Forum Marinearchiv

Flotten der Welt => Die Kaiserliche Marine => Die Kaiserliche Marine - Marineflieger => Thema gestartet von: Eddy am 21 Februar 2016, 14:34:47

Titel: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 21 Februar 2016, 14:34:47
SFS Wiek und Bug auf Rügen (1916-1920)

„Flugzeuge untereinander werden sich keinen Schaden zufügen können, ohne sich selbst zu opfern. Um sich auf weite Entfernungen bekämpfen zu können, fehlt eine geeignete Bekämpfungswaffe. Das Mitführen von Maschinengewehren verspricht deshalb keinen Erfolg, weil es auch dem Begleiter bei der Schnelligkeit der Fortbewegung kaum möglich sein dürfte, das Ziel richtig zu fassen.“
(aus: Olszewski/Helmrich von Elgott – Flugzeuge in Heer und Marine – 1912)

Wie sich doch die Verfasser irrten, der 1. Weltkrieg brachte eine rasante Entwicklung im Luftverkehr.
Der 1. Weltkrieg tobte schon zwei Jahre auf den Schlachtfeldern Europas. Besonders an der Westfront auf dem Gebiet von Frankreich wurden die Kämpfe immer erbarmungsloser. Da Deutschland zu Beginn des Krieges eine nur unausgereifte Luftwaffe hatte und deren Entwicklung auch nicht die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt hatte, wurde das im Verlauf des Krieges anders. Der Ruf nach Luftunterstützung an der Land- und Seefront wurde immer lauter. Aufklärungsergebnisse waren unzureichend und Luftangriffe nur sehr zaghaft. Die deutsche Flugzeugindustrie war gezwungen schnelle Lösungen zu finden. So begann man bereits Anfang des Jahres 1915 mit der beschleunigten Entwicklung von Waffentechnik darunter auch die der Luftwaffe. So wurden die Leistung der Flugzeugmotoren, die Bewaffnung der Flugzeuge und natürlich auch der Ausbildungsstand der Flugzeugführer verbessert. Die Auswirkungen der Luftangriffe auf England waren militärisch gesehen eher bescheiden aber dafür moralisch um so höher. Die Propaganda in Deutschland nutzte die Ergebnisse bis ins kleinste i-Tüpfelchen aus.
1915 wurde vom Befehlshaber der Marine-Luftfahrt-Abteilung in Wilhelmshaven festgestellt, dass der Seefliegerhorst Stralsund strategisch ungünstig lag. Deshalb wurde Wiek / Rügen als neuer Standort ausgewählt. Bereits Anfang 1916 wurde mit dem Bau in Wiek begonnen, parallel dazu wurde auf der Halbinsel Bug ebenfalls eine Seeflugstation errichtet. Zur Unterstützung der Bauarbeiten sollte die Rügensche Kleinbahn eine Strecke von Wiek nach Bug verlegen, was sich aber aus Mangel an Arbeitskräften bis 1918 hinzog. Bis dahin wurden das Baumaterial über das Wasser oder Land transportiert.
Im KTB der Marine-Flugstation Stralsund stehen unter anderem 1915 folgende Einträge:
"26.X.
0830 Start Flugzeug 53 (Flieger Ob.Ltn.z.S. Friedensburg, Beobachter Ltn.z.S. Kaumann) zum Suchen eines geeigneten Flugstützpunktes an der Küste von Rügen.
1043 Landung Flugzeug 53 vor Wiek a.Rügen"

und
"06.XI.
1050 Vorbereitung für die Einrichtung des Stützpunktes Wiek a.Rügen (s. KTB vom 26.X.), der sich bei den außerordentlich ungünstigen geografischen und meteorologischen Verhältnissen Stralsunds als eine Notwendigkeit erweist.“

Alles wurde in einfacher Bauart ausgeführt und sogar Zelte wurden zum Einsatz gebracht.

Am 27. Januar 1917 wurde dann die Seeflugstation Wiek – Bug eröffnet. Dazu fand auf dem Markt von Wiek ein entsprechendes militärisches Zeremoniell statt. Die Öffentlichkeit sollte an den Erfolgen der deutschen „Kriegshelden“ teilhaben.

Die Luftbildaufnahme, am 21. Mai 1918 aus 500 m Höhe gemacht, zeigt die Seeflugstation Wiek mit zwei Anlegern und zwei Ablaufbahnen. Der größte Teil der Technik und der Sicherstellung war auf dem Bug stationiert. In Wiek war die größere Anzahl des Personals untergebracht, es verkehrte täglich mehrmals ein Boot zwischen beiden militärischen Einrichtungen.
In beiden Objekten wurde Personal ausgebildet und zwar im Bombenwerfen, als Bordschütze, als Fotoaufklärer und als Funker (Telegrafie). Für das Bombenwurftraining und den Einsatz der Bordmaschinenwaffen wurde das Seegebiet „Libben“, zwischen Bug und Hiddensee genutzt.

Die forcierte Entwicklung und Ausbildung führte zur Zunahme des Personalbestandes in der Flugstation. So waren von 1917 bis 1918 durchschnittlich etwa 700 bis 800 Personen stationiert. Das hatte natürlich auch positive Auswirkungen auf das Umfeld der Orte Wiek und Dranske. Der Bedarf an Lebensmitteln und Waren des täglichen Gebrauchs stieg und brachte für die Lieferanten gute Umsätze.
Die Seeflugstation auf dem Bug diente in erster Linie der Ausbildung von Flugpersonal aber auch als Ausgangspunkt für Fronteinsätze. Aufklärungsflüge über der Ostsee gehörten zu den Aufgaben der Station. Zwischen Swinemünde und den schwedischen Hoheitsgewässern wurden diese Einsätze geflogen. Zunehmende Beachtung fand dabei die Fährlinie Saßnitz – Trelleborg. Besonders wichtig war die Sicherung der Erztransporte aus Schweden nach Deutschland, da dieser Grundstoff für die Rüstungsindustrie dringend benötigt wurde. Von außerhalb der Ostsee war da nichts mehr möglich, da England Deutschland mit einer Seeblockade belegt hatte. Während dieser Aufgaben verbesserte sich das Zusammenwirken der Flieger mit den Seestreitkräften ständig.

Im letzten Kriegsjahr, 1918, wurden alle einsatzfähigen Flugzeuge vom Bug auf das Flugzeugmutterschiff „ANSWALD“ verlegt. Von Bord dieses Schiffes wurden die letzten Einsätze geflogen.
Als Abschlussbemerkung muss noch gesagt werden, dass ein großer Teil der im Krieg eingesetzten deutschen Flugzeuge nicht durch Feindeinwirkungen verloren ging, sondern durch technische Unzulänglichkeiten und ungünstige Witterungsbedingungen. Das traf auch auf einige Maschinen zu, die auf dem Bug stationiert waren.

Die Novemberrevolution 1918, eingeleitet durch den Kieler Matrosenaufstand, machte auch vor den Seeflugstationen Wiek und Bug nicht halt. Es kam aber hier zu keinen bewaffneten Auseinandersetzungen sondern die Revolution verlief im Sand und die Matrosen- und Soldatenräte wurden aufgelöst, die Anführer verhafte und nach Stralsund verbracht. Zu Verhandlungen kam es nicht, da die Arretierten von Gleichgesinden befreit wurden und verschwanden.
Bei den Verhandlungen der Siegermächte im Januar 1919 in Versaille (Frankreich) wurde beschlossen, dass alle militärischen Einrichtungen auf dem Bug unter der Kontrolle des britischen Flottenkommandos im Jahr 1920 zu demontieren sind. Das erfolgte dann auch unter Nutzung der seit dem 01. November 1918 fertig gestellten Kleinbahnanlage. Einige wenige Häuser, die keine militärische Zweckbestimmung hatten, wurden stehen gelassen.

Die noch verbliebenen Häuser der ehemaligen Seeflugstation Bug und das umliegende Gelände werden ab 1920 für zehn Jahre an den Deutschen Beamten- und Wirtschaftsbund verpachtet. Diese Organisation richtet hier ein Erholungsheim ein. Es entwickelt sich ein reger Erholungsverkehr.
Die Anlagen der Rügenschen Kleinbahn werden bis Dranske zurückgebaut.

Die Baracken des Wieker Stützpunktes kauft die Sozial-Versicherungs-Anstalt des Landes Sachsen und richtet ein Kindererholungsheim ein. 1928/29 werden die Gebäude umgebaut und modernisiert und so stehen sie heute noch als Kureinrichtung. 1940 war kurzzeitig Marine-Infanterie der Wehrmacht stationiert und 1943 bis 1945 diente es noch einmal als Unterkunft bzw. Lazarett. Nach dem Krieg als Waisenheim und ab 1949 als Erholungsheim für Kinder. Heute ist diese Anlage eine Mutter-Kind-Reha-Klinik der AOK Sachsen.

Das Fischerdorf Dranske bestand bis 1935 aus 13 Höfen und einer Gaststätte.

Eddy
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 21 Februar 2016, 14:38:23
... und noch ein paar Fotos
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 21 Februar 2016, 14:44:45
SFS Wiek auf Rügen

 Die Seeflugstation Wiek wurde nach der Entmilitarisierung und den Kauf durch die Sächsische Landesversicherung fast völlig umgebaut. Von den ehemaligen Gebäuden der SFS dürften sehr wenige im neuen Ensemble stehen. Vergleicht bitte mal die Luftaufnahme von 1918 (im roten Rechteck die SFS) und dann die Aufnahme von 1935.
Heute stehen diese Gebäude fast alle noch in einem sehr guten saniertem Zustand und die Anlage wird als Kurklinik für Mutter und Kind durch die AOK Sachsen betrieben.
Die Fotos zeigen: einmal die SFS 1918, die Anlage des Kinderheimes 1935. Von dieser Heimanlage existieren eine große Zahl verschiedener Aufnahmen, die in den Anfangsjahren (1930er) als Ansichtskarten verschickt wurden.
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 21 Februar 2016, 14:49:07
Nun noch der Rückbau und die Entmilitarisierung auf dem Bug.
Dazu ein "Findling" aus dem Jahr 1916.
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 21 Februar 2016, 14:56:26
Hier noch der Militärpass von Waldemar Henger, der als Pilot auf dem Bug stationiert war. Dazu ein eine Höhenskala für das Leistungsvermögen seiner Maschine.

Als Flugzeuge waren laut bisheriger Auswertung des KTB Teil 1 folgende Typen in Betrieb:
Flugzeug 53, als Hauptakteur und Maschine des Stationsleiters = ALBATROS WDD
Flugzeug 489, auch sehr oft zur Aufklärung unterwegs = BRANDENBURG NW
Flugzeug 495, ebenfalls als Aufklärer unterwegs = FRIEDRICHSHAFEN FF 33E

Leider haben wir von diesen Typen mit den bestimmten Nummern noch keine Fotos recherchiert.

Eddy
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: bodrog am 21 Februar 2016, 15:21:05
Zitat
Im letzten Kriegsjahr, 1918, wurden alle einsatzfähigen Flugzeuge vom Bug auf das Flugzeugmutterschiff „ANSWALD“ verlegt.

Stimmt das wirklich? ich würde mal bei Kai Jach nachfragen... es scheint mir nämlich unwahrscheinlich.
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: kalli am 21 Februar 2016, 15:48:11
Flugzeug 495, ebenfalls als Aufklärer unterwegs = FRIEDRICHSHAFEN FF 33E

Ist dieser Typ nicht identisch mit dem „Wölfchen“ auf SMS Wolf?
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Trimmer am 21 Februar 2016, 16:04:42
Völlig richtig Kalli . War eine FF 33 E   Nr. 841 

Gruß - Achim - Trimmer
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: redfort am 21 Februar 2016, 17:14:12
Zitat
Im letzten Kriegsjahr, 1918, wurden alle einsatzfähigen Flugzeuge vom Bug auf das Flugzeugmutterschiff „ANSWALD“ verlegt. Von Bord dieses Schiffes wurden die letzten Einsätze geflogen.

Laut KTB der Seeflugstation S.M.S. "ANSWALD" steht aber nichts davon drin. Sondern es wurden Flugzeuge entweder turnusmäßig oder auf Grund von techn. Mängel/Defekten ausgetauscht. Bei einer Ladekapazität von 3-4 Flugzeugen.

Source: PG 63650 / 51, Rolls T1022_301

Bevor wieder ein sagt wo steht das geschrieben !!
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 22 Februar 2016, 10:43:36
Hallo Männer,
ich muss vielleicht zum Text sagen, dass das unsere Erkenntnisse sind, die aus vielen Quellen zusammengeführt wurden. Aber ehe ich das Ganze in die Ausstellung unseres Museums bringe, wollte ich Eure fachmännische Meinung dazu hören/lesen. Ich gebe zu, etwas ungeschickt begonnen zu haben. Bin für jeden Hinweis und jede Korrektur dankbar.
Eddy
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 13 Juli 2016, 20:52:20
Hier noch der Militärpass von Waldemar Henger, der als Pilot auf dem Bug stationiert war. Dazu ein eine Höhenskala für das Leistungsvermögen seiner Maschine.
....Eddy
Hallo Männer,
ich muss meinen Beitrag (Zitat oben) etwas korrigieren. Der Pilot oder Flieger, wie es damals benannt wurde, hieß Waldemar Wenger. Ich hatte letztes Wochenende Besuch von seinem Enkel aus Berlin, er ist gerade 80 geworden.
Er hat mir wieder ein interessantes Dokument mitgebracht, was ich Euch nicht vorenthalten möchte.
Bild 1 das Dokument von der SFS Kawak
Bild 2 der Bursche vom Flugmaat Wenger
Bild 3 der Enkel (li.) mit mir auf dem Gelände der ehemaligen SFS Bug / Rügen
Eddy
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 17 November 2017, 20:02:20
Hallo Männer,
hat irgend jemand von Euch das Flugzeug 53 als Foto gesehen, in Besitz o.ä.? Oder kann mir jemand sagen wo ich derartiges finden kann?
Es spielt im KTB der SFS Stralsund und Wiek eine Hauptrolle.
Eddy
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 05 Dezember 2019, 21:14:16
Hallo Freunde,
ich habe beim Studium und der Auswertung der KTB`er der SFS Bug und Wiek festgestellt, dass fast zu Beginn der Bauarbeiten auf beiden Stationen immer ein Brieftaubenschlag dabei war. In Fortsetzung der Geschichte der beiden Stationen wird auch hin und wieder vom Training mit Tauben geschrieben. Nun kann ich mir vorstellen, da die Funktechnik noch nicht so ausgereift war, dass die Tauben als "Nachrichtenmittel" benutzt wurden, z.B. bei der Aufklärung. Ich habe versucht konkrete Hinweise und Erläuterungen zu finden aber leider nicht viel erreicht. Bei Notwasserungen wurden Tauben auch mit den Koordinaten losgeschickt, das ist für mich verständlich. Was gibt es da generell in der Seefliegerei für Erfahrungen, Bemerkungen und Aufgaben? Wer kann mir helfen?
Eddy
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: bettika61 am 05 Dezember 2019, 22:24:57
Hallo Eddy,
Über Nachrichtenübermittlung mit Brieftauben müsste bei
Beckh "Blitz und Anker" was drinstehen.
https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,24481.msg276995.html#msg276995
Das Buch habe ich nicht greifbar, kann da jemand nachsehen?
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 06 Dezember 2019, 17:30:52
Danke Beate,
aber das Buch bzw. die beiden Bände kaufe ich mir deswegen nicht. Ich gucke weiter.
Gruß Eddy
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: jaba am 06 Dezember 2019, 19:00:10
Auch ich bin immer wieder auf den Einsatz von Brietauben bei der Marinefliegertruppe gestossen. Die Verwendung von Tauben lässt sich bis ins Jahr 1918 nachweisen, teilweise mit großem Erfolg, wie die nachfolgenden Berichte belegen:

Hier einen Auszug aus den Unterlagen des Marineflugchefs:

Zitat
Brieftauben haben in steigendem Maße und mit gutem Erfolg im Seeflugzeug Verwendung gefunden. In der Zeit vom 28.5. bis 5.6. haben 40 Brieftauben der SFS Flandern I die gestellten Aufgaben erfolgreich gelöst und dabei Flugstrecken von 10 bis 80 Seemeilen zurückgelegt.
Als besondere Leistung sind folgende zu verzeichnen:
Eine am 3.5. in den holländischen Hoheitsgewässern gelandetes Flugzeug übersandte eine Meldung mit Erfolg durch eine Brieftaube.
Einem am 9.5. infolge Motorpanne auf see notgelandeten Flugzeug konnte auf eine Brieftaubenmeldung hin Hilfe geleistet werden
Am 1.6. kehrten zwei Tauben, die trotz leichten Nebels von einem G-Flugzeug auf Fernaufklärung aufgelassen wurden, nach 3 1/2 stündigem Flug zur Heimatstation zurück, die hierbei durchflogene Entfernung betrug 80 Seemeilen.

Ein Check im KTB der SFS Flandern I ergab:
Zitat
Die am 3.5. notgelandete Maschine war die Fdh FF 49C 1705 [Fl.Mt. Geyger (P), Fl.Mt. Jany (B)]. Eine weitere Maschine, Fdh FF 49C 1682 [Fl.Ob.Mt. Hollunder (P), Flzg.Ob.Mtr. Haag (B)] die ebenfalls auf dem Heimweg war, kam dem havarierten Flugzeug zur Hilfe. Der Versuch das beschädigte Flugzeug zu Schleppen schlug fehl und beide Flugzeuge trieben i holländischen Hoheitsgewässer. Sie wurden von einem Wachfahrzeug aufgegriffen. Beide Besatzungen wurden interniert.

Ein weiterer Beleg, diesesmal von der Nordsee:
Zitat
Die meisten Tauben haben ihre Aufgabe erfüllt. Von notgelandeten Flugzeugen sind in sieben Fällen die ersten Meldungen von Tauben überbracht worden. In einigen Fällen wurden die Tauben am späten Nachmittag aufgelassen; sie kehrten erst am nächsten Morgen in den Schlag zurück.

Die Tauben der SFS Helgoland sind nicht sicher; wenn nicht ganz klares Wetter ist, finden die Tauben die Insel nicht wieder. Sobald die Tauben des Wilhelmshavener (SFS Wilhelmshaven) Schlages genügend vorgebildet sind, werden diese den Helgoländer Flugzeugen mitgegeben.

Gruß
Alex
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 06 Dezember 2019, 21:10:02
Danke Alex,
für mich stellt sich eigentlich nur die Frage, hatte jedes Flugzeug was startete, Brieftauben an Bord. Bei Aufklärungsflügen über der Ostsee zwischen Schweden und Deutschland ist das sicher so gewesen. Aber eine Taube reichte da sicher nicht aus und wo waren diese Tiere in Käfigen an Bord dieser Flugzeuge verstaut? Laut Literatur wurden die Tauben auch noch eingesetzt als schon funktechnische Einrichtungen an Bord der Flugzeuge waren. Verantwortlich für die zu sendende Nachricht war sicher der Beobachter und auch für den Start der Taube. Es ist sicher kein weltbewegendes Ereignis aber es war einfach eine militärische "Einrichtung", die erklärt werden will.
Ich kenne aus eigenen Erfahrungen Brieftaubenzüchter, die diesen Sport aktiv betrieben und betreiben. Da geht es aber nicht um Flugzeuge. Die Tiere werden in Transportkäfigen zum Startpunkt gebracht und gestartet, sie orientieren sich am Wasser. Ich denke, ich werde dieses Thema etwas allgemein halten und mehr Wahrscheinlichkeiten benennen.
Eddy 
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: jaba am 07 Dezember 2019, 09:41:32
Ich kann nicht mit Gewissheit sagen ob auf allen Flügen Brieftauben eigesetzt werden, aber ich bezweifele es. Ich habe etliche Berichte von Flügen geselsen und Einträge in KTB und es wird sogut wie nie erwähnt das Brieftauben eingesetzt wurden bei Notwasserungen oder ähnliche Vorfälle. Ich glaube auch nicht das alle Einheiten Taubenschläge hatten. Darüber findet sich auch nichts in den KTB.

Gruß
Alex
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 07 Dezember 2019, 10:50:19
Ich kann nicht mit Gewissheit sagen ob auf allen Flügen Brieftauben eingesetzt werden, aber ich bezweifele es. Ich habe etliche Berichte von Flügen gelesen und Einträge in KTB und es wird sogut wie nie erwähnt das Brieftauben eingesetzt wurden bei Notwasserungen oder ähnliche Vorfälle. Ich glaube auch nicht das alle Einheiten Taubenschläge hatten. Darüber findet sich auch nichts in den KTB. ..
Alex,
im KTB SFS Bug steht am 15.03.1916 der nachfolgende Eintrag, also muss es zumindest auf dem Bug einen Taubenschlag gegeben haben. Ob nun bei jedem Flug Tauben mit unterwegs waren bezweifle ich auch. Es gibt im KTB Bug einige Einträge, "Training mit Tauben", es geht aber nicht daraus hervor wie das Training verlaufen ist. Aber denkbar für mich wäre die Mitnahme von Tauben bei Aufklärungsflügen, ohne Eintrag im KTB. Von Notwasserungen habe ich auch eine Notiz gefunden, passierte auf einem Langstreckenflug. Also eine gewisse Rolle spielten diese Tierchen schon bei den Seefliegern. An Land war es wohl noch intensiver, da gab es ja richtige Brieftauben-Einheiten.
Eddy
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: jaba am 07 Dezember 2019, 14:07:49
Bei SFS Bug und Wiek hatten einen Taubenschlag da dort auch die F.B. und B. Schule war. Kann mir gut vorstllen das dies auch Teil der Ausbildung war.
SFS Helgoland und SFS Borkum hatten ebenfalls Brieftauben.

Gruß Alex
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 10 Dezember 2019, 17:16:00
Also ich denke, das mit den Brieftauben bekomme ich erklärt, wenn auch ohne stimmige Dokumente. Von den k.u.k.-Fliegern gibt es da auch einiges zum Nachlesen. Wird ja für die Tauben wenig Unterschied mach ob Ostsee, Nordsee oder Mittelmeer, sie konnten nur Einweg-Informationen bringen, also von See an Land, nicht umgekehrt.
Nun habe ich noch eine Frage zur Fliegerei. In den KTB´ern stehen bei Aufklärungsflügen Ortsangaben wie z.B. "in 104 delta nichts Verdächtiges" oder "in 166 delta U-Boot entdeckt".
Was muss ich unter diesen Angaben verstehen? Gibt es spezielle Fliegerkarten, die diese Einteilung haben? Denn die Marine gab ja die Position in Längen- und Breitengraden an, heute sicher in GPS-Daten, wie die Flieger auch. Wo finde ich solche Karten, damit ich erklären kann wo diese Flugzeuge im 1. WK geflogen sind? Im Bereich Ostsee ist klar und wenn von Stralsund aus die NO-Richtung angegeben wird, geht es etwa in Richtung Bornholm.
Kann mir da bitte jemand eine Tipp geben?
Eddy, der Nichtflieger
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Rudergänger am 10 Dezember 2019, 18:15:06
Hallo Eddy,
vielleicht eine kleine Hilfe. Im Anhang habe ich einen Ausschnitt
aus der Quadratkarte der Nordsee eingestellt. Leider habe ich von der Ostsee nichts gefunden.
Aber da muss ja das selbe Muster verwendet worden sein.

Viele Grüße
Harald
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 10 Dezember 2019, 19:16:32
Danke Harald,
wenn die Fliegerkarten in beiden Kriegen gleiche Einteilungen hatten, dann muss ich mal in unserem Archiv gucken, denn dort haben wir Karten aus der Zeit 1939-1945 von einem Flieger. Ich denke die Ostsee ist auch dabei. Wenn die Einteilung auch so ist, kann ich eventuell findig werden. Wie kamen die Piloten damit bloß klar.
Eddy
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: der erste am 10 Dezember 2019, 22:00:34
Eddy, genau wie wir mit den FNMK Karten.
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 11 Dezember 2019, 17:43:04
Ich habe heute mal im Nachlass eines Piloten 2. WK nachgesehen und folgende Kartenausschnitte gemacht.
Der erste Scann ist von der Rückseite, eine Art Übersicht über die möglichen Karten,
der zweite Scann ist der Teil um Rügen von dieser Karte und
der dritte Scann ist wieder etwas anderes, eine "Luft-Navigationskarte in Merkatorprojektion" von Deutschland.
Beide Karten helfen mir bzgl. 1. WK nicht weiter.
Die Karte von Harald für die Nordsee ist wohl die Art, die ich für die Ostsee brauche. Gucken wir mal. Wer aufgibt hat verloren.
Eddy
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Mainschiffer am 28 Dezember 2019, 10:31:33
Nun habe ich noch eine Frage zur Fliegerei. In den KTB´ern stehen bei Aufklärungsflügen Ortsangaben wie z.B. "in 104 delta nichts Verdächtiges" oder "in 166 delta U-Boot entdeckt".
Was muss ich unter diesen Angaben verstehen? Gibt es spezielle Fliegerkarten, die diese Einteilung haben?


Hallo Eddy,
ich gehe davon aus, dass es sich nicht um spezielle Fliegerkarten, sondern um Marinekarten gehandelt hat. Daher, dass die Stäbe und die schwimmenden Einheiten die gleichen Karten hatten. Schließlich musste man ja untereinander kommunizieren und sich gegenseitig über in See befindliche eigene Schiffe, verdächtige Beobachtungen oder neue Minensperren informieren. Das konnnte nur funktionieren, wenn man identische Karten hatte.

Stefan
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 29 Dezember 2019, 14:34:59
Es ist eine spezielle Karte für Marine und Seeflieger zur ungefähren Standortbestimmung. Diese Karten sind in neun Hauptquadrate eingeteilt, jedes davon in 850 kleine Quadrate. Der hier verwendete Auszug ist aus dem Buch "Rügens geheime Landzunge".
Das nachfolgende Beispiel vom Einsatz des Flugzeuges 495 am 13.11.1915 soll das mal verdeutlichen (wenn ich es richtig verstanden habe).
Flugzeugführer: Ob.Masch.Mt. Behrend, Beobachter: Stm.Mt. Schiller
Start um 13.25 Uhr in der SFS Stralsund Richtung NO, Aufklärung des Quadrates 166 delta um 14.20 Uhr, weiter Richtung SW, Aufklärung Quadrat 066 delta um 15.27 Uhr, Weiterflug zum Quadrat 033 delta Richtung W, hier Wasserung um 16.20 Uhr wegen starker Böen. Neustart um 16.50 Uhr Richtung SO, Wasserung im Kubitzer Bodden an der Westküste Rügens wegen starken Böen um 17.20 Uhr. Flugzeug rollt auf dem Bodden zurück zur SFS Stralsund, Ankunft 18.00 Uhr.
Eddy

Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 07 Januar 2020, 16:05:24
Ich bin schon wieder auf ein Problem gestoßen, was bisher niemand erklären konnte.

Hallo Frauen und Männer,
ich möchte Euch heute mal eine rein theoretische Frage stellen, denn einen richtigen Lösungsweg habe ich bisher nicht gefunden.
Es geht um die Geschichte der Halbinsel Bug und ihrer Militärs. Die Schweden richteten 1684 ein Posthaus mit Hafen an der Südspitze ein. Das wurde später ab 1815 von den Preußen übernommen und teilweise weiter betrieben. 1833 wurde eine Wetterbeobachtungsstation dort aufgebaut und 1844 wurden Lots an der südlichen Spitze angesiedelt. Dazu entstanden eine kleine Siedlung mit sechs Häusern und eine kleine Schule. Dazu kam ein Rettungsschuppen, der mit der Gründung der DGzRS 1865, von dieser übernommen wurde. Insgesamt lebten an dieser Südspitze etwa 50 Personen und das bis 1920/21, da wurde alles aufgelöst.
Nun kamen 1915 im Herbst die deutschen Seeflieger und bauten ab 1916 im nördlichen Teil eine Seeflugstation auf, die Ende 1916 in Betrieb ging und bis 1919 betrieben wurde. Damit war die Siedlung an der Südspitze völlig von der Zivilisation abgeschnitten oder glaubt Ihr die Seeflieger ließen die Zivilisten einfach nach Dranske durch? Ihnen (den Einwohnern) blieben eigentlich nur Boote nach Hiddensee oder Dwarsdorf. Ich glaube nicht, dass auf dem Wieker Bodden, an dem zwei Seeflugstationen aktiv waren, Boote von Fischern und Bauern fahren durften.
Ich habe bisher in keiner Dokumentation, Chronik oder ähnlichen Abhandlungen etwas dazu gefunden. Vier Jahre völlig von der großen Insel abgeschnitten, einfach verrückt. Oder wie seht Ihr das? Ich hänge mal eine Karte an.
Eddy
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: bodrog am 07 Januar 2020, 16:51:23
Wieso sollte das beim Kaiser ähnlich restriktiv gehandhabt worden sein wie später? Es gibt Filmaufnahmen von Fischern in militärisch genutzten Häfen... zumal die Ostsee 1916 eher "Hinterland" war
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 10 Januar 2020, 19:58:47
Danke bodrog,
das ist nur eine Teillösung des gesamten Problems. Mir ist klar, dass der Landweg gesperrt war und die Versorgung der Bewohner auf der Südspitze nur per Schiff/Boot möglich war. Ich persönlich bezweifele, dass den Fischern die Nutzung der Boddengewässer gestattet war, sie durften diese, wie auch die Dampfer von Wiek nach Stralsund oder Hiddensee, nur passieren. Gefischt wurde in der Ostsee. Ich nehme an, ohne es belegen zu können, dass diese Dampfer auch am Südbug einen Zwischenstopp machten, um die Bewohner des abgeschnittenen Stückes der Halbinsel die Möglichkeit der Versorgung zu geben. Nur Spekulation von mir.
Eddy
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 29 Februar 2020, 17:20:35
Ich habe wieder einmal eine Frage an Wissende. Bei Recherchen im KTB der SFS´en Stralsund-Wiek-Bug bin ich im Mai 1917 auf taktische Übungen zwischen den Seefliegern und der S-Flottille in Sassnitz gestoßen. Den Begriff habe ich bisher nirgendwo mehr gefunden. Handelt es sich bei dieser Flottille um Torpedoboote, denn andere Boote haben nicht in Flottillenstärke im Hafen Sassnitz gelegen. Es gab auch U-Boote im Hafen aber nur als Manöverstützpunkt. Auch die Bezeichnung Halbflottille ist eine Eigenart dieser Zeit nehme ich an und da habe ich gefunden, dass es sich da immer um fünf Boote handelt. Ist das korrekt? Ich möchte ja in der Geschichte nichts falsches Schreiben.
Ich hänge mal zwei Seiten aus dem KTB mit den markierten Eintragungen an.
Schönes Wochenende
Eddy
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Deichkind am 29 Februar 2020, 18:50:41
Hallo,
bin sicher kein Experte, aber könnte S-Flottille für Sicherungs-Flottille stehen?
Gruß,
Deichkind
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Urs Heßling am 29 Februar 2020, 19:00:54
moin,
unser Mitglied Simon UC 67 ist DER Fachmann :MG: top bezüglich der UC-Boote der Kaiserlichen Marine.
Vielleicht hat er das KTB des Bootes und ist so freundlich, Dir zu helfen

Gruß, Urs
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 01 März 2020, 20:28:08
Ich habe noch mal tiefer gegraben und in der Schiffliste bei wikipedia zur Kaiserlichen Marine folgendes gefunden:
S = Schichau-Werke Elbing (Werft)
darunter stehen die Kleinen Torpedoboote, gebaut zwischen 1893 und 1898, in Dienst bis 1921, trugen Bordnummern mit "S", ab 1914 mit "T"
Wäre das eine Lösung für die Bezeichnung "S-Flottille"  :?
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Deichkind am 01 März 2020, 20:34:54
Ja, und die T-Boote von der Vulcn-Werft z.B. "V". Aber das ist hier nicht die Lösung.
D.
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 01 März 2020, 21:00:59
 :? :?
Mann oh!
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Urs Heßling am 02 März 2020, 14:26:51
moin,

eine mögliche Erklärung ist "Schulboot-[Halb]flottille der I. Torpedo-Division"
(ab 1916 in der Ostsee stationiert)

Gruß, Urs
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 02 März 2020, 15:57:11
Hallo Urs,
das wäre sicher eine mögliche Abkürzung für "S-Flottille" aber ich denke der Schulbetrieb der Kaiserlichen Marine war wohl eher in Kiel und Umgebung oder eventuell Swinemünde angesiedelt und nicht auf der Insel Rügen. Ich habe mich nun, nach nochmaligem Lesen im Buch "Die Geschichte von Sassnitz als Marine-Stützpunkt", Ausgabe 2011, mit der Bezeichnung "Sicherungs-Flottille" angefreundet. Deichkind hatte das auch schon in seinem Beitrag geschrieben. Ich werte diese Bezeichnung aber nicht als militärische Bezeichnung sondern mehr als umgangssprachlichen Namen für Schiffe und Boote, die zur Absicherung von bestimmten Aufgaben hier stationiert waren. Die Autoren schreiben selbst, dass es wenig bis keine Nachweise darüber gibt in welcher Form der Hafen Sassnitz in der Kaiserzeit genutzt wurde. 1909 sollen sogar Torpedobootflottillen und 20 große Kriegsschiffe hier gelegen haben. Damit ist sicher die Reede mit einbezogen. Zwei Sätze, die auf Seite 15 geschrieben wurden, sagen für mich das aus, was meine Umstimmung zur "Sicherungs-Flottille" ausmacht. Aber immer noch skeptisch.
"In der Struktur der Kaiserlichen Marine waren Torpedoboote in Flottillen eingeteilt. Jede Flottille bestand aus einem Führerboot und zwei Halbflottillen mit je fünf Booten."
Die Fährschiffe der "Königslinie" hatten bis 5 m Tiefgang, also war es Schiffe mit ähnlichen Daten durchaus möglich den Hafen von Sassnitz anzulaufen, so z.B. Kleine Kreuzer. Jetzt schreiben die Autoren davon, dass der Kleine Kreuzer UNDINE ab 1915 u.a. auch Sicherungsaufgaben auf der Fährlinie Sassnitz - Trelleborg durchführte. Dabei wurde die UNDINE am 07.11.1915 von einem englischen U-Boot versenkt. Die UNDINE war auf dieser Fahrt vom Torpedoboot V 154 begleitet worden. Nach der Versenkung der UNDINE kamen die Kleinen Kreuzer MEDUSA und AMAZONE zur Sicherung der Fährlinie zum Einsatz, immer in Begleitung von Torpedobooten. Da man diese Bezeichnung "Sicherungs-Flottille" in den Einheitsbezeichnungen der Kaiserlichen Marine nicht findet (oder ich sie nicht finde), denke ich, dass es sich um eine Aufgabenbezeichnung für diese Schiffs-Boote-Zusammenstellung handelt und die Seeflieger in ihren KTB´ern die Abkürzung S-Flottille dafür benutzten. Ich habe keine Ahnung ob das von mir Zusammengereimte stimmt aber eine andere Lösung finde ich einfach nicht. Das Stadtarchiv von Sassnitz ist für diese Zeit leider nicht sehr aussagekräftig. Ich denke, ich werde das Ganze so verwenden, zumal die Seeflieger hier erst ab 1916 richtig aktiv wurden. Macht ja eigentlich auch Sinn, denn die Flieger sicherten ja auch das Seegebiet gegen gegnerische Über- und Unterwasserfahrzeuge ab, speziell die Erzlinie Trelleborg - Swinemünde und die Fährlinie Sassnitz - Trelleborg.
So, nun nehmt mich wieder auseinander.  :-D
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: joern am 02 März 2020, 17:07:52
Hallo Eddy,
ich möchte Dich nicht auseinandernehmen, aber den Begriff Suchflottille noch einmal ins Spiel bringen.
In Deinen Unterlagen wird ein Obltn.z.S. Fels genannt.
Dieser Oberleutnant war Kommandant bzw. Gruppenführer einer U-Boots-Suchflottille bis 2/1918.
Deshalb meine Vermutung - Suchflottille.
Grüße Joern
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 02 März 2020, 17:59:57
Hallo Joern,
das ist korrekt mit Ob.Lt.z.S. Fels aber im KTB steht: "7.15 Uhr, Flz. Nr. 752  Fl.Mt. Fischer, Ob.Lt.z.S. Fels nach Sassnitz zur Übung mit S-Flottille gestartet."
Dieser Namensvetter war in diesem Fall Beobachter und nicht der Kommandant eines U-Bootes. Der U-Bootmann hieß Maximilian Fels und wie der Seeflieger Fels mit Vornamen hieß kann nur Alex wissen. In meiner Liste ist er ohne Vornamen geführt.
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: jaba am 02 März 2020, 19:07:09
Hallo Berndt,

Joern hat recht was den Olt.z.S. Fels betrifft. Es handelt sich um Olt.z.S. Maximilian Fels. Einen anderen gab es nicht. Damit könnte das die Lösung des Begriffs "S-Flottille" sein.

Gruß
Alex
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 04 März 2020, 18:05:46
Jetzt bin ich aber von den Socken. Was hat ein Seeoffizier an Bord eines Seeflugzeuges zu suchen, zumal er in Wiek zusteigt, seine Einheiten aber in Sassnitz liegen?
Macht für mich keinen Sinn. Wenn er vom Flugzeug aus das Zusammenwirken mit der S-Flottille führen wollte, hätte er auch in Sassnitz ins Flugzeug steigen können, denn lt. KTB ist es dort 30 Minuten später gewassert/gelandet.
Jetzt nehme ich mir das KTB noch einmal vor. Wenn es nur diesen einen Ob.Lt.z.S. Fels gegeben hat, muss ich irgend etwas übersehen haben.
Auf alle Fälle danke ich Euch beiden für Eure Beiträge. Es handelte sich also um eine Flottille im Bestand eines Führerbootes und zehn Torpedobooten, die zur Suche von U-Booten in Sassnitz lagen. Das klingt natürlich auch logisch und macht für mich wieder Sinn, denn die U-Boote waren wohl die aktivsten gegnerischen Einheiten in der Ostsee zu dieser Zeit.
Bis denne
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: jaba am 04 März 2020, 20:24:46
Hallo Berndt,

es war gar nicht unüblich das "Fremde" an Bord von Flugzeugen mitgeflogen sind. Etliche Beispiele in KTB zeugen davon.

Gruß
Alex
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Urs Heßling am 04 März 2020, 20:49:57
moin,

Es handelte sich also um eine Flottille im Bestand eines Führerbootes und zehn Torpedobooten, die zur Suche von U-Booten in Sassnitz lagen.
Nein.
Es gilt "look in the book" , in diesem Fall in "Der Krieg zur See", Ostsee, Band 3

Die U-Boots-Such-Flottille wurde Ende 1915, nach Abzug kampfkräftiger Einheiten, zum Handelsschutz aufgestellt.
Einheiten waren keine Kriegsschiffe, sondern Heringslogger, mit denen nicht auf Qualität (Kampfkraft) sondern Quantität gesetzt wurde, sie bestand aus 6 Gruppen zu je 12 Loggern. Die Logger waren mit einem kleinen Geschütz und einigen Wasserbomben bewaffnet
Anfang 1917 wurde sie als "zahlenmäßig stark, aber langsam und schwach bewaffnet" bezeichnet.
Im Sommer 1917 erhielt sie die Zusatzaufgabe, in Schweden, z.B. in der Hanö-Bucht  liegende britische Handelsschiffe am Auslaufen aus der Ostsee zu hindern. Dafür wurde der S-Flottille ein Unterseeboot zugeteilt.
Die Übungen der S-Flottille mit dem U-Boot können also sehr wohl (nicht nur) U-Jagd-Übungen (denn U-Boote waren zu dieser Zeit nicht mehr das große Problem), sondern auch "Abfang-Übungen" gewesen sein.

Gruß, Urs
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 04 März 2020, 21:06:11
Hallo Urs,
das mag ja alles richtig sein und ich werde den Teufel tun und Dir widersprechen aber wie Logger sehen die Boote auf den Fotos nicht aus. Habe leider nur eins im Archiv, die anderen aus dem Buch zur Sassnitzer Marinegeschichte sind private Sammlungen.
U-Boote ist klar, da kommen einige im KTB der Seeflieger vor aber von Loggern spricht da keiner nur von Torpedobooten.  :?
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 04 März 2020, 21:36:11
.... es war gar nicht unüblich das "Fremde" an Bord von Flugzeugen mitgeflogen sind. Etliche Beispiele in KTB zeugen davon.  ...
Das ist korrekt Alex aber hier handelt es sich, wie Joern schreibt und belegt, um einen Gruppenkommandeur der U-Boote, dessen Einheiten mit dem Flugzeug zusammen operieren sollten. Wie kam der Kerl nach Wiek?
Es tut mir leid aber der Ob.Lt.z.S. Fels fliegt ständig durch die Luft, so am 12.05.1917 wie oben geschrieben, weiter am 17.05. von Wiek nach Sassnitz, am 18.05. von Sassnitz nach Wiek, am 19.05. fliegt er Aufklärung Richtung Norden und anschließend zur Flugzeugsuche und am 29.05. kommt es zu einer Notwasserung durch ihn und seinen Flugzeugführer. Also ein Seemann und Gruppenkommandeur hätte zu so vielen Einsätzen mit Flugzeugen keine Zeit. Denke ich jedenfalls.
Und Urs, ja, das U-Boot UC 57 spielt hier im Bereich eine dominante Rolle und verlegt auch zur Hanö-Bucht, so jeden Falls im KTB der Seeflieger.
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: redfort am 05 März 2020, 00:27:47
Hallo Berndt,

es war gar nicht unüblich das "Fremde" an Bord von Flugzeugen mitgeflogen sind. Etliche Beispiele in KTB zeugen davon.

Gruß
Alex

Mal eine kleine Exkurision dazu, da die Flugzeugfüher bei Flug über See nicht so ausgebildet waren wurden ihnen Marineoffiziere als Beobachter zugeteilt bzw. zu den Marineflieger kommandiert. Diese hatte die Aufgabe und den Vorteil ihrer Ausbildung das diese dann Navigation und Schiffs-Identifizierung über See durchführten.

Später kam noch die Bedienung der Funkgeräte hinzu. Dies wurde auch später noch bebehalten beim Neuaufbau der Marineflieger das Marine-Funker und -offiziere der Luftwaffe zur Verfügung gestellt wurden. Abgesehen von den freiwilligen übertritten zur Luftwaffe.  Bis der Bedarf durch die Schulen (See) gedeckt werden konnte.

Gruss
Axel
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: joern am 05 März 2020, 08:11:39
Hallo Eddy,
in der Ehrenrangliste (Anhang) findest Du die Zuordnung zur Ubootsuchflottille , allerdings nicht wo sie stationiert war.
Grüße Joern
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: joern am 05 März 2020, 17:55:47
Hallo Eddy,
und hier die Aufstellung de U-Bootsuchflottille etwa Mitte 1917 aus dem von Urs erwähnten Buch
"Krieg zur See , Ostsee Bd.3."
Grüße Joern
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 05 März 2020, 18:38:38
Bingo!
Danke Joern und auch alle Anderen,
da sehe und lesen ich Einheiten, die auch im KTB der SFS Stralsund-Wiek genannt werden. Also werde ich mir das Buch einmal vornehmen und auch die Ehrenrangliste. Schade ist nur, dass die Autoren der Sassnitzer Marinegeschichte diese Tatsachen nicht so heraus gearbeitet haben. Nun würde mich schon mal interessieren, wie ein derartigen Logger ausgesehen hat. Vom Kohle-Dampfer "ADELINE HUGO STINNES" habe ich ein Foto, weil der mit den Fliegern Aufnahme- und Absetztrainings durchgeführt hatte. Eine Frage noch, gibt es irgendwo im Netz oder auf einer Postkarte ein Foto von SMS "ANSWALD" (außer bei wikipedia, das ist furchtbar), denn auch das Schiff hat eine wichtige Rolle im Zusammenwirken im Sund mit den Frontflugzeugen gespielt?
Bis denne
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Urs Heßling am 05 März 2020, 19:02:15
moin,

... gibt es irgendwo im Netz oder auf einer Postkarte ein Foto von SMS "ANSWALD" (außer bei wikipedia, das ist furchtbar),
Es gibt eine sehr schöne :TU:) Luftaufnahme (!) des Schiffs in MNB 25 (Seite 11).
https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,29327.msg331996.html#msg331996

Wo auch sonst  :MZ:

Gruß, Urs
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: joern am 05 März 2020, 19:04:04
Hallo Eddy,
das Buch " Die Geschichte von Sassnitz als Marine-Stützpunkt" ist ein sehr unvollständiges Buch.
Die Autoren behaupten u.a. sehr kühn: Die dem Kaiserreich folgende Periode der Weimarer Republik kann hier übersprungen werden. Für die offiziell vom 1. Jan. 1922 bis zum 30. Jan. 1935 bestehende Reichsmarine wurden keinerlei Hinweise auf Marineaktivitäten in Saßnitz gefunden.
Ich habe alleine für das Jahr 1929 mindestens 21 Schiffe und Boote der RM gefunden , die für mehrere Tage Saßnitz anliefen. Solche Lücken ziehen sich durch das ganze Buch.
Grüße Joern
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: Eddy am 05 März 2020, 19:29:15
Richtig Joern,
das ist das Problem mit diesem Buch und deshalb wird es wohl auch keine Nachauflage geben. Selbst die VM ist absolut schwach dargestellt und das haben die Autoren in Persona erlebt.
Also nochmals danke.
 
Titel: Re: Seeflugstationen Bug und Wiek auf Rügen
Beitrag von: jaba am 05 März 2020, 19:56:03

Mal eine kleine Exkurision dazu, da die Flugzeugfüher bei Flug über See nicht so ausgebildet waren wurden ihnen Marineoffiziere als Beobachter zugeteilt bzw. zu den Marineflieger kommandiert. Diese hatte die Aufgabe und den Vorteil ihrer Ausbildung das diese dann Navigation und Schiffs-Identifizierung über See durchführten.

Später kam noch die Bedienung der Funkgeräte hinzu. Dies wurde auch später noch bebehalten beim Neuaufbau der Marineflieger das Marine-Funker und -offiziere der Luftwaffe zur Verfügung gestellt wurden. Abgesehen von den freiwilligen übertritten zur Luftwaffe.  Bis der Bedarf durch die Schulen (See) gedeckt werden konnte.

Da muss ich dir wiedersprechen. Die Flugzeugführer wurden sehr wohl in die Besonderheiten beim Fliegen über offener See ausgebildet. Dazu waren die Seefliegerschule auch gedacht. Es gab sogar gesonderte Bedingungen für Torpedo- und Kampfflieger. Darüber hinaus wurden die Fliegerbesatzungen im Umgang mit Funk- MG und Bombenabwurf in spezielle Kurse ausgebildet. Die Marine unterhielt dazu eine einge Seeflieger FT-Schule in Seddin.  Weiterhin wurden die Beobachter bei der Marine, nicht wie beim Heer, ausschließlich aus Offizieren rekrutiert. Marinebeobachter konnte jeder von Matrose bis zum Kapitän werden.

Was den Fall Olt.z.S. Fels angeht kann schon sein das dieser als Begleiter bei mehere Gelegenheiten mitgeflogen ist, das macht ihn aber nicht zum Beobachter auch war er nicht zur Marinefliegertruppe abkommandiert. Wir können jetzt nur mutmassen was der genaue Grund für die einzelne Flüge war, da die Qulle sich nicht dazu auslässt. Die Marinefliegertruppe hat in einigen Fällen sehr erfolgreich mit der Flotte zusammengearbeitet. Dabei kam auch vor das "Fremde" als Beigleiter mitgeflogen sind.

Gruß
Alex