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Autor Thema: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen  (Gelesen 4822 mal)

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Offline Rheinmetall

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Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
« am: 11 November 2013, 02:07:23 »
Moin, moin !

Habe in dem Buch "Kreuzer Prinz Eugen unter drei Flaggen" gelesen, dass die Besatzung des besagten Schiffes in Norwegen während einer Liegezeit im Nahkampf geschult wurde.
Glaube mich auch noch zu erinnern, dass dies zur Abwehr von Kommando-Unternehmen dienen sollte.
Aber wer ist so verrückt und versucht einen schweren Kreuzer der Kriegsmarine im Handstreich zu nehmen ?
Der Prinz war ja kein Schiff wie z.B. die Altmark.

Weiß jemand von Euch vielleicht um was für einen Kampfstil es sich hierbei handelte und wie oft so eine Schulung durchgeführt wurde ?
Gab es auch noch auf anderen deutschen Schiffen diese Nahkampf-Ausbildung ?
Die einzigste Einheit der Kriegsmarine die mir diesbezüglich bekannt ist, sind die Kampfschwimmer welche in Ju-Jutsu geschult wurden.

Würde mich über zahlreiche Antworten freuen.

Rheinmetall 
Ab Kapstadt ohne Kreiselkompass - Jürgen Oesten, U 861

Offline Big A

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Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
« Antwort #1 am: 11 November 2013, 09:20:33 »
Kommando-Unternehmen kann auch die Abwehr von z.B. Kampfschwimmern bedeuten, die Sprengladungen an Schiffen befestigen sollen. (operation "Awkward" hieß das in Portland / Devonport)
Ist doch mW. bei Tripitz mal versucht worden, oder liege ich da falsch?

Axel
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(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

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Offline kgvm

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Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
« Antwort #2 am: 11 November 2013, 10:00:42 »
Stimmt, wird bei Schmalenbach im Abschnitt über die Reparaturzeit in Norwegen vom 25.2.-16.5.1942 berichtet.
Vielleicht ging es aber weniger um die Abwehr von Kommandotruppen, gegen diese im Regelfall sehr speziell ausgebildeten Kämpfer würde wohl die Kurz-Ausbildung der Prinz-Besatzung kaum viel helfen.
Ich vermute vielmehr eine Kombination von Beschäftigungstherapie (Schmalenbach erwähnt gleichzeitig Ski-Ausflüge, Ausmärsche und Gewehrschießen) und der Beruhigung der Besatzung kurz nach dem englischen Überfall auf St. Nazaire.

Offline Trimmer

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Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
« Antwort #3 am: 11 November 2013, 10:44:48 »
Hallo - warum den in die Ferne schweifen - eine Nahkampfausbildung  gehörte doch schon zur Grundausbildung auch in der Marine also z.B. Abwehrgriffe, Fallübungen usw. bis hin zum Nahkampf  mit Bajonett . Ich sehe es genau wie Klaus-Günther mehr als Beschäftigungstherapie wie auch der Frühsport.

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

Offline kalli

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Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
« Antwort #4 am: 11 November 2013, 12:14:47 »
Mein Vater (Besatzungsmitglied der Lützow) schrieb zu diesem Thema:

„Weil wir meistens über dem nördlichen Polarkreis operierten, lebten wir monatelang bei Mitternachtssonne mit gespenstischen Nordlichtern in der Winterzeit. Um nicht gemütskrank zu werden, schickte uns die Heimat „freiwillig gespendete Schneeschuhe“. Damit konnten wir laienhaft stundenlang auf Fjordberge steigen und mit vielen Stürzen zurückfahren.“

Offline der erste

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Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
« Antwort #5 am: 11 November 2013, 13:15:26 »
Mein Vater war auch da oben und berichtete dasselbe. Die Ski habe ich immer noch.

Offline Peter K.

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Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
« Antwort #6 am: 11 November 2013, 13:50:52 »
Nach "St. Nazaire" gab es aber - sofern ich mich richtig erinnere - sehr wohl eine spezielle Nahkampfausbildung für die Besatzungen der Seestreitkräfte im Bereich des BSW.
Quelle kann ich am Abend heraussuchen, wenn gewünscht!
Grüße aus Österreich
Peter K.

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Offline Peter K.

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Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
« Antwort #7 am: 11 November 2013, 19:45:54 »
Ich muss mich insofern korrigieren, als dass bereits im Herbst 1940 vom damaligen F.d.M.West sogenannte Nahkampfschulen eingerichtet wurden, damit Schiffsbesatzungen zur Abwehr feindlicher Überfälle auf Häfen und Küstenanlagen vorbereitet waren.
Der bei den Kämpfen in St. Nazaire involvierte Flottillenchef der 16. MS-FLottille, K.Kapt. d.R. JOSEPHI, hatte eine solche Nahkampfschule eingerichtet und geleitet.
Quelle: Friedrich RUGE, Im Küstenvorfeld
Grüße aus Österreich
Peter K.

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Offline Violoncello

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Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
« Antwort #8 am: 11 November 2013, 20:08:11 »
Hallo zusammen,

zunächst ein Dankeschön an Peter K. für die Quelle "Nahkampfschulen" im Bereich des F.d.M. West und damit außerhalb des Kommandos der Kleinkampfverbände.

Im Kommando der Kleinkampfverbände war die Nahkampf-Ausbildung nicht auf die zukünftigen "Meereskämpfer" (Kampfschwimmer) im Lehrkommando 700 beschränkt. Sie gehörte wohl zur"Grundausbildung" aller Angehörigen, aber in besonderer Intensität sicherlich bei Kampfschwimmern und Kommandotrupp-Angehörigen der Marine-Einsatz-Kommandos betrieben.

Cajus Bekker (Einzelkämpfer auf See, Oldenburg 1968, S. 18) spricht nur von "Jiu-Jitsu-Lehrern", wobei es darum gegangen sei, "Die Tricks der waffenlosen Selbstverteidigung und der lautlosen Unschädlichmachung feindlicher Posten zu beherrschen".

Heinz Bourhofer berichtet in der "Chronik der Crew X/43" von W. Nieß und F. Fischer (Gifhorn 1999, S. 347, dass zur Ausbildung Boxen und Jiu-Jitsu (Der "Knochenbrecher") gezählt hätten.

Nach meiner Kenntnis sind aber konkrete Ausbildungsvorschriften nicht überliefert.

Viele Grüße

Violoncello

Offline Rheinmetall

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Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
« Antwort #9 am: 14 November 2013, 15:38:34 »
Kommando-Unternehmen kann auch die Abwehr von z.B. Kampfschwimmern bedeuten, die Sprengladungen an Schiffen befestigen sollen. (operation "Awkward" hieß das in Portland / Devonport)
Ist doch mW. bei Tripitz mal versucht worden, oder liege ich da falsch?

Axel

@ Axel: Richtig, bezüglich der Tirpitz gab es die beiden britischen, maritimen Operationen "Title" und "Source", welche jeweils von Kleinst-U-Booten durchgeführt wurden, oder hätten sollen.
Aber Kampfschwimmer waren keine involviert.

@ Peter K.: Für was steht die Abkürzung BSW ?  :-)

@ Trimmer: Weißt Du vielleicht was in der Grundausbildung genau unter dem Thema "Nahkampf" geschult wurde ?
Ich kenne lediglich das "Bajonett-Stechen" was man hin und wieder in Kriegsfilmen sieht.

Wenn wir gerade beim Thema sind:

Weiß jemand von Euch über was für ein Arsenal von Handfeuerwaffen die Überwassereinheiten der Kriegsmarine verfügten, um Posten usw. auszurüsten ?

Rheinmetall
Ab Kapstadt ohne Kreiselkompass - Jürgen Oesten, U 861

Götz von Berlichingen

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Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
« Antwort #10 am: 14 November 2013, 16:00:26 »
@ Peter K.: Für was steht die Abkürzung BSW ?

Befehlshaber der Sicherung West.

Offline Trimmer

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Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
« Antwort #11 am: 14 November 2013, 16:24:15 »
Thomas - wir hatten bei der NVA - Nahkampf mit und ohne Waffe - also Abwehr von Messerangriffen, Fallübungen, Faust und Fußschläge, Yudo-Griffe. Wenn ich mich richtig erinnere immer in der Grundausbildung so ca. 2  Stunden in der Woche. Dazu dann der Kampf mit dem Bajonett - Stechübungen sowie Schläge mit dem Kolben. Ob die Kolbenschlagübungen dann später noch geübt wurden als die Kalaschnikow den Plastekolben hatte  :/DK: Wir hatten dann die MPi-K-S
(S = Schulterstütze) und nach der Grundausbildung wurde der "Nahkampf " mehr in der Kneipe geübt  :-D

Gruß - Achim - Trimmer
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( von Karl Hagenbeck)

Offline suhren564

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Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
« Antwort #12 am: 14 November 2013, 17:06:02 »
.... nach der Grundausbildung wurde der "Nahkampf " mehr in der Kneipe geübt  :-D

Achim, da wo du gedient hast, gab´s doch gar keine Kneipen! :-D :wink:
Gruß Ulf

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.... 
Erich Kästner

Offline Trimmer

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Re: Nahkampfausbildung auf deutschen Schiffen
« Antwort #13 am: 14 November 2013, 17:15:12 »
Ulf - stimmt nicht ganz - Siedlerheim in der Nähe der Thälmann Gedenkstätte - war aber eigentlich verboten - ja und ansonsten - Meilenweit mußt du gehn  :-D

Hat aber nun wirklich nichts mehr mit Nahkampf auf Schiffen zu tun  :MZ:

Gruß - Achim - Trimmer
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( von Karl Hagenbeck)

Offline bettika61

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Re: KKpt Josephi beim KdK
« Antwort #14 am: 26 März 2017, 12:31:08 »
Der bei den Kämpfen in St. Nazaire involvierte Flottillenchef der 16. MS-FLottille, K.Kapt. d.R. JOSEPHI, hatte eine solche Nahkampfschule eingerichtet und geleitet.
Quelle: Friedrich RUGE, Im Küstenvorfeld
Hallo,
K.Kapt. d.R. JOSEPHI war auch beim KdK und ist dort gefallen , im HMA http://historisches-marinearchiv.de/projekte/crewlisten/ww2/ergebnis.php
wird genannt
Zitat
K.d.K.Gruppe Kanal.+ (01.45-03.45)
Sein Name taucht im Bunte-Archiv zusammen mit Bartels auf dem Foto eines Bibers auf.
Fregattenkapitän [sic]Josephi war lt. Blocksdorf Führer der 4.K-Division in Holland und kam bei einem Partisanenanschlag in Rotterdam ums Leben.

Ist über Josephis Aufgaben beim KdK und über den Anschlag mehr bekannt?
Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana