Webseite Historisches Marinearchiv > Handelsschiffe bei OP Weserübung

Schiffe in Oslo vor Weserübung

(1/3) > >>

chattius:
G'Moie
Vereinzelt stolpere ich über Texte die besagen dass Tage vor Weserübung ein Schiff (WIDAR) Kommandokräfte und Ausrüstung  nach Oslo gebracht hat. Sie sollen Fornebu für die Besetzung durch die Luftwaffe verbereitet haben. Weis jemand etwas genaueres?
Gruss Chattius

t-geronimo:
Nach Geirr Haarr, "The German Invasion of Norway", erreichte Widar am 07.04.1940 Oslo.
Sie war demnach ein normales mit Kohle beladenes Handelsschiff, das jedoch eine sehr gute Funkausrüstung hatte und ein Geheimfach mit Codebüchern und Geheimbefehlen. Der Kapitän wußte nichts von OP Werserübung, hatte jedoch den Befehl, den Verkehr auf See und in der Luft genau zu beobachten und zur Abwehrstelle Hamburg zu melden.
Am Abend des 08.04. kam ein Agent der Abwehr, Oberleutnant Hermann Kempf, auf der Widar an. Kempf war erst wenige Tage zuvor aus Berlin gekommen und wußte bis zum Morgen des 8. auch nichts von der Operation, wurde dann jedoch von Marineattaché Schreiber eingeweiht.
Sein Auftrag war die Überwachung des Funkverkehrs der Widar bis zum Eintreffen der Gruppe 5.

Mehr erwähnt Haarr kaum über die Widar.
Bei Lochner bin ich auf die Schnelle nicht fündig geworden, da meine Ausgabe keinen Index hat, was die Suche sehr erschwert.

JensA:
Hallo,

Ich habe keine Erwähnungen von "Widar" in den KTB's 1./Skl., Marinegruppenkommando Ost oder Befehlshaber der Sicherung der Ostsee und auch nicht in die Akten der Gruppe XXI gefunden.

So ich denke, dass das Schiffe kein aktives Teil in der militärischen Planung war.   

mfg.
Jens

redfort:

--- Zitat von: chattius am 04 August 2017, 12:01:47 ---G'Moie
Vereinzelt stolpere ich über Texte die besagen dass Tage vor Weserübung ein Schiff (WIDAR) Kommandokräfte und Ausrüstung  nach Oslo gebracht hat. Sie sollen Fornebu für die Besetzung durch die Luftwaffe verbereitet haben. Weis jemand etwas genaueres?
Gruss Chattius

--- Ende Zitat ---

Moin,
die glaube ich nicht so ganz !
Weil der Flugplatz Oslo-Fornebu erst Ende April / Anfang Mai 1940 den Flugbetrieb durch die Fl.H. Kdtr. E 4 / IV durch die deutsche Luftwaffe aufnahm.
Zuerst einmal transportierten die Dampfer des Luftgau zbV 200 unter den Transportchef (See) beim X. Fl.Koprs (Oberst Roth) das benötige Material , nur Flieger-Gerät, Fliegerbodengeräte und Verbrauchstoffe.
Für Personaltransporte (Wesertag und Wesertag + 1) war die Kampfgruppe zbV. 108 mit 42 Flugzeugen von Norderney und List / Sylt (He 59 und Ju 52 ) zuständigt u.a. eine Infanteriekompanie (160 Mann), Nachrichtenpersonal (55 Mann) und Personal für die Einsatzhäfen-Kommandanturen ( 200 Mann). "Eintreffen der Flugzeuge in den Bestimmungsorten nicht vor "Weser-Uhrzeit" !
Dann standen die Flugsicherungsschiffe Rolshoven / Bergen, Tschirschky / Drontheim und Karl Meyer / Oslo für den Funkverkehr (Befehlsnetze) sowie Reparatur und Versorgungszwecke zur Verfügung, diese Schiffe hatten auch eine verstärkte Besatzung und auch die entsprechenden Luftwaffenoffiziere als Fliegerhorstkommandanten an Bord.

Die E-Häfen werden am "Wesertag" erst nach Weserzeit zunächst durch das auf den Flugsicherungsschiffen eingeschiffte Vorkommando besetzt. Kommandanten der E-Häfen sind die auf den Flugsicherungsschiffen eingesetzten Luftwaffenoffiziere. Nach Besetzung der E-Häfen ist nach oben gut sichtbaren Hakenkreuzflaggen ausgelegt.

 :MG:

Violoncello:
Hallo Chattius,

ich kann eigentlich nur t-geronimos Ausführungen ergänzen: Nach Uwe Brammer: Spionageabwehr und "Geheimer Meldedienst" - Die Abwehrstelle im Wehrkreis X Hamburg 1935-1945 (Freiburg 1989), Seite 114, wurden Handelsschiffe, die in der zweiten April-Woche südnorwegische Häfen anlaufen würden, vom Referat IM der Abwehrstelle Hamburg mit Agentenfunkgeräten ausgerüstet, um Informationen übermitteln zu können. Zu den in die Übermittlung geheimer Nachrichten eingewiesenen Besatzungsmitgliedern dieser Handelsschiffe zählte auch der Zweite Offizier der "Widar", der gleichzeitig auch Funkoffizier des Frachters war. Die "Widar" ging in den ersten April-Tagen in See, übermittelte den ersten Funkspruch bereits am 5. April 1940 um 18.00 Uhr (Positionsangabe und Wettermeldung). Dieser wurde um 21.00 Uhr nach Berlin weitergegeben. Am 7. April 1940 lief die "Widar" um 10.00 Uhr in den Osloer Hafen ein. Im BArch sind unter der Signatur RH 2410/603 insgesamt 40 an die Abwehrstelle Hamburg gerichtete Funksprüche der in Oslo liegenden "Widar" archiviert (erster Funkspruch 5. April 18.00 Uhr, letzter Funkspruch 11. April 19.00 Uhr). Allein am 9. April 1940 wurden zwischen 7.45 Uhr und 18.25 Uhr 27 Funksprüche über den Ablauf der Besetzung Oslos abgesetzt.

Viele Grüße

Violoncello

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

Zur normalen Ansicht wechseln