Survivors: British Merchant Seamen in the Second World War

Begonnen von t-geronimo, 23 Oktober 2013, 00:15:06

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t-geronimo

G.H. & R. Bennett: "Survivors: British Merchant Seamen in the Second World War"
The Hambledon Press
287 Seiten
ISBN: 1 85285 182 1
Sprache: englisch

Dieses Buch der Bennetts beginnt mehr oder weniger dort, wo viele andere Bücher über den Krieg zur See und vor allem den Handelskrieg im 2. WK enden: das Handelsschiff ist versenkt, egal ob durch U-Boot, Überwasserschiff oder Flugzeug, und es hat Überlebende gegeben. Was passiert mit ihnen?
Und gleichzeitig beginnt es auch viel früher, denn es schildert auch, was alles getan wurde, um im Falle einer Versenkung den Überlebenden das Überleben so gut wie es eben geht zu ermöglichen.

Die Bennetts zeigen auf, in welchen Situationen Besatzungsangehörige von Handelsschiffen getötet werden können. Da ist zum einen der feindliche Beschuss. Alle, die diesen überlebt haben, müssen nun runter von ihrem Schiff. Sind die Boote noch heile?  Können die Davits noch bedient werden? Sind die Besatzungen überhaupt vernünftig daran ausgebildet? Was steht sonst noch an Mitteln zur Verfügung wie Flöße etc.?
Wenn es also gelang, das sinkende Schiff zu verlassen, wie ging es dann weiter? Wie waren Boote und Flöße ausgerüstet, was stand an Verpflegung, Signalmitteln und sonstiger Überlebensausrüstung, z.B. Wärmeerhalt, Sonnenschutz usw., zur Verfügung?
Das geht dann von tage-, wochen- und manchmal sogar monatelangem Treiben über das auf sich aufmerksam machen bis hin zur eigentlichen Rettung. Nicht wenige kamen noch dabei um, wenn das Rettungsboot gegen den Retter schlug, dieser in schlechter Sicht dachte, einen U-Bootsturm vor sich zu haben, oder erschöpfte Schiffbrüchige nicht mehr die Kraft zum Klettern hatten.

Was war vom Gegner zu erwarten? Weitere feindliche Handlungen oder ab der Versenkung Unterstützung? Diesen Punkte behandeln die Autoren sehr fair und beschreiben zwar die wenigen Fälle, in denen Überlebende weiteren feindlichen Handlungen ausgesetzt waren, nennen sie aber ausdrücklich Ausnahmen und zeigen an vielen Beispielen auf, dass Schiffbrüchige beispielsweise von U-Booten etwas Verpflegung bekamen und einen Kurs zum nächsten Land.
Nichtsdestotrotz konnte es für Rettungsboote schlimm sein, wenn gemäß den deutschen Weisungen der Kommandant des Handelsschiffes auf das U-Boot übernommen wurde und er der einzige war, der sich auf Navigation verstand.

Was wurde zu Hause unternommen? Wie wurden die ersten Versenkungen des Krieges analysiert und welche Lehren wurden für das Überleben der Besatzungen daraus gezogen? Wie wurde Ausrüstung verbessert und wie die Schulung der Besatzungen für solche Situationen? Bootsdrills mußten ebenso verbessert werden wie Davits, die Boote selber, die Verpflegung in ihnen, die Signalmittel, Funk und Motoren mußten her, vernünftige Schwimmwesten und Überlebensanzüge etc. etc. etc. Eine unheimlich lange Liste.

Interessanterweise waren es sehr viele Frauen, die im britischen Parlament zu Anwältinnen der Überlebenden wurden und mit sehr viel Energie, Ausdauer und Beharrlichkeit dafür sorgten, dass besseres Material zur Verfügung gestellt wurde und vor allem auch verpflichtend flächendeckend eingeführt wurde. Denn nicht selten war es nicht technische Unzulänglichkeit, die bessere Ausrüstung verhinderten, sondern schlicht der schnöde Mammon: Wer bezahlt es? Wer regelt Patentstreitigkeiten usw.?


Ein Buch, dass sehr viele Wege aufzeigt, ums Leben zu kommen. Und den Kampf dagegen.
Immer wieder kommen Überlebende zu Wort und lassen so neben aller Technik und nüchterner Zahlen (von denen das Buch gar nicht so viele bietet, aber das stört in diesem Fall in keinster Weise) das Menschliche immer wieder in den Vordergrund rücken.
Die breite Aufstellung ist vielleicht das einzige Manko dieses Werkes: bei einigen Themen wünschte ich mir etwas mehr Tiefe. Und hin und wieder verzetteln sich die Autoren etwas oder wiederholen sich. Hier wäre eine etwas klarere Aufteilung sicher nützlich gewesen.

Alles in allem aber ein absolut empfehlenswertes Buch abseits von nüchterner Technik, Panzerdurchschlägen oder globaler Seekriegsstrategie.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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