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Die Kaiser-Friedrich-III-/Wittelsbach-Klasse als Alternativ-Entwurf

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Sven L.:
Eine Alternative zur Kaiser-Friedrich-III-/Wittelsbach-Klasse

Nachdem ich in diesem Thread einiges über das dt. 24-cm-Geschütz geschrieben habe und Forumskollege bodrog in einem weiteren, wesentlich älteren, Thread 6x 24-cm als Hauptbewaffnung für die KF-III ins Gespräch gebracht hatte, bin ich der Ansicht meine Gedanken, die ich schon Anfang diesen Jahres in Zeichnungen umgesetzt habe, hier zu Veröffentlichen. Um es von vorneherein klarzustellen, Ausgangspunkt ist es nicht etwas „besser“ zu machen, sondern ausschließlich eine Machbarkeitsstudie zu erstellen auf der Grundlage einer Idee.

Die Bewaffnung – Wieso, Weshalb, Warum:

Da es gilt einen dritten Turm der SA einzufügen, dieses jedoch nicht in überhöhter Position möglich bzw. für diesen Zeitraum nicht plausibel ist, kam nur eine Aufstellung äquivalent zur Brandenburg-Klasse in Frage. Weil der Entwurf nicht wesentlich größer bzw. schwerer als das Original werden soll, geht dies nur, wenn als Ausgleich die 15-cm-Mittelartillerie in ihrer Anzahl verringert wird. In dieser Zeit galt die Mittelartillerie als die Waffe, mit welcher feindliche Linienschiffe zwar nicht versenkt, jedoch in ihrer Kampfkraft erheblich herabgesetzt werden sollten und somit die eigentliche Hauptwaffe gewesen ist. Mit der schweren Artillerie wurde das Gefecht auf größerer Distanz eröffnet, aber letztendlich sollte sie, nachdem die Mittelartillerie die ungepanzerten Teile des Gegners „verwüstet“ hat, auf kürzester Entfernung die Versenkung herbeiführen - Stichwort: „Hail of fire“. Mit der Feuereröffnung der schweren Artillerie aus größerer Distanz sollte, bevor die eigene Mittelartillerie das Feuer eröffnete, die Mittelartilletie des Gegners geschwächt werden. Aus diesem Blickwinkel machen die achtzehn 15-cm Geschütze einen Sinn, zumal im Vergleich zu anderen Marinen somit eine „Überlegenheit“ erzielt worden ist. Hier muss man fragen, warum die ausländischen Marinen im Maximum nur zwölf Mittelartillerie-Geschütze besaßen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Mittelartillerie nicht für die Bekämpfung der Torpedoboote diente, diese Funktion würde ihr erst mit Beginn des Dreadnought-Baus übertragen, als die 8,8-cm hierfür als nicht mehr ausreichend angesehen wurde. Zuvor, also um 1895, war hierfür eine erhebliche Anzahl an kleineren, schnellfeuernden, Geschützen an Bord. Auf deutscher Seite waren dies die 8,8-cm S.K. Darüber hinaus gab es noch eine große Zahl an Maschinenkanonen vom Kaliber 3,7-cm. Die MK dienten ebenfalls dazu Torpedoboote zu bekämpfen, als diese auf Grund der geringen Laufstrecke der damaligen Torpedos noch dicht an die Schlachtlinie heranfahren mussten um Treffer zu gewährleisten.
Wie sah die Taktik um die Mitte der 1890er Jahre aus? Zum einen gibt es die Denkschrift IX, welche von Tirpitz 1894 verfasst worden ist und darüber hinaus eine kurze Schilderung von Dirk Nottelmann-Buch in „Die Brandenburg-Klasse“ auf Seite 28 ff.
Er schreibt, das in den Übungsjahren zu Beginn der 90er Jahre sich die Überzeugung durchgesetzt hat, dass die Flotte wieder in einer Linie kämpfen sollte. Das Ziel war, den anlaufenden Gegner konzentrisch in die Mitte zu nehmen und durch überlegenes Manövrieren dort zu halten, um das Feuer vereinigen zu können.
Wenn also die neuen schnell feiernden 24-cm-S.K. zur Verfügung stehen, näheres siehe hier und die Feuereröffnung auf ca. 80 hm erfolgt, macht es dann nicht Sinn die Anzahl der Rohre der SA von sechs beizubehalten? Immerhin war der Unterschied der Feuergeschwindigkeit von 0,5 zu 2,5 Schuß pro Minute nicht unerheblich. Aus dieser Überlegung heraus entstand der nachfolgend beschriebene Entwurf.

Die Ansichten zu dem Entwurf:


Kurzbeschreibung zum eigentlichen Entwurf:

Die Panzerung sowie die Konstruktionsgeschwindigkeit sollen dem Original entsprechen. Hierbei ergibt sich eine um rd. 900 t größere Verdrängung, also 12.000 t. Die Abmessungen ergeben sich zu 124,8 m Länge, 21,22 m Breite und 7,34 m Tiefgang. Die Abmessungen liegen also näher an der Wittelsbach-Klasse. Das Gewicht der Gewichtsgruppe Schiffskörper ergibt bei identischem Einheitsgewicht 3.823 t. Ich habe für das Einheitsgewicht einen Durchschnitt über alle Schiffe dieser Periode gelegt. Dann ergibt sich ein Gewicht für den Schiffskörper inkl. Schiffshilfsmaschinen von 3.785 t.

Bei einer Konstruktionsgeschwindigkeit von 17 kn ergibt sich eine erforderliche Maschinenleistung von 13.400 PSi. In den Zeichnungen habe ich eine Zwei-Wellen-Anlage gezeichnet. Der Platz reicht aber aus um die originale Drei-Wellen-Anlage unterzubringen. Für die Berechnung des Maschinengewichts habe ich das originale Leistungsgewicht von ~120 kg/PSi zugrunde gelegt, woraus sich ein Gesamt-Maschinengewicht von 1.612 t ergibt. Die Kesselanlage des Antriebssystems besteht aus 6 Zylinderkessel im hinteren Kesselraum und 6 Marine-Kessel im vorderen Kesselraum. Der Dampfdruck in den Kesseln beträgt 13,5 at.

Durch den etwas längeren Schiffskörper und der entsprechend längeren Zitadelle, wegen des zusätzlich eingefügten dritten Turmes der Hauptartillerie, beträgt das Panzergewicht etwa 4.010 t. Die Panzerstärken sind identisch mit der Vorlage.

Die voraussichtliche Mannschaftsstärke beträgt ca. 677 Mann. Diese teilt sich wie folgt auf:
1 Kommandant, 20 Offiziere, 24 Deckoffiziere, 7 Fähnriche/Aspiranten, 130 Unteroffiziere, 491 Mannschaften und 4 Zivile Personen.

Die Baukosten liegen ca. 1 Mio. über denen der original KF -III-Klasse.

Aufgrund ihrer Größe kann ich zwei Deckspläne noch nicht zur Verfügung stellen. Sobald ich diese auf eine Größe unter 450 kB bekommen habe, Stelle ich diese hier auch ein.

apendics.de.ore:
Hallo Sven,

eine schöne Interpretation, für die Drei-Turm-SA. Danke für deine Ausarbeitung und deren Veröffentlichung.

Doch in der Vermutung naheliegend, der Erfahrung mit den "Brandenburgs", kann ich deine Auffassung nicht teilen.
Der Bestreichungswinkel des Mittelturmes und dessen Position, standen oft als "Unausgewogen" im Lastenheft der Praxis.
Ich vermute, dass der nächste Schritt in eine Unterbringung der Kolbenmaschinen zwischen Turm B und C gegangen wäre und
bei vorhandenen Mitteln, eine komplette "Marinekesselanlage" installiert worden wäre. Aus der Überlegung heraus, dass
zwei "Einender" und zwei "Doppelender" eine Leistung von 6000 PSi aufzeigten, vom Gewichtunterschied zum Zylinder-
kessel ganz zu schweigen.

… vom "Risiko" der "direkten" Überhöhung der Türme B und C zur "indirekten" Überhöhung …


Gruß
 

Smutje Peter:
Beeindruckend, wirklich beeindruckend, Sven!

 :MG:

Meiner Meinung nach ein sehr ausgewogener Entwurf.  Ich persönlich finde bodrog`s Vorschlag für den 3. Turm durchaus diskutierbar. In der Realität hat wohl der Einfluss von Tirpitz die Überbetonung der Mittelartillerie mit bewirkt. Auch die Schlacht am Yalu dürfte Einfluss gehabt haben, auch wenn Teilnehmer der Schlacht selbst ausgesagt hatten, dass die Treffer der schweren Geschütze für mehr Panik gesorgt haben, wurde nach der Schlacht die Mittelartillerie für eine gewisse Zeit wohl zur Hauptwaffe. Für mich ist die Idee einen 3. Turm nach Vorbild der Brandenburg in jedem Fall schlüssig. Im nachhinein wäre das wohl auch die bessere Alternative gewesen. Als Machbarkeits-Studie in jedem Fall interessant.
Welche Auswirkungen hätte so ein Schiff wohl auf die weitere Entwicklung der deutschen Flotte gehabt, und hätte das wohl Reaktionen im Ausland gegeben?
 

Smutje Peter:
Hallo Sven

Du hast ja alternativ je eine Variante mit 2 bzw 3 Expansionsmaschinen gezeichnet. Bei der Variante mit 2 Wellen sind unterhalb der Kondensatoren 2 kleinere Maschinen eingezeichnet. Sind die für die Stromerzeugung gedacht? 

Sven L.:
Hallo apo,


--- Zitat von: apendics.de.ore am 21 September 2019, 10:26:56 ---Der Bestreichungswinkel des Mittelturmes und dessen Position, standen oft als "Unausgewogen" im Lastenheft der Praxis.
Ich vermute, dass der nächste Schritt in eine Unterbringung der Kolbenmaschinen zwischen Turm B und C gegangen wäre und
bei vorhandenen Mitteln, eine komplette "Marinekesselanlage" installiert worden wäre. Aus der Überlegung heraus, dass
zwei "Einender" und zwei "Doppelender" eine Leistung von 6000 PSi aufzeigten, vom Gewichtunterschied zum Zylinder-
kessel ganz zu schweigen.

--- Ende Zitat ---

Die Maschinen an sich sind zwischen den Türmen B und C angeordnet.  so wie es aussieht ist der Bestreichungswinkel bei diesem Entwurf größer als der der Brandenburg-Klasse, insbesondere nach vorne. Wenn man aber berücksichtigt das die Flotte wieder mehr und mehr zur Linie zurückgekehrt ist, ist der zu den Seiten beschränkte Richtwinkel durchaus akzeptabel.

Eine ausschließlich aus Marinekesseln bestehende Kesselanlage kann getrost ausgeschlossen werden. Die seinerzeit verbauten Wasserrohrkessel waren eine Mischung (von Schiff zu Schiff) der bekannten Typen. Es wurden sowohl Marine- als auch Thornycroft-Kessel verbaut. Es war eine Phase der Findung. Bei den Großen Kreuzern finden sich noch anderen esseltypen wie z.B. Dürr. So ganz hat man den Wasserrohrkesseln wohl noch nicht vertraut.


Hallo Peter,


--- Zitat von: Smutje Peter am 21 September 2019, 11:00:39 ---Meiner Meinung nach ein sehr ausgewogener Entwurf.  Ich persönlich finde bodrog`s Vorschlag für den 3. Turm durchaus diskutierbar. In der Realität hat wohl der Einfluss von Tirpitz die Überbetonung der Mittelartillerie mit bewirkt. Auch die Schlacht am Yalu dürfte Einfluss gehabt haben, auch wenn Teilnehmer der Schlacht selbst ausgesagt hatten, dass die Treffer der schweren Geschütze für mehr Panik gesorgt haben, wurde nach der Schlacht die Mittelartillerie für eine gewisse Zeit wohl zur Hauptwaffe. Für mich ist die Idee einen 3. Turm nach Vorbild der Brandenburg in jedem Fall schlüssig. Im nachhinein wäre das wohl auch die bessere Alternative gewesen. Als Machbarkeits-Studie in jedem Fall interessant.
Welche Auswirkungen hätte so ein Schiff wohl auf die weitere Entwicklung der deutschen Flotte gehabt, und hätte das wohl Reaktionen im Ausland gegeben?

--- Ende Zitat ---
Die KF-III-Klasse ist Amtsentwurf 1892/94. Somit kommt wohl das Gefecht am Yalu als "Auslöser" nicht in betracht. Da wohl eher die ausländischen Entwürfe - Stichwort: Majestic-Klasse.
Inwieweit Tirpitz um 1892/94 bereits Einfluss auf die deutsche Typ-entwicklung gehabt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich kann mir nicht vorstellen das dieser bereits so groß gewessen ist, auch wenn die Denkschrift IX aus seiner Feder stammt.

Deine letzte Frage habe ich mir auch schon gestellt  :-D , konnte mir diese aber nicht beantworten. Der seinerzeitige Chef-Konstrukteur der Royal Navy war bekanntlich ein Anhänger des "Hail of fire" durch die Mittelartillerie (Quelle: D.K.Brown).


--- Zitat von: Smutje Peter am 21 September 2019, 11:08:10 ---...
Bei der Variante mit 2 Wellen sind unterhalb der Kondensatoren 2 kleinere Maschinen eingezeichnet. Sind die für die Stromerzeugung gedacht? 

--- Ende Zitat ---
Nein. Dies sind zum einen die Kühlwasserpumpe und zum anderen die Luftpumpe.

@ALL:
Die beiden noch fehlenden Deckspläne sind als Anlage beigefügt.

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