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Kreuzeraufgaben

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jost_brune:
„Kreuzeraufgaben“

Grafische Lösung Seetaktischer Aufgaben

Die „Kreuzeraufgabe“ wird von Kapitänleutnant Kurt Meusemann und Dr. Kurt Stange in „Mathematik und Marine“ Band 89 behandelt. [Mathematisch Physikalische Bibliothek Teubner Leipzig - Berlin 1936]
Dr. Kurt Stange war Studienrat an der Marineschule Flensburg-Mürwik.

Der österr. Mathematiker Walter Wunderlich, der auch Bahnberechnungen für akustische Torpedos und Radar gelenkter Raketen entwickelte, erweiterte und vereinfachte in den 40er Jahren die Darstellung der „Kreuzeraufgabe“.

„Kreuzeraufgabe“ ?

Die eigentliche „Kreuzeraufgabe“ nach Meusemann-Stange, lautet:
Ein Linienschiff L, dessen Höchstgeschwindigkeit v beträgt, sichtet im Abstand x0 einen Kreuzer K mit bekannter Höchstgeschwindigkeit u > v. Gesucht wird der kleinste Abstand x1, den L zum schnelleren Kreuzer K erreichen kann, wenn K seinen Kurs nicht ändert.

Etwas einfacher: welchen Kurs muss das Linienschiff steuern um noch eine Salve auf den Kreuzer abgeben zu können. Da U-Boote unter Wasser häufig langsamer sind als ihre Ziele, Torpedos  ausreichend schnell aber nur eine begrenzte Reichweite haben, wäre es hilfreich den Punkt mit dem kürzt möglichen Abstand zum Ziel zu kennen an dem es sich lohnt einen Torpedo los zu machen.

Die Nachfolgende Anleitung bezieht sich auf die Ausführungen von Wunderlich.
Im Fall 1 wird ein Abfangkurs ermittelt bei dem v > u ist, im 2. Fall, der eigentlichen „Kreuzeraufgabe“ (Boot getaucht) ist v < u. Das ganze umgesetzt in Silent Hunter 3.

Fall 1
Wir erhalten eine Meldung über eine feindliche Einsatzgruppe nordwestlich unserer Position mit Ost Kurs und 14 Knoten Fahrt. Unser Boot kann den Gegner mit 16 Knoten abfangen.
Auf der Karte zeichnen wir den Gegner Kurs (kg) ein sowie eine Linie (bg) zwischen unserem Boot (B) und dem Gegner (G).

Auf der Linie kg Markiert man einen Punkt an dem der Gegner nach einer bestimmten Zeit sein wird (G1). Für unser Boot zeichnen wir einen Kreis mit der Entfernung die das Boot im selben Zeitraum zurücklegt (k).
Durch die Variation von k kann man bei einem langsameren Gegner sich entscheiden zwischen dem schnellsten und dem wirtschaftlichsten Abfangkurs oder das Abfangen zu einer bestimmten Zeit.

Am Punkt G1 wird eine Parallele bg1 gezeichnet.
Am Schnittpunkt bg1 und k legen wir unseren Kurs an und haben so einen Abfangkurs.



Fall 2
Nach dem Sichten der Einsatzgruppe taucht das Boot sofort, steht aber zuweit südlich für einen direkten Anlauf. Mit der „Kreuzeraufgabe“ können wir ausrechnen ob wir einen Punkt erreichen der ausreicht für einen Torpedoschuß.

Als erstes markieren wir die Position des Bootes und des Gegners, zeichnen eine Linie für den Gegnerkurs und eine Hilfslinie (h1) die parallel zum Gegnerkurs verläuft, allerdings vom Boot in entgegengesetzter Richtung.

An der Markierung B wird ein Kreis (k1) mit der Entfernung die der Gegner in einer bestimmten Zeit zurücklegt eingezeichnet. Am Schnittpunkt k1 – h1 wird ein Kreis (k2) mit der Entfernung die unser Boot im gleichen Zeitraum zurücklegt gezeichnet.
Von der Markierung B zeichnen wir eine zweite Hilfslinie (h2) die k2 in Richtung G berührt.

Zwischen G und der Hilfslinie h2 wird ein rechter Winkel gezeichnet.
Dies ist der kürzest mögliche Abstand x1 den das Boot zum Gegner erreichen kann.
Die Linie x1 wird verlängert und nach B verschoben. Diese Linie ist unser Kurs zum kürzt möglichen Abstand, dieser liegt am Punkt B2.



Anders als das Linienschiff feuert ein U-Boot seine Torpedos aber nicht am Punkt B2 sondern wenn der Schusswinkel (sw) 0° beträgt , der Torpedo also entlang der Kurslinie läuft. Im Beispiel ist x1 = 6000 Meter, die Entfernung bei sw 0° beträgt 7000 Meter, gerade ausreichend für einen TIII.

Dazu gibt es auch noch ein Video.
https://www.youtube.com/watch?v=Yvt1-Thkgn8

Peter K.:
Der Österreicher Walter WUNDERLICH verfasste auch die nicht in seinem Literaturverzeichnis aufscheinende Einführung in das Unterwassersprengwesen.

FAUN:
Nur zum Verständnis. Wurde es auch so auf der Schiffen gemacht, oder wollte man mit solchen Aufgaben nur die Lehrgangsteilnehmer "quälen"?

Schorsch:
Hallo Faun,

zumindest hätte Röntgentechniker in dieser --/>/> Diskussion mathematisch Kontra gegeben werden können. :wink:

Abgesehen davon, beinhalteten die Ausgaben des vom Oberkommando der Marine im Jahre 1943 herausgegebenen "Lehrbuches der Navigation" z.B. die Lösung derartiger Kreuzeraufgaben in verschiedenen Varianten. Deutsche U-Boote führten im zweiten Weltkrieg sogenannte Angriffsscheiben (kreisförmige Rechenschieber) mit, die auf Grundlage dieser Berechnungen arbeiteten und es gestatteten, Abfangkurse gezielt zu berechnen. Allerdings waren nicht alle Kommandanten in der Lage, deren Potential vollständig auszunutzen und arbeiteten lieber "aus der hohlen Hand".

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch

jost_brune:

--- Zitat von: FAUN am 01 November 2016, 15:08:46 ---Nur zum Verständnis. Wurde es auch so auf der Schiffen gemacht, oder wollte man mit solchen Aufgaben nur die Lehrgangsteilnehmer "quälen"?

--- Ende Zitat ---
Hallo Faun

Mit dem Hinweis das es sich um einen Roman handelt, ein Zitat aus "Das Boot"

--- Zitat ---Der Obersteuermann gibt sich der Betrachtung seiner Fingernägel hin, während der Kommandant auf der Karte Winkel anlegt und mit dem Zirkel Entfernungen mißt: die Kreuzeraufgabe.
--- Ende Zitat ---

Gruß

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