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Autor Thema: Funkmaat bei den KS-Booten in Peenemünde von 1953 bis 1954 - Bericht  (Gelesen 232 mal)

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Offline Horst Knoll

  • Maat
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  • Beiträge: 29
Damit keine Irrtümer aufkommen sollte ich stets bei meinen Berichten erwähnen
wann und wo ich meinen Dienst verrichtet habe:

1952 April Seepolizei, Kühlungsborn-West - Matrose
1952 Seepolizei/Volkspolizei See, Funkgastenlehrgang in der Flottenschule Parow - Obermatrose
1952 Dezember bis 17. Juni 1953 Maatenlehrgang an der U-Boot Lehranstalt in Saßnitz/Dwasieden
bis zur Auflösung derselben - Funkmaat
1953 Verwalter des Taktikkabinetts, Nachrichtenoffiziersschule Sassnitz/Dwasieden - Funk-Maat
1953/54 Volkspolizei See, Peenemünde, KS-Boote (Küstenschutzboote) - Funkmaat
1954 Funkleitstelle Königstuhl- Funk-Maat
1954/55 Obermeisterlehrgang in Parow bei Stralsund - Funkmeister, Dienstgrad: Obermeister
1955/56 Funkmeister auf einem MLR (Habicht-Klasse) in Saßnitz (Seestreitkräfte)

Von 1953 bis 1954 war ich bei den KS-Booten in Peenemünde stationiert. Von dort an bin ich eineinhalb Jahre lang als Funk-Maat zur See gefahren. Eine Begegnungen auf See mit Booten oder Schiffen der NATO-Verbände hatten wir Gott sei dank nicht. Zu meiner Zeit gab es auch noch keine Bundesmarine!
Chef unserer Flottille war Seepolizeioberrat Kurt Kmetsch
Weder auf dem KS- noch auf dem Räumboot in Parow oder dann zum Schluss auf einem MLR in Sassnitz blieb ich davon verschont worden "reihern" zu müssen! Immerhin gab es dafür mehrere Gelegenheiten Seekrank zu werden. Auf dem KS-Boot erinnere ich mich hatten wir mal schweren Seegang. Beim Smutje hatte ich für 10 Uhr eine Gefechtsstulle, auf Wunsch mit Leberwurst bestellt.
Ich biss einen Happen von dem Brot ab - kaute und kaute und kaute, aber ich bekam den Bissen einfach nicht runter geschluckt, weil mir die Kehle wie zu geschnürt war. Als ich mir das Zerkaute
mit den Fingern aus dem Mund herausholte um das Zeugs in den Papierkorb zu schmeißen, da hätte ich fast gekotzt!
Wenn man Landgang hatte musste man nach Zinnowitz, denn der Badeort gehörte zu unserem Standortbereich. Die Strecke von 12 km bewältigte man mit einem roten S-Bahn ähnlichen Triebwagen der Deutschen Reichsbahn. Als die Heeresversuchsanstalt im Dritten Reich in Peenemünde gebaut wurde, hatte man die Strecke elektrifiziert. Wenn man nach Zinnowitz über Karlhagen fuhr, konnte man , wenigstens an einer Stelle, gesprengte Bunker sehen.
Einmal wurde ich zum Standortkommandanten zitiert, denn die Streife erwischte mich in Ahlbeck beim Tanzen. Damit hatte ich ja meinen Standortbereich verlassen. Kurzum ich bekam keine Strafe für dieses "Vergehen"! Glück gehabt!

Der korrekte Flaggengruß ist,
dass das rangniedrigere Schiff seine Flagge am Flaggenmast deutlich heruntersetzt. Das ranghöhere Schiff macht das nach, setzt seine Flagge dann aber als erstes wieder normal. Danach darf das rangniedrigere Schiff seine Flagge wieder durchsetzen.
Dippen ist eine Grußhandlung durch kurzes Nieder- und Aufholen einer Flagge in der Schifffahrt an Bord eines Schiffes. Dies dient zum Gruße der Schiffsbesatzung eines vorbeifahrenden Schiffes.
Ein Kriegsschiff wird immer zuerst gegrüßt; dabei wird die eigene Flagge erst dann wieder geheißt, wenn das Kriegsschiff dies bereits getan hat. (entnommen aus Wikipedia)

Obwohl wir uns Volkspolizei See nannten waren wir doch schon im Kern militärisch, ein "richtiges" Kriegsschiff aber nur ansatzweise.!? Wir hatten auf See einige Begegnungen mit  großen Handelsschiffen und ich konnte es kaum Glauben, wenn die unser kleines KS-Boot zuerst grüßten!
Im Fotoanhang ein von mir damals fotografiertes finnisches Frachtschiff, dass uns zuerst begrüßt hatte.

Einmal sind wir an einem FKK-Strand vorbeigeschippert - nur diejenigen Kameraden welche Freiwache hatten konnten mal ein Auge riskieren. Ich schätze dass wir auf unserem Kahn höchstens  drei Feldstecher hatten. Das wird der Signäler, der 1WO und der Kommandant gewesen sein!
Wenn Signäler sich nur mit Fingerzeichen des Signalalphabets so von Bord zu Bord außer Dienst unterhallten haben, gefiel mir das dermaßen gut, dass ich mir das selbst angeeignet habe.
Eines Tages als wir nachts auf See waren, der Signalgast war "sterbens" Seekrank, bat man mich um Hilfe.
Ein anderes KS-Boot sendete bei Nacht und stürmischer See Morsezeichen die ich lesen sollte. Leider konnte ich nicht helfen weil das andere Boot immer wieder mal in einem Wellental "verschwunden" war und dessen Blinkzeichen nur lückenhaft für mich zu lesen waren.

Bevor ich von einem weiteren Ereignis berichte einen Hinweis:
1953 war der Aufstand in der DDR am 17. Juni. Die Stasi hatte versagt weil sie den Volksaufstand nicht verhindert hatte. Ihr Chef, Wilhelm Zaisser wurde daraufhin seines Postens enthoben. Diese Info musste ich mir erst erarbeiten um folgendes zu berichten:

Wir waren wieder mal mit unserem Boot an einem Badestrand vorbei gefahren, da sahen wir ein  schwimmendes Pärchen dass sich ziemlich weit vom Strand entfernt hatte. Unser Kommandant
lud die jungen Leute ein an Bord zu kommen. Es war an einem Samstag. Ich glaube die saßen auf dem Maschinendeck und löffelten unsere Erbsensuppe. Danach sind sie wieder von Bord gesprungen! 
     

Ich glaube ein oder zwei Jahre später hätte die Stasi unseren Kommandanten verhaftet!

Rückblickend
Als ich vom Dezember 1952 bis zur Auflösung 1953 an der U-Boot Lehranstalt in Sassnitz/Dwasieden war, berichtete ich im Marine-Archiv davon, dass wir dort im Wald von Dwasieden das U-Boot Lied der Kriegsmarine gesungen haben und das ebenfalls zu dieser Zeit ohne Konsequenzen!

Das beide berichtete "Vorfälle" ohne Repressionen davon gekommen sind, kann ich mir nur damit erklären, dass sich die Stasi erst mal wieder nach dem Volksaufstand neu aufstellen musste.
Übrigens: Untereinander mussten wir uns ja mit Genosse ansprechen, also "Genosse Maat". Das fiel mir anfangs noch schwer, denn ich war und bin bis heute niemals ein Genosse gewesen.

Wegen einer Reparatur  wussten wir mal zur "Peene-Werft" nach Wolgast. An Bord hatten wir einen recht jungen Smutje  der unglaublich gut kochen konnte. "Bayrisch Kraut" gab es mal als Beilage, das war so ein wohlschmeckendes Gericht , einfach köstlich! Kannte ich als Thüringer gar nicht.
Wir hatten so eine Art von Drahtkorb an Bord. Vor lange Weile hatten wir damit Versuche unternommen Fische zu fangen. Wegen des Wasser Widerstandes war das Ding sehr schwer zu händeln.
Erinnere mich aber noch, dass beim Fangversuch Rotfedern dabei waren.
Zu meiner Zeit bei den KS-Booten 1953/54 wurde auch mal ein größeres Raketenteil einer V1 oder V2 aus dem Hafenbecken geborgen.

Unsern Obermaat habe ich mal unabsichtlich so erschreckt, dass er beim Abspritzen des Oberdecks
die Spritze von sich geschleudert hat.
Um meine Kameraden  am Wochenende mit Musik zu beschallen, hatte ich vom Funkgerät zum Oberdeck einen Lautsprecher installiert. Wenn man den Allwellenempfänger im Funkraum von Telegrafie auf Telefonie umschaltete geht das nämlich. Ich musste  bis zum Lautsprecher eine Verlängerung  mit einem einfachen Telefondraht herstellen. Die Verbindungsstelle hatte ich aber unvorschriftsmäßig nicht isoliert! Kurzum, als der Obermaat mit seinem Wasserstrahl an die nicht isolierte Stelle kam, bekam er solch einen Stromschlag, dass ihm vor Schreck die Spritze aus der Hand fiel.

« Letzte Änderung: 15 Juli 2021, 16:55:00 von Horst Knoll »

Offline Darius

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  • Do ut des
    • Chronik des Seekrieges
Hallo Horst,

schöne Gesichten, die Du da zu erzählen hast. :TU:)

Der Finne sieht fast nach einem WK1-Serienfrachter aus.


 :MG:

Darius