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Autor Thema: Heinz Neukirchen-Marinekarriere an wechselnden Fronten  (Gelesen 378 mal)

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Offline M-54842

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Heinz Neukirchen-Marinekarriere an wechselnden Fronten
« am: 31 Januar 2018, 18:48:41 »
Ich habe gerade das Buch "Heinz Neukirchen-Marinekarriere an wechselnden Fronten" von Ingo Pfeiffer gelesen und möchte dem Autor danken, dass er diese interessante Biografie veröffentlicht hat. 
Pfeiffer beleuchtet anhand langanhaltender und detaillierter Forschungen die Marinelaufbahn von Vizeadmiral d.R. Neukirchen, in den Seestreitkräften auch als "Donnergroll" bekannt.
Die maritime Laufbahn Neukirchens begann 1935 als Matrose in der Reichsmarine. Bereits 1936 war Neukirchen mit dem Kreuzer Köln im Spanieneinsatz. Danach erfolgten diverse Verwendungen in der Kriegsmarine und am 01.04.1944 wurde er als Kriegsoffizier zum Leutnant zur See ernannt. Im Juni 1944 fuhr Neukirchen als WO auf dem Minenschiff OSTMARK. Am 01.04.1945 wurde Heinz Neukirchen zum Oberleutnant z.S. (Kr.O.) befördert und hatte das Kommando über einen U-Jäger, mit dem er von Norwegen nach Deutschland heimkehrte. Seine letzte Verwendung bei der Kriegsmarine erfuhr er Landeinsatz, wo er am 10.05.1945 bei Friesack im Havelland in sowjetische Gefangenschaft geriet.
Von hier aus kam Neukirchen bis 1947 in das Gefangenenlager Pitkjaranta, wo er verschiedene Funktionen innehatte. Durch sein Engagement und Organisationstalent wurden sowjetische Offiziere auf ihn aufmerksam.
Von 1947-1949 war Heinz Neukirchen im Lager Krasnogorsk, wo sich die zentrale Antifa-Schule befand. Von dort aus kehrte er am 07.10.1949 (nun schon in die DDR) zurück und machte Karriere in der National-Demokratischen Partei Deutschlands. 
Die zu diesem Zeitraum im Aufbau begriffenen Streitkräfte der DDR benötigten dringend erfahrene Kräfte und so begann ein Tauziehen um Heinz Neukirchen, was die NDPD gegen die Seepolizei verlor. 1951 wurde Neukirchen Chefinspekteur und Chef des Stabes. Im Gegensatz zu den anderen Führungspersönlichkeiten wie Waldemar Verner, Felix Scheffler, Paul Blechschmidt oder Richard Fischer war Neukirchen der Einzige mit wirklich maritimen Erfahrungen und Wissen. Er war wesentlich am Aufbau der Seestreitkräfte in der DDR beteiligt und ging in dieser Aufgabe auf.
Als Waldemar Verner 1959 den Posten des Chefs der Seestreitkräfte freimachte und in Strausberg Chef der Politischen Hauptverwaltung wurde, machte sich Neukirchen Hoffnung auf dessen Nachfolge. Neuer Chef wurde allerdings Wilhelm Ehm. Auch dieser hatte nicht annähernd die seemännischen Erfahrungen Neukirchens. Neukirchen war zu diesem Zeitpunkt wohl noch in der "falschen" Partei, was sich auf die Kaderentscheidung nachteilig auswirkte. 1961 trat Heinz Neukirchen in die SED über. Als Ehm von 1961-1963 in der Sowjetunion an der Seekriegsakademie studierte, war Neukirchen mit der Führung der Volksmarine beauftragt.
In seiner Zeit bei den Seestreitkräften der DDR gab es immer wieder Aktivitäten westlicher Geheimdienste, Neukirchen zum Überlaufen in den Westen zu bewegen. Neukirchen tat dies nicht und informierte die Sicherheitsorgane der DDR.
1963 gab es dann eine Aktion der Psychologischen Kriegsführung der Bundeswehr gegen Neukirchen. Wasserdicht verpackt wurden diverse Zeitungen "Feuerschiff 63" an der DDR-Küste angespült. "Vom NS-Führungsoffizier zum SED-Admiral" war in großen Lettern zu lesen. Das Neukirchen NSFO gewesen sein soll, lässt sich bis heute nicht erhärten. Der Vorwurf basiert lediglich auf der Grundlage einer Eintragung auf einer Karteikarte. Überprüfungen Pfeiffers haben beispielsweise erbracht, dass sich Neukirchen bei einem möglichen NSFO-Lehrgang in Bergen/Norwegen zum Unterwasserhorchlehrgang befand.
Des Weiteren spielte die Psychologische Kriegsführung der Bundeswehr auf Neukirchens 1936 verliehenes Spanienkreuz in Bronze ohne Schwerter an. Man meinte dort: "Das Spanienkreuz-keine Auszeichnung für einen Seemann." Ich habe mal bei Klietmann nachgelesen, das Spanienkreuz ohne Schwerter gab es für Angehörige der Kriegsmarine, die sich mindestens drei Monate in spanischen Gewässern aufgehalten haben, ohne an Kampfhandlungen beteiligt gewesen zu sein. Insgesamt wurde das Spanienkreuz in Bronze ohne Schwerter 7.869 mal verliehen und in der Bundeswehr gab es diverse Träger dieser Auszeichnung. Eigentlich hätte man die Aktion ins Leere laufen lassen können. Statt dessen wurde Konteradmiral Neukirchen 1964 in die Reserve versetzt und zum Vizeadmiral d.R. befördert. Im direkten Anschluss an die Versetzung in die Reserve war Heinz Neukirchen bis 1976 Präsident der Direktion Seeverkehr und Hafenwirtschaft. Hier hatte er das Kommando über die Handelsflotte und die Seehäfen der DDR. Sicherlich eine große Umstellung aber er blieb der Seefahrt treu. Neukirchen starb 1986 in Rostock und war bis zu seinem Tod als maritimer Autor tätig. 
Neben der Person Neukirchens widmet sich das Buch auch den ehemaligen Angehörigen der Kriegsmarine, die in den Seestreitkräften der DDR dienten und bedeutenden Anteil an deren Aufbau hatten. Pfeiffer benennt dazu Zahlen und diverse interessante Beispiele sowie den Umgang mit dieser Gruppe, als man sie nicht mehr benötigte. Besonders aufschlussreich und lesenswert fand ich dazu das Kapitel 5.2. "Protagonisten der Kriegsmarine im Dienst der Seestreitkräfte mit Unterkapiteln wie "Offiziere an der U-Boot-Lehranstalt", "Kommandanten, Schiffs- und Bootspersonal" oder "Führungspersonal".
Abgerundet wird die Biografie Neukirchens mit diversen Fotos und Dokumenten in guter Qualität.
Über kleinere Flüchtigkeitsfehler wie z.B. der "Flottillenadmiral" Sergej Gorschkow kann man entspannt hinwegsehen. Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, indem sich Pfeiffer neben der Biografie Neukirchens einem bisher weitgehend unerforschten Gebiet der Deutschen Marinegegeschichte widmet. 
 
 
 
 

Offline t-geronimo

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Re: Heinz Neukirchen-Marinekarriere an wechselnden Fronten
« Antwort #1 am: 31 Januar 2018, 21:36:03 »
Vielen Dank für die Buchvorstellung!  :TU:)
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Offline Ritchie

  • Oberleutnant zur See
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Re: Heinz Neukirchen-Marinekarriere an wechselnden Fronten
« Antwort #2 am: 31 Januar 2018, 22:12:30 »
Hein Neukirchen begründete mit seinem Buch "Seemacht im Spiegel der Geschichte", welches mir in den 80er Jahren in der Bibliothek eher zufällig in die Hand fiel, mein bis heute ungestilltes Interesse an Kriegsschiffen!

Grüße
Ritchie