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Autor Thema: KL Heidel U 55  (Gelesen 3156 mal)

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Offline Teddy Suhren

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  • Jörg K.
Re: KL Heidel U 55
« Antwort #15 am: 08 März 2019, 21:26:03 »
Hai

Die Erklärung zum Spitznamen "Wilder Moritz" ist im Buch "Die Versorger" über mehrere Seiten im Gesamtlebenslauf von Wilamowitz zu finden. Seite 23 - 27.
U.a. Mitglied im Wehrwolf (1924), Teilnahme an Sprengstoffanschlägen auf Finanzämter (1930) und deswegen Verurteilung zu 5 Jahren Zuchthaus (1930).

Offline Arche

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Re: KL Heidel U 55
« Antwort #16 am: 09 März 2019, 11:12:55 »
Hier ist noch ein kleiner Überblick, wie die Untersuchungsakte aufgebaut war

Todesermittlungsverfahren
- tödlicher Unfall
- Selbstmord
- Selbstmordversuch

Es wurde ein Tatbericht erstellt und Zeugen vernommen. Beweissicherung (z.B. Abschiedsbrief)
Bei Selbstmord gab es einen speziellen Fragebogen. Derr Vorgesetzte musste diesen Fragebogen ausfüllen. Gefragt wurde nach Religion, Alkoholgenuss, Erkrankungen in der Familie, chronische Erkrankung.

Danach wurde der Abschlußbericht.


Offline Götz von Berlichingen

  • Fregattenkapitän
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Re: KL Heidel U 55
« Antwort #17 am: 09 März 2019, 12:22:01 »
Gewisse Achtung genießt bei mir GFM Paulus. Er hat sich eben nicht mit den insgeheim geforderten Freitod (,,Noch nie ist ein deutscher Generalfeldmarschall lebend in Kriegsgefangenschaft gegangen"), aus der Verantwortung gestohlen, obwohl viele Angehörige der vor Stalingrad Gebliebenen verflucht haben, unter anderem meine Oma.

Der nun gerade nicht.
Man kann schwerlich die eigene - ich will es nicht "Feigheit" nennen, sagen wir den eigenen Selbsterhaltungstrieb - als "Heldentat" verkaufen, wenn man gleichzeitig viele Zehntausende der ihm unterstellten Soldaten zu einem grausamen Tode verurteilt hat, weil man den schweren Entschluß zum Ausbruch auch gegen obersten Befehl und mit äußerst ungewissen Erfolgsaussichten nicht fassen wollte (anders als z.B. der heute verachtete Hausser als Kommandierender General des SS-Panzerkorps, der im Februar 1943 Charkow gegen ausdrücklichen Führerbefehl räumte) und auch nicht kapitulieren wollte.

Mit der Beförderung zum Generalfeldmarschall war wohl bei Hitler die Erwartung verbunden, Paulus würde nicht in Gefangenschaft gehen (so wie Model, der sich im März 1945 im Ruhrkessel erschoß mit der Begründung: »Ein deutscher Feldmarschall geht nicht in Gefangenschaft. So etwas gibt es einfach nicht.«).
Allerdings widersprechen dieser als angebliches Widerstands-»Heldentum« verkauften Tat die unsäglichen Verhaltensweisen, die sich dieser Herr ansonsten nach der Beförderung zum Feldmarschall geleistet hat: Nicht nur beeilte er sich, diese Beförderung umgehend ins Soldbuch eintragen zu lassen und ließ sich, da die Feldmarschallsschulterstücke mit den gekreuzten Marschallsstäben natürlich in Stalingrad nicht vorhanden waren, einen vierten Stern auf seine Generalobersten-Schulterstücke anbringen und bestand darauf, von den ihn gefangennehmenden Sowjets als "Feldmarschall" angesprochen zu werden.
Im Hinblick auf die Tragödie der 6. Armee ein unglaubliches Verhalten.

Wäre es ihm um "Widerstand gegen unsinnige Führerbefehle" und um seine untergegangene Armee mitsamt der Hunderttausend Toten gegangen, hätte er auf diese Farce verzichtet und wäre aus Protest in seiner Generalobersten-Uniform in Gefangenschaft gegangen.

Aber zurück zum Thema Heidel:

Ich hatte ja die Frage gestellt, ob die warnungslose Versenkung der beiden Norweger nicht evtl. gegen Kriegsrecht verstoßen hatte (die beiden Schweden transportierten zwar Bannware, aber das konnte Heidel ja nicht wissen, da er sie ja nicht angehalten hatte).
Ich weiß momentan nicht, ab wann die Gewässer um GB als Sperrgebiet erklärt wurden, womit ein solches Vorgehen evtl. gerechtfertigt gewesen sein könnte.
Möglicherweise könnte in diesen Versenkungen ja ein Motiv dafür liegen, daß Heidel nicht in Gefangenschaft gehen wollte?
»Jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: In der ersten wird es lächerlich gemacht, in der zweiten bekämpft, in der dritten gilt es als selbstverständlich.«  Arthur Schopenhauer

Offline suhren564

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Re: KL Heidel U 55
« Antwort #18 am: 09 März 2019, 14:06:11 »
Zitat
Aber eine Frage zu den Versenkungen von U 55:

Zwei der offenbar ohne Warnung per Torpedoschuß versenkten Schiffe waren Neutrale, die auch keine Bannware befördert haben dürften:

Telnes   NOR   19.01.1940   60° 00' N, 4° 00' W Marinequadrat AN 13   New York - Rotterdam - Antwerpen   keine Überlebenden
Segovia   NOR   22.01.1940   58° 00' N, 8° 45' W Marinequadrat AM 37   Lissabon - Porto - Bergen - Oslo   keine Überlebenden

Chronik des Seekrieges
2.– 4.10.1939
allgemeine Lage / Deutschland
Zitat
Zunächst Freigabe des Waffeneinsatzes deutscher Kampfmittel gegen abgeblendete Schiffe in begrenzten Gebieten um England und in der Biskaya. Ab 4.10. Freigabe des vollen Waffeneinsatzes gegen bewaffnete alliierte Handelsschiffe.

ebenso Chronik
26.1.1940
Nordsee/Kanal/Nordatlantik
Zitat
Deutsche Seekriegsleitung befiehlt verdeckte Angriffe ohne Warnung gegen Handelsschiffe (außer amerik., japan., ital., span., sowjet. Nationalität) östl. Schottland, im Ärmelkanal und im Bristolkanal. Der verdeckte Angriff soll bei Erfolgen den Anschein erwecken, es handele sich um Minentreffer.

Beide Befehle betreffen auch neutrale Schiffe, wobei Heidler seine Opfer schon versenkt hatte, als die 2. Weisung noch nicht gegeben war.
Natürlich wäre die unrechtmäßige Versenkung von 2 neutralen Schiffen ein Grund, sich der Verantwortung zu entziehen.
Gruß Ulf

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Erich Kästner

Offline wirbelwind

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Re: KL Heidel U 55
« Antwort #19 am: 09 März 2019, 17:28:59 »
Hallo,
obwohl hier das Forum des Marinearchivs ist,noch doch kurz ein paar Worte zu Paulus. Das er ein Zauderer war und kein Truppenführer, wie bspw. Model, Manstein oder Hausser, ist allgemein bekannt. Als Generalstabsoffizier, der vorher nie ein Truppenkommando hatte, übernahm er als Stabschef gleich eine Armee. Dafür besass er keine Eignung. An der Stalingrader-Tragödie haben in meinen Augen viele Anteil. Selbst Manstein unterließ es, den Ausbruchsbefehl zu erteilen, obwohl ihm das Zaudern von Paulus bekannt war und er machte sich nicht gegenüber Hitler stark, als es um die notwendigen Verbände für die Entsatzoperation ,,Wintergewitter" ging. Der Stabschef der 6. Armee, Generalleutnant Schmidt, spielt bei den ganzen Vorgängen im Stalingrader Kessel eine ungute Rolle. Ob sein Selbsterhaltungstrieb Paulus letztendlich davon abhielt, Selbstmord zu begehen, kann ich mit letzter Sicherheit nicht widerlegen, weil die Literatur, die ich dazu gelesen habe, es nicht hergibt. Vielleicht rührt der Ingrimm über Paulus auch zum Teil daher, dass er nach Kriegsende und Kriegsgefangenschaft in Dresden an der ehemaligen Kriegsschule in der sowj. Besatzungszone lehrte, ehe er 1957 verstarb.
MfG Wirbelwind

Offline suhren564

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Re: KL Heidel U 55
« Antwort #20 am: 09 März 2019, 18:08:29 »
.Vielleicht rührt der Ingrimm über Paulus auch zum Teil daher, dass er nach Kriegsende und Kriegsgefangenschaft in Dresden an der ehemaligen Kriegsschule in der sowj. Besatzungszone lehrte, ehe er 1957 verstarb.
MfG Wirbelwind

Lt. Wikipedia
Zitat
Einflussreiche Positionen wurden ihm in der DDR nicht übertragen, seine offizielle Funktion war Leiter des Kriegsgeschichtlichen Forschungsrates an der Hochschule der Kasernierten Volkspolizei.
Sein ehemaliger Adjudant war da mehr involviert.
Gruß Ulf

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Erich Kästner

Offline Urs Heßling

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Re: KL Heidel U 55
« Antwort #21 am: 09 März 2019, 19:42:46 »
moin,

Heidel war nicht der einzige, der diese Entscheidung traf.

Bekannte Namen :
KAdm Yamaguchi, IJN, Befh. 2. Trägerdivision, auf Hiryu am 5.6.1942
Adm Tom Phillips, RN, Befh. Force Z, auf Prince of Wales, am 10.11.1941
Capt. John Leach, RN, Kommandant Prince of Wales, dito
Capt. (Handelsmarine) Rudolph Sharp, Kapitän der Laconia, am 12.9.1942

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline suhren564

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Re: KL Heidel U 55
« Antwort #22 am: 11 März 2019, 18:26:56 »
Hallo Urs,
Klar gab es eine Anzahl weiterer Offiziere / Admirale, die in den Freitod gingen. Für mich stellt sich aber die Frage der " Nützlichkeit " bzw.der Notwendigkeit.
Es gab mWn einen amerikanischen Stabsoffizier, der von Erfolgen der alliierten Code - Knacker Bescheid wußte. Er ging freiwillig mit einem U-Boot unter, weil er nicht sicher war, dieses Geheimnis unter Folter nicht zu verraten.
Gruß Ulf

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Erich Kästner

Offline Urs Heßling

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Re: KL Heidel U 55
« Antwort #23 am: 11 März 2019, 20:41:54 »
moin,

Es gab mWn einen amerikanischen Stabsoffizier, der von Erfolgen der alliierten Code - Knacker Bescheid wußte. Er ging freiwillig mit einem U-Boot unter, weil er nicht sicher war, dieses Geheimnis unter Folter nicht zu verraten.
Ja https://en.wikipedia.org/wiki/John_P._Cromwell

Gruß, Urs
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