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Autor Thema: Monopol, Königliche Kanalbaudirektion, Reichsschleppbetrieb,Bundesschleppbetrieb  (Gelesen 706 mal)

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Offline VINI

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H 130

Moin, Moin,

zwei Brüder Olivier (20) und Reinout (17) haben sich 2017 einen Schlepper gekauft.
Sie wissen, das es sich hier um einen ehemaligen Monopoler handelt.
Diesen Motorschlepper wollen sie es soweit im originalem Zustand wieder herstellen und erhalten.

Bekannt war bisher, das es sich um einen Schlepper handelt,der 1928/29 auf der bei HDW gebaut wurde.
Nun ist es mir gelungen das Schiff zuzuordnen. - Datenblatt im Anhang

ich wünsche den Brüdern viel Erfolg und auch Spaß am Schlepper BERTHA.

LG
VINI

Offline VINI

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Monopolschlepper M 203
« Antwort #1 am: 16 Oktober 2017, 16:32:08 »
Moin, Moin,

der Dampfschlepper HAVEL 1905 gebaut auf der Werft C. Wollheim, Cosel
siehe hier:

https://sdl.dsm.museum/ship.php?shipId=965496.01

wurde von der Teltowkanalverwaltung an Monopol verkauft.
Dazu findet sich im RR 1926 folgende Angaben:

Name des Schiffes: M 413; ex HAVEL
Rheinschiffsregister 1926; Zwanzigste Ausgabe: Motorschiffe, Seite 722, lfd. Nr. 285

Schiffsbesitzer: Reichswasserstraßen-Verwaltung, Duisburg-Ruhrort
Tiefgang beladen: 1,85 m
Schiff dient als: Schlepper
Doppel-oder Einzelschraubenschiff: Schrauber
Indic. PS: 200
Länge: 19,70 m
Breite: 4,36 m
Tragfähigkeit in Tonnen zu 20 Zentner: * 226,0
Jahr einer etw. Reparatur: nach 1920
Flagge: Niederlande

Mit dem Verkauf des Dampfschleppers erfolge ein Namenswechsel.  → M 413.

1924 erfolgte der Umbau des Dampfschleppers zum Motorschlepper.
Hier der Auszug aus einem Bericht von 1941:

                                    
                  
                                                               Anlage  1  zum Bericht vom 18.1.41  II 99 M. P.


         Reichseigener Motorschlepper „ 203 “

            Zur  I.  Gruppe

           1. Name des Schiffes: RSB „203“
           2. Besitzer: Reichswasserstraßenverwaltung – RSB.
           3. Liegeplatz: Emden-nördlicher Dortmund-Ems-Kanal
           4. Länge:   = 20,45 m
           5. Breite:   =   4,35 m
           6. Höhe:   =   3,30 m   +)
          7. Gewicht:   = 60      t     ++)
           8. Bei  G  Motor eingebaut? ja
           9. Bauwerft: C. Wollheim Breslau
               10. Baujahr: 1905 (1924 auf der Staatswerft Herne zum
                                             Motorschlepper umgebaut.)
               11. Motorstärke: 1 Motor, 250 Pse
               12. Schraubenzahl: 1
               13. Leertiefgang: 1,60 m
               14. Tiefgang bei  G: etwa 1,50 m
                       15. Bemerkungen:  +) nach Abbau des Schornsteins des
                                     Steuerhauses und der Küche (Beseitigung von Nietun-
                                     gen und geringes abbrennen).
                              ++) Nach Beseitigung der Decksaufbauten, Motor im
                                    Schiffskörper eingebaut.



Aus diesem Grunde stand der Schlepper 1926 im RR unter Motorschiffe und nicht mehr unter Dampfschiffe.

Hier wurde die Umbenennung von M 413 in M 203 im RR 1930 vermerkt:


Name des Schiffes: M 203; ex M 413; ex HAVEL
Rheinschiffsregister 1930; Einundzwanzigste Ausgabe: Motorschiffe, Seite 850, lfd. Nr. 622

Schiffsbesitzer: Reichswasserstraßen-Verwaltung, Duisburg-Ruhrort
Tiefgang beladen: 1,85 m
Schiff dient als: Schlepper
letzte amtliche Untersuchung, Ort: 8. Februar 1928, Duisburg-Ruhrort
Doppel-oder Einzelschraubenschiff: Schrauber
Indic. PS: 250
Länge: 21,77 m
Breite: 4,10 m
Tragfähigkeit in Tonnen zu 20 Zentner: 18,0
Erbauung, Ort und Jahr: Breslau, 1905
Jahr einer etw. Reparatur: 1925
Heimatstaat des Schiffes: Preussen
Hauptmaterial: Eisen

Somit haben wir hier ein vom Dampfschlepper auf Motorschlepper umgebautes Schiff Bj. 1905.

Schiffslisten vom Reichsschleppbetrieb (Monopol) liegen mir erst ab dem Jahre 1952 vor.
In der Schiffsliste mit Stand 1952 ist der M/tg M 203 nicht erfasst.
In den zwei nachfolgenden Schiffslisten ist der M/tg M 203 wieder erfasst.
Allerdings mit Baujahr 1925 erbaut auf der Werft C. Wollheim.

Ebenfalls nachzulesen hier:

https://sdl.dsm.museum/ship.php?shipId=965626.01

Da auf Grund der Angabe des Baujahres mit 1925 in den Schiffslisten von Monopol als Datenbasis für andere Quellen übernommen worden sind ist normal.
Erstaunt bin ich allerdings über die Baunummer 650 für M 203?!

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, das dieses Schiff ausgetauscht wurde und wir somit zwei
M 203 haben. Halte diese Variante aber eher für unwahrscheinlich.

Nun brauche ich Hilfe.
Wer hat originale oder Kopien von der Werft C. Wollheim.?
Wo entweder eine Bestätigung für die Angaben bei DSM bezüglich der Baunummer oder eben die Information, das in der Schiffsliste usw. keine Übereinstimmung mit M 203 Bau Nr. 650 vorliegt.

Als Anlagen die Dokumentation in Bildern.
Bild 1 Bildschirmfoto Daten HAVEL DSM
Bild 2 Auszug RR 1926
Bild 3 Monopol Umbau M 203
Bild 4 Auszug RR 1930
Bild 5 Auszug Schiffsliste RSB
Bild 6 Bildschirmfoto Daten M 203 DSM

LG
VINI

Offline VINI

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M 203 Antwort
« Antwort #2 am: 16 Oktober 2017, 20:51:22 »
Moin, Moin,

habe gerade die Nachricht erhalten:

Werft C. Wollheim; Baunummer: 650; Bauj. 1925; SK C.W. 142 ein Plauer Maßkahn

LG
VINI

Offline VINI

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Monopolschlepper E 203 Ex HAVEL
« Antwort #3 am: 18 Oktober 2017, 12:06:27 »
Moin, Moin,

die Schiffsdaten sind wieder zusammengefügt.
Somit hat der 1905 gebaute Dampfschlepper HAVEL  seinen Lebenslauf.
Heute hier die erste Premiere.

LG
VINI

Offline VINI

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Strukturwandel, Namensänderung und wieder die Akten
« Antwort #4 am: 05 Juni 2018, 15:58:35 »
Moin, Moin,

wer sich mit der Flotte des Monopols beschäftigt weiß, das die Namensgebungen und Umbenennungen nicht immer so einfach nachvollziehbar sind.
Irritationen und Verwechselungen von Bau- und Einsatznamen sind die Folgen gewesen.
Ursache hierfür sind einfach fehlende Belege. Die Schiffslisten der Flotte die im Umlauf sind, sind „jüngeren“ Datums (1950er Jahre) und lassen eine
Rückverfolgung oft nicht zu. So manche Ungereimtheit lies sich trotzdem schon klären.
Je länger sich man intensiv mit den Unterlagen beschäftigt, kann man gewisse Zusammenhänge mit bei den Umbenennungen erkennen.
Wichtig sind aber Belege die dieses unter mauern und auch belegen. Nur dann kann stichhaltig und eine genauere zeitliche Zuordnung erfolgen
und aus „Glaube zu Wissen“ wird reales Wissen.
Dieser Tage habe ich wieder einen Hefter voller Daten eingescannt. Und auch diesmal war ein richtig guter Fund dabei. Nun ist schriftlich belegt,
das mit der Gründung des Kaiserlichen Schleppamtes Duisburg-Ruhrort am 01.06.1914 die Schlepper in der Namensbezeichnung das M zugewiesen bekamen.
Mit der Gründung des reichseigenen Schleppamtes Magdeburg am 01.09.1938 wurde dem Schleppamt Magdeburg der Buchstabe M zugeteilt. In diesem Zusammenhang wurde dem reichseigenen Schleppamt Duisburg-Ruhrort der Buchstabe D zugewiesen.
Also kann es vorher keinen Monopolschlepper mit dem Buchstaben D gegeben haben. Und wenn dann nur während der Bauphase als Bauname aber nicht als Einsatzname.
Trotzdem gab es Schlepper, die die interne Bezeichnung D führten. Diese internen Verwaltungskennungen führten die WSD und WSA bei ihren Schiffen.

Eine weitere Problematik ist die Umstrukturierung und der damit verbundenen Änderungen in der Flottenbezeichnung nach der Typgröße der Schiffe.
Vorreiter war hier das Schleppamt Duisburg- Ruhrort.
 Da dort die Schlepper sowohl auf dem Rhein und in den Kanälen eingesetzt waren ergab sich zwangsläufig eine Unterteilung der Schlepper nach Maschinenart und Zugkraft. So wurden in leichte DS, schwere DS, Motorschlepper usw. unterschieden.
Auch hier ist jetzt belegt, das 1928 mit Blick auf den wirtschaftlich bedingten steigenden Bedarf an Schleppkraft die Flotte eine Vergrößerung unterzogen werden musste. Um eine bessere logistische  Koordination der Schleppereinsätze, bei auch vergrößertem Ladevolumen gerecht zu werden, war es notwendig eine Einteilung nach Typen vorzunehmen.
Man übernahm für den gesamten Monopolschleppbetrieb und seinen dazugehörigen Schleppämtern das „Duisburger Modell“ der Klassifizierung.
Mit der Einführung dieser Struktur ergab sich notwendigerweise eine Umbennungswelle in der Flotte.
Ein Motorschlepper der bis dato im Namen eine 300er Zahl zu stehen hatte, hatte nun eine 200er Nummer auf der Esse zu stehen. Da alle Motorenschlepper nun im 200er Block geführt wurden.
Auch der Name für gebraucht angekaufte Schlepper war nun neu geregelt. Hierfür stand jetzt der 500er Zahlenblock. Viele gebraucht gekaufte Schlepper fuhren nun nicht mehr unter dem 400er Block.
Dieser 400er Zahlenblock wurde kurze Zeit später für die Neubauprogramme verwendet.
Und auch hier gab es Probleme bei den Bauauftragsvergaben der einzelnen Schleppämter, es kam zu Nummernüberschneidungen. Diese hätte im praktischem Einsatz zu Komplikationen geführt. Also hat man den 400er Block zentral vergeben und die Schleppämter und Werften wurden zur Korrektur aufgefordert.
Im den folgenden Einsätzen auf Flüssen und Kanälen gab es keine Doppelungen in der Nummernfolge. Nur die spärliche Aktenlage führte zu der Annahme, das angeblich Schlepper mit doppelter Kennung unterwegs waren, welches ich mittlerweile korrigieren konnte.
Auch die bei einer „Versetzung“ eines Schleppers, wo das neue Schleppamt der buchhalterische Eigentümer wurde, machte eine Änderung des Namens durch den neu zugewiesenen Buchstaben notwendig. Hier ist bis heute nicht immer eine genaue Zeitangabe möglich.

Ein Buchstabe und eine Ziffer, wie der Name auf der Esse zu lesen war, ist mehr als nur ein Name.
In der Verwaltung war die Ziffer des Namens die Registriernummer. Nicht nur in der Schiffsliste sondern auch bei der Einsatzplanung, der Ersatzteilversorgung und der technischen Dokumentation, sowie in der Finanzbuchhaltung und bei der Erstellung der Bilanz, ohne diese stets akribische Aktualisierung der „Namensziffer“ und den dazugehörigen Buchstaben, war eine Führung und Organisation der Arbeit einer so großen Reederei nicht möglich gewesen.
Dabei muss auch betont werden, das es damals die größte Binnenreederei auf deutschem Boden war.
Es gab hierfür keine Vorlage, wie ein solches großes Unternehmen strukturiert und aufgebaut wird.
Alles geschah durch lernen bei der Arbeit. Desto mehr kann es einen nur verwundern, warum diese Reederei vom Monopol zum Bundesschleppbetrieb als bedeutungsloses Unternehmen in der Geschichte versenkt wurde.

Die nachweisliche Zuordnung der Buchstaben M und D und die gesamte Klassifizierung der Flotte ab 1928 bringt uns ein ganzes Stückchen weiter. - Dies ist die gute Nachricht.
Aber ohne Fleiß kein Preis.
Mit diesem neuen Wissen ist es nun notwendig wiederholt den gesamten Schiffsbestand unter diesen Aspekten nochmals zu überarbeiten.
Zur Zeit scheue ich mich durch immer wieder neue gravierende Fakten die Datenblätter komplett online zustellen. Gut Ding will eben Weile haben.

LG
VINI
« Letzte Änderung: 05 Juni 2018, 16:17:46 von VINI »