vessels came
under Allied attack. Denis Le Cuirot a Jersey hospital worker who had
stowed away on the Minotaure recounted the tragedy to Military
Intelligence: ‘[British MTB’s ordered the] convoy to stop. The Germans
refused to stop and tried to run … In a quarter of an hour the four escort
vessels were sunk and we had a torpedo in the bows and a shell aft’.
After the war Le Cuirot stated ‘of the 500 passengers about half lost
their lives when the crowded ship was hit’

aus  "THE JEWS IN THE CHANNEL ISLANDS DURING THE GERMAN OCCUPATION 1940-1945"
FREDERICK COHEN
President of the Jersey Jewish Congregation

Ist über dies Ereignis mehr bekannt ?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 11 Februar 2017, 12:06:34
moin, Beate,

Ist über dies Ereignis mehr bekannt ?
Ja, siehe "Chronik des Seekriegs" :

[Zitat]
1.– 31.7.1944
Nordsee / Kanal / Biskaya

Brit. MTB-Flottillen greifen mehrfach dt. Schiffsziele an.
...
Vor der bretonischen Küste wird die kanad. 65. MTB-Flottille (LtCdr. Kirkpatrick) eingesetzt. Am 3./4.7. greifen MTB 748, MTB 743, MTB 735 und MTB 734 ein deutsches Geleit an, torpedieren den dt. Nachschubdampfer Minotaure (889 BRT), versenken die Vp.-Boote V 208 / R. Walther Darré und V 210 / Hinrich Hey und beschädigen V 209 und M 4622.
[Zitat Ende]

Hiernach - und auch nach Deiner Quelle - ist es nicht vollkommen klar, ob die Minotaure wirklich unterging.

Gruß, Urs
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 11 Februar 2017, 12:34:04
Hallo Urs,
danke  :MG:,
die Quellenlage ist wirklich unterschiedlich,
Zitat
badly damageg beached at St.Servan
https://www.theislandwiki.org/index.php/Prisoners

Zitat
On 4 July 1944 the Minotaure an ocean going tug sailing from Alderney to St Malo with about 500 OT workers was hit three times by torpedoes but somehow managed to stay afloat, some 250 died with the ship being towed into St Malo. Two of the escort vessels, V-208 (Walther Darré) and V-210 (Hinrich Hey) were sunk.[5]:81
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Alderney_camps
DDK Bd. 6 26.6.(oder 5.7.)44 + ~ bretonische Küste... geh. 1947 rep.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Schulz am 13 Februar 2017, 03:16:41
KZ-Schiffe und Häftlingstransporter
Zusammenfassung
Schiffe als Zwangslager

Dazu muss man noch ein Wohnschiff für französischen Zwangsarbeiter und Gefangenen NORDENHAM (4592 BRT, Union Handels- und Schifffahrtsgesellschaft mbh), sogenannte Bananendampfer zulegen, der in Stettin am Parnitz vor Anker gelegen war (Arbeitskommando XIII/226, März 1941-Sommer 1942)
[Quelle: Janusz Moczulski "Wolnosc za 5 marek" Zeitschrift SZCZECINER, Nr. 8/ 2016, S. 18-24 (nach dem Buch von Jean Hélion, They Shall Not Have Me)].
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 13 Februar 2017, 11:25:09
Hallo ,
vielen Dank für den Hinweis  :MG:
schön wenn sich jemand der polnischen Literatur annimmt.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Manfred Heinken am 13 Februar 2017, 11:44:57
Moin zusammen
Verwundetentransportschiff "Nordenham" war ein Bananendampfer der Union Handelsgesellschaft m. b. H. in Bremen.
Stapellauf 1914, -  4.592 BRT.
Das Schiff war Verwundetentransportschiff  vom Oktober 1944 bis zum 7. Dezember 1944. An diesem Tag wurde das Schiff 8 sm westlich von Libau durch ein U-Boot versenkt.
Beste Grüße
Manfred Heinken

Quelle: Schiffschicksale Ostsee 1945
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Schulz am 13 Februar 2017, 15:47:08
Hallo ,
vielen Dank für den Hinweis  :MG:
schön wenn sich jemand der polnischen Literatur annimmt.
Sorry, habe ich vergessen. In dem "Szczeciner" gibt es auch eine kurze Zusammenfassung.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 20 Januar 2018, 19:20:05
Hallo,
Am 26.4.1942 kamen in Telavåg bei der Festnahme von Widerstandskämpfern 2 SS Angehörige ums Leben.
Als Vergeltung wurde am 30.4.1942 das Dorf zerstört , die Überlebenden Frauen und Kinder kamen in norwegische Lager, die Männer in deutsche KZ.
An- und Abtransport von Tätern und Opfern erfolgten mit Schiffen von Bergen.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Telavåg
https://www.nzz.ch/article9K775-1.249479
Zitat
Om kvelden 2. mai ble de stuet ombord i tre tyske båter og transportert til Bergen http://web.hist.uib.no/delfag-h97/jenny/krigentel.htm

Welche Schiffe waren daran beteiligt?

Vermutung Bei axis https://forum.axishistory.com//viewtopic.php?t=159681
Zitat
KM units involved came from Küstensicherungsverband Norwegische Westküste, and should be from one or more of the following units :52. Minensuch-Flottille , 51. Vorposten-Flottille , 53. Vorposten-Flottille , 55. Vorposten-Flottille
regards
Hat jemand passende KTB aus dieser Zeit?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Erling Skjold am 21 Januar 2018, 14:30:18
Hallo,

Quote
Hallo,
Am 26.4.1942 kamen in Telavåg bei der Festnahme von Widerstandskämpfern 2 SS Angehörige ums Leben.
Als Vergeltung wurde am 30.4.1942 das Dorf zerstört , die Überlebenden Frauen und Kinder kamen in norwegische Lager, die Männer in deutsche KZ.
An- und Abtransport von Tätern und Opfern erfolgten mit Schiffen von Bergen.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Telavåg
https://www.nzz.ch/article9K775-1.249479
Zitat
Om kvelden 2. mai ble de stuet ombord i tre tyske båter og transportert til Bergen http://web.hist.uib.no/delfag-h97/jenny/krigentel.htm

Welche Schiffe waren daran beteiligt?

Vermutung Bei axis https://forum.axishistory.com//viewtopic.php?t=159681
Zitat
KM units involved came from Küstensicherungsverband Norwegische Westküste, and should be from one or more of the following units :52. Minensuch-Flottille , 51. Vorposten-Flottille , 53. Vorposten-Flottille , 55. Vorposten-Flottille
regards
Hat jemand passende KTB aus dieser Zeit?



None of those KTBs excist for 1942, but anyway, it was Hafenschutzflottille Bergen who assisted:
KTB Adm. Westküste 27.4.42:
"15.00 Hafenschutzflottille Bergen unterstützt eine S.D. Unternehmung in Tellevaag auf Store Sotra durch Bewachung und Überführung verhafteter Norweger sowie Abtransport von grösseren Mengen Waffen, Munition und Sprengstoff."

30.4.42 was S-Boot S15 used to transport Reichkommisar Terboven to Telavåg, but S15 was probably not used to transport prisoners, as she is far away on another task already the next day.

MfG
Erling

Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 22 Januar 2018, 21:09:46
Hello Erling,
 :MG: thank you for the information.
If the newspaper https://www.nzz.ch/article9K775-1.249479
Is right,  :? on 26.4 it could also have been an e-boat
Zitat
Am 26. April landete morgens ein Schnellboot mit 12 Gestapo-Offizieren und kollaborierenden norwegischen Polizisten an Bord.

.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Erling Skjold am 23 Januar 2018, 23:26:45
Hallo,
Difficult to say, but nothing mentioned in KTB Seekommandant Bergen, KSV Westküste nor Adm Westküste. In KTB Adm Norwegen it's stated that HS.Fl Bergen assisted both 26. and 27.4.
Both S15 and S16 might have been tasked, as both seems to have been operational (supported a minelaying operation), but SD had their own boats, and the same had the Hafenkommandant. Anyway, strange that such task wasn't mentioned as long the task 30.4. was.
Maybe somewhere in a SD report it's stated...

MfG
Erling
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Darius am 07 April 2018, 19:25:43
Hallo zusammen,

KTB Skl. vom 30.11.1944 zur Versenkung der RIGEL:
Zitat
MOK Norwegen: Bei dem am 27. von Flugzeug versenkten Dampfer „Rigel“ werden 4 Offiziere und 236 Mann der Bewachung, 2098 Russen, 93 Strafgefangene, 19 Mann Besatzung, 4 Mann Bordflak und 2 Dienstreisende vermißt.


 :MG:

Darius
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 12 September 2018, 15:30:00
So hat es bis heute noch keine Anklage für die Ermordung der Häftlinge der Schuten "Wolfgang" und "Vaterland" gegeben, die im Vorfeld der "Cap Arcona" Katastrophe in Neustadt strandeten und dort an Land nicht nur von Wachleuten sondern auch , so steht es bei Wolfgang Lange und Elsbieta Grot, von Angehörigen der Kriegsmarine, erschossen wurden.
Hallo,
es wird vermutlich nie zu einer Anklage wegen der Morde in Neustadt kommen , das Verfahren wurde  eingestellt
Zitat
Mord an 208 Juden in Neustadt bleibt ungesühnt
....Das letzte strafrechtliche Verfahren im Zusammenhang mit der Cap-Arcona-Katastrophe trägt das Aktenzeichen 702 Js 22512/84. Es wurde im November 2015 eingestellt.
.....Lange spricht von Tötungsdelikten, die von bewaffneten Kräften entlang der Wegstrecke vom heutigen Cap-Arcona-Friedhof bis zum Gelände der Kriegsmarine und in Merkendorf stattfanden. „Diese ,Sammelaktion’, man kann auch aufgrund der mindestens 208 jüdischen Toten von dem ,Judenmord in Neustadt in Holstein’ sprechen, dauerte offensichtlich bis in die frühen Nachmittagsstunden des 3. Mai an“, sagt er. Einen konkreten Täter habe man nicht ermitteln können. „Allerdings sind die Gruppierungen bekannt, die diese Sammelaktion durchgeführt haben. Sie kamen unter anderen aus der ehemaligen Marinekaserne am Sandberger Weg“, sagt Lange.

Hinsichtlich der in der Vergangenheit zu diesem Ereignis befragten Zeitzeugen sei festzustellen, dass bewusst weggesehen wurde. „Bis heute werden die Fakten ausgeblendet, dass zum Beispiel am heutigen Strandbad am 3. Mai seit den Vormittagsstunden zahlreiche Stutthof-Opfer am Ufersaum lagen“, sagt Lange.
http://www.ln-online.de/Lokales/Ostholstein/Mord-an-208-Juden-in-Neustadt-bleibt-ungesuehnt
Die Akten im Landesarchiv sind nicht vor 2046 einsehbar.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 12 September 2018, 21:30:57
Nachdem wir in der Vortragsreihe der Bibliothek für Zeitgeschichte vor einigen Jahren einen Vortrag des Leiters der Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen (Kurt Schrimm) gehört haben, bin ich zutiefst ernüchtert über die Unfähigkeit und den Unwillen der Justiz in unseren Ländern. Die halten nur ihre Bürokratie am Leben, damit keine Arbeitsplätze verloren gehen. Was die Zentralstelle an Vorermittlungen weiterreicht, stapelt sich in den Justizverwaltungen bis an die Decke. Heraus kommt da nix mehr. Offizielle Begründung: "Kein Personal".

http://www.zentrale-stelle.de/pb/,Lde/Startseite

https://www.bundesarchiv.de/DE/Navigation/Meta/Ueber-uns/Dienstorte/Ludwigsburg/ludwigsburg.html

P.S. Wenn Du Dir die Internet-Adresse anschaust, siehst Du, was Bürokratie ist
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 12 September 2018, 21:46:22
Hallo Thomas,
Das sehe ich leider ähnlich .
Aktuell dazu anlässlich der geplanten Anklage gegen 2 mutmaßliche SS-Wachmänner aus Stutthof https://www.suedkurier.de/ueberregional/baden-wuerttemberg/Mord-verjaehrt-nie-Warum-den-Nazijaegern-aus-Ludwigsburg-dennoch-die-Zeit-davonlaeuft;art417930,9859500
Zitat
Gegen rund 170.000 Beschuldigte haben deutsche Staatsanwaltschaften seit 1945 wegen NS-Verbrechen ermittelt. In knapp 17.000 Fällen kam es zur Anklage, in rund 7000 zu einer Verurteilung. Die Zahl der Urteile wegen Tötungsdelikten: 1417...
Hier setzen Kritiker der Ludwigsburger Stelle an. „Die Aufarbeitung von NS-Verbrechen in der Bundesrepublik ist katastrophal gescheitert“, sagt etwa der Berliner Historiker und Jurist Dr. Klaus Bästlein. Er hält die Zentrale Stelle von Anfang an für eine Fehlkonstruktion, politisch beeinflusst, erst untätig, dann übereifrig, so sein Urteil.
Das Versagen der Behörde war und ist politisch gewollt.

Edit: mein Filmtip https://www.zeit.de/kultur/film/2015-09/staat-gegen-fritz-bauer-lars-kraume
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: t-geronimo am 13 September 2018, 00:45:17
Den Film kann ich absolut empfehlen, auch wenn er einen aus heutigen Maßstäben absolut kopfschüttelnd zurück läßt.
Damalige Maßstäbe kenne ich nicht.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: jockel am 13 September 2018, 08:18:45
Fritz Bauer im Frankfurter Kellerklub 1964 (https://www.youtube.com/watch?v=T66wFPhZaKM)
Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer über sein demokratisches Verständnis, insbesondere auch vor dem Hintergrund der Parteigründung einer nationaldemokratischen Partei. Auch über die aktuelle Rechtsprechung, die Rechtsauffassung und Urteile aus der Zeit.

Gruß
Klaus
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 28 September 2018, 12:50:08
Hallo,
was passierte eigentlich mit den Besatzungen der "gegnerischen" Handelsschiffe, die "interniert" wurden?
Im KTB KMD Danzig wird ersichtlich , wie bei finnischen Schiffsbesatzungen aus der der anfänglich  "zuvorkommenden Behandlung als Gäste der Kriegsmarine" ein Weg ins KZ Stutthof wurde.
An anderer Stelle http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php?topic=9820.0 #5
wird sogar der Weg eienr Besatzung bis nach Neustadt aufgezeigt
Zitat
1944: When the Government of Finland agreed on armistice with the Soviet Union on 2 Sep. and severed relations with Germany, the Mercator was after having discharged a cargo of iron ore from Luleå to Danzig loading there coal for Finland. Loading was immediately stopped and on 5 Sep. discharging was started. Mercator tried on 12 Sep. to leave Danzig in ballast but it was prevented. She was on 16 Sep. arrested and on 24 Sep. taken over by KMD Kriegsmarinedienststelle Danzig (Naval Intendancy Service) in Danzig on request of OKM Oberkommando der Kriegsmarine (Commander-in-Chief of the Navy). The crew was taken ashore on 25 Sep. and 3 weeks later they were interned in a concentration camp at Stutthof. British armoured troops finally released them on 3 May 1945 at Neustadt, whereafter they returned via Denmark and Sweden back to Finland

Hallo,
die MERCATOR war nicht das einzige finnische Schiff, deren Besatzung in das KZ STUTTHOF kam.
https://naszahistoria.pl/finscy-marynarze-w-obozie-stutthof/ar/11658318
Zitat
Finnische Seeleute im Lager Stutthof
Es gab 90 Finnen, 78 Männer und 12 Frauen. Sie kamen nach Danzig an Bord der finnischen Schiffe
s / s Mercator,
s / s Ellen, s / s Bore  VI / und  s/s Wappu. Sie hatten nicht erwartet, dass sie die Hölle von KL Stutthof kennenlernen würden......
Die anderen drei finnischen Schiffe kamen im September und Anfang Oktober 1944 in Danzig an und wurden wie Mercator s / s fast sofort beschlagnahmt.

Edit, die Erinnerungen des  Überlebenden Aarne Kovaala https://www.thesudburystar.com/2013/04/27/a-survivors-story/wcm/80695aa4-8ed0-6366-9b05-f86a935b9bc3
sind von seiner Tochter als Buch herausgebracht worden http://liisakovala.com/?page_id=462
"Surviving Stutthof"




Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: RonnyM am 28 September 2018, 17:38:29
...wenn ich an den geschredderten NSU-Akten denke - wir haben noch immer nicht aus der Vergangenheit gelernt... flop

Grüße Ronny
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 01 November 2018, 14:27:31
https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,30620.msg346629/topicseen.html#new
Zitat
Ich habe andernorts gelesen, dass Du etwas über KZ-Transporte geschrieben hast. Dazu gibt es bei Taddey etwas. Liest sich jedenfalls so. Er war zu dem Zeitpunkt 1943 in Trondheim. Er schreibt:

"Die Stationierung des Aviso "Hela" mit dem Flottenchef im Hafen von Drontheim brachte mancherlei neue Erkenntnisse auf Gebieten, die uns völlig fremd schienen und mit denen wir in dieser Form noch nicht in Berührung gekommen waren.

Im Hafen lag eines Tages ein typisches norwegisches Passagierschiff in Rufweite an der Tonne. An Oberdeck wurden Leute in Anzügen, die eher einem Schlafanzug glichen, herumgeführt. Einem Admiral kann man schlecht die Auskunft verweigern, und so hörten wir, daß es sich um sogenannte "Jössing-Leute" handele, norwegische Lehrer, die inhaftiert und als KZ-Häftlinge mit unbekanntem Ziel nach Norden transportiert werden sollten.

Kurze Zeit später lag uns gegenüber am Quai ein deutscher Frachter mit einer seltsamen Menschenfracht. Sie trugen zwar keine einheitliche Kleidung, nach ihrem Aussehen jedoch schienen sie in Yugoslavien oder Griechenland zusammengetrieben worden zu sein. Ihr Alter ließ sich schlecht schätzen, es waren meiner Ansicht auch Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren darunter. Erstaunlich war für uns jedoch die Tatsache, daß die auf diese Menschen einprügelnden Bewacher ganz normale deutsche Polizeibeamte waren, mit Gamaschen, Tschako und der typischen Schmeisser-MPi 18. Man sagte uns zynisch, die Leute würden zu Befestigungsarbeiten an die Eismeerfront transportiert. Die Arbeit sei so schwer und die Sterblichkeit so hoch, daß man sich um den Rücktransport keine Sorgen machen brauche."

Gut, da geht jetzt nicht hervor, dass die Kriegsmarine mit diesen Transporten etwas zu tun gehabt hätte, aber ich dachte, es interessiert Dich vielleicht.
Hallo Matze,
 :MG: diese persönlichen Eindrücke sagen mehr als nackte Zahlen
Zum Transport der inhaftierten norwegischen Lehrer https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,26430.msg300129.html#msg300129 das war 1942

Yugoslawische Gefangene z.B.
Zitat
24.09.1942      Moero   01.10.1942   stettin   Tr.heim   860   Yugoslav prisoners
Allein für Norwegen konnten bisher über 100 Transporte mit über 80.000 Gefangenen erfasst werden.
Viele Daten hat geliefert Michael Stokke vom Narvik Krigsmuseum  :MG: https://narviksenteret.no/kontaktinformasjon/


Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 19 November 2018, 15:15:46
Hallo,
Neber der Räumung der Konzentrationlager kam es ab Juli 1944 zur Räumung von Kriegsgefangenenlager im Osten gen Westen.
Neben den "Todesmärschen" https://ipfs.io/ipfs/QmXoypizjW3WknFiJnKLwHCnL72vedxjQkDDP1mXWo6uco/wiki/The_March_(1945).html
wird ein Schiffstransport genannt bei der Räumung von STALAG Luft VI Heydekrug
https://ipfs.io/ipfs/QmXoypizjW3WknFiJnKLwHCnL72vedxjQkDDP1mXWo6uco/wiki/Stalag_Luft_VI.html
Zitat
Most of the men were moved by train to Stalag XX-A in West Prussia, but some 900 were taken to the port of Memel, where they were put aboard the merchant ship Insterburg for a 60-hour journey to Swinemünde. 
Hat jemand KTB von Dienststellen in Memel oder Swinemünde, die den Zeitraum ab Juli 1944 abdecken?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 07 Dezember 2018, 13:59:31
Hallo,
bei Räumung von STALAG Luft VI Heydekrug wird neben der o.g INSTERBURG
ein weiteres Schiff genannt, die MASUREN
Zitat
The main American group of 1,500 left the camp on July 14, 1944 and were transported, by train, to the Baltic Port of Memel (now Klaipeda in Lithuania). On board of the steamers “Masuren” and “Itsteburg” they crossed the Baltic Sea to the German port of Swinemünde (now Swinoujscie in Poland). From there they were brought to Stalag Luft IV by train.
http://powvets.com/camp-locations/stalags-luft-misc/stalag-luft-6-details/

Zitat
The camp evacuation was in several phases, eleven hundred Army Aircorp and 900 RAF NCO's were taken by rail to the Baltic Port of Memel. The main group of 1000 Americans left the camp in the late afternoon (about 1500 hrs) on Friday, 14, July 1944. This group boarded the Masuren, a captured Russian vessel. The second group was mostly English with less than 100 Americans, who left the next day. They were reportedly on the Insteberg of German registry. This was Saturday, 15 July and they could have left in the early daylight hours.....
After reaching Memel, we were placed in the aft hold of a freighter that contained several thousand prisoners. So many were loaded into the hold, that we were three deep on the floor. It was impossible to reach food, sleeping was out of the question and there was no means for relief. We were aboard that freighter for 56 hours. When we reached the dock, we were unloaded and then placed in crowded boxcars again."
The ship crossed the treacherous Baltic waters all day Saturday the 15th and Sunday, the 16 of July. ...

Sometime in the early morning hours of Monday July 17, the first boat docked at Swinemunde, ...
The second group arrived in Swinemunde in the afternoon of Monday, July 17. The Insteberg docked, the men were unloaded and were immediately marched to awaiting boxcars. The men from Masuren had spent the whole of one day, aboard their 40& 8's on a railroad siding - right along the dockside....
 Carter Lunsford described the scene:
"The doors to the boxcars were open and we could see all the activities around us. It was a welcome rest, after the misery of the last two days. The siding was right beside a German battle cruiser, The Prinz Eugene. We watched all day long as the German sailors practiced their battle drills and they piped officers on and off the ship...http://www.stalagluft4.org/The Heydekrug Run.htm (http://www.stalagluft4.org/The Heydekrug Run.htm)
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 30 Dezember 2018, 22:07:08
24.09.1944
Zitat
Bei Aktion gegen dänische Polizei sind am 19/9. in Kopenhagen 2.304 Polizeibeamte festgenommen, davon 1.698 mit D. „Kometa“ nach Deutschland überführt, 130 für Wiedereinsatz herangezogen. In Odense, Aarhus und Aalborg sind weitere 430 Beamte festgenommen.
Hallo,
Zitat
Am 20. September 1944 wurden 1480 Polizisten aus Kopenhagen auf das bereitstehende Schiff „Cometa“ gebracht und über Lübeck ins KZ Neuengamme gebracht. In Seeland wurden die Inhaftierten zunächst ins Vestre-Gefängnis und dann von Gedser auf dem Schiff „Schwerin“ nach Warnemünde und von dort nach Neuengamme transportiert. 287 Polizisten aus Fünen und Jütland kamen zunächst ins Internierungslager Frøslev und über Harrislee nach Neuengamme.[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Deportation_der_d%C3%A4nischen_Polizisten
Das Problem ist, das Fährschiff "Schwerin" war seit dem Bombenangriff vom 20.Februar 1944 nicht mehr einsatzfähig  :?  Gab es neben der dänischen Fähre "DANMARK" zum Zeitpunkt September 1944 noch ein anderes Schiff auf der Linie Gedser-Warnemünde?

Der heutige Besuch des Friedhofs in Kegnaes brachte mir das Schicksal der dänischen Polizisten wieder in Erinnerung:  H.Chr. Hansen wurde am 19.12.1944 in Neuengamme ermordet
http://staging.waymarking.com/waymarks/WMMBV8_Memorial_for_border_police_man_HChr_Hansen_Snderby_Denmark
R.I.P. :MG:
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: SchlPr11 am 30 Dezember 2018, 23:16:33
Hallo Beate,
unser "Brückenschlag über die Ostsee" zum Fährverkehr Warnemünde-Gedser-Warnemünde hast Du doch bestimmt schon von mir? Sonst dann kurzfristig 2019, unbedingt!!!!
Bis zum letzten Kriegstag nachmittags ab Warnemünde verkehrte die Fähre MECKLENBURG, was vielleicht optisch ähnlich zur Verwechslung führen konnte...
REINHARD
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 31 Dezember 2018, 16:02:47
Lieber Reinhard,
danke Dir für die Info und das Buch  :MG:
Ich hatte zwar nachgeschlagen, aber die gesuchte Information nicht gefunden  :MV:
Aber nun  S.103 ,nach dem Verlust auch der DANMARK durch Sabotage am 17.3.1945
Zitat
...doch nur noch die alte MECKLENBURG stand im Einsatz 
,
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 08 Januar 2019, 21:29:27
Hallo,
Der Transport von Gefangenen der "Raider"-Einsätze war bisher nicht Thema .
Die Erinnerungen von Harry Callan (https://books.google.de/books?id=_lFWDwAAQBAJ&lpg=PA67&ots=Uet4_Ho9kg&dq=portland%20bordeaux%201941&hl=de&pg=PA66#v=onepage&q=portland%20bordeaux%201941&f=false) beschreibt den Weg von der Afric Star (http://www.bluestarline.org/afric1.html) mit  der  Kormoran zur Nordmark und dann mit dem "Höllenschiff" Portland.Sein Weg endete  im Bunker Farge.
Auf der Fahrt der "Portland" nach Bordeaux wurden 2 Mitglieder der "Afric Star"von deutschen Marineangehörigen erschossen
Zitat
On the voyage a fire broke out onboard, and the German guard, considering it was a case of mutiny and an attempt to destroy the ship, opened fire, killing one passenger and an able seaman of the Afric Star. The Portlandwith about 300 people from sunken vessels finally arrived at Bordeaux on March 14th, the prisoners eventually being sent to internment camps in Germany
Der Passagier Frank Evan http://www.abcc.org.ar/history-articles/i-can-forgive-but-i-can-never-forget
und der Matrose Arthur Freeman http://www.inmemories.com/Cemeteries/villenave.htm
Arthur Ernest Fry  wurde wegen angeblicher Meuterei in Hamburg zum Tode verurteilt https://www.tracesofwar.com/persons/47790/Fry-Arthur-Ernest.htm 
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 08 Januar 2019, 22:34:37
Zitat
Auf der Fahrt der "Portland" nach Bordeaux wurden 2 Mitglieder der "Afric Star"von deutschen Marineangehörigen erschossen
Der Hinweis "Portland" kam  aus der Akte RW 60/3323 "Gericht des Wehrmacht-Kommandanten in den Kreisen Neumünster ..Rendsburg"
Armeestab Müller Abt. IIIa
Betr. Suchmeldungen brit. Korps

in der Liste  auch
Zitat
Masch.Gefr. SCHNEIDER 1941 während der Fahrt nach Bordeaux Wache auf Motorboot "PORTLAND"
........................
Obgefr. DAUB 1941 während der Fahrt nach Bordeaux Wache auf Motorboot "PORTLAND"
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 11 Januar 2019, 22:33:47
Hallo zusammen,

KTB Skl. für
19.09.1944
Zitat
Adm. Skagerrak: Um 1100 Uhr begann die Aktion zur Entwaffnung und Festnahme der dänischen Polizei in dänischen Großstädten. Dampfer zum Abtransport werden von der Kriegsmarine ab 2130 Uhr in Kopenhagen bereitgestellt.

20.09.1944

Zitat
Bei Schießereien in Kopenhagen verzeichnet Kriegsmarine 11 Tote und 16 Verwundete.
[vermutlich im o.g. Zusammenhang?]

[
Hallo,
ja die Toten sind Opfer von Versäumnissen, Missverständnissen und Irrtümern.
SSPF Dänemark Pancke erbat in Vorbereitung der "Aktion Möwe" von Admiral Wurmbach, Marinebefehlshaber Dänemark die Bereitstellung eines geeigneten Schiffes zur Deportation der dänischen Polizisten. Der beschlagnahmte norw. Frachter "Cometa" lag am Langeliniekai in Kopenhagen am 19.9.44 bereit.

Das Hauptquartier des Marinebefehlshaber im Hotel Phönix in der Bredgade lag in der Nähe von Schloss Amalienborg, Sitz des dänischen Königs. Wegen der zu erwartenden Unruhen sollte die die Marinewache vor dem Hotel Phönix verstärkt werden.
Der heranmarschierende Marinetrupp bog falsch ab und marschierte direkt auf den von der "Königswacht" bereits durch Barrikaden gesicherten Schloßplatz zu. Die Polzisten der "Königswacht" waren ausdrücklich von den geplanten Verhaftungen ausgenommen worden.
Das war den Marinesoldaten und natürlich der "Königswacht"nicht bekannt.
Es kam zum Gefecht zwischen den  auf die Barrikaden zurückenden Marinesoldaten und der Königswacht.

Zitat
Außerdem legte ein kleineres deutsche Kriegsschiff am Larsen Plads an und bereitete sich von hier auf die Beschießung des Schlosses vor.....
 Ab 14.30 h wurde das Schloß auch mit einer Maschinenkanone des deutschen Kriegsschiffes vom Larsen Plads beschossen
Angaben aus "Danebrog gegen Hakenkreuz" v. Matthias Bath.

Gibt es Quellen die , die den Einsatz eines deutschen "Kriegsschiff" bestätigen,
z.b KTB Admiral Skagerrak
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Darius am 11 Januar 2019, 23:21:23
Hallo bettika61,

Adm. Skagerrak in Anlage. Kein Hinweis.

Evtl. aber eines der Bewachungsfahrzeuge Ostseezugänge?
Sicherungsflottille? ~division?


 :MG:

Darius
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 13 Januar 2019, 22:30:47
Hallo darius,
Danke  :MG:

Vielleicht hat jemand noch andere Quellen?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 04 Februar 2019, 20:31:17
Hallo,
Zitat
Die „Admiral Brommy" im Bremer Holzhafen als Kriegsgefangenenschiff
Wegen des zusätzlichen Platzbedarfes des Kriegsgefangenenlagers des Stalag XB Lagers in Sandbostel bei Bremervörde wurden Unterkünfte gesucht die in
Hafennähe lagen, um die Kriegsgefangenen im Hafen einsetzen zu können.
Dieses Kriegsgefangenen-Arbeitskommando auf der „Admiral Brommy“ gehört
zu den ersten in Bremerhaven, die immer noch im Holzhafen vor Anker lag. Es
wuchs schnell auf mehrere hundert Gefangene an, die in verschiedenen
Hafenbetrieben eingesetzt wurden.
Zunächst waren französische Kriegsgefangene auf dem Schiff einquartiert.
Wegen der unmöglichen hygienischen Zustände an Bord, und Beschwerden
gegen dem Kommandanten der die Gefangenen sehr brutal behandelte, war,
nach mehreren Beschwerden des Internationalen Roten Kreuzes, die
Gefangenen 1942 in einen Hafenschuppen verlegt wurden. Der brutale
Kommandant, der sich sogar gegenüber der Delegation des Roten Kreuzes damit
brüstete, Gefangene mit Faustschlägen ins Gesicht zu bestrafen, wurde jedoch
zunächst nicht abgelöst....
Am 16.12.1943 1erfolgt ein weiterer sehr schwerer Angriff von 400 alliierten
Bombern auf Bremen, in deren Folge 2396 Sprenggranaten und 4346
Brandbomben auf Bremens Stadtmitte und Hafenanlage niedergehen. Im Hafen
sinken der finnische Dampfer „Viete“ (1715 BRT), der deutsche Dampfer
„Vulcan“ (599 BRT) und das Wohnschiff „Admiral Brommy“. Sieben weitere
Schiffe werden zum Teil schwer beschädigt. ?)2 Über Opfer der Besatzung und
der Gefangenen gibt es keine ausgewiesenen Zahlen. Offiziell waren fast 200
Schwer- und Leichtverwundete, und 112 Tote zu beklagen
http://www.bromme-gesellschaft.de/pluginAppObj/pluginAppObj_191_07/Die-Hoehen-und-Tiefen-Teil-4b.pdf
Ob durch den Bombenangriff versenkt oder schwer beschädigt sowie das weitere Schicksal ist unklar.
Zitat
Die „Admiral Brommy“ soll, nach anderer Aussage, aber nach einem schweren
Bombenangriff vom 11.9.1944 durch Brandbomben „nur“ schwer beschädigt,
aber nicht gesunken sein, und wurde nach dem Krieg als „Umkleideschiff“ des
Technischen Betriebes verwendet.Ende der 40iger Jahre soll es dann, am Haken von zwei
Schleppern,nach Holland geschleppt worden sein um dort abgewrackt zu werden

Weiß jemand genaueres über das Schiff  ?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 05 Februar 2019, 21:10:52
Hallo,
der Vormarsch der Russen führte im Sommer/Herbst 1944 zur Räumung der Konzentrationslager in den eroberten Ostgebieten bei Riga und Reval . Über  20.000 Häftlinge wurden per Schiff nach Danzig "evakuiert". Die Frauen kamen ins KZ-Stutthof, die Männer Richtung KZ-Buchenwald
Zitat


KTB SKL Bd61/II
25.9.44 In Rohukuela und Werder sind insgesamt 22.500 Gefangene, 1500 Esten,3440 Flüchtlinge ...zum Abtransport eingeschifft

Hallo,
dank des Unterstützung von @mfbb330  :MG:, wird der Transport der Gefangenen aus Rohukuela und Werder klarer. Er ging nicht nach Danzig sondern über den Moonsund
Zitat
8.) Übersetzverkehr Moonsund
Mit MFP's ,KFK's, Ponierfahrzeugen und Prähmen des Heeres-Schiffahrtsbatls. nach bisher vorliegenden Meldungen übergesetzt 16 500 Personen,....22 500 Gefangene....
Rohuküla 24.mittags , Werder 25. 03.00 Uhr nach Zerstörung der Pieranlagen geräumt
Die Räumung Estlands war Teil des "Unternehmens Aster" https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen_Aster

Im HMA Landungsfahrzeuge habe ich keine MFP gefunden oder falsch gesucht.
Ist über die eingesetzten Fahrzeuge und das Ereignis mehr bekannt?
Auch der weitere Weg der Gefangenen wieder Weg von den Moonsund-inseln ist mir nicht bekannt.
Wo finde ich darüber weitere Informationen?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: TW am 06 Februar 2019, 01:22:15
Es handelt sich nicht um KZ-Häftlinge, sondern um russische Kriegsgefangene, die mit Landungsbooten und schweren Sturmbooten abtransportiert wurden:

Zitat
0.1191 PiLdgsBtl.772 Ostsee - 23.-26.09.1944 Bataillonsstab mit 3. und 4 Kompanie verlegt nach Arensburg auf Ösel. 2. Kompanie verlegt nach Triigi auf Ösel und Orjaku auf Dagö. s.Stubos und L-Boote setzen Truppen, Flüchtlinge und Gefangene vom Festland nach Moon und Dagö über. Die 2. Kompanie beteiligt sich an der Räumung von Worms. [2]

Die nicht nach bestimmten Fahrzeugen einzuordnenden Fakten wurden bislang nicht in die Datenbank bzw. in die vielen Dateien eingearbeitet; das wird erst mit der neuen LFZ-Gesamtchronik möglich sein, die wir meines Erachtens noch in diesem Monat online stellen können. Ich muss halt noch ein paar Schnitzer korrigieren. und ich arbeite auch schon Datensätze wie den oben zitierten ein.

Guten Morgen,
Thomas
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: mfbb330 am 07 Februar 2019, 23:07:18
Hallo Thomas,

aus welcher Quelle stammt das "Zitat" vom PiLdgsBtl.772. Mich interessiert Ösel insbesondere und
das Btl.772 wird wahrscheinlich auch bei der Räumung am 23./24.11.44 dabeigewesen sein.
Jedenfalls war Oberst Henke am 23.11.44 vor Ort.

Ist neben Oberst Henke ein Major Scotti  bei den 772er bekannt? FKpt. Brauneis ist sicher bekannt.
Die Fotos stammen von einer Türfüllung einer Haustür. In dem Haus und dem Nachbarhaus war der
Stab? Henke kurz vor der Räumung Sworbes stationiert (Foto: 20.11.44). Die Fotos unterliegen dem
Urheberrecht.

Zu den Judentransporten, angelehnt an bettika61: Seetra.Libau-2664.339-18.00 Uhr (150) und Hako.
Riga-2664.571-572 (5.360).

Gruß
Dieter
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 08 Februar 2019, 17:23:48
Es handelt sich nicht um KZ-Häftlinge, sondern um russische Kriegsgefangene, die mit Landungsbooten und schweren Sturmbooten abtransportiert wurden:
Zitat
0.1191 PiLdgsBtl.772 Ostsee - 23.-26.09.1944 Bataillonsstab mit 3. und 4 Kompanie verlegt nach Arensburg auf Ösel. 2. Kompanie verlegt nach Triigi auf Ösel und Orjaku auf Dagö. s.Stubos und L-Boote setzen Truppen, Flüchtlinge und Gefangene vom Festland nach Moon und Dagö über. Die 2. Kompanie beteiligt sich an der Räumung von Worms. [2]
Hallo Thomas,
ich hatte bisher keine Quelle, die die Gefangenen näher beschrieb. dank @mfb330  :MG:
aus dem KTB der 24.Landungsflottille PG 3058
Zitat
22.9.
Im Pendelverkehr Werder/Kuivastu, Rohuküla/Helterma: F 194, F 195,F 258, F 266, F 204, F 511 mit Truppen, Heeresgut und Flüchtlingen.
.....
Laufender Übersetzverkehr mit eigenen MFP und Pionierfähren. In der Hauptsache treffen Flüchtlinge und russ. Gefangene ein, die nach Kuivasto gebracht werden..
Danach ging der Weg der KG nach Moon.
Der weitere Weg der KG weg von Moon/Ösel ist mir noch unklar.

Bisher nur aus dem KTB MOK Ostsee PG 38788c,
Es wurden im Zeitraum 25.7-15.10.44   19.600 Gefangenen von Ösel abtransportiert.
Weg, Transportmittel und genaues Datum fehlt mir.

Kann jemand helfen z,B KTB 24.LFL ?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: mfbb330 am 08 Februar 2019, 17:37:14
Hallo Beate,

um Dir, anderen Zeit und Mühe zu ersparen, folgende KTBs habe ich durchgesehen:

1637 - 2664 - 3058 - 3137 - 3498 - 3577

Bis auf 2664 keine weiteren Ergebnisse zu dem Abtransport ab Ösel.


Gruß
Dieter     
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 08 Februar 2019, 17:46:59
Hallo Dieter,
Arensburg  , :MV: liegt doch auf Ösel
KMD Danzig PG 38632
vom 1.10.-6.10 .44 fuhren "Füsilier", "Gotenland" und Kümo " Geschwister" zusammen 12.667 KG ab nach Danzig

Nun fehlen noch 7000 KG
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 08 Februar 2019, 20:25:14
Hallo Beate,

um Dir, anderen Zeit und Mühe zu ersparen, folgende KTBs habe ich durchgesehen:

1637 - 2664 - 3058 - 3137 - 3498 - 3577

...

Gruß
Dieter   
Hallo Dieter,
Danke für die Mühe und Unterstützung :MG:
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 10 Februar 2019, 11:49:17
Hallo,
im KTB Seetransportchef östliche Ostsee (Reval) habe ich folgende Transporte mit der Eberhard Essberger und Mar del Plata im
August 1944 von Reval nach Danzig gefunden.
Quelle: NARA Roll 2664 PG 3988
Hallo,
das war der "Evakuierungs"transport des KZ Vaivara unter dem Kommandanten Hans Aumeier
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hans_Aumeier
Zitat
Aug 44

Aumeier was given permission to remove the prisoners back to Germany. This permission was given to him by Jeckeln. For this purpose he managed to got two ships from the Marinekommando Reval (Korv. Kapt. Nicol) which at that time was forming a convoy

20 Aug 44

The transport moved off and Aumeier ultimately handed over the prisoners to KB Danzig-Stutthof. The guards on beard ship at his disposal were eighty Estonian policemen and twelve German  Unterführer. 
http://www.fpp.co.uk/Auschwitz/Aumeier/100845.html
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: mfbb330 am 11 Februar 2019, 13:49:27
Hallo,

die Kriegsgefangenen wurden von Rohaküla nach Haltermaa (Hiiumaa/Dagö), nach Kuivastu (Muhu/ Moon),
sowie von Virtsu (Werder) nach Kuivastu transportiert.
 
Dazu u.a. aus RH19.III-319 (BAMA), Meldungen:
S.23 -  22.09.44 19.50  Die Kriegsgefangenen waren vorher bei den Baltöl-Werken eingesetzt worden.
S.31 -  23.09.44 22.30  Der Übersetzverkehr wird weiter fortgesetzt.
S.39 -  25.09.44 11.30  Inselbesatzung ist schwach, am stärksten (Anzahl) die Kriegsgefangenen (>20.000).
S.43 -  27.09.44 14.30  Kriegsmarinelage. ... Überführung von 22.500 Kriegsgefangene
S.54 -  29.09.44 23.30  dringender Abtransport von noch 10.000 Kriegsgefangene 
S.55 -  29.09.44 23.57  HGr. betreibt beschleunigten Abtransport der 5.000 Kriegsgefangenen

Schiffsnamen sind nicht angegeben. Ich nehme an, daß alle von Ösel abgehenden Schiffe neben Flüchtlingen
auch Kriegsgefangene abtransportiert haben.

Gruß
Dieter

Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 11 Februar 2019, 22:23:45
Hallo Dieter,
Vielen Dank für die Unterstützung mit den Heeres-KTB  :MG:
"Baltölwerke" zeigt die richtige Spur
Zitat
Vorsorglich waren jedoch bereits Vorkehrungen...für die rücksichtslose Verschleppung tausender Arbeitskräfte getroffen worden.Allein aus dem Kiviöli-Gebiet sollten 15.000-20.000 Kriegsgefangene und 4000 Juden, die für die Baltische Öl GmbH Zwangsarbeit leisteten deportiert werden.
Quelle (https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&url=http://www.digitalis.uni-koeln.de/JWG/jwg_38_107-115.pdf&ved=2ahUKEwiW_O6ixrTgAhXIdJoKHQi2CywQFjAAegQIARAB&usg=AOvVaw33F9dPR2T2rIoAZqS7_ZTm)
 
Die Zwangsarbeiter der "Baltöl" kamen aus dem KZ Vaivera
Zitat
Der Reichsführer SS Heinrich Himmler ordnete am 21. Juni 1943 an, die verbliebenen Ghettos im Baltikum aufzulösen. Ein Großteil der arbeitsfähigen Juden sollte zur Ölschieferproduktion für die „Baltische Öl Gesellschaft m.b.H.“ (Baltöl) eingesetzt werden,[1] welche Anlagen der britischen New Consolidated Gold Fields Ltd.in Kohtla übernommen hatte.

Das Konzentrationslager Vaivara wurde am 19. September 1943 als Aufnahme- und Durchgangslager eröffnet. ....
Bei der Baltöl und den Ölschiefergewinnungsbetrieben der OT machten jedoch die jüdischen Zwangsarbeiter nur einen Anteil von unter 20 Prozent der Beschäftigten aus. Den Hauptteil der Arbeiter stellten sowjetische Kriegsgefangene, Umsiedler aus Russland sowie Zwangs- und Zivilarbeiter aus einer Reihe von anderen Ländern, darunter Frankreich und Holland. 
https://de.m.wikipedia.org/wiki/KZ_Vaivara

Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 15 Februar 2019, 20:19:28
Hallo,
Zitat
Das seit dem Herbst 1941 bestehende jüdische Ghetto Kownos,wurde Anfang Juli 1944 von der SS niedergebrannt. Die letzten 6.000 Juden des Ghettos Kowno, wurden auf dem Rangierbahnhof in Waggons gepfercht oder mit Barken über die Memel abtransportiert. Dazu schreibt Helene Holzman*: „Am 8. Juli waren ungefähr 1.500 Leute aus dem Ghetto in Barken verladen worden und die Memel heruntergefahren. Der Ghettokommandant Göcke hatte ihnen eine seiner zynischen Reden gehalten: Wir werden euch vor den Russen retten und euch mitnehmen. Die Barken waren noch in Georgenburg gesehen wurden. Später erfuhr man, daß die Barken acht Tage unterwegs gewesen waren, ehe sie an ihrem Bestimmungsort Stutthof [KZ Stutthof] ankamen. Einige Tage später ein zweiter Transport, auch auf dem Flusse. (…)

* Helene Holzman; Dies Kind soll leben – Die Aufzeichnungen der Helene Holzman 1941 – 1944; Seiten 278
http://richard.tom-goebel.de/flakartillerie/kowno-ostland-1944
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 19 Februar 2019, 20:00:31
Hallo,
Zitat
Schiff "Amsterdam", Liegeplatz am Kanal in Höhe Buniamshof: 60 russische Kriegsgefangene eines Arbeitskommandos des Stammlagers Schleswig XA [E7]
http://www.zwangsarbeiter-s-h.de/STADT/Luebeck/ST-Luebeck01.htm

Hat jemand Informationen über das Schiff?
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 25 Februar 2019, 15:43:21
Hallo Thomas,

aus welcher Quelle stammt das "Zitat" vom PiLdgsBtl.772. Mich interessiert Ösel insbesondere und
das Btl.772 wird wahrscheinlich auch bei der Räumung am 23./24.11.44 dabeigewesen sein.
Hallo Dieter,
dank der neuen Gesamtchronik zu finden  :MG:
https://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/landungsfahrzeuge/lfz_chronik_ausgabe.php?where_value=15136
Zitat
[2] Kugler, Landungspioniere, S. 80
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Rudergänger am 06 März 2019, 11:57:43
Hallo,
ich habe hier ein Dokument gefunden über den Transport von KZ Häftlingen am 10.05.1945 ab Flensburg Feuerschiff nach Malmö mit den Dampfer Fomberg 1200 BRT. In meinen Unterlagen habe ich das Schiff nicht gefunden. Vielleicht ein Übertragungsfehler? Wer kann helfen?
Gruß
Harald
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: mfbb330 am 06 März 2019, 13:21:22
Hallo,

noch einige Angaben und Verlauf der Transporte aus NARA-KTB´s.
Hinweis:
1637 - NARA T312-1637  AA.Grasser (mit 7. A-Fl)
3058 - NARA T1022-3058  24.L-Fl  (KTB dem Forum bekannt)

Gruß
Dieter
           

Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 06 März 2019, 13:25:56
Hallo Harald,
 :MG:
es war die "Homberg" https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,13721.msg205518.html#msg205518
Mit dem Schiff wurden ausländische KZ- Häftlinge aus Neuengamme und Stutthof , die sich bei Kriegsende aus Transporten  in Flensburg befanden, nach Schweden gebracht.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: mfbb330 am 06 März 2019, 13:31:38
und 3058 (1)
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: mfbb330 am 06 März 2019, 13:34:47
... 3058 (2)
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: mfbb330 am 06 März 2019, 13:36:13
... 3058 (3)



Gruß
Dieter
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Rudergänger am 06 März 2019, 13:44:09
Hallo,
Danke Beate und Dieter für die Klärung des Schiffsnamen und für die umfangreichen Dokumente top
Gruß
Harald
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 06 März 2019, 22:37:46
Hallo Harald,
 :MG:
es war die "Homberg" https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,13721.msg205518.html#msg205518
Mit dem Schiff wurden ausländische KZ- Häftlinge aus Neuengamme und Stutthof , die sich bei Kriegsende aus Transporten  in Flensburg befanden, nach Schweden gebracht.
Hallo,
Die Geschichte der MS Homberg  https://www.nrz.de/staedte/duisburg/west/die-geschichte-des-rettungsschiffes-ms-homberg-id212157581.html

Fotos von der Ankunft in Malmö http://bilderisyd.se/?s=Homberg&post_type=product
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Rudergänger am 06 März 2019, 23:03:29
Hallo Beate,
vielen Dank für die weiteren Informationen. Besonders der Artikel über die Homburg ist für mich interessant.
Viele Grüße
Harald
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 07 März 2019, 19:54:34
... 3058 (2)
Hallo Dieter,
Danke für die Einsicht in Deine KTB Sammlung  :MG:
Die Daten aus dem KTB 24.L-Fl passen zu https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,26430.255.html#lastPost
Zitat
KMD Danzig PG 38632
vom 1.10.-6.10 .44 fuhren "Füsilier", "Gotenland" und Kümo " Geschwister" zusammen 12.667 KG ab nach Danzig
Wobei die o.g. Daten die Ankunft in Danzig und nicht die Abfahrt Arensburg darstellt.

Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 08 März 2019, 19:33:55
Hallo,
KMD Hamburg
Zitat
24.04.42
D. "Tijuka" ist als Transporter herzurichten;
nach Durchführung Gefangenentransportes KMD Oslo zugeteilt.

28.4.42-01.05.42 Hamburg -Egersund
Transport 535 russ.Kgf. Bau Btl.30  (Sammlung Michael Stokke)
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 10 März 2019, 18:04:02
Hallo,
Die Geschichte der MS Homberg  https://www.nrz.de/staedte/duisburg/west/die-geschichte-des-rettungsschiffes-ms-homberg-id212157581.html
Zitat
>>Fehler in früherer Dokumentation entdeckt>>>

Die letzte Rettungsfahrt der MS Homberg schilderte der WDR-Dokumentarfilm „Hafen der Hoffnung: Malmö“ des schwedischen Produzenten Magnus Gertten, erstmals ausgestrahlt 2012. Lachmann und Berger stellten bei ihren Recherchen mehrere Fehler in dem Film fest. Die Lokalhistoriker recherchierten anders als Gertten auch im Stadtarchiv Malmö. So wurden die MS Homberg nach dem Kriegsende keinesfalls von englischen Schiffen gejagt, sondern möglicherweise begleitet.

Aus dem ansonsten sehr sehenswerten Film "Hafem der Hoffnung"  https://youtu.be/OgFiiL23GdM
 Den Flecktyphus, an dem auch eine schwedische Rot-Kreuzschwester starb, brachte das Schiff aus Flensburg mit. Man hatte die Gefangenen der "Ruth" , die an Flecktyphus infiziert waren, mit den Häftlingen aus "Neuengamme" unter unvorstellbaren hygienischen Verhältnissen auf der "Rheinfels" zusammengepfercht.
Mit an Bord der "Homberg" als einziger Mediziner der Lagerarzt von Neuengamme Dr.Kitt, https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bruno_Kitt
Statt in SS- Uniform  an Bord nun in Wehrmachtsuniform
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine "Homberg"
Beitrag von: bettika61 am 17 März 2019, 09:50:10

Zitat
>>Fehler in früherer Dokumentation entdeckt>>>

Die letzte Rettungsfahrt der MS Homberg schilderte der WDR-Dokumentarfilm „Hafen der Hoffnung: Malmö“ des schwedischen Produzenten Magnus Gertten, erstmals ausgestrahlt 2012. Lachmann und Berger stellten bei ihren Recherchen mehrere Fehler in dem Film fest. Die Lokalhistoriker recherchierten anders als Gertten auch im Stadtarchiv Malmö. So wurden die MS Homberg nach dem Kriegsende keinesfalls von englischen Schiffen gejagt, sondern möglicherweise begleitet.


Hallo,
auf Seite von "harbour of hope" wird  auf den Fehler hingewiesen und die neuen Informationen präsentiert  top
http://harbourofhope.com/new-facts-about-ghost-ship-ms-homberg/
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine :"Westpreußen"
Beitrag von: bettika61 am 20 März 2019, 22:53:49
Hallo,
Zitat
Von Dezember 1944 bis 1. Mai 1945 bestand in Neustadt in Holstein ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Die etwa 15 männlichen Häftlinge waren der SS Bauleitung in Neustadt zugeordnet und mussten eine Baracke für ein SS Lazarett errichten.. 
Vermutlich wurden die Häftlinge bei Kriegsende mit dem Schiff „Westpreußen“ auf die Ostsee gebracht. Über ihr weiteres Schicksal kann nichts berichtet werden.
https://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/geschichte/kz-aussenlager/aussenlagerliste/neustadt-in-holstein/
Die "Westpreußen" war am 7.5.1945 in Flensburg gemeldet.
Die Polizeiinspektion Flensburg berichtete am 24.3.1949 über  das Eintreffen von KZ-Häftlingen in den letzten Kriegstagen in Flensburg [ https://digitalcollections.its-arolsen.org/050302/content/pageview/441373 ]
Zitat
Inzwischen waren auch im Flensburger Hafen die Dampfer "Rheinfels" und "Westpreußen" mit KZ-Häftlingen angekommen. ...
Obwohl für die Betreuung dieser Häftlinge im allgemeinen die SS und die Kriegsmarine zuständig waren...
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine :"Westpreußen"
Beitrag von: bettika61 am 29 März 2019, 21:54:02
Hallo,
Zitat
Von Dezember 1944 bis 1. Mai 1945 bestand in Neustadt in Holstein ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Die etwa 15 männlichen Häftlinge waren der SS Bauleitung in Neustadt zugeordnet und mussten eine Baracke für ein SS Lazarett errichten.. 
Vermutlich wurden die Häftlinge bei Kriegsende mit dem Schiff „Westpreußen“ auf die Ostsee gebracht. Über ihr weiteres Schicksal kann nichts berichtet werden.
https://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/geschichte/kz-aussenlager/aussenlagerliste/neustadt-in-holstein/

Hallo,
Die Häftlinge der SS Bauleitung kamen lt. Wilhelm Lange "Cap Arcona"  in das KL Kiel-Russee
Zitat
Dienstag, den 1.Mai 1945
......
Der Bauleitungstrupp Neustadt in Holstein (Kommando NL Breitenfelde des KL Neuengamme) wurde ins KL Kiel-Russee evakuiert...
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 19 April 2019, 13:38:49
Hallo,
im August 1944 wurden dänische Häftlinge aus dem Lager Horserød mit dem Schiff "Mars" ab
Helsingør nach Deutschland deportiert. Das Schiff wird bezeichnet als "Truppentransporter" oder "Urlauberschiff" .
Es sind 2 Zeitzeugenberichte dokumentiert
http://media.offenes-archiv.de/ha2_2_9_1_thm_2369.pdf
http://media.offenes-archiv.de/ha2_2_9_bio_1169.pdf
Für beide führte der Transport in ein Konzentrationslager.

Beim Schiff gehe ich davon aus, das es sich um die noch heute als Museumsschiff erhaltene "Witjas"  ex Mars https://de.wikipedia.org/wiki/Witjas_%28Schiff,_1939%29 handelt.
Hallo,
das Hauptbuch des Hafenamt Flensburg 1944-45 enthält den Eintrag
Zitat
13.8.1944 D. Mars von Helsingoer Wehrmacht 71 Pers. 2468 brt.
Skipper Marquardt Heimathafen Bremen
die Daten sprechen für "Witjas ex Mars"
Fotos "Mars" https://samlinger.natmus.dk/FHM/asset/233239
https://samlinger.natmus.dk/FHM/asset/233243
Zitat
Das deutsche Schiff Mars im Hafen von Helsingør, das die Häftlinge am 12. August 1944 aus dem Lager Horserød in Nordseeland nach Flensborg brachte. Von hier aus wurden die Häftlinge in das Lager Frøslev in Südjütland transportiert

Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: maurice voss am 19 Mai 2019, 11:39:01
Hallo,

KTB Geleitstelle/Seetransportchef Kanalinseln-St Malo:



mfG

Maurice         
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 19 Mai 2019, 12:09:21
Hallo Maurice,
super ,danke  :MG:
Es handelt sich um einen Transport der I.SS Baubrigade nach Alderney , genannt Lager "Sylt", einem Aussenlager des KZ Neuengamme https://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/geschichte/kz-aussenlager/aussenlagerliste/alderney-i-ss-baubrigade/
Zitat
Am 22. Februar 1943 wurde die mit 1000 Häftlingen in Düsseldorf und Duisburg stationierte I. SS-Baubrigade abgezogen und auf die von der deutschen Wehrmacht besetzte britische Kanalinsel Alderney überstellt, wo sie am 5. März eintraf. Nach den Bombenangriffen der Alliierten auf west- und nordwestdeutsche Städte wurden seit Herbst 1942 KZ-Häftlinge zu Aufräumungsarbeiten, Leichenbergung und Bombenbeseitigung in SS-Baubrigaden eingesetzt. Ihren jeweiligen Einsatzorten entsprechend unterstanden sie meist den nächstgelegenen KZ-Verwaltungen.

Die I. SS-Baubrigade auf Alderney, genannt Lager „Sylt“, unterstand der Verwaltung des KZ Neuengamme.
nach Deiner Quelle gab es also noch einen späteren Transport am 11.8.1943. Beinhaltet das KTB auch den o.g. Zeitraum um den 5.3.1943, welchen Zeitraum deckt das KTB ab?
Ich suche noch das Transportschiff.

Ich hatte hier (https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,26430.msg299368.html#msg299368) #70-71
auch nach Informationen über die "Evakuierung" im Zeitraum 1944 06-08 gesucht
dort mit Hinweis auf   KTB Marinegruppenkommando West .
Vielleicht ergibt sich jetzt noch was neues .
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 19 Mai 2019, 12:30:47
moin,

KTB Geleitstelle/Seetransportchef Kanalinseln-St Malo:
Warum "Sicherung für 4. S-Flottille" notwendig ?

Am 11.8 hatten sechs Boote der 4. und 5. S-Fltl von Brest nach L'Abervrach verlegt. Dort wurden sie von britischen Jagdbombern vor Anker liegend angegriffen, S 121 (5.) wurde versenkt, drei Boote der 4. S-Fltl beschädigt. In der Nacht verlegten die beschädigten S 88, S 117, und S 120 und das unbeschädigte S 110 (4. S-Fltl) und S 84 und S 136 (5. S-Fltl) von L`Abervrach nach St. Peter Port

Gruß, Urs
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: maurice voss am 19 Mai 2019, 12:53:04
Hallo,

Hier für 5.3.1943:
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: maurice voss am 19 Mai 2019, 13:00:12
KTB deckt Zeitraum 24.1.1943-29.2.1944

Ausserdem KTB KMD St Malo: 1.4.1944-4.8.1944

(NARA 2424)
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 19 Mai 2019, 13:23:55
Hallo Maurice,
tolle Unterstützung, vielen Dank  :MG:
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 19 Mai 2019, 14:55:34
Hallo Maurice,
super ,danke  :MG:
Es handelt sich um einen Transport der I.SS Baubrigade nach Alderney , genannt Lager "Sylt", einem Aussenlager des KZ Neuengamme https://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/geschichte/kz-aussenlager/aussenlagerliste/alderney-i-ss-baubrigade/
nach Deiner Quelle gab es also noch einen späteren Transport am 11.8.1943.

Es muss im Juni 1943 auch einen Rücktransport von Alderney gegeben haben
Zitat
Aufgrund der schlechten Ernährung und der schweren Arbeit waren im Juni 1943 bereits etwa 200 KZ-Häftlinge nicht mehr arbeitsfähig und wurden ins KZ Neuengamme zurücktransportiert
https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Alderney#cite_note-Cohen:_Jews,_S._131-2
steht dazu im KTB auch was drin?  :MG:
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: maurice voss am 19 Mai 2019, 15:50:32
Hallo Beate,

Nein, leider nichts darüber in Juni 1943


mfG

Maurice
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 19 Mai 2019, 16:24:21
Danke, Maurice :MG:
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: maurice voss am 19 Mai 2019, 18:32:40
Juni 1944
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 19 Mai 2019, 18:57:41
Hallo Maurice,
nochmals vielen dank
Das waren ein Teil der Evakuierungstranporte, die auch hier (https://books.google.de/books?id=E0mG9tQy864C&pg=PA347&lpg=PA347&dq=alderney+kz&source=bl&ots=LODkd43wfl&sig=K5eeWIKN9re-4fEumYIkTU8j3OE&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiYyZXc1evNAhWL8RQKHSbuAKIQ6AEITjAI#v=onepage&q&f=false) mit unterschiedlichen Daten beschrieben werden.
Neben den KZ-Häftlingen gab es auch noch 3000 Zwangsarbeiter auf Alderney.
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: maurice voss am 24 Mai 2019, 09:22:35
Hallo,


KTB Hafenkdt St Malo 12.8.1942:



mfG
Maurice
Titel: Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
Beitrag von: bettika61 am 24 Mai 2019, 17:33:02
Danke Maurice  :MG:
Im Sommer 1942 wurde das  Lager Norderney auf Alderney errichtet
Zitat
Norderney Concentration Camp was constructed in summer 1942 by forced labour prisoners as part of the programme to build the Nazi ‘Atlantic Wall’ defence system. The Germans dropped the first shipload of prisoners off in Alderney without any guard supervision, the desolation of the island serving as a virtual prison
....
Up to 1500 prisoners were incarcerated at any one time in Norderney and were made to perform forced labour for the Nazis under brutal conditions there. The prisoners consisted primarily of Ukrainians, Russians and other Eastern Europeans, together with a number of Western Europeans, including Spanish Republicans, North Africans from Algeria and Morocco, and French Jews
https://www.frankfallaarchive.org/prisons/norderney-concentration-camp/