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Autor Thema: „U 539“ vs. 10/32 M-Flot. „K 539“  (Gelesen 481 mal)

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Offline Zitterdelle

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„U 539“ vs. 10/32 M-Flot. „K 539“
« am: 21 November 2021, 21:50:19 »
Hallo, liebes Forum.

Dies ist mein erster Beitrag, ich bitte daher um Nachsicht, sollte ich hier etwas nicht ganz korrekt machen. Ich werde mir jedoch die beste Mühe geben…

Ich habe aus zwei verschiedenen Quellen – dem Bundesarchiv (BA) sowie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) – Informationen erhalten, die sich gegenseitig ergänzen. Es geht hierbei um den Werdegang meines Großvaters, der während der zweiten Hälfte des Zweiten Weltkrieges (als die U-Bootfahrer von Jägern zu Gejagten geworden waren) an Bord von U 539 in der Schlacht im Atlantik (sowie in der Karibik) als etwa 20-Jähriger Maschinen(ober-)gefreiter teilnahm. Hierzu habe ich einige Fragen, von denen ich hoffe, einige hier in diesem Forum aufgeklärt zu bekommen. Vielleicht kann ja auch der Eine oder Andere etwas aus den Antworten, bzw. aus der sich ergebenden Diskussion für sich mit nach Hause nehmen.

Die Erkennungsmarke meines Großvaters lautete UN.46604/42. Er war Träger des U-Boot-Kriegsabzeichens, und wird daher wohl an min. drei der insgesamt vier Unternehmungen/Feindfahrten von U 539 teilgenommen haben (falls er nicht auf verschiedenen U-Booten unterwegs war), bevor er am 6. Juni 1945 mit der gesamten Mannschaft von U 539 in britische Gefangenschaft ging, aus der er am 20./21. Dezember 1946 zurückgeführt wurde. Soweit die Daten des BA.

Nun hat der Suchdienst des DRK hierzu ein paar ebenso vertiefende wie verwirrende Angaben ergänzt, nämlich dass mein Großvater von 1944 bis 1945 der Einheit 10/32 M-Flot. "K 539" zugehörig war, was mich etwas verwundert, da ich nicht weiß, was das genau bedeutet. Weiß hier jemand, was es mit dieser Einheitsbezeichnung genau auf sich hat?

Hier meine Fragen:

1) M-Flot. wird wohl Minenflottille bedeuten. Eine "10. Gruppe" einer "32. Minenflottille" hat es aber scheinbar nie gegeben, wie ist also das 10/32 in diesem Zusammenhang zu verstehen?

2) Könnte "K 539" eine Kurzform für "KFK 539" sein, was dann womöglich als Abkürzung für einen Kriegsfischkutter zu verstehen wäre?

3) Wieso dann die Gleichheit der dreistelligen Kennung 539? Gibt es da womöglich eine gegenseitige Zugehörigkeit, bzw. einen Zusammenhang zwischen U-Boot (U 539) und Kriegsfischkutter (K 539)?

4) Sollte mein Großvater in den Jahren 1944-1945, statt auf U 539 unterwegs auf dem Atlantik, auf einem Kriegsfischkutter gewesen sein? Er wäre dann wohl kaum mit dem U-Boot-Kriegsabzeichen ausgezeichnet worden (außerdem hat er von seinen persönlichen Erlebnissen in der Karibik auf/in einem U-Boot berichtet, was sich sehr gut mit der 3. Unternehmung/Feindfahrt von U 539 deckt). Es passt also nicht eindeutig zusammen.

5) Weshalb ist seine Erkennungsmarke UN.46604/42 so atypisch (keine Kompanie, kein Regiment)? Wofür steht UN? Die 5-stellige Nummer 46604 wird wohl kaum eine Feldpostnummer sein? Und ist /42 etwa ein Hinweis auf das Jahr 1942? Da war mein Großvater 18 Jahre alt und womöglich noch gar nicht eingezogen.

So, das sind jetzt viele Fragen gewesen, und ich hoffe nicht, dass ich damit den Rahmen eines akzeptablen Forenbeitrages nicht gesprengt habe.

Ich freue mich schon sehr auf Eure Rückmeldungen.

Freundlichst
„Ziterdelle“

Offline Andreas A

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    • U-Boot-Archiv Wiki
Re: „U 539“ vs. 10/32 M-Flot. „K 539“
« Antwort #1 am: 22 November 2021, 12:49:48 »
Hallo !

Ich kann erst mal nur etwas zur Kennummer sagen:

UN = U-Boot Nordseerekrut

46604 = Seine Kennummer

42 = Eintrittsdatum in die Marine.

P.S. ein Name würde die Suche doch sehr vereinfachen.

Gruß

Andreas

Offline Zitterdelle

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Re: „U 539“ vs. 10/32 M-Flot. „K 539“
« Antwort #2 am: 22 November 2021, 14:29:28 »
Hallo Andreas,

ich danke Dir für Deine rasche Rückmeldung.

Und herzlichen Dank für die Aufklärung des Kürzels UN. (das wohl auf der Erkennungsmarke selbst mit zwei Punkten geschrieben stand: U.N.).

Ob sich wohl irgendwo Unterlagen erhalten haben, anhand derer das Eintrittsdatum etwas genauer als bloß auf das Jahr 1942 eingegrenzt werden kann...?

Mein Großvater war Martinus Egon NICLAS, geb. am 18. März 1924 im thüringischen Rositz. Er hatte eine Ausbildung als Bauschlosser (angefangen/beendet?), bevor er seine Laufbahn als Maschinengefreiter antrat.

Erprobung und Ausbildung auf 539 begannen erst Ende Februar 1943: http://www.ubootarchiv.de/ubootwiki/index.php/U_539

Wie und wo wird der Matrose Egon NICLAS dann wohl die davorliegende Zeit ab seiner Einberufung verbracht haben? War er wohl von Anfang an Mannschaftsmitglied auf U 539?

Forumsmitglied Dr. Alex Niestlé scheint auf derartige Daten Zugriff zu haben (wie ich aus einem anderen Beitrag entnehmen konnte): https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php?topic=31102.0


Und weil dies hier augenscheinlich und erfreulicherweise kein anonymes Forum ist, will ich auch gerne meinen Namen nennen.

In diesem Sinne freundliche Grüße aus Dänemark,
Sascha Mauel

Offline Axel Niestle

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Re: „U 539“ vs. 10/32 M-Flot. „K 539“
« Antwort #3 am: 22 November 2021, 15:10:03 »
Hallo Sascha,

die vollständige Bezeichnung der Erkennungsmarke müsste eigentlich "UN 46604/42 T" sein, da der Maschinenobergefreite (letzter Dienstrang) Egon Niclas aufgrund seiner Zivilausbildung der technischen Laufbahn (T) zugeordnet wurde. Niclas diente zumindest ab Oktober 1944 bis Kriegsende auf U 539. Anderslautende Angaben des D.R.K. sind sicherlich eine Fehlangabe. Er wurde offensichtlich nach der Grundausbildung bzw. U-Ausbildung unmittelbar auf das Neubau-Boot U 539 kommandiert. Der Dienstrang Anfang 1943 dürfte noch "Mtr. II" für Matrose II gewesen sein, wobei die röm. II für die Maschinen-Laufbahn in der KM stand. Über den Dienstgrad Maschinengefreiter endete er mit dem oben genannten Dienstrang.

Beste Grüße

Axel Niestlé

Offline Zitterdelle

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Re: „U 539“ vs. 10/32 M-Flot. „K 539“
« Antwort #4 am: 23 November 2021, 22:42:05 »
Hallo Axel,

ich danke Dir sehr für die erweiterten Einblicke. Die helfen mir dabei, die Dinge besser zu verstehen.

Ich habe dazu wohl noch ein paar Fragen, bzw. Anmerkungen, komme aber erst in ein, zwei Tagen dazu, mich damit zu befassen. Ich hoffe, dass ich mich damit nach Deiner ersten Rückmeldung noch einmal an Dich wenden darf.

In diesem Sinne bis dahin.

Viele Grüße
Sascha

Offline Zitterdelle

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Re: „U 539“ vs. 10/32 M-Flot. „K 539“
« Antwort #5 am: 24 November 2021, 06:57:45 »
Zur optischen Untermauerung lade ich hier drei Fotos meines Großvaters Egon Niclas hoch, die ihn während seiner Zeit bei der Kriegsmarine zeigen:

- Vermutlich Anfang 1943 als Matrose (mit Mütze).
- Vermutlich 1943/1944 als Gefreiter.
- Vermutlich Ende 1944 als Obergefreiter (mit U-Kriegsabzeichen).

Abschließend dann noch ein Gruppenfoto, das ihn (oben links unter der Lampe) mit weiteren jungen Angehörigen der Kriegsmarine zeigt, vermutlich während der Grundausbildung oder der U-Ausbildung. Vielleicht erkennt ja jemand von Euch irgendeinen der anderen Männer auf dem Bild...?

Offline Ortwin

  • Oberfähnrich
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  • Beiträge: 358
Re: „U 539“ vs. 10/32 M-Flot. „K 539“
« Antwort #6 am: 24 November 2021, 20:19:35 »
Vielen Dank für die Bilder!

Abschließend dann noch ein Gruppenfoto, das ihn (oben links unter der Lampe) mit weiteren jungen Angehörigen der Kriegsmarine zeigt, vermutlich während der Grundausbildung oder der U-Ausbildung. Vielleicht erkennt ja jemand von Euch irgendeinen der anderen Männer auf dem Bild...?

Da kommt mir unweigerlich ein Zitat aus Lothar-Günther Buchheims Roman "Das Boot" in den Sinn:

»Das sind ja alles Milchgesichter, Säuglinge, die an die Mutterbrust gehören … Ich hab mir auch schon gesagt: Um Gottes willen, nur Fotos von einlaufenden Booten für die Wochenschau und die Zeitungen, also nur welche mit bärtiger Besatzung. Ja nicht von auslaufenden mit den Milchgesichtern. Einfach schon aus Rücksicht aufs Gefühlsleben unserer Gegner.« Der Alte läßt mich wie üblich ein Weilchen rätseln, wie er das wohl meinen könne, ehe er fortfährt: »Die Tommies müssen sich ja schämen, wenn sie zu sehen bekommen, wer ihnen die Hölle heiß macht: ein Kindergarten mit ein paar Hitlerjungen als Offizieren. Man kommt sich ja steinalt vor unter all den Säuglingen – der reine Kinderkreuzzug.«

Grüße
Ortwin