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* HMA

Autor Thema: Marinewetterwarte in Griechenland  (Gelesen 1904 mal)

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Offline Zerstörerfahrer

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Marinewetterwarte in Griechenland
« am: 21 Juli 2007, 09:43:48 »
Aus der " Geschichte des Admiral Ägäis " des Kapitäns z. S. (V) Artelt (1943), NARA-Microfilm PG 46161, roll 2632.


Wetterkunde.

Zur Beratung der Marinestellen des Südostraumes in Wetterangelegenheiten wurde im April 1941 vom Observatorium in Wilhelmshaven das Personal für 3 Wetterwarten in Stärke von 90 Köpfen zusammengestellt, das von Wien aus mit entsprechendem Gerät in Marsch gesetzt wurde.

Das Betriebspersonal einer Marinewetterwarte umfaßt 2 bis 3 Meteorologen, 12 bis 14 Inspektoren und Assistenten als Peiler, Aufnahme- und Auswertekräfte und 10 bis 11 Funker die die Stabskompanien aus ihren Mannschaften stellen. Die Eröffnung der Wetterwarte Athen, der als Sitz des Admirals Ägäis besondere Bedeutung zukam, erfolgte im Frühsommer 1941 durch Regierungsrat Bruch. Während die für Volos vorgesehene Wetterwarte unter Reg. Rat Klinkow in Saloniki stationiert wurde, richtete Reg. Rat Dr. Fuchs, nachdem das Material wochenlang auf der Eisenbahn umhergeirrt war, die Station auf Lemnos ein, die an Stelle von Volos trat. Mit der Eroberung der Insel Kreta wurde auch in Chania eine Marinewetterwarte durch Reg. Rat Dr. Weiss aufgebaut. Sämtliche Stationen liegen in den Hauptschiffahrtszentren des ägäischen Meeres.

Die Erkundung der Atmosphäre nach Temperatur, Druck und Feuchtigkeit, sowie die Erkundung der Luftbewegung in der Höhe erfordern den Anschluß von mindestens zwei Außenstellen die mit der Zentralstelle ein Dreieck bilden. Anfänglich in für die Verbindung mit der Zentralstelle und bezüglich der Verpflegung ungünstig gelegenen Punkte errichtet, wurden sie später näher an die Wehrmachtseinheiten herangezogen. Zur ausreichenden Erfüllung der Wettervorhersagen war die Errichtung einer großen Anzahl weiterer Wettermeldestellen erforderlich, die wegen der schnellen Übermittlung der Meldungen bei den Marinesignalstellen angelegt wurden. Nach und nach hatte jede Wetterwarte einen Kranz solcher Wetterstellen um sich geschaffen. Charakteristische Punkte mit auffallenden Wettererscheinungen, wie das Vardartal, der Olymp und der sturmumtoste Berg Athos auf Lemnos und andere Punkte auf Mythilene, Chios und bei Kap Sunion wurden bevorzugt ausgerüstet. Die Sicherung der Seewege im Raume von Euböa und Kreta waren besonders Wichtig.
Es entstanden die Stationen in der Straße von Trikeri (Nordeuböa), Skyros (Sporaden), Paros und Milos (Kykladen), Kap Sunion, Ägina und andere. Die Wetterwarte Chania auf Kreta hat eine Reihe von Stationen an der Nordküste (Iraklion und Rethymnon), an der Südküste (Tympaki und Paläochora) eingerichtet und die Ausrüstung einer Berg Station auf dem Psiloritis in etwa 2500 m Höhe in die Wege geleitet.

Der Aufgabenkreis der Marinewetterwarten erstreckt sich in erster Linie auf die Wetterberatung der Marinekommandostellen im ägäischen Meer. Wenn auch im Südostraum im Sommer die Witterung bei anhaltendem frischen Wind aus Nordost bis Nordwest, wolkenlosen, strahlendem Himmel und fast völliger Niederschlagsarmut einen ausgeprägten beständigen Charakter trägt, so werden seine Luftbewegungen doch lokal durch den Wechsel des Geländes von bergigen Inseln und engen Durchfahrten stark beeinflußt, so daß heftige Fallwinde, Böen und Wirbel ohne ausreichende vorherige Warnung auftreten können. Viel stärker wird dieses örtliche Witterungsbild in Winter noch von den atmosphärischen Auseinandersetzungen beeinflußt, die von der Hochdrucklage in Rußland und den vom Atlantik hereingetragenen Stürmen ausgehen. Es ist daher nicht zu verkennen, daß die Beratung der Meteorologen durch Wettervorhersagen und Auskünfte über Strömungs- und Gezeitenverhältnisse bei den Geleitzugs-, Minen und anderen Unternehmungen, dem Vorpostendienst bei Strandung und Havarien im klippenreichen Gebiet des Südostraumes wertvolle Hilfe geleistet haben.


Offline Peter K.

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Re: Marinewetterwarte in Griechenland
« Antwort #1 am: 21 Juli 2007, 10:23:49 »
Besonders typisch für fast die gesamte Ägäis war und ist der Meltemi, wie er von den Türken genannt wird, bzw. der Etesien, wie er bei den Griechen bekannt ist.
Dieser kräftige Wind setzt üblicherweise recht unbeständig im Mai mit etwa Bft 4-5 ein, ist im Juli und August mit Bft 6-7 voll ausgeprägt und wird erst im September und Oktober wieder schwächer. Bei Meltemi-Wetterlage herrscht wolkenloser Himmel mit ausgezeichneter Fernsicht, über dem Festland stehen Cumuluswolken, es steht konstanter nördlicher Wind und auch der Luftdruck ändert sich nicht. Störungen dauern etwa zwei Tage, wenn eine Kaltfront durchzieht und in der oberen Ägäis ist dann mit Gewitterschauern zu rechnen. Beides kündigt sich durch Sichtverschlechterung an.
Besonders häufig und stark ist der Meltemi:
  • zwischen Rhodos und Marmaris (Wind aus SW bis W)
  • von Kos bis Ikaria
  • von Ikaria bis Samos
  • in den gesamten Kykladen
  • um Chios
  • in den östlichen Sporaden
  • an der Nordküste von Kreta
Überhaupt nicht tritt der Meltemi auf:
  • von Marmaris bis Antalya
  • an der Nordküste Griechenlands
  • Chalkidiki
Grüße aus Österreich
Peter K.

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Offline Zerstörerfahrer

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Re: Marinewetterwarte in Griechenland
« Antwort #2 am: 21 Juli 2007, 12:10:21 »
Danke für die kleine Wetterkunde. Ich wunderte mich immer schon, beim studieren der KTB's der Seetransportstellen, dass mitten im Sommer Schiffe nicht auslaufen konnten, wegen der " Wetterlage ". Das kam haufiger vor, als man eigentlich
denken sollte.

Offline Peter K.

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Re: Marinewetterwarte in Griechenland
« Antwort #3 am: 21 Juli 2007, 13:41:22 »
Gern geschehen!  top
Grüße aus Österreich
Peter K.

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Offline byron

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Re: Marinewetterwarte in Griechenland
« Antwort #4 am: 21 Juli 2007, 15:51:09 »
Da gibt es noch einen Sturm der in der Nordägäis in den Augusttagen ganz plötzlich auftaucht, das bei uns sogenannte "Burini" oder "Bora". Da sind Somanche die es nicht voraussahen verloren gegangen.

Bei ganz ruhiger See, wird, der Horizont plötzlich gelb neblich, winzige Wellchen verändern die spiegelglatte See und dann ist er da!! Der Zorn-Sturm des Poseidon kann Bäume ausreissen. Wir waren mal im Golf von Saloniki mit einem Segelboot gekentert, im letzten Moment hat uns die Hafenpolizei rausgeholt. Er kamm so schnell das wir es nicht schafften die Segel runterzuholen.

Die "Meltemias" sind willkommene Winde, machen die sommerliche Hitze in der Ägäis erträglicher und erfreuen die Surfer.
Die wunderschöne Ägäis muss man halt respektieren.

Offline Peter K.

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Re: Marinewetterwarte in Griechenland
« Antwort #5 am: 21 Juli 2007, 16:18:41 »
Tja, die "Bora" .... eigentlich ein kalter, starker und schnell auftretender Fallwind von den Bergen, der in der Adria meist Bora genannt wird, in Italien als Tramontana, in Frankreich als Mistral und in Spanien als Maestral bekannt ist. Im Sommer erreicht er Geschwindigkeiten von Bft 6, im Winter Bft 8 - der Mistral sogar Bft 10, und kann sich in Boen bis auf Bft 12 steigern!

Bei einem meiner ersten Törns in der Adria war ich gezwungen, nachts eine Bora mit einer 9 m - Yacht abzureiten ... wahrlich kein Vergnügen!
Grüße aus Österreich
Peter K.

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Offline Zerstörerfahrer

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Re: Marinewetterwarte in Griechenland
« Antwort #6 am: 06 August 2007, 10:19:14 »
Moin Moin,

um eure Wetterbeurteilungen mal zu unterstreichen, hier mal ein Auszug aus dem KTB der Küstensicherungsflottille Mazedonien vom 20.04.42:

" Ein sehr schnell aufkommender Orkan macht Alarm für die Flottille notwendig. Eine etwa 1 m hohe Flutwelle überspült die Mauer des Flottillenhafens und schlägt die Stützen der dort aufgebockten Wannsee – Boote weg. Unter Lebensgefahr wird Ordnung in diese stürzenden, sich losreißenden und schlagenden Boote gebracht, von denen einige trotz aller Bemühungen im Hafenbecken untergehen. Orkan zieht nach etwa 1 Stunde vorüber."

Offline TD

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Re: Marinewetterwarte in Griechenland
« Antwort #7 am: 06 August 2007, 11:10:23 »

Hallo Renè,

Im  KTB Kdt. der Seeverteidigung „N“ (Nordgriechenland)

wird der Verlust bzw. wurden später wohl mehrere Boote gehoben, erst am 23.April gemeldet.

Ist das eines der im Südbereich oft um 2 bis 3 Tage verzögerte Meldung oder gab es am 23.  noch einmal einen kräftigen Sturm ?

Ich habe hier einmal die bisherigen Daten und Namen zu den Booten zusammen gestellt, überwiegend waren es auf jeden Fall Motorboote vom Wannsee.

23.04.42   Verschiedene Wannseeboote + BEKULI – FROH (Amsterdamer Boote) bei Sturm teilweise gekentert + ↓
24.04.42   Name der Boote: GRIMMITZ, HORST, VENUS, SATURN, JO JO, ORION – WASSERAUTO I. FROH + BEKULI schon gehoben

23. 4. 42
D mbt   Bekuli                 + Unfall         Saloniki   Sturm
D mbt   Froh             L 13,5  + Unfall         Saloniki   Sturm
D mbt   Grimnitz              + Unfall         Saloniki   Sturm
D mbt   Horst                 + Unfall         Saloniki
D mbt   Jo Jo                 + Unfall         Saloniki
D mp    Orion         04        + Unfall         Saloniki
D mp   Saturn         02        + Unfall         Saloniki
D mp   Venus         03 L 16,3 + Unfall         Saloniki
D mp    Wasserauto I      13 L 11,1 + Unfall         Saloniki


Gruß

Theo
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Offline Zerstörerfahrer

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Re: Marinewetterwarte in Griechenland
« Antwort #8 am: 06 August 2007, 11:31:08 »
Nee, Fehler vom Amt. Da ist die Tagebuchmeldung vom 23., nicht vom 20.04.42.
SORRY
War mir vorhin schon selbst aufgefallen, hab aber gedacht, " Das merkt sowieso keiner ".  :-D

Offline TD

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Re: Marinewetterwarte in Griechenland
« Antwort #9 am: 06 August 2007, 12:11:15 »
Hallo Renè,

für mich war es nur interessant  zu lesen das diese Boote aufgebockt an Land gestanden haben, ich hatte bisher immer gedacht diese kleinen Süßwasserboote hätten in einen Hafenbecken gelegen und wären dann zu Bruch gegangen.

Man muß sich ja etwas um diese Lustfahrzeuge kümmern, Heinz Rühmann seine Yacht  wurde in Konstanza eingesetzt. Maritta Röck ihre Yacht ging vor Sewastopol unter.

Ist sowieso einer der wenigen Aktionen im 3. Reich wo arm ( bezw. nicht so reich und berühmt) und reich gleich behandelt wurden.

Gruß

Theo
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Offline Zerstörerfahrer

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Re: Marinewetterwarte in Griechenland
« Antwort #10 am: 06 August 2007, 12:21:25 »
Hallo Theo,

du meintest sicherlich das KTB des Seeko Saloniki, Nordgriechenland hiess der doch erst ab April 44.
Wir sollten uns mal in Verbindung setzen, ich hätte da noch ein paar Fragen.

Bis dann
rene

Online Hans Jehee

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Re: Marinewetterwarte in Griechenland
« Antwort #11 am: 06 August 2007, 12:24:21 »
Hallo Theo, René,

23.04.42 Verschiedene Wannseeboote + BEKULI – FROH (Amsterdamer Boote) bei Sturm teilweise gekentert +

Amsterdamer Boote ist das ein Typ oder sind das Boote von Amsterdam?

Gruss, Hans

Offline TD

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Re: Marinewetterwarte in Griechenland
« Antwort #12 am: 06 August 2007, 13:21:02 »
Hallo Hans,

ich hatte den Text nur so in meiner Abschrift und meine das die genannten Boote alle aus der <Berliner Gegend sind.

Die Boote gingen ja teilweise über Holland ( Ausbildungsabteilung Amsterdam) in mehreren Wellen bis zu 26 Stück zum Süden.


Gruß

Theo
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Offline bettika61

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Re: Marinewetterwarte in Griechenland
« Antwort #13 am: 11 März 2018, 15:40:29 »
Hallo,
Der "Chefmeteorologe im griechischen Raum" war
Prof.Dr. Hannes AN DER LAN
Zitat
AN DER LAN's wissenschaftliche Aktivitäten wurden dabei durch zweierlei nennenswert beeinflußt. Zum einen wurde er während des Krieges schließlich Chefmeteorologe des griechischen Raumes einschließlich der Meeresgebiete südliche Adria, Ionisches Meer und Ägäis, und blieb dies bis zum Ende der Griechenlandbesetzung 1944. Aus den ins Privatleben geretteten Resten seiner bezüglichen Aufzeichnungen (aus-gearbeitetes reiches Radiosondenmaterial von Kreta und Athen war ihm bei seiner Gefan-gennahme bei Kriegsende in Holland abgenommen worden) erwuchs eine 1949 veröffent-lichte wertvolle Publikation über "Meteorologische Besonderheiten der Ägäis"
(aus dem Nachruf des Innsbrucker Zoologen und Umwelttoxikologen )

Zitat
Mit der Eroberung der Insel Kreta wurde auch in Chania eine Marinewetterwarte durch Reg. Rat Dr. Weiss aufgebaut.
mgl. RR d.R Dr. Fritz Herbert Weiß + U 867 19.9.1944

Neben den o.g Marinewetterwarten in Athen,Saloniki, Chania/Kreta und Lemnos
gabe es eine weitere in Leros.
« Letzte Änderung: 11 März 2018, 15:57:44 von bettika61 »
Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana