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Autor Thema: Auswirkungen von Tsushima und Falkland auf die deutsche Strategie zur See  (Gelesen 703 mal)

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Offline Mineur

  • Matrose
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Moin Allerseits,

ich bin Christian, 29, aus Bremerhaven. Ich untersuche für einen Vortrag die Auswirkungen der Seeschlachten von Tsushima und Falkland auf die Strategien der deutschen Marinen. Ich hoffe, ihr könnt mir ein paar weitere Anregungen geben und mich ggf. auf Fehler hinweisen.  :wink:
Ich selbst bin keine Historiker. Deshalb bitte ich um Entschuldigung, falls ich hier grobe Fehler eingebaut habe.

Bei Tsushima traf das 2. Pazifische Geschwader der Russen auf die japanische Flotte. Die russischen Schiffe waren wegen des langen Transits und der schwierigen Versorgungslage in einem technisch schlechten Zustand. Die Höchstfahrt der Einheiten war deshalb, und auch wegen der mitgeführten Hilfsschiffe sehr gering. Außerdem haben die Russen während des Transits kaum Übungsschießen durchgeführt, sodass die Artilleristen bei der Bedienung der Geschütze sehr langsam und unsicher waren. Die Reichweite der russischen Geschütze war geringer, als die der japanischen Geschütze. Die Japaner nutzten in der Schlacht diese Vorteile.
Als Folge dieser Lehren, wurde die Entwicklung der All-Big-Gun-Ships vorangetrieben. Schlachtkreuzer, Schlachtschiffe und Dreadnoughts entstanden.

Der russische Befehlshaber, Vizeadmiral Rožestvenskij, hat nie zuvor eine Flotte befehligt. Besatzungsmitglieder beschrieben ihn als Choleriker und stellenweise als unfähig. Der deutsche Admiralstab hat ihn als sehr fähig und streng beschrieben. Sein Gegenüber, Vizeadmiral Togo, hatte bereits in Chinesisch-Japanischen Krieg gekämpft und seine Flotte bei der Eroberung Port Arthurs befehligt. Er hat die Mehrheit seiner Admirale ausgebildet. Das Verhältnis war durch inniges Vertrauen geprägt. Hier würde ich folgende Vermutung äußern: Der deutsche Admiralstab war in seinem Standesdenken gefangen und wollte/konnte dadurch nicht erkennen, dass Admiral unfähig oder für einen Auftrag ungeeignet sein können. (Wenn ich dazu noch eine Quelle hätte, wäre das schön)

Der Kampfgeist auf den russischen Schiffen war sehr schwach. Revolutionäre wurden vom russischen Festland auf die Schiffe befohlen, damit sie zu Hause kein Unheil anrichten können. Auf den Schiffen führte das allerdings bald zu einer revolutionären Stimmung. Außerdem glaubten viele der russischen Offiziere selbst nicht an den Sieg und hofften, nicht auf die japanische Flotte zu treffen. In den folgenden Kriegen mit deutscher Beteiligung zeichneten sich die Deutschen immer mit einem enormen Kampfgeist aus.

Im Russischen Marineamt herrschten Korruption und Amtsschimmel. Hier fanden Fehleinschätzungen statt. So wurde die japanische Flotte unterschätzt und man rechnete damit, dass die Japaner, wie auch in der Vergangenheit, nicht mit der gesamten Flotte zum Gefecht bereitstehen. Außerdem hätte das 2. Pazifische Geschwader zurückgerufen werden müssen, als Port Arthur fiel. Stattdessen wurde der Auftrag geändert. Das Geschwader sollte nun nach Wladiwostok, in unmittelbarer Nähe zu den japanischen Hoheitsgewässern, durchbrechen. Eine Folge dessen könnten erhöhte Anstrengungen bei der Aufklärung sein. Hier habe ich aber auch keine Quelle.

Die russische Flotte war über drei Meere verteilt. Die Baltische Flotte konnte zunächst nicht nach Ostasien verlegen, da die Haltung Großbritanniens unklar war. Die Schwarzmeerflotte durfte wegen des Londoner Abkommens die Dardanellen nicht befahren und war im Schwarzen Meer gefangen. Die Ostasienflotte war auf drei Stützpunkte verteilt, die nach und nach von der japanischen Flotte zerstört wurden. Daraus hätte die Kaiserliche Marine lernen müssen, dass eine Konzentration der Streitkräfte vorteilhaft ist.


Nun zu Falkland:
Vizeadmiral v. Spee wurde mit seinem Ostasiengeschwader nach Hause befohlen worden. Den Transit über den Pazifik nutzte er für zahlreiche Übungen. Bei Coronel traf er schließlich auf Konteradmiral Cradock. Spee hat Cradocks Geschwader ohne eigene Verluste besiegt. Anschließend Spee keine Munition nachversorgen. Mit ca. 50% Munitionsvorrat fuhr er weiter. Sein Auftrag war ihm relativ unklar. Er wollte noch genug "Unfug anstellen". Dass er nicht in die durch die Briten blockierte Nordsee kommen kann, war ihm klar. Der Deutsche Admiralstab unternahm nichts, um Spees Situation zu verbessern. So konnten die Briten die beiden Schlachtkreuzer Invincible und Inflexible entsenden um Spee zu jagen. Die Briten wollten das Ostasiengeschwader um jeden Preis versenken. Bei den Falklandinseln wollte Spee die dortigen britische Küstenfunkstation zerstören und den britischen Gouverneur gefangen nehmen. Dort, in Port Stanley, lag allerdings schon das weitaus überlegene britische Geschwader mit den beiden Panzerkreuzern. Spee, der den Hafen auskundschaften lies und selbst kein Bild von der Lage hatte, befahl schließlich die Flucht, mit den uns bekannten Folgen...
Wie auch bei Tsushima:
- wurde das Geschwader bei den Falklands von der heimischen Führung alleine gelassen. Bei den Falklands kommt noch erschwerend hinzu, dass der Führer Vorort kein genause Lagebild hatte
- war die Versorgungslage unzureichend
- traf man auf einen Feind, der fest entschlossen war zu siegen

Offline Urs Heßling

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moin,

da erwartest Du ja Einiges - und vielleicht zu viel - von uns ..

Aber ohne Kommentare soll Dein Beitrag auch nicht bleiben ..

Hier würde ich folgende Vermutung äußern: Der deutsche Admiralstab war in seinem Standesdenken gefangen und wollte/konnte dadurch nicht erkennen, dass Admiral unfähig oder für einen Auftrag ungeeignet sein können. (Wenn ich dazu noch eine Quelle hätte, wäre das schön)
Eine mögliche Hintergrund-Quelle ist https://www.perlentaucher.de/buch/albert-hopman/das-ereignisreiche-leben-eines-wilhelminers.html , Hopman, selbst Admiralstabsoffizier, schreibt freimütig uber Fähigkeiten und Unfähigkeit deutscher Admirale

Der Kampfgeist auf den russischen Schiffen war sehr schwach.
Das kann man mW nicht so verallgemeinern und so nicht schreiben. Die Besatzungen der russischen Schiffe kämpften, meistens bis zum Untergang ihres Schiffs. Es kam auch immer auf die Führung, sprich den Kommandanten, an, ob er seine Besatzung begeistern und hinter sich scharen konnte

In den folgenden Kriegen mit deutscher Beteiligung zeichneten sich die Deutschen immer mit einem enormen Kampfgeist aus.
uiuiui. :|
Auf den "Kampfgeist" der Kolonialtruppen, die in Deutsch-Südwest zu derselben Zeit einen Ausrottungsfeldzug gegen die Herero und Nama führten, hätte man "verzichten" können.
Dito in Ostafrika beim Maji-Maji-Aufstand ab 1905.
Dito und besonders auf "Kampfgeist", wie er in Massakern während des 2. Weltkriegs zum Ausdruck kam.

Streiche zumindest "auszeichnen", "immer" und "enorm" aus dem Satz

Die russische Flotte war über drei Meere verteilt. .. Daraus hätte die Kaiserliche Marine lernen müssen, dass eine Konzentration der Streitkräfte vorteilhaft ist.
Nein, logisch und inhaltlich.
Die russische Flotte mußte (!) aufgrund der geographischen Situation des russischen Reiches auf alle Randmeere von Europa bis Fernost verteilt werden.
Die deutsche Flotte war (!) in den Randmeeren konzentriert und besaß im Nord-Ostsee-Kanal ein hervorragendes und im Ausland bewundertes Instrument zur Verlagerung des Schwerpunkts von Ost nach West bzw. umgekehrt.
Das deutsche Reich hatte auf die Errichtung von überseeischen Stützpunkten mit Ausnahme Tsingtaus bewußt verzichtet. Es war jedem klar, daß das im Kriegsfall ein entscheidender Nachteil war.


Vizeadmiral v. Spee wurde mit seinem Ostasiengeschwader nach Hause befohlen worden. ... Sein Auftrag war ihm relativ unklar. Er wollte noch genug "Unfug anstellen". Dass er nicht in die durch die Briten blockierte Nordsee kommen kann, war ihm klar.
Das widerspricht sich doch :  "Er war zurückbefohlen worden" aber "sein Auftrag war ihm unklar" ??

Der Deutsche Admiralstab unternahm nichts, um Spees Situation zu verbessern. ...
Nichts ?
Der deutsche Etappendienst zur Versorgung der Schiffe funktionierte.
Die Hochseeflotte führte Angriffe gegen die englische Ostküste, um Kräfte zu binden.
Was hätte der Admiralstab mehr tun können ?
Die britische Überlegenheit war so, daß man die beiden Schlachtkreuzer trotz Bindung in der Nordsee durch die Hochseeflotte detachieren konnte.

Wie auch bei Tsushima: - wurde das Geschwader bei den Falklands von der heimischen Führung alleine gelassen.
So nicht richtig, siehe vorigen Kommentar

Bei den Falklands kommt noch erschwerend hinzu, dass der Führer Vorort kein genause Lagebild hatte
Spee machte wohl den taktischen Fehler, Gneisenau und Nürnberg zur Aufklärung zu schicken.
Eine Aufklärung nur durch die schnelle Dresden, mit dem Geschwader in größerer Distanz, hätte es vor der Vernichtung bewahren können.
Sogar eine sofortige Detachierung der kleinen Kreuzer beim Eingang der Sichtungsmeldung betr. der Schlachtkreuzer anstelle der Sammlung des Geschwaders südöstlich von Port Stanley hätte zumindest Nürnberg und Leipzig vor ihrem Schicksal bewahren können.

- war die Versorgungslage unzureichend
Die Versorgung durch die Etappenschiffe war eigentlich gut (abgesehen von Munition).
Die Tatsache, daß Spee Anfang Dezember fast 3 Tage mit Kohlen aus der Drummuir verbrachte, hat allerdings zum Verlauf der Geschichte, d.h. dem Untergang des Geschwaders, beigetragen.

Gruß, Urs
« Letzte Änderung: 03 September 2018, 12:33:21 von Urs Heßling »
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline Big A

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Urs Anmerkungen ist nur wenig hinzuzufügen.

Die japanische Flotte war hoch ausgebildet und motiviert, sie wollte (siehe z.B. Edgerton; Warriors of the rising sun) beweisen, dass sie technisch aufgeschlossen hatte zum Westen.
Auf russischer Seite waren bereits zu dieser Zeit revolutionäre Bestrebungen erkennbar, z.T. "gärte es in den Mannschaftsdecks". Meist übrigens auf den Einheiten, auf denen sich die Führung durch Privilegien "auszeichnete" (bessere Verpflegung, regelmäßige Gelage, in den Auslandshäfen Bordellbesuche etc)
Auch war die russische Flotte nach einem Vorfall in der Nordsee durch die Royal Navy z.T. regelrecht vorgeführt und ausmanövriert worden, ihr wurde also ihre "Minderwertigkeit" vorgeführt.
Daher konnte de deutsche Admiralsstab auf Grund völlig unterschiedlicher Lagen gar keine spezifischen Rückschlüsse ziehe

Axel
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

Offline Mineur

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Vielen Dank für die Hinweise!
Da werde ich an der ein oder anderen Stelle nochmal recherchieren und auf meine Wortwahl achten müssen.

Offline Teddy Suhren

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Hai

Der erwähnte Vorfall in der Nordsee:
https://de.wikipedia.org/wiki/Doggerbank-Zwischenfall

...vorgeführt, ausmanöveriert und in der ganzen Welt lächerlich gemacht.

Offline mhorgran

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Zitat
In den folgenden Kriegen mit deutscher Beteiligung zeichneten sich die Deutschen immer mit einem enormen Kampfgeist aus.
Zu dem Thema ist das Buch von van Crefeld "Kampfkraft" empfehlenswert. Dabei gehts allerdings um die US-Army und dem deutschen Heer.

Bezüglich Hereroaufstand => https://www.youtube.com/watch?v=gWn_g1aBsAU
Grüße
Stefan

"Die Aufgabe des Journalisten ist es, die Wahrheit zerstören, gerade heraus zu lügen, zu verdrehen, zu verunglimpfen, vor den Füßen des Mammons zu kuschen und sein Land und seine Rasse um sein tägliches Brot zu verkaufen. Sie wissen es und ich weiß es." John Swinton, sinngemäß vor Journalisten 1889[/