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Autor Thema: ”Christbäume” auf deutschen U-Booten  (Gelesen 702 mal)

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Offline olpe

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”Christbäume” auf deutschen U-Booten
« am: 18 Juni 2022, 15:18:22 »
Hallo,
ein Bekannter gab mir ein Buch und meinte: „Schau Dir doch mal an, was das mit den Christbäumen auf sich hat … „. Gesagt getan: Das Buch: „Auf Feindfahrt mit U-170 und Ritterkreuzträger Rudolf Mühlbauer“ von Ulrich Lange, die „Christbäume“: Radar-Scheinziele in Form von Bojen, Stangen und Alu-Folie, welche den alliierten Bomberbesatzungen auf dem Bordradar nachts ein Ziel vorgaukelten, das sie dann mit Bomben und/oder Bordwaffen angriffen. In der Beschreibung des Buches wurden 15 dieser Christbäume nach dem Auslaufen aus Lorient in der Biskaya an festgelegten Positionen ausgesetzt. Augenscheinlich ist diese Art dieser funkelektronischen Täuschung 1944 von vielen, wenn nicht von allen Atlantikbooten eingesetzt worden.
Die Frage: wurden diese Christbäume im FMA bereits „behandelt“, wenn nein, wie sah so ein Teil aus, gibt es Bilder/Beschreibungen darüber bzw. Filmszenen des Aussetzens?
Freue mich auf Euer RE:
Grüsse
OLPE

Offline Urs Heßling

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Re: ”Christbäume” auf deutschen U-Booten
« Antwort #1 am: 18 Juni 2022, 16:13:40 »
moin,

ich kann nur - als eine Art Exkurs - hinzufügen, daß deutsche Schnellboote im Herbst 1944 in der Adria vergleichbare Maßnahmen durchführten
14.09.1944 - 15.09.1944   Unternehmen „Holzschuh I“ (S 623, S 626, S 629) zum Auslegen von schwimmenden Radartäuschkörpern, dabei Beschuß durch eigene TA-Boote, die eine Minenunternehmung des Minenlegers „Kiebitz“ decken
27.09.1944   Unternehmen „Holzschuh II“ (S 623, S 626, S 629) zum Auslegen von schwimmenden Radartäuschkörpern, danach Einlaufen in Pola

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline t-geronimo

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Re: ”Christbäume” auf deutschen U-Booten
« Antwort #2 am: 18 Juni 2022, 16:48:30 »
Hast du für U 170 ein konkretes Datum, OLPE
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Offline Wiking

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Re: ”Christbäume” auf deutschen U-Booten
« Antwort #3 am: 18 Juni 2022, 17:08:15 »
« Letzte Änderung: 19 Juni 2022, 08:10:24 von Wiking »

Offline Strandurlauber

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Re: ”Christbäume” auf deutschen U-Booten
« Antwort #4 am: 18 Juni 2022, 23:10:39 »
... wie sah so ein Teil aus, gibt es Bilder/Beschreibungen darüber bzw. Filmszenen des Aussetzens?
Freue mich auf Euer RE:
Grüsse
OLPE

Moin Olpe,

die beschriebenen "Christbäume" erinnern mich an die Täuschboje "Thetis", die bei Gissler als zerlegbare Mastboje beschrieben wird, bzw. als "Schwimmkörper mit einem Reflektornetz, der auch unter Wasser ausgestoßen werden konnte und sich dann selbsttätig ausstrecken."
Sie soll in der Biscaya von U-Booten und Flugzeugen ausgelegt worden sein.
Auf dem Bild müsste es sich bereits um ein Thetis S handeln.
Die ursprüngliche Version FuMT 2 sah etwas anders aus (siehe Verlinkung bei Wiking's Beitrag) und  wurde m.W. in Einzelteilen von 2 m Länge im Turm(?) verstaut, mussten in Überwasserfahrt montiert und ausgesetzt werden.
Die Schwimmer sollten sich nach einiger Zeit vollsaugen und den Täuschkörper versenken bevor er erbeutet werden konnte, was aber nicht immer funktioniert hat ...
Daneben gab es noch ein weiteres (Radar-)Scheinziel mit der Bezeichnung "Aphrodite", "ein mit Wasserstoff aufzublasender Ballon, an dessen unteren Ende einzelne Aluminiumfolien angebracht waren."

Gruß
Ulf


Nachtrag: Im 2. Band bei Rössler dazu noch:
"Beim ÜW-Einsatz wurden sowohl Ballons (FuMT 1 >Aphrodite IV< ab Juni 1943) als auch Schwimmkörper (FuMT 2 >Thetis IIc< ab Januar 1944) benutzt.
Für dem UW-Einsatz war 1944 ein Ausstoßkörper mir der Bezeichnung FuMT 4 >Thetis US< entwickelt worden, der aus einem Gummisack mit einem eingebauten Reflexionskörper  bestand, nach dem Ausstoßen automatisch aufgeblasen wurde und einen Schnorchelkopf vortäuschen sollte.
Die Wirksamkeit  von FuMT 1 und FuMT 2 war nur gering, da sie gegen Ortung auf der m- bzw. dm-Welle vorgesehen waren, während der Gegner schon ... cm-Radargeräte benutzte."

sowie auch:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Funkmesst%C3%A4uschungsger%C3%A4t

http://wehrtechnikmuseum.de/Noch_Fragen-/Dueppel/body_dueppel.html

http://www.deutschesatlantikwallarchiv.de/radar/technik/fums.htm

15 Stück sind realistisch - hier mal mit den Stückzahlen an Bord:
https://www.uboatarchive.net/U-66A/U-66INT.htm

https://www.uboatarchive.net/U-257A/U-257INT.htm



« Letzte Änderung: 19 Juni 2022, 01:57:20 von Strandurlauber »
"Damn the torpedoes! Full speed ahead!" D. G.  Farragut

(1864 Battle of Mobile Bay; ... er wusste offenbar was USS Cairo auf dem Yazoo River zum Verhängnis wurde, aber auch dass die Minen schon längere Zeit im Wasser lagen und durchsickerndes Wasser in den Trimmtanks diese nach und nach absacken ließ ...)

Offline Wiking

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Re: ”Christbäume” auf deutschen U-Booten
« Antwort #5 am: 19 Juni 2022, 00:22:28 »
« Letzte Änderung: 19 Juni 2022, 08:10:39 von Wiking »

Offline wirbelwind

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Re: ”Christbäume” auf deutschen U-Booten
« Antwort #6 am: 19 Juni 2022, 09:14:35 »
Hallo,
in dem Zusammenhang fallen mir auch die verschiedenen ,,Bolde" ein. Sie sollten ja wohl der gegnerischen U-Boot-Abwehr im Radar ein feindliches U-Boot vorgaukeln.
Wurden ja wohl alle dt. Hochsee-U-Boote damit bestückt. Inwieweit dies auch im sehr tiefen Wasser noch funktionierte, ist mir nicht bekannt.
MfG Wirbelwind

Offline jost_brune

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Re: ”Christbäume” auf deutschen U-Booten
« Antwort #7 am: 19 Juni 2022, 10:06:49 »
Hallo,
in dem Zusammenhang fallen mir auch die verschiedenen ,,Bolde" ein. Sie sollten ja wohl der gegnerischen U-Boot-Abwehr im Sonar ein feindliches U-Boot vorgaukeln.
Wurden ja wohl alle dt. Hochsee-U-Boote damit bestückt. Inwieweit dies auch im sehr tiefen Wasser noch funktionierte, ist mir nicht bekannt.
MfG Wirbelwind

Offline wirbelwind

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Re: ”Christbäume” auf deutschen U-Booten
« Antwort #8 am: 19 Juni 2022, 12:52:32 »
Hallo,
der Einwand von jost_brune ist berechtigt. Die Ortung von U-Booten erfolgte unter Wasser mit Sonar. Daher sandten die Bolde Schallwellen aus, die dem Verfolger ein U-Boot unter Wasser vortäuschen sollte, wo es nicht stand bzw. bewegte.
MfG Wirbelwind

Offline Urs Heßling

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Re: ”Christbäume” auf deutschen U-Booten
« Antwort #9 am: 19 Juni 2022, 13:05:09 »
moin,

Daher sandten die Bolde Schallwellen aus
wenn ich die Bold-Funktion richtig verstehe, reflektierten sie die ASDIC-Schallwellen (kein aktives Senden)

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline wirbelwind

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Re: ”Christbäume” auf deutschen U-Booten
« Antwort #10 am: 19 Juni 2022, 14:47:00 »
Hallo Urs,
auch das stimmt. :embarassed: Die Bolde reflektierten die ausgesandten ASDIC-Signale und gaben keine aktive Schallwellen ab, so steht es zumindest bei Wiki. Bold 5 konnte sogar wohl in 200 m Tiefe ausgestoßen werden und entfaltete dann seine Wirkung.
Die Ortung von U-Booten in Überwasserfahrt erfolgte mittels Radar, spätestens ab 1943 lt. U-Boot-Archiv Wiki
MfG Wirbelwind

Offline olpe

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Re: ”Christbäume” auf deutschen U-Booten
« Antwort #11 am: 19 Juni 2022, 18:09:04 »
Hallo,
... vielen Dank für die Hinweise und Infos ...  top :MG: ...

Hast du für U 170 ein konkretes Datum, OLPE
… der Auslauftermin von U-170 aus Lorient war der 01. August 1944 …

Soweit für den Moment.
Grüsse
OLPE