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Autor Thema: Suche Experten,Thema Kommando d. Volksarmee,Seestreitkräfte,-Sperrbücherei  (Gelesen 627 mal)

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Offline bazibos

  • Matrose
  • *
  • Beiträge: 1
Hallo zusammen,

als erstes möchte ich mich vorstellen.
Ich bin Hans und als "baziboss" hier angemeldet.

Ich Grüße alle zusammen und finde es immer toll, daß es so viele Leute gibt, die dazu beitragen, daß solche Foren funktionieren.Dafür ein GROSSES DANKE :TU:)

Ich suche einen Experten zum Thema "Kommande der Volksmarine bzw Kommando der Seestreitkräfte".
Ich habe nun bereits ein Jahr recherchiert und Informationen in mehreren Foren,Privatpersonen und von allen Bundeseinrichtungen, zb Bundeswehr,Nachlassverwaltung der Volksarmee,SED Nachlassverw. und viele andere  angefragt. Leider ohne Ergebnis.

Meine große Hoffnung ruht nun auf dieses Forum.
Ich bin Sammler und im Besitz eines seltenen Buches bzw Heftes.

Dieses Heft hat zwei Stempel.

Einmal "Sperrbücherei des Kommandes der Seestreitkräfte"
und einmal "Sperrbücherei Kommandes der Volksarmee".

Ich suche nun etwas zum Begriff "Sperrbücherei".
Man kann sich natürlich denken für was die genau da war aber ich würde gerne konkreteres dazu erfahren.
Das seltsame und aussergewöhnliche ist,daß bisher ich noch nicht einmal jemanden gefunden habe, dem dieser Begriff überhaupt bekannt ist und ich habe bei Personen angefragt die beruflich damit zu tun haben oder hatten oder auch selbst Mitglieder der Seestreitkräfte waren.

Wer kann mir hier weiterhelfen, Tipps geben oder jemanden nennen, der dazu etwas wissen könnte?

Vielen herzlichen Dank an alle. :TU:)



Offline bettika61

  • Boardinventar
  • *
  • Beiträge: 4599
Hallo Hans,
der Begriff "Sperrbücherei" in der DDR wird hier und hier erläutert.
« Letzte Änderung: 16 März 2019, 10:41:50 von bettika61 »
Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

Offline der erste

  • Fregattenkapitän
  • *
  • Beiträge: 1467
Wie heißt denn das Buch/Heft? In den mir bekannten Bibliotheken (OHS der VM in Stralsund, Militärakademie in Dresden) wurden in erster Linie Periodika und Bücher aus dem NSW Bereich aufbewahrt, die sich mit militärischen Themen beschäftigten und nicht frei in der DDR zu kaufen waren und sicherlich auch teilweise verboten waren. Zum Beispiel waren das Janes Nachschlagewerke, Flottenweyer, Marinerundschau und andere, aber auch Memoirenliteratur von ehemaligen Heerführern der deutschen Wehrmacht- Manstein, Dönitz  und andere. Das es so eine Bibliothek auch im Kommando gab ist nachvollziehbar. Auf der anderen Seite war auch sowjetische Literatur etwas eingeschränkt. Um das Abonnement für die Zeitschriften "Morskoi Sbornik" und "Ausländische Militärrundschau" zu bekommen, benötigte ich die Genehmigung meines Brigadechefs. in der SU waren diese ganz normal zu beziehen. So war das eben.
« Letzte Änderung: 16 März 2019, 14:33:00 von der erste »

Offline hillus

  • Kapitän zur See
  • *
  • Beiträge: 2155
Moin,

Sperrbücherei ist mir als Terminus so noch nicht bekannt. Da haben sich kluge Leute wieder etwas ausgedacht, um sich von anderen Bibliotheken zu unterscheiden.

In der DDR gab es in jeder Bibliothek die sogenannte Sperrliteratur. Der Name sagt es schon ganz deutlich. Diese Literatur in Form von Büchern, Zeitschriften, Fotos, Filme etc. war für einen großen Teil der Leser gesperrt und damit nicht frei zugänglich. Es handelte sich dabei, wie der erste schon schrieb, um Literatur etc. aus der "nicht sozialistischen Welt", damals kurz NSW genannt. Hinzu kam auch Literatur aus der damaligen Sowjetunion und der anderen Länder des Warschauer Vertrages. Die Auswahl dessen, was als Sperrliteratur gelten sollte, war zum Teil vom Subjektivismus der Personen abhängig, die dann den Stempel eindrückten. Letztlich ist das alles nur eine Form der damaligen Abgrenzung des Sozialismus vom Kapitalismus, was bis hinein zur Veränderung des Terminus der DEUTSCHEN NATION verwirklicht wurde.
Es gab noch eine zweite Seite, die unseren Horizont für die damalige Zeit erweitert. Ähnlich dem Stempel SPERRLITERATUR in den Büchern gab es noch den Stempel "Nur für wissenschaftliche Arbeiten". Hier wurde tüchtig getrickst, denn den Nachweis für eine wissenschaftliche Arbeit, um damit an Sperrliteratur heranzukommen, war nicht so schwer zu realisieren. Aber die Genehmigung half auch nur selten, denn die Entscheidung traf immer die jeweilige Bibliothekskraft und tw. der Bekanntheitsgrad des Antragstellers. Also wieder Subjektivismus. Allerdings unterschieden sich die Bibliotheken in der DDR in der Handhabung des Gebrauchs von Sperrliteratur und wissenschaftlicher Arbeit recht deutlich.

Fazit: Der Inhalt der Begriffe Sperrbücherei oder "Nur für Wissenschaftliche Arbeiten" ist gleich. In beiden Begriffen geht es um die Ausschaltung des DDR-Bürgers vom Wissen und den Geschehnissen in der damaligen westlichen Welt, sprich NSW, dabei besonders im Militärwesen, dem tatsächlichen Inhalt des Begriffs Demokratie und letztlich der Verschleierung der Verbrechen der kommunistischen Länder an ihrer Bevölkerung.

Bis bald!
hillus


Offline hillus

  • Kapitän zur See
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  • Beiträge: 2155
Nachtrag,

wer heute die Lust und die Zeit hat, in dieser alten Welt zu recherchieren, der ist hier Bibliothek der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation, Strausberg gut aufgehoben. Dort wird er in alter Literatur, vor allem die früher in der Militärbibliothek in Dresden stand, diese Stempel finden.

hillus

Offline kalli

  • Co Administrator
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  • Beiträge: 7695
Im Großen und Ganzen stimme ich Hillus zu. Ergänzen möchte ich folgende Faktoren:
Zu dieser Literatur gehörten auch die meisten zwischen 1933 und 1945 erschienen Bücher und Zeitschriften. Bei Fachliteratur naturwissenschaftlichen und technischen Inhaltes sah die Sache allerdings anders aus.

Auch Fachliteratur aus der Bundesrepublik war relativ leicht zugänglich und konnte ausgeliehen werden. In meinem Fall z. B. Der Deutsche Drucker, REFA-Nachrichten, Photographie- und Reprotechnik u.s.w. Schwieriger war es bei wirtschaftswissenschaftlicher Literatur. Es war  für mich mit entsprechender Begründung aber möglich, im Rahmen der Arbeit an meiner Dissertation einen „Giftschein“ zu bekommen. Gelesen hat man dann in einem gesonderten Leseraum. Die Verfahren waren nicht statisch und wurden in den sechziger/siebziger anders als in den achtziger Jahren gehandhabt. Wie bei so vielen anderen Dingen galt in der DDR: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
« Letzte Änderung: 17 März 2019, 14:29:28 von kalli »

Offline hillus

  • Kapitän zur See
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  • Beiträge: 2155
Mein lieber Kalli,

genauso sehe ich das auch, wobei ich die Zeit 1933 bis 1945 nicht auf dem Schirm hatte, aber Du hast gut ergänzt.

Das mit dem Giftschein war gut!

Schönen Sonntag!

Jochen