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Spin-Off (I): Panzerschiff „A“ und seine Vorentwürfe

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Sven L.:
Spin-Off (I): Panzerschiff „A“ und seine Vorentwürfe

Angeregt durch den Thread über G. Sandhofer, Panzerschiff „A“ und seine Vorentwürfe und Details entstandenen Diskussion, dachte ich mir dem Panzerschiff in der von Forumskollegen Bergedorf vorgeschlagenen Variante als Küstenpanzerschiff ein Gesicht zu geben.
Beim nachfolgenden Entwurf habe ich mich ebenfalls von einem geplanten, aber nie gebauten, schwedischen Vorentwurf inspirieren lassen. Dieser ist nicht unähnlich den deutschen Panzerschiffe, mit Ausnahme der Positionierung der Mittelartillerie.
Strategische Überlegungen der Marineleitung
Im Vordergrund steht zunächst das Ostseeproblem, also die sichere Verbindung mit Ostpreußen und der Schutz der langgestreckten Ostseeküste. Hieraus ergibt sich:
>>Bei Bedrohung der Seeherrschaft in Nord- und Ostsee sollen alle Seestreitkräfte und Kriegsmittel der Marine in der Ostsee eingesetzt werden, da der Kampf hier aussichtsreicher ist. Die Verteidigung der Nordseeküste soll überwiegend in der Hand der lokalen Küstenverteidigung liegen.<<
In Kenntnis hiervon gibt die Heeresleitung zu bedenken, das im Kriegsfall Deutschland auf Zufuhren aus Übersee angewiesen ist, woraufhin die Marineleitung ihre strategischen Überlegungen dahingehend ändert:
>>Die Sicherstellung der Überseezufuhr ist für Deutschland in seiner jetzigen Lage kriegsentscheidend. Sie ist die Hauptaufgabe der Seekriegsleitung. Sie verliert auch dann nicht an Bedeutung, wenn die Ostsee unmittelbar bedroht wird. Zwar muss die Flotte alsdann vom Handelsschutz abgezogen und an den Ostseeeingängen eingesetzt werden; die Zufuhr aber läuft weiter und wird aus der auf dem Nordseekriegsschauplatz dann eingetretenen Entlastung Nutzen ziehen.<<
Daraus ergibt sich als Aufgabe der Seekriegsführung:
I)   Schutz der eigenen,
II)   Kampf gegen die feindlichen Seeverbindungen
Bei der Bekämpfung gegnerischer Seeverbindungen sind drei Operationsziele vorgesehen: Unterbrechung des Seeverkehrs
1.   Frankreich – Polen
2.   Störung der Truppentransporte Marokko – Frankreich
und Handelskrieg. Wobei dieser eine weniger wichtige Aufgabe ist.
Aus diesem Aufgabenkatalog ist nun ein Panzerschiff als Ersatz für die vorhandenen alten Linienschiffe zu entwickeln.
Es muss mit der Entsendung von französischen schweren Einheiten in Form der drei Semi-Dreadnoughts der Danton (Voltaire) Klasse, oder der Courbet-Klasse gerechnet werden. Aus diesem Grunde muss der Entwurf eine gewisse Standkraft besitzen. Ebenso muss der Entwurf über eine deutlich höhere Geschwindigkeit verfügen als diese der oben genannten Semi- bzw. Dreadnought-Typen der französischen Marine. Die schwere Artillerie muss auf ein Mindestmaß reduziert werden, um ausreichend Gewicht für die zu installierende Panzerung zu bekommen, damit der Entwurf eine angemessene Standkraft gegenüber den oben genannten französischen Schiffen besitzt. Im Hinblick auf einen möglichen Einsatz im Handelskrieg sollte der Entwurf einen großen Fahrbereich besitzen. Dies lässt sich am einfachsten durch die Installation eines Dieselantriebs realisieren.
Im Endergebnis bin ich folgendes Erscheinungsbild gekommen:


Der Entwurf im Detail:
Außer dem schwedischen Vorentwurf habe ich den deutschen Vorentwurf VI/30 als Ausgangspunkt genommen. Die gewählten Konstruktions-Abmessungen für Länge, Breite und Tiefgang lauten: 140,0 m, 21,2 m und 7,0 m. Es hierbei wird eine Konstruktionsverdrängung von 11.653 t und eine Standardverdrängung von 10.140 t erreicht. Die Antriebsanlage ist dazu in der Lage dem Schiff eine Konstruktionsgeschwindigkeit von rund 24,5 kn zu geben.

Als Antrieb wird wie bei den meisten der deutschen Vorentwürfe eine Dieselanlage vorgesehen. Alternativ ist eine Anlage mit Dampfturbinen gegengerechnet worden. Als Hauptmotor wurde der MZ 32/44 mit 10 Zylinder gewählt. Jeweils vier von diesen arbeiten über Getriebe und Vulkan-Kupplung auf einer Welle. Insgesamt sind zwei Motorensätze vorgesehen. Die Gesamtleistung beträgt 35.440 PSe bei Höchstlast. Die Dauer-Höchstlast beträgt rund 33.000 PSe. Für jeden Motorensatz sind zwei MZ 23/34 mit 9 Zylindern als Hilfsmotoren zum Betreiben der Spülluftturbinen und sonstigen Pumpen die für den Betrieb der Hauptmotoren notwendig sind vorgesehen. Die Abgase der Motoren werden zur Erzeugung von Hilfsdampf ausgenutzt. Mittels Abgas-Hilfskesseln werden rund 16 t/h Dampf von 7 bar Dampfdruck bei 40 Grad vorgewärmten Speisewasser erzeugt. Dieser Dampf kann dann in Seewasserverdampfern dazu genutzt werden aus Seewasser das erforderliche Frisch- bzw. Speisewasser zu erzeugen. Ebenso kann der Dampf zum Betreiben der Heizung, ob direkt, oder zur Erwärmung des Wassers im Heizungskreislauf, verwendet werden.

Der Fahrbereich bei 19 kn beträgt ca. 14.000 sm und bei 15 kn ca. 21.000 sm.

Für den notwendigen Strom sorgen insgesamt acht Hilfsdiesel, zu je 275 kW, die jeweils zu zweit in den vier Motorenräumen aufgestellt sind. An Stromverbrauchern wären zum Beispiel die Ankerwinde, die Rudermaschine, sämtliche Lüfter-Antriebsmotoren sowie alle Leck- und Lenzpumpen, um die wichtigsten Schiffshilfsmaschinen zu nennen.

Bei der Bewaffnung mit schwerer Artillerie wurde dieselbe Anzahl als auch dasselbe Kaliber wie bei den noch in Verwendung befindlichen alten Linienschiffen gewählt. Also zwei Türme mit je zwei Rohren im Kaliber von 28 cm und 52 Kaliberlängen. Die Türme befinden sich je einer am vorderen und einer am hinteren Ende der Zitadelle auf der Mittschiffsachse. Die Mittelartillerie besteht aus zwei Doppeltürmen mit dem Kaliber 15 cm. Diese sind jeweils überhöht zu den Türmen der schweren Artillerie aufgestellt. Ursprünglich und auch noch in der Zeichnung vorhanden, war eine schwere Flak von vier Einzellafetten mit einem Kaliber von 8,8 cm vorgesehen. Diese wurde gestrichen und durch vier zusätzliche 3,7 cm Zwillings-Flak-Lafetten ersetzt.
Insgesamt sind also an Flak acht 3,7 cm Doppellafetten vorhanden. Ebenfalls zur Bewaffnung zählen die Entfernungsmesser. Hiervon sind drei vorhanden. Eines mit 6 m Basis auf dem vorderen Kommandostand und jeweils eines mit 8 m Basis im Vormarsch und eines auf dem achteten Kommandostand. Für die Leitung der Flak sind zwei Flakleitstände vorgesehen, die beiderseits des Schornsteines ihren Platz finden. Durch den Fortfall der 8,8 cm Flak ist trotz der Vermehrung der 3,7 cm Flak, noch etwas Gewicht frei geblieben, um das Gewicht spätere Erweiterungen weitestgehend zu kompensieren. Torpedorohre sind nicht vorgesehen, ebenso wie auf die Installation einer Fluganlage verzichtet wurde.

Die Ausarbeitung der Panzerung hat die meiste Zeit der Entwurfsarbeit beansprucht. Anfänglich war vorgesehen das Panzerdeck ohne Böschungen auszuführen. Im Hinblick auf die französischen Linienschiffe als mögliche Gegner wurde entschieden doch eine um 20 Grad geneigte Böschung vorzusehen. Das waagerechte Panzerdeck ist mit 60 mm und die Böschungen mit 80 mm gepanzert. Der Gürtelpanzer ist gestaffelt. Der Hauptteil ist in Höhe von 1,5 m mit 240 mm gepanzert. Um dem Unterwasserschutz zu verbessern ist dieser nach unten um 1,26 m verlängert, jedoch auf 80 mm getäpert. Oberhalb des Hauptgürtels verlängert sich dieser um 2,01 m und ist ebenfalls auf 80 mm getäpert. Das Batteriedeck wird durch einen 40 mm starken Zitadellpanzer geschützt. Der gesamte Seitenschutz ist um 12 Grad geneigt ausgebildet. Ebenso das Torpedoschott, welches 40 mm stark ausgeführt ist. Die Zitadelle wird jeweils vorn und hinten durch gepanzerte Querschotten begrenzt. Diese sind oberhalb mit 100 mm und unterhalb des Panzerdecks mit 40 mm gepanzert. Der Bug- und Heckpanzer, als auch die Panzerdecks im Bug und Heckbereich, sind mit jeweils 40 mm gepanzert. Die Panzerdecks haben eine Böschung in gleicher Dicke. Oberhalb des Zitadell-Panzerdecks verlaufen zwei Splitterlängsschotten mit 20 mm Stärke. Das Oberdeck ist mit 18 bis 20 mm geschützt. Dessen Gewicht zum Schiffskörpergewicht gezählt wird, weil dieses als der obere Abschluss des tragenden Systems, in einfachem Schiffsbaustahl ausgeführt ist.

Als Etatmäßige Besatzung werden ~910 Mann angenommen.

Insgesamt ist dies ein allen Anforderungen entsprechender Entwurf. Die Beherrschung der Ostsee, Schutz der Nordseeküste, einschließlich des erforderlichen Konvoischutzes in der Nordsee, als auch, gegeben durch den Dieselantrieb, ein großer Fahrbereich, der es ermöglicht Handelskrieg zu führen.  Zusammen mit anderen Einheiten der Reichsmarine, organisiert in ausgewogenen Kampfgruppen, sollten alle geforderten Aufgaben gelöst werden können.

Anlagen:
Zeichnung mit Drauf- und Seitenansicht, Decksplan des unteren Plattformdecks, Hauptspant- und Spantenriss. Im Maßstab 1:125
Excel-Datei mit Berechnung der Gewichtsgruppen

Bergedorf:
Moin Sven,

super Entwurf! Hübsches Schiffchen!

Ich hätte aber auf den großen Fahrbereich verzichtet, da Handelskrieg m.E. durch Handelskreuzer ausreichend geführt werden könnte.

Bei der Panzerung hätte ich gedacht das mehr drinne ist. Hast Du eine Einschätzung gegen welche Bombengröße die Deckpanzerung schützt? Da die Schiffe je im Einsatzraum feidlicher Luftwaffen fahren müssten, wäre mir ein guter Schutz gegen Bomber recht wichtig.

Vielen Dank für Deine Mühe den Entwurf zu basteln.

Gruß

Dirk

Sven L.:
Hallo Dirk,

die Diesel haben außer das sie dem Schiff einen großen Fahrbereich bescheren noch andere Vorteile.

Das andere muss ich mal nachgucken. Hier im Forum wurde mal etwas über Bomben und Durchschlagskraft gepostet.

bodrog:
die Franzosen habe in den 20ern auch noch einige recht schwer bewaffnete wie leidlich schnelle Panzerkreuzer (die sind mit zu denken)

Sven L.:
Danke für den Hinweis bodrog. Gegen diesen, wie gegen die Washingtonkreuzer, bietet der vorliegende Entwurf genügend Schutz.

Das die französische Flotte eine absolute Überlegenheit gegenüber der deutschen besaß, brauchen wir nun nicht weiter erwähnen. Einen möglichen Krieg hätten wir schon verloren, bevor auch nur der erste Konvoi aus England abgegangen wäre.

Darum ist der obige Entwurf auch nur eine nette Gedankenspielerei.  :-D

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