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Seekrieg allgemein => Zweiter Weltkrieg => Thema gestartet von: Albatros am 20 Oktober 2012, 19:29:29

Titel: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Albatros am 20 Oktober 2012, 19:29:29
Marine ortet fast 5000 Objekte im Seegebiet Kolberger Heide, darunter sollen sich über 1000 Ankertau- und Grundminen, Wasserbomben und torpedoähnliche Objekte befinden.

 http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article110024559/Mehr-Blindgaenger-in-Kieler-Bucht.html

 :MG:

Manfred
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 05 Mai 2013, 17:14:13
Hallo,
die Untersuchung des Munitionsversenkungsgebietes Kolberger Heide durch die Marine ist Teil des Projektes Munition im Meer http://www.schleswig-holstein.de/IM/DE/InnereSicherheit/Munitionsaltlasten/RegionaleInformationen/KolbergerHeide/Sprengkampagne/sprengkampagne_node.html
"Darüber hinaus ist vorgesehen, weitere an das Munitionsversenkungsgebiet angrenzende Meeresflächen in Fortsetzung der Kooperation mit der Bundeswehr abzusuchen"

"Anlass für die Untersuchung des Seegebietes „Kolberger Heide“ war die Überlegung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, den Schifffahrtsweg (Verkehrtrennungsgebiet) beim Kieler Leuchtturm weiter in südliche Richtung zu verlegen. Dadurch sollte besonders tief gehenden Schiffen eine dort bereits gegebene, etwas größere Wassertiefe zurVerfügung gestellt werden"
http://www.wsv.de/ftp/presse/2012/00472_2012.pdf
Die als "unrein" gekennzeichneten Flächen wurden aufgrund der Ergebnisse vergrößert.

Die  Untersuchungen haben  lt. Lokalpresse (http://www.shz.de/artikel/artikel/minen-mitten-in-der-fahrrinne.html) Hinweise auf 12 britische Grundminen die im Gegesatz zu den bisherigen Aussagen des Projektes mit Zündern versehen sind, ergeben.
Die Seeminen sollen am Montag durch den KMRD beseitigt werden .
Wenn die Aussage der Zeitung stimmt, befinden sich die Seeminen in der Seeschifffahrtsstrasse.
 
"Um die Umwelt zu schützen, soll nächste Woche erstmals ein neues Verfahren zum Einsatz kommen, dass Sprengungen wenigstens zum Teil vermeidet. Dazu ist geplant, die Minen mit Sprengladungen so zu öffnen, dass der Zünder vom Sprengkopf getrennt wird"
Damit könnte die neue Wasserstrahltechnik gemeint sein, http://schleswig-holstein.nabu.de/naturvorort/meeressaeuger/symposiummunitionsbeseitigung/07282.html
"...hat hier eine Technologie entwickelt, womit der Zünder fernhantiert, mit Hilfe eines Wasserabrasivsuspensionsstrahls, gefahrlos und sicher auch unter Wasser entfernt werden kann. Damit ist die Sprengung von Bomben heute in aller Regel nicht mehr notwendig."

Eine Frage meinerseits : Können die englischen Grundminen mit Zündern aus der Muntionsversenkung stammen oder sind  in diesem Bereich Luftangriffe ,bei denen britische Seeminen abgeworfen wurden, bekannt?

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 12 Mai 2013, 22:51:37
Hallo,
um die 12 englischen Grundminen beseitigen zu können, wird  für 2-3 Wochen ein temporäres Sperrgebiet  (http://www.shz.de/artikelbilder/bild/1/newsgalerie/2837416/1008.html?user_dimbildergalerie_pi1%5Bbildlistid%5D=1)eingerichtet

"Etwa 40.000 Schiffe passieren jährlich das sogenannte Verkehrstrennungsgebiet sechs Kilometer nördlich vom Ufer am Ostseegebiet Kolberger Heide (Kreis Plön). .... Genau hier, in der östlichen Spur, liegt das Problem in 18 Metern Wassertiefe auf Grund. "Das bedeutet, dass etwa 20.000 Schiffe, die jährlich die Förde verlassen, gefährdet waren", sagt Jörg Heinrich, Dezernatsleiter in der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Außenstelle Nord, in Kiel." http://www.shz.de/nachrichten/schleswig-holstein/panorama/artikeldetail/artikel/vor-kiel-wird-es-fuer-schiffe-eng.html

Die Minen stammen nicht aus der Munitionsversenkung, sondern wurden von den Engländern im 2.WK ausgebracht.
Ist bekannt bei welchem Angriff dies geschah ,oder wurden von den Engländern in der Kieler Förde des öfteren Minen abgeworden?

"Dass die Grundminen überhaupt entdeckt wurden, ist modernster Marinetechnik zu verdanken. Die Wehrtechnische Dienststelle (WTD 71) in Eckernförde hat dazu eine nagelneue 800 Kilogramm schwere Tauchdrohne namens "Hugin" eingesetzt"
Über diese neue Tauchdrohne hatte ich bisher noch nichts gelesen.

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Kaschube_29 am 12 Mai 2013, 23:02:50
Moin Beate,

über die "Hugin" (in diversen Ausführungen) kann man auf der folgenden Seite des norwegischen Herstellers "Kongsberg" nachlesen:

http://www.km.kongsberg.com/ks/web/nokbg0240.nsf/AllWeb/B3F87A63D8E419E5C1256A68004E946C

Mit "Kongsberg" gibt es im Unterwasserbereich eine gewisse Zusammenarbeit; diese Firma hat unter anderem die Führungssysteme für die norwegischen U-Boote der "Ula"-Klasse gebaut und auch für das erste Bau-Los der deutschen U-Boote der 212-er Klasse die Sonargeräte geliefert...

Bis dann,

Axel
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 12 Mai 2013, 23:38:07
Hallo Axel,
danke für die weiterführenden Informationen  top
mit Chance sollen für die Marine  noch weitere "Hugins" angeschafft werden
http://www.kn-online.de/Schleswig-Holstein/Aus-dem-Land/Minen-gefaehrden-Foerde-Schifffahrt

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 13 Mai 2013, 20:37:22
Die Minen stammen nicht aus der Munitionsversenkung, sondern wurden von den Engländern im 2.WK ausgebracht.
Ist bekannt bei welchem Angriff dies geschah ,oder wurden von den Engländern in der Kieler Förde des öfteren Minen abgeworden?

Hallo,
ein Blick in die Angriffschronik des RAF  Bomber Command beantwortet zumindestens den letzten Teil der Frage von alleine  :MV:

http://www.raf.mod.uk/bombercommand/aug42.html
3/4 August 1942
8 Lancasters minelaying in Kiel Bay and off Denmark.

http://www.raf.mod.uk/bombercommand/feb44.html
2/3 February 1944
50 Halifaxes minelaying in Kiel Bay. The Kiel Bay mining operation was a ploy to draw up German fighters, even though no major bombing raid was planned.

http://www.raf.mod.uk/bombercommand/jan45.html
12/13 January 1945
32 Halifaxes minelaying off Flensburg and Kiel..

http://www.raf.mod.uk/bombercommand/feb45.html
7/8 February 1945
30 Lancasters and 15 Halifaxes minelaying in Kiel Bay

http://www.raf.mod.uk/bombercommand/apr45.html
9/10 April 1945
70 Lancasters and 28 Halifaxes minelaying in Kiel Bay and the Little Belt

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: SchlPr11 am 16 Mai 2013, 16:42:13
Hallo,
kürzlich konnte ich das Kieler Seegebiet ohne eigenen körperlichen Schaden, bei innerer Gefasstheit  und mit vielen Erlebnissen mehrmals befahren.
Ausführlich in Fortsetzungen demnächst in den maritimen Reiseberichten mehr dazu.

REINHARD
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: t-geronimo am 16 Mai 2013, 16:44:21
Das bedeutet also, die Jungs in Bild 2 sind nicht auf dem Weg zu Dir. Gut! :TU:)
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 26 Mai 2013, 22:44:19
Hallo,
von der Minenräumung gibt es noch keinen neuen Informationen.
Vom vorhergehenden Einsatz der Marine bei der Suche nach den Kampfmitteln
mit dem Minenjagdboot "Überherrn" ,dem Minentauchereinsatzboot "Rottweil" und dem Erprobungsboot "Stollergrund" vor die Küste von Heidkate
Bilder (http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/munitionsaltlastensucheheidkate101.html) und  ein Video (http://www.marine.de/portal/a/marine/!ut/p/c4/NYzBDoIwEES_hQ9wF4xR4k3CxavRIN7WdgOb0JasBS5-vO3BmWQO8zKDL0z2tMpAUYKnCZ_YGzm_N3Ck4JYpimMrBKtYDh9g8SNLZI9dnloGEzzHnKmMknJQikFhDhqnTBbVREAs9mXVNuWp_Kv61vd9_eiOh317bW75cFYaHGHvw86QGRln5-rtUhQ_1ky4OQ!!/) 

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 09 Juni 2013, 21:57:33
Hallo,
schlechtes Wetter der letzten Wochen hat die Arbeiten zur Minenentschärfung verzögert.
Am Donnerstag wurde  versucht bei 2 Minen die Zünder mittels Schneidladung abzutrennen.
http://www.shz.de/nachrichten/schleswig-holstein/panorama/artikeldetail/artikel/gefahr-unter-wasser-bomben-vor-kieler-foerde-werden-entschaerft.html

Zitat
Taucher des Kampfmittelräumdienstes haben am Donnerstag versucht, zwei dieser gefährlichen Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg mit bis zu 425 Kilogramm des Sprengstoffs TNT zu entschärfen. "Um den Erfolg dieser Sprengungen beurteilen zu können, müssen sich - wegen der Sicht - zunächst die Sedimente gesetzt haben", erklärte am Freitag Claudia Thoma von der neuen Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Außenstelle Nord. Das sei frühestens Montag der Fall.
 
Taucher hatten an den Minen so genannte Schneidladungen angebracht mit dem Ziel, die Zündmechanismen von den Sprengkörpern der Minen abzutrennen. Die Minen selbst explodieren bei diesem Verfahren nicht - sie werden, sofern sie durch die Abtrennung des Zünders unschädlich geworden sind, später weggeschleppt.
 
Im schlimmsten Fall: Vernichtungssprengung
 
"Für Montag ist außerdem vorgesehen, dass die Taucher jedes einzelne Objekt nochmals antauchen und dann vor Ort über das weitere Vorgehen entscheiden", erklärte Thoma. In Frage kommen zwei unterschiedliche Methoden: Eine Absprengung des Zünders mittels einer Schneidladung, wie man sie bereits Donnerstag eingeleitet hatte. Wenn das nicht möglich sein sollte, könnte es zu einer "Vernichtungssprengung" kommen. Da im letzten Fall ein so genannter Blasenschleier gesetzt wird, um den Explosionslärm unter Wasser gering zu halten, ist mit solch einer Operation frühestens am Dienstag zu rechnen. "Wir haben rund um die zwölf britischen Grundminen ein temporäres Sperrgebiet eingerichtet. Dem westwärts gehenden Schiffsverkehr steht derzeit also nur die Hälfte des Verkehrsweges zur Verfügung", so Thoma. "Die Vernichtungssprengungen werden nur durchgeführt, wenn sich keine Schiffe im Gefährdungsbereich befinden

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 23 Juni 2013, 12:54:34
Hallo,
12.6.2013
Das neue Verfahren zum Abtrennen des Zünders durch Schneidladungen an 3 Minen war erfolgreich.
Mit dem Mehrzweckschiff "Saatsee" des WSA Kiel-Holtenau als Taucherplattform des KMRD  konnten die Arbeiten fortgesetzt werden. http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/minen127.html
18.6.2013
2 Minen mussten gesprengt werden, "weil sie besonders ungünstig im Meeresboden lagen beziehungsweise liegen.....Wenn alles gut läuft, sollen noch in dieser Woche alle restlichen Grundminen beseitigt werden"  http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/minen131.html

Diese Nachrichten mögen einen Eindruck vermitteln, welchen Aufwand es bedarf ,um allein diese 12 Minen zu beseitigen.

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: großneffe am 23 Juni 2013, 21:33:21
Hallo Beate, mal ein großes Lob für deine Berichterstattung aus der Kieler Bucht. :TU:) Ich lese sie immer sehr aufmerksam. Bleibe bitte dran!!  :-)
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Albatros am 24 Juni 2013, 16:56:48
Hallo Beate, mal ein großes Lob für deine Berichterstattung aus der Kieler Bucht. :TU:) Ich lese sie immer sehr aufmerksam.

Ich auch....... :TU:)

 :MG:

Manfred
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 24 Juni 2013, 20:49:35
Hallo ,
Danke Euch für die postive Rückmeldung , die motiviert zum Weitermachen. :O/Y
es fehlen ja noch 7 Minen und 1,6 mio t weitere Muniton im Meeer  :wink:
Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: hillus am 24 Juni 2013, 21:59:58
Hallo Beate,

danke für diesen Thread mit Deinen Beiträgen. Die zeitlichen Investitionen können gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Man nimmt alles in sich auf, das geht schön einfach und schnell.
Bitte weiter so!

hillus
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 04 Juli 2013, 13:55:04
Hallo,
diese Woche geht es weiter,die Kieler Woche hat zu einer Unterbrechung der Arbeiten geführt.
Zur Entschärfung der letzten 7 Grundminen sollen wieder Schneidladungen zum Einsatz kommen.
Das Verfahren erläutert Herr Kinast Leiter KMRD http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/s-h_magazin/media/shmag22681.html

Zu Schutz der Schweinswale sind ein mobiler Blasenschleier und akustische Signale mit Seaspringer geplant. http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/minen133.html

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: großneffe am 04 Juli 2013, 14:33:42
Wieder sehr interessanter Bericht!! Danke Beate!! top
Titel: MV-Kadetrinne
Beitrag von: bettika61 am 09 Juli 2013, 23:26:22
Hallo,
zur Abwechlung eine Nachricht aus einer anderen Wasserstrasse in  M-V  :-D

Zitat
Wasserbomben in der Ostsee gesprengt
Zwei Wasserbomben aus dem Zweiten Weltkrieg sind in der Ostsee vor der mecklenburgischen Küste erfolgreich gesprengt worden. Sie waren am Wochenende aus der viel befahrenen Kadetrinne zwischen dem dänischen Gedser und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst geborgen worden...
Die jeweils etwa 140 Kilogramm schweren Bomben hatten an Deck eines im Zweiten Weltkrieg gesunkenen Vorpostenschiffs in der Kadetrinne gelegen, wie eine Sprecherin der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Kiel berichtete. Dort stellten sie eine Gefahr für die Schifffahrt dar. Die Kadetrinne zählt zu den am meisten befahrenen Wasserstraßen der Welt
http://www.ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/sprengung173.html

Das neue Verfahren der Schneidladungen kam hier  leider nicht zur Anwendung.
Das Sprengen mit den Belastungen für die Umwelt  und die freigesetzten Schadstoffe sollte  die Ausnahme sein.

Die Kosten von 2000€/h für das Schiff wurden auch hier genannt.

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 06 August 2013, 23:30:40
Hallo,
nichts neues von der Kieler Förde. Nach bisher unbestätigten Informationen sollen es aber mehr wie die 12 Minen sein.
Alternativ ein sehenswerter Bericht des MDR "Bomben, Minen und Granaten".
"Munition im Meer" und Ihre Beseitigung am Beispiel Offshore-Stromtrasse. Der Minenexperte Wichert kommt auch zu Wort. http://www.mdr.de/mediathek/suche/video137786_zc-485c01ae_zs-d23ba9ff.html

Welches könnte das Schon vorher erwähnte Vorpostenboot in der Kadetrinne gewesen sein?

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: großneffe am 07 August 2013, 13:09:47
Danke Beate für den Bericht!
Ganz schön erschreckend  :-o
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 20 August 2013, 22:09:30
Hallo,
mit Unterstützung im Rahmen der Amtshilfe durch die Minentaucher der Marine
aus Eckernförde ging es weiter.

Im VTG "Kiel Leuchtturm" wurden weitere Minen geräumt, die schon mit der HUGIN 1000 der Marine kartographiert wurden. http://www.marine.de/portal/a/marine/!ut/p/c4/NYq7DsIwDEX_yE4WKtgadYAVCZWwmdaqIvKoLBeWfnyTgXuks5yLL6xk-oaFNJRMEZ_op3B5_yCRAH104xgZx_abGaaSWZuVs4bqRUiLwFpEYyubSC0QZvTGDs505j-7n3t3ffiT7Yabu-OaUn8A1tQ-Uw!!/
Über die genaue Anzahl schweigt man mittlerweile wohlweislich.
Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 26 Oktober 2013, 16:16:24
Die Minen stammen nicht aus der Munitionsversenkung, sondern wurden von den Engländern im 2.WK ausgebracht.
Ist bekannt bei welchem Angriff dies geschah ,oder wurden von den Engländern in der Kieler Förde des öfteren Minen abgeworden?
Hallo ,
 Informationen über die Minenlegeoperationen der RAF hat @TW hier #44 (http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,9890.30.html)  genannt
Codename "Operation Gardening" die Minen hiessen "vegetables"
mehr  Codenamen der Gebiete finden sich hier (http://www.hellzapoppin.demon.co.uk/mines.htm)  z.B. rund um Kiel
Forget-me-Nots - Kiel Canal
Lettuces - Kiel Canal
Melon - Kiel Canal
Quinces - Great Belt / Kiel Bay
Radishes - Kiel Bay
Wallflowers - Kiel Bay

Daten eines weiteren Angriffs und eine Beschreibung des Einsatz http://wallyswar.wordpress.com/operational-flight/
Zitat
28th July 1941     KIEL (GERMANY)
The crews were tasked with a Gardening Operation (Mine Laying) in Kiel Harbour and planted their vegetables (Mines) successfully.  ... The R.A.F. dispatched a total of 42 aircraft from various squadrons to take part in this operation, 50 Squadron reported 2 losses
A brief description of the mines that were carried by the Hampden.   Weighing fifteen hundred pounds the mine was dropped by parachute in a depth of water between thirty and seventy five feet. The aircrafts airspeed at the time of release had to be below two hundred miles per hour and at an altitude of between four hundred and a thousand feet. The magnetic mine would lie on the sea bed until a passing ship distorted the Earth’s normal magnetic field enough to detonate the mine. Mine laying was given the code name of “Gardening” and the mines themselves were known as “Vegetables.”    The mines were “planted” in areas identified in code by the names of vegetables and flowers, some examples being Yams, Daffodils, and Quince. On mining operations the Hampden would often carry two wing mounted 250 lb. pound bombs.
Die Flugzeugen waren danach oft zusätzlich zu den Minen mit 2 Bomben bewaffnet. 

Über den Einsatz
Zitat
12/13 January 1945
32 Halifaxes minelaying off Flensburg and Kiel..
gibt es bei http://www.flensted.eu.com/1945001.shtml  top
eine genaue Beschreibung des Einsatzes mit dem  Minenabwurf jedes einzelnen Flugzeugs
Der Codename "Forget me Not" wir dort allerding mit "Kiel bay" bzw "Flensburger Förde" und nicht wie oben "Kiel canal" erklärt.

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , Schießwolle
Beitrag von: bettika61 am 22 November 2013, 18:02:45
Hallo,

seit 2012 der 3. Fund von Schießwolle an Stränden zwischen Kiel und Eckernförde, die Schießwolle ähnelt  einem Stein oder  Ziegelstein.
Funde:
am Schönberger Strand vom 6. August 2012 ,
 im April 2013 zwischen Dänisch-Nienhof und Surendorf,
Oktober 2013 das gleiche Material am Strandabschnitt zwischen Stohl und Bülk

Der Schönberger Strand liegt in der Nähe des Versenkungsgebietes Heidkate .
Die Funde 2013 liegen in der Region Schwedeneck/Eckernförder Bucht. In der Gegend befanden sich die TVA Surendorf, die CPVA Dänisch-Nienhof.

Zitat
Informationen zu „Schießwolle 39“
„Schießwolle 39“ ist die Produktbezeichnung für die Wirkladung der großen Waffen der deutschen Marine, zwischen 1939 und 1945. Zwischen 75 und 600 Kilogramm dieses Gemisches aus verschiedenen Sprengstoffen, stabilisierenden Substanzen und Ergänzungsstoffen (Metallspänen) kann man in den verschiedenen Seeminen und Torpedoköpfen finden. Auch in dem Munitionsversenkungsgebiet Kolberger Heide muss das Landeskriminalamt seit einigen Jahren mit diesem Weltkriegsrelikt umgehen.
aus Munition im Meer  http://www.schleswig-holstein.de/UXO/DE/Aktuelles/Schiesswolle/Schiesswolle_node.html

Zitat
Munitionsbelastung der deutschen Meeresgewässer – Bestandsaufnahme und Empfehlungen" (Anlage 10.2, Stand 2011, S. 69) ein spezieller Hinweis zu früheren Funden am Schönberger Strand: „Zur Vorbereitung der Segelolympiade 1972 in Kiel - Schilksee suchten Kampfmittelräumdienst und Bundesmarine die Regattastrecken systematisch ab. Damals wurde eine erhebliche Anzahl von Großsprengkörpern gefunden und zerstört. Dabei kamen Vernichtungssprengungen und so genannte Ansprengungen als sprengtechnisches Zerstörungsverfahren zum Einsatz. In der Folge wurde auch eine Anspülung relevanter Mengen im Wasser treibenden Sprengstoffs (TNT) verzeichnet. Am Strand von Schönberger Strand wurde eine größere Reinigungsaktion der Behörden notwendig" (Quelle: www.munition-im-meer.de

dazu der NABU http://schleswig-holstein.nabu.de/themen/meeresschutz/meeresschutz/15083.html
Zitat
Der NABU hat immer wieder darauf hingewiesen, dass bei sogenannten ‚Vernichtungssprengungen‘, die in den vergangenen Jahren vor Heidkate erfolgt sind, die Munition nicht vollständig zersetzt, sondern weit verteilt wird, auf diese Weise an die Küste gelangt und damit eine Gefährdung für Strandbesucher besteht. Auf mehreren Symposien hat der NABU stattdessen wenn irgend möglich die gefahrlose Hebung der Munition gefordert...

Zwei Substanzen im Sprengstoff, Hexanitrodiphenylamin und Trinitrotoluol TNT, sind schon bei Berührung mit bloßer Haut extrem giftig. Im akuten Fall war der Stein nach dem Berühren erst durch die typische gelbe Hautabfärbung des auch „Kaisergelb“ genannten Hexanitrodiphenylamin aufgefallen. Leberschäden und Veränderung von Blutkörperchen sind als Folge des Hautkontaktes möglich. Die Explosivstoffe gelten darüber hinaus als krebserregend, reproduktionstoxisch und erbgutschädigend.

Zitat
LKA-Sprecher Stefan Jung hält den im April 2013 gemachten Fund für zu groß, als dass er angespült worden sein könnte. Vermutlich habe ein Taucher die Schießwolle dort abgelegt.Für eine flächendeckende Bergung fehlten dem LKA die technischen und finanziellen Mittel . Sicher sei aber: „Es wird grundsätzlich nicht besser. Man muss sich politisch ernsthaft Gedanken machen, wie man das Problem Altmunition mittelfristig in Angriff nimmt.“
http://www.shz.de/schleswig-holstein/panorama/spaziergaenger-findet-schiesswolle-am-strand-id4461491.html

Grüsse
Beate


Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 23 November 2013, 21:45:31
Informationen über die Minenlegeoperationen der RAF hat @TW hier #44 (http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,9890.30.html)  genannt
Codename "Operation Gardening" die Minen hiessen "vegetables"
mehr  Codenamen der Gebiete finden sich hier (http://www.hellzapoppin.demon.co.uk/mines.htm)  z.B. rund um Kiel
Forget-me-Nots - Kiel Canal
Lettuces - Kiel Canal
Melon - Kiel Canal
Quinces - Great Belt / Kiel Bay
Radishes - Kiel Bay
Wallflowers - Kiel Bay
..........................................
Der Codename "Forget me Not" wir dort allerding mit "Kiel bay" bzw "Flensburger Förde" und nicht wie oben "Kiel canal" erklärt.
Hallo,
eine Auflistung der codenamen für den Zeitraum 1944-1945 findet sich in AIR 41-74
die o.g Codenamen haben dabei folgende Bedeutung
Zitat
Forget-me-Nots -Kiel harbour
Lettuces -   Kiel Canal
Melons -   Eckernförde
Quinces - Kiel Bay
Radishes -Fehrmarn Belt
Wallflowers -   Kiel Harbour

Habt Ihr Quellenhinweise, das die codenamen in anderen Zeiträumen auch geändert wurden ?

Grüsse
Beate

Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 05 Januar 2014, 13:11:15
Nach bisher unbestätigten Informationen sollen es aber mehr wie die 12 Minen sein.
Hallo,
anlässlich des tragischen Ereignisses in Euskirchen ein "Jahresrückblick" des KMRD S-H
Zitat
Als größte Aufgabe in Schleswig-Holstein stellte sich im vergangenen Jahr die Räumung von 31 englischen Grundminen im Wasser der Kieler Förde heraus. ....
Um sie zu entschärfen, nutzten die Experten nach eigenen Angaben erstmals sogenannte Schneidladungen. Dabei wird der Zünder von der Sprengladung der Mine abgesprengt. 29 Mal habe die neue Technik funktioniert. Zweimal blieb den Bombenräumern nichts anderes übrig, als die komplette Mine kontrolliert hochgehen zu lassen
http://www.shz.de/schleswig-holstein/panorama/ein-ende-von-kampfmittelfunden-ist-nicht-absehbar-id5340031.html
Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 14 Januar 2014, 13:37:58
Hallo,
als Bericht beim NDR :
Zitat
Kieler Bucht: Erste Fahrrinne fast minenfrei
60 Tage lang waren die Kampfmittelräumer in der Kieler Bucht unterwegs, rund 170 Mal tauchten sie hinunter an den Boden der Ostsee und haben insgesamt 31 Grundminen mit Zünder in der Fahrrinne Richtung Ostsee unschädlich gemacht. Das Ergebnis des Einsatzes: Der Weg für Schiffe aus der Kieler Förde Richtung offener Ostsee ist so gut wie minenfrei - jedenfalls nach dem heutigen Wissensstand.
http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/munition143.html
Kosten für die Räumung des halben Schifffahrtsweges 1,2 mio €
Das mag eine Vorstellung vermitteln , was weiterreichende Räumungen kosten würden.
Den Worten des Sprecher des LKA war zu entnehmen, das Grundproblem, wer zahlt die Kampfmittelräumung im Meer,Bund oder Land , ist noch lange nicht geklärt.
Für die Bundeswasserstrasse Kieler Förde wird es der Bund, vertreten durch das WSA, sein.

Was auch erkennbar wird, Leistungen grösseren Umfang können nur gewerblichen Firmen erbringen, dafür ist die personelle Kapazität des KMRD nicht ausgelegt.

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: codog am 15 Januar 2014, 18:17:16
Hallo bettika61,

Du schreibst:
"Was auch erkennbar wird, Leistungen grösseren Umfang können nur gewerblichen Firmen erbringen, dafür ist die personelle Kapazität des KMRD nicht ausgelegt"

Wir hatten das Thema an anderer Stelle schon mal. Was ich noch immer nicht verstehe ist:

Warum machen das nicht unsere Minenabwehreinheiten der Deutschen Marine???

http://www.marine.de/portal/a/marine/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK93MQivfLEtLTUvNI8vdzMvNS8xKRy_YJsR0UAz69Nvg!!/

Können die das nicht? Dürfen die das nicht? Liegt es daran, dass da einfach nur die Anweisung  (Befehl?) fehlt? Wass ist da los?

Und warum üben die nur und räumen nicht vor der eigenen Haustür in dem Maße, wie es offensichtlich erforderlich ist?

Gruß
codog
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 16 Januar 2014, 21:45:15
Hallo codog,
ich glaube auch wir hatten die Frage schon mal  :?
aber um es kurz zu sagen: Kampfmittelräumung ist Ländersache
näheres findest Du hier http://www.arbeitshilfen-kampfmittelraeumung.de/Kapitel/index.htm
unter 3.1 Aufgabenteilung zwischen Bund und Ländern

Eine Unterstützung durch die Bundesmarine  findet nur im Rahmen der Amtshilfe statt.
Selbst eine Kampfmittelräumung im Hafen des Marinestützpunkt Kiel wurde durch dem KMRD durchgeführt http://www.youtube.com/watch?v=xW3d9b7TkQg

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Elektroheizer am 16 Januar 2014, 23:58:01
Ja, ich hatte da gefragt warum die Bundesmarine sich nicht mehr an der regulären Minensuche beteiligt. Finde die Diskussion aber auf grade nicht.
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Big A am 17 Januar 2014, 06:48:35
Zitat
Und warum üben die nur und räumen nicht vor der eigenen Haustür in dem Maße, wie es offensichtlich erforderlich ist?

Wie Beate schon sagt, Einsatz der Bw im Inneren ist immer nur auf besondere Anforderung möglich.
Und dafür können dem Anforderer schon mal Kosten in Rechnung gestellt werden. Passiert bei Nothilfe idR aber nicht.

Und zur Beruhigung, "die" üben nicht nur sondern sind sehr aktiv auch z.B. beid en großen Anti-Mine-Warfare-Übungen im Baltikum, wo mindestens ebenso viel Munition zu finden und zu räumen ist.

Axel
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Elektroheizer am 17 Januar 2014, 12:22:36
Hallo codog,
ich glaube auch wir hatten die Frage schon mal  :?
So, jetzt habe ich den thread gefunden, wo Du auch geantwortet hattest: "Minenjagd in der Ostsee"
http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,19766.msg221343.html (http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,19766.msg221343.html)
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Elektroheizer am 17 Januar 2014, 13:10:05
Übrigens hat der Beitrag diese Woche traurige Aktualität bewiesen. Ein Mann hatte am Ostseestrand ein vermeintliches Stück Bernstein gefunden und in die Hosentasche gesteckt, das aber wohl (verdreckter) weißer Phosphor war. Durch die Körperwärme entzündete sich das und verletzte den Mann schwer.

Üble Angelegenheit, wenn dieser Inhalt von Brandbomben durch Korrosion oder andere Umstände frei gesetzt wird. Weißer Phosphor ist nicht wasserlöslich; einmal im Gewässer (wahrscheinlich auch im Boden) lassen sich solche Reste praktisch nur durch unglückliche Zufälle wie diesen finden.

PS: Das war bei Hohenfelde östlich von Kiel, falls es jemanden interessiert. Quelle dazu:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/phosphor-aehnelt-bernstein-und-verbrennt-mann-am-strand-a-943631.html
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 17 Januar 2014, 14:00:12
Zitat
Kieler Bucht: Erste Fahrrinne fast minenfrei
http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/munition143.html

Hallo,
es geht weiter, die Marine hilft mit  :MG:
Zitat
Zweite Fahrrinne wird ab April per Sonar untersucht
Ab April soll nun die Fahrrinne für Schiffe untersucht werden, die in die Kieler Förde und zum Nord-Ostsee-Kanal fahren. Die Marine plant zunächst zwei Fahrten für die Sonar-Aufnahmen. Anschließend müssen auch verdächtigen Objekte vor Ort unter Wasser von Tauchern untersucht werden. "Wir sind darauf vorbereitet, ab Mai loszulegen", sagte Kroll. Die Experten gehen bislang allerdings nicht davon aus, dass sie dort ähnlich viel Munition finden werden wie im vergangenen Jahr.

Zitat
Die Marine beteiligt sich seit 1996 in der Ostsee an der Altlastenbeseitigung von Munition aus dem 2. Weltkrieg. "Für uns ist das "Daily Business" und gleichzeitig eine gute Möglichkeit am realen Objekt zu zeigen, was wir gelernt haben", so Fregattenkapitän Fritz- Rüdiger Klocke von der Deutschen Marine. Die Marine plant zunächst zwei Fahrten für die Sonar-Aufnahmen
http://www.probsteier-herold.de/munitionsraeumung-vor-heidkate-war-erfolgreich-2

Zitat
„Die Munitionsfunde endeten aber nicht am Rand des festgelegten Suchgebiets“, sagte Fregattenkapitän Fritz-Rüdiger Klocke von der Einsatzflottille 1. Diese Erkenntnis alarmierte auch die für die Wasserstraße zuständige Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. „Wir müssen handeln“, sagte Jörg Heinrich von der Direktion. Ab April sollen weitere Bereiche am Schifffahrtsweg abgesucht werden. Heinrich dankte dabei der Marine und dem Land für die Unterstützung. „Die Marine verfügt über das dafür erforderliche Gerät“, sagt Heinrich.

Möglich sind aber immer nur punktuelle Suchmaßnahmen. Natürlich wäre es schön, wenn man auch die anderen Bereiche des Schifffahrtsweges bis zur Einfahrt des Kanals absuchen könnte, sagt Klocke. Das dies bislang nicht geschehe, liege an den Kosten. Deshalb werden auch die Zufahrten nach Lübeck und Flensburg noch nicht untersucht. Eine lückenlose Absuche aller Bereiche vor der Ostseeküste würde Millionen kosten. Geld, das weder die Haushaltstöpfe des Landes noch des Verkehrsministeriums hergeben. „Hier ist deshalb eine gesellschaftliche Diskussion notwendig“, sagt Heinrich http://www.kn-online.de/Schleswig-Holstein/Aus-dem-Land/Ostsee-bleibt-ein-Pulverfass-Neue-Minenfunde-vor-Kiel

Grüsse
Beate
P.S.Der Phosphorfund in Hohenfelde http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/hubertsberg101.html
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: codog am 17 Januar 2014, 15:44:11
Hallo,

@BigA:
Aber macht es in diesem Fall Sinn, dass die Deutsche Marine nur auf ANFORDERUNG Minen beseitigt? Die erforderliche Räumkapazität hat doch die Marine.

Du meinst sicher solche Meldungen zu den Einsätzen im Baltikum, oder?
http://www.marine.de/portal/a/marine/!ut/p/c4/PYxNC8IwEET_0W5DQMWbJQhehaLxtrZLCOajJFsF8cebHnSGeZcHgzdsTfT0jsTnRAGvaEe_v78gUgF6yMIhMLBPleTNUJNri2N06m8rXtabiWHMiWWlcBLf6ApJLjDnImE1SynNgJ_Qdsr03bb7RX12w8bYo9banPozzjEevmzT8ug!/

Da hat ein deutsches Boot innerhalb von zwei Wochen in einem internationalem Verband (da muss man halt mitmachen, oder?) 10 Minen im Baltikum geräumt. Und ein Großteil der 80.000 Minen liegt da noch.
Wie viele Minen hat die Deutsche Marine in den letzten zwei bis drei Jahren eigentlich unschädlich gemacht?

@bettika61:
Der Kampfmittelräumdienst leistet mit Sicherheit eine hervorragende Arbeit auf See. Besonders wenn man die knappen Resourcen des Kampfmittelräumdienstes auf See betrachtet. 60 Tage Einsatz und dabei 31 Minen unschädlich gemacht, ist eine Leistung!
Die Marine dagegen plant nach Deiner Aussage mit ihren Minensuchverbänden zwei Fahrten im April. Na, das geht ja zur Sache. Zwei Fahrten im April (funktioniert doch mit der Anforderung).

Wir haben:
- 5 Hohlstablenkboote „Ensdorf“-Klasse (352), je 38 Mann Besatzung
- 3 Minenjagdboote „Kulmbach“-Klasse (MJ 333), je 37 Mann Besatzung
- 10 Minenjagdboote „Frankenthal“-Klasse (MJ 332), je 42 Mann Besatzung.

Das sind 18 Boote mit einer Besatzungsstärke von 721 Mann. Dazu kommt natürlich noch der Stab, etc., etc..
Die Boote kosten nichts, weil sind ja schon da, oder?
Was kann man eigentlich für ein durchschnittliches Jahresbrutto pro Besatzungsmitglied einschl. erforderlicher Landeinheiten ansetzen? RECHNE, RECHNE, RECHNE...

Wie viele Minen hat den nun die Mannschaft eines "größeren mittelständischen Unternehmens" geräumt?

Was machen unsere vielen Mädels und Jungs auf denn Minenjagdbooten eigentlich bis zu den zwei Fahrten im April? Und was machen die alle danach? Einen neuen Einsatz für 2015 planen?
Jaja, ich weiß... Werftliegezeit, Arsenalzeit, Ausbildung ohne Ende (ZUUUR ÜBUNG...!!!), Vorbereitung für den Einsatz im April, immer wieder die "NEUEN" ausbilden, weil die Erfahrungsträger versetzt werden, etc.

Mir ist übrigens in diesem Zusammenhang klar, das die Deutsche Marine sich diese Technologie erhalten und auch weiterentwickeln muss. Keine Frage!

Aber ob der gegenwärtige Weg für die Marine der richtige ist, wage ich deutlich zu bestreiten.
Wenn ich Politiker wäre, würde ich die Minensuchverbände stark reduzieren. Grund: Kostet viel, Minen in nennenswerter Anzahl werden nicht beseitigt. Das macht dann kostenpflichtig der Kampfmittelräumdienst, weil LÄNDERSACHE!

PUNKT - AUS

Gruß
codog






Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: RonnyM am 17 Januar 2014, 17:11:17
...Phosphorfund in Hohenfelde... :roll: und ich hab`mal nebenan in Todendorf "gekämpft" und bebadet...

Grüße Ronny
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 26 Februar 2014, 17:26:24
...Üble Angelegenheit, wenn dieser Inhalt von Brandbomben durch Korrosion oder andere Umstände frei gesetzt wird. Weißer Phosphor ist nicht wasserlöslich; einmal im Gewässer (wahrscheinlich auch im Boden) lassen sich solche Reste praktisch nur durch unglückliche Zufälle wie diesen finden.

PS: Das war bei Hohenfelde östlich von Kiel, falls es jemanden interessiert. Quelle dazu:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/phosphor-aehnelt-bernstein-und-verbrennt-mann-am-strand-a-943631.html
Hallo,
der Hintergrund des Fundes konnte von Herrn Wichert  (AG "munition im Meer") nach Aktenrecherche aufgeklärt werden:
Am 21.9.1941 meldete das FLUKO Kiel  einen überfliegenden Angriffsverband Richtung Berlin,
der Lagebericht der Luftschutzpolizei für Hohenfelde den Abwurf von 2 Sprengbomben und 20 Brandbomben

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 22 Mai 2014, 21:34:04
Hallo,
die Arbeiten zur Kampfmittelräumung der zweiten Fahrrinne haben ,wie angekündigt begonnen
Die Marine unterstützt die Arbeiten u.a.mit dem Minenjagdboot "Überherrn" ,Minentauchern und der Minenjagddrohne "Seefuchs"

Zitat
Und dabei arbeitet das LKA, das für die Beseitigung der Munition zuständig ist, eng mit der Marine zusammen. Die ist im Rahmen der Amtshilfe mit Minenjagdbooten, Minentauchern und modernster Technik wie der Minenjagddrohne „Seefuchs“ dabei. ...
Zunächst werden von einem Unterwasserfahrzeug Fotos vom Meeresboden gemacht und ausgewertet. Minentaucher steigen dann hinab, um die Objekte zu identifizieren und gegebenenfalls mittels eines Hebeballons an einen anderen Platz zu verschleppen, wo die Minen entweder gesprengt oder auch entschärft werden können. Ebenfalls zur Identifizierung wird der „Seefuchs“ eingesetzt....

Auch wenn sich die Suchtechnik wesentlich verbessert hat, würde die komplette Räumung mit den bisherigen Methoden noch Hunderte von Jahren dauern – „nicht hinnehmbar“ , wie Jürgen Kroll sagt. „Man muss ein unbemanntes Verfahren entwickeln, mit dem man die Munition industriell beseitigen kann.“ Daran werde bereits gearbeitet. Zunächst ist jetzt die Räumung des Fahrwassers bis zu den Holtenauer Schleusen geplant, was Kroll zufolge bis zu zehn Jahre dauern wird, wegen erschwerter Bedingungen: Wetterabhängigkeit, große Flächen, begrenzte Tauchzeiten der Minentaucher, schlechte Sicht unter Wasser.
http://www.shz.de/lokales/kiel/auf-minensuche-in-der-foerde-id6597256.html

Das Medieninteresse ist gross,
http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Kieler-Bucht-Marine-sucht-erneut-nach-Minen,munition210.html
auch die  Deutsche Marine  (http://www.marine.de/portal/a/marine/!ut/p/c4/NUzLCsIwEPyjTepF9GbpRQQPXmy9JenSLDabsm7sxY83RZyBYWAe5mEq2b1pckqZ3Wx6MwQ6-hWSEyjoUQq_AIkjkiJDIkZ2fsUo8Cxz8i7EXy-iCEM1FKKiuW_XI0LIjLppXStVncRpFliy6LwlRaQmQKMZbNO1dm__aD6HS9td-_3Oduf2ZpaUTl8jyWp2/)berichtet

Ein interessanter Artikel über die verschiedenen Drohnen bei der Minenräumung
http://www.robotergesetze.com/2014/04/roboter-auf-tauchgang/

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 18 Juni 2014, 10:01:25
Hallo,
nicht nur die Munition im Meer kann die Schifffahrt behindern.
Zur Entschärfung einer Fliegerbombe in Kiel Neumühlen-Dietrichsdorf wird heute Nachmittag die Kieler Förde für die Schifffahrt gesperrt.
http://www.shz.de/lokales/kiel/fliegerbombe-foerde-wird-gesperrt-id6874291.html
Zitat
Für die Dauer der Entschärfung muss die Kieler Förde für die Schifffahrt gesperrt werden. Ein Korridor für kleine Boote wird jedoch frei bleiben. Das Kraftwerk wird evakuiert und abgeschaltet, wie ein Polizeisprecher mitteilte: „Über Land gilt ein Sperrgebiet von 500 Metern, über Wasser sind es 1000 Meter“, sagte der Sprecher. Wegen der Fährverbindungen sei der Termin spät am Nachmittag angesetzt worden.

Neben dem Kraftwerksgelände laufen Kampfmittelräumarbeiten für den Bau des neuen Gaskraftwerk
 http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/kraftwerk153.html
Zitat
Das Gelände muss von Kampfmitteln befreit werden

Die jetzt freigegebenen Mittel müssen vor allem dafür eingesetzt werden, das Gelände neben dem alten Kraftwerk von Altlasten zu befreien. Dabei handelt es sich vor allem um Kampfmittel aus dem alten Marinearsenal, die dort einst entsorgt wurden. Historische Unterlagen belegen, dass dort schon in frühen Jahren Sprengstoffe gelagert wurden. Hinzu kamen dann Munitionsreste aus den Weltkriegen.

Auf dem Gelände befand sich das Marinemunitionsdepot Neumühlen-Dietrichsdorf,  anschließend das S.V.K und die CPVA, die Angriffsziele bei Bombardierugen waren.

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Benjamin am 18 Juni 2014, 11:10:14
Vorletzte Woche wurde vor Bremerhaven auch noch Munition gefunden und direkt entschärft. Lag wohl in einer Fahrrinne. War da gerade zufällig in der Verkehrszentrale Bremerhaven, als die Operation stattfand.
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 17 Juli 2014, 18:51:49
Hallo,
unterstützt wurde der Kampfmittelräumdienst bei der Minensuche erstmalig durch den ständigen Minenabwehrverband der NATO (Standing NATO Mine Countermeasures Group 1 SNMCMG 1)
Zitat
Über den Zeitraum der Suche konnten 123 Objekte gefunden und sicher erfasst werden. Nach näherer Untersuchung wurden ein alter Torpedo und drei britische Grundminen als „gefährlich“ eingestuft. Abgesehen von einigen Kisten mit kleinkalibriger Munition konnten dagegen alle anderen Kontakte als „ungefährlich“ klassifiziert werden
 http://www.marine.de/portal/a/marine/!ut/p/c4/PYxNC8IwEET_0W5SD6XeLL0oCOJF621NlxDMR0m3CuKPNznoDPMuDwZvWBrp6SyJS5E8XnE0bnt_QaAM9JCVvWdgFxeSN8MSbVkwweq_XfBSbyYGkyJLpXAUV2gzScowpyy-mjXnYsBNOCo99KpVv-hPd2wOp7ZrNsO-P-Mcwu4LfIouLQ!!/
 

Zitat
An der Operation waren Soldaten aus Deutschland, Estland, Litauen und Dänemark mit sechs Einheiten beteiligt. Die dänische Marine setzte auch große Drohnen ein...
Die Untersuchung der Funde übernimmt der Kampfmittelräumdienst. http://www.kn-online.de/Lokales/Kiel/Kieler-Bucht-Minenjaeger-finden-weitere-Sprengkoerper

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 17 August 2014, 21:59:24
die Arbeiten zur Kampfmittelräumung der zweiten Fahrrinne haben ,wie angekündigt begonnen
Die Marine unterstützt die Arbeiten u.a.mit dem Minenjagdboot "Überherrn" ,Minentauchern und der Minenjagddrohne "Seefuchs"
Hallo,
die Räumarbeiten mit Unterstützung des Minenjagdboot "Überherrn" war der Aufhänger für den heutigen Bericht des Deutschlandfunks "Bomben in der Tiefe"  ,der die weltweite  Munitionsversenkung im Meer zum Thema hat
http://www.deutschlandfunk.de/versenkte-munition-bomben-in-der-tiefe.740.de.html?dram:article_id=294186
Was bei mir u.a. hängenbleibt:
- Die chemischen Auswirkungen der Munitionsversenkungen sind in der Umwelt und in der Nahrungskette längst angekommen,
- die monetären Folgen am Beispiel Offshorewindpark Riffgat mit Mehrkosten von 100 Mio € auch
-die drastischen provokativen Worte zur theoretischen Gefährdung der Schifffahrt  durch das Versenkungsgebiet "Kolberger Heide:
Zitat
"Jetzt stellen Sie sich mal vor so eine Situation, Sie haben ein großes, sagen wir mal eine Fähre, die Fähre hat einen Ruderschaden, Wind kommt aus einer ungünstigen Richtung. Es ist Niedrigwasser, das Schiff driftet da rein. Dann war aber die Costa Concordia echt ein Kindergeburtstag dagegen. Weil, wenn Sie in so einem Kugelhaufen eine Bombe zünden, fliegen die ihnen alle um die Ohren."

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 17 August 2014, 22:10:31
Hallo,
als Ergebnis der laufende Kampfmittelsuche des Sommers sollen
"vier Torpedoköpfe und vier Grundminen aus zwei Abschnitten beim Kieler Leuchtturm entfernt und in das nahe gelegene Munitions-Versenkungsgebiet Kolberger Heide gebracht werden"
http://www.kn-online.de/Lokales/Kiel/Weitere-Kriegsmunition-in-Kieler-Bucht-wird-entschaerft

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: RonnyM am 18 August 2014, 10:40:45
...ich glaube, ich muß meine unbändige Lust auf Fisch wohl überdenken. Der Bericht des DF war ja überdeutlich. Das Schlimme daran die alte Leier: Die Länder haben kein Geld... :MS:

Grüße Ronny
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: codog am 18 August 2014, 17:33:32
"...Die Länder haben kein Geld..."

und die Deutsche Marine übt seit jahrzehnten das Minenräumen.

Gruß
codog
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 08 Oktober 2014, 22:00:46
Hallo,
eine Blindgängerräumung landseitig in Kiel-Holtenau wird morgen ab 15 Uhr zu einer Sperrung der Schleusen führen http://www.shz.de/lokales/kiel/fliegerbombe-nahe-der-kanalschleuse-gefunden-id7883186.html
Das betroffene Gebiet http://www.kiel.de/leben/sicherheit/_bombenraeumung.php

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Elektroheizer am 08 Oktober 2014, 23:03:40
"...Die Länder haben kein Geld..."

und die Deutsche Marine übt seit jahrzehnten das Minenräumen.

Gruß
codog
Wie oben schon angemerkt, hatte ich das schon woanders zur Diskussion gestellt. Ist halt eine Frage der Kostenstelle. Hauptsache, alles ist schön ordentlich geregelt. Ist in anderen Bereichen nicht anders, auch daß es so im Endeffekt für alle teuer wird ist dabei egal. Wobei hier in meinen Augen noch ein Punkt ist, daß niemand mehr den Tod von Wehrpflichtigen durch einen Unfall beim Mineneräumen verantworten will.
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Kajot am 15 Oktober 2014, 10:15:30
Diese Misere erinnert mich an unsere marode Infrastruktur. Man hat es jahrelang sich selbst überlassen und nichts getan, obwohl jeder weiß, dass es uns oder den nachwachsenden Generationen auf die Füße fallen wird.
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 01 Januar 2015, 22:02:55
Hallo,
"Munition im Meer"  mal wieder Thema im Fernsehen
http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/meer-munition-100.html
ab 3.30 min Kieler Förde Einsatz mit  ex Feuerlöschboot Kiel

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: TD am 02 Januar 2015, 00:09:13
Hallo Beate,
gut da Du und mit so wichtigen Informationen zu diesen immer ernster werdenden Thema ersorgst.

Ich bin ja auch schon einige Jahrzehnte bei diesen Thema im Boot, leider habe ich ja auch nur 10 Finger und die sind dazu noch alt und lahm.

Jetzt fiel mir wieder der Satz auf:

So versenkte die deutsche Marine in den letzen Kriegswochen allein in Flensburg knapp 70.000 Granaten mit Tabun und Senfgas, um sie dem Zugriff der Alliierten zu entziehen.

Trotz vielen Bemühungen habe ich gerade zu diesen deutschen Versenkungen vor Mai 1945 nicht finden können.
Vielleicht hat ja hier schon einer Genaues zu diesen Spruch gefunden ??

Ich würde mich freuen wenn hier Jemand noch etwas helfen könne

Danke nochmals

Theo
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: smutje505 am 02 Januar 2015, 11:49:11
Hallo hier ein Artikel aus der OZ
Titel: Senfgas Flensburger Förde
Beitrag von: bettika61 am 02 Januar 2015, 15:29:30
Lieber Theo,
unter dem Stichwort "Senfgas in der Flenbsurger Förde" habe ich bereits an anderen Stellen zu diesem Thema berichtet
Stefan Nehring hat das Thema in Waterkant 2012 unter der Überschrift
"Codename »Spaten« – Giftgas in der Flensburger Förde" publiziert. http://www.stefannehring.de/downloads/226_Nehring-2012_Waterkant-1-12_giftgas-flensburg.pdf

Die AG "Munition im Meer" hat das Thema und darauffolgende Untersuchungen in der Fortschreibung 2012 und 2013 aufgenommen http://www.schleswig-holstein.de/UXO/DE/Bericht/Bericht_node.html und damit die Recherchen von Nehring  bestätigt
Zitat
Munitionsbelastung der deutschen Meeresgewässer
– Entwicklungen und Fortschritt – (Jahr 2012)
2.3.3.2 Flensburger Förde
Nach Auswertung neu erschlossener Dokumente und sich daran anschließender Neubewer-tung bereits vorhandener Dokumente ist nunmehr belegt, dass
•   Munition nicht nur am Ausgang des Kleinen Belts, sondern auch schon auf dem Weg von und nach Flensburg versenkt wurde;
•   Senfgas-Munition neben Tabun-Munition Bestandteil der zur Versenkung bestimmten Munition war (Kennzeichnung von Granaten mit einem gelben Ring),
•   Teile der Gasmunition mindestens ab dem Passieren von Glücksburg bereits im Bereich der Flensburger Förde über Bord gegeben wurden;
•   eine versenkte Menge von rund 1.200 Tonnen Kampfstoffmunition auf den ehe-maligen Zufahrtswegen zum Versenkungsgebiet als Größenordnung angenommen werden muss.

In der Folge konnte eine erforderliche Verfahrensuntersuchung im Auftrag der Deutschen Marine in dem als betroffen festgestellten Bereich geplant werden. Die Messfahrt mit moderner geophysikalischer Ortungstechnik wurde im November 2012 durchgeführt. Bereits die ad hoc Auswertung der Messdaten erlaubte die Feststellung, dass
• die Versenkungen mit höchster Wahrscheinlichkeit in dem im April/Mai 1945 minenfreien Seeweg (Zwangsweg) erfolgt sind;
• bis zu 20 Großsprengkörper, vermutlich ebenfalls Fieseler Fi 103 „V1“-Raketen entdeckt wurden;

• ein Teil der gemessenen physikalischen Eigenschaften des Meeresgrundes den Schluss nahelegen, dass an verschiedenen Stellen Körper eingebracht wurden, die ein für Artilleriemunition typisches Signal reflektieren.

Die Sonardaten werden durch Mitarbeiter in den Laboren der Wehrtechnischen Dienststelle 71 aufbereitet und ausgewertet werden. Diese Ergebnisse werden dann den Geodatenspezialisten des Unterwasserdatenzentrums der Bundeswehr übermittelt werden, die das Marinekommando im BLANO-Expertenkreis vertreten. Im Wege der Amtshilfe werden die interpretierten Ergebnisse dem zuständigen Kampfmittelräumdienst des Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein übergeben werden. Dieser entscheidet über weitere Maßnahmen zur Gefahrerforschung im betroffenen Seegebiet.
Fortschreibung 2013
3.2.3.4 Flensburger Förde
Diese Daten werden aktuell in Zusammenarbeit zwischen der deutschen Marine, der Wehrtechnischen Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen (WTD 71) und dem LKA SH umfassend weiter ausgewertet, um nach Möglichkeit den Nachweis von Kampfstoffen zu führen und diese ggf. in Lage und Menge zu bestimmen. Die Arbeiten hierzu dauern noch an. Bislang hat die Datenlage noch nicht zu konkreten Funden geführt
3.3.2 Anfragen an Landesregierungen
• Am 07.03.2013 ging im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein (MELUR) eine RESOLUTION kommunaler Gemeindevertreter zur sofortigen Beseitigung aller Kampfmittel in der Flensburger Förde ein. Die Resolution wurde
an das für die Kampfmittelbeseitigung zuständige Innenministerium (IM) weitergeleitet. IM und MELUR werden die gewonnenen Daten in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr umfassend weiter auswerten.
Seitdem gab es keine neuen Informationen!
 Warum 2 Jahre nach der Messfahrt noch keine Ergebnisse vorliegen oder veröffentlicht wurden, ist nicht nachzuvollziehen . Die Auswertung sollte durch Dienststellen der Deutschen Marine erfolgen.

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 20 Februar 2015, 19:00:12
Hallo,
die Minensuche geht weiter ,
Zitat
Im Bereich des Verkehrstrennungsgebietes (VTG) Kiel Lighthouse wird voraussichtlich ab 23.02.15 im Fahrwasser des VTG in Fahrtrichtung Kiel ein Sperrgebiet durch g-r-g Tonnen und Leuchttonnen (Fl.y) mit Toppzeichen liegendes Kreuz bezeichnet. Innerhalb des Sperrgebietes finden Unterwasserarbeiten durch verschiedene Fahrzeuge, auch durch Marinefahrzeuge, statt. Zeitweise können innerhalb des Gebietes weitere Tonnen, verankerte Geräte und zahlreiche orangefarbenen Bojen ausliegen.
Zusätzlich ist auch mit Arbeiten von Marinefahrzeugen S-lich des genannten Sperrgebietes im Bereich bis zum Leuchtturm Friedrichsort zu rechnen http://www.mein-ostseehafen.de/service-fuer-skipper/sperr-warngebiete.html#kieler_foerde

Angekündigt war eine Unterstützung durch die Standing NATO Mine Counter-Measures Group ONE (SNMCMG1).
Zitat
Ende Februar will  Commander Bergen Henegouwen wieder nach Kiel zurückkommen. Dann will er mit dem Nato-Verband nach Minen, Torpedos und Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg in der Kieler Bucht suchen. Eine ähnliche Aktion hatte im vergangenen Frühling zum Auffinden erheblicher Mengen alter Kriegsmunition vor Kiel geführt.  http://www.kn-online.de/Lokales/Kiel/Nato-Einsatzverband-Flottenbesuch-in-Kiel

Seit Anfang Februar kann der KMRD anteilig  das "modernste Spezialschiff Schleswig-Holstein"die "Haithabu" mit benutzen
Zitat
Das Schiff steht dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume sowie dem Havariekommando für die Ölbekämpfung auf der Ostsee zur Verfügung. Aber auch Experten des Kampfmittelräumdienstes nutzen die «Haithabu» für die Bergung von Munitionsaltlasten aus dem Zweiten Weltkrieg. Robert Habeck, Schleswig-Holsteins Umweltminister (Grüne): «Es ist die Aufgabe von diesem Schiff und auch vom Umweltministerium, die Munition zu kartografieren und zu systematisieren. Und der Kampfmittelräumdienst fährt dann mit diesem Schiff raus, geht dann mit Tauchern ins Wasser http://video.tagesspiegel.de/4045051582001

Bisher verfügte der KMRD über kein eigenes Schiff und war auf die Unterstützung durch andere Behörden angewiesen.

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 22 Februar 2015, 17:58:56
Hallo,
die AG "Munition im Meer" hat den Fortschrittsbericht 2014 veröffentlicht
http://www.schleswig-holstein.de/UXO/DE/Bericht/Bericht_node.html
darin 1.2.3.5 VTG Kiel Lighthouse und Kolberger Heide
Zitat
.....Die Funde von Blindgängern englischer Grundminen
im Fahrwasser der Kieler Förde hat der Expertenkreis
zum Anlass genommen, gezielte historische
Recherchen im Militärarchiv Freiburg durchzuführen.
Im Ergebnis konnte eine deutliche Verdichtung
von Grundminenwürfen durch die Royal Air
Force entlang des im Zweiten Weltkrieg minenfrei
zu haltenden Schifffahrtsweges, des so genannten
Zwangswegs, ermittelt werden. Weitere Recherchen
in deutschen und alliierten historischen Dokumenten
ergaben das gleiche Bild für die gesamte westliche
Ostsee.
Im Bereich der Kieler Bucht wurden durch die Alliierten
nach bisherigen Recherchen im Zeitraum
11.04.1940 bis 25.04.1945 insgesamt 3.896 Minen
gelegt, wobei davon 119 Minen als Fehlwürfe auf
Land fielen oder im Flachwasser geborgen wurden.
Von den 3.777 erfolgreich abgeworfenen Minen gelangten
in der Folge 95 zur Umsetzung und versenkten
oder beschädigten ebenso viele Schiffe. Darüber
hinaus wurden bis zum 31.12.1944 nachweislich
1002 Minen geräumt. Es ist davon auszugehen, dass
in der Zeit vor Ende des Zweiten Weltkriegs noch
intensiv geräumt wurde, so dass schätzungsweise
bis zu 500 weitere Minen beseitigt wurden. Auch
nach dem Krieg wurde intensiv geräumt, wobei bis
1972 mit etwa 1.000–1.300 Räumungen zu rechnen
ist. Folglich befinden sich im Gebiet der ehemaligen
Zwangswege in der Kieler Bucht noch bis zu
880 Blindgänger englischer Grundminen.....
Da würden mich die verwendeten Quellen, insbesondere für die geräumten Minen, interessieren
Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: TD am 22 Februar 2015, 18:16:21


Hallo Beate,

dass sind Zahlen bei welchen man heute noch eine Gänsehaut bekommen kann.
Vor über 40 Jahren waren zu bestimmten historischen Themen ganze Gruppen Maineoffizier in Freiburg bzw. schon vorher wurden monatelang ganze Aktenstösse per Dienstfahrzeug dort abgeholt für historische Arbeiten.

Vermutlich kammen diese Forschungen nicht zur richtigen Stelle oder hatten andere Themen.

Gut dass Du so hart am Thema bleibst.

Bis dann

Theo
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 22 Februar 2015, 20:53:23
Hallo Theo,
das interessante an der Aussage, von 3.896 abgewordenen Minen im Bereich Kieler Förde werden noch bis zu 880 Blindgänger vermutet (das sind über 20 %) ,ist der Vergleich mit der Aussage im ursprünglichen Langtext des Berichtes 2011  :
Zitat
Nach übereinstimmender Auffassung der befassten
Fachleute ist im dargestellten Kartenbereich [Anm (Abbildung 3, Abbildung
4)]
nur noch mit einzelnen, auf dem Grund liegenden Minen zu rechnen, bei denen eine Gefahr der Detonation erst durch Bewegen der Mine unter Fremdeinwirkung zu befürchten ist.

Die 20% wurden von kürzlich von Kapitänleutnant a.D. Uwe Wichert bestätigt
Zitat
80 Prozent der Minen und Munition sind nach Einschätzung Wicherts geborgen. Aber immer noch lägen bei uns Tausende von Tonnen an Land und unter Wasser http://www.kn-online.de/Lokales/Rendsburg-Eckernfoerde/Experte-Auch-im-Wittensee-koennten-noch-Kriegs-Hinterlassenschaften-ruhen

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 24 Februar 2015, 11:22:57
Hallo,
der Einsatz des Minenabwehrverbandes SNMCMG1 in der Kieler Förde  ist geplant vom 25.2-3.3.2015 . Zusätzlich werden ein Minentaucherteam der Deutschen Marine sowie das Mehrzwecklandungsboot „Schlei“ den Einsatz begleiten.
http://www.schiffsjournal.de/munitionsbeseitigung-im-schifffahrtsweg-richtung-kieler-foerde-wird-fortgesetzt/

Vorher war er Verband in Gdynia https://www.facebook.com/snmcmg1

Grüsse
Beate

Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: smutje505 am 25 Februar 2015, 17:44:20
Hallo aus den Kieler Nachrichten:Kiel.In der Kieler Bucht hat am Mittwoch die Suche nach weiterer Kriegsmunition begonnen. Dabei sind vor der Einfahrt in die viel befahrene Kieler Förde Minenabwehrschiffe aus mehreren Nato-Staaten im Einsatz. Nach Angaben eines Marinesprechers läuft die Suchaktion in einem drei Quadratkilometer großen Gebiet zunächst bis Freitag. Nach einer Unterbrechung am Wochenende werde sie am Montag und Dienstag fortgeführt.
In dem Suchbereich nahe des Kieler Leuchtturms wurde dazu ein Sperrgebiet eingerichtet. Im vergangenen Jahr hatten Marineschiffe in diesem Bereich vier englische Grundminen und ein Torpedo ausfindig gemacht. Die Munition wurde entschärft und in ein Versenkungsgebiet nordöstlich von Laboe gebracht. 2013 waren es 31 Minen. Mehr als 40 000 Seeschiffe befahren jährlich die Kieler Förde.
Hier noch ein Bild vom 23.2.15 (KN)Die Beseitigung von Munition in Küstennähe ist eine heikle Aufgabe. Wenn die Fliegerbomben und Minen mit Zündern geräumt werden müssen, bleibt oft nur die Sprengung, so wie hier in der Kieler Förde.
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 02 März 2015, 19:22:35
Hallo,
die Kampfmittelsuche des NATO-Verbandes wurde erfolgreich abgeschlossen. Die Suche war eine gemeinsame Aktion mit der  Schifffahrtsverwaltung, Landeskriminalamt, Umweltministerium, Wasserschutzpolizei und dem Kampfmittelräumdienst , letzterer  ist  formal zuständig.
Möglich war der Einsatz der Marine durch ein Amtshilfeersuchen des Landesinnenministerium.
Zitat
183 verdächtige Gegenstände wurden in der vorigen Woche von Mittwoch bis Freitag nahe des Kieler Leuchtturms aufgespürt, in 24 Fällen wurde Sprengstoff nachgewiesen. 14 Grundminen, 4 Fliegerbomben, 1 Torpedo und eine Kiste mit Munition waren dabei.http://www.kn-online.de/Lokales/Kiel/Marine-setzt-Suche-nach-Kriegsmunition-in-Kieler-Bucht-fort
Da  noch mit  800 Minen in der Kieler Bucht gerechnet wird, kann die Suche noch Jahre dauern.

Auf dem anderen Fördeufer wurde auf dem Gelände des geplanten Kraftwerks, ehemals Marinemunitionsdepot, wieder ein Bombenblindgänger gefunden , der morgen zur Sperrung der Kieler Förde führen wird. http://www.kn-online.de/Lokales/Kiel/Evakuierung-Amerikanische-Fliegerbombe-wird-am-Dienstag-beim-Gemeinschaftskraftwerk-Kiel-entschaerft

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: ufo am 19 März 2015, 16:03:32
Heute war es dann auch bei uns in der Lokalzeitung: HMS Pembroke hier aus unserer Naval Base Faslane war beim SMMCMG1 mit dabei. Fuer die scheint das eine ausgesprochen willkommene Erfahrung gewesen zu sein ihre Minentaucher mit echten Knallkoerpern arbeiten zu lassen. 

Drollig nach all den Jahren in Schoenkirchen so zwei verknuepfte Lokalbezuege aus einem Leben in der Zeitung zu sehen.

Ufo
Titel: Bombenbergung Kadetrinne
Beitrag von: bettika61 am 06 April 2015, 12:33:49
Hallo,
 Dokumentation der Bergung und -beseitigung von Wasserbomben aus einem Wrack  in der Kadetrinne 2013, eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt
https://www.youtube.com/watch?v=0PmhhG55KoQ

Der Name des "Kriegs"Schiffes  :MZ: war leider nicht bekannt ,
 Position 54° 27,583' N ; 012° 11,852' E
Zitat
Die Position der Wasserbomben befindet sich dicht westlich der Tonne 71 in der Kadetrinne im westwärts führenden Tiefwasserweg. https://www.elwis.de/BfS/bfs_start.php?target=3&source=1&aboexport=abo&db_id=71156
Versenkung vermutlich 1944 durch Fliegerangriff.

Gibt es Hinweise, welches Schiff es gewesen sein könnte?
Edit: in "Versunken und verschollen" Nr.142 unbekannter KFK (K Vs...) 45 FliBo Weg 1 Kadetrinne
 54° 27,61' N ; 012° 11,88' E
könnte der Lagemässig hinkommen?

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 25 Mai 2015, 22:31:10
Hallo,
der Aufbau eines "Munitionskatatasters Meer MuKa-SH" soll die Suche nach Kampfmitteln im Meer erleichtern. Was das Projekt besonders interessant macht, sind die geplante Abbildung recherchierter Historischer Dokumente und Karten in Verknüpfung mit den Geodaten.
http://dfabgmbh.de/wp-content/uploads/FT14/1214.pdf
Zitat
Das Projekt im VTG Kiel hat Pilotcharakter, da mit der Verminung weiterer Seewege im deutschen Küstenmeer und der damit notwendigen Beräu-mung gerechnet werden muss http://www.academia.edu/8886255/Munitionskataster_Meer_-_MuKaSH

Zitat
Auf Initiative des Expertenkreises „Munition im Meer“ im BLANO hat die Firma EGEOS nun im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (FuE) des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und Technologie des Landes Schleswig- Holstein den Aufbau eines GeoCMS in Angriff genommen....
Die Hauptaufgabe zum Aufbau des Katasters liegt aktuell zunächst in der Informationsbeschaffung über versenkte Munition und im Weiteren über die sukzessive Präzisierung dieser räumlichen Informationen. Konkret geht es darum, Archive, wie zum Beispiel das Bundesarchiv in Freiburg und das dortige Marinearchiv, und historische Dokumente zu untersuchen, um Hinweise über mögliche Entsorgungsorte zu erhalten. ..Spätestens zum zweiten Quartal 2015 soll das Kataster offiziell in Betrieb genommen werden http://www.business-geomatics.com/bg/index.php/forschung-entwicklung-2/542-maritime-altlasten
.

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: smutje505 am 01 Juni 2015, 17:11:35
Hallo nicht nur in der Kieler Bucht:Strand wegen Suche nach Munition gesperrt
Ende 2014 hatte ein Sturm in Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) Munitionsreste freigespült. Bis zum 19. Juni sollen sie entfernt werden.
Boltenhagen. Im Ostseebad Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) wird von Montag an der Strand für eine Munitionssuche abschnittsweise gesperrt. Betroffen ist ein etwa 500 Meter langer Abschnitt westlich der Seebrücke. Ende 2014 hatte ein Sturm dort Munitionsreste freigespült. Daraufhin waren bei gezielten Grabungen des Munitionsbergungsdienstes weitere Munitionsteile und eine Granate entdeckt worden. Nach Angaben des Innenministeriums soll nun der gesamte Abschnitt systematisch untersucht werden. Ziel sei es, die Arbeiten bis zum 19. Juni abzuschließen, so dass der Strand zur Hauptbadesaison wieder vollständig nutzbar ist. Vor einem Jahr musste schon der Strand im Ostseebad Rerik (Landkreis Rostock) für acht Wochen gesperrt werden, weil dort an einem aufgespülten Abschnitt Weltkriegsmunition gefunden wurde und daraufhin eine großangelegte Räumung nötig war.(Ostseezeitung)
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 01 Juni 2015, 21:58:53
Hallo,
bei diesem Thema lohnt es sich immer zu fragen, wo kommt die Munition ursprünglich her, wie kommt sie an den Strand. Die militärische Nutzung, Erprobungsstelle Tarnewitz,
an den Strand kam die Munition bei  Boltenhagen und auch Rerik durch Sandaufspülung .
Das Thema ist nicht neu, (aus 2003)
Zitat
Von Waffenerprobungsstellen der Wehrmacht an der Ostseeküste war teilweise bis Kriegsende Munition unterschiedlichen Kalibers verschossen worden, so unter anderem auch von der Erprobungsstelle für Bordwaffen auf Tarnewitz bei Boltenhagen auf feste und schwimmende Seeziele. Dieses Erbe auf dem Grund der Ostsee wurde in den vergangenen Jahren unbeabsichtigt mit Saugbaggern bei Küstenschutz-Aufspülungen wieder zu Tage befördert
http://www.welt.de/print-welt/article416036/Explosive-Fundstuecke-im-Sand.html

Die Kartierung der betroffenen Flächen bei "Munition im Meer" soll verhindern , das ähnliche Fehler wieder gemacht werden.

Grüsse
Beate

Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: smutje505 am 02 Juni 2015, 09:09:34
Hallo Beate danke für die Ergänzung  top
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Big A am 02 Juni 2015, 10:32:46
Laut NDR, "Aktuell" gestern Abend, 21:45 Uhr, erfolgt die Sperrung zwecks Räumung erst jetzt, zu Beginn der Feriensaison (!!!), weil man sich nicht auf die Finanzierung der Aktion einigen konnte. Nun zahlt erst einmal das Bundesland!

Axel
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 02 Juni 2015, 13:27:49
Hallo,
nicht überraschend kommt nun die Frage, hätte man von der Munitionsbelastung
des Sandentnahmegebietes "Trolle Grund" wissen müssen ? https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Munition-Strand-in-Boltenhagen-teilweise-gesperrt,munition252.html
Was ich im Beitrag vermisse , seit   wann gilt das Gebiet als munitionsbelastet wann war die Sandaufspülung??
Wie alt ist diese Seekarte (http://watchsalon.de/Karten/Uebersicht-Warnemuende-Kirchdorf.JPG) ,
die Karte Munition im Meer 2011 http://www.schleswig-holstein.de/DE/UXO/TexteKarten/PDF/Karten/karte_5.html ,

Wie sieht die Seekarte heute aus?

Grüsse
Beate


Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 02 Juni 2015, 22:04:05
Laut NDR, "Aktuell" gestern Abend, 21:45 Uhr, erfolgt die Sperrung zwecks Räumung erst jetzt, zu Beginn der Feriensaison (!!!), weil man sich nicht auf die Finanzierung der Aktion einigen konnte. Nun zahlt erst einmal das Bundesland!

Axel
Hallo,
in der Frage welches Ministerium in M-V ist verantwortlich , schieben sich 4 Ministerien  den schwarzen Peter zu.
Zitat
Dies soll seinen Kollegen, Innenminister Lorenz Caffier, (CDU) auf die Palme gebracht haben. Sein Ministerium, zuständig für den Munitionsbergungsdienst und die Kampfmittelberäumung, will sich nicht den „Schwarzen Peter“ zuschieben lassen
Bereits Ende Dezember 2014 sei das zum Umweltministerium gehörende Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) über den Munitionsfund offiziell informiert worden, teilte das Innenministerium auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Doch erst Ende Februar ist der Antrag des Stalu auf Beräumung des Strandes in Boltenhagen beim Munitionsbergungsdienst eingegangen“, heißt es weiter in der schriftlichen Antwort....
Fragen musste sich auch das Energieministerium gefallen lassen. Das zum Ministerium gehörende Bergamt hatte die Förderung des Sandes aus dem „Trollegrund“ vor Kühlungsborn im Herbst 2013 für den Küstenschutz in Rerik und für die Strandverbreiterung in Boltenhagen genehmigt. Nach Informationen unserer Zeitung war spätestens seit dem Jahr 2000 bekannt, dass die Sandentnahmestelle „Troller Grund“ munitionsbelastet ist. Firmen, die dort vom Meeresgrund Sand abbauen, ist die Benutzung von Spezialsieben deshalb vorgeschrieben. Trotzdem gelangte die Munition an die Strände von Rerik und Boltenhagen..
Ein Interesse am schnellen Abschluss der Munitionssuche in Boltenhagen bekundete das Wirtschaftsministerium, das die Strandverbreiterung 2013 mit 800 000 Euro bezahlte
http://www.svz.de/mv-uebersicht/strand-gesperrt-wer-hat-schuld-id9868996.html

Das Umweltministerium wird sich jetzt fragen lassen müssen, ob der bekannte Kampfmittelverdachts beim Genehmigungsverfahren berücksichtigt wurde.
Die Umsetzung des Planungsauftrages durch den Munitionsbergungsdienst von Februar bis heute mit öffentlicher Ausschreibung ist eine sportliche Leistung  top .
Zum historischen Hintergrund :
Wustrow / Rerik war Flakartillerieschule und Luftwaffenübungsplatz der Wehrmacht
und später in gleicher Funktion durch die Rote Armee genutzt
Zitat
Die sowjetische Armee übte – ebenso wie vorher die Reichswehr – das Schießen auf bewegliche Luftziele. Zu diesem Zweck wurden große Luftsäcke von Flugzeugen über den Horizont gezogen; die Flugzeuge starteten in Pütnitz bei Ribnitz-Damgarten und flogen einen großen Halbkreis um die Insel. Neben den fest installierten Flakgeschützen wurde auch der Kampf mit Flakpanzern, die mit Zwillingsrohren ausgestattet waren, geübt. Die Flakpanzer schossen auf Boden-, See- und Luftziele. Die Seeziele wurden mit einem Schiff auf die Ostsee hinausgeschleppt. Bei solchen Übungen war die See bis zu 15 Kilometer für jegliche Verkehr gesperrt http://de.wikipedia.org/wiki/Wustrow_(Halbinsel)

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 03 Juni 2015, 10:32:34
Hallo,
die Stellungnahme des Umweltministers ließ nicht auf sich warten
http://www.regierung-mv.de/cms2/Regierungsportal_prod/Regierungsportal/de/lm/?pid=99567
Zitat
...Wir gehen davon aus, dass die Munition nicht durch das Aufspülen unmittelbar an den Strand gelang“, stellte der Minister klar.
In Zusammenarbeit der beteiligten Ämter, dazu gehören unter anderem der Munitionsbergungsdienst, das Bergamt und das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt, wurde ein Verfahren entwickelt, damit keine Munition und Munitionsreste mehr an den Strand gelangen können. Dabei wird das Material zunächst beim Aufsaugen und ein zweites Mal beim Ausbringen ausgesiebt, magnetisch kontrolliert, damit keine „neuen“ Munitionsreste an den Strand gelangen können. Die Anwendung des Verfahrens wird durch eine unabhängige Baubegleitung auf dem Bagger-/Spülschiff 24h am Tag sichergestellt und protokolliert....
..
„Durch die bei der Verteilung des aufzuspülenden Sandes erforderlichen Arbeiten am Strand können sich bereits am Strand vorhandene alte Munitionsreste aus dem zweiten Weltkrieg oder von der NVA mit dem aufgespülten Material vermischen. Insbesondere der Spülstrom fördert tieferliegendes Material an die Oberfläche. Auch darf nicht vergessen werden, dass durch die Küstendynamik Munitionsreste frei- oder angespült werden können“, erklärte Dr. Backhaus
Boltenhagen taucht bisher in dieser Karte (http://www.schleswig-holstein.de/DE/UXO/TexteKarten/PDF/Karten/karte_5.html) nicht auf.

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 05 Juni 2015, 12:14:19
Hallo,
der Erklärungsversuch des Umweltministers Backhaus bleibt nicht unwidersprochen
http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Regeln-fuer-Strandaufspuelungen-verschaerft,munition254.html
Zitat
Kritik am Vorgehen der Behörden bei der Strandaufspülung wies Backhaus zurück. 2013 hatte ein Baggerschiff Sand vom Grund der Ostsee vor Rerik abgesaugt und auf die Strände von Rerik und Boltenhagen gespült. Dabei sei der Sand zweimal gesiebt und auf metallische Gegenstände untersucht worden, so Backhaus, weil der Bereich bereits als munitionsbelastet galt. Die Protokolle eines externen Kontrolleurs würden jetzt aber noch einmal überprüft.
 
Absaug-Gebiet seit dem Jahr 2000 als "munitionsbelastet" markiert
 
Nachdem im Jahr 2000 der Strand in Rerik mit Sand aus diesem Gebiet aufgespült wurde, wurden anschließend große Mengen Munitionsteile gefunden. Daraufhin vermerkte der Munitionsbergungsdienst das Gebiet in seinen Karten als munitionsbelastet. Trotzdem wurde dann 2013 die erneute Sandgewinnung genehmigt - wenn auch unter Auflagen.

Backhaus vermutet, dass die Munitionsteile sowohl in Rerik als auch in Boltenhagen bereits im Strand lagen und nur durch den Druck, der beim Aufspülen entsteht, zu Tage gefördert wurden. Dem allerdings widersprechen die Experten des Munitionsbergungsdienstes
Was mir fehlt, ist die Aussage ob und wenn ja was, an Kampfmitteln beim Sieben vor dem Aufspülen gefunden wurde.
Immerhin wurde jetzt die Auflagen für Sandaufspülungen verschärt
Zitat
So muss der Bereich, an dem Sand vom Meeresboden abgesaugt werden soll, erst mit einem Metalldetektor abgesucht werden. Bislang gab es diese verbindliche Vorgabe nicht

Bisher gefunden wurden 6 Granaten bis 4 cm und ein Zünder aus dem 2.Weltkrieg http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Sechs-Granaten-im-Sand-von-Boltenhagen-gefunden,munition258.html

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 10 Juni 2015, 18:52:13
Hallo,
die Presserklärung des Innenministers  (http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:IxP1azT0jWIJ:www.regierung-mv.de/cms2/Regierungsportal_prod/Regierungsportal/%3Fpid%3D99934+&cd=5&hl=de&ct=clnk&gl=de)Caffier, ließ nicht auf sich warten
da sie schon im Netz verschwunden ist  :-D, ein längeres Zitat, (Hervorhebungen von mir)
Zitat
Bei Sandbaggerarbeiten auf See anlässlich geplanter Sandaufspülungen im Bereich von Rerik und Boltenhagen kam es im Herbst 2013 zu insgesamt drei Einsätzen, zu denen der Munitionsbergungsdienst des Landes (MBD M-V) zur Bergung von insgesamt vier Stück 8,8 cm Sprenggranaten aus dem Saugkopf eines Baggerschiffes gerufen wurde.

Seit einer Sandaufspülung im Jahr 1997 aus der Lagerstelle Trollegrund, bei der offensichtlich Kampfmittel an den Strand von Rerik mit aufgespült wurden und im Jahr 2000 aufwendig und kostspielig beräumt werden mussten,  ist die Sandentnahmestelle "Trollegrund" als kampfmittelbelastet bekannt und im Kataster eingetragen. Sie liegt im Sicherheitsbereich des Flak-Versuchsplatzes Rieden-Kühlungsborn, von dem aus zu Versuchen auf die offene See geschossen wurde.

Aufgrund der Erkenntnisse des Munitionsbergungsdienstes erfolgte im Zuge des Genehmigungsverfahrens für die geplanten Sandbaggermaßnahmen im Jahr 2010 in der Phase der Anhörung zum Antrag auf Erteilung einer Bewilligung für die Gewinnung mariner Sande in den Küstengewässern – Lagerstätte Trollegrund durch den MBD M-V der Hinweis auf Munitionsfunde bei Sandentnahmen zum Küstenschutz. In einem entsprechenden Schreiben hat der MBD hier empfohlen, für das Baggergut ein mit dem MBD abgestimmtes Verfahren, z.B. eine Behandlung und Prüfung von Sanden bereits auf See z.B. an Bord des Baggereschiffes, zur Anwendung zu bringen.  Auch im Falle einer später erfolgten Anfrage eines Ingenieurbüros zur Sandentnahme aus der Lagerstätte Trollegrund im Jahr 2011 erfolgte die Kampfmittelbelastungsauskunft mit Hinweis auf Munitionsfunde bei Sandentnahmen zum Küstenschutz in der Vergangenheit.  Auch hier wurde nochmals empfohlen, das mit dem MBD abgestimmte Verfahren auf See zur Anwendung zu bringen.

.Die mit Rerik verbundene Halbinsel Wustrow war im 2. Weltkrieg Flak-Schule und in der Teufelsschlucht (1,4 km entfernt vom Reriker Ortskern in Richtung Nordosten) ist Munition gesprengt worden In diesem Bereich gab es in der Vergangenheit immer mal wieder Einzelfunde von Kampfmitteln.

Nach insgesamt 7 Soforteinsätzen am Strand von Rerik im Frühjahr 2014, bei denen 51 Granaten der Kaliber 13 mm bis 7,5 cm (enthaltene Explosivstoffmasse von 3,4 kg und 16,8 kg Kampfmittelfragmenten) geborgen wurden, hat die örtlich zuständige Ordnungsbehörde auf Empfehlung des MBD M-V den Strand gesperrt. Anschließend erfiolgte eine Beräumung des Strandbereiches mittels Durchsieben des aufgespülten Sandes....
Insgesamt wurden bei dieser Beräumung 304 Granaten bis zum Kaliber 10,5 cm, 71 Zünder sowie 1.527 kg Munitionsteile durch die vom Munitionsbergungsdienst beauftragte Firma geborgen und an den MBD M-V übergeben.
Der Auftragswert der Beräumung betrug rund 670.000,- €, zuzüglich Managementkosten und Kosten für die Überwachung und Kontrolle sowie für den Abtransport und die Vernichtung der geborgenen Kampfmittel.

Ende Juni vergangenen Jahres, also rund sechs Wochen nachdem die umfänglichen Siebarbeiten in Rerik begonnen hatten, bestätigten sowohl die mit der Strandaufspülung beauftragte Firma, als auch  dass mit der örtlichen Bauüberwachung der Nassbaggerarbeiten auf See beauftragt Ingenieurbüro, dass bei den Baggerarbeiten ein Sieb mit einer Maschenweite von 15 mm eingesetzt worden sein soll und dass das Grobkorn (> 15 mm) zur Separation an einem Magnetabscheider vorbeigeführt wurde, der alle magnetischen Bestandteile herausfiltern sollte. Ferner sollen nach jeder Baggerung die Anlagen unter Beisein der örtlichen Bauüberwachung auf etwaige Funde kontrolliert worden sein. Dabei soll keine weitere Munition bzw. Munitionsschrott festgestellt worden sein.

Innenminister Lorenz Caffier: „Bisher konnte leider die Frage noch nicht beantwortet werden, warum während der gesamten Maßnahme der Strandaufspülung, bei der rund 170.000 m³ Sand aus einer stark belasteten Fläche des Meeresgrundes wohl durch das Sieb mit einer Maschenweite von 15 mm gelaufen ist, kein einziger Fund eines Kampfmittels von Bord des Baggerschiffes dem Munitionsbergungsdienst  gemeldet wurde
..
Anhand der genannten Erkenntnisse ist aus Sicht des Munitionsbergungsdienstes auch nachgewiesen, dass die geborgenen Kampfmittel nicht aus einer noch nicht erkannten Sprengstelle im Strandbereich stammen können, sondern es sich um verschossene Kampfmittel handelt, die sich funktionsgemäß durch Auslösung des Zeitzünders in der Luft zerlegt haben und ins Meer gefallen sind.

„Am Strand von Boltenhagen sind vor der Aufspülung keinerlei Kampfmittelfunde nachgewiesen worden, so dass ein Zusammenhang mit der Strandaufspülung offensichtlich ist“, stellt Innenminister Lorenz Caffier im Ergebnis fest. „Die Hinterlassenschaften des 2. Weltkrieges der ehemaligen NVA sowie der GUS-Streitkräfte stellen auch heute noch eine sehr ernstzunehmende Gefahr dar, die es in keinem Fall zu unterschätzen gilt
Naheliegend , das die Fachaufsicht des Umweltministeriums bei der Strandaufspülung mangelhaft war.Viel "Sprengstoff" für die Koalition.
Das hat auch Auswirkungen auf die Kostenübernahme
Zitat
Über die Kosten ist noch nichts bekannt. Aus dem Innenministerium heißt es, dass üblicherweise der Bund für Munitionsbergung aufkomme, in diesem Fall sei mit einer Kostenübernahme wohl nicht zu rechnen, da die Munition nachträglich an den Strand gebracht wurde http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Granaten-in-Boltenhagen-Caffier-kontra-Backhaus,munition260.html
Eine etwas verkürzte Darstellung , die Staatspraxis (http://www.arbeitshilfen-kampfmittelraeumung.de/Kapitel/1202820540144.html) sieht so aus, das Land
übernimmt die Kosten für die von den Alliierten verursachten Kampfmittel,
der Bund die Kosten für die ehemals reichseigene Munition und für bundeseigenen Grundstücke .

Unklar ist bisher  die Regelung im Meer.

Grüsse
Beate
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 18 Juni 2015, 20:27:59
Hallo,
die Minister haben sich verständigt  :wink: http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/108531/3048580
Zitat
Die Minister erklären gemeinsam: "Die Herkunft der Munition kann nicht abschließend geklärt werden. Belastbare Aussagen zur Herkunft der Kampfmittel sind aufgrund von mehreren Aufspülungen seit Ende der 1980er Jahren nicht möglich."
So sieht ein politischer Kompromiss aus, die Fragen bleiben.
Wie kommen
Zitat
28 Granaten zwischen 2 und 7,3 cm, 7 Zünder, 3 Patronen sowie ca. 150 kg Munitionsteile
durch ein 15mm Sieb, oder das "Grobkorn" an einem Magnetabscheider vorbei bei 24h Bauüberwachung ?
Aber es gibt Konsequenzen
Zitat
Die bei der derzeitigen Untersuchung gefundenen Kampfmittel erfordern jedoch die Überprüfung des technischen Verfahrens. Dies soll bis zum Spätherbst unter Hinzuziehung externen Sachverstands erfolgen. Darüber hinaus müssen die Entnahme des Spülguts und die Selektion der Munition auf dem Schiff und an Land begleitend durch zertifizierte Munitionsexperten intensiver kontrolliert werden", so die Minister.
Zum Abschluß wird es interessant
:
Zitat
" Außerdem werden wir das Gespräch mit dem Bund suchen, um gemeinsam eine Lösung für das grundsätzliche Problem der Munitionsbelastung in der Ostsee zu finden.
Ein Thema, das die AG "Munition im Meer" bisher aus gutem Grund außenvor gelassen hat.

Grüsse
Beate
Edit: die gute Nachricht, die Räumarbeiten sind einen Tag früher wie vorgesehen , abgeschlossen top http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Munition-am-Strand-von-Boltenhagen-geraeumt,munition274.html
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 28 Juni 2015, 21:46:13
Hallo,
Ein Exkurs in die Nordsee, vor dem Bau des  windpark Sandbank (http://corporate.vattenfall.de/globalassets/deutschland/presse/pressefotos/c2_gesamtkarte_windprojekte.jpg) westlich von Sylt hat man im Baufeld 26 Ankertauminen mit Magnetometer-Sensoren entdeckt. 1/3 stammt aus dem 1.Weltkrieg, der Rest aus dem  2.Weltkrieg.
http://news.vattenfall.com/de/article/minenentschaerfung-am-offshore-standort-sandbank
Die historische Recherche mit Archivmaterial hatte keine Hinweise auf die Minen ergeben. http://w3.windmesse.de/windenergie/news/18547-vattenfall-mit-neuer-methode-gegen-altlasten-im-meer

Sind Euch aus der Historie Hinweise über die mögliche Herkunft bekann
t?

 Die Entschärfung der Minen wurde erstmalig bei einem Windpark komplett ferngesteuert  mittels Plasmastrahl ausgeführt.

Grüsse
Beate
Titel: Munition im Meer: Roboter für die Munitionsbergung?
Beitrag von: bettika61 am 06 Januar 2016, 17:33:18
Hallo ,
zum Jahresanfang mal eine gute Nachricht für "Munition im Meer":

Zitat
Mit einem Roboter soll Munition im Meer in Zukunft vollautomatisch beseitigt werden können. Dies ist Ziel eines entsprechenden Millionenprojekts, das Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck heute (05. Januar) gemeinsam mit dem technischen Direktor Jan Kölbel von der Heinrich Hirdes EOD Services GmbH vorgestellt hat....

Das Projekt RoBeMM wurde von einem Entwicklungsverbund aus Industrie und Forschung unter Leitung der Heinrich Hirdes EOD Services GmbH und Beteiligung des Kieler GEOMAR mit Hilfe des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums entwickelt und wird mit rund 3,2 Millionen Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Ziel des dreijährigen Projektes ist es, den Prototyp einer Maschine zu entwickeln, die am Meeresgrund Munition vollautomatisch unschädlich macht und umweltgerecht entsorgt.
http://www.bundesumweltportal.de/schleswig-holstein/18-schleswig-holstein/munitionsbeseitigung-im-meer-grossprojekt-soll-roboter-entwickeln-umweltminister-habeck-das-markiert-einen-wendepunkt-beim-umgang-mit-der-bedrueckenden-altlast.html

Das sah 2013 noch anders aus
Zitat
Die Universitäten Kiel und Hannover und zwei Fraunhofer-Institute wollen deshalb einen ganz neuen Weg gehen: mit autonomen Robotern, um das Problem der Altlasten im großen Stil zu bekämpfen. Unbemannten U-Booten gleich, sollen sie eigenständig zum Meeresgrund hinabtauchen, dort Munition aufspüren, sie unschädlich machen und zum Entsorgen an die Oberfläche bringen. Das wäre eine Weltneuheit – und würde den Räumern im Rennen gegen die Korrosion einen Vorteil verschaffen: So ein Roboter könnte etwa drei bis fünf Taucher ersetzen. Damit würden auch die Kosten pro Entschärfung deutlich sinken, auf etwa ein Zehntel, schätzt Warner Brückmann. Doch das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat den Förderantrag für das Projekt abgelehnt. ..
In einem Schreiben vom April 2013 erklärte der zuständige Staatssekretär Thomas Rachel (CDU) dazu: "Im Ergebnis vermochte der Projektvorschlag (...) leider nicht ausreichend zu überzeugen." Weil in dem Ablehnungsbrief aus Berlin aber keine konkreten Gründe angeführt werden, mutmaßen in Kiel manche, dass man in Berlin einfach die immensen Kosten fürchte, sollte das Thema Meeresmunition wirklich angegangen werden. "Es ist ja klar, dass wir dann von Kosten in Höhe von einigen Hundert Millionen oder gar von Milliarden sprechen, das ist natürlich kein attraktives Thema", sagt Jürgen Kroll, Dezernatsleiter des Kampfmittelräumdienstes von Schleswig-Holstein. Zwar versuchen die am abgelehnten Projekt beteiligten Wissenschaftler gerade einen neuen, stärker auf die Situation vor den Küsten Schleswig-Holsteins zugeschnittenen Förderantrag beim Wirtschaftsministerium durchzubringen, aber das kann dauern.http://www.zeit.de/2014/33/munition-meer-weltkrieg/seite-2

Die Fragen zur Übernahme der Kosten für zukünftige Räumungen bleibt weiterhin ungeklärt, die Frage wird offiziell lieber nicht gestellt. Der Bund hat bisher seine Nichtzuständigkeit erklärt.


Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bodrog am 06 Januar 2016, 18:26:08
Ich bin skeptisch (allein von der Finazierung her) und frage mich auch, ob das Dingens die verklappten Giftgasgranaten (von denen in den Wracks reden wir lieber nicht) beseitigen kann
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 06 Januar 2016, 20:26:01
Hallo bodrog,
bei diesem Thema sind wichtig kleine Schritte und Öffentlichkeit.
Die offshorewindparks und auch die Minen in der Kieler Förde haben gezeigt, das man dem Thema nicht mehr ausweichen kann und welche Kosten die Kampfmittelräumung  mit sich bringt. Bei Riffgatt waren es
100 Mio Euro, die die Allgemeinheit über den Strompreis mit bezahlt.

Zitat
„Die Haltung der politisch Verantwortlichen ist seit Jahrzehnten unverändert: Eine flächendeckende Bergung ist zu riskant und mit der heute verfügbaren Technologie zu teuer. Deshalb muss die Munition dort liegen bleiben, wo sie liegt“, fasst Kölbel zusammen.

Auf eine Anfrage der Bündnis 90/Die Grünen zur Munitionsbeseitigung antwortete die Bundesregierung im November 2014: „Wo keine Gefährdungssituation besteht, gilt nach wie vor der Grundsatz, dass versenkte Munition und Kampfmittel wegen des mit einer Bergung verbundenen Risikos am besten dort verbleiben, wo sie liegen.“ http://www.energie-winde.de/faszination-und-technik/details/eine-bombengeschichte-munitionsaltlasten-im-meer.html

Dazu Minister Habeck
Zitat
Nach Jahrzehnten der Ignoranz werde das Problem der Munitions-Altlasten im Meer mittlerweile endlich zur Kenntnis genommen, sagte Minister Habeck. Mit einem Erfolg des auf drei Jahre angelegten Projektes könnte es eine wirtschaftliche Lösung geben....
Wann die geplante neue Technik für die Praxis verfügbar sein wird, ist noch offen. Ebenso unklar ist, in welchem Umfang sie tatsächlich zum Einsatz kommen wird. Das hängt davon ab, welche Priorität der Bund der Beseitigung der Altlasten im Meer gibt und wie viel Geld er dafür bereitstellen wird. "Jahrzehntelang wurde dieses Kriegserbe im Prinzip quasi nur verwaltet und im wahrsten Sinne des Wortes liegen gelassen", sagte Habeck. Das Roboter-Projekt, an dem auch das Fraunhofer-Institut und die Uni Leipzig beteiligt sind, könne einen Paradigmenwechsel bedeuten. http://www.zeit.de/news/2016-01/05/umwelt-unterwasser-roboter-soll-munition-beseitigen-helfen-05162602
 

Ich erwarte auch nicht, das man sich zuerst an die flächenhafte Räumung von versenkter Giftgasmunition macht, zuerst kommen die Flächen, die wirtschaftlich genutzt werden. Wenn die dabei entwickelten Verfahren die Kosten massiv senken , sehen wir weiter.
Die Funden an den Stränden in  M-V haben das Problem in die Öffentlichkeit und dicht an die Menschen herangetragen. Dort musste man die möglichen Kampfmittelverdachtsflächen so ausweiten, das fast keine Sandentnahmegebiete ohne das Problem zur Verfügung stehen. Auch da muss man jetzt umdenken
Titel: waterkant 4/2015 neue Statistik über Unfälle mit Munitionsaltlasten
Beitrag von: bettika61 am 08 Januar 2016, 20:17:15
Hallo,
Stefan Nehring hat seine Statistik über Unfälle mit Munitionsaltlasten und versenkten Giftkampfstoffen in Nord- und Ostsee aktualisiert, er listet eine fast doppelt so hohe Opferzahl wie vor acht Jahren auf: Mindestens 418 Tote und 720 Verletzte sind bis heute in der im Juni 1945 beginnenden Bilanz nachgewiesen http://www.extremnews.com/nachrichten/natur-und-umwelt/71fb15a3df50200

waterkant 4/2015 (http://www.stefannehring.de/downloads/283_Nehring-2015_Waterkant-4-15_update-munitions-unfaelle.pdf)

Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 08 Februar 2016, 14:10:28
Hallo,
Diese Jahr  erhielt der KMRD beim Minenräumen in der Kieler Förde Unterstützung durch den Nato-Einsatzverband SNMCMG 1
Zitat
Zum Einsatz kommen dabei die Minenjäger „Ramsey“ (Großbritannien)  und „Dillingen“ (Deutschland). Außerdem werden Minentaucher mit der Unterwasserdrohne „Remus“ eingesetzt. Der Tender „Donau“ unterstützt die Einheiten bei der Suche als Führungsplattform. Die Wasserschutzpolizei wird die Einheiten ebenfalls absichern, da die Suchgebiete zum Teil im vielbefahrenen Fahrwasser für die Schifffahrt liegen....
Bei der Suche vertrauen die Minenjäger dabei auf deutsche und norwegische Rüstungstechnik. Die „Ramsey“ und die „Dillingen“ setzen deutsche Sonare und die Drohnen vom Typ „Seefuchs“ ein.
...Im vergangenen Jahr fanden die Nato-Minenjäger in zwei Tagen allein 183 verdächtige Objekte. Darunter waren  14 hochbrisante Grundminen, ein Torpedo und eine Kiste mit Kriegsmunition.
http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Nato-Einsatzverband-Briten-und-Deutsche-raeumen-Minen-vor-Kiel.
Ende Januar kamen die Minenjäger zum Einsatz
Zitat
.....  Dabei wurden 68 minenähnliche Gegenstände auf nur neun Quadratkilometern Meeresgrund geortet. Die Identifizierung und Beseitigung dieser Kontakte soll der Kampfmittelräumdienst in den kommenden Monaten vornehmen. Die Suche und Beseitigung von Minen wird möglicherweise noch Jahrzehnte dauern.
http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/in-der-Kieler-Bucht-fand-der-Fischer-Konrad-Fischer-eine-Mine
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Klaus F. am 08 Februar 2016, 19:54:53
Hallo in die Runde,
den Link mit Waterkant Nr. 4 vom Dezember 2015 habe ich mit Interesse gelesen.
Dabei war in der Rubrik: Unfälle mit versenkter Munition an der deutschen Nordseeküste
unter der Nummer 12: 24.02.1946 - Unterelbe, Seemine - Detonation, Fährdampfer Lichtwark versenkt, 97 Tote.
Vor etwa 10 Jahren habe ich für eine Bekannte zum Thema Zerstörer Z 30 recherchiert, weil ihr Vater auf diesem
Boot diente. Und ausgerechnet beim Untergang der Lichtwark kamen 97 ehemalige Besatzungsmitglieder von Z 30
ums Leben. Allerdings wurde in der Chronik von Z 30 nicht von einer Seemine berichtet, sondern von sehr schlechtem
Wetter und Seegang, wodurch der kleine Passagierdampfer kenterte. Was ist da nun richtig?
Gruß
Klaus F.
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: TD am 08 Februar 2016, 20:43:25
Die meisten Meldungen sprechen vom Sturm vor der Ostemündung.

Gruß

Theo
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 08 Februar 2016, 20:48:52
Hallo Klaus,
Wir hatten das Thema Lichtwark schon mal ausführlich http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,10520.15.html
aber ohne Hinweis auf eine Mine
Frage doch mal http://www.stefannehring.de/
Es würde mich interessieren wie belastbar seine Angaben sind.
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Klaus F. am 09 Februar 2016, 09:32:39
Hallo Beate,
ich werde mich bei der angegebenen Adresse demnächst erkundigen.
Der Film über die Bergung der "Lichtwark" zeigt eigentlich keine
besonderen Schäden durch eine Minenexplosion (also direkte Zerstörungen).
Ich habe da noch ein Foto von Z 30 in der Nyland-Werft (Oslo), da kann man
die enorme Wirkung der Minenexplosion sehen, welche das Boot/Schiff am
20.10.1944 erlitten hat. Ich stelle das Bild demnächst ins Forum. Danke
auch für die Informationen.
Gruß
von
Klaus F.
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Klaus F. am 09 Februar 2016, 19:24:15
Chronik Zerstörer Z 30

Zusatzbemerkung > 24. Februar 1946:
Nach Kriegsende sind 97 Kameraden bei einem
Schiffsunglück auf der Unterelbe mit dem Aus-
flugsdampfer „Lichtwark“ am 24.02.46 ertrunken,
bzw. vermisst. Der von Norwegen mit Kamerad
Burmeister (OLt.z.See) in Hamburg angekommene
Transport sollte nach Cuxhaven zur weiteren Ver-
wendung - Minensuchaufgaben - gebracht werden.
Die Namensliste der verunglückten Kameraden ist
der Marinekameradschaft Z 30 bekannt.

Information von Theodor Dorgeist:

Buch > Hundert Jahre HADAG-Schiffe 1888-1988
Arnold Kludas
Verlag Koehler, Herford, 1988, Seite 108.

Am 24. Februar 1946 sollte die „Lichtwark“ Angehörige der Deutschen Minensuch-
verbände von Brunsbüttelkoog nach Cuxhaven bringen. Wegen des stürmischen
Wetters wollte der Schiffsführer nicht auslaufen, mußte das aber auf britischen Befehl
hin tun. Die Fähre schlug gleich nach dem Verlassen Brunsbüttelkoogs leck und sank.
104 Personen ertranken.
(Anmerkung: Die Untergangsstelle liegt zwischen  Brunsbüttelkoog und der Oste-
mündung, also im Bereich der Unterelbe )

Hafenfähre „Lichtwark“ (Baujahr 1928, Hamburg, Stülcken-Werft, Baunummer 652)
142 BRT; Abmessungen: 23,55 x 6,50 x 2,20 m; 250 PSi; 9,3 kn; S/fe; HADAG-Hamburg.
Ab 1943 als Luftschutzboot (Löschdampfer) in Hamburg eingesetzt. Am 24. Februar 1946
vor der Oste-Mündung im Sturm gesunken. Gehoben, repariert und 1957/58 Umbau zur M/fe.
Ab 3. Oktober 1977 > portugiesische „Castelo“  (Informationen von Theodor Dorgeist, 19.03.2006)
(Lichtwark = Alfred Lichtwark, *1852 -  1914, Hamburg, Kunsthistoriker u. Kunstpädagoge)

20.10.1944: Oslofjord - Minenschaden auf Z 30. - Reparatur in der Nyland-Werft in Oslo, ab dem 21.10.1944.
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Klaus F. am 11 Februar 2016, 22:46:57
Hallo Beate,
ich habe mit Herrn Dr. Nehring kontakt aufgenommen.
Die Info ist von der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart
unter:
http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/minen/minenverluste.htm
Die Lichtwark ist zwar unter der Rubrik Verluste - 1946 - aufgeführt,
aber seltsamerweise ist das Verlustjahr mit 1945 angegeben, und der Verlust
selbst ist unter "Seeminen" - wie alle anderen Schiffsverluste auch aufgezeichnet.
Nun ja, - möglicherweise wollten die englischen Freunde doch von ihrem blöd-
sinnigen Befehl, das überfüllte Boot bei üblem Wetter auslaufen zu lassen, ablenken
und haben - Minenverlust - als Ursache angegeben, und das wurde in dieser Statistik
einfach übernommen und steht so bis zum heutigen Tag. Aber NEIN, - sowas würden
die Lords bestimmt nicht tun...!

Danke auch noch an alle anderen Mitwirkenden im Fall "Lichtwark".
Grüße
von
Klaus F.
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 05 März 2016, 17:26:50
Die offshorewindparks und auch die Minen in der Kieler Förde haben gezeigt, das man dem Thema nicht mehr ausweichen kann und welche Kosten die Kampfmittelräumung  mit sich bringt. Bei Riffgatt waren es
100 Mio Euro, die die Allgemeinheit über den Strompreis mit bezahlt.
Hallo,
am Beispiel Riffgatt wird anhand eines Kabelschadens auch deutlich, das eine Kampfmittelräumung im Meer nur temporär vorhält.
Zitat
Denn bevor die eigentliche Reparatur beginnen kann, musste die Stelle, an der das defekt Kabelstück entlangläuft, erneut weiträumig auf Weltkriegsmunition untersucht werden. Schätzungen zufolge entgehen der EWE durch den Ausfall rund sieben Millionen Euro pro Monat. Über die Netzentgelte müssen dafür aber letztlich die Stromkunden aufkommen. http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Probleme-mit-Kabel-Riffgat-liefert-keinen-Strom,riffgat162.html
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 10 April 2016, 12:13:52
Zitat
Hallo ,
zum Jahresanfang mal eine gute Nachricht für "Munition im Meer":

Zitat

Mit einem Roboter soll Munition im Meer in Zukunft vollautomatisch beseitigt werden können. Dies ist Ziel eines entsprechenden Millionenprojekts, das Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck heute (05. Januar) gemeinsam mit dem technischen Direktor Jan Kölbel von der Heinrich Hirdes EOD Services GmbH vorgestellt hat....
.....
Ein weiteres Forschungsprojekt in Richtung Munitionbeseitigung das vom Bund bezuschusst wird, wurde jetzt vorgestellt .
Zitat
Muscheln sollen bei Munitionsbergung helfen
....
Muscheln als Helfer der Forscher

Dafür wollen die Wissenschaftler zunächst herausfinden, welche konkreten Folgen die Munition im Meer für die Natur hat. Dies soll mithilfe von Muscheln gelingen: Als natürliche Sensoren können sie wichtige Erkenntnisse darüber liefern, wie sich etwa Schwermetalle auf die Umwelt auswirken. Ziel ist, auf Grundlage dieser Erkenntnisse chemische Parameter zu entwickeln - um später künstliche Sensoren herstellen zu können, die die Muscheln ersetzen und Gefahrengebiete dauerhaft überwachen können.

Vorerst sollen die Muscheln auch registrieren, ob und welche Schadstoffe beim Entschärfen von Munition freigesetzt werden. Dafür wurden bereits erste Käfige mit Muscheln im Munitionsversenkungsgebiet Kolberger Heide nordöstlich vor Laboe in die Ostsee gesetzt. Später werde die Nordsee folgen, sagte Geomar-Direktor Herzig. Der Bund fördert dieses Forschungsprogramm mit 1,6 Millionen Euro.
https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Muscheln-sollen-bei-Munitionsbergung-helfen,munition290.html
Hört sich erstmal wenig aufregend an, aber bisher verhinderte die Aussage der Bundesregierung von  2014
Zitat
  „Wo keine Gefährdungssituation besteht, gilt nach wie vor der Grundsatz, dass versenkte Munition und Kampfmittel wegen des mit einer Bergung verbundenen Risikos am besten dort verbleiben, wo sie liegen.“
jeden Lösungsansatz.
Eine Gefährdung der Umwelt durch von der Munition ausgehenden Schadstoffe wurde bisher bestritten:
Zitat
Derzeit ist nicht erkennbar, dass eine großräumige Gefährdung der marinen Umwelt über den lokalen Bereich der munitionsbelasteten Flächen hinaus vorhanden oder zukünftig zu erwarten ist. http://www.schleswig-holstein.de/DE/UXO/Kurzfassung/kurzfassung_node.html
Wirtschaftliche Überlegungen könnten da helfen.
Zitat
Vor diesem Hintergrund hofft Wirtschaftsminister Meyer, dass sich das schleswig-holsteinische System aus vollautomatischer Munitionsentsorgung und begleitender Umweltforschung irgendwann zu einem Exportschlager entwickelt
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 18 Mai 2016, 23:22:10
Hallo,
die MS Haithabu ist im Versenkungsgebiet Kolberger Heide im Einsatz
http://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein-am-sonntag/alte-munition-in-der-ostsee-es-schwelt-an-der-oberflaeche-id13700331.html

Die Untersuchungen sind Teil des Projektes UDEMM (Umweltüberwachung vor, während und nach der DElaboration von Munition im Meer)
http://www.geomar.de/de/service/kommunikation/singlepm/article/munition-im-meer/
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: juergenwaldmann am 19 Mai 2016, 10:06:05
Danke Beate ,
das ist auch eine sehr gefährliche Arbeit für die Munitionssucher .

In München wohnte ich 1969-1972 in der Occam Strasse , das Zimmer war
war nahe der Kneipe " Schwabinger 7 " , die vor einigen Jahren , bei der Bomben
Entschärfung in die Luft flog . Die Bombe lag unter der Kneipe in der ich viele
schöne Stunden als Junggeselle verbummelt habe . Alle Häuser im Umkreis
wurden mehr oder weniger stark beschädigt , zum Glück ohne Personenschaden .

Wenn ich Deine Berichte lese denke ich immer daran , dass auch in unseren Städten
heute noch viele Bomben liegen , die dringend gesucht und entschärft gehören .
Gruss  Jürgen
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 19 Mai 2016, 19:02:33
Hallo Jürgen,
Danke für Dein persönliches Statement :MG:
Das Thema Blindgänger an Land würde hier den Rahmen sprengen,
ich verweise aber  immer gerne auf die Überlegungen von Claus Kinder von 1957 !
http://m.spiegel.de/spiegel/print/d-41760104.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=https://www.google.de/.
"Erst suchen, dann bauen " die sich erst heute, 60 Jahre später langsam durchsetzen  :BangHead:

Wenn das Thema aber  einen Marinestandort erreicht, werde ich berichten  :wink:
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 03 Juni 2016, 23:00:23
Hallo,
Die AG "Munition im Meer"  hat den Fortschrittsbericht 2015 veröffentlicht
http://www.schleswig-holstein.de/DE/UXO/Berichte/PDF/Berichte/ad_blano_fortschritt2015.html
viele interessante neue Informationen, die auch hier schon Thema waren , dabei :MG:
Von mir lange erwartet, nun endlich dabei "V 1 Versenkungen in der Flensburger Förde"
die seit der Meßfahrt 2012 im Raume stand , aber ohne Folgen blieb :MS:
Zitat
Entwicklungen und Fortschritt – (Jahr 2012)
2.3.3.2 Flensburger Förde...
Die Messfahrt mit moderner geophysikalischer Ortungstechnik wurde im November 2012 durchgeführt. Bereits die ad hoc Auswertung der Messdaten erlaubte die Feststellung, dass
die Versenkungen mit höchster Wahrscheinlichkeit in dem im April/Mai 1945 minenfreien Seeweg (Zwangsweg) erfolgt sind;
• bis zu 20 Großsprengkörper, vermutlich ebenfalls Fieseler Fi 103 „V1“-Raketen entdeckt wurden;
• ein Teil der gemessenen physikalischen Eigenschaften des Meeresgrundes den Schluss nahelegen, dass an verschiedenen Stellen Körper eingebracht wurden, die ein für Artilleriemunition typisches Signal reflektieren. http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,18301.msg259100.html#msg259100

2015 der 1.Hinweis bei ELWIS
Zitat
Deutschland.Ostsee.Flensburger Förde, Unrein Munition, Ankerverbot.aktuell gültig:ja Karte(n):(16) 26 (INT 1360) und 100 Geografische Angabe in:WGS 84 Geografische Lage:~54°49,375‘N 009° 43,224’E Zeit der Ausführung:Ab sofort, bis auf weiteres Gültig von:12.06.2015 Gültig bis (einschl.):auf Widerruf  https://www.elwis.de/BfS/bfs_start.php?target=3&source=1&aboexport=abo&db_id=108656

Das Ergebnis
Zitat
In 2015 wurden durch den Kampfmittelräumdienst zwei weitere Fundobjekte auf dem Grund der Außenförde als V1-Flugkörper identifiziert. Die Objekte waren zuvor im Rahmen einer Untersuchung mittels eines Sonar-tragenden, autonomen Unterwasserfahrzeugs6 entdeckt worden. Die nun erfolgte Identifizierung als V1-Flugkörper deckt sich mit den historischen Informationen über dieses Gebiet.....
Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurden von Flensburg aus neben der Kampfstoffmunition auch etwa 200 V1Flugkörper versenkt. Dies geschah durch das von der Luftwaffe bereederte Schiff „MARIE LOUISE“, das sich zuvor an den Fahrten zur Kampfstoffmunitionsversenkung beteiligt hatte. Aus den bisher recherchierten Dokumenten des Kampfmittelräumdienstes Schleswig-Holstein geht hervor, dass bereits in den sechziger Jahren V1-Flugkörper in der Außenförde gefunden und beseitigt wurden.
Könnte das diese http://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/luftwaffenfahrzeuge/luftwaffen_fahrzeuge_schiffe/ausgabe.php?where_value=861&kategorie=Transporter "Marie Luise" sein?

Das ausgewiesene Sperrgebiet gilt weiterhin, könnte das jemand auf einer Karte darstellen.?
Heißt zwei weitere Fundobjekte, das nun  22 V1 in der Förde vermutet werden?
Von Senfgasgranaten  aber weiterhin keine Informationen :MS:

Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 12 Oktober 2016, 21:49:14
Hallo,
nicht ganz überraschend, die Kampfmittelräumer beschäftigen sich auch mit Marinegeschichte  :MZ:
Zitat
In seinem Büro bei der Firma Heinrich Hirdes EOD Services in Hamburg-Harburg hat der technische Direktor Jan Kölbel auch ein volles Bücherregal. Allerdings ist es etwas einseitig bestückt und man darf annehmen, dass es nicht wirklich Kölbels Literaturgeschmack spiegelt: Ein kleines Archiv zur Geschichte der Marine hat er da zusammengestellt, lauter Bücher zum Thema Militär auf dem Meer, zum Beispiel die 68 Bände des Kriegstagebuchs der deutschen Seekriegsleitung von 1939 bis 1945 oder die gesammelten Aufzeichnungen der britischen Kriegsmarine aus jenen düsteren Zeiten....

Seit sechs Jahren ist Hirdes mit der Bergung von Meeresmunition befasst. Die Firma forscht intensiv zu dem Thema. Deshalb ist auch die Kriegsliteratur so wichtig, die Kölbel im Büro hat. Sie ist nur ein Ausschnitt von dem Archiv, welches das Unternehmen angelegt hat.
900 000 Seiten Material haben Mitarbeiter aus Archiven in den USA, Großbritannien, Australien und Deutschland gesammelt . Sie haben aus den Dokumenten ableiten können, welche Munition wo ins Meer gekommen ist - allerdings nicht die ganze Wahrheit, denn der Eintrag aus Kriegshandlungen ist ja nur ein Teil des Problems. http://www.sueddeutsche.de/wissen/beseitigung-von-kampfmitteln-die-stille-explosion-1.3144484

Bei der Menge Archivmaterial, wäre doch ein Austausch/Kontakt  wünschenswert  :-D
Titel: Re: Lübecker Bucht Sprengköpfe FI 103 ("V1" )
Beitrag von: bettika61 am 31 Oktober 2016, 14:14:08
Hallo,
in der Nähe von Niendorf/Ostsee ging einem Fischer der Raketenkopf einer FI 103 ("V1") ins Netz
Zitat
Nachdem die „Manuela Hauswald“ am Sonntag im Hafen festgemacht hatte, übernahmen Polizei und Spezialkräfte das Kommando. „Der Kampfmittelräumdienst rückte aus Groß Nordsee an“, bestätigte gestern ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) in Kiel, das in solchen Fällen zuständig ist. Bei dem ungewöhnlichen Fang handelt es sich, anders als am Sonntag zunächst von der Leitstelle angegeben, nicht um einen Torpedo- Sprengkopf, sondern laut LKA vielmehr „um den Rest eines V-1- Sprengkopfes“. http://www.ln-online.de/Lokales/Ostholstein/Munitionsfund-Statt-Dorsch-200-Kilo-Rakete-im-Netz

Dies war nicht der 1. Fund in der Lübecker Bucht, bereits 2011 waren 6 Sprengköpfe gefunden worden
Zitat
...Entdeckt wurden die Überreste der sogenannten Vergeltungswaffe V1 während der Suche nach angeblich 1961 in der Lübecker Bucht versenkten Gasflaschen. "Sie stammen vermutlich aus einer Munitionsfabrik in der Nähe von Lübeck oder aus der Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf der Insel Usedom", sagt Böttcher. Dort wurde während des Zweiten Weltkrieges die von den Nazis als Wunderwaffe propagierte V1 entwickelt. "Möglicherweise wurden die Sprengköpfe von dort kurz vor Kriegsende nach Schleswig-Holstein gebracht, um sie vor den russischen Truppen in Sicherheit zu bringen. Bei Kriegsende wurden sie jedenfalls von den Briten sichergestellt und auf deren Anweisung in der Ostsee verklappt. Das hat ein Militärhistoriker für uns recherchiert", sagt Böttcher....
http://www.abendblatt.de/region/article108158807/Unterwassersprengung-Luftsack-soll-Wale-schuetzen.html
Britische Versenkung halte ich für möglich, an der Herkunft Peenemünde oder Lübeck habe ich meine Zweifel.
Titel: Re: Senfgas Kleiner Belt
Beitrag von: bettika61 am 05 November 2016, 23:27:37
unter dem Stichwort "Senfgas in der Flenbsurger Förde" habe ich bereits an anderen Stellen zu diesem Thema berichtet
Stefan Nehring hat das Thema in Waterkant 2012 unter der Überschrift
"Codename »Spaten« – Giftgas in der Flensburger Förde" publiziert. http://www.stefannehring.de/downloads/226_Nehring-2012_Waterkant-1-12_giftgas-flensburg.pdf

Die AG "Munition im Meer" hat das Thema und darauffolgende Untersuchungen in der Fortschreibung 2012 und 2013 aufgenommen http://www.schleswig-holstein.de/UXO/DE/Bericht/Bericht_node.html und damit die Recherchen von Nehring  bestätigt
Hallo,
das http://besaettelsesmuseumfyn.dk/ hat dazu ein "passendes Fundstück".
Ein Senfgasbombe KC 250 wurde in Südfünen bei Bojden gefunden vermutlich bei Kriegsende. Die Untersuchung erbrachte, das sie leer war. So oder ähnlich hat mir eine Museumsmitarbeiterin den Text erläutert. Dabei handelt es um eine Expertise des "Sovaernets Fromandskorps EOD"
(Kampfmittelräumer dänische Marine  :?)
Vielleicht kann das ein dänischkundiger hier genauer  :-) übersetzen.

Dieser Fund befindet sich weit außerhalb des ausgewiesenen Versenkungs-und Sperrgebietes
http://www.schleswig-holstein.de/DE/UXO/Berichte/PDF/Karten/karte_3.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Aus dem Text von Nehring:
Zitat
Korvettenkapitän Kurt Jäckel vom Führungsstab der Bundesmarine wurde beauftragt,
alle vorhandenen Erkenntnisse zusammenzutragen und zu bewerten. Am 5. Dezember
1969 legte Jäckel seinen Untersuchungsbericht vor (4).Darin stellte er unter anderem fest, dass »ca.
5000 t Gasmunition und ca. 600 t V1-Geschosse von 3 Schiffen in 7 Fahrten« vor dem Südausgang
Kleiner Belt versenkt worden seien.....
»Die Granaten wurden von Hand über Bord geworfen und die Bomben in den Kisten aus dem Laderaum gehievt und über die Reling gekippt. Da die Kisten ziemlich wasserdicht waren, trieben sie noch längere Zeit an der Oberfläche.« So verwundert es auch nicht, dass 14 Jahre später, 1959, eine dieser 250 Kilogramm
schweren Gasbomben bis an den Strand der dänischen Insel Ærø gelangte, wo sie umgehend
gesprengt wurde. Jäckel führte weiter aus, dass nach Aktenlage de Gasmunition und die V1-Waffen noch
im Versenkungsgebiet lagerten. Ungeklärt sei jedoch, um welche Arten von Gasmunition es
sich handele....
Zu einer Beseitigung kam es bekanntermaßen bis heute nicht....
Zwischenzeitlich weiß man auch "offiziell" das Senfgasmunition dabei war.

Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 11 April 2017, 22:53:35
Hallo,
die Fortschreibung 2016 von "Munition im Meer " wurde vorgestellt
http://www.shz.de/regionales/bericht-zur-munitionsbelastung-im-meer-264-funde-in-nord-und-ostsee-id16558731.html
Die Arbeit des letzten Jahres ging eher geräuschlos voran, "business as usual", gewollt?
http://www.schleswig-holstein.de/DE/UXO/Berichte/PDF/Berichte/ae_blano_fortschritt2016.html;jsessionid=3648D299939BEBE4E90BDDA3A746CEE8

Die Minenräumung hat sich verlagert auf den Kiel–Ostsee-Weg (nordwestlich Fehmarn) und Lübeck–Gedser-Weg (ostwärts Fehmarn) mit bisher gefundene 36 englischen Grundminen.
Zitat
September und Dezember2016,
Gewässer um Fehmarn Im Rahmen von Manövern findet die Marine Grundminen und Torpedos auf den Seewegen Kiel–Ostsee-Weg (nordwestlich Fehmarn) und Lübeck–Gedser-Weg (ostwärts Fehmarn):
Ein Torpedokopf wird am 23.11.2016 auf dem Lübeck–Gedser-Weg gesprengt; die 84 minenverdächtigen Kontakte werden durch den Kampfmittelräumdienst, NATO-Kräfte und den Wracksuchdienst des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie überprüft. Dabei werden 36 Kontakte nordwestlich Fehmarn als englische Grundminen identifiziert. In der Folge werden 25 Minen durch Einsatztaucher des Kampfmittelräumdienstes Schleswig-Holstein sprengtechnisch entschärft. Mitte Dezember identifizieren Mitglieder der NATO-Einsatzgruppe SNMCMG 18dort weitere 28 Kontakte im Rahmen einer internationalen Einsatzübung. Alle Objekte an den überprüften Positionen sind ungefährlich. Die Arbeiten werden fortgesetzt

Nicht wirklich überraschend , höchstens der Zeitraum , seitdem die Information schon vorlag.
Zitat
19. Mai, Flensburger Förde, Neukirchengrund – KRD SH verlagert zwei Marschflugkörper Fi 103 „V1“, welche erstmals im Oktober 2010  durch die Bundeswehr dokumentiert wurden, in das MVG Kolberger Heide (siehe Abbildung 1.5).


Wer glaubt, das man sich endlich mit dem Thema Finanzierung auseinandersetzt, wird desillusioniert
Zitat
Am 16.11.2016 trat die „Richtlinie über die einmalige finanzielle Unterstützung der Länder durch den Bund für die Beseitigung ehemals alliierter Kampfmittel (Weltkriegsmunition) auf nicht bundeseigenen Liegenschaften“ in Kraft. Zu diesem Zweck waren im Zuge parlamentarischer Beratungen Finanzmittel in Höhe von 60 Mio. Euro bereitgestellt worden. Die Beseitigung von Munition im Meer ist jedoch nach Nr. 1 Abs. 3 Buchstabe c) von der Anwendung der Richtlinie ausgeschlossen
[Hervorhebung von mir)
Titel: Sylt: deutsche Fliegerbombe an der Hörnum Odde
Beitrag von: bettika61 am 20 April 2017, 09:51:28
Hallo,
an der Hörnum Odde wurde eine Bombe freigespült und vom KMRD gesprengt, etwas überraschend , es handelte ich um eine deutsche Fliegerbombe. In der Nähe befand sich der Seefliegerhorst Hörnum.

Zitat
An der Hörnum Odde musste gestern eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert gesprengt werden. Das hochexplosive, zirka 500 Kilogramm schwere Ungetüm war am Vortrag von Urlaubern gefunden worden. „Die Bombe lag unmittelbar an der Abbruchkante einer Düne und wurde im Laufe der Zeit durch die Gezeiten freigespült“, ...
..Zunächst wurde vermutet, dass die Bombe über Hörnum von alliierten Luftstreitkräften zum Ende des Zweiten Weltkriegs abgeworfen wurde, um die Flakstellungen zu zerstören, deren Überreste sich noch heute in den Dünen der Odde befinden. Vor Ort stellte sich jedoch heraus, dass es sich um eine Fliegerbombe deutscher Bauart handelt. „Warum sie gerade dort ausgeklinkt wurde, ist nach so langer Zeit schwer bis gar nicht mehr zu klären“, .....
http://www.shz.de/lokales/sylter-rundschau/bombenfund-an-der-hoernum-odde-id16620756.html
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 17 November 2017, 18:57:36
Hallo,
ein hörenswerter Beitrag im Deutschlandfunk
http://www.deutschlandfunkkultur.de/nach-zwei-kriegen-zeitbomben-in-der-ostsee.1001.de.html?dram:article_id=399594
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 04 Januar 2018, 12:52:54
Hallo,
Zitat
Seit August war die „Sulzbach-Rosenberg“ Teil des ständigen Nato-Minenabwehrverbandes 1, der unter dem Kommando eines lettischen Offiziers stand und zwischen Finnland und Nordirland operierte. Hauptaufgabe war die Suche nach alter Kriegsmunition. Unter dem Namen „Historic Ordnance Disposal“ wurde der Meeresgrund an verschiedenen Kampfschauplätzen auf Nord- und Ostsee sowie im englischen Kanal gezielt nach Munitionsrückständen untersucht

Ende November suchte der Nato-Verband auch in der Kieler Bucht. Die Einheiten fanden dabei allein elf Minen, die bislang noch unbekannt waren. Die Positionen wurden gemäß Vorschrift nicht sofort gesprengt, sondern an die Landespolizei gemeldet und sollen nun vom Kampfmittelräumdienst des Landes beseitigt werden. 
http://t.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Deutsche-Marine-Kieler-Minenjaeger-kehrte-aus-Nato-Einsatz-zurueck
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 30 April 2018, 21:27:39
Hallo,
https://youtu.be/GlxADbslYHw
"Munitionsbergung in der Ostsee Wie geht das" Reportage des NDR
Gut gemacht, zeigt Suche im Meer,  Sprengung
an Land und im Wasser  mit Blasenschleier  top



Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 23 Juli 2018, 19:06:58
Hallo,
Die geplante Sprengung einer deutschen Wasserbombe in der Fahrrinne zwischen Falckenstein und Laboe wird Morgen früh  zu Sperrungen der Schiffahrt und von Stränden führen. https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Bomben-Sprengung-Kieler-Foerde-morgen-gesperrt,wasserbombe110.html
Eine Entschärfung ist nicht möglich.




Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: jockel am 04 August 2018, 08:51:01
Nicht nur in Nord- und Ostsee...
Der niedrige Wasserpegel von Deutschlands Flüssen macht nicht nur der Schifffahrt zu schaffen. Er zeigt auch, was sich am Boden der Flüsse alles angesammelt hat.
Niedrigwasser der Elbe offenbart Weltkriegsmunition.  (https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/granaten-und-minen-niedrigwasser-der-elbe-offenbart-weltkriegsmunition/22873510.html)

Gruß
Klaus
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 04 August 2018, 15:44:56
Hallo,
ein Video von der Dekontamination eines mit Senfgas verunreinigten Fischkutters aus Gilleleje
https://youtu.be/U_jUGWRZu08
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 07 August 2018, 18:43:27
Hallo,
Minentaucher im Einsatz,  die BAD RAPPENAU   bei OPEN SPIRIT auf der Suche nach der Minensperre VEILCHEN VI. Die Beseitigung einer LMB nach einer Woche Einsatz, eine mühsame Arbeit.  :MG:
Zitat
Es ist eine sogenannte LMB, eine Abkürzung für Luftmine B.
Im Dezember des Jahres 1944 rasten sechs Schnellboote der Kriegsmarine von Ventspils in Lettland in Richtung Irbenstraße und warfen 38 dieser Minen in nur 20 Minuten. Zusammen ergeben sie die Minensperre mit dem Namen "Veilchen VI". Die Deutschen waren damals auf dem Rückzug von den baltischen Inseln. Den Weg ihrer Verfolger wollten sie so blutig wie möglich machen.13 der 38 Minen haben Minensucher der NATO in den letzten Jahren schon gefunden, jetzt also 14. Der Rest liegt noch am Meeresgrund und rottet vor sich hin. https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Minentaucher-entdecken-die-Langsamkeit,minentaucher158.html

aus der Chronik http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/44-12.htm
Zitat
Daher soll die 2. S-Schulflottille (Kptlt. Klose) auch die 2. Gruppe weitgehend in den Fronteinsatz ziehen. Diese baut im Dezember vorhandene Minensperren aus, am 1. und 11.12. die Minensperre »Veilchen« westl. der Irbenstraße, und am 21.12. die Minensperre »Olympia« in der Bucht von Pernau. Danach Gefechtsberührung mit sowjet. Fugas-Minensuchern. – Am 17.12. setzen S 64, S 69, S 73 und S 117 an der Ostküste der Riga-Bucht mehrere V-Männer ab. (Hümmelchen, 213)
Gibt es noch weitere Informationen zu diesem Einsatz?
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Urs Heßling am 08 August 2018, 11:10:26
moin, Beate,

Im Dezember des Jahres 1944 rasten sechs Schnellboote der Kriegsmarine von Ventspils in Lettland in Richtung Irbenstraße und warfen 38 dieser Minen in nur 20 Minuten. Zusammen ergeben sie die Minensperre mit dem Namen "Veilchen VI".
Gibt es noch weitere Informationen zu diesem Einsatz?
Ja :O/Y

11.12.44
Ostsee

Minenunternehmung „Veilchen VI“ in der Irbenstraße (38 LMB) unter Führung des Chefs der 2. Schul-Fltl, Kptlt H.-H. Klose https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Helmut_Klose (https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Helmut_Klose) mit den Booten
S 68 (OLtzS dR Schay, in der BuMa Kdr 2. Schnellbootgeschwader),
S 116 (ObStrm Deppe)
S 120 (OLtzS Ahrens) der 5. SFltl,
und
S 64 (OLtzS Wülfing, in der BuMa Kdr Schnellboots-Schulgeschwader),
S 69 (OLtzS Runge),
S 83 (LtzS Hoffmann)
S 117 (OLtzS Howaldt) der 2. Sch.Fltl

Wurfzeit : 15.39 - 15:58

Wurfposition ; 57o50,8' N, 21o52,5' Ost bis 57o48,5' N, 21o49,5' Ost

Quelle : KTB 2. Schnellboots-Schulflottille und eigene Dateien


Am 17.12. setzen S 64, S 69, S 73 und S 117 an der Ostküste der Riga-Bucht mehrere V-Männer ab. (Hümmelchen, 213)
Das ist (mal wieder) ein Hümmelchen-Fehler.
S 73 war schon im August 1943 an Spanien verkauft worden.
Das eingesetzte Boot war S 83 (s.o.)

Gruß, Urs
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 08 August 2018, 18:18:50
Hallo Urs,
Danke  :MG: auf Dich ist Verlass.
Die Frage woher die Minenräumer die Informationen haben
https://www.sueddeutsche.de/wissen/giftiger-weltkriegsschrott-bomben-am-meeresgrund-1.3991118
Ein bekannter Name  :-D
Zitat
Beim Aufräumen helfen auch militärhistorische Kenntnisse. Uwe Wichert etwa, ehemaliger Kapitänleutnant und Berater des Expertenkreis "Munition im Meer" im Bund-Länder Ausschusses Nord- und Ostsee (BLANO), durchforstet Archive nach Informationen zu Ort und Art von Munition. Er entschlüsselt zum Teil mehr als hundert Jahre alte Dokumente, rekonstruiert Militärmanöver und ermittelt, was seither geschehen ist, ob es zum Beispiel weitere militärische Operationen gab oder bauliche Veränderungen, etwa an Häfen. Auch Meeresströmungen und Änderungen der Wasserqualität fließen in seine Bewertung ein...
Gerade berät Wichert die estnische Marine in Tallin bei der aktuellen Minenräumung. Im Gepäck hat er Dokumente zu relevanten Gefechten und Luftangriffen, als Diskussionsgrundlage.
Ein Dokument wird gezeigt https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Taucher-mit-Sonardrohne-auf-Minensuche,shmag53944.html
Zitat
Defensiv Minensperren1/Skl.-IEa RM 7/1486
An den o.g Angaben 38 LMB gelegt und 38 zu räumen wird deutlich, das die sowjetische Marine 1945-1991 offenbar nichts geräumt hat.
Erschreckend der erwartete Umfang https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&url=https://dmkn.de/wp-content/uploads/2016/06/Seiten-aus-MF-16-07_08-4.pdf&ved=2ahUKEwjX2cn24t3cAhWkMewKHeRBAjQQFjACegQIARAB&usg=AOvVaw2t3j-XT46NmC-yioOzQbUy
Zitat
Die drei neuen Marinen finden ihre opera
tiven Prioritäten unmittelbar vor den eige-
nen Küsten. Hier liegen etwa 80.000 in zwei
Weltkriegen gelegte Minen; zum Teil wer-
den die Minenfelder noch bis in die 1980erJahre  von  der  sowjetischen  Baltischen  Flotte  in  die  Sicherung ihrer  Stützpunkte einbezogen.  Die  gefährlichen  Altlasten  bereiten erhebliches Kopfzerbrechen. Zur Ausschöpfung  des  wirtschaftlichen  Potenzials  der Häfen  müssen  Seeverkehrswege  und  Zufahrten  minenfrei  geräumt  werden,  aber allein  können  die  baltischen  Marinen  dies nicht leisten. 
Da mag sich jeder ausrechnen ,wieviel Jahrzehnte/Jahrhunderte ? die Minenräumung noch braucht.
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: habichtnorbert am 08 August 2018, 21:39:01
An den o.g Angaben 38 LMB gelegt und 38 zu räumen wird deutlich, das die sowjetische Marine 1945-1991 offenbar nichts geräumt hat.

Hallo Beate,
da mit hast Du reccht,
1. die sowjetische Marine hat sich nicht mit Minensuchern mit deutscher Besatzung an der GMSA beteiligt und bald dessen Auflösung gefordert,

2. sie hat nur die Zufahrten zu den ostdeutschen Häfen und die Zwangswege in ihrem Bereich der Ostsee geräumt, ab 1950 mit Übergabe von 6 R-Booten der KM durfte dann die DDR die übrigen Gebiete von Minen selber räumen,

3. auch vor Polen durfte die polnische Marine außer der Zwangswege selber von Minen beräumen, 

4. in ihrem eigenen Bereich wurden nur die Zwangswege und die Hafeneinfahrten für die Schiffahrt und ihrer Marine beräumt, alles andere blieb liegen als Sicherheitszohne für befürchteter Angiffe feindlicher Flotten, in einem befürchteten neuen Krieg,

 :MG:
Titel: Re: Senfgas Flensburger Förde
Beitrag von: bettika61 am 22 August 2018, 20:37:17
..
unter dem Stichwort "Senfgas in der Flenbsurger Förde" habe ich bereits an anderen Stellen zu diesem Thema berichtet
Stefan Nehring hat das Thema in Waterkant 2012 unter der Überschrift
"Codename »Spaten« – Giftgas in der Flensburger Förde" publiziert. http://www.stefannehring.de/downloads/226_Nehring-2012_Waterkant-1-12_giftgas-flensburg.pdf

Die AG "Munition im Meer" hat das Thema und darauffolgende Untersuchungen in der Fortschreibung 2012 und 2013 aufgenommen http://www.schleswig-holstein.de/UXO/DE/Bericht/Bericht_node.html und damit die Recherchen von Nehring  bestätigt
Zitat
Munitionsbelastung der deutschen Meeresgewässer
– Entwicklungen und Fortschritt – (Jahr 2012)
2.3.3.2 Flensburger Förde
Nach Auswertung neu erschlossener Dokumente und sich daran anschließender Neubewer-tung bereits vorhandener Dokumente ist nunmehr belegt, dass
•   Munition nicht nur am Ausgang des Kleinen Belts, sondern auch schon auf dem Weg von und nach Flensburg versenkt wurde;
•   Senfgas-Munition neben Tabun-Munition Bestandteil der zur Versenkung bestimmten Munition war (Kennzeichnung von Granaten mit einem gelben Ring),
•   Teile der Gasmunition mindestens ab dem Passieren von Glücksburg bereits im Bereich der Flensburger Förde über Bord gegeben wurden;
•   eine versenkte Menge von rund 1.200 Tonnen Kampfstoffmunition auf den ehe-maligen Zufahrtswegen zum Versenkungsgebiet als Größenordnung angenommen werden muss.

Hallo,
an den Verladungsarbeiten zur Munitionsversenkung waren offenbar Offiziersanwärter der Marinekriegsschule  Mürwik beteiligt. Aus dem Crewbuch "Crew 45" ( 2015)
Aufzeichungen Reinhard Parzyk (MKS Mürwik)
Zitat
Do 28.Apr.
Titel: Re: Senfgas Flensburger Förde
Beitrag von: bettika61 am 22 August 2018, 20:59:25
...unter dem Stichwort "Senfgas in der Flenbsurger Förde" habe ich bereits an anderen Stellen zu diesem Thema berichtet
Stefan Nehring hat das Thema in Waterkant 2012 unter der Überschrift
"Codename »Spaten« – Giftgas in der Flensburger Förde" publiziert. http://www.stefannehring.de/downloads/226_Nehring-2012_Waterkant-1-12_giftgas-flensburg.pdf

Die AG "Munition im Meer" hat das Thema und darauffolgende Untersuchungen in der Fortschreibung 2012 und 2013 aufgenommen http://www.schleswig-holstein.de/UXO/DE/Bericht/Bericht_node.html und damit die Recherchen von Nehring  bestätigt
Zitat
Munitionsbelastung der deutschen Meeresgewässer
– Entwicklungen und Fortschritt – (Jahr 2012)
2.3.3.2 Flensburger Förde
Nach Auswertung neu erschlossener Dokumente und sich daran anschließender Neubewer-tung bereits vorhandener Dokumente ist nunmehr belegt, dass
•   Munition nicht nur am Ausgang des Kleinen Belts, sondern auch schon auf dem Weg von und nach Flensburg versenkt wurde;
•   Senfgas-Munition neben Tabun-Munition Bestandteil der zur Versenkung bestimmten Munition war (Kennzeichnung von Granaten mit einem gelben Ring),
•   Teile der Gasmunition mindestens ab dem Passieren von Glücksburg bereits im Bereich der Flensburger Förde über Bord gegeben wurden;
•   eine versenkte Menge von rund 1.200 Tonnen Kampfstoffmunition auf den ehe-maligen Zufahrtswegen zum Versenkungsgebiet als Größenordnung angenommen werden muss.

Hallo,
bei der Beladung der Schiffe mit Gasmunition waren Offiziersanwärter der Marinekriegsschule Mürwik beteiligt.
Aus dem Crewbuch "Crew 45" (2015) Aufzeichnungen Reinhard Parzyk (MKS Mürwik):
Zitat
Sa. 28.Apr.              Arbeitskommando "Gelbkreuz". Nachts wurden mit Schlups in 4er Paketen Gelbkreuzbomben auf einen kleinen Küstenfrachter verladen. Am Morgen lief ein Schiff mit KZ-lern ein, die in einen Tieffliegerangriff geraten sind. Verwundete lagen an Deck

Bei dem "Küstenfrachter " kommen die "Taurus", "Marie Luise" oder "Karoline" in Frage.
Bei dem "KZ-Schiff" handelt es sich vermutlich um die "Olga Siemers", deren Ankunft in Flensburg ist für den 30.4.1945 bekannt.
Titel: Projekt "North Sea Wrecks"
Beitrag von: bettika61 am 20 Oktober 2018, 15:56:01
Hallo,
Im Rahmen des Interreg Projekts "North Sea Wrecks"  unter der Federführung des DSM
https://www.bremerhaven.de/de/verwaltung-politik/bremerhaven-in-der-eu/eu-gefoerderte-projekte/north-sea-wrecks.76419.html
Werden erstmals auch die Folgen der Munitionsversenkungen in der Nordsee untersucht.

Zitat
Erstmals nehmen Wissenschaftler aus acht europäischen Ländern nun auch die Lage in der Nordsee unter die Lupe.

Ziel ist es, die Gefahren zu analysieren und Handlungsempfehlungen zu geben, wie die Leiterin des EU-geförderten Projekts „North Sea Wrecks“, Sunhild Kleingärtner, am Freitag sagte. „Nach dem Zweiten Weltkrieg dachte man, das Meer sei eine Müllkippe. Jetzt holt uns die Vergangenheit ein“, betonte die Direktorin des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven.
....
Er wies auch auf eine neue Bedrohung hin: Denn inzwischen rosten die Metallhüllen der versenkten Kriegsmunition durch. Toxische und krebserregende Stoffe wie TNT und seine Abbauprodukte strömen ins Meer. Das belegte der Toxikologe zusammen mit Kollegen in Versuchen mit Miesmuscheln in der Ostsee vor Schleswig-Holstein. –
– Quelle: https://www.shz.de/21386217 ©2018
Förderprogramm: Interreg Nordsee
Laufzeit: 07/2018 - 06/2021
Gesamtvolumen: 4.670.000 €

Offiziell stehen die Kartierung und Bewertung aller vorhandenen Schiffs- und Flugzeugwracks, verlorene Ladung, deponierter chemischer Abfall und Munition im Fokus, die Munition dürfte die Mittelbereitstellung gefördert haben.

Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: jockel am 07 Februar 2019, 16:29:51
Munition am Grund der Ostsee
Überwachen, bergen oder liegenlassen – Forscher geben Handlungsanleitungen und Entscheidungshilfen

(https://www.thuenen.de/media/_processed_/0/0/csm_Kolberger_Heide_c9d44859b8.jpg)
Warnboje zum Sperrgebiet Kolberger Heide mit angrenzendem Stellnetz für die Probenahme von Fischen. Foto: Thomas Lang/Thünen-Institut

Auf dem Grund der Ostsee liegen große Mengen versenkter Munition als Hinterlassenschaft des zweiten Weltkriegs – teilweise nicht weit entfernt von der Küste. Lässt man sie dort liegen und nimmt in Kauf, dass giftige Substanzen langsam austreten, oder birgt man die Munition und riskiert, dass die porösen Metallkörper dabei zerbrechen oder gar explodieren? Vor solchen Fragen stehen Verwaltung und Politik, wenn zum Beispiel ein neuer Windpark gebaut oder ein Seekabel verlegt werden soll. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben hierzu im internationalen Forschungsprojekt DAIMON (https://www.daimonproject.com/) Entscheidungshilfen entwickelt und jetzt im Thünen-Institut in Bremerhaven vorgestellt.

Die Menge an konventioneller Munition und chemischer Kampfstoffe wird allein in deutschen Gewässern auf 300.000 Tonnen geschätzt. Diese wurden nach dem Krieg entsorgt, ohne sich Gedanken zu machen, welche Konsequenzen dies für die Umwelt hat. Direkt vor den Toren Kiels zum Beispiel befindet sich das Munitionsversenkungsgebiet Kolberger Heide – ein Sperrgebiet, in dem rund 35.000 t Seeminen und Torpedos in maximal zwölf Meter Wassertiefe und in Sichtweite zum Strand liegen. Munition am Meeresgrund entwickelt auch noch Jahrzehnte nach der Versenkung eine gefährliche Wirkung, wie ein internationales Forscherteam jetzt herausfand: Die Ergebnisse des Forschungsprojekts DAIMON (Decision Aid for Marine Munitions) wurden vom 5. bis 7. Februar 2019 auf der gemeinsamen Abschlusskonferenz des Thünen- und des Alfred-Wegner-Instituts in Bremerhaven vorgestellt.

Die Forscherinnen und Forscher haben mit großem Aufwand Proben gewonnen und die Chemikalien analysiert, die aus den Munitionskörpern austreten. Spuren der Munition wurden in Fischen aus Munitions-Versenkungsgebieten nachgewiesen. Das gilt für Abbauprodukte des Sprengstoffs TNT und für Arsen-haltige chemische Kampfstoffe gleichermaßen. Muscheln, die in der Kolberger Heide in kleinen Netzkäfigen dem Einfluss der Munition ausgesetzt waren, reicherten TNT-Abbauprodukte an. Damit ist klar, dass giftige Stoffe aus den Bomben austreten und von den dort lebenden Organismen aufgenommen werden. Darüber hinaus konnten die Forscher feststellen, dass TNT für Muscheln giftig ist und bei Fischen das Erbgut schädigt, was zu Tumoren führen kann. Die empfindliche Plattfischart „Kliesche“ weist im Munitions-Versenkungsgebiet Kolberger Heide tatsächlich mehr Lebertumore auf als anderswo. Ein Zusammenhang zwischen lokaler TNT-Belastung und erhöhter Tumorrate liegt nahe. Die Abbauprodukte von TNT sind ebenfalls erbgutschädigend, so dass die Organismen selbst dann noch der Wirkung der Munition ausgesetzt sind, wenn das schnell abbaubare TNT schon nicht mehr nachweisbar ist.

Die Ergebnisse dieser und anderer Untersuchungen gehen in praktische und direkt anwendbare Empfehlungen für die Umweltüberwachung und für den Umgang mit der Munition ein. Wesentliche Produkte des Projekts DAIMON sind Handlungsanleitungen für die Risikoüberwachung und -bewertung: Eine direkt anwendbare Methodensammlung aus der Umweltüberwachung zur Einschätzung von akuter Gefahr für das Ökosystem durch Munition (DAIMON Toolbox) sowie ein webbasiertes System (Decision Support System), welches etwa Politikern und Behörden bei der Entscheidung helfen wird, ob Munitionsobjekte in der Ostsee z.B. lediglich überwacht oder geborgen werden sollen. Das System wurde während der Konferenz live demonstriert und stand für interessierte Anwender zur Verfügung.

Die Abschlusskonferenz war eine gemeinsame Veranstaltung des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung und des Thünen-Instituts für Fischereiökologie. An der Konferenz nahmen mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Forschung, Verwaltung, Politik und Industrie teil.

Quelle:Gemeinsame Pressemitteilung des Thünen-Instituts (https://www.thuenen.de/) und des Alfred-Wegener-Instituts (https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/munition-am-grund-der-ostsee.html)

Gruß
Klaus
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 15 Februar 2019, 15:48:35
Zitat
Eine direkt anwendbare Methodensammlung aus der Umweltüberwachung zur Einschätzung von akuter Gefahr für das Ökosystem durch Munition (DAIMON Toolbox) sowie ein webbasiertes System (Decision Support System), welches etwa Politikern und Behörden bei der Entscheidung helfen wird, ob Munitionsobjekte in der Ostsee z.B. lediglich überwacht oder geborgen werden sollen. Das System wurde während der Konferenz live demonstriert und stand für interessierte Anwender zur Verfügung.
Hallo,
Die Botschaft scheint bei der Politik angekommen zu sein. Erstmalig wird nicht nur recherchiert und geforscht,
sondern die "Büchse der Pandorra " geöffnet,
 das mögliche Bergen der Munition , die Kosten und ihre Verteilung.
Zitat
Das lange ignorierte Problem will der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Schleswig-Holsteins Ressortchef Hans-Joachim Grote, jetzt offensiv angehen.

Die Beseitigung der Weltkriegsmunition sei eine Aufgabe von nationaler Bedeutung, sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstag). „Für mich berührt das ganz klar die innere Sicherheit.“ Er wolle den Kampf gegen die Weltkriegsmunition zu einem Thema auf der Innenministerkonferenz Mitte Juni in Kiel machen, kündigte Grote an......

Er strebe an, dass seine Innenministerkollegen aus Bund und Ländern diese gefährliche Erbschaft als gemeinsames Problem anerkennen, sagte Grote. „Das können die Küstenländer nicht alleine stemmen.“ Nach der mittlerweile vorgenommenen Kartierung sei nun ein abgestuftes Konzept zum Umgang mit diesen Hinterlassenschaften nötig. „Was kann und muss in welcher Reihenfolge noch geborgen werden?“

Finanzierung noch ungewiss

Vor allem mit dem Bund werde es natürlich auch um die Finanzierung gehen, sagte Grote. „Das betrifft insbesondere auch den Umgang mit den Kosten für die Bergung von Munition nichtdeutscher Herkunft.“

– Quelle: https://www.shz.de/22633477 ©2019

Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 05 März 2019, 18:58:25
Hallo,
das mögliche Bergen der Munition war Teil einer Anfrage der FDP im Bundestag
Zitat
Kleine Anfrage zu Umweltauswirkungen versenkter Munition in der Ostsee (13.02.2019): Anfrage - 
https://www.fdpbt.de/fraktion/anfragen
....
9.  Welche  Strategie  verfolgt  die  Bundesregierung  im  Umgang  mit  der  versenkten  Munition,  um  die  Auswirkungen  auf  die  Meeresumwelt  zu  minimieren?
 10.  Plant  die  Bundesregierung,  die  versenkte  Munition  zu  bergen  oder  an  ihrem Standort  zu  belassen  (bitte  mit  Begründung  antworten)?
Die Antwort der Bundesregierung überrascht nicht wirklich
Zitat
Bund sieht keine großflächige Gefährdung

Die Bundesregierung sieht keine großflächige Gefährdung durch Munition in der Ostsee. Sie hält das Problem für lokal begrenzt und plant vorerst keine großangelegte Beseitigung versenkter Weltkriegs-Munition aus der Ostsee. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der FDP im Bundestag hervor. Bei Bergungen und Sprengungen vor Ort bestünde auch die Gefahr, dass enthaltene Kampfmittel freigesetzt werden, heißt es.
https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Munition-Grote-will-bergen-Bund-tritt-auf-Bremse,munition374.html

Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: suhren564 am 05 März 2019, 20:43:16
Leider zeigt diese Antwort, dass die verantwortlichen Stellen der Regierung Probleme verharmlosen bzw deren Klärung hinauszögern.
Und was bitte heißt " lokal"?
Chemische Kampfstoffe, die nur örtlich ihr Gift verbreiten?  Im fließenden Gewässer?
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: jockel am 06 März 2019, 08:40:24
Die Antwort der Bundesregierung überrascht nicht wirklich
Zitat
Bund sieht keine großflächige Gefährdung

Das hat Methode, schon ein gewisser Herr Pofalla (https://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-08/nsa-bnd-pofalla--bundestag-spaehaffaere-snowden-abkommen) verstand sich gut darauf Probleme unter den Teppich zu kehren :roll:

Gruß
Klaus
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 07 März 2019, 20:34:14
Hallo,
Das Thema ist zu komplex für einfache Lösungen und Schlagzeilen.
Die vollständige Antwort (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/080/1908070.pdf)
Allein auf der Grundlage von Fischuntersuchungen einer Versenkungsstelle lässt sich pauschal  eine Gefährdung  nicht begründen und die Notwendigkeit von Bergungen ableiten.

Es stehen bisher nicht mal die Schützgüter fest, deren Gefährdung zu bewerten wäre.
Ist es das Wasser, der Boden, Pflanze , Tiere oder der Mensch der geschützt werden soll?
Es existieren bisher wenig bis keine anwendbaren Grenzwerte.
Ich verweise auf das Interview mit Claus Böttcher https://sail24.com/praxis/interview-wie-gefaehrlich-ist-die-munition-in-nord-und-ostsee/ von "Munition im Meer"
Zitat
Eine rechtliche Verpflichtung zur speziellen Untersuchung der Meeresumwelt auf die Freisetzung von Inhaltsstoffen versenkter Munition besteht nicht. Um die Umweltauswirkungen näher zu erforschen, wurde auch auf Initiative Schleswig-Holsteins das durch den Bund finanzierte Forschungsprojekt UDEMM auf dem Weg gebracht. Ziel ist es, eine Überwachung von munitionsbelasteten Meeresgebieten im generellen, aber auch vor und während einer Kampfmittelbeseitigung zu erreichen.

Jedes Untersuchungsergebnis kann dazu beitragen, ein Teil der Gefährdung wissenschaftlich zu untermauern und gleichzeitig den politischen Druck zu erhöhen, sich der Verantwortung für notwendige Massnahmen zu stellen.
Die Massnahme muss nicht zwingend eine Bergung sein, denn die kann bei dem Zustand der Munition gerade die Schadstoffe freisetzen, was man eigentlich verhindern will.
Da soll ROBEMM (https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&url=https://www.ict.fraunhofer.de/content/dam/ict/de/documents/medien/es/ES_Robotisches_Unterwasser_Bergungs-_und_Entsorgungsverfahren_V01-1_de.pdf&ved=2ahUKEwjZgZqu4vDgAhXQblAKHawfDtQQFjAAegQIBBAB&usg=AOvVaw16RtpgZnXSzwqnHK_eqRjr) helfen.

Mal sehn was UDEMM https://udemm.geomar.de/work-program ergibt.

Titel: Re: Projekt "North Sea Wrecks" Munition in der Nordsee
Beitrag von: bettika61 am 09 April 2019, 17:58:02
Hallo,
Im Rahmen des Interreg Projekts "North Sea Wrecks"  unter der Federführung des DSM
https://www.bremerhaven.de/de/verwaltung-politik/bremerhaven-in-der-eu/eu-gefoerderte-projekte/north-sea-wrecks.76419.html
Werden erstmals auch die Folgen der Munitionsversenkungen in der Nordsee untersucht.
Hallo,
Deutschlandfunk (https://www.deutschlandfunkkultur.de/munition-in-der-nordsee-sie-muessen-davon-ausgehen-dass-man.1001.de.html?dram:article_id=445730)
Zitat
Mehr als eine Million Tonnen Munition aus zwei Weltkriegen – gigantische Berge von Giftmüll liegen noch in der Nordsee. Allerdings ist nicht geklärt, wo genau. Aufklärung verspricht das Projekt „North Sea Wreck“ – endlich, denn die Uhr tickt.
.......
Auf der Karte ist die südliche Nordsee abgebildet, das heißt die Küsten des europäischen Festlands, außerdem England und Irland. 

„Wir haben also rote Bereiche vor den Küsten, sehr großflächige, einmal komplett rote und einmal gestrichelte rote. Die komplett roten werden als gefährlich eingestuft, allerdings kann man immer noch durchfahren. Und die gestrichelt-roten werden eingestuft als sehr tiefliegende Minenfelder, – die dort vorhanden sind, aber offen für die Oberflächen-Navigation. Also wir haben hier schon mal einen Hinweis, wo sich laut Informationen von damals Minenfelder befunden haben.“
Rot ist fast das ganze Gebiet vor der Küste des europäischen Festlands. ....
........
Außerdem stehen die Forscher bei der Nordsee noch ganz am Anfang.
„In der Nordsee wurde noch nichts dergleichen untersucht. Sie müssen davon ausgehen, dass man es nicht wollte. Fakt ist, es wurde 70 Jahre lang keine Forschung finanziert, die sich im Detail damit beschäftigt, vor allem keine unabhängige Forschung.“
Während die Munition in der Ostsee schon seit 2006 untersucht wird:
......
Das Projekt North Sea Wrecks soll 2022 abgeschlossen sein. Die Uhr tickt: Abgesehen davon, dass manche Geschosse heute schon offen liegen, zeigen jüngste Minenfunde in Niedersachsen, dass die Metallhülle in 15 Jahren schon ganz durchgerostet wäre.....
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: jockel am 10 April 2019, 19:36:13
Neue Waffen gegen alte Bomben (https://www.sueddeutsche.de/wissen/kriegsmunition-neue-waffen-gegen-alte-bomben-1.4400840)

Gruß
Klaus
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 10 April 2019, 20:54:50
Hallo,
"Neue Waffen" trifft es nicht ganz. Das Verfahren, die Munition Unter Wasser mit ROV zu zerlegen , wurde schon 1992  :BangHead: vorgeschlagen von Hirdes und der "Subsea Offshore Ltd." , zur Vernichtung von CW-Munition, Die Firmen hatten schon ein ausführliches Konzept zu Papier gebracht . Selbst an ein Verfahren zur Vernichtung der CW-Munition auf einer schwimmenden Anlage wurde gedacht . Die elektro-chemische Oxidation nach
dem "Dounray-Silver-II-Prozeß" nachzulesen hier (https://books.google.de/books?id=uNC1BwAAQBAJ&pg=PA85&lpg=PA85&dq=dounreay+silver+ii+prozess&source=bl&ots=Q9imOnHakD&sig=ACfU3U2u0d8m3BiX93HN29k2wvMl0LZtAA&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwiukuDjksbhAhXK-KQKHVRiB-oQ6AEwA3oECAkQAQ#v=onepage&q=Recovery%20rov&f=false)
1993 wollte das Verkehrsministerium über das BSH ein Untersuchungprogramm der Versenkungsgebiete beauftragen.
Die nächsten 25 Jahre ist dann nichts passiert. .
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 15 April 2019, 15:50:43
Hallo,
Zeitreise "Munitionsfischerei" (https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/zeitreise/Zeitreise-Als-Fischer-Kriegsmunition-fischten,zeitreise1880.html)

P.S. die "Silbermöwe" war KFK 356
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: Teddy Suhren am 21 April 2019, 20:13:41
Hai

Kieler Nachrichten (http://www.kn-online.de/Kiel/Kieler-Foerde-wird-nach-Bomben-Minen-und-Torpedos-abgesucht?fbclid=IwAR2X_HJkfGbkAtYbWcFf_u68BtKHd1pvsqONSdkv_IWW3x8CbjtkiImZTDU)
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 18 Mai 2019, 16:37:19
Hallo,
Im Fokus der aktuellen und zurückliegenden Untersuchungen steht die Lübecker Bucht.
Zitat
15 000 Tonnen wurden bereits geborgen, aber noch immer liegen etwa 50 000 Tonnen Munition und andere Kampfmittelreste aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Meeresgrund der Lübecker Bucht. Eine erste Studie gab es 1993, und Wissenschaftler haben das Problem seit 2006 im Fokus.....

In jahrelanger Arbeit haben die Experten gemeinsam mit Wissenschaftlern und anderen Institutionen in nationalen und internationalen Archiven gesucht, alte Karten studiert, sind Nord- und Ostsee mit dem Forschungsschiff „Poseidon“ abgefahren, haben eine Datenbank erstellt und 2011 ihren ersten, 1100 Seiten langen Bericht vorgelegt. In der Lübecker Bucht seien besonders die Flächen vor Pelzerhaken und Sierksdorf mit Munitionsresten belastet, erläuterte Sternheim. Dies habe seinen Grund darin, dass vor diesen Orten nach dem Krieg große Mengen von Kampfstoffen und Munition versenkt worden seien. An einigen Stellen lägen auf dem Meeresgrund zudem „dicht an dicht“ Transportkisten, deren Inhalt noch nicht identifiziert werden konnte. Belastete Flächen fänden sich auch etwas weiter nördlich sowie fast direkt vor Travemünde. Unter Munitionsverdacht stünden große Gebiete vom Brodtener Ufer aus Richtung Nordost sowie kleinere Flächen hinter der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern sowie der Dassower See.
https://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Noch-50-000-Tonnen-Kriegs-Munition-in-der-Luebecker-Bucht

Mehr Hintergrundinformation im Vortrag von KptLt a.D. Uwe Wichert beim DFAB
Zitat
Neues aus den Archiven – die Recherche als wichtiger Baustein einer aktuellen Risikobewertung im Einzelfall am Beispiel der Lübecker Bucht und des Fehmarn Belt
Zum download http://dfabgmbh.de/?page_id=1305

Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 18 Mai 2019, 17:00:46
Ein weiterer empfehlenswerter Vortrag Vortrag beim DFAB
"German Disarmament: Die Vernichtung der deutschen CW- Munitionsbestände im Skagerrak in den Jahren  1945 -1947" von Manfred Messer  :MG:
Ihm ist es in  jahrelanger Recherche gelungen, die relevanten War Diaries der englischen Dienststellen auszuwerten und sich einen dezidierten Überblick über die Versenkungsfahrten und beteiligten Schiffe  zu verschaffen.Seine Ergebnisse haben bisher (fast) keinen Eingang in Veröffentlichungen von "Munition im Meer" gefunden.
Er liefert  u.a. auch eine Begründung für die o.g. Kampfstoffversenkungen in der Lübecker Bucht.

Zitat
Deutsche chemische Kampfstoffmunition wurde aber nicht nur im SKAGERRAK ver-
senkt, sondern auch in dem „dumping ground“ LÜBECKER BUCHT. Hierüber be-
richtet das War Diary der 21. RPCT - RE LÜBECK am 29. Oktober 1945 (meine
deutsche Übersetzung):
 - Hauptmann L.J. HOPPE an Bord des Schleppers „TRAVEMÜNDE“ begleite-
te eine Klappschute, die im Rahmen eines Versuchs mit feindlicher CW – Munition
beladen wurde, zu dem Munitionsversenkungsgebiet in der LÜBECKER BUCHT.
Das Experiment zur Erprobung der Versenkung von einer Klappschute aus,
verlief zufrieden stellend.
Dieses kurze militärische Statement hat zum Inhalt, dass die britischen Truppen En-
de Oktober 1945 Versuche zur Versenkung von CW – Munition in der LÜBECKER
BUCHT südlich von NEUSTADT / Holst. durchführten. Die Wassertiefe in diesem
Versenkungsgebiet beträgt zwischen 10 und 18 Meter. Zu der versenkten Tonnage
werden keine Angaben gemacht – es kann jedoch unterstellt werden, dass eine dem
Versuch angemessene Menge an CW - Munition eingesetzt wurde. Die Beladung der
insgesamt 9 Klappschuten in LÜBECK bewegte sich im Mittel zwischen ca. 50 und
300 tons.

D.h zwischen 450-2700t Kampfstoffmunition wurden dort in einer Tiefe von 10-18 m versenkt und liegen vermutlich heute noch dort.



Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 25 Mai 2019, 22:04:04

Zitat
Zu der versenkten Tonnage
werden keine Angaben gemacht – es kann jedoch unterstellt werden, dass eine dem
Versuch angemessene Menge an CW - Munition eingesetzt wurde. Die Beladung der
insgesamt 9 Klappschuten in LÜBECK bewegte sich im Mittel zwischen ca. 50 und
300 tons.

D.h zwischen 450-2700t Kampfstoffmunition wurden dort in einer Tiefe von 10-18 m versenkt und liegen vermutlich heute noch dort.
 
Hallo ,
nach Rücksprache mit dem Autor muss ich meinen Rückschluss korrigieren: Es wurde "nur" eine Klappschute versenkt,
Zitat
- Hauptmann L.J. HOPPE an Bord des Schleppers „TRAVEMÜNDE“ begleitete
eine Klappschute, die im Rahmen eines Versuchs mit feindlicher CW – Munition
 beladen wurde, zu dem Munitionsversenkungsgebiet in der LÜBECKER BUCHT.
deren Beladung zwischen 50-300 t lag, die heute noch in der Lübecker Bucht liegen   :MG:
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 28 Juni 2019, 14:40:11
Hallo,
Die Munitionsverdachtsflächen an den Küsten von M-V müssen deutlich ausgeweitet werden.Grundlage ist der Umfang der recherchierten Schießgebiete .
Zitat
Laut Innenministeriumkönnen nach neuesten Recherchen auf einer Fläche von 15 138 QuadratkilometernKampfmittel aus Kriegszeiten und militärischer Nutzung liegen, die bis zur Zeit der kaiserlichen Marine im 19. Jahrhundert zurückreichen, aber auch Artilleriegeschosse und Torpedos der Bundesmarine. Das bedeutet: Die belastete Fläche ist 23-mal so groß wie aktuell dokumentiert. Bisher ging der Munitionsbergungsdienst MV von 650 Quadratkilometern in Küstengewässern vor MV aus...
..
Bei den neu recherchierten mit Kampfmitteln belasteten Gebieten handele es sich nicht um „Versenkungsgebiete“ von Kriegsschiffen oder Ähnlichem. Vielmehr habe eine Firma im Auftrag des Munitionsbergungsdienstes in Archiven nach Stellen recherchiert, in denen Militär früher geschossen habe. Ältester Befund sei ein Schießen in der Wohlenberger Wiek bei Wismar im Jahre 1871. 
https://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/Tickende-Zeitbombe-Ostsee-Deutlich-groessere-Flaeche-mit-Munition-belastet
Titel: Re: Kieler Bucht , deutlich mehr Munition aus dem WK II nachgewiesen.
Beitrag von: bettika61 am 28 Juni 2019, 18:36:38
Hallo,
zum Hintergrund des Munitionseintrags durch Schießgebiete in M-V hat
 Robert Mollitor Leiter KMBD MV  2017 bei der DFAB einen Vortag gehalten
https://dfabgmbh.de/?page_id=818
"Wo in der Ostsee ist eigentlich keine Munition?!? – Recherche nach den Schießgebieten in der Ostsee vor Mecklenburg-Vorpommern von 1880 bis heute – ein Zwischenstand"
Als zitierte Quelle mit Karte aufschlußreich   :MG::
Zitat
Oberkommando der Kriegsmarine
Bestimmungen für Schießübungen an und vor der deutschen Küste
Beiheft zum Ostseehandbuch südlicher Teil