Karsten Jäger: Marineobservatorium in Greifswald 1941-1945.

Begonnen von bettika61, 01 November 2017, 18:25:19

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

bettika61

Hallo,
Karsten Jäger hat 2013 seine Magisterarbeit zum Thema
"Das Marineobservatorium in Greifswald 1941-1945" an der Uni Greifswald geschrieben.
2014 erschien von ihm  "Eine Fabrik der wissenschaftlichen Kriegsführung? Das Marineobservatorium Greifswald 1941-1945. Zeitgeschichte regional, Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern, Herausgeber: Geschichtswerkstatt Rostock e.V.,"

darüber http://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Greifswald/Kriegfuehrung-in-Fabrik-der-Wissenschaft

Kennt jemand die Dissertation oder seinen Beitrag in der Geschichtswerkstatt?
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

bettika61

Hallo,
es ist mir  leider bisher nicht gelungen ,die Magisterarbeit von Karsten Jäger zu finden.
Sie wird als Quelle  des "Historisch-Meereskundliches Jahrbuch Nr.22 " aus 2017
https://www.deutsches-meeresmuseum.de/wissenschaft/publikationen/hist-meereskundliches-jahrbuch/
im Beitrag von Ingo Hennings  angegeben .
ZitatAm...den 29.April 1945 verließen FdK Börgen,FdK Rungholt(112 BRT) und
Martha Geiss (531 BRT), ein kleiner Frachter, in aller Eile Stralsund mit Inventar und Personal des Marineobservatoriums an Bord, um nach Flensburg zu evakuieren
DDK Bd.5 schreibt bei BÖRGEN ,  3.45 Überführung des Marineobservatoriums nach Flensburg

In den Schiffslisten bei/nach Kriegsende in Flensburg habe ich die o.g Schiffe nicht gefunden.
Gibt es ergänzende Informationen zu den Schiffen, die die Fahrt nach Flensburg näher beleuchten ?
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

TW

Zitat von: bettika61 am 01 November 2017, 18:25:19
Hallo,
Karsten Jäger hat 2013 seine Magisterarbeit zum Thema
Kennt jemand die Dissertation oder seinen Beitrag in der Geschichtswerkstatt?

Es ist eine Magisterarbeit, keine Dissertation.
Magisterarbeiten müssen vom Autor nicht zur Veröffentlichung freigegeben werden.
Sie ist nicht einmal im OPAC der Uni Greifswald, also wahrscheinlich nicht veröffentlicht.
Viele Grüße
Thomas

bettika61

Hallo Thomas,
Ich meinte auch "Magisterarbeit"  8-)
ZitatMagisterarbeiten müssen vom Autor nicht zur Veröffentlichung freigegeben werden.
Was mich aber verwundert, das man die Arbeit nicht aufbewahrt hat, sein Professor, das Archiv und die Bibliothek haben es verneint.
Das überrascht mich umsomehr, als man  an der UNi in einem Projekt die eigene Geschichte in der NS-Zeit erforscht.
https://ns-zeit.uni-greifswald.de/projekt/information/ueber-das-projekt/
Das Marineobservatoriom ist Teil dieser Geschichte.
Dazu gehören auch die Kampfstoffforschung,
ZitatDabei wurde vor allem dem ,,aerochemischen Krieg" Aufmerksamkeit gewidmet. An der Forschung zu Kampfstoffen war u. a. auch das Marineobservatorium in Greifswald unter der Leitung von Rudolf Schulze beteiligt, das 1943 mit der Untersuchung von ,,Ausbreitungsvorgängen chemischer Kampfstoffe und Nebeln in turbulenten Reibungsschichten auf dem Meer" betraut worden war.
https://ns-zeit.uni-greifswald.de/chronik/chronikeintrag/n/die-behandlung-von-chemischen-kampfstoffen-und-kampfstofferkrankungen-wird-im-lehrplan-der-universit/
Darüber hat Karsten Jäger u.a. geschrieben, seinen Aufsatz in Zeitgeschichte regional habe ich mittlerweile,
der weckt Interesse auf mehr.
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

TW

Liebe Beate,
wenn der Autor seine Arbeit nicht zur Veröffentlichung freigibt, dann darf die Bibliothek nicht dagegen verstoßen, auch nicht der Professor oder sonst wer.
Autorenrecht gilt nicht nur für Bilder, sondern auch für geschriebene Texte.
Du kannst nur versuchen, an den Autor selbst heranzukommen, vielleicht über Kontakt mit Ingo Henning.
Viele Grüße, Thomas

Hans Jehee

Hallo Beate,

Möglich interessant für dich.
Ungefähr 20.000 holl. Schiffstagebücher zusammen mit Lochkarten und Lochmaschinen sind während der Krieg nach Greifwald geführt.
Der Inhalt der Schiffstagebücher ist auf die Lochkarten übersetzt. Die Lochkarten sind nach dem Krieg nach Holland zurückgekommen aber Schiffstagebücher sind bisher vermisst.
Siehe: https://cdn.knmi.nl/system/readmore_links/files/000/000/933/original/het_knmi_in_oorlogstijd_gpr.pdf?1524647071

Mit herzliche Gruss,

Hans

Darius


bettika61

Zitat von: Hans Jehee am 19 Dezember 2018, 17:37:08
Hallo Beate,

Möglich interessant für dich.
Ungefähr 20.000 holl. Schiffstagebücher zusammen mit Lochkarten und Lochmaschinen sind während der Krieg nach Greifwald geführt.
Der Inhalt der Schiffstagebücher ist auf die Lochkarten übersetzt. Die Lochkarten sind nach dem Krieg nach Holland zurückgekommen aber Schiffstagebücher sind bisher vermisst.
Siehe: https://cdn.knmi.nl/system/readmore_links/files/000/000/933/original/het_knmi_in_oorlogstijd_gpr.pdf?1524647071

Mit herzliche Gruss,

Hans
Hallo Hans,
interessanter Beitrag, vielen Dank  :MG:
ZitatWo die Stanzmaschine gelagert wird, ist nicht völlig klar. Das Ziel war das Marineobservatorium, aber nach Angaben des Generalkommissars für die Niederländische Wirtschaftsinteressen in Deutschland, H. Dienske waren die Stanzmaschinen in der Mädchen Volksschule Greifswald in der Arndtstrasse gelagert in einem Raum im Erdgeschoss mit sehr dicken Wänden
Das passt, in der "Ernst Moritz Arndt-Schule" https://arndtschule.de/die-schule/die-schulchronik/
war der Kern des MAROBS untergebracht.
Die vermissten "Schiffsjournale" wurden in Schloss Lüssow eingelagert. http://www.schlossverein-luessow.de/schloss1.html

Was ist mit "Schiffsjournal" gemeint ? Es geht offenbar um meteorologische Aufzeichnungen von 1854-1938
Waren die Teil der Schiffstagebücher?
Auf den Lochkarten waren vermutlich die ausgewerteten Wetterdaten.
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

bettika61

Zitat von: bettika61 am 20 Dezember 2018, 13:46:25
Die vermissten "Schiffsjournale" wurden in Schloss Lüssow eingelagert. http://www.schlossverein-luessow.de/schloss1.html
Hallo,
Nach Auskunft des Schlossvereins  :MG:
Hat sich 2001  das Königl. Niederländische Meteorologische Institut  an den Verein gewandt und um Recherche gebeten.
Dazu wurde die örtliche Presse einbezogen, die die Recherche unterstützte.
Ein wirkliches Ergebnis gab es nur in Form eines Hinweises, dass die Unterlagen in einem verschütteten Schlosskeller liegen sollen.     
Leider ist man dem Hinweis durch offizielle Stellen nicht weiter nachgegangen.




Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

bettika61

Hallo,
Im Artikel von Jäger wird hingewiesen auf die Entwicklung eines Entnebelungsgeräts.
Die Amtsgruppe Nautik veranlasste 1942 eine Patentanmeldung für " Einrichtung zur künstlichen Entnebelung, Erfinder:Sandmann" . "Derartige Einrichtungen sollten Start und Landungen von Flugzeugen auch bei Boden- und Seenebel ermöglichen".
Diese Technik sollte auch für die "nie feriggestellten Flugzeugträger"  geplant worden sein.

Sind solche Überlegungen aus anderen Quellen bekannt ?
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

olpe

Hallo,
ein weiterer kleiner (personeller) Mosaikstein des MAROB im Hinblick auf die Entnebelungsmaschinen:  --/>/> wikide Rudolf Schulze ...
Grüsse
OLPE

bettika61

#11
Hallo Olaf,
:MG: die bei wiki zitierte Literatur wird auch bei Jäger angegeben.
Die Erfahrung zeigt das in Biografien, die Kriegszeit unvollständig oder "geschönt" dargestellt wird.
Mir kommen  Zweifel, ob es bei diesen Forschungen seiner Abteilung (nur) um "Entnebelung" ging.

Die Untersuchungen über die Rolle des Kaiser-Wilhelm-Instituts (KWI) u.a.
"KRIEGSFORSCHUNG AM KAISER-WILHELM-INSTITUT FÜR STRÖMUNGSFORSCHUNG (1937–1945)" von Moritz Epple" kommen zum Ergebnis,
Zitat"Gelegentliche Beratungen über Nebelauflösung"
In der Übersicht über die Kriegsaufträge tauchte beiläufig die Bemerkung auf,
das KWI für Strömungsforschung habe im Januar 1943 gelegentlich das Marine-
Observatorium Greifswald ,,in Fragen der Nebelauflösung" beraten. Als die
Berichterstatter der Alliierten nach Kriegsende durch Deutschland reisten erfuhren sie, daß es sich dabei in Wirklichkeit um den Beginn experimenteller Untersuchungen zur Vorbereitung des Einsatzes von Giftgas auf See handelte
Die Uni-Greifswald schreibt die kampfstofforschunge Schulze zu #3
Florian Schmaltz schreibt  den Auftrag dieser Untersuchungen beim Marobs dem Mathematiker Prof. Dr. Wolfgang Krull zu .

Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

tyske_peter

Hallo,
bei meinen Forschungen zum Flüchtlingsverkehr in den letzten Kriegstagen bin ich auf diesen Thread gestoßen und möchte Ihnen die folgende Stelle aus Henrik Havrehed, Die deutschen Flüchtlinge in Dänemark 1945 - 1949, Heide 1989, S.34 zur Kenntnis geben:
"Beim Hafenamt in Aarhus notiert man, ohne die Zahl der Schiffe anzugeben, nur 'Passagiere, Wehrmacht'. Erstmals am 3. Mai verzeichnet man bei der S/S 'Martha Geiss' das Wort Flüchtlinge – mit diesem Schiff kamen auch wertvolle Instrumente des Observatoriums der Universität Greifswald."
Viele Grüße.

bettika61

Hallo tyske peter,
Danke für Deinen Beitrag  :MG:
und herzlich willkommen im FMA  :birthday:
Die Info über "Martha Geiss" in Aarhus ist mir neu, im Buch von Schmittke "Rettungaktion Ostsee"
wird nur eine Fahrt 8.3.45 Stolpmünde Swinemünde erwähnt.
Zitatbei meinen Forschungen zum Flüchtlingsverkehr in den letzten Kriegstagen 

Für das Thema interessieren sich neben mir  auch andere hier. :-)
Magst Du Dich und Deine Interessen vorstellen ?
https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/board,239.0.html
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

tyske_peter

Hallo,
ich glaube nicht, dass mein Thema - Biografie eines Hamburger Fußballspielers und Widerstandskämpfers - in diesem Forum auf großes Interesse trifft. Ich hatte nur gesehen, dass nach der "Martha Geiß" vergeblich in den Flensburger Schiffslisten gesucht wurde und dachte, es wäre vielleicht eine interessante Information, dass das Schiff stattdessen nach Aarhus gefahren ist.

Impressum & Datenschutzerklärung