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Autor Thema: Buch  (Gelesen 807 mal)

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Offline Leutnant Werner

  • Kapitän zur See
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Buch
« am: 15 Februar 2018, 09:45:13 »
A World at Arms : A Global History of World War II, Cambridge [Eng.]; New York: Cambridge University Press, 1994, revised edition 2005, ISBN 0-521-44317-2.

Das Buch stammt aus der Feder von Gerhard Weinberg.

Hat das irgendjemand mal gelesen? Ich habe nur gehört, es muss ganz gut sein und überlege die Anschaffung...
"Ach, der Schampus....wie unaufmerksam von mir!" (Günther Lamprecht als Kapitän des Versorgers "Vegesack" in "Das Boot")

Offline Götz von Berlichingen

  • Korvettenkapitän
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  • Beiträge: 1044
Re: Buch
« Antwort #1 am: 15 Februar 2018, 17:28:18 »
Was Weinberg zum Kreta-Einsatz im Mai 1941 geschrieben hat, ist wohl eher auf Guido Knopp-Niveau. Allerdings verwundert es nicht, daß das MGFA und gewisse Organe der BRD-Presse solche Schilderungen über den grünen Klee loben.

Gen.Lt. a.D. Dr. Franz Uhle-Wettler (jetzt laufen wohl schon einige Tastaturen heiß nach der Erwähnung seines Namens  :-D ) geht im folgenden Aufsatz im Absatz über »Die PC bei Kreta« darauf ein:

»Die PC bei Kreta

Als letztes Beispiel - nur Beispiel! - einer politisch korrekten Geschichtsschreibung: Wer sich mit der Eroberung Kretas durch deutsche Fallschirm- und Gebirgsjäger 1941 beschäftigt hat, weiß: Unmittelbar nach Ende der Kämpfe hat General Student befohlen, mehrere Dörfer zu zerstören und die erwachsenen Männer zu erschießen (oder: zu ermorden). Das zu schildern ist berechtigt. [39]

Fraglich ist allerdings, wie das Geschehen heute geschildert wird. Typisch ist eine 1993 erschienene Darstellung des Amerikaners Gerhard Weinberg. Weinberg schildert den Kampf um Kreta und schließt urplötzlich den Satz an: “Sofort nach dem Ende der Kämpfe ordnete General Student die völlige Zerstörung kretischer Dörfer an und ließ - angeblich als Vergeltungsakt - unzählige Zivilisten ermorden.” Gründe, und seien es nur “Gründe”, führt Weinberg außer dem kurzen “angeblich als Vergeltungsakt” nicht an - und viele einflußreiche Medien berichten das Geschehen in ähnlicher Weise. [40] Der Leser muß schließen, auf Kreta sei nur Mordlust am finsteren Werk gewesen - bei Student, der die Befehle gab, und bei den Fallschirmjägern, die sie willig vollstreckten.

Zweifel an dieser Darstellung kommt allerdings sofort auf, wenn man betrachtet, wie die Wehrmacht den Krieg gegen Griechenland zu führen versucht und auf dem Festland tatsächlich geführt hat: nachweislich mit fast unglaublicher Ritterlichkeit. Als die griechischen Festungen an der bulgarischen Grenze nach tapferstern Widerstand kapitulierten, stellten die deutschen Truppen der abziehenden griechischen Truppe häufig eine Ehrenkompanie - “Ehren”-Kompanie! - und hißten die deutsche Flagge erst, als die abziehenden Griechen außer Sichtweite waren. [41] Die Kapitulationsverhandlungen wurden noch in den alten, überlieferten Formen geführt: Die Wehrmacht beließ allen kriegsgefangenen Offizieren den Degen - uraltes Symbol der Achtung vor dem Besiegten - und nach Abschluß der Verhandlungen bat Generalfeldmarschall List die griechische Delegation demonstrativ zu einem Essen; eine solche Geste wäre schon 1918 in Compiègne undenkbar gewesen. Sicherlich noch wichtiger: Sämtliche Kriegsgefangenen wurden sofort nach Hause entlassen, mitten im Kriege! [42] Zur Beurteilung genügt der Hinweis auf das Datum, zu dem die Westalliierten ihre letzten Gefangenen entlassen haben: nach dem 1. Weltkrieg 1920, nach dem 2. Weltkrieg - entgegen der Genfer Konvention von 1929 [43] - erst Ende 1948, von Ostblockstaaten nicht zu reden. [44] Doch diesen ersten Akt des Griechenlandfeldzugs erwähnen Weinberg und viele andere Autoren nicht.

Der zweite Akt: Auf dem griechischen Kreta hatte der britische Geheimdienst Zeit gehabt, die Zivilbevölkerung zu bewaffnen und zum völkerrechtswidrigen Partisanenkampf aufzurufen. Er wiederbelebte so eine Kampfform, von der ein anderer Brite, Lord Wellington, aufgrund seiner Erfahrungen im spanischen Guerillakrieg 1807-1813 geurteilt hatte, wer einen solchen Krieg beginne, der öffne die “Tore der Hölle". [45]

In der Tat: Der britische SOE hatte die “Tore der Hölle” geöffnet. So haben Zivilisten viele, viele Verwundete und Kriegsgefangene ermordet und dabei mit denjenigen Methoden zu Tode gequält und Leichen geschändet, die Goya in seinen Gemälden vom spanischen Guerillakrieg furchtbar darstellt. Bezeichnend ist, daß oft genug britische Soldaten deutsche Verwundete mit der Waffe gegen die Partisanen schützen mußten - und geschützt haben. Ein amerikanischer Völkerrechtler hat einige Aussagen von Überlebenden und Zeugen veröffentlicht, zahlreiche weitere Dokumente sind im Bundesarchiv zu finden. [46] Aber auch hiervon berichten Weinberg und DIE ZEIT (Rondholz) nichts. Sie berichten nur vom dritten Akt des Geschehens, von den Maßnahmen der deutschen Soldaten gegen die Männer derjenigen Dörfer, in denen ihre Kameraden massakriert worden waren. Sie sprechen zudem von “angeblicher” Vergeltung. So darf denn wohl auffallen, daß Weinbergs Werk in der deutschen Presse stets hoch und zuweilen in einer Weise gelobt wurde, die an Heiligengeschichten erinnert. [47] Zudem wurde es “mit Unterstützung des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes” der Bundeswehr (Vorsatzblatt) herausgegeben. Warum ausgerechnet das MGFA diesem Werk Authentizität verleihen wollte, kann man wohl vermuten.«

Anmerkungen:

[39] Auf Ersuchen des Leiters des Königlich-griechischen Kriegsverbrecherbüros hat der Leitende Oberstaatsanwalt Bochum Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre ein Ermittlungsverfahren (Aktenzeichen 16 Js 30/57) durchgeführt und nach langen Untersuchungen am 12.12.1963 eingestellt - zu einer Anklageerhebung ist es also nie gekommen. Die Einstellungsverfügung nimmt die Zahl der Erschossenen mit “höchstens 200” an.

[40] G. Weinberg: A world at arms, dt. Eine Welt in Waffen - Die globale Geschichte des 2. Weltkriegs, Stuttgart 1995, S. 297; ähnlich G. Rondholz in DIE ZEIT vom 20.11.1987, nachgedruckt in ZEIT-Punkte Nr. 3: Gehorsam bis zum Mord? Der verschwiegene Krieg der dt. Wehrmacht - Fakten, Analyse, Debatte, Hamburg 1995; M. Seckendorf: Ein einmaliger Raubzug - Die Wehrmacht in Griechenland 1941-1944, in: J. Klotz (Hrsg): Vorbild Wehrmacht - Wehrmachtverbrechen, Rechtsextremismus und Bundeswehr, Köln 1998; im Fernsehen: Kennzeichen D, 22.7.1998.

[41] Hellenic Army General Staff, Army History Directorate: An abridged history of the Greek-Italian and Greek-German War 1940-1941, Athens 1997, S. 197 f.; auch Abb. in F. Uhle-Wettler: Der Krieg - Gestern, heute - und morgen, Hamburg 2001, S. 105, auch 107 sowie 183.

[42] K. Olshausen: Zwischenspiel auf dem Balkan - Die Politik gegenüber Jugoslawien und Griechenland von März bis Juli 1941, Stuttgart 1973, S. 129 f.

[43] D. Fleck (Hrsg): The Handbook of Humanitarian Law in Armed Conflicts, Oxford University Press 1995, S. 364 f.; Convention vom 29.Juli 1929, Relative to the Treatment of Prisoners of War, Titel IV, Section II: Release and Repatriation upon Cessation of Hostilities.

[44] E. Maschke: Die dt. Kriegsgefangenen des 2. Weltkrieges, in: E. Maschke (Hrsg): Zur Geschichte der dt. Kgf. des 2. Weltkrieges, 15 Bände, XV: Zusammenfassung, S. 196 f.

[45] J. Fuller: Decisive battles of the Western world, II, London 1955, S. 406 f.

[46] A. de Zayas: Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle - Unveröffentlichte Akten über alliierte Völkerrechtsverletzungen im 2. Weltkrieg, München 1979, S. 262, 366 f., 377, 385 f. - BA/MA RW 2/134-136, auch RH 28/5 und RL 33/99.

[47] Vg1. die Besprechung in den MGM 54, S. 591 ff., durch den “Wissenschaftlichen Direktor” des MGFA, J. Förster: “Großartige Leistung eines großen Vertreters unserer (Historiker-)Zunft” - “Opus magnum” - “beispiellose Leistung” - “einzigartige Krönung eines Lebenswerkes” usw. sowie, im Zusammenhang dieser Studie besonders bemerkenswert: ”souveräne Beherrschung der Quellen und immenser Sekundärliteratur”. - Weitere Fragwürdigkeiten der Studie Weinbergs darzustellen, ist hier nicht der Ort.



http://www.christoph-heger.de/Franz_Uhle-Wettler_Einfluss_der_PC_auf_Geschichtsbild.htm
« Letzte Änderung: 15 Februar 2018, 17:35:29 von Götz von Berlichingen »
»Jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: In der ersten wird es lächerlich gemacht, in der zweiten bekämpft, in der dritten gilt es als selbstverständlich.«  Arthur Schopenhauer

Offline EuGu

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  • Eugen
Re: Buch
« Antwort #2 am: 15 Februar 2018, 18:16:36 »
Danke für die Richtigstellung, G.v.B!

Gruß Eugen

Offline Mark Alt

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Re: Buch
« Antwort #3 am: 15 Februar 2018, 19:54:56 »
Hallo Werner,

habe das Buch nicht gelesen, kenne nur einige Zeilen aus diesem „Standardwerk”, die mit der Graf Spee und mit dem Altmark-Zwischenfall zu tun haben. Hier ist es teilweise lesbar:

https://books.google.at/books?id=a-Wb45gW3P4C&pg=PA72&dq=While+illegally+taking+her+prisoners+through+Norwegian+waters&hl=de&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=While%20illegally%20taking%20her%20prisoners%20through%20Norwegian%20waters&f=false

Zwei Abschnitten auf Seite 72:
Zitat
„When it came to actions in reality, as opposed to imagination, however, the Royal Navy showed daring and skill. The destruction of the Graf Spee by British cruisers she outclassed was only the first spectacular instance. Another would follow soon after, and one closely related to that example.
(…) While illegally taking her prisoners through Norwegian waters, the Altmark was boarded by a British destroyer which freed the 300 prisoners on February 16, 1940, while allowing the ship itself to continue. The Royal Navy had not lost its spirit, as many subsequent events confirmed.[77]”

Das Ende der Graf Spee in einem Buch mit über 1000 Seiten hätte man besser erklären können, als nur damit, dass sie von britischen Schiffen „zerstört” wurde.
Die Passage der Altmark war in sich selbst nicht illegal, Weinberg wiederholt hier die Propaganda der damaligen britischen Presse. Die erschossenen (und wohl unbewaffneten) deutschen Seeleute erwähnt er nicht einmal. Die Weiterfahrt wurde nicht „erlaubt”, sondern der Kapitän ließ das Schiff grunden, damit die Briten sie nicht mitnehmen können – wie sie es eigentlich vorhatten.

Fußnote [77] auf Seite 953:
Zitat
„As is now clear, the Altmark was armed and so was part of the crew; see the material in (…)”

Die Altmark war unbewaffnet, die zwei 20 mm-Flak galt nicht als solche, ansonsten waren sie im Laderaum verpackt entsprechend der Neutralitätsregeln des Landes. Auch wenn nicht sofort beim Ankommen nach Norwegen, aber wurden die Behörden über ihr Anwesen informiert, was akzeptiert wurde. Manche Handfeuerwaffen waren vorhanden, das war aber nicht verboten.

Das sind zu viele Fehler auf weniger als eine halbe Seite. Das und das ständige Beteuern der hohen britischen Moral macht das Werk eher unseriös für mich. Vielleicht sind manche Teile des Buches von höherer Qualität, aber danach bezweifle ich die allgemeine Objektivität. Würde so formulieren, dass der Autor „die alte Schule” vertretet.

Gruß
Mark Alt

Online t-geronimo

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Re: Buch
« Antwort #4 am: 15 Februar 2018, 20:08:03 »
...Die Altmark war unbewaffnet, die zwei 20 mm-Flak galt nicht als solche...

Ab welcher Anzahl/Art Waffen oder welchem Kaliber galt ein Schiff denn als bewaffnet?
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Offline Mark Alt

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Re: Buch
« Antwort #5 am: 15 Februar 2018, 21:49:04 »
Diese Waffen galten nicht als Bordwaffen, darauf wollte ich hindeuten. Britische Handelsschiffe befuhren die norwegischen Gewässer mit montierten Bordwaffen. Habe den Text der Neutralitätsregelungen leider nicht, aber danach wie ich hie und gelesen habe, habe ich den Eindruck, dass diese mindestens verdeckt werden mussten. Das haben die Briten nicht gemacht, auch wenn sie von norwegischen Kriegsschiffen begleitet wurden. Im Kriegshafen von Bergen wurden sie sogar so geankert.

Die Briten haben nach dem Zwischenfall verkündet, dass die Altmark über 15 cm-Kanonen verfügte. Vielleicht weil alle anderen Einheiten der Dithmarschen-Klasse mit solchen Waffen bestückt waren, haben sie hier diese auch erwartet. (Nachdem aber die Altmark aus den USA kam und die Briten Gefangenenaussagen und Fotos über sie erhielten, ist diese Befürchtung zu bezweifeln.)