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Autor Thema: U 250  (Gelesen 1911 mal)

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Offline M-54842

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U 250
« am: 25 Juni 2014, 19:19:06 »
In wenigen Wochen ist der 70. Jahrestag der Versenkung von U 250 erreicht. Dies habe ich mir zum Anlass genommen, mich der Versenkung des Bootes und den daraus resultierenden Folgen zu beschäftigen.
U 250 wurde am 30.07.1944 um 19.25 Uhr in der Ostsee (Koivisto-Meerenge) auf der Höhe der nördlichen Zufahrt zum Björkö-Sund durch das sowjetische Wachboot MO-103 versenkt.

Die Versenkung überlebten:
- Kptlt. Werner-Karl Schmidt
- OStrm. Hermann-Heinrich Diercks
- OStrm. Günther Riedel
- MaschMt. Karl-Heinz Faensen
- SanMt. Heinz Schüppel und
- MaschGfr. Rudolf Tscharnke.

Die anderen 46 Angehörigen der Besatzung sind am 30.07.1944 gefallen.
Vor seiner eigenen Versenkung versenkte U 250 den sowjetischen U-Jäger MO-105.

Im August 1944 wurde U 250 von der sowjetischen Marine aus 27 Metern Tiefe gehoben und nach Kronstadt gebracht. Dort wurde U 250 am 25.09.1944 eingedockt, einen Tag später wurden die im Wrack befindlichen Gefallenen geborgen.
Gleichzeitig gelang die Bergung mehrerer Torpedos vom Typ T-5 "Zaunkönig", einer damaligen Neuentwicklung. Die an Bord befindlichen T-5-Torpedos waren der Grund von Zerstörungsversuchen des Wracks mittels WaBo´s durch die Kriegsmarine vor der Wrackbergung.
Noch vor der Wrackbergung betauchten sowjetische Marinetaucher das versenkte U 250 und bargen aus der Zentrale Dokumente, so u. a. den Behälter mit den Seekarten und die persönliche Kartentasche des Kommandanten. Nach der Eindockung in Kronstadt fand die sowjetische Marine weiteres Geheimmaterial und eine Enigma M-4, einschließlich Schlüsseltabellen. Die sowjetische Marine verfügte damit über Kenntnisse hinsichtlich der minenfreien Schifffahrtswege und der Positionen der deutschen Minenfelder in der Ostsee. Auch soll die sowjetische Marine in der Lage gewesen sein, den Funkverkehr der Kriegsmarine zu entschlüsseln und auszuwerten.
Daraufhin verlegten sowjetische U-Boote Minen auf den geräumten Schifffahrtswegen, während andere U-Boote an den nicht verminten Zwangswegen lauerten. Das erbeutete Geheimmaterial von U 250 soll neben der fehlenden Geleitsicherung im Wesentlichen für die schweren Tragödien mit den Flüchtlingsschiffen (Gustloff, Goya, Steuben) in der Ostsee 1945 verantwortlich gewesen sein.   
Hat zu dieser These jemand tiefergehende Kenntnis oder zitierfähige/belastbare Quellen ?   

       

 

Offline Urs Heßling

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Re: U 250
« Antwort #1 am: 25 Juni 2014, 19:37:41 »
moin,

Am 31.8./1.9.1944 verminte die 5. SFltl mit den Boote S 67, S 80, S 120 und S 65 die Verlustposition, um eine Bergung zu verhindern (die Tür abschließen, wenn die Kuh geklaut ist)
S 80 ging auf dem Rückmarsch durch Minentreffer verloren.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline kalli

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Re: U 250
« Antwort #2 am: 26 Juni 2014, 21:03:01 »
In seinem Buch „Морские охотники Сталина-Неисвестная война в финском заливе“ hat Miroslaw Morosow darüber geschrieben, incl. Angriffsschema vom 30.07. und dem bekannten Foto der Überlebenden.
Verlag: Eksmo, 2013, ISBN 978-5-699-64363-9

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Re: U 250
« Antwort #3 am: 26 Juni 2014, 23:36:24 »
Das erbeutete Geheimmaterial von U 250 soll ... im Wesentlichen für die schweren Tragödien mit den Flüchtlingsschiffen (Gustloff, Goya, Steuben) in der Ostsee 1945 verantwortlich gewesen sein.   
Hat zu dieser These jemand tiefergehende Kenntnis oder zitierfähige/belastbare Quellen ?

Das halte ich für Propaganda. Dass die Ostsee-Zwangswege über Erbeutung von geheimen Unterlagen bekannt wurden, ist vielleicht noch möglich, denn die Zwangswege wechselten nicht monatlich. Aber weder Auslauftermin der "Gustloff" noch die Entscheidung für den Tiefwasserweg waren im Juli 1944 schon bekannt.
Für die "Goya" ist so eine These noch unglaubwürdiger, denn die Fahrzeiten der Goya waren nicht im Mindesten vorhersehbar. Es gab im Juli keine Absicht, Evakuierungstransporte zu unternehmen, geschweige denn einen Fahrplan.
Schönen Gruß, Thomas

Offline Rheinmetall

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Re: U 250
« Antwort #4 am: 27 Juni 2014, 17:39:42 »
Hey M-54842 !

Wenn Du Bilder von dem besagten Boot brauchst, melde Dich bei mir.  :wink:

Viele Grüße,

Rheinmetall
Ab Kapstadt ohne Kreiselkompass - Jürgen Oesten, U 861

Offline M-54842

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Re: U 250
« Antwort #5 am: 27 Juni 2014, 17:41:09 »
Das erbeutete Geheimmaterial von U 250 soll ... im Wesentlichen für die schweren Tragödien mit den Flüchtlingsschiffen (Gustloff, Goya, Steuben) in der Ostsee 1945 verantwortlich gewesen sein.   
Hat zu dieser These jemand tiefergehende Kenntnis oder zitierfähige/belastbare Quellen ?

Das halte ich für Propaganda. Dass die Ostsee-Zwangswege über Erbeutung von geheimen Unterlagen bekannt wurden, ist vielleicht noch möglich, denn die Zwangswege wechselten nicht monatlich. Aber weder Auslauftermin der "Gustloff" noch die Entscheidung für den Tiefwasserweg waren im Juli 1944 schon bekannt.
Für die "Goya" ist so eine These noch unglaubwürdiger, denn die Fahrzeiten der Goya waren nicht im Mindesten vorhersehbar. Es gab im Juli keine Absicht, Evakuierungstransporte zu unternehmen, geschweige denn einen Fahrplan.
Schönen Gruß, Thomas

Hallo Thomas,

ich gehe davon aus, dass die Versenkung der "Gustloff" und der "Goya" nicht der operativen Planung der sowjetischen Marine entsprach. Vielmehr gehe ich davon aus, dass die sowjetischen U-Boote an den Zwangswegen lauerten, ohne Bezug auf die genannten Schiffe. Sie torpedierten dann, was ihnen vor die Rohre kam.

Offline Darius

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Re: U 250
« Antwort #6 am: 09 September 2020, 21:38:05 »
Hi,

nicht U 250 aber Zaunkönig:

KTB Skl. vom 07.03.1945:
Zitat
[...] b) Bedauerlicherweise sind bei dem schnellen Rückzug in Westpreußen nach Meldung der Firma Elac in Kiel einige komplette Kopfteile des "Zaunkönig" bei der Räumung eines Zweigwerkes in Marienwerder nicht vernichtet worden und daher mit hoher Wahrscheinlichkeit in Feindeshand gefallen. Der Betriebsführer hatte bis zum letzten Augenblick vergeblich versucht, durch die noch anwesende Polizei oder Pioniereinheiten eine Sprengung der zurückgelassenen Geräte vornehmen zu lassen.[...] immerhin muß der "Zaunkönig" als kompromittiert angesehen werden.[...]


 :MG:

Darius