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Michael R.D. Foot, S.O.E. in France, Official History of the Second World War

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ufo:
Lohnt ja doch immer mal ueber den Tellerrand zu gucken.
 
Ich beobachte immer mit Freude, wenn ‘Aussortierwellen‘ durch oeffentliche Bibliotheken gehen. Hier erwischt es grad die “Official History of the Second World War“. Hier in maritimen Kreisen ist sicher Stephen Roskills, ‘The War at Sea 1939-1945‘, drei Baende in vier Buechern am bekanntesten. Insgesammt umfasst das Werk Dutzende von Baenden:
https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_the_Second_World_War

Ergatterte ich doch kuerzlich:
Michael Richard Daniell Foot, ’S.O.E. in France’
Special Operations Executive (SOE) in France, 1939 – 1944, Her Majesties Stationary Office, 1966, 550 Seiten, vier Karten im Umschlag.

Tjaaa… ich habe damals den Kriegsdienst mit der Waffe verweigert. Als ich das tat war es durchaus noch nicht gegeben, dass man damit durch kam aber es gab zumindest nicht mehr diese albernen Fragen: ‘Sie gehen mit ihrer Freundin durch den Park und haben zufaellig eine Maschienenpistole dabei ...‘. Ja. Ja, natuerlich wuerde ich meine Lieben verteidigen. Logisch. Mein Probem mit Kriegsdienst mit Waffe ist, dass ich ueberzeugt bin, dass Krieg zwangslaeufig in Barbarei fuehrt. Ich glaube nicht an den ‘sauberen Krieg‘.

Da ist ‘S.O.E. in France‘ wirklich ein sehr erhellendes Werk.
 
Foot eroeffnet ohne Scham oder Peinlichkeit damit, dass das natuerlich nicht in dem Sinne legal ist. Zweck heiligt Mittel.

Der Autor beschreibt detailiert die verflochtenen Organisationen, die da beteiligt waren; beschreibt die Probleme mit den Franzosen zusammenzuarbeiten. Misstrauen und Politik, vermischt mit Zwist, Hader und Duenklen machten nicht fuer einfache Planungen.

Er versteckt auch nie die moralischen Probleme, die die Britischen Streitkraefte damit hatten. Die RAF verweigerte einen Fallschirmflug fuer Agenten, die in Zivilkleidung die Piloten von Kampfgeschwader 100 in die Lust sprengen sollten. Das erschien den Verantwortlichen irgendwie unmoralisch.

Foot geht in Zeitabschnitten durch den Terrorismus (oder je nach belieben 'Agententaetigkeit') in Frankreich. Beschreibt sehr unverbluemt Fehler und Erfolge, Unfaehigkeit und Gelingen. Flugverkehr und maritime Landungen werden beschrieben ebenso wie die Operationsgebiete bestimmter Agentenkreise. Allerlei Agenten wurden und werden in ihren Wikipedia Nachrufen ja langsam zu Ueberhelden. Foot macht deutlich, dass es gute und schlechte gab, geschickte und unvorsichtige. Er ist nicht sparsam mit Lob fuer die Deutsche Seite. Er zeigt auf, wo Wunschdenken oder schlichte Doofheit auf Britischer Seite Leben gekostet hat. Dass die Deutschen viele der gefangenen Agenten dann umgebracht haben – nun, irgendwie schade aber er schwingt da keine moralische Keule. Schon nicht nett von den Deutschen aber halt auch Berufsrisiko. Er besteht aber ausdruecklich darauf, dass S.O.E. nicht in dem Sinne “schuld“ an dem Massaker von Oradour ist. Er akzeptiert aber in gewissem Rahmen, dass wenn Zivilisten Krieg gegen Sodaten machen dann eben auch Soldaten mal Krieg gegen Zivilisten anfangen. Das war schon barbarisch von den Deutschen aber er ist mehr pikiert darueber, dass die dann auch noch das falsche Oradour massakrierten.
Foot beschreibt sehr ausgiebig die Anarchie, die gegen Kriegsende durch Frankreich zog. Guerillakrieg – mal erfolgreich, mal katastrophal. Abrechnungen aller Art.     

Foot schliesst sein Buch mir einer ausgesprochen interessanten Analyse wie ineffektiv Bombenkrieg aus der Luft im Vergleich zu gezielter Sabotage ist. Hier sieht man den schweren Stand den Bomber Command hatte seine Geschichte schoen zu reden. Die RAF veroeffentlichte ihre Geschichte zur Battle of Britain schoen der frueh in der “Official History“. Bomber Command musste relativ lange warten bis sie ihren Teil veroefftenlich bekamen. Ein Augenoeffner, dass hier Seitenhiebe verteilt werden.   

Insgesammt ein lesenswertes Buch, welches ein eigenwilliges Kapitel des zwoten Weltkrieges beleuchtet. Und wie so oft bei gut geschriebenen Geschichtsbuechern beleuchtet es das Thema, ueber welches da geschrieben wird ebenso wie die Ansichten der Zeit in der es geschrieben wurde.

Urs Heßling:
moin,

es gibt eine minimale Verbindung zur Geschichte deutscher Schnellboote ... :O/Y

Foot wurde im Dezember 1944 gegen Kptlt Karl Müller, Chef der 10. S-Flottille ausgetauscht

Gruß, Urs

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