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Autor Thema: gesunken MFP`s in Adria  (Gelesen 30104 mal)

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Offline kgvm

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #45 am: 23 August 2012, 18:15:29 »
Superbilder. Danke fürs Einstellen.

Online Darius

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #46 am: 23 August 2012, 20:10:34 »
Hallo,
 
vielen Dank für die sehr interessanten Bilder  top
 
 :MG:
 
Darius

Offline Karsten

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #47 am: 23 August 2012, 21:23:08 »
Tolle Fotos - vielen Dank fürs Zeigen!

Bild 3 ist in Venedig aufgenommen, oder?
Viele Grüße,

Karsten

Offline Ferenc

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #48 am: 24 August 2012, 20:17:51 »
Hallo Medea 45,

Hast Du über über weitere Einsätze noch Berichte oder Bilder. Würde uns sehr interessieren.
Gruß
Ferenc   

Offline Medea 45

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #49 am: 04 September 2012, 17:12:28 »
Hallo Ferenc,
einen Bericht habe ich noch:

1945-05-1   Ausbruch aus Triest

Fremde Laute weckten mich aus meinem leichten Dämmerschlaf, den ich mir auf einen Stoß zusammengerollter Tampen  unter dem Treppenaufgang zum Bootsdeck genehmigt hatte. Unweit von mir auf der Pier sprach der Kommandant mit einem Offizier mit österreichischem Dialekt. Da das Gespräch nur  halblaut geführt wurde , blieben mir Einzelheiten verborgen.
Inzwischen suchte mich der erste Signalgast zur Wachübernahme auf dem Signaldeck. „ Komm, steh auf! Es geht los,“ sagte er. „Was geht los?“ war meine Frage. Keine Antwort, zu schnell war er in der Dunkelheit untergetaucht.
Noch ziemlich verschlafen versuchte ich mich auf meiner Station zurechtzufinden. Ich merkte dann bald, dass verschiedene Boote ihren Liegeplatz verändert hatten. Auch unser Kessel stand unter Dampf.
Mein Zwischenschlaf war doch länger gewesen, als zunächst von mir angenommen. Mitternacht war vorüber und der Smutje bot eine Zwischenmahlzeit an, auch eine warme Suppe. Hier erfuhr ich von Kameraden, dass wir ausbrechen wollen. Diese Mitteilung hatte ich durch meinen Schlaf nicht mitbekommen. Sie sollte auch nicht als Sondermeldung hinausposaunt werden, sondern war von Mann zu Mann weiterzu- geben.
Auf dem Signaldeck wieder angekommen, bemerkte ich einen Menschenauflauf auf der Pier direkt vor unserem Boot. Es waren Gebirgsjäger in voller Ausrüstung, die mit uns den Kessel verlassen wollten. Es begann auch bald die Einschiffung. Sie mussten sich gleichmäßig verteilen. Für die Stammbesatzung wurde es dadurch natürlich sehr eng.
Kurze Zeit später gab es Befehle an den Maschinenraum. Das konnte ich ganz deutlich hören, denn überall herrschte gespannte Ruhe. Dann rasselten die Ketten der Ruderanlage und es hieß: Leinen los.
Alle Geschütze wurden doppelt besetzt. Auch der 1.Signalgast war an Deck. Nun erfuhr ich Einzelheiten der in Gang gesetzten Unternehmung. Demnach war das riesige U-Boot-Sperrnetz an einer bestimmten Stelle beseitigt worden und dort sollte die ganze Armada, nach Möglichkeit vom Feind unbemerkt, hindurchschlüpfen. Sollten wir doch bemerkt und Bestrebungen erkennbar werden, unser Vorhaben zu unterbinden, ist unsere gesamte Feuerkraft zur Durchsetzung einzusetzen.
Fast geräuschlos und mit kleiner Fahrt lief alles ab. Die Stelle, die uns freie Fahrt aus dem Hafen gewährte, war schon gut zu erkennen. Dort gab es einen Stau. Die ersten
„Flüchtlinge“ hatten schon freies Fahrwasser erreicht. Auch das war zu erkennen. Zwei Einheiten, die keine Landser an Bord hatten, sicherten den Durchbruch.
Die ganze Aktion verlief nach Plan. Es gab keinerlei Zwischenfälle. Der neue Tag begann sich zu räkeln und es wurde heller. An Steuerbord war das riesige Wrack der
„Rex“ gut zu erkennen. Die „Rex“ war vor dem Krieg mit über 50.000 BRT das größte italienische Passagierschiff gewesen. Total verrostet lag es nun schon seit Jahren auf Strand vor dem kleinen Hafen Grado. Ich nehme an, dass es 1943 beim Sturz Mussolinis auf Strand gesetzt wurde. Vielleicht war Feindeinwirkung auch dabei. Jetzt war es jedenfalls ein riesiger ausgebrannter Schrotthaufen.
Die Sonne stieg ansichtskartenverdächtig hinter den Alpenausläufern hervor, wirklich wie gemalt. Zu dieser Stunde war auf offener See vom Krieg weder was zu hören noch zu sehen. Einfach ein überwältigender friedlicher Anblick. Der 2. Mai 1945 versprach ein herrlicher Tag zu werden, aber nicht für uns.


Viele Grüße Medea

Offline Ferenc

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #50 am: 04 September 2012, 22:28:08 »
Vielen Dank top

Offline TD

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #51 am: 05 September 2012, 05:10:30 »
Hallo Medea,

auch von mir meinen Dank !

kannst Du und nicht etwas schreiben zur Verpflegung, Kontakte zur Bevölkerung, Treibstoff, Luftangriffe usw. bei Kriegsende im sicher nicht bestens Adria Bereich ?
Ich könnte mir vorstellen dass kaum noch etwas aus dem Reich bis nach Triest durch gekommen ist.
Sei bitte nicht böse wegen der vielen Fragerei, aber wann haben wir von den letzten Kriegstagen hier Jemand aus der Adria – Gegend ??

Gruß

...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

Offline Urs Heßling

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #52 am: 05 September 2012, 18:05:54 »
moin,

An Steuerbord war das riesige Wrack der „Rex“ gut zu erkennen. Die „Rex“ war vor dem Krieg mit über 50.000 BRT das größte italienische Passagierschiff gewesen. Total verrostet lag es nun schon seit Jahren auf Strand vor dem kleinen Hafen Grado. Ich nehme an, dass es 1943 beim Sturz Mussolinis auf Strand gesetzt wurde. Vielleicht war Feindeinwirkung auch dabei. Jetzt war es jedenfalls ein riesiger ausgebrannter Schrotthaufen.

Rex (51062 BRT), am 8.9.44 von Beaufighter der RAF in Brand geschossen.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline Medea 45

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #53 am: 21 September 2012, 19:51:58 »
Hallo Theo,
heute einige Antworten (wiederum alles Gedächtnisantworten, da ich über keinerlei Unterlagen verfüge):
-   ab Herbst 1944 beschränkte sich unser Operationsgebiet nur noch auf die nördliche Adria (Dreieck: Venedig – Triest – Pola).
Die totale Luftherrschaft der Alliierten ließ dann auch nur noch Nachteinsätze zu. Vom Sommer 44 bis Mai 45 habe ich kein deutsches Flugzeug beobachten können (in einem Fall konnte Identität nicht eindeutig geklärt werden, da Maschine uns in zu großer Entfernung umkreiste / evtl. Ju 88 ? ).

Die größte Gefahr für uns bildeten die gegnerischen Jagdbomber (Jabo) der Typen:
  P 51 „Mustang ``(in der Mehrzahl),
  „Typhoon / Tempest II`` ,
  P 47  “ Thunderbolt”  ?.
In der Dunkelheit  wurde die zweimotorige “Douglas Boston”, vermutlich mit Radar -  ausrüstung, auf uns angesetzt. Diese Maschine führte Luft-See-Raketen mit sich.

Triest wurde relativ wenig zerstört, ausgenommen das Hafengelände. Ich selbst erlebte ein Flächenbombardement im Hafen eines kleineren Verbandes viermotoriger Maschinen. Bei uns erzählte man sich, der Hafen von Triest sei bloß Ersatzziel auf Rückflug gewesen, da die auf Sizilien gestarteten Maschinen ihr Ziel in Rumänien (Ölraffinerien) nicht gefunden hätten???
Die Verpflegung an Bord war bis zuletzt gut bis sehr gut. Meine Hungerzeit begann am 3.5.45. Die neuseeländische Einheit am Tagliamento konnte ja nicht damit rechnen, dass ganz plötzlich 2000 oder 3000 deutsche Soldaten weit hinter ihrer Frontlinie auftauchten und verpflegt werden wollten. Schnell wurden in etwa 10 Kilo schweren, luftdicht zugelöteten, Weißblechbehältern (wahrscheinlich als „Eiserne Ration“ gedacht) befindliche, scheußlich schmeckende englische Armeekekse herbeigekarrt.
6 Stück ( i.W.: sechs) gab es pro Tag und das fast 1 Woche lang. Das war der Beginn meiner Hungerperiode.
Die Originalphotos werde ich noch im Herbst zustellen.   Inzwischen heute vorab meine Kurzgeschichte 1944-11-2, die von einer nächtlichen Begegnung mit der „Cradisca“ erzählt, also von einem Kriegserlebnis ganz anderer Art.
Bei Bewertung der beschriebenen kurzzeitigen Euphorie auf dem Bootsdeck muss man sich vor Augen halten, dass die Männer bereits über 5 Jahre lang kein beleuchtetes Fenster mehr gesehen hatten.

1944-11-2 Begenung mit der „Cradisca“

Stockdunkle Novembernacht. Kein Stern am Himmel. Die Kimm nur zu erahnen. Eine leichte Brise surrte in der Takelage und sorgte für etwas Wellengang und klare Luft, aber    die Hand vor Augen kaum zu erkennen.
In solchen Nächten war besondere Aufmerksamkeit notwendig. Wir fuhren ja in völliger Dunkelheit, denn die Leuchttürme, auch die Bojen am Rande der Minenfelder dienten nur mit Minirichtfeuern, reineweg zum Pupillenverstauchen.    Auch auf und an der Adria galt totale Abdunklung. Die Partisanen in den Bergen kümmerten sich wie immer überhaupt nicht darum. Zahlreiche Lagerfeuer konnten auch in dieser Nacht mit bloßem Auge beobachtet werden. Sie fühlten sich sehr sicher und demonstrierten, wer der wirkliche Herr im Lande ist.
Plötzlich Steuerbord voraus direkt über der Kimm ein grelles helles Licht. Für einen Moment glaubte ich an Seegespenster, Halluzinationen. Erschrocken meldete ich es sofort an die Brücke. Durch meinen Schreck hatte ich aber keine klare Aussage gemacht und wurde erst einmal angefaucht. Im Sprachrohr hörte ich auch die Worte vom Steuermannsmaat: „ Der dreht wohl durch!“ Eine Etage tiefer auf der Brücke konnte das Licht aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht beobachtet werden.
Sekunden später stand der Kommandant neben mir auf dem Signaldeck und war gleichfalls sprachlos. Inzwischen hatte das Licht an Höhe gewonnen. Viele kleinere Lichter, auch bunte, hatten sich dazu gesellt und ständig vergrößerte sich das Lichtermeer. Mit meinem guten Zeiss-Nachtglas konnte ich es nun schnell als Topbeleuchtung eines großen Schiffes ausmachen.
Dann stand es fest. Das Lazarettschiff „Cradisca“ , welches wir aus verschiedenen Häfen kannten, kreuzte unseren Kurs. Die riesigen roten Kreuze an den zwei hohen Schornsteinen waren angestrahlt und gut zu erkennen. Unser Kommandant war wütend, dass man uns das nicht gemeldet hatte.
Auf den Decks konnte man zwischendurch die Prachtbeleuchtung auch ohne Fernglas erkennen. Es brach richtiger Jubel aus. Auf dem Bootsdeck schrie einer vor Erregung: „Wir haben Frieden! Der Krieg ist aus! Wir wissen das bloß noch nicht!“ Die Ernüchterung folgte natürlich auf dem Fuß. Lazarettschiffe fuhren ja ständig voll beleuchtet.
Herrlich anzusehen, wie die „Cradisca“ ihre ganze Schönheit über die Kimm hob. In meinem jugendlichen Leichtsinn wollte ich mit dem Handscheinwerfer gute Fahrt signalisieren. Das wurde mir aber berechtigterweise streng untersagt, damit wir unsere Position nicht verraten. Es bestand ja die Möglichkeit, dass die Schönheit unsichtbare Begleiter aus dem feindlichen Lager hatte.
Majestätisch, ganz in weiß und über alle Toppen hell erleuchtet, rauschte der über 20.000-Tonner wie ein Geisterschiff in ziemlicher Nähe als gewaltige Lichtwand an unserer grauen Nussschale vorbei, ohne uns nur eines Blickes zu würdigen. Die Lichterpracht wurde dann schnell kleiner, um bald ganz zu verschwinden.
Wir waren wieder in dieser hässlichen, ganz hässlichen Finsternis und kamen uns sehr erbärmlich vor. Viele wurden mit dem eben Erlebten gar nicht fertig. Der überraschend vorgeführte Kontrast war zu heftig. Hinterher wurde alles gespenstisch empfunden, so wie im „Fliegenden Holländer“ oder in einem Film. War das ein echtes Erlebnis, oder hatten wir alle geträumt?

Gruss Medea

Offline kgvm

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #54 am: 21 September 2012, 19:57:42 »
Danke für den interessanten Bericht, Medea. Allerdings hieß das Lazarettschiff "Gradisca".
Hier ein Foto:
http://www.photoship.co.uk/JAlbum%20Ships/Old%20Ships%20G/slides/Gradisca-02.jpg

Offline TD

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #55 am: 21 September 2012, 22:28:18 »
Lieber MEDEA,


wieder recht herzlichen Dank für deinen Bericht.

Hoffe wir haben noch oft die Möglichkeit solche Zeitzeugenberichte zu bekommen.

Schönes Wochenende

Theo
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Offline Ferenc

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #56 am: 22 September 2012, 09:36:37 »
Ebenfalls, Danke für den Beitrag und bitte um weitere. top

Ferenc

Online Darius

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #57 am: 22 September 2012, 12:48:08 »
Hallo Medea,

schön, dass Du uns an Deinen Lebenserfahrungen beteiligst.

Danke &  :MG:

Darius

Offline TD

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #58 am: 25 September 2012, 07:34:06 »
Lieber Medea,

ich möchte auch die Gelegenheit nutzen noch eine vielleicht banal klingende Frage an dich als Augenzeugen loszuwerden.

Oftmals sieht man auf Fotos von Besatzungsmitgliedern auf Schiffen die Besatzung an Bord in zivilen Hemden und Unterhemden, meist mit Karos und ähnlichen einfachen Mustern.

Wenn es sich um Handelsschiffe dreht ist das ja klar, aber bei Kriegsschiffen besonders kleinen Einheiten ist das doch verwunderlich.

Kannst Du uns dazu etwas schreiben ?

Ich weiß ja nicht wie lange besonders im Südraum bei Landgängen kein Uniformzwang bestand.

Viele Grüße

Theo
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Offline Medea 45

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Re: gesunken MFP`s in Adria
« Antwort #59 am: 28 September 2012, 17:08:41 »
Hallo  kgvm

Gradisca hatte sich in meinem Gedächtnis mit „C“ eingenistet. Wird geändert!
Danke!

Hallo Theo

Zivil gab es bei uns zu keiner Zeit und an keinem Ort, weder an Bord noch an Land. Nebenstehend Bild in meinen Einsatzklamotten.

Gruß  Medea