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Schwergutfrachter im Wandel der Zeit - Stülcken Schwergutgeschirr-

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Captain Hans:
Mit der klassischen Schwergutfahrt ist wohl kein Name so verbunden wie mit der der alten deutschen Traditionsreederei DDG Hansa (Deutsche Dampfschiffahrts-Gesellschaft "Hansa") aus Bremen, die im Jahre 1981 - zu ihrem 100-jährigen Jubiläum - aufgrund schwerwiegender Fehler im Management in Konkurs gehen mußte. Die DDG Hansa hat die Schwergutfahrt zur Perfektion entwickelt. Ihre Schiffe, deren Namen traditionsgemäß alle auf -fels endeten, waren besonders in den boomenden Ölstaaten des Roten Meeres und Persischen Golfs allgegenwärtig. Man konnte sie nicht verwechseln. Ein Hansa-Schiff war bis auf die weißen Wohnaufbauten völlig marinegrau, hatte als Schornsteinmarke ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund zwischen zwei roten Bändern und natürlich die typischen V-Masten für das Schwergut, das sogenannte Stülcken-Geschirr. (Entstanden in Zusammenarbeit mit der "DDG Hansa" und der Stülcken-Werft in Hamburg-Finkenwerder).
Transportiert wurde alles, was die plötzlich zu Unmengen von Geld gekommenen Ölstaaten brauchten (Zement, Stahl, Transformatoren, Eisenbahn-Fahrbetriebsmittel, Kräne, Bagger, Kessel für Meerwasserentsalzungsanlagen, und vieles andere mehr).
Der Einbau des 550-t-Geschirrs auf der "Uhenfels" war der Höhepunkt einer Entwicklung, die 1929 mit einem 120-t-Geschirr begonnen hatte und kontinuierlich weiterentwickelt wurde. Die "Hansa" verfügte mit ihrer Flotte kombinierter Linien-Schwergutschiffe über ein einzigartiges Instrument des Seehandels: 24 Schiffe waren mit einem Schwergutgeschirr ausgestattet, deren Leistungsfähigkeit von 120 Tonnen bis zu 550 Tonnen reicht. Ein halbes Dutzend Schiffe konnte mit bordeigenen Mitteln Lasten bis zu 200 Tonnen bewegen. Die Rekordlast eines von Europa ausgehenden "Hansa"-Überseetransportes waren die 530 Tonnen eines Schwerwasserreaktors für Baroda in Indien (natürlich) von der "Uhenfels". Fachleute der Reederei waren damals nach Indien gereist, um auch den Inlandstransport abzuwickeln. Sie inspizierten die Küste und den für den Weitertransport vorgesehenen Fluß, betonnten die Wasserwege und schufen die Voraussetzungen für die Anlandgabe und den Landtransport des schweren sperrigen Kolosses.
1967 die "Uhenfels" und 1975 die "Trifels". Diese Hansaschiffe konnten mit ihren Schwergutgeschirren Lasten bis zu 640 Tonnen heben.
Hier ein älteres Hansaschiff mit den konventionellen Einzelschwergutbäumen, die bis zu 180 Tonnen heben konnten.



Zum Schwergutgeschirr gehörten rasant schnelle Ballastanlagen in Seitentanks der Schiffe. Denn beim Übernehmen oder Absetzen der gigantischen Lasten mußte gegengeflutet werden. Der Lade- oder Löschvorgang konnte manchmal den ganzen Tag dauern. Man kann sich sehr leicht die gewaltigen Hebelarme, die auf das Shiff wirkten, vorstellen.

Hier kann man das gewaltige Stülcken-Schwergutgeschirr sehr gut erkennen.



Die nächsten beiden links zeigen viele schöne Bilder aus der Vergangenheit der Reederei Hansa, sowie Bilder von Schwergut - Be- und Entladungsvorgängen.

http://www.ddghansa-shipsphotos.de/lichtenfels300.htm
http://www.ddghansa-shipsphotos.de/treuenfels300.htm

anschließend 2 Aussscnitte aus Zeitungsberichten von 1968 und 1975

Technisch bereitet der Bau von Schiffen mit 800- bis 900-t-Geschirr keine Schwierigkeiten. Der Bau sei vielmehr im Augenblick eine wirtschaftliche Frage, zumal der Bedarf noch nicht vorläge.
Die "Hansa" verfügte über die wohl größte Schwergutfrachterflotte der Welt: 30 Schiffe mit Ladebäumen für 120 bis 550 t, darunter allein 26 mit 120 bis 205 t. Drei andere erhielten ein 260-t-Geschirr. Von ihnen sei die "Treuenfels" schon ln Fahrt, während die "Trautenfels" und "Spitzfels" noch umgebaut wird. Dazu käme dann als Schwergewichtschampion die "Uhenfels".
Die Vorteile, schwere Stücke im Endzustand zu verschiffen, würden in zunehmendem Maße von der Industrie genutzt. Anfragen auch für die "Uhenfels" bewiesen, daß In ab' sehbarer Zeit in ihren Kräften liegende Gewichte zur Verladung kommen würden. Die Spitze erreichten sie damals mit einem 35 t schweren Atomreaktor.
Als Neuheit in der 40jährigen Schwergutfahrt der "Hansa" bezeichnete Heinemann den Bau von zwei kleinen 499-BRT-Schiffen mit je 110 tdw in Holland, die nach dem RoIl-on-System das Schwergut auf Spezialtiefladern befördern, die durch Heck- und Bugklappen an Bord gelangten.
Damit werde man 600 t schwere Teile verschiffen können, und auch 900 t seien mit den entsprechenden Tiefladern kein Problem. Nach Stapellauf kam das erste dieser Schiffe noch 1968 in Fahrt. Mit ihrem geringen Tiefgang von 1,7 bis 2,8 m konnten die Schiffe auch auf Binnenwasserstraßen bis zu den Fabriken oder Bestimmungsplätzen gelangen und sogar über den Strand umschlagen.
Anschliessend wurde die Verwendung mitgenommener Schwimmpontons in überlasteten Häfen geprüft. Daher wurde mit dem Bordgeschirr schon auf Reede Ladung auf die Pontons abgesetzt, so daß für die im Liniendienst stehenden Frachter keine Wartezeiten entstanden. Bei diesem Versuch wurde gezielt ein einziger Hafen bedient, um die dortigen Behörden mit den damit verbundenen ? letztlich aber positiven ? Veränderungen vertraut zu machen.
erschienen am 18.10.1968

Stülcken-Geschirre heben selbst die größten Lasten
Von Jürgen Dobert
Hamburg, 23. August 1975
Wenn irgendwo auf der Welt Reeder oder Werften ein Schiff mit Ladegeschirr von extremer Tragfähigkeit ausstatten wollen, dann ist der Kontakt mit Hamburg so gut wie sicher. Denn hier bei der Werft Blohm + Voss weiß man Rat und schreckt vor keiner Schwergut- Anforderung zurück. Stülcken-Geschirr heißt das weltweit bekannte Patent für Schiffs-Athleten.
Gegenüber den Landungsbrücken im Werfthafen der früheren Stülcken- Werft liegt zur Zeit wieder ein Frachter, der in einen "Muskelprotz" verwandelt wurde. Er erhielt zwei Stülcken-Schwergutmasten von je 320 Tonnen Tragkraft, die gekoppelt Lasten bis zu 640 Tonnen Gewicht selbständig an Bord heben und wieder löschen können. Die Investition dafür geht in die Millionen.
Die "Trifels" (11 514 BRT) gehört der Bremer Reederei DDG "Hansa", dem deutschen Spezialisten für komplizierte Schwergut-Transporte, die mit diesem Schiff einen neuen Flottenrekord aufstellt. Die unter Singapur-Flagge fahrende "Trifels" . wird den bisherigen "Hansa"-Meister "Uhenfels" ablösen, dessen Stülcken-Geschirr 550 Tonnen heben kann. Und Ende d. J. kommt die "Trifels"-Schwester "Trautenfels" nach Hamburg, die aber "nur" zwei Masten ä 200 t (zus. 400 t) erhält.
Seit die "Hansa" mit der damaligen Stülckenwerft 1953 für eine Neubauserie ("Lichtenfels" -Klause) mit der Entwicklung von 120-t- Geschirr begann, sind an die 500 Schiffe in aller Welt mit ähnlichen Ladebäumen für besonders schwere Lasten ausgerüstet worden. Der Rekord liegt z. Z. bei 700 t Tragkraft.
Eine Grenze für die Tragfähigkeit des Stülcken-Geschirrs ist noch keineswegs abzusehen. Verkaufsdirektor Heinz Tope'l von B + V: "Eines Tag°s gibt es sicher 1000-t- Geschirre. Eine Grerize werden nicht die Schiffe, sondern die Belastbarkeiten von Kais und Straßen ben^ Weitertransport setzen."
1975 verspricht das beste Jahr für diesen Geschäftszweig zu werden, meint Topel Grund zu der Annahme ,'ibt ihm die "boomartige Nachfrage" nach speziellem Container-Geschirr, das nach dem gleichen Stülc]-°n-Prinzip arbeitet und zvischen 20 und 35 Tonnen Tragfähigkeit besitzt.
Furcht vor Konkurrenz hat Topel nicht. Es gibt zwar neben verschiedenen Einzellösungen eine Erfingung der dänischen Reederei Blaesbjerg, die von der deutschen Werftgruppe Harmstorf verwirklicht wurde und schon bei Tragfähigkeiten bis zu 350 Tonnen auf relativ kleinen Schiffen angekommen ist, doch Topel vertraut auf den bewährten hohen Standard des Stülcken-Geschirrs.
So ist damit zu rechnen, daß der traditionsreiche Hamburger Name Stülcken noch lange in der Schifffahrt weitei besteht, auch wenn es die Werft längst nicht mehr gibt. t
Auf der "Llchtenfels" wurde das Stüldcen-Schwergutgeschirr geboren. Inzwischen
fahren die "Athleten" auf Schiffen in aller Welt
erschienen am 23.08.1975
Hier sei auch noch die Reederei Rickmers erwähnt, die sich auch sehr stark und sehr früh im Schwerguttransport angagiert hat.
Heute gibt eine ganze Reihe von Reedereien, die sich auf diesen Transport spezialisiert hat. Es gibt auch viele Schiffe, die Schwergutkräne benutzen (max 90 Tonnen)

Schwergutfrachter mit Schwergutkränen



Kommen wir nun zu den neuen Typ von Schwergutschiffen.Dies sind eigentlich fahrende Schwimmdocks. Durch das Absenken des Schiffes können andere Schiffe an Bord genommen werden.

Hier hilft ein Handelsschiff einem Kriegschiff



Ungewöhnliche Schwerguttransporte



Containerbrückentransport



Diese Bohrinsel ist sogar ein Selbstfahrer



Eien weitere Art von Schwergutschiffen  sind die Lash – Schiffe, die ebenfalls entweder wie ein Schwimmdock arebieten oder gewaltige fahrbare Hebebühnen haben, mit denen sie komplette Schuten oder Bargen anheben können.
Eines dieser Schiffe war die deutsche „München“ (Hapag/Lloyd) , die aus noch immer unerklärten Gründen bei schwerem Wetter im Nordatlantik verschwand.

LASH = Lighter Aboard Ship. Ein LASH-Schiff, auch LASH-Carrier genannt, lädt kein Stückgut oder Container. Seine Ladung ist in Schuten oder Leichtern verstaut, kleinen Wasserfahrzeugen, die der LASH-Carrier in Eigenleistung zu Wasser oder an Bord bringen kann. Dadurch werden teure Liege- und Löschzeiten in den Häfen verkürzt.
Erklärungen Lash-Schiffe (Lighter Aboard Ship)

http://de.wikipedia.org/wiki/Lighter_Aboard_Ship



Hoffe es war auch für euch ein interessantes Thema?

Beste Grüße

Hans

t-geronimo:
Sehr gut!!

Beluga hier in Bremen ist ja auch so ein Spezialist für solche Transporte, soweit ich weiß.

Captain Hans:
@Thorsten

Das ist absolut richtig Beluga hat sich mit seiner Flotte komplett auf Schwergut spezialisiert.

SchlPr11:
Vom SchlPr.11:
Es war immer schon ein esonderes Erlebnis, wenn Schiffe mit Stülckengeschirr den Rostocker Übeseehafen früher anliefen. So die TREUENFELS auch mal hier....
Aber eine Frage zur UHENFELS hier bei der Verladung: es ist doch augenscheinlich ein jugoslawischer Marinefährprahm der hier im Geschirr hängt. Gibt es mehr Hintergrundinfos zu diesem Foto (wo, wann, takt. Nummer des Prahms, wohin....) Kann man sich um einen qualifizierten Sacn mit guter Auflösung bewerben ??
Ja und ann kamen auch die LADY JANE und MARIAECK an die Warnow - REINHARD

STOLZENFELS:
Gute Tag Herr Kapitän Hans,

die Stülckenwerft war nicht in Hamburg-Finkenwerder, dort war die Deutsche Werft, sondern in Hamburg-Steinwerder.

Peter Kiehlmann

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