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Projekt 41, Neustrashimy

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Wiking:
Hallo,

Eigentlich sollte das Projekt wohl in die Massenproduktion gehen aber bereits nach der ersten Einheit wurde alles gestoppt und die weiteren bereits noch im Bau ( 3 Schiffe ) befindlichen Schiffe wieder abgebrochen.

gab es hier ebenso wie beim Projekt 1123 «Кондор» der "Moskva" Klasse Stabilitätsprobleme?

War es beim Projekt 1123 «Кондор» der "Moskva" Klasse die 3D-Radaranlage MR-600 „Voskhod“ (NATO: TOP SAIL) könnte es beim Projekt 41 das Feuerleitgerät für die 130mm gewesen sein.

Aber auch Probleme mit der Geschwindigkeit, der Reichweite und der Wendigkeit sollen zum Abbruch der Serie geführt haben.

Kann man das so bestätigen oder waren andere Gründe maßgeblich verantwortlich für das Einstellen des Projekt 41 ?


http://russianships.info/eng/warships/project_41.htm

Animation https://www.youtube.com/watch?v=2Jg6OCYqrU8

https://www.youtube.com/hashtag/warthundernaval

Mit freundlichen Grüßen,

Wiking  :MG:

Kaschube_29:
Moin,

hier als Gründe für den Verzicht auf den Serienbau des Projekts 41 ("Neustrashimyy" ["Неустрашимый"]) die Übersetzung aus einem Artikel aus der russischen Zeitschrift "Sudostroeniye" ("Судостроение") Nr. 07/1993:

...
Beim Vergleich mit den "Dreißigern" (Projekt 30 = Zerstörer der "Skoryy"-Klasse) hatte das Kriegsschiff eine Reihe von Vorzügen, aber man konnte es keinesfalls als gelungen bezeichnen. Wegen der mißlungenen Linienführung der Bugspanten wurde der Bugteil während der Fahrt in frischem Wetter stark bespritzt, was die Bedienung der 130-mm und 45-mm-Buggeschütze erschwerte. Bei Rückwärtsfahrt gehorchte das Schiff nicht den Rudern, bei ihrem Umlegen ging das Schiff in eine Drehbewegung über, aus der es mittels der Ruder nicht herausgeführt werden konnte. Im Verlauf der Erprobungen zeigte sich eine hohe Vibration der Hauptmaschinen, des Hecks und der Verstärkung des achteren Artilleriegeschützes. Die beiderseitige Anordnung der 45-mm-Maschinenkanonen erlaubte nicht ihren gemeinsamen Einsatz sowohl in der Bug- als auch der Heckhalbbatterie und das Diagramm der Schußwinkel der 130-mm-Artilleriegeschütze wurde sehr wesentlich eingeschränkt. Es ist jetzt schwer, die Gründe zu erklären, die zum Abgehen von der Variante der Rhombus-Anordnung der Artilleriewaffen mit Erhöhung über das Oberdeck anregten, was im technischen Projekt vorgeschlagen wurde. Anscheinend spielte das Bestreben, zusätzliche Aufbauten und damit einhergehend überflüssige Rauminhalte, Außenabmessungen und Gewichte zu vermeiden, eine Rolle. Nichtsdestoweniger kehrte man auf den folgenden Zerstörern (Projekt 56) praktisch wieder zu dem angeführten Schema zurück. Die Maschinenkanonen "SM-16" selbst gehörten noch nicht der Serienproduktion an und wurden später durch nicht stabilisierte 45-mm-Vierlingsgeschütze "SM-20-ZIF" ersetzt und die 25-mm-Maschinenkanonen wurden heruntergenommen, wie auch die unzuverlässige Versuchsanlage "Fut-B" gegen eine durchgearbeitete Serienanlage ersetzt wurde. Außerdem wurden anstelle der veralteten Wasserbombenwerfer "BMB-1" Ende der 50-er Jahre auf dem Achterdeck beiderseits zwei reaktive Wasserbombenwerfer "RBU-2500" eingebaut.
Aber die Hauptnachteile, die sich im Laufe der Erprobungen zeigten, waren sowohl das Nichterreichen der vollen Fahrtgeschwindigkeit als auch des Fahrbereiches. Wenn gemäß der taktisch-technischen Aufgabe die volle Fahrtgeschwindigkeit mit 36 kn bestimmt wurde, so wurden gerade einmal 33,5 kn erreicht. Der Fahrbereich bei technisch-ökonomischer Fahrtstufe (14 kn) sollte 5.500 sm betragen, aber mit Schwierigkeiten konnten gerade 5.210 sm erreicht werden.
Die anfängliche Untersuchung der Gründe erwies sich als oberflächlich. Im Übernahmeakt wurde zu diesem Punkt angemerkt: "Dies ..... geschah in Folge der unzureichenden projektierten Leistung der mechanischen Anlage und von Fehlern in der Berechnungsmethode zum Fahrtverhalten des Kriegsschiffes, die vom TsNII-45 (tsentral´nyy nauchnyy issledovatel´skiy institut-45 = Zentrales wissenschaftliches Forschungsinstitut-45, heute TsNII imeni Akademik A. N. Krylov = Zentrales Forschungsinstitut namens des Mitglieds der Akademie der Wissenschaften A. N. Krylov) durchgeführt wurde." Aus diesem Grund wurde die "Neustrashimyy" als übermäßig großes Kriegsschiff bestimmt, obwohl auch bedeutende Reserven für eine Modernisierung vorhanden waren. Hierbei ist in Betracht zu ziehen, daß diese Sichtweise bereits lange vor dem Beginn der Erprobungen vorherrschend war, weshalb bereits im Juni 1951 mit einem Beschluß des Ministerrates der Bau der Zerstörerserie 41 abgebrochen wurde.
...


Deshalb wurde das Projekt 56 (NATO: "Kotlin"-Klasse) entworfen und auch in einer größeren Anzahl gebaut.

Bis dann,

Kaschube_29 (Axel)

Urs Heßling:
moin,

im Wesentlichen eine Wiederholung von Axels Text, nur in Englisch, aber mit etwas mehr Einzelheiten, zum Beispiel zur Ruder-/Propeller-Anordnung : project 41

Gruß, Urs

Wiking:
Hallo,

demnach spielte das Feuerleitgerät für die 130mm wohl eher keine Rolle.
Und man hätte die Probleme wohl in den Griff bekommen können, dass einstellen vom Projekt 41 scheint eher ein Fehler gewesen zu sein.

Mit freundlichen Grüßen, :MG:

Wiking

olpe:
Hallo,

--- Zitat von: Wiking am 27 März 2022, 15:40:22 ---... Und man hätte die Probleme wohl in den Griff bekommen können, dass einstellen vom Projekt 41 scheint eher ein Fehler gewesen zu sein.

--- Ende Zitat ---
... auch das russische Marinealmanach "Taifun" (Spezialausgabe "Superzerstörer der Sowjetischen Flotte") beschäftigte sich 1998 mit dem Projekt 41 
--/>/> klick Text (russ.) ...


Das Projekt 41 besaß möglicherweise zwei systemische Fehler:

* es ist aus dem Vorkriegsmodell 47 heraus entwickelt worden, wobei der Rumpf dabei fast 1:1 übernommen wurde. Projekt 47 war aber in einer der untersuchten Varianten mit 3 Geschütztürmen des Hauptkalibers ausgestattet. Die "NEUSTRASHIMYY" besaß dadurch eine recht robuste Reserve für spätere Modernisierungen, was aber möglicherweise gar nicht beabsichtigt war
* im russischen wiki wird dargelegt, dass die Konstruktion "Heck-Schraube-Ruder" ein falsches (Anm.: vielleicht besser formuliert: nicht optimales) Design erhalten hatte. Das führte ebenfalls zu den Erscheinungen, die Axel in seinem post oben bereits beschrieb (geringere Geschwindigkeit, schlechtes Reagieren des Ruders bei Fahrt über Achtersteven, unkontrollierte Zirkulation)
Es ist imho eigentlich kaum noch möglich, ein verkorkstes Projekt ohne übermäßigen Aufwand wieder gerade zu biegen und beim Serienbau dann umzusetzen. Und wenn, dann hat man eigentlich ein neues Projekt ... :O/Y ...
Soweit einige Gedanken.
Grüsse
OLPE
 

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