Frage betreffend Einrichtung Zentrale U995

Begonnen von Soni2, 06 August 2013, 10:37:49

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Soni2

Zitat von: Schorsch am 06 August 2013, 14:31:36
Um das Ganze mit noch ein paar Zahlen zu würzen: im Eisenplan des Typ VII C wird der Durchmesser des Sehrohrschachtes im Bereich der Zentrale mit 980 mm angegeben. (Vgl z.B. Anlage Tafel III bei Rössler: "Geschichte des deutschen Ubootbaus, Bd.1"!)

Also der Schacht, den ich meine, ist definitiv breiter als 98 cm.

Schorsch

Hallo Soni,

nehmen wir untenstehendes Bild: es zeigt das fragliche Bauteil und links daneben eine der drei Druckölflaschen, die für den Antrieb des Sehrohres gebraucht wurden. Laut M.Dv. 382,456 ,,Vorläufige Maschinen- u. E-Kunde für U Boote Bauart VII C" vom 01.07.1941, Heft 6 ,,Tauchanlage", Abschnitt C ,,Luft-, Drucköl-, Sauerstofflaschen, Druckminderer, Sicherheitsventile" auf Seite 55 beträgt der Durchmesser einer solchen Druckölflasche 338 mm. Über eine simple Dreisatzrechnung kannst Du jetzt auch den Durchmesser des fraglichen Bauteils abschätzen. Ich komme dabei auf knapp 1 m.

Da Du auch die VOZM-Ausgabe für den Uboottyp VII C besitzt, kannst Du auch die Bildunterschrift auf Seite 51 oben noch kontrollieren.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium, ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Soni2

Zitat von: Schorsch am 06 August 2013, 15:28:29... beträgt der Durchmesser einer solchen Druckölflasche 338 mm. Über eine simple Dreisatzrechnung kannst Du jetzt auch den Durchmesser des fraglichen Bauteils abschätzen. Ich komme dabei auf knapp 1 m.

Hmmmmm,

ich glaube tatsächlich, dass ich da ganz schön auf dem Holzweg war. Wenn man das Bild nimmt, paßt die Druckölflasche Pi x Daumen betrachtet tatsächlich etwa 3 x in diesen Schacht hinein. Scheint so, dass ich mich vor Ort tatsächlich kräftig verschätzt habe. Jedenfalls machte dieser Schacht auf mich einen deutlich größeren Eindruck, als ich direkt davor stand ... vielleicht lags ja daran, dass er in vollgedrängten Zentrale doch recht viel Platz beansprucht.  :embarassed:

Danke an alle Schreiber für die zahlreichen Antworten!

olpe

Hallo,
spät, aber ich hoffe, nicht zu spät ...  :-) Ich denke, dass ich ein wenig zur Aufklärung dieses Schachtes beitragen kann. Nach meinem Dafürhalten handelt es sich dabei um eine druckfeste Röhre zur Aufnahme des Turmsehrohes. Grund ist, dass bei einer Leckage des Turmes sich der Wassereinbruch nicht auf das Bootsinnere auswirkt, da eines oder mehrere Ausfahrgeräte im Turminneren in wasserdichten Schächte einfahren. Alle anderen Ausfahrgeräte verlaufen neben dem druckfesten Turminneren und benötigen keinen Schacht.

Hintergrund meiner Überlegungen sind zwei ähnliche, aber noch größere und volumiösere Schächte auf dem russischen U-Boot U-461 in Peenemünde. Unten drei Bilder des druckfesten Einfahrschachtes des optischen Astronavigationsgerätes LIRA-P in Abteilung IV, 2. Decksebene (Kreiselkompaßraum). Dieses Astronavigationsgerät fährt vom druckfesten Turminneren über die 1. Decksebene bis in die 2. Decksebene ein (die darunterliegende 3. Decksebene - Pumpenraum/Bilge - wird nicht berührt). Über zwei Mannluks mit Knaggendrehverschluss kann man in das Innere des Schachtes gelangen ... Ein ähnliches Luk habe ich auf Bildern (und bei Besuchen) auf U-995 gesehen ...

Ein weiteres Bild (Nr. 4) zeigt einen weiteren Schacht im Turminneren von U-461, es handelt sich um den Einfahrschacht - auch druckdicht - für das Kommandantenperiskop.

Unten die Bilder (Q: OLPE)
Grüsse
OLPE

Soni2

Auch dir noch einmal vielen Dank. Dann ist das Rätsel um diesen "Behälter" ja geklärt  :lol:

VIC20

U 570 / HMS Graph - deutlich zu sehen, war also offenbar bei allen Typ VII vorhanden.


Zauberhain

Ahoi,

nur mal so aus Spaß an der Freude könnte ich in Laboe mal nachfragen, wofür es denn nun genau ist, damit das Raten ein Ende hat.
Und noch kurz zu U96 im Film. Es wurde definitiv genau nachgebaut. Ihr müsst bedenken, dass U96 ein früherer Typ VII C ist, als U995 (Baujahr 1944).

Liebe Grüße
Zauberhain
Sach ma'. Hast du eigentlich Haare in der Nase?

Schorsch

#22
Hallo Zauberhain,

Zitat von: Zauberhain am 23 März 2014, 16:53:40
(...)
nur mal so aus Spaß an der Freude könnte ich in Laboe mal nachfragen, wofür es denn nun genau ist, damit das Raten ein Ende hat.
Und noch kurz zu U96 im Film. Es wurde definitiv genau nachgebaut. Ihr müsst bedenken, dass U96 ein früherer Typ VII C ist, als U995 (Baujahr 1944).
(...)
...der Besuch in Laboe ist zwar ein nettes Angebot, imho aber unnötig, da es kein Raten bezüglich des Sehrohrschachtes gibt.

Und was die historische Korrektheit der Filmkulissen in "Das Boot" anbelangt, so sind hier doch einige Abweichungen zu den orignalen Booten zu finden (z.B. der Einbauort des Salinometers: in der Kulisse am Sehrohrschacht, beim Original an der Backbordseite der Zentrale; das leidliche Problem der gefärbten Tiefenmesserskale, ganz zu schweigen von dessen Messbereich; das Film-Boot mit Netzsäge am Bug und einer 2 cm Flak 38 auf der Brücke statt eines 2 cm M.G. C/30, vier-Walzen-Enigma im Film, usw...).

Im Anhang zur Illustration noch ein Bild der Zentrale von U 94, das zum gleichen Baulos wie U 96 gehörte, mit dessen Sehrohrschacht im Hintergrund.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium, ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

VIC20

An der "Das Boot" Zentrale ist so ziemlich alles falsch. Ich baue seit 5 Wochen die Zentrale relativ detailliert in 3D nach (für einen iOS subsim), nach ein paar Wochen habe ich mir die Bilder aus den Bavaria-Studios angesehen und mich schwer gewundert - da ist mein 3D-Nachbau tatsächlich wesentlich näher am Original.
Im Vergleich zu deren groben Schnitzern kann man die Zentrale im frühen Typ VIIC zu U995 dann ja schon fast als identisch bezeichnen.

Aber dass die behaupten es wäre ein exakter Nachbau ist ja nicht verwunderlich, schliesslich kennen die sich dort mit der Materie nicht wirklich aus - die machen Filme und betreiben einen Filmpark.

Der Sehrohrschacht fehlt wahrscheinlich einfach nur weil man nur so vernünftige Einstellungen mit der Kamera hinbekommen kann.

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