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Autor Thema: Ärmelabzeichen Matrosengefreiter Unteroffiziersanwärter (abgeschlossen)  (Gelesen 414 mal)

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Offline Nordmeer

  • Obermaat
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  • Beiträge: 33
Hallo Marinefreunde!

Ich bräuchte bitte wieder Eure Hilfe. Wie Ihr wißt, versuche ich, Stationen meines Vaters bei der Kriegsmarine zeitlich zu rekonstruiren. Dabei hatte ich wenige Anhaltspunkte. Ein vermeintlicher (?) Fixpunkt war ein aufgenähtes Ärmelabzeichen auf Photographien, von dem ich dachte, es zeige den Doppelwinkel des Matrosenobergefreiten.

Nun bin ich darauf gestoßen, daß auch ein Dienstgrad "Matrosengefreiter UA (abgeschlossen)" existiert, also ein Matrosengefreiter Unteroffiziersanwärter mit abgeschlossener Unteroffiziersausbildung. Es ist ein silbriger Winkel unter dem Gefreitenwinkel, wie er hier und auch in Wikipedia  beschrieben ist. Auf Schwarzweißbildern ist gold und silber schwer unterscheidbar. Mir war zwar aufgefallen, daß der untere Winkel kleiner und separat erscheint, nicht genau der übliche Doppelwinkel des Matrosenobergefreiten, ich hatte dies jedoch mangels besseren Wissens auf eine möglicherweise nicht so stringente Genauigkeit und eventuellen Mangel in Kriegszeiten geschoben.

Was für einen Dienstgrad seht Ihr denn auf den dreo angehängten Bildern?
(Die ersten beiden sind vergrößerte Ausschnitte und unscharf, aber für diese Zwecke wohl ausreichend, das dritte wurde in einem Lazarett aufgenommen und zeigt einen Freund, der spaßeshalber in meines Vaters Uniform steckt. Hier ist die Bildqualität besser. Die Aufnäher erscheinen mir bei allen Bildern identisch, wenn auch in zeitlichem Abstand.)

Laut den obigen Quellen gibt es auch den Matrosengefreiten UA mit silbrigem Balken ohne abgeschlossene Ausbildung. Nicht erwähnt wird hingegen dieser UA-Zusatz beim Matrosenobergefreiten. Weiß jemand, weshalb das so ist. Ist dieser Weg eine Art Abkürzung vom Matrosengefreiten direkt zum Bootsmannsmaat?


Kurze Zusatzfrage: Wie oft erhielt ein Mannschaftsmitglied Heimurlaub, so im Zeitrahmen von 1941-1943, und besonders, wann den ersten Urlaub?
Würde mir evtl. helfen.

Vielen Dank wie immer,

Viktoria
« Letzte Änderung: 22 Oktober 2020, 08:47:06 von Nordmeer »

Offline M-54842

  • Oberleutnant zur See
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Es handelt sich um einen Matrosengefreiten als geprüfter Unteroffizieranwärter. Mannschaftsdienstgrade als geprüfte Unteroffizieranwärter trugen bis zur Beförderung zum Maat an den Bekleidungsstücken der blauen Uniform einen silbernen Tressenwinkel, aufgenäht mit 3 mm Abstand unter den Dienstgradwinkeln des linken Oberarmes.

Online Schorsch

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Hallo Viktoria!

Ich hoffe, dass das Folgende Dir weiterhelfen kann.

(…)
Was für einen Dienstgrad seht Ihr denn auf den beiden angehängten Bildern?
(…)
Auf den von Dir eingestellten Bildern meine ich zu erkennen:
Bild 1: (wahrscheinlich Matrosenober-)Gefreiter als Unteroffizieranwärter (für einen einfachen Gefreitenwinkel erscheint mir das Ärmelabzeichen „zu massiv“))
Bild 2: Matrosengefreiter als Unteroffizieranwärter
Bild 3: Matrosengefreiter als Unteroffizieranwärter

(…)
Laut den obigen Quellen gibt es auch den Matrosengefreiten UA mit silbrigem Balken ohne abgeschlossene Ausbildung. Nicht erwähnt wird hingegen dieser UA-Zusatz beim Matrosenobergefreiten. Weiß jemand, weshalb das so ist. Ist dieser Weg eine Art Abkürzung vom Matrosengefreiten direkt zum Bootsmannsmaat?
(…)
Mannschaftsdienstgrade, die dauerhaft dazu eingeteilt waren, Pflichten zu erledigen, die eigentlich Aufgaben eines Unteroffizier waren, jedoch (noch) keine geprüften Unteroffzieranwärter waren, trugen als Abzeichen die schon erwähnte waagerechte 4 cm lange und 0,5 cm breite silberne Gespinsttresse unter ihrem Ärmelabzeichen und wurden so als Unteroffizierdiensttuer gekennzeichnet. Das konnten sowohl Gefreite als auch Obergefreite sein.
Einiges zu den Beförderungen ist auch hier zu finden (--/>/> Klick!).

(…)
Kurze Zusatzfrage: Wie oft erhielt ein Mannschaftsmitglied Heimurlaub, so im Zeitrahmen von 1941-1943, und besonders, wann den ersten Urlaub? Würde mir evtl. helfen.
(…)
In der Reichsmarine galten bezüglich des Urlaubes folgende Regelungen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Kriegsmarine ähnliche Verfahrensweisen pflegte. Zum ersten gab es den jährlichen Erholungsurlaub. Folgende Urlaubszeiten konnten beantragt werden:
vom Eintritt bis zum vollendenten 2. Dienstjahr jährlich 14 Tage
vom 3. bis zum vollendeten 8. Dienstjahr jährlich 21 Tage,
vom 9. bis zum vollendeten 12. Dienstjahr jährlich 28 Tage,
vom 13. bis zum vollendeten 20. Dienstjahr jährlich 35 Tage,
vom 21. Dienstjahr an jährlich 45 Tage.
Dazu kam die Genehmigung eventueller Reisetage, sollte der Urlaubsort nur nach einer Reisezeit von mehr als einem halben Tag erreichbar sein. Auszugehen ist davon, dass während der infanteristischen Grundausbildung unmittelbar nach dem Eintritt in die Kriegsmarine noch kein Urlaub gewährt wurde.

Möglich war auch die Gewährung von Sonderurlaubstagen als Auszeichnung für besondere Leistungen, aus dringlichen persönlichen Gründen (z.B. Ernteurlaub oder dringende Familienangelegenheiten), ärztlichen Gründen (bis zu drei Monaten z.B. zur Rekonvaleszenz), zur Vorbereitung auf das sich an den Militärdienst anschließende Zivilleben (bis zu drei Monaten, sofern die Marinefachschulen notwendige Inhalte nicht vermitteln können) oder auch zu hohen kirchlichen Feiertagen (bis zu sechs Tagen).

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

Berühmte letzte Worte: „Präzision und Timing sind das A und O beim Dynamit-Fischen…“

Offline Matthias Strauß

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    • KKD
Aus der Effekten-Mustermappe meines Großvaters (Oberschneidermeister-Uniformschneider)

Offline Nordmeer

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Dankeschön an alle für die bisherigen Antworten!

@M-54842:
...Mannschaftsdienstgrade als geprüfte Unteroffizieranwärter trugen bis zur Beförderung zum Maat an den Bekleidungsstücken der blauen Uniform einen silbernen Tressenwinkel, aufgenäht mit 3 mm Abstand unter den Dienstgradwinkeln des linken Oberarmes.

Danke für diesen Einblick!
Was bedeutete das konkret für die weitere Beförderung? Wurde ein Matrosengefreiter als geprüfter Unteroffiziersanwärter noch zum Matrosenobergefreiten befördert (und bekam entsprechend einen Doppelwinkel plus silbernen Winkel für seine Uniform), oder trug er seinen einfachen Winkel plus silbernen Winkel bis er dann direkt zum Bootsmannsmaat befördert wurde? Das mag wie eine Diskussion um des Kaisers Bart klingen, aber für mich sind solche Infos hilfreich beim Versuch, Puzzleteile zusammenzufügen, die selbst manchmal nicht ganz eindeutig sind. Man schiebt und schiebt  :|, bis man plötzlich eine Gestalt erkennt, hoffentlich  :wink:

@Schorsch:
Hallo Schorsch!
Vielen Dank für die Bildeinschätzungen.

Einiges zu den Beförderungen ist auch hier zu finden (--/>/> Klick!).

Den verlinkten Text hatte ich mir schon vor einiger Zeit nach einer Forumssuche kopiert, da er einen sehr hilfreichen Überblick gibt. :TU:)

Zitat
In der Reichsmarine galten bezüglich des Urlaubes folgende Regelungen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Kriegsmarine ähnliche Verfahrensweisen pflegte. Zum ersten gab es den jährlichen Erholungsurlaub. Folgende Urlaubszeiten konnten beantragt werden:
vom Eintritt bis zum vollendenten 2. Dienstjahr jährlich 14 Tage
vom 3. bis zum vollendeten 8. Dienstjahr jährlich 21 Tage,
vom 9. bis zum vollendeten 12. Dienstjahr jährlich 28 Tage,
vom 13. bis zum vollendeten 20. Dienstjahr jährlich 35 Tage,
vom 21. Dienstjahr an jährlich 45 Tage.
...

Was den ersten Urlaub angeht: Wäre er nach ca. 9 - 11 Monaten (incl. Rekrutenzeit) plausibel oder zu früh?

@Matthias Strauß:
Hallo Matthias!

Mit der Mustermappe sind wir wohl bei der Reichsmarine. Aber das Prinzip des silbernen Winkels scheint trotz anderer Dienstgradbezeichnungen dasselbe zu sein.

Grüße,

Viktoria

Online Schorsch

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Hallo Viktoria,

(...)
Was den ersten Urlaub angeht: Wäre er nach ca. 9 - 11 Monaten (incl. Rekrutenzeit) plausibel oder zu früh?
(...)
...in dem von Dir genannten Zeitraum könnte durchaus ein Erholungsurlaub gewährt worden sein. Manchmal konnte aber auch schon über ein Jahr ins Land gehen, bis man nach Hause fahren durfte. Insbesondere, wenn am Anfang der Dienstzeit viele Lehrgänge zu absolvieren waren, wurde kaum ein längerfristiger Urlaub erteilt.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
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Offline M-54842

  • Oberleutnant zur See
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Was den ersten Urlaub angeht: Wäre er nach ca. 9 - 11 Monaten (incl. Rekrutenzeit) plausibel oder zu früh?

Walter Dües berichtet in seinen Aufzeichnungen, dass er am 01.11.1938 zur 12. SStA nach Brake eingezogen worden ist.
Für den 19.12.1938 findet sich bei ihm folgende Eintragung:
„Endlich ist der Tag gekommen. Morgen fahren wir in den Urlaub.“
Für den 28.12.1938 ist vermerkt:
„Vorbei- Auch diese herrlichen Tage zu Hause sind nun wieder vergangen.“
Oliver Kock (Hrsg) Walter Dües. Meine Kriegserlebnisse auf U-Boot-Falle „Schiff 40“ und auf Minenschiff „Brummer“, S. 31.

Der erste Urlaub muss also nicht zwangsläufig erst nach Monaten erfolgt sein. Auch wenn das sicherlich nicht die Regel war.

« Letzte Änderung: 22 Oktober 2020, 21:49:58 von M-54842 »

Offline M-54842

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Was bedeutete das konkret für die weitere Beförderung? Wurde ein Matrosengefreiter als geprüfter Unteroffiziersanwärter noch zum Matrosenobergefreiten befördert (und bekam entsprechend einen Doppelwinkel plus silbernen Winkel für seine Uniform), oder trug er seinen einfachen Winkel plus silbernen Winkel bis er dann direkt zum Bootsmannsmaat befördert wurde?

Meines Wissens war der Obergefreite nicht zwangsläufig notwendig, um zum Maat ernannt zu werden.

Offline Nordmeer

  • Obermaat
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Hallo Schorsch, hallo M-54842!
Habt herzlichen Dank für die weiteren Erläuterungen. Ich werde hier schon noch zum Marine-Spezialisten.  :MZ:


...Manchmal konnte aber auch schon über ein Jahr ins Land gehen, bis man nach Hause fahren durfte. Insbesondere, wenn am Anfang der Dienstzeit viele Lehrgänge zu absolvieren waren, wurde kaum ein längerfristiger Urlaub erteilt...

Apropos Dienstzeit:

1. Zählte die 3-monatige Rekrutenzeit denn dabei mit (auch für den Zeitraum zur 1. Beförderung), oder zählt die Dienstzeit erst ab Vereidigung und Matrosenstern?

2. ...viele Lehrgänge am Anfang der Dienstzeit... Das ist sehr interessant. Bis jetzt habe ich mich immer gewundert, weshalb ein Photo vom 1. Urlaub bereits das Abzeichen des Speziallehrgangs für Flak 2-cm und Vierlingsgeschütz am Ärmel zeigt. Wenn eine solche Ausbildung aber auch ganz oder relativ nahe zum Anfang der Dienstzeit liegen kann, ist diese Irritation ausgeräumt. Was ich bis jetzt herausfinden konnte, dauerten solche Flak-Lehrgänge oft ca. 6 Wochen, richtig? Geschützführerausbildung an der Schiffsartillerieschule wahrscheinlich länger, vielleicht ca 8 Wochen?

Beste Grüße,

Viktoria