collapse

* Benutzer Info

 
 
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren. Haben Sie Ihre Aktivierungs E-Mail übersehen?

* Suchfunktion


* HMA

Autor Thema: U-168 vor Indonesien gefunden  (Gelesen 7843 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline t-geronimo

  • Administrator
  • *
  • Beiträge: 19888
  • Carpe Diem!
U-168 vor Indonesien gefunden
« am: 20 November 2013, 20:11:23 »
Vor Indonesien wurde anscheinend das Wrack eines deutschen U-Bootes, eventuell U 168 oder U 183, entdeckt:

 --/>/> http://www.t-online.de/nachrichten/wissen/geschichte/id_66601896/indonesien-deutsches-u-boot-aus-zweitem-weltkrieg-entdeckt.html

Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Offline suhren564

  • Kapitän zur See
  • *
  • Beiträge: 1875
Re: U-168 vor Indonesien gefunden
« Antwort #1 am: 20 November 2013, 20:14:24 »
Dies ist erstaunlicherweise auch dem ZDF eine Meldung im Videotext wert gewesen. Habe es grade dort gelesen gehabt.
Gruß Ulf

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.... 
Erich Kästner

Offline Teddy Suhren

  • Boardinventar
  • *
  • Beiträge: 3904
  • Jörg K.
Re: U-168 vor Indonesien gefunden
« Antwort #2 am: 20 November 2013, 20:45:03 »
Hai

die "Welt" legt sich auf U168 fest.

Offline Urs Heßling

  • Board Moderator
  • *
  • Beiträge: 17061
  • Always look on the bright side of Life
Re: U-168 vor Indonesien gefunden
« Antwort #3 am: 20 November 2013, 20:48:14 »
moin,

da die Untergangspositionen gemäß uboat.net rund 100 sm voneinander entfernt sind, sollte die Identität eigentlich nicht zweifelhaft sein.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline suhren564

  • Kapitän zur See
  • *
  • Beiträge: 1875
Re: U-168 vor Indonesien gefunden
« Antwort #4 am: 20 November 2013, 20:49:46 »
Die Wracklagen von U 168 und U183 müßten doch eigentlich bekannt sein.
 
@ Urs war schneller!  :roll:
Gruß Ulf

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.... 
Erich Kästner

Offline Rheinmetall

  • Korvettenkapitän
  • *
  • Beiträge: 980
Re: U-168 vor Indonesien gefunden
« Antwort #5 am: 21 November 2013, 23:39:03 »
Nabend !

Falls es jemand interessiert, in Jochen Brennecke´s Werk "Haie im Paradies" schildert der damalige Kommandant von U 168, Helmuth Pich, eindrucksvoll und ausführlich den Untergang seines Bootes.

Rheinmetall
Ab Kapstadt ohne Kreiselkompass - Jürgen Oesten, U 861

Offline suhren564

  • Kapitän zur See
  • *
  • Beiträge: 1875
Gruß Ulf

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.... 
Erich Kästner

Offline Götz von Berlichingen

  • Fregattenkapitän
  • *
  • Beiträge: 1202
Re: U-168 vor Indonesien gefunden
« Antwort #7 am: 01 Dezember 2013, 11:39:04 »
Ich bin gerade in dem Buch von Günther W. Gellermann »Geheime Reichssache - Geheime Kommandosache. Rätselhafte Fälle aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges«, E.S. Mittler & Sohn, Hamburg - Berlin - Bonn 2002, S. 43 ff., auf das dortige Kapitel über U 183 gestoßen.

Gellermann schreibt, daß nach den Aussagen des Obersteuermannes von U 183, Karl Wisniewski, vor US-Vernehmungsoffizieren U 183 mit 3,6 t überschüssigem Treibstoff, der in den Tauchzellen 1, 2 und 3 gebunkert worden sein soll, Batavia verlassen haben soll und deshalb ein Tauchen erst nach einer Fahrzeit von drei Tagen wieder möglich gewesen wäre und auch »erheblich mehr Lebensmittel an Bord genommen, als für eine normale Einsatzdauer benötigt« worden seien.


Lt. offiziellem Op.-Befehl hätte U 183 in den Planquadraten RP, SH, SJ, bei starker Abwehr dort RQ oder SK operieren sollen.

Am 20.04.1945 habe FK Dommes an den BdU folgenden Funkspruch abgesetzt:

»Auslaufen Schneewind am 21.4.45. Geschätzte Ankunft im Op.-G. 29.4.45. Rückmarsch nach Soerabaya nach Aufbrauch der Kampfkraft.«
Zusatz vom Marineattaché: »Op.G. ist südlich Samar vor den Durchfahrten zu den Philippinen (Surigao-Straße und Seeweg in die Celebes-See zwischen Talaur und der Südspitze von Mindanao) bis zur Länge von 122° Ost...« [PRO-DEF/743]

Dafür wären lt. Gellermann das überschüssige Dieselöl und der Proviant nicht nötig gewesen.

Zudem habe ein letzter unter Aufsicht der Engländer vom BdU von einer dt. Funkstelle in Oslo an U 183 abgesetzter Funkspruch gelautet:
»...o to Fremantle, if short of fuel to another Australian harbour. Black flag...«

Was nahelegt, daß U 183 vom BdU vor der westaustralischen Küste vermutet wurde. Gellermann spekuliert deshalb, das das letzte Fahrtziel von U 183 ein ganz anderes als das im offiziellen Op.-Befehl (der evtl. zur Täuschung der Japaner so gefaßt gewesen sein könnte) genannte gewesen sein könnte und daß U 183 möglicherweise auf dem Rückmarsch nach Deutschland gewesen sei.

Lt. Aussagen seiner Familie wäre überdies der beim Untergang gefallene Steuermannsmaat Heribert Zopf, der über keine Uboot-Ausbildung verfügt habe, nur deshalb auf U 183 versetzt worden, weil er einen Heimaturlaub antreten sollte.
»Jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: In der ersten wird es lächerlich gemacht, in der zweiten bekämpft, in der dritten gilt es als selbstverständlich.«  Arthur Schopenhauer

Offline Urs Heßling

  • Board Moderator
  • *
  • Beiträge: 17061
  • Always look on the bright side of Life
Re: U-168 vor Indonesien gefunden
« Antwort #8 am: 01 Dezember 2013, 12:11:49 »
Gellermann spekuliert deshalb, das das letzte Fahrtziel von U 183 ein ganz anderes als das im offiziellen Op.-Befehl (der evtl. zur Täuschung der Japaner so gefaßt gewesen sein könnte) genannte gewesen sein könnte und daß U 183 möglicherweise auf dem Rückmarsch nach Deutschland gewesen sei.
Zumindest diese Karte http://www.uboat.net/boats/patrols/patrol_4065.html spricht dagegen. Demnach war U 183 auf dem Marsch in das genannte Einsatzgebiet.

Lt. Aussagen seiner Familie wäre überdies der beim Untergang gefallene Steuermannsmaat Heribert Zopf, der über keine Uboot-Ausbildung verfügt habe, nur deshalb auf U 183 versetzt worden, weil er einen Heimaturlaub antreten sollte.
Das muß man sich einmal vergegenwärtigen: Bei einem Auslaufen am 21.4.1945 und voraussichtlich mehr als zweimonatiger Fahrt ..

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline Götz von Berlichingen

  • Fregattenkapitän
  • *
  • Beiträge: 1202
Re: U-168 vor Indonesien gefunden
« Antwort #9 am: 01 Dezember 2013, 14:25:11 »
Moin Urs,

Gellermann stellt dazu folgende Überlegungen an:

»Für den Marsch in das Operationsgebiet wurde Schneewind von den Japanern, wahrscheinlich auch wegen deren Minensperren, folgender Kurs vorgegeben:
"to pass north of Guineato 5° N and east of Morotai to 153° E. Enroute to pass thru 05°15 N/108° E, 04°49 S/114°41 E, 04°15 S/116° 51 E, 03°18 S/118°13E, 01°30N/120°40 E, 05°00 N/125°20E.  Noon positions on route estimated: 22.05°12 S/109°30 E, 23.04°54 S/113°30 E, 24.04°00 S/117°18 E, 25.02°00 S/118°18 E, 26.00°18 S/ 118°30 E, 27.0012°12 N/119°40 E. [Dommes an Skl in: PRO-DEF/743] [...]

In der Abenddämmerung des 21. April verließ U 183 den Hafen von Batavia. Der Turm war beiderseitig zum Schutz gegen japanische Streitkräfte mit den japanischen Landesfarben gekennzeichnet. [Brief von Karl Wisniewski an Frau Willert vom 16.02.1947]
Als offizielles Einsatzgebiet war der Raum östlich der Philippinen angegeben worden. Wisniewski verfügte allerdings nur über Kursangaben bis zum nördlichen Ausgang der Macassarstraße [vgl. hierzu die Angaben Wisniewskis in den Vernehmungsprotokollen. Hierbei muß allerdings berücksichtigt werden, daß der Obersteuermann keinen Grund hatte, das Fahrtziel, wenn er es kannte, seinen Vernehmern gegenüber anzugeben].

Am nächsten Morgen wurde auf dem Boot festgestellt, daß die Japaner eine Luftsicherung für U 183 bereitgestellt hatten. Eine ihrer Maschinen begleitete das Boot während des ganzen ersten Fahrtages.

"...am 23. April verließ der Kommandant gegen 13:25 Uhr die Brücke, nachdem er 'normalen Ausguck'  befohlen hatte. U 183 stand zu diesem Zeitpunkt etwa 70 - 80 sm westlich der Bawean-Inseln (nördlich Surabaja in der Javasee). Seegang 3. Das Boot lief 11 kn, einen Generalkurs von 87° und steuerte einen Zickzackkurs. Der Steuermann, der mit sieben erfahrenen Ausguckposten die Brückenwache übernommen hatte, suchte den achterlichen Luftraum nach Flugzeugen ab, als das Boot [...] von einem amerikanischen U-Boot [...] mit einem Sechserfächer torpediert wurde und sofort [...] sank. [...]

Die [Kptlt. Schneewind] von den Japanern durch Funkspruch übermittelten Kursvorgaben waren den Alliierten bekannt, da sie auch diesen Funkspruch entziffert hatten. Die Folge war, daß ein Rudel von drei amerikanischen U-Booten das deutsche Boot erwartete [vgl. KTB USS Besugo v. 22.04.1945, 21:05 u. 21:15 Uhr, 23.04.1945, 04:00 Uhr].
Der amerikanische Rudelführer, Commander J.H. Campel auf USS Blower, hatte seine Boote so verteilt, daß U 183 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in die Nähe eines dieser Gegnerschiffe kommen mußte. Die zu diesem Zeitpunkt relativ ruhige See und das Überwasserlaufen des deutschen Bootes erleichterte die Aufgabe der US-Boote wesentlich, zumal Schneewind nicht ahnen konnte, daß der für ihn lebenswichtige japanische Funkspruch entziffert worden war. [...]

Den von ihm zusätzlich gebunkerten Treibstoff von 3,6 Tonnen brauchte er aber nicht, wenn er lediglich den ihm erteilten Auftrag erfüllen wollte. Da nicht davon ausgegangen werden kann, daß Schneewind als "Milchkuh" ein anderes Boot mit Treibstoff und Lebensmitteln versorgen sollte, muß vermutet werden, daß sein Fahrtziel ein ganz anderes war.
Es gibt allerdings auch einen vagen Hinweis darauf, daß Schneewind nach Deutschland wollte [das ist die Aussage der Angehörigen des Steuermannsmaates Zopf, s.o., Anm. GvB].
Wenn der Kapitänleutnant aber diese Absicht gehabt haben sollte, hätte er hierfür unbeschadet seiner dann vielleicht auftretenden Treibstoff- und anderen Probleme sicherlich den kürzesten Weg von Batavia in den Indischen Ozean gewählt. Das wäre der Marsch durch die Sunda-Straße gewesen, die wegen der dort herrschenden sehr starken Strömung von den Japanern nicht vermint worden war. [...]

Daß er trotzdem den ihm vorgegebenen Kurs lief, mag mit der Notwendigkeit, zunächst die Japaner täuschen zu müssen, zusammengehangen haben. Überdies verfügte er wahrscheinlich nicht, was für andere Kurse notwendig gewesen wäre, über japanische Minenkarten. Wenn man aber davon ausgeht, daß Schneewind die Übernahme seines Bootes durch die Japaner verhindern wollte¹ [vgl. hierzu 1.Skl 1043/45 gKods. v. 6. Mai 1945: »Stellvertreter ObdM Gen.Adm. Warzecha hat nach Vortrag am 6.5. abends entschieden...die Boote sind an die Japaner zu übergeben, die Besatzungen müssen aber aussteigen«], er aber zunächst aus nicht bekannten Gründen den vorgegebenen Kurs laufen mußte, kann aber auch vermutet werden, daß er nach Südamerika wollte, das er ohne Treibstoffprobleme hätte erreichen können.

Zusammenfassend kann nur festgestellt werden, daß sich Kptlt. Schneewind durch seine "Überladung" offensichtich auf eine sehr lange Fahrt vorbereitet hatte. Über das Fahrtziel hatte er nicht einmal, was nicht ungewöhnlich war, mit seinem Obersteuermann gesprochen. [...] Das letzte Fahrtziel von U 183 bleibt daher ein Rätsel.«


[Gellermann, a.a.O., S. 47 ff.]

[Anm. 1 = »Diese Überladung an Treibstoff und Lebensmitteln erweckte bei Obersteuermann Wisniewski den Eindruck, daß der eigentliche Sinn dieses Einsatzes darin bestand, im Fall eines Kriegsendes die Übernahme des Bootes durch die Japaner zu vermeiden: "...waren wir froh, daß wir das Boot auslauffertig hatten, da wir jeden Tag mit einer Beschlagnahme durch die Japaner rechnen mußten. Wir zogen ein Auslaufen diesem vor..."«, Gellermann S. 47]

Weiterhin verweist Gellermann darauf, daß Schneewind nach Angaben des "Deutschen Admirals Tokio", Admiral Wennecker, »befehlswidrig ausgelaufen sei«:

»Der Kapitänleutnant [Schneewind] war mit der Tochter des "Deutschen Admiral Tokio", Jutta Wennecker, "so gut wie verlobt". Diese wurde nach Beendigung des Krieges von dem Bruder des Gefallenen, Horst Schneewind, danach gefragt, ob sie das Fahrziel von U 183 gekannt habe. Ihre Antwort: ihr Vater, der Admiral, habe ihr gesagt, daß der Kapitänleutnant befehlswidrig ausgelaufen sei. Die Frau des Obersteuermanns [Wisniewski] erinnert sich ebenfalls daran, daß ihr Mann nach dem Krieg berichtet hatte, daß sie keinen Befehl zum Verlassen des Hafens gehabt hätten. Diesen Angaben stehen allerdings die bereits zitierten Einsatzfunksprüche für Schneewind gegenüber«.
[Gellermann, a.a.O., Anm. 246 auf S. 225]

Möglicherweise hat Schneewind, im Bewußtsein, daß der "Endsieg" in Europa kurz bevor stand, auf eigene Faust den Entschluß gefaßt, statt die befohlene Operation durchzuführen, bzw. nach Eintreffen der Nachricht von einem Waffenstillstand während dieser bevorstehenden letzten Unternehmung nach Südamerika zu gehen, ähnlich wie U 530 und U 977?

Lt. Aussagen seiner Familie wäre überdies der beim Untergang gefallene Steuermannsmaat Heribert Zopf, der über keine Uboot-Ausbildung verfügt habe, nur deshalb auf U 183 versetzt worden, weil er einen Heimaturlaub antreten sollte.
Das muß man sich einmal vergegenwärtigen: Bei einem Auslaufen am 21.4.1945 und voraussichtlich mehr als zweimonatiger Fahrt ..

Zu Zopf heißt es bei Gellermann:

»Zopf war mit einem Hilfskreuzer nach Japan gekommen. Später diente er auf einem Handelsschiff, das vor der chinesischen Küste torpediert worden war. Unverletzt erreichte er nach sieben Tagen in einem Rettungsboot die chinesische Küste. Von dort wurde er zurück nach Japan geleitet [Brief von K. Wisniewski an Frau Willert v. 16.02.1947] [...] Der Großneffe des gefallenen Steuermannsmaates Heribert Zopf teilt hierzu folgendes mit: Er habe von seinem Vater erfahren, daß Heribert Zopf nur auf Überwasserschiffen gefahren sei und über keine U-Boot-Ausbildung verfügte. Er wurde nur deshalb auf U 183 versetzt [er kam im Februar 1945 in Kobe an Bord, Anm. GvB], um einen Heimaturlaub antreten zu können.  Dieser war ihm bewilligt worden, weil sein letztes Schiff torpediert worden war. Diesen Sachverhalt habe der Steuermannsmaat seiner Familie aus Japan noch mitteilen können (eine schriftliche Unterlage hierüber fehlt allerdings).«

[Gellermann a.a.O., S. 46 sowie Anmerkungen 227 und 244 auf S. 224/225]

Gruß

Thomas
« Letzte Änderung: 01 Dezember 2013, 14:32:36 von Götz von Berlichingen »
»Jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: In der ersten wird es lächerlich gemacht, in der zweiten bekämpft, in der dritten gilt es als selbstverständlich.«  Arthur Schopenhauer

Offline Urs Heßling

  • Board Moderator
  • *
  • Beiträge: 17061
  • Always look on the bright side of Life
Re: U-168 vor Indonesien gefunden
« Antwort #10 am: 01 Dezember 2013, 16:24:10 »
moin, Thomas,

"Für den Marsch in das Operationsgebiet wurde Schneewind von den Japanern, wahrscheinlich auch wegen deren Minensperren, folgender Kurs vorgegeben:
"to pass north of Guineato 5° N and east of Morotai to 153° E.
...
...am 23. April verließ der Kommandant gegen 13:25 Uhr die Brücke, nachdem er 'normalen Ausguck'  befohlen hatte. U 183 stand zu diesem Zeitpunkt etwa 70 - 80 sm westlich der Bawean-Inseln (nördlich Surabaja in der Javasee). Seegang 3. Das Boot lief 11 kn, einen Generalkurs von 87° und steuerte einen Zickzackkurs. Der Steuermann, der mit sieben erfahrenen Ausguckposten die Brückenwache übernommen hatte, suchte den achterlichen Luftraum nach Flugzeugen ab, als das Boot [...] von einem amerikanischen U-Boot [...] mit einem Sechserfächer torpediert wurde und sofort [...] sank. [...]
...
Der amerikanische Rudelführer, Commander J.H. Campel auf USS Blower,
153° E ?  Das wäre ja weit östlich der Philippinen, im Gebiet der Karolinen  :? Das paßt auch mit den angegebenen Planquadraten nicht zusammen ..
gemäß http://www.uboat.net/allies/warships/ship/3067.html war die Versenkungsposition südöstlich von Bawean, U 183 wurde von einem Torpedo eines Sechserfächers getroffen; der Rudelführer hieß Campbell.
waren das Nachlässigkeiten beim Recherchieren ?

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline Götz von Berlichingen

  • Fregattenkapitän
  • *
  • Beiträge: 1202
Re: U-168 vor Indonesien gefunden
« Antwort #11 am: 01 Dezember 2013, 17:47:13 »
Moin Urs,

bzgl. 153° O:
In dem Text von Gellermann heißt es »Als mögliche Einsatzgebiete hatte er [FK Dommes] dabei die Marinequadrate RP, SH, SJ (Seegebiet östlich von Mindanao sowie die Nordost- und Westküste von Neuguinea), bei starker Abwehr dort die Quadrate RQ (Seegebiet zwischen Mindanao und den Palau-Inseln) oder SK (Nordwestküste Neuguineas) vorgeschlagen. Diese Planung wurde am 26. Januar 1945 durch die Skl bestätigt.« [S. 47]

Nordostküste von Neuguinea würde da wohl in etwa noch hinkommen, oder? Leider habe ich keine Marinequadratkarte dieses Seeraumes.

Bezüglich der Versenkung basiert die Schilderung wohl hauptsächlich auf den Angaben des einzigen Überlebenden, des Obersteuermannes Wisniewski in seinen Vernehmungen und einem Brief den er im Februar 1947 wohl an eine Hinterbliebene geschrieben hat. Es heißt im Buch auch nur, daß U 183 »mit einem Sechserfächer torpediert« wurde, nicht »von einem Sechserfächer getroffen«, insofern kann man das wohl gelten lassen.

Den Namen Campbell hat er tatsächlich falsch geschrieben. Gellermann war lt. Lebenslauf in seinen Büchern (nach einer Maurerlehre und nachgeholtem Abitur) Dipl.-Politologe, Gymnasiallehrer und promovierter Historiker, also kein Seeoffizier und ausgewiesener Marinefachmann. Vielleicht erklären sich dadurch die von Dir gerügten Ungenauigkeiten.

Gruß

Thomas
»Jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: In der ersten wird es lächerlich gemacht, in der zweiten bekämpft, in der dritten gilt es als selbstverständlich.«  Arthur Schopenhauer

Offline wirbelwind

  • Oberleutnant zur See
  • *
  • Beiträge: 574
Re: U-168 vor Indonesien gefunden
« Antwort #12 am: 01 Dezember 2013, 18:01:34 »
Hallo,
dass sich Gellermann auch mit maritimen Themen befasst hat, ist mir neu. Ungenaue Recherchen bei ihm aber nicht.  Die Geschichte mit dem Heimaturlaub kommt mir auch suspekt vor, zumal Zopf wohl kein U-Boot-Mann war. Der Russe stand zu diesem Zeitpunkt 80 km vor Berlin und Zopf war weder ein hohes Tier noch hatte er hohe Auszeichnungen, die einen ,,Heimaturlaub"rechtfertigen würden.
MfG Rüdiger

Offline Urs Heßling

  • Board Moderator
  • *
  • Beiträge: 17061
  • Always look on the bright side of Life
Re: U-168 vor Indonesien gefunden
« Antwort #13 am: 01 Dezember 2013, 18:05:28 »
Nordostküste von Neuguinea würde da wohl in etwa noch hinkommen, oder? Leider habe ich keine Marinequadratkarte dieses Seeraumes.
1) nein, nicht ganz, SK's östliche Grenze ist 150° 48' O , gem. http://grid.nylle.de/find
2) http://www.uboothahd.com/imagehost/Maps/Gridworldmap.jpg

.. die von Dir gerügten Ungenauigkeiten.
Naa ... ich bin zwar "der Urs"  :wink:, aber doch nicht der "Rügerich"  :MS:

Da ich selbst veröffentlicht habe, weiß ich, das Fehler immer wieder passieren (können).
Es geht nur darum, die Zuverlässigkeit/Genauigkeit des Autors einzuordnen.

Gruß, Urs
« Letzte Änderung: 01 Dezember 2013, 18:14:02 von Urs Heßling »
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Offline Götz von Berlichingen

  • Fregattenkapitän
  • *
  • Beiträge: 1202
Re: U-168 vor Indonesien gefunden
« Antwort #14 am: 01 Dezember 2013, 18:48:58 »
1) nein, nicht ganz, SK's östliche Grenze ist 150° 48' O , gem. http://grid.nylle.de/find
2) http://www.uboothahd.com/imagehost/Maps/Gridworldmap.jpg

Danke für die Karte!  top

Da müßte man zur Klärung der "153° O" wohl einen Blick in die Akte im Public Record Office PRO-DEF/743 (vermutlich ULTRA) werfen. Entweder handelt es sich um einen Druckfehler im Buch oder um einen Fehler der Engländer beim Entschlüsseln.

Hallo,
dass sich Gellermann auch mit maritimen Themen befasst hat, ist mir neu. Ungenaue Recherchen bei ihm aber nicht.

Hallo Rüdiger,

in den drei von mir genannten Büchern befinden sich eine Menge Kapitel mit maritimen Themen. Ich habe hier mal die Inhaltsverzeichnisse eingestellt, vielleicht will sich ja der eine oder andere eines der Bücher besorgen:

»Jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: In der ersten wird es lächerlich gemacht, in der zweiten bekämpft, in der dritten gilt es als selbstverständlich.«  Arthur Schopenhauer