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Autor Thema: Unterseebootbau - Wer ist daran beteiligt?  (Gelesen 1097 mal)

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Offline DEAT

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Unterseebootbau - Wer ist daran beteiligt?
« am: 11 Mai 2021, 11:01:09 »
Liebes Forum,

mich würde interessieren, welche Abteilungen an der Entwicklung und der Konstruktion eines "modernen" U-Boots (post WK2) beteiligt sind. Insbesondere über Literaturempfehlungen würde ich mich sehr freuen.

Ich habe jetzt bereits einiges durchgelesen (e.g. Jackson, 1992 - Fundamentals of Submarine Concept Design, Burcher, 1995 - Concepts in Submarine Design, Gabler, 1972 - Submarine Construction, etc.) und mich auch in den allgemeinen Schiffbau bzw. den Aufbau von Werften eingelesen.

Die Quellenlage ist sehr ausführlich was die Anforderungen an den Unterseebootbau angeht, aber ich finde sehr wenig über die Entstehung von Entwürfen - im Sinne von welche Abteilungen wirken daran mit? Wie erfolgt der Austausch zwischen ihnen? Wer übernimmt welche Rolle. Quasi der Weg von der Idee bis zur Kiellegung.

Natürlich kann ich mir bspw. aus den oberen Quellen einiges selbst herleiten, aber ich hätte es gerne schwarz-auf-weiß und ausführlich(er)

Viele Grüße

Offline MarkusL

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Re: Unterseebootbau - Wer ist daran beteiligt?
« Antwort #1 am: 11 Mai 2021, 20:18:39 »
Hallo,
für die diesbezüglich betroffene(n) Marine(n) eventuell empfehlenswert, sofern noch nicht bekannt:
Antonow/Marinin/Walujew
Sowjetisch-russische Atom-U-boote
Der Nachsatz "Gefahr aus der Tiefe" ist allerdings etwas reißerisch
Gruß
Markus

Offline olpe

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Re: Unterseebootbau - Wer ist daran beteiligt?
« Antwort #2 am: 11 Mai 2021, 21:49:37 »
Hallo DEAT,
mich würde interessieren, welche Abteilungen an der Entwicklung und der Konstruktion eines "modernen" U-Boots … beteiligt sind.

… so richtig habe ich die Frage bezogen auf die Abteilungen noch nicht verstanden … meinst Du die internen Abteilungen eines U-Boot-Konstruktionsbüros (wie z.B. „Rubin“, „Lazurit“ oder „Malakhit“ im russischen U-Bootsbau) oder die Organisation einer Bauwerft oder das wechselseitige Zusammenwirken der Strukturen und Organe des Auftraggebers und des Auftragnehmers auf der Zeitachse von der Entwurfsplanung/Projektierung und Konstruktion zum Bau? …

Hier noch zwei Literaturhinweise:
  • „Theory of submarine Design“, Yuri N. Kormilitsin, Oleg A. Khalitsev, Saint-Petersburg State Maritime Technical University, 2001 (engl.). Das Buch ist allerdings eher U-Boottheoretisch orientiert …
  • Mehr der historische Blick: Norman Friedman „Submarine Design and Development“ (engl., pdf, 1984): --/>/> klick
Soweit.
Grüsse
OLPE

Offline DEAT

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Re: Unterseebootbau - Wer ist daran beteiligt?
« Antwort #3 am: 12 Mai 2021, 09:14:23 »
Hallo,
für die diesbezüglich betroffene(n) Marine(n) eventuell empfehlenswert, sofern noch nicht bekannt:
Antonow/Marinin/Walujew
Sowjetisch-russische Atom-U-boote
Der Nachsatz "Gefahr aus der Tiefe" ist allerdings etwas reißerisch
Gruß
Markus

Hallo Markus,

vielen Dank für die Empfehlung! Das Buch kannte ich noch nicht. Ich hab´s relativ kostengünstig gefunden und mir bestellt.

Grüße

Hallo DEAT,
mich würde interessieren, welche Abteilungen an der Entwicklung und der Konstruktion eines "modernen" U-Boots … beteiligt sind.

… so richtig habe ich die Frage bezogen auf die Abteilungen noch nicht verstanden … meinst Du die internen Abteilungen eines U-Boot-Konstruktionsbüros (wie z.B. „Rubin“, „Lazurit“ oder „Malakhit“ im russischen U-Bootsbau) oder die Organisation einer Bauwerft oder das wechselseitige Zusammenwirken der Strukturen und Organe des Auftraggebers und des Auftragnehmers auf der Zeitachse von der Entwurfsplanung/Projektierung und Konstruktion zum Bau? …

Hier noch zwei Literaturhinweise:
  • „Theory of submarine Design“, Yuri N. Kormilitsin, Oleg A. Khalitsev, Saint-Petersburg State Maritime Technical University, 2001 (engl.). Das Buch ist allerdings eher U-Boottheoretisch orientiert …
  • Mehr der historische Blick: Norman Friedman „Submarine Design and Development“ (engl., pdf, 1984): --/>/> klick
Soweit.
Grüsse
OLPE

Hallo Olpe,

vielen Dank für die beiden Literaturhinweise - insbesondere den Link! "Theory of submarine Design" muss ich allerdings erstmal finden ; )

Mit den "Abteilungen" meinte ich die internen Abteilungen eines U-Boot-Konstruktionsbüros und wie eine Entwurfsplanung im Detail abläuft. Bspw. plant man den Antrieb zuerst und entwirft den Schiffsrumpf dann drumherum?

Grüße


Offline olpe

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Re: Unterseebootbau - Wer ist daran beteiligt?
« Antwort #4 am: 12 Mai 2021, 14:49:51 »
Hallo DEAT,
mein Literaturvorschlag liegt dann vielleicht nicht ganz in der Zielellipse, da dort weniger 'Abteilungen' sondern mehr das Produkt behandelt wird (das Buch hat auch einen gewissen pekuniären Tiefgang) ...

Bezogen auf die Gliederung in Abteilungen bei der U-Boot-Entwicklung bzw. in Konstruktionsbüros ist vielleicht dieser Ausriß nicht ganz uninteressant, zwar vor 1945, aber immerhin:
--/>/> klick, scrollen zur S. 315 ...

Die Abteilungen bzw. Gliederungen werden sich in der Dekade nach WKII nicht wesentlich unterscheiden zur Dekade vor dem Krieg, auch nicht unbedingt von Land zu Land. Den wesentlichen Sprung sehe ich im späteren Einzug moderner Rechentechnik und Optimierung interner Abläufe bis hin zur Ausgliederung von Strukturen.
Soweit.
Grüsse
OLPE

Offline DEAT

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Re: Unterseebootbau - Wer ist daran beteiligt?
« Antwort #5 am: 14 Mai 2021, 08:10:21 »
Hallo DEAT,
mein Literaturvorschlag liegt dann vielleicht nicht ganz in der Zielellipse, da dort weniger 'Abteilungen' sondern mehr das Produkt behandelt wird (das Buch hat auch einen gewissen pekuniären Tiefgang) ...

Bezogen auf die Gliederung in Abteilungen bei der U-Boot-Entwicklung bzw. in Konstruktionsbüros ist vielleicht dieser Ausriß nicht ganz uninteressant, zwar vor 1945, aber immerhin:
--/>/> klick, scrollen zur S. 315 ...

Die Abteilungen bzw. Gliederungen werden sich in der Dekade nach WKII nicht wesentlich unterscheiden zur Dekade vor dem Krieg, auch nicht unbedingt von Land zu Land. Den wesentlichen Sprung sehe ich im späteren Einzug moderner Rechentechnik und Optimierung interner Abläufe bis hin zur Ausgliederung von Strukturen.
Soweit.
Grüsse
OLPE

Hallo Olpe,

auch wenn der Literaturvorschlag nicht ganz in der Zielellipse liegen sollte, bietet das Buch bestimmt trotzdem viel interessantes Material! Vielen Dank für die Seitenempfehlung im zweiten Dokument - das ist in der Tat sehr hilfreich!

Ich habe mir gedacht mich vielleicht an die TU Delft bzw. deren Fachbereich direkt zu wenden.
Ansonsten habe ich bei der UCL den Kurs "Submarine Design" gefunden. Da das Modul aber im März endete, habe ich das "Naval Architecture & Marine Engineering Office" direkt angeschrieben und nach dem Vorlesungsmaterial gefragt.

Grüße

Offline olpe

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Re: Unterseebootbau - Wer ist daran beteiligt?
« Antwort #6 am: 14 Mai 2021, 20:30:13 »
Hallo DEAD,
… Vielen Dank für die Seitenempfehlung im zweiten Dokument - das ist in der Tat sehr hilfreich!
… nun, die angegebene Strukturierung ist nicht zwingend U-Bootspezifisch und kann im Prinzip auch für den Überwasser(kriegs)schiffbau verwandt werden … Der Waffenbereich befindet sich augenscheinlich unter dem Punkt "Einrichtungen und Ausrüstung" …

Hier noch eine weitere, eher populärwissenschaftliche Abhandlung: Edmund Woitelle „Wie entsteht ein Kriegsschiff“, Deutscher Militärverlag 1968, Berlin --/>/> klick ... recht breit gefächert und verständlich erklärt ...

Deine oben angegebene Betrachtungsperiode von WKII bis heute ist ja relativ lang … und unterschiedliche Herangehensweisen zwischen Ost und West gab es dann auch noch … kannst Du Deine Fragestellung daher etwas eingrenzen?
Grüsse
OLPE

Offline Schorsch

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Re: Unterseebootbau - Wer ist daran beteiligt?
« Antwort #7 am: 15 Mai 2021, 07:04:14 »
Hallo DEAT,

neben den bereits gegebenen Literaturhinweisen habe ich noch Tipps aus dem deutschen Sprachraum. Informationen, wie Du sie zu suchen scheinst, gibt es imho in:

- Hadeler, Wilhelm: „Kriegsschiffbau – Teil A – Theorie/Einteilung/Entwurf“, Wehr und Wissen, Darmstadt 1968, S. 297 bis 348; zeigt den Entwicklungsweg eines Kriegsschiffentwurfes am explizitesten, ist allerdings überwiegend auf den Bau von Überwasserschiffen bezogen, da Gablers „Unterseebootsbau“ von 1964 aus der gleichen Reihe sich schon der Spezifika der U-Boote angenommen hatte,

- Rössler, Eberhard: „Die U-Bootklasse 206/206A der deutschen Marine“, Mittler, Hamburg 2015, S. 9 bis 37; hier Informationen zum Entwurf und zum Bau der titelgebenden U-Boote der deutschen Marine,

- Rössler, Eberhard: „Die neuen deutschen U-Boote – Die U-Boote der Bundesrepublik Deutschland: Entstehung, Bedeutung, Einsatz“, Bernard & Graefe, Bonn 2004, Informationen zu den Entwurfsvorgängen der einzelnen U-Boots-Klassen der Nachkriegszeit sind im ganzen Buch verstreut,

- Nohse, Lutz; Rössler, Eberhard: „Konstruktionen für die Welt – Geschichte der Gabler-Unternehmen IKL und MG“, Koehler, Herford 1992; stellt eines der deutschen Entwurfsbüros für U-Boote u.a. auch mit einem mit Blick auf dessen organisatorischen Aufbau vor,

- Rössler, Eberhard: „Geschichte des deutschen Ubootbaus – Band 2: Entwicklung, Bau und Eigenschaftender deutschen Uboote von 1943 bis heute“, Bernard & Graefe, Koblenz 1987, dort insbesondere die S. 481 bis 534; nimmt viele der Inhalte der vorgenannten, später erschienen Bücher des Autors Eberhard Rössler vorweg, ist deswegen aber nicht so detailliert wie diese

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

Berühmte letzte Worte: „Präzision und Timing sind das A und O beim Dynamit-Fischen…“

Offline DEAT

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Re: Unterseebootbau - Wer ist daran beteiligt?
« Antwort #8 am: 17 Mai 2021, 11:02:57 »
Hallo DEAD,
… Vielen Dank für die Seitenempfehlung im zweiten Dokument - das ist in der Tat sehr hilfreich!
… nun, die angegebene Strukturierung ist nicht zwingend U-Bootspezifisch und kann im Prinzip auch für den Überwasser(kriegs)schiffbau verwandt werden … Der Waffenbereich befindet sich augenscheinlich unter dem Punkt "Einrichtungen und Ausrüstung" …

Hier noch eine weitere, eher populärwissenschaftliche Abhandlung: Edmund Woitelle „Wie entsteht ein Kriegsschiff“, Deutscher Militärverlag 1968, Berlin --/>/> klick ... recht breit gefächert und verständlich erklärt ...

Deine oben angegebene Betrachtungsperiode von WKII bis heute ist ja relativ lang … und unterschiedliche Herangehensweisen zwischen Ost und West gab es dann auch noch … kannst Du Deine Fragestellung daher etwas eingrenzen?
Grüsse
OLPE

Ich sehe das ganze auch wie ein Mosaik das sich durch kleine Informationsstücke zu einem großen Bild (Verständnis des U-Bootbaus zusammensetzt). Von daher hilft es auch, wenn es nicht zwangsläufig U-Bootspezifisch ist :)

Generell denke ich 1980 bis 1990 was den U-Bootbau in der UdSSR anging und im Westen von 1980 bis heute (auch bedingt durch die verfügbaren Quellen).
Jetzt eine naive Frage von mir ; ) unterscheiden sich die Konstruktionsprinzipien (Abläufe) so gravierend zwischen Ost- und West - (Die Gesetze der Physik gelten doch für alle gleich)? Die Endprodukte und verwendeten Materialien (Bsp. Titanium) selbstverständlich, aber der Entstehungsprozess?

Abgesehen von der zeitlichen Eingrenzung gibt es natürlich schon U-Boote die mich besonders interessieren. (Die aber auch fast alle aus den 80er Jahren stammen ; ).

K-278 "Komsomolets", das "Project 1015 SPLC" und vorallem Giunio Santis Projekt "LWT-23-4".

Zitat
Ordinary submarines are built out of sheets of steel welded together and bent into pecise tubes which are then welded or bolted end-to-end to form a cylinder. In the 1970s Italian inventor Giunio Santi designed a way to build submarines out of lengths of pipe welded togeher like a series of donnuts. These would be used to store gas, specifically oxygen, which could then be used to run a diesel engine even when the submarine is underwater. Combined with filtering and storing the exhaust gases in the same tubular hull, this allowed true Air Independant Propulsion (AIP) with no exhaust emissions at all. This construction was termed Gaseous Oxygen stored in the Toroidal pressure hull (GST). The oxygen was stored at incredibly high pressures (350 atmospheres) thus allowing a huge volume of gas to be carried which translated into impressively long ranges.

http://www.hisutton.com/Forgotten%20Super%20Subs%20of%20the%20Cold%20War%20-%20Italian%20GST-23+.html

Neben dem LWT-23-4 finde ich auch das "Comex Sagittaire"-Projekt sehr spannend (bzw dessen Vorgänger - SAGA).

https://lescompagnonsdusaga.org/category/decouverte-du-saga/

http://www.hisutton.com/Comex%20Sagittaire.html


Ich denke mir nur, dass diese spezifischen Boote die Suche eher einschränken. Aber ich war nicht untätig und habe auf der Seite der TU-Delft einige spannende Masterarbeiten zu dem Thema U-Bootbau gefunden. Sollte noch jemand auf der Suche danach sein ; )

Erste Masterarbeit - Thema "Applying Set-Based Design in Submarine Design"

Aus dem Abstract

Zitat
About two years ago the Dutch ministry of defence confirmed the need for the replacement ofthe current Walrus class submarines in 2025. Since then the replacement program is acceleratingwhich makes the design process of submarines a trending research topic. The complexity of thesubmarine design is exemplified by Navantia, which have major weight problems with their S-80submarine design for the Spanish Navy.  A “new” design methodology Set-Based Design (SBD)was developed by Toyota in the ’60s. This methodology has been called promising but actualapplications are still rare.

The design practice at Nevesbu tends to quickly converge on a solution, a point in the solutionspace. This point is than customized in order to fulfil all design requirements. Most of the timethese requirements are based on educated guesses or ideas. The consequences of these guessesand ideas are unclear or doubtful. Some requirements may have a great impact on the design,which is undesirable, or the combination of requirements which were set do not result in a fea-sible solution. This fast convergence seems to be efficient, but when the starting point is weaksubstantial iterations are needed before all requirements are met.

The first goal is to have a better understanding of SBD and what the advantages and disadvantages  are  of  this  methodology. The  core  principles  behind  SBD  should  be  discussed  andcompared with other design methods.  The other design methods in this thesis are the DesignSpiral (DS), used by Nevesbu and others, and System Engineering (SE) which is also a commonlyused design method. The second goal is to prove the improvement of the SBD methodology inthe design process of a submarine. The research question of this thesis is:
“How can the application of the Set-Based Design methodology be an improvement for the futuresubmarine design process?”

https://repository.tudelft.nl/islandora/object/uuid%3A7915054f-7929-47f2-a95b-015d9b770ae4

Das finde ich sehr spannend und lese ich mir z.Zt. durch.

Eine weitere Masterarbeit, die öffentlich abrufbar ist, trägt den Titel "A knowledge-based Concept Exploration Model for Submarine Design"

Habe ich auch nur angelesen, aber freue mich schon auf den Unterpunkt 2.1.1 Design Strategies.

https://repository.tudelft.nl/islandora/object/uuid%3A65be4fb8-1808-4673-a87d-49f622bb627c

 

Hallo DEAT,

neben den bereits gegebenen Literaturhinweisen habe ich noch Tipps aus dem deutschen Sprachraum. Informationen, wie Du sie zu suchen scheinst, gibt es imho in:

- Hadeler, Wilhelm: „Kriegsschiffbau – Teil A – Theorie/Einteilung/Entwurf“, Wehr und Wissen, Darmstadt 1968, S. 297 bis 348; zeigt den Entwicklungsweg eines Kriegsschiffentwurfes am explizitesten, ist allerdings überwiegend auf den Bau von Überwasserschiffen bezogen, da Gablers „Unterseebootsbau“ von 1964 aus der gleichen Reihe sich schon der Spezifika der U-Boote angenommen hatte,

- Rössler, Eberhard: „Die U-Bootklasse 206/206A der deutschen Marine“, Mittler, Hamburg 2015, S. 9 bis 37; hier Informationen zum Entwurf und zum Bau der titelgebenden U-Boote der deutschen Marine,

- Rössler, Eberhard: „Die neuen deutschen U-Boote – Die U-Boote der Bundesrepublik Deutschland: Entstehung, Bedeutung, Einsatz“, Bernard & Graefe, Bonn 2004, Informationen zu den Entwurfsvorgängen der einzelnen U-Boots-Klassen der Nachkriegszeit sind im ganzen Buch verstreut,

- Nohse, Lutz; Rössler, Eberhard: „Konstruktionen für die Welt – Geschichte der Gabler-Unternehmen IKL und MG“, Koehler, Herford 1992; stellt eines der deutschen Entwurfsbüros für U-Boote u.a. auch mit einem mit Blick auf dessen organisatorischen Aufbau vor,

- Rössler, Eberhard: „Geschichte des deutschen Ubootbaus – Band 2: Entwicklung, Bau und Eigenschaftender deutschen Uboote von 1943 bis heute“, Bernard & Graefe, Koblenz 1987, dort insbesondere die S. 481 bis 534; nimmt viele der Inhalte der vorgenannten, später erschienen Bücher des Autors Eberhard Rössler vorweg, ist deswegen aber nicht so detailliert wie diese

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch

Hallo Schorsch,

vielen Dank für das Raussuchen der Literaturempfehlungen - wirklich spannend - ich versuche davon einige günstig im Internet aufzutreiben oder über die Fernleihe an unserer Uni

Viele Grüße




Offline olpe

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Re: Unterseebootbau - Wer ist daran beteiligt?
« Antwort #9 am: 20 Mai 2021, 17:46:01 »
Hallo DEAT,
vielen Dank für Deine Infos und die links zu den interessanten U-Bootsprojekten.

Generell denke ich 1980 bis 1990 was den U-Bootbau in der UdSSR anging und im Westen von 1980 bis heute (auch bedingt durch die verfügbaren Quellen).
… das waren und sind interessante Zeitperioden …

Jetzt eine naive Frage von mir ; ) unterscheiden sich die Konstruktionsprinzipien (Abläufe) so gravierend zwischen Ost- und West - (Die Gesetze der Physik gelten doch für alle gleich)? Die Endprodukte und verwendeten Materialien (Bsp. Titanium) selbstverständlich, aber der Entstehungsprozess?
Generell ist das richtig: die Gesetze der Physik wirken weitgehend überall und das Endprodukt sollte in erster Linie schwimmen … auch die Methodik und Theorie der Projektierung sollte weitgehend übereinstimmen …

Der Unterschied liegt m.E. aber eher auf einer anderen Strecke: die organisatorische Basis der Projektierung und deren Umsetzung. In einem marktwirtschaftlichen Rahmen unter Einbeziehung von privaten Unternehmen sind die Bedingungen sicher andere als unter den Gegebenheiten eines zentral organisierten Wirtschaftssystems mit Kommandostruktur und planwirtschaftlicher Ausrichtung. Die Ablauforganisation zwischen Beschaffungsstellen bzw. Marine und dem Auftragnehmer (Projektierungsfirmen/Werften) waren in West und Ost sicher nicht unähnlich, aber beim Letzteren eher linear ausgerichtet … und die Einflussnahme des Auftraggebers auf die einzelnen Projektphasen eindringlicher.

Die Rahmenbedingungen waren vor 1990 im östlichen Bereich stark reguliert. Basis hierfür sind Vereinbarungen zwischen staatlichen Stellen, aber auch Normierungen (in der UdSSR z.B. GOST, analog DIN-Normen). Im DDR-Marineschiffbau existierte ein Grundsatzdokument zwischen dem Ministerium für Nationale Verteidigung und dem Ministerium für Schwermaschinen- und Anlagenbau: die TOB („Technisch-Organisatorischen Bedingungen für den militärischen Schiffbau in der DDR“). Hier einige Eckpunkte:
LeistungsetappenInhalteErfüllung
___________________________________________________________________________________
Prognose P Prognosedokument und Verteidigungsprotokoll
Konzipierung St Studie Studie und Verteidigungsprotokoll
A4 Skizzenprojekt Skizzenprojekt und Verteidigungsprotokoll
Projektierung K1 Vorprojekt und Pflichtenheft bestätigtes Pflichtenheft
K2 Technisches Projekt, Projektanhang, Projektänderung(en) bestätigtes Technisches Projekt
Konstruktions-
überwachung
K3 Konstruktion
Bau K4 Bau des 1. Schiffes / Nullschiffes / vorgezogenen Serienschiffes Freigabe zur Technischen Erprobung
Bauüberwachung
Bauüberwachung/Bauprüfungen u.v.a.m.
Standprüfungen, Fahrtprüfungen u.v.a.m.
K5 Technische Erprobung Abschlußprotokoll
K5/0 Erprobungsbericht bestätigter Bericht
… und weitere Leistungsetappen wie: Übergabe/Übernahme, Nachleistungen, Störungsanalyse, militärische Sicherung und Führung (Anm.: der Erprobungen), Einsatzerfahrungen, Modelle. Die Konstruktion ff. war bereits Teil der baulichen Umsetzung und wurde nicht mehr vom Projektierungsbereich realisiert.

Projektierungsbüros/-firmen/-institute waren (und sind) überwiegend eigenständig … auch z.B in Russland, wo trotz aller Stürme gesellschaftlicher Wandlungen die U-Boot-Konstruktionsbüros (KB’s) zumindest äußerlich erhalten blieben. Gesellschaftsrechtlich gehören sie zu Holdings oder Konzernen.

Es gab aber auch Fälle, wo die Projektanten in Werften integriert wurden: so das IKL in die HDW AG 1994 sowie davor das ISW (Ingenieurbüro für Schiffbautechnik Wolgast) in die Peene-Werft 1968 …

Soweit einige Gedanken hierzu.
Grüsse
OLPE

Offline olpe

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Re: Unterseebootbau - Wer ist daran beteiligt?
« Antwort #10 am: 22 Mai 2021, 21:54:34 »
Hallo,
ergänzend einiges zur Organisation bezogen auf die Abarbeitung von Entwicklungsschritten innerhalb von Projektierungsstrukturen (Zeitbereich überdeckt den im post #8 angegebenen, Blickrichtung: Ost).

Bereiche der Erzeugnisentwicklung:
EF Erzeugnisforschung
EP Erzeugnisprojektierung
EV Erzeugnisvorbereitung (Konstruktion)

Die darunterliegenden Abteilungen können ähnlich den Bauhauptgruppen (bzw. den Bauobergruppen) eines Schiffes strukturiert sein:
  • 1 Schiffskörper
  • 2 Ausrüstung
  • 3 Einrichtung
  • 4 Konservierung/Isolierung
  • 5 Hauptantieb
  • 6 Hilfsmaschinen und Apparate
  • 7 Rohrleitungen
  • 8 E-Ausrüstungen
  • 9 Allgemeine Werftaufgaben
Anmerkung: der Waffenbereich verbarg sich in der Bauobergruppe 23 „Ausrüstung für den speziellen Schiffstyp“ ...
Der Einfachheit und Kompaktheit halber kann eine Struktur z.B. so aussehen: S-A-M-R-E-K: Schiffbau – Ausrüstung – Maschinenbau – Rohrleitungsbau – Elektrotechnik – kaufmännischer Bereich. Die Struktur ist nicht unähnlich dem im post #4 eingebetteten link zum IBG Blankenburg …

Je nach Auftrag, welcher das Projektierungsbüro oder die Werft gewinnt bzw. erhält (Landungsschiff, U-Boot, Minensucher, Eimerkettenbagger), können auch für spezielle Aufgaben gesonderte Projektgruppen gebildet werden, die einzelne Themenkomplexe abarbeiten. Ebenfalls ist die durchgängige Begleitung von extern vergebenen F/E-Themen (Forschung- und Entwicklung) durch einzelne Mitarbeiter/Gruppen üblich.
(Ein interessanter und U-Boot bezogener Auftrag seitens der UdSSR an die Peene-Werft Wolgast kann ich beispielhaft aus den 60er Jahren d.v.Jh. bei Interesse und Fortführung des threads gerne in Kurzform aus einem Buch aufarbeiten …)

Ein Blick auf die Projektphasen heute bzw. die eher westlich ausgerichtete Struktur ist hier zu erkennen: --/>/> klick wikide
Soweit für den Moment.
Grüsse
OLPE
« Letzte Änderung: 23 Mai 2021, 09:15:33 von olpe »