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Autor Thema: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine  (Gelesen 69384 mal)

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Offline bettika61

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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #105 am: 24 Juli 2016, 18:59:51 »
Hallo,
Zitat
"Skjerstad "
Requisitioned on Apr. 9-1942 by Reichskommisar, while in Trondheim and on the 12th, almost 500 arrested teachers were embarked for transport to prison camps in Kirkenes, arriving on Apr. 29 after a horrendous voyage in the crowded holds and 'tweendeck (teachers had been arrested because they had refused to teach the Nazi ideas in Norwegian schools during the German occupation) http://www.warsailors.com/homefleetsingles/skjerstad.html
Als Zeitungsbericht
Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

Offline bettika61

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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #106 am: 25 Juli 2016, 10:56:23 »
Diente nicht die "Donau" des NDL als Gefangenentransporter für die Juden, die aus Norwegen abtransportiert wurden?
Hallo Thomas,
danke für den Hinweis  :MG:
http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,10444.msg117782.html#msg117782
hatte eine ähnliche Fragestellung  :-)
aus The Routledge History of the Holocaust von Jonathan C. Friedman S.241
24.11.1942 Transportschiff "Donau" mit 532 Juden an Bord
25.2.1943 Transportschiff "Gotenland" mit 158 Juden
Hallo,
es gab noch weitere Transporte von norwegischen Juden  nach Deutschland
27.4.1941 "Monte Rosa" https://lokalhistoriewiki.no/index.php/Deportasjonen_av_j%C3%B8dene
eine weitere Fahrt der "Donau" am 15.11.1941 https://lokalhistoriewiki.no/index.php/Miriam_Kristiansen
20.11.19412 "Monte Rosa" mit 20 Juden an Bord
26.11.19412 "Monte Rosa" mit 26 Juden
die o.g Fahrt der "Donau "  mit 532 Juden wird auf den 26.11.412 14.55h datiert
"Senter for studier av Holocaust og livssynsminoriteter
Ein Bericht dieser Fahrt übersetzt
Es wird  angenommen, das insgesamt
771 Juden deportiert wurden, nur 34 überlebten den Holocaust.

Edit: Daten gem. Anmerkungen @TW korrigiert
« Letzte Änderung: 27 Juli 2016, 15:24:00 von bettika61 »
Grüße
Beate

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Offline bettika61

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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #107 am: 25 Juli 2016, 12:18:34 »
Hallo,
der letzte Teil im Bericht über die Überfahrt mit der "Donau" lässt aufhorchen
Zitat
Obwohl andere Schiffe auch in den Deportationen teilgenommen haben, hat sich die Donau als Symbol des Versuchs blieb die norwegischen Juden zu vernichten.  Viele norwegische politische Gefangene wurden auch von der Donau in deutsche Konzentrationslager transportiert,
Es lässt sich feststellen das der Transport von Norweger in deutsche KZ nicht nur auf die Juden beschränkt war.44000 Norweger wurden von den deutschen während der Besatzungszeit verhaftet, mehre tausend wurde nach Deutschland in verschiedene KZ und Lager transportiert
Zitat
Sachsenhausen 2 700     
•  Auschwitz 770
•  Natzweiler 504
•  Ravensbrück 130
 •  Dachau 350
•  Buchenwald 750
•  Mauthausen-Gusen 90
•  Neuengamme 110     
 •  Stutthof 370
•  Groß-Rosen 30
•  Bergen-Belsen 50
•Schildberg (Oflag XXI-C) 1 150 (Offiserer)
•  Sonnenburg 250 (Flest motstandsfolk)
http://www.slektsdata.no/oversikt_fangeleire.htm
übersetzt

Außer der "Donau" habe ich leider bisher keine Hinweise auf die Transportschiffe gefunden
Es gibt eine umfangreiche Archivseite zum Thema "nordmenn i  fangenskap"  http://www.arkivverket.no/arkivverket/Tema/Andre-verdskrig/Nordmenn-i-fangenskap
aber über die Transporte  :?
Grüße
Beate

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Offline Urs Heßling

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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #108 am: 25 Juli 2016, 15:25:52 »
moin,

gehören die Transporte von Kriegsgefangenen eigentlich zum Thema hier?
Es gibt bereits das Thema "Gefährdung von Transporten mit  Kriegsgefangenen, Internierten und Flüchtlingen
 und Unterlassung von Hilfeleistung" bei Chronik des Seekrieges http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/kriegsrecht/transporte.htm
Die Transporte nach Norwegen von russischen, polnischen und jugoslawischen Kriegsgefangenen nehme ich mit auf, da sie zur  Zwangsarbeit in Arbeitslager verschleppt wurden und von den Deutschen nicht den Status von Kriegsgefangenen erhielten.
als Ergänzung zu dem angeführten Chronik-Link : https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6llenschiff

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline bettika61

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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #109 am: 25 Juli 2016, 17:37:48 »
Hallo,
ein Rätsel gibt die Meldung eines vermissten Schwimmdock mit 1500 Kriegsgefangenen  im KTB SKL Bd.68 auf.
Zitat
Lage Ostsee am 7.Mai 1945 , 0800h
5.
Wehrmachtkommandant Kiel meldet, daß ein Schwimmdock mit 1500 Kriegsgefangenen mit Deutscher Bewachung unterwegs nach Förde ins Treiben geraten. Verbleib Schwimmdock unbekannt.Suchaktion eingeleitet.
Ob dies zu  Thema passt, kann sich erst zeigen , wenn die Herkunft des Schwimmdocks bekannt ist. Wer hat Informationen darüber?

Im Buch von Schmidtke wird die Vermutung geäußert, das es sich um Stettiner Schwimmdocks handeln könnte die schon nach Swinemünde geschleppt worden sind.
Im KTB SKL steht am 1.4.45 ein Hinweis , über den geplanten   Versuch Schwimmdocks  aus Stettin zu holen.
Was auffällt   Schmidtke bezieht auf die gleiche Quelle KTB SKL, schreibt aber "bei der Schleppfahrt 1000 Mann an Bord", nichts von Kriegsgefangenen,Schlampigkeit  :?

Die Herkunft der Kriegsgefangenen ist rätselhaft, seit dem 9.4.45 gilt der Befehl des Genst.d.H.,  "Jeglicher Abtransport von russ. Kriegsgefangenen aus Ost- und Westpreussen hat zu unterbleiben".
Den einzigen Hinweis auf einen geplanten Transport von Kriegsgefangene im KTB SKL ,sind "718/5/263/584 Kriegsgefangene" die noch
am 26.4. auf den Transport Oslo-Aarhus warten, der am 27.4 mit der "Ceuta" beabsichtigt ist.
« Letzte Änderung: 25 Juli 2016, 17:55:27 von bettika61 »
Grüße
Beate

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Offline bodrog

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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #110 am: 25 Juli 2016, 21:37:39 »
1941 sind Gefangene aus dem KZ Börgermoor als Arbeitskommandos nach Norwegen gekommen. Da sie ja sicher nicht dorthin geschwommen sind, sollte ja auch Schiffe beteiligt gewesen sein...

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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #111 am: 26 Juli 2016, 12:31:56 »
Hallo Beate,
Manchmal steht es auch falsch in den zitierten Wiki-Artikeln (nicht überall);
aber ich ersehe aus den Zusammenhängen: die Transporte waren alle erst 1942, nicht wahr?
Gruß, Thomas

Hallo,
es gab noch weitere Transporte von norwegischen Juden  nach Deutschland
27.4.1941 "Monte Rosa"
eine weitere Fahrt der "Donau" am 15.11.1941
20.11.1941 "Monte Rosa" mit 20 Juden an Bord
26.11.1941 "Monte Rosa" mit 26 Juden
die o.g Fahrt der "Donau "  mit 532 Juden wird auf den 26.11.41 14.55h datiert

Offline bettika61

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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #112 am: 27 Juli 2016, 15:47:01 »
Hallo Thomas,
danke fürs aufmerksame mitlesen  :MG:, ich habe die Daten oben angepasst
Die beste Quelle ist noch http://www.hlsenteret.no/kunnskapsbasen/folkemord/folkemord-under-nazismen/holocaust/norge/deportasjonen-av-de-norske-jodene.html

Es gab aber offenbar auch schon Transporte von Juden in 1941 , wie Einzelschicksale zeigen. Ich  habe die Daten, wenn auch mit einigen  ? zusammengefasst. Die Ankunftsdaten der Donau und Gotenland in Stettin sind aus dem KTB KMD Stettin.
Die Transportlisten machen deutlich, wie der Weg direkt vom Schiff zur Bahn ins KZ in den Tod ging.
Erschütternd,wie aus den reinen Zahlen eine lange Liste von Namen und Einzelschicksalen wird.

Zitat
27.4.1941 (?) "Monte Rosa" https://lokalhistoriewiki.no/index.php/Deportasjonen_av_j%C3%B8dene
22.05.1941 „Monte Rosa“ Oslo-Stettin https://en.wikipedia.org/wiki/Moritz_Rabinowitz#cite_note-8 (+27.2.1942)
15.11.1941 (?)  „Donau“ (?) nach Hamburg  https://lokalhistoriewiki.no/index.php/Miriam_Kristiansen (+1.5.1942)

20.11.1942 Oslo Frachter Monte Rosa mit 20 Juden
26.11.1942 14.55h ab Oslo-Stettin  „Donau“ mit 532 Juden
30.11.1942 11.00 h an Stettin
30. 11.1942 um 16:12 Uhr läuft ein Zug mit 532 Norweger jüdischen Glaubens mit Ziel KZ Auschwitz aus. Transportliste http://www.tenhumbergreinhard.de/transportliste-der-deportierten/transportliste-der-deportierten-1942/transport-30111942-stettin.html

26.11.1942 Oslo Frachter „Monte Rosa“ mit 26 Juden

25.02.1943 „Gotenland „ mit 158 Juden
27.02.1943 11.00h an Stettin
Transportliste Auschwitz http://www.tenhumbergreinhard.de/transportliste-der-deportierten/transportliste-der-deportierten-1943/transport-27021943-stettin.html
Grüße
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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #113 am: 27 Juli 2016, 15:56:23 »
Hallo,
Zitat
Die Weigerung der 10.000 Mann starken dänischen Polizei, härter gegen den einheimischen Widerstand vorzugehen, führte am 19. September 1944 zu ihrer Auflösung. Im Zuge der Aktion wurden 2.235 Polizisten in das KZ Neuengamme und das KZ Buchenwald deportiert https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%A4nemark_unter_deutscher_Besatzung

aus dem SKL C-III 21.9.1944
Zitat
Adm.Skagerrak drahtet ...
Betr.: Entwaffnung Daen. Polizei.-
......Abtransport festgenomener Daen Polizei aus Khagen, rund 1000 Köpfe heute abend durch Dpfer Cometa nach Lübeck.-...
Grüße
Beate

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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #114 am: 27 Juli 2016, 22:27:36 »
Auf der Suche nach der "Kerkplain" bin ich auf einen weiteren Transport von 1551 russischen Kriegsgefangenen gestoßen.
Mir fehlen noch Abfahrt- und Ankunftdaten bzw - häfen,
aber der Angriff war am 4. Oktober 1943
Hier die Quelle: Operation 'Leader'
Gruß, Thomas
« Letzte Änderung: 27 Juli 2016, 23:19:45 von TW »

Offline bettika61

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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #115 am: 28 Juli 2016, 10:45:49 »
Hallo Thomas,
  für den gesuchten Zeitraum ist die Kerkplein nicht im KTB KMD Stettin aufgeführt.

Neu als "Wohnschiff" für russische Kriegsgefangene.
ehem. norweg. Schulschiff Sørlandet
Zitat
Early 1940s/World War II: Used by German occupiers as an accommodation vessel for their submarines. Later used to house Russian prisoners of war. During an air raid, the ship sank in Norway’s Kirkenes Bay; later risen and towed back to homeport of Kristiansand.
http://www.mlive.com/entertainment/bay-city/index.ssf/2013/07/bay_city_tall_ship_celebration_16.html
im DDK  Bd.5
Zitat
13.2.42 Gefängnisschiff Kirkeness
16.11.43 Kirkenes/sowjet. FliBo Nahtreffer,später gesunken
Umbau zum Wohnhulk...
26.10.44 i.D. 11.U-Fl. Kristiansand-Süd
Grüße
Beate

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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #116 am: 29 Juli 2016, 12:33:36 »
Ich stieß vorgestern auf ein sehr langes Dokument über die Verschiffung von KZ-Häftlingen in Österreich über Ostern 1945. Leider ist nur ein einziges Schiff namentlich genannt. Ich habe hier ein paar Auszüge zusammengestellt.
Viele Grüße,
Thomas

Nach der Evakuierung des Lagers Engerau im März 1945 wurden die Insassen, so sie nicht schon vorher ermordet worden waren, mit einem Schiffstransport in das KZ Mauthausen verbracht und mussten in weitere Folge bis in das Waldlager Gunskirchen bei Wels marschieren, wo sie amerikanische Truppen Anfang Mai befreiten.

Am Karfreitag um 5 Uhr morgens war der Zug in Bad Deutsch-Altenburg angekommen und lagerte am Donauufer. Dort hätte ein Schiff die Lagerinsassen aufnehmen sollen, es war aber keines da, weshalb zwei Tage und zwei Nächte zugewartet werden musste, bis die Juden auf drei Donauschlepper "verladen" werden konnten, um in das Konzentrationslager Mauthausen transportiert zu werden.

Erstmals wurde in Zeugenprotokollen der "Engerau-Prozesse" 1945–1954 über die Fahrt auf dem Donauschlepper von Bad Deutsch-Altenburg nach Mauthausen berichtet. Zwei Ungarn sagten aus, dass die Schiffsreise sieben Tage dauerte. Die Leute waren ohne Verpflegung und täglich starben am Schiff mehrere Personen, die ganz einfach ins Wasser geworfen wurden.

In Bad Deutsch-Altenburg wurden die Häftlinge auf drei Schleppschiffe verladen und Praschak
als Verantwortlicher für die Verpflegung eingesetzt. Er gab zu, dass während der fast
einwöchigen Fahrt nach Mauthausen zwischen 25 und 30 Menschen an Hunger starben und
nahm zumindest teilweise die Schuld dafür auf sich, da „es […] meine Menschenpflicht gewesen
[wäre], irgend nur erdenkliche Wege zu suchen und den Juden zu helfen. […] Die Juden,
die man verstaut hatte, wie die erbärmlichsten Geschöpfe der Welt, hat man auf Decken gelegt,
da für Betten kein Platz vorhanden war. Die Juden kamen vor Hunger schwankend und bittend
zu mir, ich möge ihnen nur irgendetwas zu essen geben, da sie ansonsten verhungern. Ich selbst
musste die Juden abweisen, da ich wirklich nichts mehr zu essen hatte.“

„Die Schiffsreise dauerte 7 Tage, wir blieben während dieser Zeit ohne Verpflegung, ohne
Wasser. Auf unserem Schlepper starben täglich ungefähr 10 Leute. Ihre Leichen wurden
ins Wasser geworfen. Bei der Ankunft in Mauthausen wurden die Körperschwachen,
die mit ihrem Gepäck nicht mehr marschieren konnten, lebend ins Wasser geworfen
und diejenigen, die nicht sofort untergingen, sondern Versuche machten, sich auf der
Wasseroberfläche zu halten, wurden durch Schüsse getötet.“

Die Schifffahrt beschrieb ein anderer Zeuge ausführlicher: Neben ihm waren angeblich auch der
„Ehrenzeichenträger“ Bayer und der „Politische Leiter“ Fickhofer Begleiter des Transportes.
Am Karsamstagnachmittag – gegen 15 Uhr – kam das Motorschiff „Rudnick“ in Bad Deutsch-
Altenburg an, worauf die Einschiffung der jüdischen Häftlinge begann. Am Praterspitz in
Wien wurde erstmals angelegt, wo er selbst angeblich das Schiff verließ, nach Hause ging und
erst am nächsten Tag – am Ostersonntag – zurückkehrte, weil er den Befehl zu befolgen hatte,
die Juden nach Mauthausen zu bringen. In weiterer Folge wurde noch vier bis fünf Mal Halt
gemacht, die Juden hätten allerdings die Schlepper nicht verlassen, es wäre weder von ihm,
noch von seinen beiden Kameraden geschossen worden

Am Karsamstag um ½ 5 Uhr nachmittags erfolgte die Einschiffung der Juden auf ein Zugschiff
mit drei Frachtenschleppern in Bad Deutsch-Altenburg. Zu den Gefangenen des Lagers
Engerau kamen auch noch ungarische Juden aus dem Lager Bruck/Leitha. Als Bewachung
wurden neben Willibald Praschak der „Politische Leiter“ Fickhofer als Transportführer sowie
ein gewisser Bayer eingesetzt.

Auf die Schlepper, die ca. 30m lang waren, kamen 5–700 Leute hinauf. Auf dem Schlepper, auf dem ich mich befand, war keine Wachmannschaft, diese dürfte auf dem Motorschiff gewesen sein. Wir fuhren bis nach Mauthausen. Von Engerau bis Mauthausen wurde nichts zum Essen ausgegeben und haben wir den Hafer, den wir aus Ritzen im Schiffsboden herausholten vor Hunger gegessen. 6–7 Tage waren wir ohne Essen. Auch Trinkwasser gab es keines, nur Donauwasser. Bei jeder Hundertschaft befand sich ein Capo, der immer wegen des Essens intervenierte und wurden wir von einer Station zur anderen vertröstet. So kamen wir am siebten Tage ohne Essen in Mauthausen an. Es sind auf dem Schleppschiff viele gestorben und wurden dieselben einfach in die Donau geworfen. Die Schlepper legten ein paar Mal an. In Wien sind einige von den Häftlingen durchgebrannt. […] Praschak passte auf, dass niemand von den Häftlingen an Land ging. Er bewegte sich in der Länge der Schlepper hin und her. […] Die meisten kamen nach einer 6-tägigen Schifffahrt am 6. April in elendigem Körperzustand, vollkommen erschöpft im Donauhafen Mauthausen an. Natürlich nicht jeder, denn die Zahl derer war auch nicht gering, die die lang andauernde Hungerfahrt nicht überleben konnten; diese wurden unterwegs in der Donau versenkt. In Mauthausen angelangt, übernahmen uns nach erfolgter Ausschiffung SS-Soldaten […].“

Quelle: Claudia Kuretsidis-Haider: „Das Volk sitzt zu Gericht“ Österreichische Justiz und NS-Verbrechen am Beispiel der Engerau-Prozesse 1945–1954
https://fedora.e-book.fwf.ac.at/fedora/get/o:53/bdef:Content/download

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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #117 am: 29 Juli 2016, 18:27:09 »
Am Karsamstagnachmittag – gegen 15 Uhr – kam das Motorschiff „Rudnick“ in Bad Deutsch-
Altenburg an, worauf die Einschiffung der jüdischen Häftlinge begann.

Ich bin auf der Suche nach dem Schlepper Rudnik.

1887 lieferten die Stettiner Oderwerke eine neue “Dampfyacht der Allerhöchsten Herrschaften” (d.h. für den Kaiser) einen 29,4 m langen, 5,1 m breiten Doppelschraubendampfer ab, der den Namen “Alexandria” (ii) erhielt und bei der Matrosenstation in Potsdam stationiert wurde. Dieses Schiff, diente  Wilhelm II. bei vielen offiziellen Anlässen [z. B. Eröffnung des Teltowkanals und Ruder-Regatta-Eröffnung in Berlin- Grünau] als Staatsyacht.

1921 erwarb eine jugoslawische Reederei die “Alexandria”, die sie als Schlepper auf der Donau einsetzte. Erst 1985 ist das Schiff, das zuletzt “Rudnik” hieß, verschrottet worden.”

Im Gröner (Bd.6, S.197) steht aber, dass der Schlepper erst 1948 den Namen "Rudnik" bekam.
Ansonsten finde ich auf der Donau nur noch den Frachter "Rudnichar".
Findet Jemand von Euch die richtige "Rudnik"?
Viele Grüße
Thomas

Offline bettika61

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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #118 am: 29 Juli 2016, 22:28:28 »
1941 sind Gefangene aus dem KZ Börgermoor als Arbeitskommandos nach Norwegen gekommen. Da sie ja sicher nicht dorthin geschwommen sind, sollte ja auch Schiffe beteiligt gewesen sein...
Hallo bodrog,
guter tip  :MG:
Zitat
Hoffnung, der Gedanke an bessere Fluchtchancen, keimt auf, als im August 1942 aus den
Militärstrafgefangenen in den nördlichen Emslandlagern ein großes Arbeitskommando
für Norwegen zusammengestellt wird. Horst Schluckner zählt zu den Ausgewählten, die
per Schiff von Stettin über die Ostsee, entlang der norwegischen Atlantikküste bis an den
Polarkreis transportiert werden, um dort Befestigungen für die Wehrmacht zu bauen
oder in extremer Kälte Straßen vom Schnee frei zu halten. Rund die Hälfte der aus den
Moorlagern nach Nordnorwegen gebrachten Häftlinge geht an den Lager- und Arbeitsbedingungen
am Eismeer zugrunde. Horst Schluckner überlebt und kehrt im Juni 1945
zurück....
Viele der in den nördlichen Emslandlagern inhaftierten Militärstrafgefangenen verbanden
mit einem Abtransport aus dem Moor ihre einzige Überlebenshoffnung. Rund 5.000
von ihnen wurden zwischen 1941 und Februar 1945 im Torgauer Wehrmachtgefängnis
»Fort Zinna« einer mehrwöchigen Eignungsüberprüfung und »Ausbildung« unterzogen,
um danach in die Infanterie-Einheiten der Bewährungstruppe 500 eingegliedert zu werden.
 In zwei Transporten wurden 1942 rund 2.000 Moorhäftlinge in das Strafgefangenenlager
»Nord« nach Nordnorwegen gebracht, wo sie u.a. im Festungs-, Stellungs-,
Eisenbahn- und Brückenbau ...
http://www.ofg.uni-osnabrueck.de/jahrbuch-pdf/1997/JB1997_Auslaender.pdf
Das KTB KMD Stettin verzeichnet für Juni 1942  6 Transporte mit  über 4000 Häftlingen/Gefangenen ,allerdings nicht wie o.g. August 42

Edit Strafgefangenenlager Nord = Strafgefangenenlager für Militärinternierte in Bodø
https://www.bundesarchiv.de/zwangsarbeit/haftstaetten/index.php?action=2.2&tab=7&id=482
« Letzte Änderung: 30 Juli 2016, 01:09:40 von bettika61 »
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Beate

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Re: Transport Gefangener durch die Kriegsmarine
« Antwort #119 am: 01 August 2016, 19:50:33 »
Im Oktober 1940 wurde bekannt, dass die Deutschen Hammerfest als zentralen Fischereihafen gebrauchen wollten. Hammerfest sollte Lebensmittelproduzent für das großdeutsche Reich werden. Eine Fischfabrik (Vertilo - Vereinigte Tiefkühlgesellschaften Lohmann & Co. K.G.) wurde gebaut, und etwa 300 bis 400 ukrainische Frauen wurden dort zur Zwangsarbeit gezwungen. Die ersten kamen im Juni 1942 mit dem Truppentransporter "Levante", die jüngste war 13 Jahre alt und die älteste 64 Jahre. Eine von diesen Frauen lebt noch in Hammerfest. Auch Norweger wurden zur Arbeit abkommandiert, und Verweigerung führte zu Gefängnisstrafen.

Qu: http://www.71nord.de/HamGeschichte.html#April1940