Flotten der Welt > Die Rote Flotte und die russischen Marinen - Geschichte und Einsätze

Die Schlachtschiffe von 1914 bis 1945

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kalli:
Die Schlachtschiffe der Gangut – Klasse ( Geschichtliches )
 
Die Schiffe der Gangut – Klasse waren :
Oktjarberskaja Revoluzia  ( ex Gangut )
Parizskaja Kommuna ( ex Sevastopol ) ab 31.05.1943 wieder Sevastopol
Marat ( ex Petropavlovsk ) ab 31. 5. 1941 wieder Petropavlovsk, ab 28.11.1950 Volchov
Frunze ( ex Poltava ) nicht wieder in Dienst gestellt

Nach dem russisch – japanischen Krieg war die russische Flotte fast nicht mehr existent. Sie bestand hauptsächlich aus veralteten Schiffen. Als die Briten 1906 das Projekt HMS Dreadnought auflegten, das einen enormen Entwicklungsfortschritt im Kriegsschiffbau bedeutete, setzte ein Marinerüstungswettlauf ein. Dieses Wettrüsten fand erst mit dem Beginn des 1. Weltkrieges ein Ende. Aufgrund dieser Entwicklung, des erforderlichen Ersatzbedarfs und der Sicherung der Kampfkraft im Falle eines Krieges mit Deutschland entschied die russische Marine, für die baltische Flotte 4 Schlachtschiffe in Auftrag zu geben. Die Schiffe sollten eine Geschwindigkeit von mindestens 21 kn erreichen und mit 12 x 305 mm Geschützen und weiteren 16 x 120 mm Geschützen ausgerüstet sein. Verdrängung ca 26.000 t. So wie auch in Deutschland erregte dieses Schiffbauprogramm Widerstand. Die Einwände der Duma ignorierte Zar Nikolaus allerdings und genehmigte 1908 den Bau. Die internationale Ausschreibung erbrachte 27 Entwürfe, wovon nur 6 von russischen Konstrukteuren stammten. Favorit unter den Entwürfen war das italienische Unternehmen Coniberti. Wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Kanonenanordnung wurde Cuniberti aus dem Rennen geworfen. Nun sollte Blohm und Voss das Rennen machen. Blohm und Voss lehnten aber die russische Forderung ab, dass der Entwurf auf einer russischen Werft gebaut werden soll. Damit war auch Blohm und Voss aus dem Rennen. Schließlich wurde ein Entwurf mit Hilfe des britischen Schiffbauunternehmens Johnbrown entwickelt, der deutsche, russische und italienische Spezifikationen und Designvorstellungen vereinte. Man sagt, der Entwurf ähnelte am stärksten dem von Cuniberti. Das Resultat war ein Schiff, das eine Art Kreuzung zwischen Panzerkreuzer und Linienschiff wurde (Spitzname : baltische Dreadnought ).
Das Schiff war zu dieser Zeit leistungsfähig, hatte aber wie alle Entwürfe, die Kompromisse enthielten, Stärken und Schwächen. So hatte die Gangut eine leistungsfähigere Breitseite als die meisten zeitgenössischen Schiffe und war auch ziemlich schnell. Für den Schutz vor Torpedos und Minen hatte das Schiff einen doppelten Rumpf. Allerdings war die Panzerung deutlich schwächer, um die Geschwindigkeitsziele zu errechen. Baubeginn war 1909. Während des Baus traten viele Schwierigkeiten auf, insbesondere wegen fehlender Erfahrung der Werft und bürokratischer Hürden im Zarenreich. Alle 4 Schiffe wurden um 1911 fertig und die Versuchsfahrten begannen. Die Indienststellung erfolgte 1914.
Angesichts der noch tief sitzenden Erfahrungen aus dem russisch – japanischen Krieg und der Niederlage bei Tsushima wurden die Gangut – Schiffe nur sehr zögerlich zu Kampfhandlungen herangezogen, weil man deren Verlust fürchtete. Die Schiffe fielen nach der Revolution in die Hände der Bolschewiki und ankerten in Kronstadt. Dort waren sie zur Zeit des Bürgerkrieges und der Intervention Ziele englischer Torpedoangriffe. Die Petropavlovsk wurde schwer beschädigt, ebenso die Poltava, die nichtreparable Schäden erlitt. Nach dem Ende des Bürgerkrieges wurden außer der Poltava die anderen Schiffe repariert. Die Marat war das erste Schiff, das repariert wurde, die Parizskaja  Kommuna ( Sevastopol ) wurde 1929 zum Schwarzen Meer überführt und bildete dort den Kern der neu aufzubauenden Schwarzmeer Flotte. Während der Überfahrt geriet sie allerdings im Nordatlantik in einen schweren Sturm und wurde so schwer beschädigt, dass sie Brest anlaufen und repariert werden musste. Die dreißiger Jahre waren dann die Jahre der Modernisierung der drei Schlachtschiffe. Es wurden vielfältige Veränderungen vorgenommen.
Zum Ende der dreißiger Jahre war die sowjetische Flotte wieder so gewachsen, dass man sie Flotte nennen konnte. Ein stolzer Moment für die sowjetische Marine war das Jahr 1937 als die Marat als Repräsentant der UdSSR zu den Krönungsfeierlichkeiten Georgs IV von England der Insel einen Besuch abstattete.
Als 1941 der Krieg ausbrach, lagen Oktjaberskaja Revoluzija und Marat in Leningrad / Kronstadt vor Anker. Beide beteiligten sich mit ihrer Schiffsartillerie an der Verteidigung gegen den deutschen Angriff, wurden aber selbst Ziele von Bombenangriffen. Beide Schiffe erhielten schwere Treffer, konnten zum großen Teil ihre Aufgabe aber weiter erfüllen und somit einen Beitrag zur Verteidigung Leningrads leisten. Marat erhielt 1943 den ursprünglichen Namen Petropavlovsk zurück. Die Parizskaja Kommuna gab für die Rote Armee wirksame Feuerunterstützung während der Kämpfe um die Krim. Zeitweise wurde das Schiff in den Ostteil des Schwarzen Meeres verlegt – erst mit Beginn der einsetzenden Offensive kam es wieder verstärkt zum Einsatz.
Letzt Endes muss festgestellt werden, dass sich keines der drei Schlachtschiffe an einer Seeschlacht beteiligte. Möglicherweise war der Grund dafür wiederum die Angst vor der Gefahr des Verlustes.


Gangut-Klasse im Profil

Marat

Marschall Budjonny auf der Marat

Marat

Oktjaberskaja Revoluzia

Pariser Kommune

Petropavlovsk

Jan-Hendrik:
Werter Kalli , hast Du infos darüber , ob die "Sevastopol" nach dem Einsatz bei Kerc am 21./22.03.42 nochmal aktiv eingesetzt wurde ?


Jan-Hendrik

kalli:
@Jan-Hendrik ,
durch deine Frage angeregt, bin ich jetzt dabei einige Informationen zusammen zustellen.
Morgen oder etwas später wirst du es lesen können.
Eines kann ich dir allerdings jetzt schon sagen- die "Parizhkaya Kommuna" , also die Sevastopol, hat auch nach dem 21. - 22. März 1944 als sie deutsche Stellungen im Raum Feodosiya beschoß, weitere Operationen unternommen.
Sie mußte nach diesem Einsatz im März aber nach Proti zurück, wegen des notwendig gewordenen Rohrwechsels der 30,5 cm - Geschütze und anderer Reparaturen.
Ich gehe mal davon aus, dass unser lieber Freund Tsushima aus Sankt Petersburg bei Bedarf bessere Bilder zur Verfügung stellt, als ich sie habe.

Jan-Hendrik:
Danke sehr , denn mehr , als das sie wg. ausgeschossenen Rohren nach Poti verlegt wurde , konnte ich bisher nicht finden ...

Jan-Hendrik

Mario:
Ein wirklich interessanter Beitrag. Mir ist besonders der schlanke Schiffsrumpf aufgefallen. Sicher gibt es dafür Gründe, aber mir ist nur der Wunsch nach einer hohen Geschwindigkeit bekannt. Dies dürfte sich aber auch nachteilig auf die Standkraft ausgewirkt haben.
Die Pariskaja Komuna erhielt während der Überführung in Brest Anfang 1930 einen Notsteven, der erst 1937 während der Modernisierung ersetzt wurde.

Laut Mike Whitley wurde die Sewastopol/Pariskaja Kommuna nach der Beschießung von Feodosia/Kertsch nicht mehr aktiv eingesetzt.

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