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Autor Thema: 1945 in Schweden internierte Besatzungen von Landungsfahrzeugen  (Gelesen 558 mal)

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Offline Darius

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    • Chronik des Seekrieges
Hallo zusammen,

unter  --/>/> https://forum.axishistory.com/viewtopic.php?f=61&t=244368 wird das Bild eines Zeltes einer in Schweden internierten Landungsbootsbesatzung vorgestellt.

Aus Steinen gelegter Text "L-Boot xxx" [xxx= 832? 312? 512? 812?] und die Seitenansicht des Fahrzeuges zeigen m.M. ein Pionierlandungsboot. Mit viel Phantasie könnte es auch die Ansicht einer Siebelfähre der letzten Baureihen sein, doch fehlen die Motorensegmente am Heck.

In der Datenbank haben wir als in Schweden interniert die Siebelfähren 312, 313, 314.

Hat jemand noch eine Idee, welches Fahrzeug auf dem Bild ausgelegt ist?
Waren weitere Fahrzeuge in Schweden interniert?


 :MG:

Darius

Offline SchlPr11

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Re: 1945 in Schweden internierte Besatzungen von Landungsfahrzeugen
« Antwort #1 am: 21 September 2019, 18:23:54 »
Hallo,
das Schema vorm Zelt dürfte Fähre 312 zeigen. Die Fähre hatte mit ihren Schwestern kompakten achteren Aufbau mit Bewaffnung. Somit kam der Antriebstrakt nicht mehr sehr zur Geltung.
Vor einigen Jahren hielt ich in der Nordischen Botschaft in Berlin vor norwegischen Freunden einen Vortrag zur letzten Reise der Fähren 312, 313 und 314 von Paulshafen/lettisch Pavilosta nach Ronehamn auf der Insel Gotland. Ausgelaufen 07./08.05.1945 mit Angehörigen der Armee-Waffenschule der 12. Armee nach Flensburg bestimmt– mittags 09.05.1945 fest in Ronehamn zur Ausschiffung der bei sowjetischen Luftangriffen unterwegs Verwundeten. Reparatur der beschädigten 312 nicht genehmigt. Auf Weisung eines schwedischen Zerstörers weiter nach Kalmar zur Internierung.
Alle an Bord befindlichen Personen dürften mit der bis heute fragwürdiger Entscheidung Schwedens an die UdSSR übergeben worden sein. Insgesamt wurden am 23.05.1945 dazu 3200 Personen registriert.
Mit dem Liberty-Schiff KUBAN verließen am 03.12.1945 insgesamt 1850 Kriegsgefangene Trelleborg. Am 15.12.1945 kamen 318 Verwundete/Selbstverstümmler auf das Lazarettschiff BELOOSTROW, den bis zum Auslaufen am 16.12.1945 nochmals 210 folgten. Am 25.01.1946 holte die BELOOSTROW weitere 234 Verwundete und 145 Balten ab. Mit Glück kam der Rest in die Britische Zone. Die Zahlen spiegeln nicht die damalige Dramatik wieder…!
Alle Fähren hatten Deutz-Endschiffe. Bewaffnet waren die drei Fähren je mit einer 37mm Flak und einen 20mm Vierling – 312 und 314 Vierling an Steuerbord und Einzelflak BB, 313 genau entgegengesetzt angeordnet.
Kennungen bekanntermaßen offen an Brückenfront und achtern geführt, außerdem seitlich.

Nach ADM 228101, eingesehen vor einigen Jahren von mir in Kew, wurden in Kalmar die Fähren zur Abgabe an die UdSSR erfasst. Ähnlich den deutschen Internierten in Schweden, gingen ihre Schiffe des jetzt sowjetischen Machtbereiches gen Osten. Für 312, 313, 314 ist der 13.09.1945 als Ausreisedatum von Kalmar genannt!

Durch die Hilfe unseres Freundes Vladislav lässt sich die Spur der Fähren im Baltikum, erstmalig für uns und sogar im Foto, so weiterverfolgen:

13.10.1945
alle drei zusammen ins sowjetische staatliche Register eingetragen, Reparatur der Rümpfe und Maschinenanlage der „Amphibienfähren“ 313, 314 und 315 (dann später in 312 korrigiert)

PRAAN Nr. 1 ex: 313
02.11.1945
in Dienst gestellt
03.11.1945
mit Schiffsschein Nr. 32 ins Schiffsregister des Handelshafens Tallinn eingetragen
01.01.1946
als Fähre nach Saarema zwischen Virtsu und Kuivastu bis ca. 1958 eingesetzt

PRAAN Nr. 2 ex: 312
30.10.1945
Beginn von Konservierungsarbeiten
18.01.1947
im Sturm im Fischereihafen Tallinn losgerissen und bei Pirita gestrandet
01.01.1950
aus der Technischen Flotte gestrichen

314
20.10.1945
Bei Rettung des Dampfers MAIA in der Kopli-Bucht von Tallinn durch seitliche Kollisionen leckgeschlagen und gesunken. Keine Angaben über Bergung oder mögliche Verschrottung


In ADM 228101 noch diese weiterführenden Angaben aus ca. 10.1945 zum Status dieser MFP zwecks Übernahme in die DB:

F 517
Sowjetische Verhandlungen mit Schweden zur Übernahme des Wracks - offensichtlich nicht durch Ari-Beschuss versenkt, sondern in Südschweden gestrandet
F 197
bereits verschrottet und Materialerlös zu Gunsten Schweden gutgeschrieben.

Bezügl. der deutschen Schiffe mit späterer Abgabe an die UdSSR läuft gegenwärtig noch die Aktenauswertung und Interpretation bei mir.


Die Fotos zeigen Fähre 312 auf dem Weg nach Gotland, aufgenommen von Fähre 314 (Sammlung Reinhard Kramer) aus und PRAAN Nr. 1 ex: 313 in verschiedenen Stadien der 1950er Jahre (Sammlung Vladislav Zhdanow)

REINHARD

Offline Darius

  • Boardinventar
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    • Chronik des Seekrieges
Re: 1945 in Schweden internierte Besatzungen von Landungsfahrzeugen
« Antwort #2 am: 21 September 2019, 21:48:25 »
Danke Reinhard für die Bestätigung, die viele neuen Informationen und Fotos - auch an Vladislav!


 :MG:

Darius

Offline Aquarius

  • Fähnrich
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  • Beiträge: 219
Re: 1945 in Schweden internierte Besatzungen von Landungsfahrzeugen
« Antwort #3 am: 23 September 2019, 18:51:55 »
Dem Dank an Reinhard kann ich mich nur anschließen.

Höchst interessante Bilder.  Auf Bild 1 und 2 sieht es so aus als ob 312 hinter dem Steuerhaus einen mehreckigen Flakstand aus geraden Holz/Sand/Holz Wänden geführt hat. So eine Konstruktion habe ich bisher noch auf keiner anderen Fähre gesehen. Wäre toll wenn noch weiter Bilder auftauchten.
Die Bilder von Praan Nr1 zeigen, das man bei der Rumpfüberholung möglicherweise sogar neue Rümpfe gebaut hat.  Wahrscheinlicher aber scheint mir, dass man einfach eine neue geschweißte durchgängige Seitenwand auf die alten Pontons aufgeschweißt hat. Es sind nämlich keine Pontongrenzen mehr erkennbar, die vormals gerundete Kante der Vorderkaffe ist einem geraden Knick gewichen und es sind keine oberen Verbindungsschlösser mehr erkennbar. Auch die typischen Steckrelinge sind nicht mehr vorhanden. Die Deutz-Endschiffe sind kaum verändert, da fragt man sich ob der neue Schornstein nur ein Ofenabzug war.

Aquarius