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Autor Thema: Werftmitarbeiter Lorient  (Gelesen 560 mal)

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Offline Schwalbe

  • Matrose
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Werftmitarbeiter Lorient
« am: 27 April 2020, 13:06:26 »
Hallo,

ich habe mich gerade hier neu angemeldet und möchte gleich eine Frage stellen:

Erst lange nach dem Tod meines Vaters hatte ich erfahren, dass er im WK II als Schiffsschlosser für die Deutsche Kriegsmarine in Frankreich tätig war. Und erst 2019 habe ich vom Bundesarchiv auf Anfrage die Auskunft erhalten, dass sein Einsatzort die U-Boot-Werkstatt Lorient war. (Wartetzeit auf diese Auskunft: über 2 Jahre!)
Er war Mitarbeiter der Kriegsmarinewerft in Wilhelmshaven und wurde von dort im Jahr 1941 nach Lorient entsendet.

Ich würde gern etwas mehr über die Situation der deutschen Arbeiter in Lorient erfahren. Wie waren die Arbeitsbedingungen? Wo waren sie untergebracht und wie sah ihr Arbeitsalltag aus? Wie haben sie dort gelebt?

Ich habe im Internet schon viel gesucht, aber man findet über Lorient hauptsächlich Informationen über technische Details der Bunkeranlagen oder über die U-Boote und Besatzungen, aber nichts über die deutschen Facharbeiter, die die Reparaturen an den Booten ausgeführt haben. Wo gibt es Informationen darüber?

Ich hoffe, dass ich die Frage hier im richtigen Bereich gestellt habe, aber es geht ja im weiteren Sinne um U-Boote.

Gruß,
Helmut aus Bremen

Offline Schorsch

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Re: Werftmitarbeiter Lorient
« Antwort #1 am: 27 April 2020, 13:45:19 »
Hallo Helmut,

einige allgemeine Aussagen findet man in den Büchern von Lars Hellwinkel: "Der deutsche Kriegsmarinestützpunkt Brest", Dr Dieter Winkler Verlag, Bochum, 2010 und ""Hitlers Tor zum Atlantik - Die deutschen Marinestützpunkte in Frankreich 1940 - 1945", Ch. Links, 2012. Allerdings eher wieder als Randthema, da der Fokus nun einmal auf dem Militär liegt, und auch nicht immer speziell auf Lorient bezogen. Die Verhältnisse, unter denen die Werftarbeiter tätig waren, sollten aber in den verschiedenen Stützpunkten prinzipiell als übereinstimmend angenommen werden können.

Der U-Bootstützpunkt Lorient ist sehr ausführlich in den verschiedenen Bänden von Luc Braeuer: "U-Boote! Lorient" vorgestellt worden. Leider ist mein Französisch nicht gut genug, um definitive Aussagen treffen zu können, ob auch hier die Werftarbeiter ihre Berücksichtigung gefunden haben. Ein Versuch wäre es aber sicher wert. (--/>/>Klick!)

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

Berühmte letzte Worte: „Präzision und Timing sind das A und O beim Dynamit-Fischen…“

Offline Schwalbe

  • Matrose
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Re: Werftmitarbeiter Lorient
« Antwort #2 am: 27 April 2020, 15:30:24 »
Hallo Schorsch,

erstmal vielen Dank für deine Antwort.

Ich habe die Hoffnung, dass hier vielleicht jemand aus Erzählungen in der Familie mehr weiß. Angeblich waren ja 3500 Mitarbeiter aus Wilhelmshaven in Lorient tätig (Quelle: http://www.u-boote-online.de/bau/werften/kriegsmarinewerft.html).

Da kann ich mir gar nicht vorstellen, dass alle diese Erzählungen verloren gegangen sind. Vielleicht hat ja jemand von seinem Vater/Großvater/Onkel einiges darüber erfahren und kann darüber berichten.

Wie gesagt, mein Vater ist schon lange tot, heute würde ich mich gern mit ihm darüber unterhalten. Er hätte sicher interessante Dinge zu erzählen gehabt.

Gruß,
Helmut

Offline Teddy Suhren

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Re: Werftmitarbeiter Lorient
« Antwort #3 am: 27 April 2020, 17:24:05 »
Hai

Ich würde noch "Die deutschen Ubootbunker und Bunkerwerften" von Sönke Neitzel anführen.
Es wird zwar auch in diesem Buch eher die technische Seite beleuchtet, jedoch wird auch immer wieder das Werftpersonal erwähnt.
Die Werft in Whaven stellte (beim überfliegen gelesen) nur das Rahmenpersonal. Ich denke deshalb das die Zahl 3500 nur aus WHaven zu hoch ist - evtl. insgesamt mit französischem, Stabs- und sonstigem Personal.

Offline SchlPr11

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Re: Werftmitarbeiter Lorient
« Antwort #4 am: 27 April 2020, 17:41:38 »
Hallo,
mein Onkel war von der Rostocker Neptunwerft zu Schlosserarbeiten an die Atlantiküste abgeordnet. Als kunstsinniger Mensch brachte er französische Lebensart ins Land. 1945 ging er dort in die Zivilinternierung und kehrte nicht mehr/nur kurzzeitig in seine Heimatstadt zurück. Von Hamburg aus als Maschinist bei diversen Reedereien. Es ab wenig Kontakt, zuletzt sah ich ihn 1988 auf dem Dammtorbahnhof.
In der Korrespondenz sind hier einige Stücke, die ich mal sichten werde. Und dann berichten...
REINHARD

Offline Violoncello

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Re: Werftmitarbeiter Lorient
« Antwort #5 am: 27 April 2020, 19:09:36 »
Hallo Helmut,

in der Literatursammlung empfehle ich noch das Buch von General der Artillerie Wilhelm Fahrmbacher und Vizeadmiral Walter Matthiae:
"Lorient. Entstehung und Verteidigung des Marine-Stützpunktes 1940/45" (Weissenburg 1956).
Matthiae war von 1940 bis zum Kriegsende Oberwerftdirektor der KMW Lorient. Das Buch mag insoweit den einen oder anderen Einblick auch in die Situation der Werftarbeiter bieten.

Viele Grüße

Violoncello

Offline MarkusL

  • Kapitänleutnant
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Re: Werftmitarbeiter Lorient
« Antwort #6 am: 27 April 2020, 23:28:37 »
Hallo,
der genannte "Fahrmbacher/Matthiae" hat zumindest einige Angaben zur organisatorischen Struktur, mit einer Vielzahl von Personennennungen der "Werftführungsebene" bis hin zur Aufstellung von "Werftalarmkompanien". Allerdings auch, Zitat "Die weiblichen Angestellten wurden - ohne Begeisterung - im Rot-Kreuz-Dienst unterwiesen".
Gruß
Markus

Offline Schwalbe

  • Matrose
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Re: Werftmitarbeiter Lorient
« Antwort #7 am: 28 April 2020, 12:23:15 »
Vielen Dank für die Bücherempfehlungen. Mal sehen, welche davon noch zu bekommen sind.

Was die Zahl der Entsendeten aus Wilhelmshaven angeht, dann sollen das ja 3500 Arbeiter gewesen sein. Das kommt mir auch sehr viel vor, aber es muss ja nicht bedeuten, dass die alle gleichzeitig vor Ort waren. Vielleicht waren ja die Entsendungen dieser Arbeiter immer nur befristet, sodass es ein Kommen und Gehen war und es nur in der Summe 3500 Leute waren. Und wenn noch andere Werften, wie die Rostocker Neptun-Werft zusätzliche Männer abgestellt hatten, waren es noch mehr. Aber das weiß ich alles nicht und hätte gern mehr Infos darüber.

Ich wüsste auch gern, ob die Zivilisten (Werftarbeiter) bis zum Ende der Kämpfe in Lorient blieben (was wurde danach aus ihnen?) oder ob sie vorher abgezogen wurden (wann war das?).

Wann hat das letzte U-Boot den Stützpunkt Lorient verlassen?

Wie gesagt, es ist erstaunlich, dass im Netz dazu so wenig zu finden ist. Denn es betrifft ja doch einen ziemlich großen Personenkreis.

Gruß,
Helmut

Offline ARANTALES

  • Leutnant zur See
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Re: Werftmitarbeiter Lorient
« Antwort #8 am: 28 April 2020, 13:03:49 »
Gruß Helmut,

Im Link bei Schorsch's Reaktion findest Du unter 'contact' die Anschrift von Luc Braeuer.
Er ist ein sehr hilfsbereite Person - kontaktiere ihm doch mal.
Er weis welche Orten er alle besucht hat (museen, Archive,...) um das Material für seine Bücher bei einander zu bringen, vielleicht kann er aussagen machen i.B. Quellen für Material i.B. die Werftarbeiter (die wohl in seine Bücher erwähnt werden, aber auch nur dass: erwähnt).

Und wenn es zum Thema eine Lücke gibt im Netz, dann wartet dieses Loch vielleicht auf jemanden der das Thema recherchiert und das Resultat der Recherchen ins Netz setzt, ... z.B. im HMA?  :-)
Wünsche viel Erfolg!

Met vriendelijke groeten,
Walter

Offline Schorsch

  • Board Moderator
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  • Beiträge: 1781
Re: Werftmitarbeiter Lorient
« Antwort #9 am: 28 April 2020, 13:06:42 »
Hallo Helmut!

(...)
Wann hat das letzte U-Boot den Stützpunkt Lorient verlassen?
(...)
...unter deutscher Regie: U 155 am 09.09.1944.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

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