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Umbau Kreuzer Hamburg 1924/26

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Sven L.:
Umbau RM Kreuzer Hamburg 1924-26
Aufgrund einer kurzen Anfrage seitens eines allseits geschätzten Forenmitgliedes, welche mit einer Ideen-Nachfrage von mir beantwortet wurde, kam der Vorschlag den Umbau/die Modernisierung eines der Kreuzer Berlin/Hamburg der Reichsmarine zu probieren. Meine Wahl fiel auf die „Hamburg“, weil die „Berlin“ bereits in den Jahren 1921-23 umgebaut worden ist.

Folgende Änderungen wurden vorgeschlagen:
- Dieselmotoren (+ Turbinen?) ?
- Verringerung der Bewaffnung (ohne Kasematten)
- Einbau Klimaanlage
- Bordflugzeug?
- usw.

Was hiervon von mir umgesetzt wurde, wird im Anschluß eines kurzen Abrisses über die betreffende Kreuzer-Klasse erfolgen.

Kurzbeschreibung des Originals

Der Kreuzer „Hamburg“ war ein Schiff der „Bremen“-Klasse und wurde bei der A.G. Vulcan in Stettin mit der Baunummer 258 in den Jahren von 1902 bis 1904 gebaut. Die Konstruktionsverdrängung betrug 3.278 t bei einer Länge in der C.W.L. von 110,6 m. Die größte Breite betrug 13,3 m und der mittlere Tiefgang bei voller Ausrüstung lag bei 5,37 m.
Eine Konstruktionsleistung von 10.000 PSi sollte dem Schiff eine Geschwindigkeit von 22,0 kn verleihen. Tatsächlich wurden 23,3 kn bei einer Leistung von 11.582 PSi erreicht.
Die Bewaffnung bestand aus 10 Geschützen von 10,5-cm/L 45. Diese waren jeweils paarweise aufgestellt. Die vorderen und achteren Paare standen auf der Back bzw. der Poop. Die übrigen drei Paare standen auf dem Oberdeck, wovon die jeweils vorderen und achteren in Kasematten untergebracht waren. Verstärkt wurde diese Bewaffnung durch diverse 3,7-cm-Maschinenkanonen und zwei Unterwasser-Torpedorohre mit einem Kaliber von 45 cm.
Angetrieben wurde das Schiff von zwei Kolbendampfmaschinen, welche ihren Dampf aus zehn Marine-Schulz-Kesseln, aufgestellt in drei Kesselräumen, erhielten. Jeder Kesselraum besaß seinen eigenen Schornstein.

Die „Bremen“-Klasse bestand aus 7 Schiffen. Dies waren im Folgenden:
Bremen (02-04), Hamburg (02-04), Berlin (02-05), Lübeck (03-05), München (03-05), Leipzig (04-06) und Danzig (04-07).
Bis auf die „Lübeck“ hatten alle Schiffe zwei 3-Zyl-3-fach-Expansionsmaschinen auf zwei Wellen. Die „Lübeck“ hatte als erster Kreuzer der kaiserlichen Marine zwei Parsons-Turbinen, die auf vier Wellen wirkten, als Antriebsmaschinen.

Die „Bremen“ wurde von 1914 bis 1915 umgebaut, wobei der Schwanenhals-Bug etwas weniger stark ausgeprägt war. Ebenfalls wurden die jeweils zwei vorderen und achteren 10,5-cm-Sk gegen solche vom Kaliber 15-cm ausgetauscht. Sie sank aber bereits am 17.12.1915 zusammen mit dem Torpedoboot V 191 durch Minentreffer in der östl. Ostsee.

Die „Lübeck“ wurde 1916 umgebaut. Dieser Umbau war tiefgreifender als der der „Bremen“. Der Bug entsprach anschließend dem der neusten Kreuzer der Marine. Die Artillerie des Oberdecks wurde auch geändert. Die Kasematten verschwanden und sämtliche 10,5-cm-Geschütze waren nun mit Schilden ausgerüstet. Das vordere Paar 10,5-cm-Sk der Oberdecks-Artillerie wurde in ihrer Position erheblich nach achtern versetzt. Sie erhielt gleich der „Bremen“ in der vordersten und achtersten Position je eine 15-cm-Sk statt der bisherigen jeweils zwei 10,5-cm-Sk. Sie wurde am 3.9.1920 als „P“ an die Alliierten ausgeliefert.

Die „Berlin“ wurde in die Reichsmarine übernommen und von 1921 bis 1923 umgebaut. Der Bug bekam eine Form wie bei der „Lübeck“ und die vorderen Kasematt-Geschütze wurde entfernt und stattdessen die Back nach achtern verlängert.

Die „München“ wurde im Nov. 1915 nach einem Torpedotreffer vom 19.10.1915 a.D. gestellt und am 6.7.1920 als „Q“ an die Alliierten ausgeliefert.

Die „Leipzig“ wurde bekanntermaßen am 8.12.1914 in der Seeschlacht bei den Falkland-Inseln versenkt.

Die „Danzig“ diente bis 1917 aktiv in der Flotte und wurde nach dem Krieg am 15.9.1920 als „R“ an die Alliierten ausgeliefert.

Beschreibung der Umbaumaßnahmen am Kreuzer „Hamburg“

Allgemeine Beschreibung

Als Umbauzeitraum ist 1924-1926 angedacht.


Ansichten

Bei diesem Projekt kam es mir zugute, dass ich im Besitz von Kopien der Original-Werftpläne (1:100) des Kreuzers „Lübeck“ dieser Klasse bin. Zuerst kam die Überlegung was von den vorgeschlagenen Umbaumaßnahmen möglich wäre.

1. Schiffskörper und Panzerung

Das der Bug geändert wird, stand von vornherein fest. Dieser erhält dieselbe Form wie die umgebauten Schwesterschiffe „Lübeck“ und „Berlin“. Die Back habe ich nicht nach achtern verlängern müssen. Sie wurde nur nach hinten komplett geschlossen und der Raum für die vormaligen Sanitärräume wurde in 4 Kammern umgewandelt. Den Platz, den der bisherige vordere Schornstein für seinen Rauchgasschacht in Anspruch nahm, wird für den Funksende- und Empfangsraum verwendet. Die Popp wurde in der Länge ebenfalls nicht verändert, aber der Abschluss nach vorn begradigt und der freiwerdende Raum, den die bisherigen 10,5-cm-SK eingenommen haben in weiter Offizierskammern und Bureaus umgewandelt. Der Verbindungssteg zwischen Back und Poop wurde in ein durchgehendes Deck – in der Breite des Unterbaus des achteren Schornsteins – geändert. Diese Maßnahme habe ich durchgeführt, weil die 8,8-cm-Flak hinter den Schornsteinen ihre Aufstellung finden sollte und die Breite für den Bedienkreis der Flak ausreichend ist. Die Brücke blieb im Wesentlichen unverändert. Es wurde nur ein Raum hinter dem gepanzerten Kommandostand hinzugefügt. Dieser kann bis zu vier wachfreien Offizieren beherbergen. Der Kommandanten- und Kartenraum wurde etwas zum Steuerhaus hin verlängert, um Platz für ein WC zu schaffen und über dem Steuerhaus findet der 3m-EM seinen Platz. Der Mast, der zuvor vor dem Brückenhaus stand, wurde an das Ende desselben verlegt.
Die Abmessungen des Schiffskörpers bleiben bis auf die Länge über Alles unverändert. Die Länge über Alles vergrößert sich um ca. 0,85 m.
Der zum Schutz der Schiffsseiten vorhandene Korkdamm wird ausgebaut und stattdessen eine 50 mm starke Seitenpanzerung angebracht. Die einzige Änderung des Panzerdecks betrifft den „Buckel“ über dem Maschinenraum. Dieser wird entfernt und das Panzerdeck an dieser Stelle dem übrigen angeglichen.

Mehrgewicht Schiffskörper: 29 t
Mehrgewicht Panzerung: 98 t

2. Antriebsanlage u. Schiffshilfsmaschinen

Weil nur zwei Wellen vorhanden sind, schied eine gemischte Antriebsanlage aus. Weil ich die Schiffsgeschwindigkeit erhöhen wollte und mir zum Umbauzeitpunkt keine passenden Dieselmotoren bekannt waren, blieb nur der Dampfantrieb übrig. Bei einer (neuen) Konstruktionsgeschwindigkeit von 28,5 kn ist eine Antriebsleistung von ca. 24.000 PSw – genau 23.786 PSw - erforderlich. Im Maschinenraum finden zwei Turbinen ihren Platz. Jeder Turbinensatz besteht aus einer HD und einer ND-Trommel. Da bereits modernere Öl-gefeuerte Marine-Kessel zur Verfügung stehen, habe ich mich für vier Doppelkessel, aufgestellt in zwei Kesselräumen, entschieden. Der hierbei freiwerdende vordere Kesselraum kann anderen Zwecken zugutekommen und gleichzeitig der vordere Schornstein in Fortfall kommen.

Die genaue Beschreibung der Antriebs- und Hilfsmaschinen mit dem gesamten Dampfkreislauf erfolgt in einem separaten Thread zu einem späteren Zeitpunkt.

Mindergewicht Antriebsanlage: 152 t
Mehrgewicht Schiffshilfsmaschinen: 31 t

3. Bewaffnung

Wunschgemäß sollten die Kasematten entfallen. Dies konnte nur bedeuten, dass wenn ich die Feuerkraft erhalten will, die jeweiligen 10,5-cm-Geschütze nach achtern bzw. nach vorn rutschen müssen. Dies entspräche in etwa den Umbauten der „Lübeck“. Ich habe verschiedenste Aufstellungsschemata mit 10,5-cm-SK und 15-cm-SK ausprobiert. Unter anderem auch solche, wo die Geschütze auf Back und Poop nicht nebeneinander, sondern in überhöhter Position aufgestellt waren. Letztendlich habe ich mich für das 15-cm-Kaliber mit dem vorliegendem Aufstellungsschema entschieden. Auf der Back steht ein 15-cm-Geschütz gefolgt von zwei solcher Geschütze auf dem Oberdeck, die nun in ihrer Position gegenüber den vorherigen Kasemattgeschützen nach achtern verschoben wurden. Die zwei achteren 15-cm-Geschütze sind in ihrer Art- und Weise ähnlich dem der Torpedoboote der Raubtier-/Raubvogel-Klasse aufgestellt. Weil ich auch eine, einem Kreuzer entsprechende, Flak-Abwehr haben wollte, finden hinter den Schornsteinen zwei 8,8-cm-Flak ihre Aufstellung. Das ich zusätzlich noch vier 3,7-cm-Maschinenkanonen als mittlere Flak aufgestellt habe ist als netter Gag zu verstehen – obwohl diese bereits im Kriege zur Luftabwehr eingesetzt worden sind; es also nicht unwahrscheinlich wäre. Die Munitionsdotation beträgt für die 15-cm-SK ca. 140-150 Schuß je Geschütz und für die 8,8-cm-Flak ist eine Stauung von ca. 200 Schuß je Geschütz möglich. Die Unterwasser-Torpedorohre werden ausgebaut. Stattdessen finden auf dem Oberdeck schwenkbare Einzelrohre Aufstellung. Beiderseits des Unterbaus des achteren Schornsteins befinden sich an Oberdeck Behälter mit Reservetorpedos.

Mehrgewicht Artillerie: 53 t
Mindergewicht Torpedos: 20 t

4. Sonstiges

Ein Vorher/Nachher-Vergleich zeigt die Gewichtsveränderungen:
Gew.Grp.VorherNachher Schiffskörper u. Schiffshilfsm.1.3241.384tPanzerung334433tMaschinenanlage728576tArtillerie141194tTorpedo3010tAusrüstung inkl. Wasser318318tBrennstoff403403tKonstruktionsverdrängung3.2783.317t
Auch wenn das Gewicht der Artillerie deutlich ansteigt, sinkt der Gewichtsschwerpunkt deutlich in Richtung Kiel. Dies liegt zum großen Teil daran, dass vor dem Umbau rund ¾ der Kohlen oberhalb des Panzerdecks gestaut waren und nur ¼ unterhalb in den Seiten- und Querbunkern. Wogegen der Ölvorrat ausschließlich in den Seiten-, Quer- und Bodenbunkern gestaut wird. Ebenfalls nicht unwesentlich ist, dass der ursprüngliche Korkdamm entfernt wird und durch einen 50 mm Seitenpanzer ausgetauscht wird.

Das Gewicht der Ausrüstung inkl. Wasser habe ich so belassen. Durch den Wegfall einiger Beiboote sollte soviel Gewicht frei werden um einen möglichen Zuwachs an anderer Stelle auszugleichen.

Der Brennstoffvorrat zur Berechnung des Konstruktionsgewichtes wurde ebenfalls nicht verändert. Sehr wohl verringert sich aber der Gesamtbrennstoffvorrat von 860 t auf rd. 722 t.

Der ursprüngliche Wunsch nach einem Kadettenschulschiff habe ich nicht im eigentlichen Sinne erfüllt, weil mit der „Berlin“ ein solches schon vorhanden war. Ich habe mich stattdessen darauf konzentriert den Umbau so zu gestalten, dass die „Hamburg“ in den verschiedensten Rollen in der Reichsmarine einsetzbar ist.
Dies wären z.B. Ausbildung im Allgemeinen und im Besonderen auf Auslandsreisen sowie Konvoibegleitung in dem von der Reichsmarine gedachten Szenario der Konvois, die von England in die deutschen Häfen geleitet werden müssen. Gerade hierfür habe ich die Erhöhung der Geschwindigkeit für erforderlich gehalten, was gleichfalls für die Vergrößerung des Kalibers der Hauptartillerie gilt.

Auf den Einbau einer Katapultanlage nebst Flugzeug habe ich verzichtet, weil zu dem gegebenen Zeitpunkt dies nicht machbar gewesen wäre, weil eben Flugzeuge verboten waren.

Urs Heßling:
moin, Sven,

was hieltest Du davon, die beiden 15 cm-Seitengeschütze zu streichen und auf den drei Geschützpositionen in der Mittschiffslinie (A, C und D) die von den Linienschiffen übrig gebliebenen 17 cm-Geschütze zu verwenden, um deutlich mehr (auch panzerbrechende) Sprengkraft verschießen zu können ?
Der Unterschied in der Feuergeschwindigkeit war nach dem. was ich im Internet finden konnte, gering.

Gruß, Urs

Sven L.:
Hallo Urs,

du solltest doch Wissen, dass dies vom Versailler Vertrag - im Nachtrag durch die Botschafterkonferenz - her untersagt war.

Persönlich würde ich auf diesem, von der Größe beschränktem, Kreuzer keine 17-cm installieren.

Urs Heßling:
moin,


--- Zitat von: Sven L. am 03 Februar 2021, 18:44:08 ---du solltest doch Wissen, dass dies vom Versailler Vertrag - im Nachtrag durch die Botschafterkonferenz - her untersagt war.
--- Ende Zitat ---
Nein, das wußte ich nicht, danke für den Hinweis :TU:)
Kannst Du das bitte einmal genauer belegen ?

Gruß, Urs

Matrose71:
Salve Urs,

mal abgesehen von irgenwelchen Verträgen, "Wer" (welche normal gebauten Männer) sollen bitte 62kg Geschosgewicht (nur Granate) handhaben, eventuell bei Seegang auf einem offenen Deck?
Das sind offene Türme wie bei Zerstörern und bei denen waren schon die 15cm mit 45kg Granaten kaum händelbar bei Seegang und mehr suboptimal als optimal.
Ohne geschlossene Türme mit Aufzügen, Umleger und Rammen eher völlig ausgeschlossen, solch ein Kaliber zu verwenden.

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