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Autor Thema: Hilfe beim Planlesen  (Gelesen 5497 mal)

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Offline Torpedo

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Hilfe beim Planlesen
« am: 22 Januar 2008, 09:29:14 »
Hallo,

wie Ihr wißt, baue ich seit Jahren an meinem Torpedoboot nach Original-Werftplänen. Viel konnte ich schon herausfinden, aber jetzt brauche ich ein wenig Hilfe.

Was sind die mit roten Pfeilen markierten "Dinger" auf Deck?


Was ist das blau markierte Rädchen und wozu dient so etwas direkt neben dem Geschütz? Ist es flach oder hochstehend?

Also wenn jemand Ideen hat...Ich habe übrigens auch noch einen Plan des darunterliegenden Raumes, der mir aber bei den rot markierten Dingern z.B. nicht weiterhelfen konnte.

Der Rest ist wie üblich auf:
http://forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,1311.new.html#new
« Letzte Änderung: 22 Januar 2008, 09:37:05 von Torpedo »
Uli "Torpedo"   [WoW Nic: Torpedo_uas]

"Man muss seine Geschichte kennen, um nicht die gleichen Fehler zu wiederholen"

Restaurierungsbericht des SEELÖWE, 20er Jollenkreuzer Baujahr 1943
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Offline Tyrsus

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Re: Hilfe beim Planlesen
« Antwort #1 am: 22 Januar 2008, 09:56:15 »
Meine Vermutungen:

Rot:
Die länglichen Dinger neben den Ankerketten sind mit 99%iger Sicherheit Gewindehülsen, deren Haken man nach dem Einholen der Ankerkette in deren Glieder einpickt und so mittels Schraubzurrung die kette einerseits sichert, andererseits die Ankerwinden entlastet.

Blau:
Vom markierten Rädchen vermute ich, daß es über Gestänge mit dem Seeventil unter der Mun- Kammer verbunden war und im Brandfall eine unverzügliche Flutung der "heißen Ware" ermöglicht hat (Diese Räder und Gestänge werden von F. Ruge in seinem Buch "Scapa Flow 1919" ausdrücklich erwähnt; auch die Gestänge, die zur Erschwerung britischer Bergungsversuche an- oder durchgesägt wurden...)
Es dürfte nicht mehr als 30cm über Deck hochgestanden sein oder aber in einem Teleskopschacht auf Deck gelegen haben... 
...Photographien wissen mehr.

Hoffe, geholfen zu haben
"Dummheit, du siegst - und ich muß untergeh'n. Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergeblich" Schiller, Jungfrau v. Orleans

Offline Torpedo

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Re: Hilfe beim Planlesen
« Antwort #2 am: 22 Januar 2008, 10:05:56 »
Klasse Tyrsus. Das hilft weiter.

Wo genau hast Du bei Ruge darüber gelesen (der WAR ja auf meinen B-Boot zur Versenkung!!!)

Die Ankersicherung ist doch auch daneben! Diese Ketten auf Deck, also warum noch diese "Gewindehülsen"?
Uli "Torpedo"   [WoW Nic: Torpedo_uas]

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Offline Tyrsus

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Re: Hilfe beim Planlesen
« Antwort #3 am: 22 Januar 2008, 11:23:57 »
Die Ketten:

sind dazu da, die Ankerkette bei hohen Belastungen sicher zu halten, da sie Stöße eher vertragen als gezogene Blechhülsen. Wenn in etwas rauherer See das Vorschiff pumpt, hätte eine nur mit Ankerwinde und Ketten aufgeholte und gesicherte Kette keine Chance, dieser stoßweisen Last standzuhalten (vom Deck und den Heißrohren sei hier geschwiegen...)

Deshalb mußte eine mit der Ankerwinde mit kleinster Dampffüllung geheißte Kette erst mittels starker Hanfseile und der vorbesprochenen Gewindehülsen auf minimales Spiel angeholt werden. dann erst wurden die solideren Kettensicherungen in die jeweils äußersten erreichbaren Kettenglieder eingehakt (mit Patentauslöser, um den Anker im Notfall auch ohne mühseliges Hülsendrehen in einem Ruck lösen zu können...).

Als gewesener Panzerfahrer lernte ich dieses Prozedere von den Bahnverfrachtungen unserer Krücken besser kennen, als mir damals lieb war...


Die Ventilräder:

an Deck sowie ihre Funktion und Unbrauchbarmachung werden von Ruge in den Versenkungsvorbereitungen nach Abnahme aller Funkempfänger des Internierungsverbandes in Verbindung mit sporadisch eintrudelnden Zeitungen und schließlich dem Vorbereitungdbefehl für §11/Stander Z recht anschaulich geschildert.


Hoffe, meine Hilfe in brauchbare Form gekleidet zu haben...

             Gruß        Tyrsus
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Offline Peter K.

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Re: Hilfe beim Planlesen
« Antwort #4 am: 22 Januar 2008, 12:31:01 »
... dazu passend:

Kein verantwortungsvoller Skipper einer Segelyacht wird die volle Last der Ankerwinsch übertragen, sondern den Druck auf die Winsch durch einen, im Gegensatz zur Kette reckfähigen Tampen ("Teufelskralle", in die Kette eingeschorene Leine, etc.) nehmen. Dieser fängt außerdem die stossartigen Bewegungen der Yacht beim Schwojen ab und nachts gibt es keine Geräuschbelästigung aufgrund der rutschenden Ankerkette - die Crew im Vorschiff wird es danken!
  :MZ:
Grüße aus Österreich
Peter K.

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Offline Tyrsus

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Re: Hilfe beim Planlesen
« Antwort #5 am: 22 Januar 2008, 19:16:05 »
Genau die Aufgabe der beiden Gewindehülsen je Kette! Nur daß ein 90m T-Boot eben ganz anderes Ankergeschirr hat als eine ~20m Yacht. Da helfen nur noch Halteketten; die Seilchen wären da recht flott durch...
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Offline Teddy Suhren

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Re: Hilfe beim Planlesen
« Antwort #6 am: 22 Januar 2008, 19:28:25 »
Hai

Wieso macht man sich die Arbeit und zeichnet jedes Kettenglied ein wenn man dann nicht die Gewindehülsen einmalt?
Ich seh da irgendwie was anderes:
m.E. sind das Seiltampen mit Kausche und Lederumhüllung.
Gruß
Jörg

WoWs Nick: Teddy191

Offline Tyrsus

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Re: Hilfe beim Planlesen
« Antwort #7 am: 22 Januar 2008, 23:04:15 »
Gewindehülsen sehen so aus...
Herzstück ist ein doppelter, gegenläufiger Schraubstab, der in die Innengewinde zweier eher massiver Hülsen an beiden Enden greift. Bewegt wird er durch eine zentrale durchgehende Öse quer zur Stabachse, die mit einem zentralen Abdeckrohr fest verbunden ist. In diesen Zwischenräumen ist dann sehr viel Maschinenfett...(Soldatenerinnerungen...)

Betätigt wird der Apparillo mittels in die Zentralöse einzupickende Stahlstäbe. Vernünftigerweise wird die Apparatur im verkürztesten Zustand gelagert, um dem Seewasser minimalste Eindringmöglichkeiten zu bieten. Zur Verwendung wird der Stab erst einmal langgeschraubt, um dann mittels Schraube und Hebel bessere Zugwirkung als die bei Minimalstdrehzahlen extrem schwächelnde Dampfheißwinde zu liefern (und eine gewisse Vorspannung auf die Kette zu legen, was für eine Dampfmaschine in der Tat Gift wäre...)

Mit einem Ende an einem Schäkel am Deck befestigt und der anderen Endöse an eine Ruherast gelehnt (und so sicher verzurrt) sieht dieser Apparat von oben genau so aus wie die Form in der Zeichnung. Die Manilataue sind vernünftigerweise NICHT auf der Back eines Torpedobootes gestaut... 
...das bekäme auch Leder nicht so sonderlich(vor allem, wenn's noch Last halten sollte).

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Offline Torpedo

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Re: Hilfe beim Planlesen
« Antwort #8 am: 22 Januar 2008, 23:53:22 »
Ihr seid so klasse!!! Hier auch die Links zu den anderen beiden Foren, wo ich das Thema auch angestoßen hatte und die auch interessante Anmerkungen und Zeichnungen beigesteuert haben.

http://www.shipmodels.info/mws_forum/viewtopic.php?f=13&t=17333&p=201096#p201096

http://www.u-boot-net.de/phpBB/viewtopic.php?f=12&t=1177&p=16664#p16664

P.S. Das Handrad mit dem Sockel ist schon fertig - Fotos folgen!
Uli "Torpedo"   [WoW Nic: Torpedo_uas]

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