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Autor Thema: Nachfolger Enigma  (Gelesen 354 mal)

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Offline Hägar

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Nachfolger Enigma
« am: 17 Januar 2018, 17:00:56 »
Liebe Forumskollegen

Abgesehen davon, dass den einen oder anderen die in der Notiz mitgeteilten Angaben interessieren mögen, würde ich gern die Frage in den Ring werfen, ob jemand über Unterlagen zum 'Schlüsselgerät 41' verfügt oder spezifische Literaturstellen nennen kann.

Die Kurzmitteilung stammt aus 'leibniz' - Magazin der Leibniz-Gemeinschaft 3/2017, S.6.

Gruß - Hägar

Online kalli

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Re: Nachfolger Enigma
« Antwort #1 am: 17 Januar 2018, 17:15:32 »
Es könnte sich um die Enigma Version M4 handeln. Ich habe Dir dazu was gesendet-vielleicht hilft es.

Offline Götz von Berlichingen

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Re: Nachfolger Enigma
« Antwort #2 am: 17 Januar 2018, 17:45:24 »
»Tatsächlich haben die deutschen Schlüsselexperten Ende 1944 zunehmende Zweifel an der Sicherheit der "Enigma"-Maschine gehabt und darauf gedrungen, weiterentwickelte Maschinen oder andere Maschinen zu verwenden. Tatsächlich war bei der Marine bei Kriegsende eine Maschine M5 und eine Maschine M10 in der Entwicklung. Sie kamen jedoch nicht mehr an die Front, und es war ohnehin zu spät, um noch große Änderungen durchzuführen.«
Quelle: Ronald Lewin, Entschied Ultra den Krieg? Alliierte Funkaufklärung im Zweiten Weltkrieg, Koblenz/Bonn 1981, S. 258

»Auf deutscher Seite wurde die Entwicklung einer komplizierteren und verbesserten Schlüsselmaschine M10 nicht zeitgerecht zum Abschluß gebracht, und der Versuchs-Maschinensender Kurier, der Kurzsignale in Bruchteilen von Sekunden senden konnte, kam nur versuchsweise, aber nicht generell in Gebrauch.«

Quelle: Wladyslaw Kozaczuk/Jürgen Rohwer, Geheimoperation Wicher. Polnische Mathematiker knacken den deutschen Funkschlüssel »Enigma«, Karl Müller Verlag, Erlangen o.J., S. 190 ff.

»Anfang Februar 1945 gerieten die britischen Entschlüsselungsexperten für die deutschen Funksprüche, die in Bletchley Park arbeiteten, in Unruhe. Seit 1941 konnten sie aufgrund von erbeuteten deutschen Enigma-Verschlüsselungsmaschinen die meisten der Funksprüche ihres Gegners fast mühelos entziffern. Ihr Inhalt bedeutete für die alliierte Kriegführung häufig eine nicht unwichtige Entscheidungshilfe. Ab Anfang Februar 1945 sendeten einige deutschen Funkstellen verschlüsselte Funksprüche, die von den Briten auf die gewohnte Weise nicht mehr entschlüsselt werden konnten. Die deutsche Seite hatte für die Übermittlung wichtiger Meldungen ganz offenbar neue Geräte eingesetzt.

    [Anm 423: Dem Verfasser gelang es nicht, die hier eingesetzten Geräte zu identifizieren. Es kann nur vermutet werden, daß es sich hierbei um SFM 43 Geräte gehandelt hat. Die Amerikaner brachten hiervon 1945 sechs erbeutete Exemplare in die USA. Bis heute tauchte hiervon kein Gerät wieder auf. Vgl. hierzu auch Schreiben der Marinefernmeldeschule Flensburg vom 14.8.1998 an den Verfasser;
    »Es besteht auch kein Zweifel an der Echtheit des Funkspruchs, er kommt über die einzige noch verläßliche Nachrichtenverbindung, der mit besonderen Schlüsselmitteln versehenen Marinefunktrupps.« [Frank, Wolfgang, Die Wölfe und der Admiral, Oldenburg 1953, S. 527]
    Vgl. zur Sicherheit der neuen Schlüsselmittel auch die Aussage von Vizeadmiral Erich Voss vom 29. Mai 1955:
    »Am 30. April und 1. Mai 1945 habe ich die letzten drei Funksprüche aus der Reichskanzlei an den Großadmiral Dönitz durch unseren Marinefunktrupp aufgegeben. Sie war die einzige Funkstelle, die bis zuletzt sicher arbeitete, und zwar mit neuen, sonst nicht bekannten Schlüsselmitteln, so daß die Nachrichten zuverlässig übermittelt werden konnten.«
    Zitiert in: Anton Joachimsthaler, Hitlers Ende - Legenden und Dokumente, Berlin 1999, S. 277 Anm. Ende]

    Es kann sicher vermutet werden, daß diese Apparate von der Kriegsmarine für den Einsatz insbesondere auf U-Booten des Typs XXI entwickelt worden waren [vgl. OKM 2. Abt, Skl, BdU Op. B.Nr. gKdos 4858 A I vom 17.7.1944 »Nachrichtenmittelausrüstung und Einsatzmöglichkeit für Boote Typ XXI« National Archives Washington o. Sign.].

    Einige dieser Geräte wurden in drei von Marinefunkern bedienten Funkwagen eingebaut (F I - F III) [vgl. Marinenachrichtendienst an OKW/Führerhauptquartier, Adm. Voss vorlegen, F II v. 6.2.1945, National Archives Washington o. Sign.], andere offensichtlich stationär verwendet [vgl. Marinenachrichtendienst/Chefs., nur durch Offizier/ Eingegangen am 24.4.1945 ... Zusatz Funkraum Krokodil [im FHQ] ... Wenn möglich bittet der WFSt um Aufstellung weiterer Marine-Funktrupps für WFSt in Krampnitz, da bisher zur Verfügung gestellter Trupp in Reichskanzlei eingesetzt...«;
    »[Wing Commander] Oeser entdeckte auch einen ganzen Eisenbahnzug, der zur Verwendung als Gefechtsstand fertig war. Möglicherweise war es derjenige, den Kesselring benutzte ... Die [...] Abteile, die als Fernmeldezentren eingerichtet waren, enthielten mehrere Enigma-Maschinen und andere Schlüsselmaschinen jüngster Bauart.« Lewin, Ronald, Entschied Ultra den Krieg? Alliierte Funkaufklärung im Zweiten Weltkrieg, Koblenz/Bonn 1981, S. 438].
»Ein Sender, das wußte [Oeser], arbeitete immer noch in Berchtesgaden. Er fand seine Spur und übernahm ohne Schwierigkeiten einen Schlüsselwagen, in dem sich moderne Enigma-Maschinen befanden.« [ebenda, S. 437 f.] [Anm. Gellermann: Leider gibt der Verfasser hier weder [...], noch macht er weitere Angaben zu den erbeuteten deutschen Geräten. Äußerungen von Oeser hierzu sind aus britischen Archiven nicht erhältlich. Bemühungen, die entsprechenden deutschen Funker ausfindig zu machen, waren leider vergeblich. Anm. Ende]

    Der Funkverkehr zwischen der Seekriegsleitung und dem Führerhauptquartier und umgekehrt, den die Engländer nicht mehr mitlesen konnten, wurde seit dem 6. Februar 1945 unter der Tarnbezeichnung Krokodil abgewickelt, die auch seit dem 27. März 1945 der Deckname des Ausweichquartiers der Seekriegsleitung war. Der F I  befand sich bei der Seekriegsleitung in Plön und F II bis zum 22. April 1945 im Führerhauptquartier in Berlin [nach diesem Datum taucht der F II in keinem weiteren zugänglichen Dokument auf]. Danach wurde der Wagen offensichtlich zusammen mit dem Führungsstab Süd (B) nach Berchtesgaden verlegt, um von dort aus einen abhörsicheren Funkverkehr mit Plön und Berlin zu gewährleisten.«


Quelle: Günther W. Gellermann, Tief im Hinterland des Gegners. Ausgewählte Unternehmen deutscher Nachrichtendienste im Zweiten Weltkrieg, Bernard & Graefe, Bonn 1999, S. 104
»Jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: In der ersten wird es lächerlich gemacht, in der zweiten bekämpft, in der dritten gilt es als selbstverständlich.«  Arthur Schopenhauer

Offline Hägar

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Re: Nachfolger Enigma
« Antwort #3 am: 17 Januar 2018, 17:59:36 »
Chapeau, Thomas - sehr belesen!
Und in einer Dreiviertelstunde aus dem Hut gezaubert - offensichtlich auch gut organisiert!
Ein bisschen zum Neidisch-werden, grien.
Gruß - Hägar

Offline Götz von Berlichingen

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Re: Nachfolger Enigma
« Antwort #4 am: 17 Januar 2018, 18:05:06 »
Ja. da schauste, was?  8-) :-D

Aber, um ehrlich zu sein, ich hatte das schon mal vor fast fünf Jahren gepostet:
http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,18938.msg212259.html#msg212259

Man muß nicht alles wissen, aber man muß wissen, wo man was schon mal geschrieben hatte....  :biggre:
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