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Webseite Historisches Marinearchiv => Landungsfahrzeuge => Thema gestartet von: Kroatischemarine am 12 Oktober 2007, 00:59:46

Titel: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Kroatischemarine am 12 Oktober 2007, 00:59:46
25.5.1944. F - 924, 925, 953, 954, 955, 969, 970; Monfalcone Weft oder Hafen; RAF oder USSAF
21.6.1944. F - 454; Ancona Hafen; RAF oder USAAF
24.6.1944. F - 553; ebenso
7.8.1944. F - 963, 968; Insel Vir; in Schlacht mit MGB-662, MTB-667,670
17.8.1944. F - 619; Chioggia; RAF oder USAAF
21.8.1944. F - 1166; Venedig; RAF oder USAAF
17.9.1944. F - 962, 972; Zadar Hafen; RAF oder USAAF
20.9.1944. F - 926; Zadar Hafen; gekentert nach schwere Beschadigung am 17.9.
12.10.1944. F - 625; Insel Vir; in Schlacht mit MGB-662, MTB-634,637,638
13.10.1944. F - 942, 973; Insel Vir; selbst vernichten nach schwere Beschadigung am 12.10.
24.10.1944. F - 433; 3 NM N ab Hafen Jablanac; nacht Gefecht mit MGB und MTB
5.11. 1944. F- 484; Rijeka Hafen; USAAF
18.11.1944. F - 929; nah Trieste; mine
9.1.1945. F - 554; Tagliamentomundung; mine
2.1945. F - 1153; Istren; ?
17.2.1945. F - 1195, 119?, 1198, 1199; Trieste Werft; RAF
20.2.1945. F - 952; Trieste Werft San Marco; RAF
21.2.1945. F - 961;Pula Hafen; RAF oder USAAF
22.2.1945. F - 948; Istrien;?
14.4.1945. F - 961 ???; Tagliamentomundung; ?
25.4.1945. F - 1156; Monfalcone Werft; slebst vernichten
1.5.1945. F - 971, 1042; Trieste Hafen, partizanen Granaten
2.5.1945. F - 944; Tagliamentomundung; selbst vernichten
2.5.1945. F - 1044; Tagliamentomundung; mine
 

Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Zerstörerfahrer am 18 Mai 2008, 12:48:03
Hallo,

7.8.1944. F - 963, 968; Insel Vir; in Schlacht mit MGB-662, MTB-667,670

Gibt es für dieses Gefecht alliierte Darstellungen ? Im deutschen Gefechtsbericht werden nämlich 4 Gunboote und 2 vermutliche Schnellboote angenommen, von denen 1 Gunboot als versenkt gemeldet wird. Dabei sollen die Engländer auch 3 Gefangene aus einem Schlauchboot mitgenommen haben, während sie 2 Schwerverletzte im Schlauchboot liegen ließen. Ebenso soll von den Engländern auf Schiffbrüchige (auch auf eigene) geschossen worden sein.(Quelle: KTB 10. Landungsflottille)

Zitat
20.2.1945. F - 952; Trieste Werft San Marco; RAF

An diesem Tag sank ebenso bei dem Bombenangriff F 554, allerdings werden als Gegner 160 Liberator-Bomber angegeben, also vermutlich USAAF. Für beide Boote wird als Verlustort Werft San-Rocco angegeben. (Quelle: KTB Seekommandant Istrien)

Zitat
21.2.1945. F - 961;Pula Hafen; RAF oder USAAF
22.2.1945. F - 948; Istrien;?
14.4.1945. F - 961 Huh; Tagliamentomundung; ?
25.4.1945. F - 1156; Monfalcone Werft; slebst vernichten
1.5.1945. F - 971, 1042; Trieste Hafen, partizanen Granaten
2.5.1945. F - 944; Tagliamentomundung; selbst vernichten
2.5.1945. F - 1044; Tagliamentomundung; mine

Über diesen Zeitraum gibt es keine deutschen Aufzeichnungen und deine Angaben stimmen nur zum Teil mit dem Gröner " Die deutschen Kriegsschiff 1815 - 1945 " überein. Was sind deine Quellen?

Viele Grüße
René
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Spee am 18 Mai 2008, 18:59:21
Servus,

es gibt italienische Quellen dazu, die einige Lücken schliessen. Bevor wir diese allerdings verwenden, wollen wir versuchen, mit den Autoren in Kontkakt zu kommen, um die Herkunft er Daten genauer zu erfahren etc.
Hier mal ein Beispiel:

Name: F 961
Typ: Minenfährprahm D
Auftraggeber: Kriegsmarine
Konstruktionsnummer: 1560
Zusammenbaunummer: 639
Fertigstellungsnummer: 487
Bauauftragserteilung: 03/44
Stapellauf: 10/44
Fertigstellung: 10/44
Verdrängung: 317.0 t
Länge: 49,80
Höhe: 1,20
Breite: 6,55
Motoren: Diesel
Leistung: 390PS
Antrieb: 3 Schrauben
Geschwindigkeit: 12kn

12.10.1944 F 961: Indienststellung für Kriegsmarine
13.04.1945: in Fiume gesunken durch Luftangriff

Name: F 948
Typ: Minenfährprahm D
Auftraggeber: Kriegsmarine
Konstruktionsnummer: 1556
Zusammenbaunummer: 635
Fertigstellungsnummer: 483
Bauauftragserteilung: 02/44
Stapellauf: 08/44
Fertigstellung: 08/44
Verdrängung: 317.0 t
Länge: 49,80
Höhe: 1,20
Breite: 6,55
Motoren: Diesel
Leistung: 390PS
Antrieb: 3 Schrauben
Geschwindigkeit: 12kn

10.09.1944 F 948: Indienststellung für Kriegsmarine
19.10.1944: in Pola wegen schlechtem Wetter gesunken, gehoben und instandgesetzt
21. 02. 1945: an der istrischen Küste zwischen Pola und Triest gesunken
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Kroatischemarine am 18 Mai 2008, 22:38:42
Hallo,

7.8.1944. F - 963, 968; Insel Vir; in Schlacht mit MGB-662, MTB-667,670

Gibt es für dieses Gefecht alliierte Darstellungen ? Im deutschen Gefechtsbericht werden nämlich 4 Gunboote und 2 vermutliche Schnellboote angenommen, von denen 1 Gunboot als versenkt gemeldet wird. Dabei sollen die Engländer auch 3 Gefangene aus einem Schlauchboot mitgenommen haben, während sie 2 Schwerverletzte im Schlauchboot liegen ließen. Ebenso soll von den Engländern auf Schiffbrüchige (auch auf eigene) geschossen worden sein.(Quelle: KTB 10. Landungsflottille)

Zitat
20.2.1945. F - 952; Trieste Werft San Marco; RAF

An diesem Tag sank ebenso bei dem Bombenangriff F 554, allerdings werden als Gegner 160 Liberator-Bomber angegeben, also vermutlich USAAF. Für beide Boote wird als Verlustort Werft San-Rocco angegeben. (Quelle: KTB Seekommandant Istrien)

Zitat
21.2.1945. F - 961;Pula Hafen; RAF oder USAAF
22.2.1945. F - 948; Istrien;?
14.4.1945. F - 961 Huh; Tagliamentomundung; ?
25.4.1945. F - 1156; Monfalcone Werft; slebst vernichten
1.5.1945. F - 971, 1042; Trieste Hafen, partizanen Granaten
2.5.1945. F - 944; Tagliamentomundung; selbst vernichten
2.5.1945. F - 1044; Tagliamentomundung; mine

Über diesen Zeitraum gibt es keine deutschen Aufzeichnungen und deine Angaben stimmen nur zum Teil mit dem Gröner " Die deutschen Kriegsschiff 1815 - 1945 " überein. Was sind deine Quellen?

Viele Grüße
René
I found this data on one web page but I don`t know now which page is that.
I am only 100% sure in information about that MFP`a F- 963, 968, 962, 972, 926, 625, 973 and 942 because I use informations from KTB of 10. Landungsflottille, "stories" from book "Flag 4" and from book "Documents about Allied bombardment of Zadar in WW2".
And for the battle near island Vir on 7.8.1944. I think that deutschen Gefechtsbericht is not correct becuase I have "british story". If you look for British casulties of MGB`s and MTB`s in WW2 you will find that British didn`t lost any of that ship on that day. MGB - 662 was heavy damadged but it didn`t sunk. Also I dive there and I found only two German MFP`s.   
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Zerstörerfahrer am 18 Mai 2008, 22:58:28
Hallo,

da widersprechen sich der deutsche und englische Bericht aber ganz schön. Die Deutschen berichten jedenfalls von einem kieloben treibenden Gunboot. Wer weiß, wo da die Wahrheit liegt.

Andere Frage,

besitzt du offizielle Dokumente (egal welcher Sprache) über die Nord-Adria für den Zeitraum Februar bis Mai 1945 ?

Viele Grüße
René

@ Thomas,

woher stammen die Daten? Literatur? Wen muß man dazu kontaktieren?

Danke
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Kroatischemarine am 18 Mai 2008, 23:03:18
Meine Quellen an Kroatische Sprache:

1. Kažimir Pribilović - Povijesna građa oko bombardiranja Zadra u Drugom svijetskom ratu (on English language I can translate that book like this: "Historical material about bombardment of Zadar in Second world war). Writer is use for writing this book original partizans, american, british and germans KTB`s. 
2. Jugoslavenski leksikografski zavod - Pomorska enciklopedia 1,2,3,4,5,6 (this is Yugoslav maritime encyclopedia from number 1 to number 6).
   
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Zerstörerfahrer am 19 Mai 2008, 07:19:03
Hallo Jurica,

danke für deine Quellenangabe.

Für unsere Datenbank Landungsfahrzeuge suche ich nähere Informationen zu:
Zitat
17.9.1944. F - 962, 972; Zadar Hafen; RAF oder USAAF
20.9.1944. F - 926; Zadar Hafen; gekentert nach schwere Beschadigung am 17.9.

Das Kriegstagebuch der 10. Landungsflottille ist vom 16.09.-30.09.1944 nicht erhalten geblieben. Ich wäre sehr dankbar für nähere Informationen (Uhrzeit, Gegner, gesunken, gekentert, ausgebrannt, Quelle).

Das Gleiche gilt für
Zitat
18.11.1944. F - 929; nah Trieste; mine
Auch hier ist das Kriegstagebuch vom 16.11.-30.11.1944 nicht erhalten geblieben.

Viele Grüße und Danke im voraus
René
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Kroatischemarine am 19 Mai 2008, 09:39:36
da widersprechen sich der deutsche und englische Bericht aber ganz schön. Die Deutschen berichten jedenfalls von einem kieloben treibenden Gunboot. Wer weiß, wo da die Wahrheit liegt.
If You want to know real story You must have British and German sources. For example, near island Vir were two battles between MFP`s and MGB`s, MTB`s. In these battles both sides have "big eyes". In first battle (7.8.1944.)German saw 6 British boats and sunk one of them (truth is that British have 3 boats and  no one of them was sunked). In second battle (11.10.1944.) German saw 9 British boats and sunked 5 of them, British saw 20 German boats and sunked 15 of them (truth is that British have 4 boats and they didn`t lose any of them, German have 5 boats and they lose 4 of them).
And what German saw, what they call turnaround Gunboat, I don`t know. I think that "big eyes" was there  :-D
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Kroatischemarine am 19 Mai 2008, 09:47:38
Andere Frage,
besitzt du offizielle Dokumente (egal welcher Sprache) über die Nord-Adria für den Zeitraum Februar bis Mai 1945 ?
I have only small part of KTB of 10. Landungsflottille. But I know that Maritime Museum in Split and War Museum in Beograd have translated version of all German KTB`s (KTB`s of Kriegsmarine an die Adria).
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Cro-Navy am 19 Mai 2008, 19:15:51
By the way, the author of the book on air war against Zadar is Kazimir Pribilovic, not Predojevic...
And during the night encounters both sides were sighting more ships than there were. The comparation of War Diaries of the German and Allied units is always very interesting.
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Kroatischemarine am 20 Mai 2008, 10:36:43
Hallo Jurica,

danke für deine Quellenangabe.

Für unsere Datenbank Landungsfahrzeuge suche ich nähere Informationen zu:
Zitat
17.9.1944. F - 962, 972; Zadar Hafen; RAF oder USAAF
20.9.1944. F - 926; Zadar Hafen; gekentert nach schwere Beschadigung am 17.9.

Das Kriegstagebuch der 10. Landungsflottille ist vom 16.09.-30.09.1944 nicht erhalten geblieben. Ich wäre sehr dankbar für nähere Informationen (Uhrzeit, Gegner, gesunken, gekentert, ausgebrannt, Quelle).
Quelle - Povijesna građa oko bombardiranja Zadra u Drugom svjetskom ratu (Kažimir Pribilović)

On 16.09.1944. two MFP`s full with mines and secured with three Raumboote came in harbor Zadar from island Rab (first they took mines in Pula and after that they came to Rijeka and Rab). Plan was that they sail to Šibenik from Zadar and lay mines in minefield West from Point Ploča near Rogoznica. However one more MFP was in Zadar (this MFP sustain connection between Zadar and Šibenik), but embarkation on him wasn`t finish yet and the plan was that he also will participate in laying mines after he landing his cargo in Šibenik. Furthermore on one of MFP engine broke out so sail was prolonged for 24 hours. Because of that harbor Zadar was full with ships that morning (3 MFP, 3 Raumboote, 6 I-Boote, 2 armed ships for harbor protection).  Also two MFP was already discovered from Allied planes in Rab harbor on 15.09.1944. so planes searched them next they. Germans new that every day Allied planes searched ships in sea around Zadar and in it`s harbor so they tie 3 MFP`s and one I-Botte beside bridge which connected old part of town Zadar with rest of the town. Bridge was about 180 m long, and all four ships was 170 m long so they looked like part of the bridge. But Allied planes saw ships and on 17.09.1944. and harbor Zadar become hell. At about 16 hours on 17.09. six "Venturas" and "Baltimores" from Southafrican air forces attacked German ships from about 3000 meters and excellent view. First was hit MFP (962 or 972) with this cargo: 75 tons of woods for 264. Infanteriedivision, 15 tons of woods for organisation "TODT" in Šibenik, 840 gunpowder filling for 76 mm cannon and 741 grenades for 105 mm howitzer. Ship was in flame but his crew started to spout grenades and gunpowder. After few minutes  whole ship blew up and immediately killed five crew members. Large black smoke was raised in the sky from lighted gunpowder.  Also  another MFP (with 108 sea mines) was directly hit and immediately 40 of them blow up. The whole ship was rip in parts and also the bridge. MFP - 926 was also hit but only few mines blew up, so after intervention of HaKo (Commander of port Zadar) flame was extinguished. Ship was damadged on steam and in engine room. On 1630 hours another air attack with 6 "Venturas" and "Baltimores" hit Zadar but with small destruction. After these two attacks Germans tried to save damadged MFP - 926 so they  shut holes in his bow. Intention was to transfer that ship in one of North Adriatic Shipyards and repair it. But on 4.25 hour on 20.09. MFP - 926 was  turn round and sunk with rest of sea mines.
After war ship was raised, repaired and joined Yugoslav war navy.             
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Kroatischemarine am 20 Mai 2008, 10:43:31
In the same book I also find these information:
On 20.09.1944. Allied JABOS attacked ships in harbor Rab. One MFP was damadged. Because of fear of another attacks all ships sail from Rab to Jablanac and among them was damadeged MFP who was towed with another MFP. After those ships reach southern point of small island Dolin, damadeged MFP was turn round and sunk.
Which MFP is that?
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Zerstörerfahrer am 20 Mai 2008, 19:41:34
Hallo Kroatischemarine,

erstmal vielen Dank für deinen Bericht.
Im KTB der 10. Landungsflottille hab ich am 24.10.1944 noch folgende Meldungen gefunden:

" Fernschreiben Admiral der Seebefehlsstellen
MFP 926 Totalverlust. Nach persönlicher Rücksprache mit von Zara zurückgekehrten Marineingenieur Puchwitz Hebung mit dort vorhandenen Mitteln unmöglich, so daß bei derzeitiger Lage Zara Bergung aussichtslos.

Fernschreiben SKL A II c Qu A I Sp
MFP 926 am 20.09.1944 in Zara gekentert. Bergung nicht möglich, Totalverlust"


Bei deiner Frage nach dem am 20.09.1944 bei Dolin gesunkenen MFP kann ich dir nicht helfen, da ja für diesen Zeitraum das KTB der 10. Landungsflottille nicht erhalten geblieben ist, es sei denn in Split oder Beograd liegt das erbeutete Kriegstagebuch der 10. Landungsflottille (oder eine Übersetzung). Hier in Deutschland liegt nur das Exemplar, welches für die SKL geschrieben wurde und da fehlen die Zeiträume 16.09.-30.09.44, 16.11.-30.11.44 und Januar bis Mai 1945. Vielleicht hilft auf der Suche nach dem MFP das Kriegstagebuch des Seekommandanten weiter (müßte der Seekommandant Norddalmatien sein).

Viele Grüße
René
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Cro-Navy am 21 Mai 2008, 13:54:02
Leider fehlen auch diese Übersetzungen! Die Übersetzung ins Kroatische wurde nach dem Krieg von Mikrofilmen gemacht, die aus Großbritannien kamen. So stimmt die - früher von mir geglaubte - Version nicht, dass die Original-KTBs in Jugoslawien erbeutet worden waren.
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Zerstörerfahrer am 21 Mai 2008, 19:56:25
Hallo Cro-Navy,

vielen Dank für deinen Hinweis.
Es war bis jetzt für mich immer eine Hoffnung, daß in Kroatien oder einem anderen südosteuropäischen Staat doch noch mehr zu finden ist, als das in Freiburg liegende lückenhafte Exemplar (Kopien auf Mikrofilm in England und bei NARA).
Der Gedanke war zu verlockend, daß bei der Kapitulation doch noch was erbeutet wurde.
Wir werden uns wohl um andere Quellen bemühen müssen.

Danke
René
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Kroatischemarine am 26 Juni 2008, 11:31:17
Ich bin froh, dass ihr Wissen kann Beitrag zu diesem Forum. :MG:
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Black-Pearl am 15 September 2011, 15:02:31
Hallo,

ich bin neu hier und habe diesen Beitrag gefunden.
Vielleicht könnt ihr mir helfen:

Wir haben bei Rab/Kroatien beim Tauchen ein unbekanntes Wrack gefunden. Vermutlich ein MFP.
Es steht aufrecht auf dem Grund und sieht recht unbeschädigt aus. Wir konnten keine Mienen oder Torpedotreffer erkennen.
Lediglich in der Mitte sind beide Bordwände vermutlich durch den UNtergang bedingt aufgespaltet.
Nach der Laderampe kommt die Bewaffnung wie folgt.
Geschützturm mit einem 4 - ling ( Flag ). Danach eine einzelne Flag. Danach die kleine Kanone. Dann Steuerstand ( Schaut zumendest so aus) Nach dem Steuerstand am Heck noch eine Falg - Zwilling.

Wie kann ich jetzt erkennen, welches es ist?
Wo sind die Schiffe gekennzeichnet? Nummer oder Name des Schiffes ...
Gibt es Bilder von diesem Schiffstyp?
Gibt es Informatieonen über Ladung / Geschichte / Unterscheidungsmöglichkeiten...?"

Ich würde gerne mehr erfahren über dieses Wrack.


Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Kroatischemarine am 28 Oktober 2011, 12:01:04
nothing new?
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: HolgerE am 25 Januar 2012, 23:25:38
2.5.1945. F - 944; Tagliamentomundung; selbst vernichten
2.5.1945. F - 1044; Tagliamentomundung; mine
 


Weiß jemand Näheres über die Geschehnisse an der Tagliamentomündung am 02.05.1945 - dort sind wohl auch einie Räumboote (R6, R8, R 10, R 187) selbst versenkt worden. Ein Angehöriger ist im Rahmen dieser Geschehnisse in Britische Gefangenschaft geraten.
Wer weiß, wo ich die KTB der 10. Landungsflottille einsehen kann? Gibt es da was digitales?

Danke.
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: TD am 25 Januar 2012, 23:41:12
Hallo Holger,

ein lückenhaftes KTB ( Papier ) liegt im Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg.

Teile des KTBs als Film befinden sich bei einigen Mitgliedern der Datenbank - Mitarbeiter.

Die genaue Erforschung der Vorgänge in der Tagliamentomündung ist sehr schwer.

Minen,S-Boote, Flieger durch die Briten.
Partisanen an Land, Sturm und Selbstversenkungen der Deutschen

Beute anderer Schiffe durch die Briten.

Man müßte ein britisches KTB bekommen um genauer weiter zu kommen.


Gruß

Theo
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Kroatischemarine am 25 März 2012, 17:02:27
I finally find MFP-625.
After almost 10 years of searching, the ship is discovered.  :MLL:
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: TD am 25 März 2012, 23:24:03
Meinen Glückwunsch dazu.

Wie sagt man, wer sucht der findet, auch wenn man 10 Jahre dazu einsetzten muß.

Ich frage auch nicht wo F 625 liegt.

Denk aber irgendwann, wenn die Sonnen noch besser scheint, an ein schönes Unterwasserfoto für unsere Datenbank.

Gruß

Theo
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Kroatischemarine am 25 März 2012, 23:57:53
Danke Theo

Die Suche dauerte 10 Jahre, aber mehr als eine Suche in den Archiven und den Fischern.
Einmal habe ich verengt den möglichen Bereich der durchsucht werden soll, fanden wir es für nur 3 Stunden.

Hier sind ein paar Bilder ist nicht gerade die beste Qualität, aber ich werde bald besser sein.

Bild 1. - einer der drei Propeller

Bild 2. - sehen dem Steuerhaus
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Black-Pearl am 28 März 2012, 11:49:46
Herzlichen Glückwunsch, Super!

Wie hast du das Schiff identifiziert. Hast du irgendwelche Beschriftung gefunden?
Wie tief liegt es denn?

Ich bin im Mai wieder in Kroatien tauchen und will dort das vermutliche MFP-433 identifizieren. Ich mach dann bestimmt auch ein paar Bilder :-)

Bis dahin beste Grüße
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Kroatischemarine am 28 März 2012, 17:29:00
Erfordern keine Identifizierung des Schiffes, weil es sich befindet, wo genau die Schlacht war im Oktober 1944.
Darüber hinaus versenden wir eine Ruder, was bedeutet, dass keine Klasse D bedeutet.
Das ist 100000% MFP-625.

Die Tiefe und die genaue Ort wird Ihnen nichts sagen, aber ich kann nicht untersuchen, alles über das Wrack.

If You want to dive on it, fell free to contact me.

Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: HolgerE am 02 April 2012, 20:47:45
Hallo Holger,

ein lückenhaftes KTB ( Papier ) liegt im Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg.

Teile des KTBs als Film befinden sich bei einigen Mitgliedern der Datenbank - Mitarbeiter.

Die genaue Erforschung der Vorgänge in der Tagliamentomündung ist sehr schwer.

Minen,S-Boote, Flieger durch die Briten.
Partisanen an Land, Sturm und Selbstversenkungen der Deutschen

Beute anderer Schiffe durch die Briten.

Man müßte ein britisches KTB bekommen um genauer weiter zu kommen.


Gruß

Theo

Danke, aber der Weg nach Freiburg ist weit.... gibt es eine Möglihckeit, die angesprochenen Forumsmitglieder wegen dem KTB zu konaktieren?

Danke und Grüße Holger
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Medea 45 am 27 Juli 2012, 16:17:35
Unternehmung Tagliamentomündung am 2.Mai 1945


An obiger Aktion nahm ich als Signalgast der Medea (3. Geleitflottille) teil und kann dazu nachstehende  Aussagen treffen:
Als sich abzeichnete, dass die Besetzung von Triest durch Tito-Truppen nicht zu verhindern war wurde das riesige den  offenen Hafen schützende U-BOOT- Sperrnetz teilweise geöffnet. Durch diese Lücke verließen die noch im Hafen liegenden deutschen Boote in den frühen Morgenstunden des 2.Mai, vollgestopft mit deutschen Soldaten vieler Waffengattungen, Triest, um der drohenden Gefangennahme durch die Partisanenarmee zu entgehen.
Alle Boote wurden im Laufe des Vormittags auf den flachen Strand gesetzt und mehr oder weniger problemlos entladen, um sich der dort operierenden neuseeländischen Panzertruppe zu ergeben.
Von deutscher Seite waren etwa 25 – 30 Einheiten beteiligt. Darunter auch etwa 6 – 8 MFP, für die dieses Vorhaben so richtig in ihr Aktionsprofil passte ( 1 Siebelfähre ? ).
Außer dem lückenlosen Sperrfeuer zur Abwehr der auftauchenden Jagdbomber gab es keine Kampfhandlungen. Die zwischen den Parlamentären ausgehandelte Vereinbarung besagte, dass alle angelandeten deutschen Soldaten bis 18 Uhr die Waffen abzugeben haben und sich auf dem Gelände des sich in unmittelbarer Nähe befindlichen Sanatoriums einfinden müssen.   
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Darius am 27 Juli 2012, 16:26:21
Hallo,

vielen Dank für die Information & ein "Herzlich Willkommen" im Forum.

 :MG:

Darius
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: t-geronimo am 27 Juli 2012, 18:25:16
Ich verschiebe das Thema mal in den HMA-Bereich.

Auch von mir ein herzliches Willkommen hier!  :O/Y

Medea 45, hättest Du eventuell Lust und Gelegenheit darüber einen etwas ausführlicheren Bericht für unser Historisches Marinearchiv zu schreiben, etwa in dieser Art:
http://historisches-marinearchiv.de/sonstiges/sonstiges.php#Erlebnisberichte

Falls ja, kannst Du mich auch gerne per PN kontaktieren. :)
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: TD am 27 Juli 2012, 18:42:24
Hallo Medea 45,

herzlich willkommen in unseren Reihen.

Einen Augenzeugen wie dich suche ich / wir/ schon seit ewigen Zeiten.
Thorsten hat mir die Worte aus dem Mund genommen !
Es wäre wiklich schön wenn Du uns zu den letzten Tagen in Triest  1945 und besonders in der Tagliamentomündung etwas mitteilen könntes.
Vielleicht vorab schon Deine Einheit 1945.
Wir müssen doch noch versuchen einmal die dort versenkten und von den Briten erbeuteten Boote zusammn zu bekommen.
@ Peter K
Hatten wir nicht schon vor vielen Jahren etwas begonnen ?

Also Medea 45,
nochmals willkommen

Theo

PS.: In welche Ecke Deutschlands lebst Du ?



Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Ferenc am 27 Juli 2012, 19:51:18
Willkommen Medea, :MG:

Bitte in umfangreicher Form die maritimen Erlebnisse berichten

LG
Ferenc
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Leutnant Werner am 28 Juli 2012, 16:26:33
Jo,
aus der Sicht der Kroatienfahrer war es unsererseits bedauerlich, dass wir vorher über versunkene WK2-Einheiten keine Erkundigungen eingezogen haben. Unser Schwerpunkt der kombinierten Studien- und Badereise war natürlich ein anderer. Als wir dann vor Ort waren, haben wir uns dennoch schon geärgert, weil keiner von uns mehr erinnern konnte, wo der von der Oberfläche gut sichtbare MFP im flachen Wasser liegt. Auch eine Siebelfähre soll da irgendwo an Kroatiens Gestaden noch gut sichtbar sein. Naja, wenn wir diesmal nicht hingekommen sind, ein anderes Mal findet sich bestimmt :-)
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Ferenc am 28 Juli 2012, 18:15:49
Hallo,

Die Siebelfähre LF 126 liegt in der Zavratnica-Bucht, 10 Minuten zu Fuss Richtung süden von Jablanac (viv a vis Rab). sieht man von oben und kann bequem "beschnorchelt" werden.
MFP-Reste sollten an der Insel vir liegen ("Kroatischemarine" weiß da Bescheid) und sehr interessant sind "Fritz" -genannte Reste, die über der Wasseroberfläche reichen, in der Rasa-bucht, Istrien Ostseite (siehe meinen Beitrag "Unterwasserschiff").

Ferenc
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Medea 45 am 08 August 2012, 16:43:04
Hier habe ich ein paar kurze Informationen zu meiner Einheit:

Angaben zur Medea / 3. Geleitflottille Venedig

( alles Gedächtnisangaben / keinerlei Unterlagen, nur einige Photos )

Als ich als 17-jähriger Signalgast im Mai/Juni 1944 frisch von der Signalschule nach Venedig kam war das Boot noch nicht einsatzfähig.
Aufenthaltsort: Werft auf  Giudecca ( noch Umbau oder Nachrüstung ? )
Indienststellung: Juni/Juli 1944
Baujahr: vor 1. Weltkrieg ( 1904 ? )
               Ursprünglich vermutlich Küstenpassagierschiff (Ausflugsdampfer)
Wasserverdr.:  600 – 700 t
Länge: 40 – 45 m
Tiefgang: etwa 3,50 m, da durch Bewaffnung, Panzerung, Munitionsvorrat und   
                Ausgleichslast  in der Bilge die Bullaugen der Mannschaftsdecks
                zugeschweißt werden mussten, weil sie unter der Wasserlinie lagen.
Antrieb: Hd-Kessel auf Kohle-Koks-Basis.
Geschwindigkeit: 12 kn
Besatzung: ca 50 Mann
Bewaffnung und
Ausrüstung:  1   7,6 cm Kanone  (ital. Fabrikat)
                      1   3,7 cm Flak       (   do.          )
                      4   2,-    ``     ``        Hersteller: Breda/ CH oder I
                      4   1,4   ``     ``-MG             do.

                      Unterwasserhorchgerät
                      Wasserbomben zur U-Bootbekämpfung
     
                      Fu-MP-Gerät / Radarvorläufer
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Medea 45 am 08 August 2012, 16:45:59
Vor Jahren fertigte ich für meine Enkel/Urenkel Gedächtnissprotokolle aus meinem Leben an. Nachstehend Protokoll 1945-05-2:

1945-05-2    Landung an der Tagliamentomündung

Inzwischen war das Ziel unserer Operation allenthalben bekannt geworden. In den flachen Gewässern der Tagliamentomündung sollen alle Boote auf Strand laufen und alle Besatzungen und die mitgenommenen anderen Truppenteile versuchen unbehelligt festen Boden unter die Füße zu bekommen. Der sehr flache Strand war für unser Vorhaben ideal. Die Landung hatte auf der nördlichen Seite der Mündung zu erfolgen, da es immer noch Leute gab, denen ein Durchkommen nach Deutschland möglich schien. Wir wussten aber nicht konkret, dass zu diesem Zeitpunkt auch schon der obere Teil Italiens in der Hand der Alliierten  war.
Der Tagliamento ist ein Alpenfluss. Zwischen Caorle und Grado, also auf halbem Wege zwischen Venedig und  Triest erreicht dieses reißende Gewässer die Adria, von Triest aus geradewegs ein Katzensprung.
Als wir außerhalb der Reichweite eventueller feindlicher Geschützstellungen  waren, ergab sich ein Gespräch mit einem fast gleichaltrigen Gebirgsjäger, einem Österreicher. Damals sagten wir Ostmärker, denn Hitler nannte sein Heimatland nach der deutschen Besetzung 1938 Ostmark. Seiner Einheit war der Durchbruch nach Norden in das benachbarte Österreich nicht gelungen. Von einem Sender der Partisanen brachten sie in Erfahrung , dass in Triest die deutsche Marine noch Widerstand leistet. Um der drohenden Gefangennahme durch die Partisanen zu entgehen,  schlugen sie sich auf Schleichwegen kämpfend zu uns durch. Dabei hatte er seinen besten Kumpel verloren, wahrscheinlich war er in der Dunkelheit von den anderen unbemerkt in eine Schlucht gestürzt. Dieser Mann war fix und fertig. Er konnte sich einfach nicht damit abfinden, dass sein bester Kamerad evtl. hilflos in den Bergen lag. Beim Erzählen heulte er wiederholt laut auf. Dazu kam seine panische Angst vor der bevorstehenden Miniseereise.
Die vor uns laufenden Boote hatten das Zielgebiet bereits erreicht. Zum Teil waren es Siebelfähren und Fährprähme, für die solches Vorhaben wie auf den Leib geschneidert war. Diese Fahrzeuge waren speziell für Truppenanlandungen gebaut und konnten fast bis an den Strand ranfahren. Mit unseren 3 m Tiefgang sollte sich das alles viel schwieriger gestalten.
Wie erwartet, erschienen nun die ersten Jabos am Himmel. Vier „Mustangs“ waren es, demnach Amis. Als sie in die für uns gefährliche Nähe gekommen waren, legten wir ihnen einen mörderischen Eisenhagel vor die Nase, der sie sofort zum Abdrehen zwang. Aber nicht viel später erschienen die nächsten, denen ist nicht anders erging. Dieses Spielchen wiederholte sich noch mehrmals. Wenn alle Rohre losballerten, verdunkelte sich der Himmel. Die Wolke der explodierenden Flak-Granaten war so dicht, dass die dahinter in größerer Höhe fliegenden Feindflugzeuge nicht mehr zu sehen waren.
Mit noch ziemlicher Fahrt nahm unser Boot direkten Kurs zum Strand. Festhalten war befohlen. Zuerst ein leichtes Knirschen, was schnell lauter wurde, dann ein von einer Strandmine verursachter Knall und mit einem Ruck, der alles durcheinander wirbelte, war Ruhe. Nur langsam neigte sich die Medea noch etwas zur Seite, als wollte  sie es  sich für  einen längeren Schlaf gemütlich einrichten.
Wie ich von Bord gekommen bin, weiß ich nicht mehr. Hier habe ich eine totale Gedächtnislücke. Trotz großer Bemühungen ist mir das Auffüllen dieser Lücke zu keiner Zeit meines Lebens gelungen. Einfach weg, alles weg! Eigentlich ist mir diese Lücke unverständlich. Es war doch eine sehr bedeutsame Stunde in meinem Leben. Aber kein Gedankensplitter ist mehr vorhanden. Bin ich ein Stück geschwommen, bis ich Grundberührung hatte ? Oder habe ich ein Boot oder ein Floß benutzt ? Ich kann mich an nichts erinnern, einfach Filmriss.
Ich weiß nur noch, dass ich nicht viel bei mir hatte, da wir nach Beruhigung der Lage noch mal an Bord gehen wollten, um unsere Sachen zu holen. Aufgrund der vielen zwischendurch sehr tief fliegenden Jabos ist daraus nichts geworden. Es war uns einfach zu gefährlich.
Bald zeigte sich auch, dass aus dem geplanten Marsch nach Deutschland nichts wird. Wir waren schon wieder umzingelt. Da sie nur halbherzig getarnt waren, konnten wir in Büschen und Bodenwellen zahlreiche „Sherman-Panzer“ ausmachen. Sicherlich wollten sie sich zeigen, damit wir nicht auf dumme Gedanken kommen.
Mit einer weißen Fahne gingen drei Offiziere von uns dorthin, um den gemischten Verband kampflos zu übergeben.
Zurück kamen unsere Parlamentäre in Begleitung von neuseeländischen Soldaten und Offizieren. Es stellte sich heraus, dass eine neuseeländische Panzerabteilung, die auf der Seite der Alliierten kämpfte, uns gegenüber lag. Diese Abteilung musste nun unsere Gefangennahme abwickeln, wobei sie überfordert war. Schätzungsweise waren 3ooo bis 35oo Mann in ihrem Rücken gelandet. Es war aus ihrer Sicht nicht von vornherein erkennbar, dass es sich um durchweg kriegsmüde Männer aus den verschiedensten Einheiten handelte.
Am Strand lief in der Zwischenzeit alles durcheinander. Nur einige Einheiten der Wehrmacht, die geschlossen und bewaffnet mitgekommen waren, lagen noch zusammen und konnten noch befehligt werden.
Dann erschienen Bedford-LKW der Neuseeländer, die sich zu einem Viereck formierten. Hier waren sämtliche Waffen abzugeben, was mich nicht sonderlich interessierte, da ich kein Schießeisen bei mir hatte.
Von Mann zu Mann erfuhren wir nun, dass um 18 Uhr unsere Gefangenschaft beginnt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich alle auf der in der Nähe befindlichen weiträumigen Sanatoriumsanlage einzufinden, die nun nach und nach von Posten umstellt wurde.
Schweigsam hatte ich mich zu einer Gruppe junger Baldgefangener gesellt, die müde im Sand rumlümmelten. Alle waren erschöpft, deprimiert und ratlos. Wie soll es nun mit uns weitergehen? Diese Frage stand unausgesprochen in der Luft, als ein alter Obersteuermann der Flottille zu uns trat, um uns Mut zu machen. Er hatte wohl unseren Zustand erkannt und fing an: „Jungs, ihr seid jetzt Kriegsgefangene. Damit müsst ihr euch abfinden. Zunächst seid ihr vogelfrei, man kann mit euch machen, was man will. Zum Schutz von Kriegsgefangenen gibt es zwar die Genfer Konvention, aber es wird in wenigen Tagen keine deutsche Regierung mehr geben, die die Einhaltung kontrollieren kann.“
Nach kurzer Pause fuhr er fort: „Aber das Leben geht weiter und für euch fängt es erst an. Irgendwie und irgendwann gibt es einen Neuanfang. Vor allen Dingen denkt erst mal nur daran, dass ihr überlebt habt. Ab heute will  niemand mehr an euer junges Leben. Niemand ist mehr da, der euch totschießen will. So, nun lasst euch nicht unterkriegen.“   
Dieses kurze Ansprache werde ich nie vergessen. Schon deshalb nicht, da ich erstmals  von der Existenz der Genfer Konvention hörte. Auch der Begriff „vogelfrei“ war mir vollkommen neu.
Wir trotteten zum Sanatorium, einem Prachtbau. Ich war zu müde, um mich lange umsehen zu können. Ich wollte nur noch schlafen und legte mich einfach auf die von der Sonne schön erwärmten Fußbodenplatten aus Marmor unter freiem Himmel.
Schlafend begann ich meine Gefangenschaft, die viele Jahre dauern sollte, genau um 18 Uhr des 2.Mai 1945. Ich habe lange, lange geschlafen.

Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Karsten am 08 August 2012, 17:07:47
Herzlichen Dank für den Bericht. Sehr beeindruckend. Wie lange dauerte denn dann Ihre Kriegsgefangenschaft? Ich dachte immer, dass bei den westlichen Alliierten in Kriegsgefangenschaft geratene Soldaten bald wieder heimkehren konnten. Wobei "bald" natürlich auch ein dehnbarer Begriff ist.
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: TD am 08 August 2012, 21:57:00
Hallo Medea,

recht herzlichen Dank für deine interessanten Berichte.
So ist nun auch das Ende der MEDEA, bis 1941 der jugoslawische Küstendampfer TRIGLAV klar.

Unten habe ich einige Datensammlungen zu diesen Dampfer gestellt.
In britischen MTB – Büchern wird berichtet das einige Boote auch noch die deutsche
Schiffsansammlung angegriffen haben.
Leider habe ich ja immer noch technische Probleme alles zusammen zu finden.

Viele Grüße

Theo



Nr. 23  MEDEA

11.4.41 lt. DDK Bd.8/433 versenkt.
30.9.43 Von Triest nach Venedig ausgelaufen, dort vom Marine-
        Kommando Italien für Hafenschutzflottille  beschlag-
        nahmt und als IV 54 i. D. gestellt.
  2.1.44 Vom Marineoberkommando Italien an Admiral Adria für                                                         Transportaufgaben freigegeben. 
  3.1.44 Vom Seekommandanten West-Adria an Seekommandant Nord-Adria
         zum Einsatz abgeben.
  5.1.44 In Pola Übernahme durchgeführt.
  9.1.44 Für ein Unternehmen gegen die Insel Ist nochmals durch die
         KM als Truppentransporter eingesetzt.
 10.2.44 Als bewaffneter Transporter der MMR gemeldet.
 19.1.45 Indienststellung als G 310 ,gleich oder später an die it.
         neue (faschistische) Marine ?,innerhalb der 3.Geleitflottille     






Medea (1905) österr.-ungar.S/P Tatra, 1922 jugoslaw., 11.4.41 (+) Insel Krk, Sommer 41 (, ital. Medea, 12.9.43 Venedig dt. Beute, 30.9.43 IV 54, 19.1.45 G 310 /1945 re, jugosl.Triglav, 1947 Opatija, 1948 Vida, 1952 Opatija, 1953 Vida, 1965 br.

Medea (1905, Triest: Stabilimento tecnico, 348) 287 BRT; 45,96 x 6,43 x 3,35 m; 650 PSi, 12,5 kn; österr.-ungar. S/P Tatra; 1916 - 1918 k.u.k. Marine; 1919 ital.; 1922 jugosl. Triglav, Jadranska Plovidba, Susak; 11.4.1941 (+) Bucht v. Dobrinj; ital. , rep., Medea, Soc. Fiumana di Navigazione, Fiume; 12.9.1943 Venedig beschlagn.; 30.9.1943 Kriegsmarine, IV 54; 2.1.1944 Einsatz als Transporter; 10.2.1944 b. MMR als bew. Transporter; 19.1.1945 Kriegsmarine, G 310; 1945 re, jugosl. Triglav; 1947 Opatija; 1948 Vida; 1952 Opatija; 1953 Vida; 1965 br.


MEDEA
250 BRT
Deutsches Marinekdo. Italien
HS Flott. Venedig
3. Geleitflott.  “G 310”
A VI 202/43



13.01.44    D MEDEA ,?,nach schweren Bombentreffer nahe Bordwand,
mit Maschinenschaden von SACARPANTO Venedig eingeschleppt

Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Medea 45 am 14 August 2012, 15:17:09
Hallo Karsten

Juli/August 1948      In Munsterlager Entlassung aus englischer Kriegsgefangenschaft, nach
                                  Rückführung von Benghasi über Triest.

                      Zwischenaufenthalt in Herford bei einem Kameraden der 3. Geleitflottille.

Anf. Okt. 1948        Entlassung aus „Quarantänelager“ Leipzig.     
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Medea 45 am 14 August 2012, 15:21:52
Hallo Theo
deine Angabe zum 19.1.45 ist nicht ganz zutreffend.
Die Medea war vom Sommer 1944 bis zum 2. Mai 1945 ohne Unterbrechnung Geleitboot in der 3. Geleitflottille, wie von mir beschrieben.

Viele Grüße
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Darius am 14 August 2012, 19:19:45
Hallo Medea,

vielen Dank für die sehr interessante Geschichte.

 :MG:

Darius
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Zerstörerfahrer am 14 August 2012, 20:59:56
Hallo Theo
deine Angabe zum 19.1.45 ist nicht ganz zutreffend.
Die Medea war vom Sommer 1944 bis zum 2. Mai 1945 ohne Unterbrechnung Geleitboot in der 3. Geleitflottille, wie von mir beschrieben.

Viele Grüße

Hallo Medea,

im Prinzip hast du ja recht! Nur verhält es sich so, daß MEDEA bis Dez. 1944 zur Hafenschutzflottille Venedig als IV 54 gehörte (siehe KTB). Im Dez. 1944 wurde aus dieser Hafenschutzflottille die 3. Geleitflottille gebildet und so habt ihr beide recht.  :-)

Grüße
René
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: TD am 14 August 2012, 23:49:12
Danke Rene


wollte mich gerade aus dem Sessel lieften und das KTB suchen !


Ist ja bei MEDEA und glaube zwei weiteren Schiffen nur bekannt das sie als „Bewaffneter Transporter“ gleichzeitig der HS Venedig unterstellt waren und gleichzeitig für die MMR wohl ur kleine Frachtmengen fuhr,

Das mit den MMR – Zuteilung als Transporter kann natürlich Planung auf dem Papier gewesen sein.
Ein Schiff war noch die SCARPANTO welche wohl immer bei der MEDEA war.

Einen dritten kann ich z.Z nicht finden, kann auch ein Irrtum sein oder eine Verwechselung mit den „Tintenfischen“

AFRA    und  SAN GUISEPPE II   

Welche ja auch als bew. Transporter für KM – Admiral Adria und MMR fuhren.

Gruß

Theo




Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Ferenc am 15 August 2012, 13:45:42
Hallo,
Zur Medea kurz die k.u.k. Zeit

Gebaut 1905 in Triest, STT, lt. Ufficio veritas Austro-Ungarico BRT: 232 NRT: 132, April 1905 Indienst gestellt, von der Reederei Ungaro-Croata, unter Kapitän Nicolo Percich als Küstendampfer eingesetzt. Ab 19.11.1916 von der Kriegsmarine angemietet, armiert und im Kreuzungsdienst zwischen Fiume und Zara eingesetzt. 1917 für Lotsendienste in Pola verwendet. Ab 16.02.1918 eingeteilt zur U-Such-Flottille, Kapitän: Frgtlt. Friedrich Zimburg Edl. v. Reinerz. (Die U-Suchflottille wurde erst im Februar 1918 aufgestellt). Am 16.4.1918 von einem italienischen Flugzeug mit Bomben beworfen aber nicht getroffen. Am 28.8.1918 auf Grund gelaufen und vom Dampfer Makarska abgeschleppt. Am 9.9.1918 zweimal von einem feindlichen U-Boot anlanziert (Torpedoangriff) aber nicht getroffen. Das angreifende U-Boot ergebnislos verfolgt.

Grüße
Ferenc


Anbei ein Foto:



 
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Medea 45 am 23 August 2012, 15:30:46
Hallo Ferenc

vielen Dank für deine umfangreichen Ausführungen.
Hier habe ich 3 Bilder welche die Medea nach dem Umbau zeigen, so wie ich sie kenne.

Viele Grüße

Medea
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Peter K. am 23 August 2012, 18:13:18
Danke für den interessanten Bericht und die tollen Fotos!  top

Darf ich dich bei Gelegenheit um eine Vergrößerung des Wappens bitten?
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: kgvm am 23 August 2012, 18:15:29
Superbilder. Danke fürs Einstellen.
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Darius am 23 August 2012, 20:10:34
Hallo,
 
vielen Dank für die sehr interessanten Bilder  top
 
 :MG:
 
Darius
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Karsten am 23 August 2012, 21:23:08
Tolle Fotos - vielen Dank fürs Zeigen!

Bild 3 ist in Venedig aufgenommen, oder?
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Ferenc am 24 August 2012, 20:17:51
Hallo Medea 45,

Hast Du über über weitere Einsätze noch Berichte oder Bilder. Würde uns sehr interessieren.
Gruß
Ferenc   
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Medea 45 am 04 September 2012, 17:12:28
Hallo Ferenc,
einen Bericht habe ich noch:

1945-05-1   Ausbruch aus Triest

Fremde Laute weckten mich aus meinem leichten Dämmerschlaf, den ich mir auf einen Stoß zusammengerollter Tampen  unter dem Treppenaufgang zum Bootsdeck genehmigt hatte. Unweit von mir auf der Pier sprach der Kommandant mit einem Offizier mit österreichischem Dialekt. Da das Gespräch nur  halblaut geführt wurde , blieben mir Einzelheiten verborgen.
Inzwischen suchte mich der erste Signalgast zur Wachübernahme auf dem Signaldeck. „ Komm, steh auf! Es geht los,“ sagte er. „Was geht los?“ war meine Frage. Keine Antwort, zu schnell war er in der Dunkelheit untergetaucht.
Noch ziemlich verschlafen versuchte ich mich auf meiner Station zurechtzufinden. Ich merkte dann bald, dass verschiedene Boote ihren Liegeplatz verändert hatten. Auch unser Kessel stand unter Dampf.
Mein Zwischenschlaf war doch länger gewesen, als zunächst von mir angenommen. Mitternacht war vorüber und der Smutje bot eine Zwischenmahlzeit an, auch eine warme Suppe. Hier erfuhr ich von Kameraden, dass wir ausbrechen wollen. Diese Mitteilung hatte ich durch meinen Schlaf nicht mitbekommen. Sie sollte auch nicht als Sondermeldung hinausposaunt werden, sondern war von Mann zu Mann weiterzu- geben.
Auf dem Signaldeck wieder angekommen, bemerkte ich einen Menschenauflauf auf der Pier direkt vor unserem Boot. Es waren Gebirgsjäger in voller Ausrüstung, die mit uns den Kessel verlassen wollten. Es begann auch bald die Einschiffung. Sie mussten sich gleichmäßig verteilen. Für die Stammbesatzung wurde es dadurch natürlich sehr eng.
Kurze Zeit später gab es Befehle an den Maschinenraum. Das konnte ich ganz deutlich hören, denn überall herrschte gespannte Ruhe. Dann rasselten die Ketten der Ruderanlage und es hieß: Leinen los.
Alle Geschütze wurden doppelt besetzt. Auch der 1.Signalgast war an Deck. Nun erfuhr ich Einzelheiten der in Gang gesetzten Unternehmung. Demnach war das riesige U-Boot-Sperrnetz an einer bestimmten Stelle beseitigt worden und dort sollte die ganze Armada, nach Möglichkeit vom Feind unbemerkt, hindurchschlüpfen. Sollten wir doch bemerkt und Bestrebungen erkennbar werden, unser Vorhaben zu unterbinden, ist unsere gesamte Feuerkraft zur Durchsetzung einzusetzen.
Fast geräuschlos und mit kleiner Fahrt lief alles ab. Die Stelle, die uns freie Fahrt aus dem Hafen gewährte, war schon gut zu erkennen. Dort gab es einen Stau. Die ersten
„Flüchtlinge“ hatten schon freies Fahrwasser erreicht. Auch das war zu erkennen. Zwei Einheiten, die keine Landser an Bord hatten, sicherten den Durchbruch.
Die ganze Aktion verlief nach Plan. Es gab keinerlei Zwischenfälle. Der neue Tag begann sich zu räkeln und es wurde heller. An Steuerbord war das riesige Wrack der
„Rex“ gut zu erkennen. Die „Rex“ war vor dem Krieg mit über 50.000 BRT das größte italienische Passagierschiff gewesen. Total verrostet lag es nun schon seit Jahren auf Strand vor dem kleinen Hafen Grado. Ich nehme an, dass es 1943 beim Sturz Mussolinis auf Strand gesetzt wurde. Vielleicht war Feindeinwirkung auch dabei. Jetzt war es jedenfalls ein riesiger ausgebrannter Schrotthaufen.
Die Sonne stieg ansichtskartenverdächtig hinter den Alpenausläufern hervor, wirklich wie gemalt. Zu dieser Stunde war auf offener See vom Krieg weder was zu hören noch zu sehen. Einfach ein überwältigender friedlicher Anblick. Der 2. Mai 1945 versprach ein herrlicher Tag zu werden, aber nicht für uns.


Viele Grüße Medea
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Ferenc am 04 September 2012, 22:28:08
Vielen Dank top
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: TD am 05 September 2012, 05:10:30
Hallo Medea,

auch von mir meinen Dank !

kannst Du und nicht etwas schreiben zur Verpflegung, Kontakte zur Bevölkerung, Treibstoff, Luftangriffe usw. bei Kriegsende im sicher nicht bestens Adria Bereich ?
Ich könnte mir vorstellen dass kaum noch etwas aus dem Reich bis nach Triest durch gekommen ist.
Sei bitte nicht böse wegen der vielen Fragerei, aber wann haben wir von den letzten Kriegstagen hier Jemand aus der Adria – Gegend ??

Gruß

Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Urs Heßling am 05 September 2012, 18:05:54
moin,

An Steuerbord war das riesige Wrack der „Rex“ gut zu erkennen. Die „Rex“ war vor dem Krieg mit über 50.000 BRT das größte italienische Passagierschiff gewesen. Total verrostet lag es nun schon seit Jahren auf Strand vor dem kleinen Hafen Grado. Ich nehme an, dass es 1943 beim Sturz Mussolinis auf Strand gesetzt wurde. Vielleicht war Feindeinwirkung auch dabei. Jetzt war es jedenfalls ein riesiger ausgebrannter Schrotthaufen.

Rex (51062 BRT), am 8.9.44 von Beaufighter der RAF in Brand geschossen.

Gruß, Urs
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Medea 45 am 21 September 2012, 19:51:58
Hallo Theo,
heute einige Antworten (wiederum alles Gedächtnisantworten, da ich über keinerlei Unterlagen verfüge):
-   ab Herbst 1944 beschränkte sich unser Operationsgebiet nur noch auf die nördliche Adria (Dreieck: Venedig – Triest – Pola).
Die totale Luftherrschaft der Alliierten ließ dann auch nur noch Nachteinsätze zu. Vom Sommer 44 bis Mai 45 habe ich kein deutsches Flugzeug beobachten können (in einem Fall konnte Identität nicht eindeutig geklärt werden, da Maschine uns in zu großer Entfernung umkreiste / evtl. Ju 88 ? ).

Die größte Gefahr für uns bildeten die gegnerischen Jagdbomber (Jabo) der Typen:
  P 51 „Mustang ``(in der Mehrzahl),
  „Typhoon / Tempest II`` ,
  P 47  “ Thunderbolt”  ?.
In der Dunkelheit  wurde die zweimotorige “Douglas Boston”, vermutlich mit Radar -  ausrüstung, auf uns angesetzt. Diese Maschine führte Luft-See-Raketen mit sich.

Triest wurde relativ wenig zerstört, ausgenommen das Hafengelände. Ich selbst erlebte ein Flächenbombardement im Hafen eines kleineren Verbandes viermotoriger Maschinen. Bei uns erzählte man sich, der Hafen von Triest sei bloß Ersatzziel auf Rückflug gewesen, da die auf Sizilien gestarteten Maschinen ihr Ziel in Rumänien (Ölraffinerien) nicht gefunden hätten???
Die Verpflegung an Bord war bis zuletzt gut bis sehr gut. Meine Hungerzeit begann am 3.5.45. Die neuseeländische Einheit am Tagliamento konnte ja nicht damit rechnen, dass ganz plötzlich 2000 oder 3000 deutsche Soldaten weit hinter ihrer Frontlinie auftauchten und verpflegt werden wollten. Schnell wurden in etwa 10 Kilo schweren, luftdicht zugelöteten, Weißblechbehältern (wahrscheinlich als „Eiserne Ration“ gedacht) befindliche, scheußlich schmeckende englische Armeekekse herbeigekarrt.
6 Stück ( i.W.: sechs) gab es pro Tag und das fast 1 Woche lang. Das war der Beginn meiner Hungerperiode.
Die Originalphotos werde ich noch im Herbst zustellen.   Inzwischen heute vorab meine Kurzgeschichte 1944-11-2, die von einer nächtlichen Begegnung mit der „Cradisca“ erzählt, also von einem Kriegserlebnis ganz anderer Art.
Bei Bewertung der beschriebenen kurzzeitigen Euphorie auf dem Bootsdeck muss man sich vor Augen halten, dass die Männer bereits über 5 Jahre lang kein beleuchtetes Fenster mehr gesehen hatten.

1944-11-2 Begenung mit der „Cradisca“

Stockdunkle Novembernacht. Kein Stern am Himmel. Die Kimm nur zu erahnen. Eine leichte Brise surrte in der Takelage und sorgte für etwas Wellengang und klare Luft, aber    die Hand vor Augen kaum zu erkennen.
In solchen Nächten war besondere Aufmerksamkeit notwendig. Wir fuhren ja in völliger Dunkelheit, denn die Leuchttürme, auch die Bojen am Rande der Minenfelder dienten nur mit Minirichtfeuern, reineweg zum Pupillenverstauchen.    Auch auf und an der Adria galt totale Abdunklung. Die Partisanen in den Bergen kümmerten sich wie immer überhaupt nicht darum. Zahlreiche Lagerfeuer konnten auch in dieser Nacht mit bloßem Auge beobachtet werden. Sie fühlten sich sehr sicher und demonstrierten, wer der wirkliche Herr im Lande ist.
Plötzlich Steuerbord voraus direkt über der Kimm ein grelles helles Licht. Für einen Moment glaubte ich an Seegespenster, Halluzinationen. Erschrocken meldete ich es sofort an die Brücke. Durch meinen Schreck hatte ich aber keine klare Aussage gemacht und wurde erst einmal angefaucht. Im Sprachrohr hörte ich auch die Worte vom Steuermannsmaat: „ Der dreht wohl durch!“ Eine Etage tiefer auf der Brücke konnte das Licht aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht beobachtet werden.
Sekunden später stand der Kommandant neben mir auf dem Signaldeck und war gleichfalls sprachlos. Inzwischen hatte das Licht an Höhe gewonnen. Viele kleinere Lichter, auch bunte, hatten sich dazu gesellt und ständig vergrößerte sich das Lichtermeer. Mit meinem guten Zeiss-Nachtglas konnte ich es nun schnell als Topbeleuchtung eines großen Schiffes ausmachen.
Dann stand es fest. Das Lazarettschiff „Cradisca“ , welches wir aus verschiedenen Häfen kannten, kreuzte unseren Kurs. Die riesigen roten Kreuze an den zwei hohen Schornsteinen waren angestrahlt und gut zu erkennen. Unser Kommandant war wütend, dass man uns das nicht gemeldet hatte.
Auf den Decks konnte man zwischendurch die Prachtbeleuchtung auch ohne Fernglas erkennen. Es brach richtiger Jubel aus. Auf dem Bootsdeck schrie einer vor Erregung: „Wir haben Frieden! Der Krieg ist aus! Wir wissen das bloß noch nicht!“ Die Ernüchterung folgte natürlich auf dem Fuß. Lazarettschiffe fuhren ja ständig voll beleuchtet.
Herrlich anzusehen, wie die „Cradisca“ ihre ganze Schönheit über die Kimm hob. In meinem jugendlichen Leichtsinn wollte ich mit dem Handscheinwerfer gute Fahrt signalisieren. Das wurde mir aber berechtigterweise streng untersagt, damit wir unsere Position nicht verraten. Es bestand ja die Möglichkeit, dass die Schönheit unsichtbare Begleiter aus dem feindlichen Lager hatte.
Majestätisch, ganz in weiß und über alle Toppen hell erleuchtet, rauschte der über 20.000-Tonner wie ein Geisterschiff in ziemlicher Nähe als gewaltige Lichtwand an unserer grauen Nussschale vorbei, ohne uns nur eines Blickes zu würdigen. Die Lichterpracht wurde dann schnell kleiner, um bald ganz zu verschwinden.
Wir waren wieder in dieser hässlichen, ganz hässlichen Finsternis und kamen uns sehr erbärmlich vor. Viele wurden mit dem eben Erlebten gar nicht fertig. Der überraschend vorgeführte Kontrast war zu heftig. Hinterher wurde alles gespenstisch empfunden, so wie im „Fliegenden Holländer“ oder in einem Film. War das ein echtes Erlebnis, oder hatten wir alle geträumt?

Gruss Medea
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: kgvm am 21 September 2012, 19:57:42
Danke für den interessanten Bericht, Medea. Allerdings hieß das Lazarettschiff "Gradisca".
Hier ein Foto:
http://www.photoship.co.uk/JAlbum%20Ships/Old%20Ships%20G/slides/Gradisca-02.jpg
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: TD am 21 September 2012, 22:28:18
Lieber MEDEA,


wieder recht herzlichen Dank für deinen Bericht.

Hoffe wir haben noch oft die Möglichkeit solche Zeitzeugenberichte zu bekommen.

Schönes Wochenende

Theo
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Ferenc am 22 September 2012, 09:36:37
Ebenfalls, Danke für den Beitrag und bitte um weitere. top

Ferenc
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Darius am 22 September 2012, 12:48:08
Hallo Medea,

schön, dass Du uns an Deinen Lebenserfahrungen beteiligst.

Danke &  :MG:

Darius
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: TD am 25 September 2012, 07:34:06
Lieber Medea,

ich möchte auch die Gelegenheit nutzen noch eine vielleicht banal klingende Frage an dich als Augenzeugen loszuwerden.

Oftmals sieht man auf Fotos von Besatzungsmitgliedern auf Schiffen die Besatzung an Bord in zivilen Hemden und Unterhemden, meist mit Karos und ähnlichen einfachen Mustern.

Wenn es sich um Handelsschiffe dreht ist das ja klar, aber bei Kriegsschiffen besonders kleinen Einheiten ist das doch verwunderlich.

Kannst Du uns dazu etwas schreiben ?

Ich weiß ja nicht wie lange besonders im Südraum bei Landgängen kein Uniformzwang bestand.

Viele Grüße

Theo
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Medea 45 am 28 September 2012, 17:08:41
Hallo  kgvm

Gradisca hatte sich in meinem Gedächtnis mit „C“ eingenistet. Wird geändert!
Danke!

Hallo Theo

Zivil gab es bei uns zu keiner Zeit und an keinem Ort, weder an Bord noch an Land. Nebenstehend Bild in meinen Einsatzklamotten.

Gruß  Medea
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: TD am 28 September 2012, 18:36:19
Danke für die Auskunft.

Man muß fragen um etwas zu wissen in solchen Fällen.

Hast damals auch mit Schwimmweste einen guten Eindruck gemacht !

Gruß

Theo
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: t-geronimo am 28 September 2012, 20:02:16
Hallo Medea!

Sag mal, hättest Du nicht Lust, auch für unser HMA etwas für die Rubrik "Erlebnisberichte" zu schreiben?
 --/>/> http://historisches-marinearchiv.de/sonstiges/sonstiges.php#Erlebnisberichte

Vieles könnte man ja bereits übernehmen und ich bin auch gern dabei behilflich!
Falls dem so ist, kannst DU mich auch gerne per PN kontaktieren.
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Medea 45 am 11 Oktober 2012, 16:23:27
Hallo Peter, hier noch einmal das gewünschte Wappen der Hafenschutzflottile Venedig.

Gruss Medea
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Medea 45 am 11 Oktober 2012, 16:31:46
Medea 45 in eigener Sache:

Als ich 1949 einen neuen Lebensabschnitt begann hatte ich Hunger, wenig Geld, keinen Beruf und keinen Abschluss. Die Prioritäten waren also vorgegeben. Dazu kam noch, dass in die sowj. Besatzungszone heimkehrende Kriegsfreiwillige mit 12-Jahresverpflichtung von den neuen politischen Führungskräften, die ja eine neue Gesellschaft aufbauen wollten, schon mal mit Argwohn betrachtet wurden.
Krieg und Gefangenschaft waren also keine Gesprächsthemen, weder in der Familie, noch im Betrieb oder unter Freunden. Abhaken und verdrängen, vergessen ging nicht, waren angesagt.
Etwa 50 Jahre später begann ich auf Drängen meiner Enkel markante Stunden und Tage meines Lebens in kurzen Geschichten festzuhalten Dazu gehören auch die bereits eingestellten Berichte 1944-11-2, 1945-05,1 und 1945-05-2. Nun muss ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese Erzählungen niemals für eine Veröffentlichung gedacht waren, da sie ohne jegliche Recherchen verfasst wurden. Die Ereignisse sind so wiedergegeben, wie sie der damals jugendliche „Marinepimpf“ im Gedächtnis abgelegt hatte. In Jahrzehnten kann aus Grün ein Grau werden, auch kann ein dem November 1944 zugeordnetes Erlebnis im Dezember des gleichen  Jahres geschehen sein, aber fiktiv ist nichts!
An einem Abend Anfang Oktober 2o12, so gegen  21,46 Uhr bin ich in mein 87.Lebensjahr eingestiegen. Für mich ein Grund meinen Forumsausstieg altershalber anzukündigen. Vorher sollen aber alle Fragen beantwortet sein, jedenfalls will ich mir Mühe geben.
Da ich erst kurze Zeit im Internet bin, fehlt mir die Perfektion.  Als Student hat mein Helfer nicht immer Zeit für mich. Deshalb ist weiterhin etwas Geduld nötig.



1945-04-1   Partisanen besetzen Venedig

Der Monat April neigte sich dem Ende zu. Auch der Krieg wird nicht mehr lange dauern, das war die Meinung vieler. Zunehmende Kriegsmüdigkeit war nicht mehr zu übersehen.
Hitlers Geburtstag war erstmals ohne viel Rummel vorbei gegangen. Am 20.April 1889 war er in Braunau am Inn als Sohn eines Zollbeamten zur Welt gekommen. Streng genommen war er gar kein Deutscher. Das wurde aber nicht gelehrt, und es störte auch niemand.
Jedenfalls nach dem 20. April 1945 wurde ich als Jüngster an Bord wieder mal einem Spezialkommando zugeteilt. Da hieß es dann immer: „Du hast keine Familie, du kannst das mitmachen.“
Was da mitzumachen war, konnte mir keiner sagen. Auf zwei Flugsicherungsboote verladen, mit Panzerfäusten, Schnellfeuergewehren und Maschinenpistolen ausgerüstet, ging es los. Hier erfuhren wir dann von unserer Aufgabe. Irgendwelche Leute hatten angeblich ermittelt, dass ungeheure Mengen an Handfeuerwaffen nach Venedig geschmuggelt werden, in der Hauptsache über den Damm vom Festland und mit der Bahn. Wir sollten im Handstreich den Bahnhof besetzen, damit die Waffenzufuhr unterbinden.
Die beiden Boote rasten mit uns durch den Canal di Grande, unter der weltbekannten Rialtobrücke durch, bis zum Bahnhof. Dort angelegt sprangen wir von den Booten, um mit der Realisierung unserer Aufgabe zu beginnen. Noch auf dem Bahnhofsvorplatz  trat uns ein Oberstleutnant, angeblich der Stadtkommandant, entgegen und brüllte uns an: „Seid ihr denn verrückt geworden, was wollt ihr denn hier? Ihr macht mir bloß die ganze Stadt verrückt! Haut ab und fahrt zurück!“
Unser Stoßtruppführer war nur Leutnant und hatte zu gehorchen. Wie begossene Pudel zogen wir ab. Das war eine Blamage!
War das wirklich der Stadtkommandant? Vielleicht hatte er heimlich schon längst mit den Partisanen Verbindung aufgenommen? Oder war es ein Partisan in einer deutschen Uniform?
Eine Antwort auf diese Fragen hat es nie gegeben. Im Nachhinein konnten wir über diese Entwicklung nur froh sein. Einen Nahkampf mit den weit überlegenen und aus dem Hinterhalt operierenden  Partisanen hätte unser wild zusammen gewürfeltes Häufchen nicht überstanden, zumal es auch keinerlei Instruktionen  über das weitere Verhalten auf dem überwiegend von Zivillisten frequentierten Bahnhofsgelände gegeben hatte.
Zwei oder drei Tage später war es dann soweit. Der Sturm brach los. Im Morgengrauen brüllte  unser Wachposten von der Pier in alle Decks: „Großalarm, Alarm, Alarm, alle Mann an Deck. Die Pier ist voller Partisanen!“
Was nun unsere ungewaschenen Augen wahrnahmen, war geeignet mittels totaler Schockwirkung eine ebenfalls totale Lähmung auszulösen. Die breite Promenade, an der wir lagen, füllte sich mit Tausenden schwer bewaffneter Zivilisten. Zwei Gruppen konnten wir ausmachen. Die Kommunisten mit roten Fahnen, roten Armbinden oder Abzeichen. Die  Republikaner zeigten die italienischen Farben, aber beide Gruppen in harmonischer Eintracht durcheinander. Erst mussten die Deutschen aus der Stadt vertrieben werden. Das war zunächst ihr gemeinsames Ziel.
Die Dramatik der nun folgenden Stunden lässt sich schlecht in Worte fassen. Das wäre ein Thema für einen professionellen Schriftsteller.
Die Überraschung war perfekt gelungen. Auf deutscher Seite war niemand auf die neue Situation vorbereitet. Die anderen, ebenfalls am Passagierkai liegenden Boote verfügten ausnahmslos über Dieselmotoren. Dadurch konnten sie schneller reagieren. Die Motoren wurden angeworfen, und sofort wurde in die Mitte des Fahrwassers zwischen dem Lido und der kleinen Insel Giorgio gefahren und dort Warteposition bezogen.
Unser Kessel aber war  ohne Dampf. Da musste  erst kräftig geheizt werden, erst dann war dieser betriebsbereit. Auf Stunden waren wir noch manövrierunfähig und wie gelähmt. Wir warfen zwar auch sofort die Leinen los. Das brachte aber nichts, denn Gezeiten sind in Venedig meistens wenig  spürbar. Die sehr träge Strömung  bewegte die Medea nur  Zentimeter für Zentimeter von der Kaimauer weg.
Die inzwischen aus dem Schornstein aufsteigende schwarze Qualmwolke änderte an unserer misslichen Lage auch nichts.
Die Zahl der nur wenige Meter von uns entfernt aufmarschierenden Partisanen wurde inzwischen auf 5000 geschätzt. Einhundert davon hätten genügt, unser Boot zu entern und uns ohne viel Aufhebens ins Wasser zu werfen. An Bord waren ja kaum Handfeuerwaffen, vielleicht zehn Gewehre für die Posten.  Für die Geschütze ergab sich überhaupt kein Schusswinkel, die waren für die Flugzeugabwehr gedacht. Stundenlang absolut wehrlos! Solch ein Zustand zerrte an den Nerven. Aber alle behielten die Nerven, keiner drehte durch.
Doch die Partisanen nahmen von uns überhaupt keine Notiz. Wir waren für sie gar nicht präsent, überhaupt nicht vorhanden. Sie feierten ihren Sieg, führten auch eine Gruppe Schwarzhemden, vermutlich aus den Dienststellen des Arsenals, in die Gefangenschaft ab und demontierten entlang der ganzen Promenade die Beschilderung. Die neue Bezeichnung lautete: „ Riva del Sette (7) Martiri “.
Vor Monaten waren an unserem Liegeplatz sieben Partisanen aus den Südtiroler Bergen erschossen worden, als Vergeltung für einen ebenfalls an gleicher Stelle aus dem Hinterhalt erschossenen deutschen Wachposten eines Torpedobootes.
Genau an diesem Punkt hatten wir vor Tagen festgemacht, Dies war reiner Zufall. Doch schürte diese Tatsache zusätzlich unsere Angst und unsere Befürchtungen vor einer grausamen Vergeltung seitens der Partisanen, der wir hilflos und auch machtlos ausgeliefert gewesen wären.
Aber wie gesagt, nichts dergleichen geschah. Obwohl uns die Strömung mittlerweile etwa zwei bis drei Meter von der Kaimauer abgetrieben hatte und nur noch sportliche Partisanen uns hätten entern können, waren unsere Nerven nach wie vor bis zum Bersten angespannt.
Endlich vernahmen wir dann das erlösende Geräusch unserer Maschine.  Das war eine  schöne Melodie für die Ohren der gesamten Besatzung. Wir nahmen Fahrt auf und konnten uns aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich entfernen, um uns zu den anderen Einheiten zu gesellen. Die Entfernung zu den waffenstarrenden Partisanen betrug nun immerhin 800 bis 1ooo Meter. Wir  hielten uns nun in Deckung in der Nähe unserer Kanonen auf, um keine Provokationen in Szene zu setzen .Nach wie vor fiel von beiden Seiten kein einziger Schuss, auch nicht als Drohgebärde.
Dabei hätte eine in die Luft geschossene MP-Salve zur Eskalation und zu einem unvorstellbaren Blutbad führen können. Die jetzt zwischen Lido, Giorgio und dem Passagierkai versammelten deutschen Boote verfügten über eine enorme Feuerkraft. Sicherlich waren es über 80 Geschütze, zum Teil auf Doppel- und Vierlingslafetten. Aber es fiel nach wie vor an diesem Tage kein einziger Schuss!!
War das ein Wunder, oder gab es geheime Absprachen, von denen wir nichts wussten???
Unser Verband sammelte sich nun vor der Signalstelle, die nicht mehr besetzt war. Die Flottillenleitung auf dem Lido weigerte sich angeblich zuzusteigen und wollte sich den aus ihren Verstecken kommenden Partisanen ergeben.   


Anmerkungen zum Partisanenaufstand in Venedig am 26.April 1945

Was ermöglichte die Besetzung Venedigs durch Partisanen ohne Waffengebrauch und ohne Blutvergießen? Diese Frage beschäftigt mich noch heute.
War es einfach Vernunft auf beiden Seiten? Oder gab es geheime Absprachen zwischen den Kommandeuren der Partisanen und deutschen Kommandostellen?
Solange im Kessel unseres Bootes kein einsatzbereiter Dampf anlag, gab es zwischen den aufmarschierenden Partisanen und uns durchweg nur einen Abstand von 20 oder 30 Metern, aber es gab keinerlei Provokationen, keine Beschimpfungen, nichts! Für diese Kämpfer waren wir einfach nicht vorhanden, sozusagen Luft. Die Nerven konnten da schon blank liegen.
Ein flaues Gefühl in der Magengegend befällt mich heute noch, wenn ich den 26.April 1945 vor meinem geistigen Auge nochmals abrollen lasse. Auch die Nerven der Männer hinter den Kanonen der zwischen Lido und St. Giorgio  versammelten Boote waren ja zum zerreißen gespannt. Eine kleine Provokation, auch ein unbeabsichtigter Zwischenfall, hätte schnell zur Eskalation mit schwer einschätzbaren Folgen führen können. Auf alle Fälle ist festzuhalten, dass die Vernunft auf beiden Seiten die Oberhand  behielt.
Trotzdem bleibt mir die plötzlich vorhandene einvernehmliche Koexistenz zwischen zwei stark bewaffneten feindlichen Gruppierungen, die bisher jede Gelegenheit zur gegenseitigen Liquidierung nutzten, auch heute noch ein Rätsel.   

Gruß Medea 45 

Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: TD am 11 Oktober 2012, 18:30:32
Hallo Medea,


recht vielen Dank für diese mir zumindest bisher unbekanten Daten und Angaben !

Ganz besonder aber nachträglich

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag !

Dass ist aber noch kein Grund uns den Rücken zu zeigen !

Lesen kannst  Du sicher immer und wenn es in den Fingern jukt kannst Du sicher auch einmal einen jungen Helfer an demn Ärmel fassen !

Nochmals Dank

Theo
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Ferenc am 11 Oktober 2012, 22:53:33
Hallo Medea,

Alles Gute zum Geburtstag.
Bitte weiter in den Erinnerungen kramen und im Forum in die Tasten klopfen. Es gibt keine Altersbegrenzung

Danke für den interessanten Bericht.
Der relativ unblutige Machtwechsel in Oberitalien, dürfte vielleicht damit zusammenhängen, dass der deutsche Oberkommandierende in Italien (General der SS Karl Wolff) vorzeitig kapitulierte (02.05.1945) und in diesem Zusammenhang bei der Besetzung norditalienischer Städte durch Partisanen bereits Weisungen ergingen Kämpfe zu vermeiden (Literatur: Unternehmen "Sunrise" Die geheime Geschichte des Kriegsendes in Italien). Zum Glück ist das Kriegsende in Italien "humaner" gewesen als in Jugoslawien.

Grüße
Ferenc
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Medea 45 am 01 November 2012, 16:52:51
1944-11-1  Bora mit Windstärke 12
Von dem an der dalmatinischen Küste gefährlichen Sturm, der „Bora“ genannt wird, war  immer mal die Rede. Da machten tolle Geschichten die Runde. Vollbeladene LKW der Wehrmacht soll er umgeschmissen haben. Für kleinere Boote gibt es keine Überlebenschance. Nur schnell den nächsten Hafen anlaufen, denn lange  Vorwarnzeichen sind nicht.
Dieser Sturm entsteht, wenn extrem kalte Luft aus dem Norden über die Alpen drückt und auf die relativ warme Mittelmeerluft trifft. Die dadurch entstehenden Fallwinde reißen alles mit. Dauer und Gefahrengebiet sind begrenzt. Besonders stark tritt er in der nördlichen Adria und in der Bucht von Triest auf.
In den frühen Abendstunden des 9. November des Jahres 1944 tuckerten wir an der Spitze eines kleinen Geleitzuges von fünf Einheiten eben in diesem Seegebiet auf Triest zu. Zu unserem Verband gehörten noch drei italienische Kümos mit deutschem Signalpersonal und die „Duca“, ein Boot aus unserer Flottille, aber etwas kleiner.
Kümos (Küstenmotorschiffe) nannten wir kleine Küstenfrachtschiffe, so etwa um 1000 BRT groß. Für den Hochseebetrieb waren sie nicht geeignet.
Die See war spiegelglatt. Kein kleines Wellchen war zu beobachten, was selbst auf der Adria  selten vorkam. Natürlich war auch kein Windchen zu spüren. Die Natur rüstete zum großen Sturm, was ich und auch die Mehrzahl an Bord noch nicht wussten.
Nur der Steuermannsmaat, ein alter Nordseefischer, wurde unruhig. Er schien etwas zu ahnen. Noch nie war er auf dem Signaldeck erschienen. Aber plötzlich stand er neben mir und schaute nach, ob alles richtig verzurrt ist. Bisher hatte er mit mir noch kein Wort gewechselt. Ich hatte immer den Eindruck, dass er so einen „Pimpf“, wie ich in seinen Augen einer war, gar nicht leiden konnte. Reden war aber sowieso nicht seine Art. Heute fing er mit mir ein Gespräch an. Ich sollte auch die „Hundeleine“, die richtige Bezeichnung ist mir entfallen, überprüfen, befahl er. Das war eine Art Sicherheitsgurt, damit man bei hoher See nicht über Bord gespült wurde. Mit diesem Ding hatte ich mich bisher überhaupt noch nicht befasst, weil mich die Angstvorstellung beherrschte, dass ich im Ernstfall nicht schnell genug frei komme. Außerdem hatte man nur eine sehr eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Trotz seines Befehls habe ich die mir unsympathischen Apparate auch an diesem Tage nicht angerührt.
Inzwischen richtete sich im Norden und auch im Osten eine pechschwarze Wand auf, die schnell bedrohliche Formen annahm. Jetzt wurde die Geschwindigkeit erhöht, die aber vom langsamsten Boot vorgegeben war. Der Schornstein der Medea stieß eine riesige Qualmwolke aus, die auf Grund totaler Windstille nicht abzog und sich auch nicht zerteilte und dadurch weithin sichtbar war, trotz anbrechender Nacht.
Unter der immer größer werdenden schwarzen Wand zeichnete sich inzwischen ein schmaler weißer Streifen ab. Die Hektik auf der Brücke unter mir nahm zu. Mich ließ das alles noch kalt, da ich ja keine Ahnung davon hatte, was mir und allen Matrosen des Geleitzuges bevorstand. Den erfahrenen Seeleuten an Bord war das inzwischen sicherlich bewusst geworden und auch, dass alle Bestrebungen den sicheren Hafen vor dem herannahenden Sturm zu erreichen, nicht gelingen konnten.
Nun wurde der weiße Streifen breiter. Im Fernglas war zu erkennen, dass es die vorderen Wellen von mächtigen sich dahinter auftürmenden Wellenbergen waren. Die Szenerie nahm unheimliche und gespenstische Züge an. Zwar war das Heulen und Brausen des herannahenden Orkans schon zu hören, aber wir hatten noch ganz glatte See und vollkommene Windstille. Ich konnte das alles damals überhaupt nicht begreifen. Eigentlich auch heute noch nicht, wenn ich diese Stunden Revue passieren lasse. Diese Abgrenzung ist mir bis zur Stunde noch nicht vollkommen klar geworden. Hier totale Windstille mit glatter See und drei oder vier Seemeilen weiter begann das perfekte Inferno mit drei Meter hohen Sturzwellen. Das Geschrei und Getöse der „Geisterreiter“ verstärkte sich von Sekunde zu Sekunde, Furcht erregend und Unheil verheißend hörte es sich an.
Und dann brach es über uns herein. Die See kräuselte. Der erste Windstoß kam von der Backbordseite und drückte das Boot in bedenkliche Schräglage. Durch die Wucht des Sturmes landete ich zum ersten Mal an der Reling.  Das Kommando auf der Brücke übernahm unser sturmerprobter Nordseefischer. Nach seiner Anweisung durften die Wellen nur von vorn kommen. So musste der Kurs gehalten werden. Alles andere bedeutete sicheren Untergang, da wir auf Grund der starken Bewaffnung und Panzerung sowieso kopflastig waren.
Ich hatte mir schnell noch mein Regenzeug übergezogen, was ich ungern tat, da man geradezu unbeweglich wurde.
Mit dem Sturm setzte gleichzeitig starker Regen ein, der waagerecht ins Gesicht prasselte und schlagartig die Sicht auf null reduzierte. Damit war auch sofort zu den anderen Schiffen, denen wir Geleit geben sollten, die Verbindung unterbrochen. Jeder war auf sich allein gestellt.
Die noch zunehmende Sturmstärke und die sich ständig ändernden Schräglagen der Planken zwangen zum Anklammern an allen Gegenständen, die sich hierfür eigneten. Das Vorschiff musste geräumt werden, da die Wellen eine Höhe von 6 m oder noch gewaltiger erreicht hatten. Dort konnte sich niemand mehr halten.
Dann ergab sich eine ganz gefährliche Situation. Plötzlich tauchte am Heck in nur wenigen Metern Abstand die Duca auf. Kein Boot war in diesem Inferno noch voll manövrierfähig, auch die Medea nicht. Die Duca musste bereits Schaden genommen haben. Mit dem Scheinwerfer versuchte ich eine optische Signalverbindung aufzubauen. Keine Antwort, überhaupt keine Reaktion. Das war auch ein sehr schwieriges Vorhaben. Wir im Wellental, die Duca obenauf zehn Meter schräg über uns. Sekunden später gerade umgekehrt. Gerade noch sausten die beiden Boote im Meterabstand aneinander vorbei. Sekunden später war der Abstand 30 oder 5o Meter. So ging es eine Zeit lang, dann war die Duca nicht mehr zu sehen, im Sturm- und Regendunst verschwunden.
Wenig später, Steuerbord querab ein Scheinwerfersignal. SOS, SOS, SOS , immer nur SOS. Zunächst dachte ich: Dort spinnt einer, da ist einer seekrank. Das dachte ich aber nur Sekunden. Dann war mir klar, dass ein Schiff unseres Geleitzuges Seenot signalisierte. Durch die undurchsichtigen Regenfontänen war nicht zu erkennen, wer der Signalgeber war. Dann nur noch SO und ein  sekundenlanger heller Lichtschein deuteten auf eine Katastrophe hin. Eine Mine oder eine Explosion an Bord? Diese Frage wird ewig unbeantwortet bleiben.
Ich stürzte zum Sprachrohr, um die scheußliche Nachricht der Brücke weitergeben zu können. Und wieder hatte ich den verdammten Kloß im Hals. Wieder brachte ich vor lauter Aufregung keinen Ton heraus. Während dieser Bemühungen tauchte der Bug unseres Bootes tief in ein Wellental, eine gewaltige Sturzwelle schwappte über das Signaldeck, riss mir die Beine weg und schleuderte mich erneut gegen die Reling. Dabei hatte ich das obere Teil des Sprachrohrs so fest umklammert, dass ich dieses samt Mundstück vom Kompass abriss, an dem die gesamte Anlage befestigt war, und noch in der rechten Hand hielt. Das linke Knie hatte ich mir aufgeschlagen und eine Beule am Kopf hatte ich auch. Beides bemerkte ich aber erst am nächsten Morgen im Hafen, denn während unseres Kampfes mit den Wellen gab es für solche schmerzliche Empfindungen überhaupt keine Zeit.
Auf Knien kriechend und auch auf dem Bauch und Hintern rutschend begab ich mich nun ein Stockwerk tiefer auf die Brücke, um die Seenotmeldung der Schiffsführung zu überbringen. Was ich im Ruderhaus sah, jagte mir erneut einen riesigen Schreck ein.  Die vier Mann am Handruder wirbelten gerade toll durcheinander, da das Heck für Augenblicke aus dem Wasser ragte und das Ruderblatt keinen Wasserkontakt hatte, somit wie ein Lämmerschwanz durch die Gegend wackelte. Unsere Ruderanlage war ausgefallen. Die Medea musste mit dem Handruder auf Kurs gehalten werden, was eben nur sehr schwierig zu bewerkstelligen war.
Der Steuermannsmaat brüllte ständig wie ein Stier und war trotzdem  kaum zu verstehen. Das Unwetter war lauter. Er wusste aber nur zu genau, dass wir nur bei strikter Einhaltung des vorgegebenen Kurses überleben konnten. Das Boot durfte nicht von der Seite erwischt werden. Also ständig frontal gegen den Orkan hieß die Parole.
Wenn das Boot mit dem Bug in ein Wellental stürzte und das Vorschiff vollkommen überschwemmt wurde, ragte das Heck mit dem Ruderblatt aus dem Wasser, wie schon  gesagt. In diesen Sekunden spürten die Männer am Handruder keinen Widerstand und flogen regelrecht durcheinander.  Der nächste Augenblick erforderte sehr schnell alle Kraft um Ruder, denn dann war der Bug auf dem „Berg“ und das Ruderblatt hatte Wasserberührung. Diese Sekunden galt es voll zu nutzen, um den vorgegebenen Kurs einigermaßen halten zu können. Stunden ging das so.
Meine Seenotmeldung war ich los geworden. Antwort: „Wir haben mit uns zu tun. Beidrehen ist Selbstmord.“
Hier will ich nicht verhehlen, dass auch mir mit dieser Entscheidung ein Stein vom Herzen gefallen ist. Selbst wenn uns ein Wendemanöver wirklich gelungen wäre, kann niemand sagen, ob wir die Schiffbrüchigen überhaupt gefunden hätten. Jedenfalls wäre dies sehr unwahrscheinlich gewesen. Grausam war nicht nur der Krieg, sondern auch der Kampf mit der entfesselten Natur. Da sind Menschen sehr kleine Winzlinge.
Ich wurde wieder auf das Signaldeck beordert, obwohl ich nicht recht wusste, was ich dort sollte. Die Sicht war weiterhin gleich null. Der Kampf mit der aufgebrachten See dauerte noch Stunden. Mittlerweile hatte ich mir aber im  Umgang mit den hohen Wellen einige Erfahrungen angeeignet und ließ mich nicht mehr so schnell gegen die Reling werfen.
Mitternacht musste schon vorüber gewesen sein, als ich mir einbildete, dass der Sturm nicht mehr so laut brüllte. Die Wellen hatten aber nach wie vor gewaltige Höhen. Immer wieder rollten sie über das Signaldeck, ihre Spitzen klatschten mir auch noch ins Gesicht. Während der ganzen Sturmnacht hatte ich den Eindruck, dass wir gar nicht vorwärts kommen, sondern die Wellen uns rückwärts schieben. Zum Teil ist es auch so gewesen, wie die erste Standortbestimmung nach dem Abflauen des Orkans gezeigt hat.
Die ersten Morgenstunden brachten an den Tag, dass wir alles überstanden hatten, zwar mit Beulen und Platzwunden. Alle Mann waren aber noch an Bord. Der Sturm und auch der Regen waren abgezogen. Es war merklich kühler geworden, aber mit einer ganz klaren Sicht begann der Tag.
Im Morgengrauen legten wir erschöpft im Hafen von Triest an und warteten auf die anderen Schiffe des Geleitzuges. Aber wir warteten vergeblich. Keiner wurde jemals wieder gesehen. Das Meer hat sie alle behalten.
Ich kletterte abgekämpft in meine Hängematte. Die Katholiken aus dem Rheinland besuchten die Morgenmesse der nicht weit vom Hafen gelegenen Kirche, um ihrem Herrn zu danken. 
Mein stiller Dank galt dem Steuermannsmaat aus Norddeutschland, der mich, ich bildete es mir jedenfalls ein,  gar nicht leiden konnte.


Nachwort zu 1944-11-1:

Im Zielhafen legte die Medea am nächsten Morgen als einziges Boot an. Die mit im Geleitzug fahrende Duca (auch 3. Geleitflottille) war im Sturm definitiv verloren gegangen (abgesoffen hieß so was in der damaligen Umgangssprache). Da auch von den im Geleit fahrenden Kümos (Küstenmotorschiffe) keines in Triest ankam sind wir davon ausgegangen, dass sie ebenfalls Opfer dieses Sturmes geworden sind, denn offizielle Angaben gab es nicht.
Heute würde ich diese Aussage unbedingt mit einem Fragezeichen versehen, da ich davon ausgehe, dass es sich bei den Kapitänen dieser italienischen Fahrzeuge um ortskundige und erfahrene Seeleute gehandelt hat, die die heraufziehende Gefahr rechtzeitig erkannt hatten und Schutz im kleinen Hafen Grado oder in der Zufahrt nach Monfalcone  fanden. Aber in meinem aus der damaligen Sicht geschriebenen Erzählung ist so eine Möglichkeit überhaupt nicht aufgenommen, da wir in dieser Richtung auch gar keinen Gedanken verloren haben. Tagelang waren alle an Bord sehr benommen (Schockwirkung). Es wurde kaum gesprochen und von der Sturmnacht überhaupt nicht. Selbst die vermissten Kameraden von der Duca, die wir ja alle kannten, gerieten selten in ein Gespräch.
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Ferenc am 06 November 2012, 21:27:25
Danke für den Erlebnisbericht. Wirklich sehr interessant.
Ich hatte bei Tauchausfahrten in der Winterzeit auch schon ein paar mal Sturmerlebnisse in der Adria.
Einmal in Albanien und einmal in der Südadria hatten wir während des Sturmes je eine einzelne riesige Welle dabei, bei denen die Inneneinrichtung der Brücke und in der Kombüse etc zu Bruch ging und die Personen herumgeschleudert wurden (Prellungen Hämatome). Beide male waren kurz vor dem kentern. Blickte man auf der einen Seite zum Himmel sah man nur Wasser, blickte man auf der anderen Seite am Rumpf nach unten blickte man in die Luft (blödes Gefühl). Ich bekam das Gefühl, dass es auch in der Adria (entsprechende-relative) Monsterwellen geben kann.
Jedenfalls die geschilderten Erlebnisse kann ich sehr gut nachempfinden.
Interessant wäre aber wirklich das Schicksal der anderen Schiffe.
Die Kümos in der Adria sind schon sehr interessant.
Hast Du noch mehr Erinnerungen?

LG
Ferenc
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Urs Heßling am 07 November 2012, 07:38:04
moin,

ein toller Bericht  top :MG:

„Wir haben mit uns zu tun. Beidrehen ist Selbstmord.“
Hier will ich nicht verhehlen, dass auch mir mit dieser Entscheidung ein Stein vom Herzen gefallen ist. Selbst wenn uns ein Wendemanöver wirklich gelungen wäre, kann niemand sagen, ob wir die Schiffbrüchigen überhaupt gefunden hätten. Jedenfalls wäre dies sehr unwahrscheinlich gewesen. Grausam war nicht nur der Krieg, sondern auch der Kampf mit der entfesselten Natur.

es gibt einen Fall der Rettung Schiffbrüchiger im Orkan (Windstärke 12), an den zu erinnern sich immer wieder lohnt: die Rettung der Überlebenden der US-Zerstörer "Hull" und "Spence" durch die Besatzung des Geleitzerstörers "Tabberer" unter LtCdr H. Plage im Taifun "Cobra" im Dezember 1944.

Gruß, Urs
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: kgvm am 07 November 2012, 11:02:07
Ob "Duca" wirklich verlorenging?
Es dürfte sich um die 1943 gebaute, 157 BRT große "Duca Gabriele Ferretti" handeln, die zunächst als "IV 56" und dann als "G 320" bei der Kriegsmarine im Einsatz stand.
Nur: nach Gröner wurde sie 1945 zurückgegeben, wurde 1951 in "Angela" umbenannt und 1956 in "Lanterna" und war 1960 noch in Fahrt.
Mag natürlich sein, daß sie in der Bora "nur" strandete und später, also wahrscheinlich nach dem Krieg, gehoben und repariert wurde.
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Medea 45 am 20 November 2012, 19:38:33
Hallo Kgvm

Danke für Hinweis, der mich natürlich sehr neugierig macht. Könntest du mir weitere Einzelheiten mitteilen, da ich keinen Zugang zu Gröner habe?
-   welchen Verwendungszweck fand die Duca nach dem Krieg?
-   Was bedeuten Bezeichnungen IV 56 und G 320?
      (Medea in meiner Erinnerung IV 55 und G 310?)
Unsere/meine Annahme, dass Duca im Sturm verloren gegangen ist gründet sich auf folgende Fakten:
-   Duca ist nicht in Triest angekommen.
-   Duca wurde in den Folgemonaten bis Kriegsende nie mehr gesichtet (weder im Heimathafen, noch in anderen Häfen. Demnach gab es auch keine gemeinsamen Einsätze mehr.
-   Meines Wissens ist auch keiner von den uns bekannten Besatzungsmitgliedern jemals mehr gesehen worden.
Allerdings kann SOS-Geber auch ein anderes Fahrzeug gewesen sein.
Offizielle Angaben = Fehlanzeige!
Meine Aufzeichnungen beruhen nach wie vor auf Erinnerungen aus einem bescheidenen Gesichtsfeld heraus!

Danke im voraus !





Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: kgvm am 20 November 2012, 20:13:31
IV = Hafenschutz Italien Venedig
G = Geleitflottille
Zum Einsatz nach dem Krieg kann ich nichts sagen, anzunehmen ist, daß der hölzerne Motorsegler hauptsächlich in den italienischen Gewässern im Einsatz war.
Im Lloyd's Register 1956 findet sich als Eigner der "Angela" Luigi Micucci, Ancona.
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: renard007 am 25 Mai 2021, 21:23:27
Wie bekomme ich raus wer auf diesen gesunkenen Schiffen war? Mein Opa war auf einem der Schiffe die 04-1945 gesunken ist.
Info ist vor Triest, aber welches Schiff war das? Wie bekomme ich das heraus?
Er war bei der 10. Landungsflottille, Triest
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: t-geronimo am 25 Mai 2021, 23:25:57
Aus der Zeit kurz vor Kriegsende gibt es leider so gut wie keine Akten. Eine Namenszuordnung zu einem bestimmten Fahrzeug ist so gut wie unmöglich. Leider, tut mir leid.
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Darius am 26 Mai 2021, 23:59:07
Hast Du, renard007, schon diese Institutionen angefragt?
 --/>/> https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,24577.0.html


 :MG:

Darius
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: renard007 am 27 Mai 2021, 14:25:48
Danke Darius, habe da fast alle schon durch
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: renard007 am 27 Mai 2021, 23:22:18
Gibt es auch Infos über gesunkene Siebelfähren der 10. Landungsflottille, Fährenflottille 5 der Luftwaffe? Vor allem aus 1945?
Titel: Re: gesunken MFP`s in Adria
Beitrag von: Darius am 28 Mai 2021, 16:49:12
Hallo,

https://historisches-marinearchiv.de/projekte/landungsfahrzeuge/siebelfaehre/beschreibung.php
--> Reiter "Datensätze".

Dort sind einige SFs aufgeführt die in 04.1945 in der Adria gesprengt wurden.


 :MG:

Darius