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Autor Thema: Maritime Nachrichten 1919/1920  (Gelesen 13494 mal)

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Offline Parow

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #240 am: 20 Januar 2023, 18:02:56 »
25. November 1920 Swinemünde
„Eine Anzahl Mannschaften der hiesigen Halbflottille befindet sich seit einiger Zeit in der Marinestation in Bug auf Rügen, um dort ausgebildet zu werden. Gelegentlich des Landarbeiterstreiks auf Rügen waren zwei Kameraden von dem hier stationierten Torpedoboot T. 158 zu Wachdiensten auf ein Gut in der Nähe von Bug kommandiert. Als der Marinesoldat auf einem Wagen hantierte und dabei zu Fall kam, entlud sich plötzlich das Gewehr. Der Schuß drang dem zufällig vorübergehenden 20 Jahre alten Torpedobootsheizer Hans Herrmann in die linke Brustseite und verletzte ihn so schwer, daß er am nächsten Tage verstarb. Als der andere Soldat, aus dessen Gewehr der verhängnisvolle Schuß gekommen, das durch den Unfall angerichtete Unheil sah, versuchte er sich selbst zu erschießen. Von einem dritten Kameraden konnte er aber daran gehindert werden.“

27. November 1920 Stralsund
„Wie schon neulich berichtet, findet die Zusammenstellung des Schiffsstammes „Hannover“ hier in Stralsund statt. Die Aufstellung ist jetzt in ein neues Stadium getreten. Der für „Hannover“ vorgesehene erste Offizier, Korvettenkapitän Brunner – bekannt durch seinen kühnen Torpedobootsausbruch mit „S. 90“ aus Tsingtau, bei dem der japanische Kreuzer „Takatshio“ versenkt wurde -, hat jetzt die Leitung auf dem Dänholm übernommen. Das Marinefachpersonal aus sämtlichen Küstenwehr-Abteilungen wird herausgezogen, hier gesammelt infanteristisch ausgebildet und rollenmäßig für die einzelnen Tätigkeiten angewiesen. Etwa 500 Mann werden auf dem Dänholm untergebracht, die übrigen 200 Mann sind Heizer-Rekruten, die noch in Wiek liegen und bis zur Indienststellung des Schiffes, etwa am 1. März 1921, zugweise an Bord zur Ausbildung vor den Feuer auf dem kleinen Kreuzer „Berlin“ und auf Torpedobooten kommandiert werden. Das Linienschiff „Hannover“, ein Schwesterschiff der am 31. Mai 1916 durch den Torpedoschuß eines englischen Zerstörers versenkten „Pommern“, lief im Jahre 1905 vom Stapel. Wasserverdrängung 13 200 Tonnen, Länge 126 Meter, Breite 22 Meter, Tiefgang 7,7 Meter, Geschwindigkeit 18,5 Seemeilen, Besatzung einschließlich Offiziere und Beamte 743 Köpfe. Die Bestückung besteht aus vier 28 cm-Geschützen in zwei Doppeltürmen, vierzehn 17 cm-Geschützen in Batterie- und Einzelkasematten, zwanzig 8,8 cm-Torpedoboots-Abwehrkanonen. Torpedoarmierung: sechs 45 cm-Torpedolancierrohre – ein Bug-, vier Breitseits- ein Heckrohr.“

Offline Parow

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #241 am: 21 Januar 2023, 18:37:29 »
28. November 1920

Offline Parow

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #242 am: 22 Januar 2023, 11:08:42 »
28. November 1920
„Im Stettiner Freihafengebiet wird für heute mittag 1 Uhr der Dampfer „Rügen“, mit 793 Reichsdeutschen aus Rußland an Bord, erwartet.“

28. November 1920
„Am 25. November ist der Dampfer „Kaikhu Maru“ mit 1697 Reichsdeutschen von Wladiwostok abgefahren. Die Fahrt geht über Singapore, Sabang, Port Said, Triest nach Bremen, wo der Dampfer etwa Mitte Januar eintreffen dürfte.“

1. Dezember 1920 Stolp
„Bekanntlich müssen auf Grund des Friedensvertrages auch unsere Zeppeline den Ententestaaten ausgeliefert werden. Ueber die Ablieferung des letzten Schiffes dieser Art, das im Dienste der Marine gestanden und bisher seinen Heimathafen in Ostpreußen gehabt hatte, schreibt die „Stolper Ztg. F. Hp.“ aus Stolp vom Montag: Das letzte Marineluftschiff „L. Z. 120“ ist nunmehr vor einigen Tagen hier eingetroffen und hat heute morgen seine letzte Fahrt nach Italien angetreten. Die Mannschaft benutzte den gestrigen Sonntag, auf dem Ehrenfriedhof am Grabe der Luftschiffbesatzung von „S. L. 6“ eine stille Gedenkfeier abzuhalten, der sich das Kommando der Marine-Bauaufsicht anschloß. Der Kommandant, Oberleutnant zur See v. Schiller, leitete die Feier durch ein stilles Vaterunser ein.“

3. Dezember 1920 Wiek a. Rg.
„Mit dem Abbruch der großen Flugzeughallen auf der Station Bug ist man seit etwa einer Woche beschäftigt. Zahlreiche Arbeiter nehmen an diesem Abbau teil. Die Firma, die die Hallen s. Zt. erbaute, hat nunmehr auch den Abbruch derselben übernommen. Wann die großen Seeflugzeughallen auf dem hiesigen Standort weggeräumt werden sollen, darüber verlautet noch nichts.“

Online Urs Heßling

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #243 am: 22 Januar 2023, 12:56:16 »
moin,

Der für „Hannover“ vorgesehene erste Offizier, Korvettenkapitän Brunner – bekannt durch seinen kühnen Torpedobootsausbruch mit „S. 90“ aus Tsingtau, bei dem der japanische Kreuzer „Takatshio“ versenkt wurde
Crew (18)99
1906-09 in der T-SchulFltl
1910 Kommandant des Torpedoboots S 115
1922 nicht mehr in der Rangliste aufgeführt

Der Kommandant, Oberleutnant zur See v. Schiller, leitete die Feier durch ein stilles Vaterunser ein.“
Crew 1912
1922 nicht mehr in der Rangliste aufgeführt

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Online joern

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #244 am: 23 Januar 2023, 08:07:07 »
moin,

Der für „Hannover“ vorgesehene erste Offizier, Korvettenkapitän Brunner – bekannt durch seinen kühnen Torpedobootsausbruch mit „S. 90“ aus Tsingtau, bei dem der japanische Kreuzer „Takatshio“ versenkt wurde
Crew (18)99
1906-09 in der T-SchulFltl
1910 Kommandant des Torpedoboots S 115
1922 nicht mehr in der Rangliste aufgeführt

Der Kommandant, Oberleutnant zur See v. Schiller, leitete die Feier durch ein stilles Vaterunser ein.“
Crew 1912
1922 nicht mehr in der Rangliste aufgeführt

Gruß, Urs
Als Ergänzung:
Paul Brunner, geb. 17.7.1880 in Bromberg gest. 22.2.1941 in Greifswald war von 1935 bis zu seinem Tod 1941, Pfarrer in St. Marien Greifswald.

Hans v. Schiller geb. 17.3.1891 in Buckhagen gest. 6.12.1976  Oberstleutnant d. Luftwaffe d. R.
Grüße Joern

Offline Parow

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #245 am: 24 Januar 2023, 11:32:16 »
Danke Urs und Joern.

5. Dezember 1920 Swinemünde
„Seitdem die Garnison Swinemünde mit den neuen Truppenteilen belegt worden ist, ist es innerhalb kurzer Zeit bereits wiederholt zu ernsten Zusammenstößen zwischen Zivilpersonen und Militär-, besonders Marine-Mannschaften gekommen. Nachdem erst kürzlich eine gefährliche Schießerei und Schlägerei bei der zwei Kriminalbeamte von Marinesoldaten überfallen und erheblich verletzt wurden, auf dem Waldschloß stattgefunden hatte, kam es am Mittwoch abend im Westswiner Schützenhaus zu einer schweren Schlägerei. Eine Anzahl Zivilisten, darunter Ahlbecker Fischer, fielen nachts während des Tanzes plötzlich über die anwesenden Mannschaften der Küstenwehrabteilung mit Messern usw. her. Die Soldaten setzten sich kräftig zur Wehr und schlugen die Angreifer in die Flucht. Auf beiden Seiten hat es durch Messer- und Dolchstiche verursachten blutige Verletzungen gegeben. In dem Lokal wurde beträchtlicher Sachschaden angerichtet.“

12. Dezember 1920
„Wir lesen in der schwedischen Zeitung „Spenska Dagebladet“: Am 21. d. Mts. Ist bei den Aalandinseln der auf dem Wege nach Hull befindliche schwed. Dampfer „Blenda“ auf eine Mine gestoßen und gesunken. Die Besatzung wurde von einem finnischen Dampfer gerettet. Der Untergang der „Blenda“ ist nach dem Kriege das erste Minenunglück in der Ostsee. Es hat den Anschein, als ob das Wasser auf der finnischen Seite gegenwärtig voll von treibenden Minen ist. Die heftigen Stürme der letzten Zeit haben offenbar eine große Menge alter Minenfelder gelöst und abgetrieben. Die größte Vorsicht ist daher am Platze.“

15. Dezember 1920 Swinemünde
„Der Kreuzer „Berlin“, der zurzeit etwa 70 Heizerrekruten an Bord hat, geht am 16. d. Mts. Zu Ausbildungszwecken nach Kiel in See, so daß damit auch der Besatzung Gelegenheit gegeben ist, Weihnachten bei ihren Angehörigen zu verleben. Mit Kreuzer „Berlin“ wird auch der Stab des Befehlshabers der Seestreitkräfte der Ostsee nach Kiel gehen. Die Rückkehr des Schiffes nach Swinemünde erfolgt in der zweiten Januarwoche.“

Offline Big A

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #246 am: 24 Januar 2023, 13:16:01 »
Zitat
„Spenska Dagebladet“

Kleiner Typo:  "Svenska Dagebladet"

Axel
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

Offline Parow

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #247 am: 25 Januar 2023, 17:10:09 »
30. Dezember 1920 Swinemünde
„Das letzte große Segelschiff unserer einstigen stolzen Handelsflotte, der Viermaster „Paul“ aus Hamburg, passierte – im Schlepptau eines unter französischer Flagge fahrenden Schleppers – von Stettin kommend, unseren Hafen, um nach Dünkirchen (Nordfrankreich) gebracht zu werden. Dieses von der Entente beschlagnahmte stolze Segelschiff ist das letzte der einstmals aus nahezu 200 Schiffen bestehenden deutschen Seglerflotte Hamburgs.“


Das war nun mein letzter Beitrag zu diesem Thema. Danke an allen, die sich aktiv beteiligt haben.
Peter

Online Urs Heßling

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #248 am: 25 Januar 2023, 17:35:19 »
moin, Peter,

30. Dezember 1920 Swinemünde
„Das letzte große Segelschiff unserer einstigen stolzen Handelsflotte, der Viermaster „Paul“ aus Hamburg, passierte – im Schlepptau eines unter französischer Flagge fahrenden Schleppers – von Stettin kommend, unseren Hafen, um nach Dünkirchen (Nordfrankreich) gebracht zu werden.
evt. die Pola ... siehe Zeit- und Ort-Differenzen !

Das war nun mein letzter Beitrag zu diesem Thema. Danke an allen, die sich aktiv beteiligt haben.
Ein großer Dank :MG: top geht an Dich für diesen schönen und sehr interessanten Thread !

Gruß, Urs
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Online kalli

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #249 am: 25 Januar 2023, 18:03:12 »
Dem Dank möchte ich mich anschließen. Eine ganz feine Sache hast Du da ins Forum gestellt. Gerne habe ich die Beiträge verfolgt. top

Offline Rudergänger

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #250 am: 25 Januar 2023, 18:06:49 »
Auch ich habe die Beiträge mit großen Interesse gelesen.
Vielleicht könnte man die Beiträge für das HMA zusammen fassen.

Danke für deine Arbeit. top
Harald

Offline maxim

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #251 am: 25 Januar 2023, 18:13:42 »
Ja, vielen Dank für die Mühe! War sehr interessant!  :TU:)

Offline SchlPr11

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #252 am: 25 Januar 2023, 18:53:19 »
Hallo,
hat mir sehr gefallen und doch auch einige neue Ansätze geliefert, besten Dank - REINHARD

Offline smutje505

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #253 am: 25 Januar 2023, 19:55:56 »
Hallo Peter auch von mir ein großes DANKESCHÖN für deine Maritimen Nachrichten 1919/1920 sehr interessant.
Gruß Hartmut

Online joern

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Re: Maritime Nachrichten 1919/1920
« Antwort #254 am: 25 Januar 2023, 20:01:21 »
Ja war super. Vielen Dank.
Grüße Joern