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Flotten der Welt => Die Deutsche Kriegsmarine => Deutsche Kriegsmarine - Allgemein => Thema gestartet von: Rheinmetall am 11 November 2013, 02:07:23

Titel: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: Rheinmetall am 11 November 2013, 02:07:23
Moin, moin !

Habe in dem Buch "Kreuzer Prinz Eugen unter drei Flaggen" gelesen, dass die Besatzung des besagten Schiffes in Norwegen während einer Liegezeit im Nahkampf geschult wurde.
Glaube mich auch noch zu erinnern, dass dies zur Abwehr von Kommando-Unternehmen dienen sollte.
Aber wer ist so verrückt und versucht einen schweren Kreuzer der Kriegsmarine im Handstreich zu nehmen ?
Der Prinz war ja kein Schiff wie z.B. die Altmark.

Weiß jemand von Euch vielleicht um was für einen Kampfstil es sich hierbei handelte und wie oft so eine Schulung durchgeführt wurde ?
Gab es auch noch auf anderen deutschen Schiffen diese Nahkampf-Ausbildung ?
Die einzigste Einheit der Kriegsmarine die mir diesbezüglich bekannt ist, sind die Kampfschwimmer welche in Ju-Jutsu geschult wurden.

Würde mich über zahlreiche Antworten freuen.

Rheinmetall 
Titel: Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: Big A am 11 November 2013, 09:20:33
Kommando-Unternehmen kann auch die Abwehr von z.B. Kampfschwimmern bedeuten, die Sprengladungen an Schiffen befestigen sollen. (operation "Awkward" hieß das in Portland / Devonport)
Ist doch mW. bei Tripitz mal versucht worden, oder liege ich da falsch?

Axel
Titel: Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: kgvm am 11 November 2013, 10:00:42
Stimmt, wird bei Schmalenbach im Abschnitt über die Reparaturzeit in Norwegen vom 25.2.-16.5.1942 berichtet.
Vielleicht ging es aber weniger um die Abwehr von Kommandotruppen, gegen diese im Regelfall sehr speziell ausgebildeten Kämpfer würde wohl die Kurz-Ausbildung der Prinz-Besatzung kaum viel helfen.
Ich vermute vielmehr eine Kombination von Beschäftigungstherapie (Schmalenbach erwähnt gleichzeitig Ski-Ausflüge, Ausmärsche und Gewehrschießen) und der Beruhigung der Besatzung kurz nach dem englischen Überfall auf St. Nazaire.
Titel: Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: Trimmer am 11 November 2013, 10:44:48
Hallo - warum den in die Ferne schweifen - eine Nahkampfausbildung  gehörte doch schon zur Grundausbildung auch in der Marine also z.B. Abwehrgriffe, Fallübungen usw. bis hin zum Nahkampf  mit Bajonett . Ich sehe es genau wie Klaus-Günther mehr als Beschäftigungstherapie wie auch der Frühsport.

Gruß - Achim - Trimmer
Titel: Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: kalli am 11 November 2013, 12:14:47
Mein Vater (Besatzungsmitglied der Lützow) schrieb zu diesem Thema:

„Weil wir meistens über dem nördlichen Polarkreis operierten, lebten wir monatelang bei Mitternachtssonne mit gespenstischen Nordlichtern in der Winterzeit. Um nicht gemütskrank zu werden, schickte uns die Heimat „freiwillig gespendete Schneeschuhe“. Damit konnten wir laienhaft stundenlang auf Fjordberge steigen und mit vielen Stürzen zurückfahren.“
Titel: Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: der erste am 11 November 2013, 13:15:26
Mein Vater war auch da oben und berichtete dasselbe. Die Ski habe ich immer noch.
Titel: Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: Peter K. am 11 November 2013, 13:50:52
Nach "St. Nazaire" gab es aber - sofern ich mich richtig erinnere - sehr wohl eine spezielle Nahkampfausbildung für die Besatzungen der Seestreitkräfte im Bereich des BSW.
Quelle kann ich am Abend heraussuchen, wenn gewünscht!
Titel: Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: Peter K. am 11 November 2013, 19:45:54
Ich muss mich insofern korrigieren, als dass bereits im Herbst 1940 vom damaligen F.d.M.West sogenannte Nahkampfschulen eingerichtet wurden, damit Schiffsbesatzungen zur Abwehr feindlicher Überfälle auf Häfen und Küstenanlagen vorbereitet waren.
Der bei den Kämpfen in St. Nazaire involvierte Flottillenchef der 16. MS-FLottille, K.Kapt. d.R. JOSEPHI, hatte eine solche Nahkampfschule eingerichtet und geleitet.
Quelle: Friedrich RUGE, Im Küstenvorfeld
Titel: Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: Violoncello am 11 November 2013, 20:08:11
Hallo zusammen,

zunächst ein Dankeschön an Peter K. für die Quelle "Nahkampfschulen" im Bereich des F.d.M. West und damit außerhalb des Kommandos der Kleinkampfverbände.

Im Kommando der Kleinkampfverbände war die Nahkampf-Ausbildung nicht auf die zukünftigen "Meereskämpfer" (Kampfschwimmer) im Lehrkommando 700 beschränkt. Sie gehörte wohl zur"Grundausbildung" aller Angehörigen, aber in besonderer Intensität sicherlich bei Kampfschwimmern und Kommandotrupp-Angehörigen der Marine-Einsatz-Kommandos betrieben.

Cajus Bekker (Einzelkämpfer auf See, Oldenburg 1968, S. 18) spricht nur von "Jiu-Jitsu-Lehrern", wobei es darum gegangen sei, "Die Tricks der waffenlosen Selbstverteidigung und der lautlosen Unschädlichmachung feindlicher Posten zu beherrschen".

Heinz Bourhofer berichtet in der "Chronik der Crew X/43" von W. Nieß und F. Fischer (Gifhorn 1999, S. 347, dass zur Ausbildung Boxen und Jiu-Jitsu (Der "Knochenbrecher") gezählt hätten.

Nach meiner Kenntnis sind aber konkrete Ausbildungsvorschriften nicht überliefert.

Viele Grüße

Violoncello
Titel: Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: Rheinmetall am 14 November 2013, 15:38:34
Kommando-Unternehmen kann auch die Abwehr von z.B. Kampfschwimmern bedeuten, die Sprengladungen an Schiffen befestigen sollen. (operation "Awkward" hieß das in Portland / Devonport)
Ist doch mW. bei Tripitz mal versucht worden, oder liege ich da falsch?

Axel

@ Axel: Richtig, bezüglich der Tirpitz gab es die beiden britischen, maritimen Operationen "Title" und "Source", welche jeweils von Kleinst-U-Booten durchgeführt wurden, oder hätten sollen.
Aber Kampfschwimmer waren keine involviert.

@ Peter K.: Für was steht die Abkürzung BSW ?  :-)

@ Trimmer: Weißt Du vielleicht was in der Grundausbildung genau unter dem Thema "Nahkampf" geschult wurde ?
Ich kenne lediglich das "Bajonett-Stechen" was man hin und wieder in Kriegsfilmen sieht.

Wenn wir gerade beim Thema sind:

Weiß jemand von Euch über was für ein Arsenal von Handfeuerwaffen die Überwassereinheiten der Kriegsmarine verfügten, um Posten usw. auszurüsten ?

Rheinmetall
Titel: Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: Götz von Berlichingen am 14 November 2013, 16:00:26
@ Peter K.: Für was steht die Abkürzung BSW ?

Befehlshaber der Sicherung West.
Titel: Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: Trimmer am 14 November 2013, 16:24:15
Thomas - wir hatten bei der NVA - Nahkampf mit und ohne Waffe - also Abwehr von Messerangriffen, Fallübungen, Faust und Fußschläge, Yudo-Griffe. Wenn ich mich richtig erinnere immer in der Grundausbildung so ca. 2  Stunden in der Woche. Dazu dann der Kampf mit dem Bajonett - Stechübungen sowie Schläge mit dem Kolben. Ob die Kolbenschlagübungen dann später noch geübt wurden als die Kalaschnikow den Plastekolben hatte  :/DK: Wir hatten dann die MPi-K-S
(S = Schulterstütze) und nach der Grundausbildung wurde der "Nahkampf " mehr in der Kneipe geübt  :-D

Gruß - Achim - Trimmer
Titel: Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: suhren564 am 14 November 2013, 17:06:02
.... nach der Grundausbildung wurde der "Nahkampf " mehr in der Kneipe geübt  :-D

Achim, da wo du gedient hast, gab´s doch gar keine Kneipen! :-D :wink:
Titel: Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: Trimmer am 14 November 2013, 17:15:12
Ulf - stimmt nicht ganz - Siedlerheim in der Nähe der Thälmann Gedenkstätte - war aber eigentlich verboten - ja und ansonsten - Meilenweit mußt du gehn  :-D

Hat aber nun wirklich nichts mehr mit Nahkampf auf Schiffen zu tun  :MZ:

Gruß - Achim - Trimmer
Titel: Re: KKpt Josephi beim KdK
Beitrag von: bettika61 am 26 März 2017, 12:31:08
Der bei den Kämpfen in St. Nazaire involvierte Flottillenchef der 16. MS-FLottille, K.Kapt. d.R. JOSEPHI, hatte eine solche Nahkampfschule eingerichtet und geleitet.
Quelle: Friedrich RUGE, Im Küstenvorfeld
Hallo,
K.Kapt. d.R. JOSEPHI war auch beim KdK und ist dort gefallen , im HMA http://historisches-marinearchiv.de/projekte/crewlisten/ww2/ergebnis.php
wird genannt
Zitat
K.d.K.Gruppe Kanal.+ (01.45-03.45)
Sein Name taucht im Bunte-Archiv zusammen mit Bartels auf dem Foto eines Bibers auf.
Fregattenkapitän [sic]Josephi war lt. Blocksdorf Führer der 4.K-Division in Holland und kam bei einem Partisanenanschlag in Rotterdam ums Leben.

Ist über Josephis Aufgaben beim KdK und über den Anschlag mehr bekannt?
Titel: Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
Beitrag von: Violoncello am 27 März 2017, 15:23:07
Hallo Beate,

Blocksdorf dürfte bei der Auswertung von Bracke: Die Einzelkämpfer der Kriegsmarine, Stuttgart 1981, S. 280, ein Irrtum unterlaufen sein:

Korvettenkapitän (nach Müller/Hildebrand Kennziffer 291, S. 154) Walter Josephi wurde wohl nicht bei einem Partisanenanschlag in Rotterdam, sondern im Verlauf eines Luftangriffs bei Hilversum getötet. Der Hinweis steht bei Bracke lediglich im Kontext mit einer Begebenheit bezüglich der Partisanentätigkeit in den Niederlanden.

Der Luftangriff am 20. März 1945 dürfte einer Kommandeursbesprechung gegolten haben, bei der alle Anwesenden mit Ausnahme des Kommandoführers des Marine-Einsatz-Kommandos 40, des am 1. März 1945 zum Korvettenkapitän (MA) d. R. beförderten Hermann August Heinrich Buschkämper, den Tod gefunden haben. Buschkämper wurde am 23. März 1945 das Verwundetenabzeichen in Schwarz für die am 20. März 1945 erlittene Verwundung verliehen. Nach einer mir vorliegenden Überlieferung hielt man Verrat des Orts und des Zeitpunkts der Besprechung als Auslöser für den unerwarteten Luftangriff für wahrscheinlich. Es bleibt abzuklären, ob hier nicht tatsächlich und naheliegender "Ultra" eine Rolle gespielt hat.

Zur Funktion Josephis als Chef deer 4. K-Division:

In den letzten beiden Kriegsmonaten teilten sich die 4. und die 5. K-Division in den Niederlanden unter dem K-Stab Nord die Aufgaben. Während die 5. K-Division für den Einsatz der "Seehunde" verantwortlich war, waren der 4. K-Division alle örtlich verfügbaren K-Verbände (mit Ausnahme des MEK 40, das dem AdK unmittelbar unterstellt war) zugewiesen.

Siehe auch TNA HW 11/27, S. 25: "Unlike other K-Divisions responsibility of the 4th and 5th Divisions was limited by type of weapon, not by area. The latter controlled the two-man midget U-boats (called by the Germans `Seehund´), by this time the most important K-weapons. The former directed the reminder of K.d.K. weapons in the northern area."

Viele Grüße

Violoncello