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Autor Thema: Munitionsbelastung in den deutschen Meeresgewässern  (Gelesen 72281 mal)

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Offline Munibob

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Re: Munitionsbelastung in den deutschen Meeresgewässern
« Antwort #225 am: 03 Mai 2021, 19:37:21 »

Für mich bemerkenswert
Zitat
.......
I.  in der Erwägung, dass das Problem der im Meer verklappten konventionellen und chemischen Munition von der NATO angegangen wird,  die über geeignete Arbeitsmittel und Gerätschaften und die einschlägige Erfahrung zur erfolgreichen Behebung dieses  Problems verfügt;

Zu I: welche "Geräte und Erfahrung" hat denn die NATO ?
Minensuche mag angehen, "erfolgreich" angesichts der letzten  Aktion mit den toten Schweinswalen habe ich Zweifel .
Aber was das Bergen von versenkter Munition angeht,  sind mir weder Geräte noch Erfahrung bekannt.
Weiß jemand konkreteres, was gemeint sein könnte?

Hallo Beate,

Du musst bedenken, dass in der EU alle anderen Nationen keine zivilen staatlichen Kampfmittelräumdienste haben, sondern dort üblicherweise immer das Militär die Beseitigung von Kampfmitteln vornimmt - Deutschland ist da die Ausnahme.

Und damit bleibt beim allgemeinen Politiker eben nur hängen "Militär - Kampfmittelräumung"...

Und zu den Fähigkeiten muss man daran denken, was der ursprüngliche Zweck der Kampfmittelbeseitigung bei den Militärs ist: "Kampfmittelabwehr" sind Maßnahmen gegen Gefährdungen der Einsatzbereitschaft durch nicht explodierte Kampfmittel. Es geht dort also vorrangig darum, die Einsatzbereitschaft sicherzustellen/wiederherzustellen, u.a. auch die Beweglichkeit der Streitkräfte.
Und dazu wird am Besten das unexplodierte Kampfmittel gezielt zur Umsetzung gebracht: geht schnell, und der Erfolg ist sofort sichtbar.

Und genau das wird seit 1997 z.B. bei "open spirit" gemacht: es wird nach Minen (und anderen Großsprengkörpern) gesucht, und diese werden "geräumt", d.h. üblicherweise durch anlegen einer selbst 100 kg schweren Minenvernichtungsladung oder neuerdings durch ferngesteuerte Drohnen mit Sprengkopf zur Detonation gebracht.

Das hat schon früher keiner so gerne deutlich ausgesprochen, es wird immer schön von "geräumt", beseitigt", "unschädlich gemacht" geschrieben - aber was es bedeutet, hat die Öffentlichkeit erst 2019 so richtig mitbekommen - auch hier wird noch von "Entschärfen" geschrieben.

Die einzig wirkliche nennenswerte Befähigung zum Bergen von Kampfmitteln haben entsprechend spezialisierte Fachfirmen (auch wenn die z.B. außerhalb der 12 Seemeilen, wo ihnen die staatlichen Räumdienste nicht mehr auf die Finger gucken können gerne einmal leere Raketenmotoren einfach wegsprengen ...).

Gruß

Robert


Online bettika61

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Re: Munitionsbelastung in den deutschen Meeresgewässern
« Antwort #226 am: 04 Mai 2021, 21:08:51 »
Hallo Robert,
Danke Dir für Deine Erläuterung  :MG:
Dann bleibt zu hoffen, das die Forschung und Entwicklung autarker System zur Munitionsbergung zum Erfolg führt.
Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

Online bettika61

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Re: Munitionsbelastung in den deutschen Meeresgewässern
« Antwort #227 am: 04 Mai 2021, 21:28:51 »
Hallo,
Die Zeitschrift Marineforum widmet die Ausgabe 4/2021 dem Themenschwerpunkt
"Altmunition im Meer" https://marineforum.online/infoseiten/marineforum-magazin/
Dabei Uwe Wichert "Krieg im Schatten" über Minenkriegsführung in der Nordsee
https://marineforum.online/die-geschichte-der-kriegsfuehrung-mit-seeminen/

Und Prof.Dr. Uwe Jenisch "Die 75-jährige Gefahr" über Rechtslage der Munitionsräumung
https://marineforum.online/altlasten-seeminen-die-75-jaehrige-gefahr/
« Letzte Änderung: 04 Mai 2021, 21:35:35 von bettika61 »
Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

Offline Munibob

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Re: Munitionsbelastung in den deutschen Meeresgewässern
« Antwort #228 am: 06 Mai 2021, 20:34:10 »
Interessante Artikel, Danke fürs Teilen.

Mit den Ausführungen von Herrn Prof. Dr. Uwe Jenisch gehe ich aber bzgl. der Kostentragung nicht mit:

Zitat
[nach Artikel 120 GG „Besatzungskosten und Kriegsfolgelasten“ ins Spiel] trägt der Bund „ …die Aufwendungen für Besatzungskosten und die sonstigen inneren und äußeren Kriegsfolgelasten nach näherer Bestimmung von Bundesgesetzen“. Ein solches Bundesgesetz, um das sich die Länder seit 1992 bemühen, gibt es bisher nicht.
Doch, das gibt es schon seit 1957 mit dem "allgemeinen Kriegsfolgengesetz (AKG)" und den darauf basierenden Verwaltungsvorschriften.

Das BMF schreibt selber:
Befinden sich Kampfmittel auf Liegenschaften des Bundes, erstattet der Bund sämtliche Kosten für die Beseitigung sowohl reichseigener als auch alliierter Kampfmittel.

Nord- und Ostsee sind Seewasserstraßen im Eigentum des Bundes,
und da ja das Bundeswasserstraßengesetz (WaStrG) klärt
(2) Seewasserstraßen sind die Flächen zwischen der Küstenlinie bei mittlerem Hochwasser oder der seewärtigen Begrenzung der Binnenwasserstraßen und der seewärtigen Begrenzung des Küstenmeeres.
haben wir es bei Nord- und Ostsee mit zumindest bis zur 12 Seemelengrenze mit "Liegenschaften des Bundes" zu tun, für die der "... Bund sämtliche Kosten für die Beseitigung sowohl reichseigener als auch alliierter Kampfmittel" erstattet.
Gängige Praxis (auch "Staatspraxis" genannt), wobei sich der Bund (vertreten durch die jeweiligen WSA) verständlicherweise dagegen sträubt, dass die Länder einfach so bei ihm "herumräumen" und er das zahlen muss.
Hier gilt es, vorher das Einvernehmen herzustellen, üblicherweise bekommen die Räumdienste der Länder das vom WSA nur, wenn es um das Abwehren einer Gefahr für Leichtigkeit und Sicherheit der Schifffahrt geht.

Hier liegt das Grundproblem der Kampfmittelräumung in Nord- und Ostsee, es muss geklärt werden, wer wofür zählt.
Aber es ist Bewegung in der Sache, jetzt kommt Druck aus der Umweltrichtung (auch von Bundesseite über BMU und UBA), und ich habe Hoffnung, dass sich allmählich etwas tut.

Gruß
Robert


Offline Munibob

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Re: Munitionsbelastung in den deutschen Meeresgewässern
« Antwort #229 am: 06 Mai 2021, 21:02:53 »
Und der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern war sich heute erstaunlicherweise völlig einig und hat den (schon im Sommer 2019 eingebrachten) Antrag der LINKEN einstimmig angenommen:
https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Kampfmittel-in-der-Ostsee-Gefahr-soll-gebannt-werden,fliegerbombe696.html!

Nun ja, man geht es erst einmal eher theoretisch an:
  • die Landesregierung das Problem bei den kommenden Ostseekonferenzen thematisieren.
  • die Verantwortung für die Munitionsbergung solle künftig beim Bund gebündelt werden.
  • es soll eine Landes-Management-Stelle geschaffen werden, die das konkrete Risiko der Munition in Mecklenburg-Vorpommern bewerten soll.

Wer sich die Debatte anhören möchte:
hier die Videoaufnahme der Plenarsitzung

Gruß
Robert
« Letzte Änderung: 07 Mai 2021, 13:18:28 von Munibob »

Online bettika61

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Re: Munitionsbelastung in den deutschen Meeresgewässern
« Antwort #230 am: 07 Mai 2021, 19:25:30 »
Hallo,
Auch der Bundestag hat gestern einen Beschluss gefasst zum Antrag

b) Beratung des Antrags der Fraktionen der CDU/CSU und SPD
Verantwortungsbewusster Umgang mit Kampfmitteln in Nord- und Ostsee – Technologien der maritimen Wirtschaft nutzen
Drucksache 19/29283
https://www.bundestag.de/mediathek?videoid=7519442#url=bWVkaWF0aGVrb3ZlcmxheT92aWRlb2lkPTc1MTk0NDI=&mod=mediathek
Auszüge aus der Rede von Peter Stein
Zitat
... .Es  herrscht  nun große  Einigkeit  darüber,  dass  jetzt  gehandelt  werden muss,  und  wir  werden  vorankommen.  Und  ja,  es  wird Geld  kosten.  Natürlich  muss  eine  faire  Lasten-  und  Aufgabenverteilung  gefunden  werden.  Wir  reden  über  eine europäische  Aufgabe  in  Nord-  und  Ostsee,  die  nur  schwer abschließend  zu  beziffern  ist,  aber  wir  reden  sicherlich über  einen  hohen  zweistelligen  Milliardenbetrag  in  einem Zeitraum  von  maximal  20  Jahren;  mehr  Zeit  haben  wir nach  Expertenmeinung  nämlich  nicht  mehr. .
Was  schlagen  wir  also  nun  vor?  Ein  ganz  zentraler Punkt  ist  der  Bau  einer  mobilen  Plattform  zur  Behandlung  von  Kampfstoffen  jeglicher  Art  auf  hoher  See.  Das ist  technisch  umsetzbar,  und  wir  stoßen  diese  Realisierung  mit  dem  Antrag  an.  Diese  Plattform  kann  in  der Praxis  zeigen,  wie  eine  effiziente  Räumung  und  Vernichtung  von  Kampfmitteln  ohne  Gefahr  für  Mensch  und Ökosystem  möglich  ist.....
. .
Und  abschließend.  Wir  dürfen  nicht  warten,  bis  alle Rechtsfragen  geklärt  sind.  Wir  haben  nicht  die  Zeit,  bis alle  Zuständigkeiten  national  oder  international  harmonisiert  wurden.  Wir  müssen  uns  auch  finanziell  nicht  nach der  Decke  strecken.  Deshalb  fordert  unser  Antrag  auch den  Weg  in  einen  internationalen  freiwilligen  Geberfonds,  der  nach  meiner  Auffassung  mit  mindestens 500  Millionen  Euro  starten  sollte.  Wir  brauchen  eine Expertengruppe,  die  nach  Gefahrenabschätzung  priorisiert,  die  passende,  wirksame  Maßnahmen  vorschlägt, die  die  zuständigen  Stellen  berät  und  die  internationalen Ausschreibungen  vorbereiten  kann.
.
Bei so vielen Beschlüssen in Bundesrat,Bundestag, Bundesländern, Europaparlament und Ostseeparlament
kann es nun hoffentlich losgehen mit der Bergung  :ML:

Unsere Lokalzeitung hat es tituliert
"Bund will Munition aus Meer bergen" – Quelle: https://www.shz.de/32163357 ©2021

Zu der o.g. Plattform zur Bergung der Munition existiert eine Studie von TKMS
"Industrielle Bergung und Entsorgung von Kampfmitteln in Nord- und OstseeKonzept der thyssenkrupp Marine Systems"
das ich unten anhänge. 
Wie konkret dss schon ist kann ich nicht beurteilen
« Letzte Änderung: 07 Mai 2021, 20:01:01 von bettika61 »
Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

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Re: Munitionsbelastung in den deutschen Meeresgewässern
« Antwort #231 am: 19 Mai 2021, 23:37:37 »
Hallo,
zum Antrag "Munitionsaltlasten in den Meeren bergen und umweltverträglich vernichten" fand die Expertenanhörung im Umweltausschuß des Bundestags statt https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2021/kw20-pa-umwelt-munitionsaltlasten-840474
Parteiübergreifend war man sich einig, das die Bergung der Kampfmittel aus dem Meer alternativlos ist.
Wie die konkrete Umsetzung zur Bergung der Munition im Meer aussehen könnte , wurde exemplarisch erläutert.
Die technischen Vorrausetzungen sind da und bedürfen nur noch der Förderung der abschließenden Forschung und Entwicklung.
Bemerkemswert der Vorschlag von  Dr. Mikhail Maistrenko von der Russischen Staatlichen Hydrometeorologischen Universität.
Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

Online bettika61

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Re: Munitionsbelastung in den deutschen Meeresgewässern
« Antwort #232 am: 29 Mai 2021, 17:31:40 »
Hallo,
SPON
"Versenkte Munition in Nord- und Ostsee
Zeitbomben am Meeresboden"
Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

Offline juergenwaldmann

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Re: Munitionsbelastung in den deutschen Meeresgewässern
« Antwort #233 am: 29 Mai 2021, 19:38:26 »
Hallo Beate ,
leider sehe ich da nur Wahlkampfgetöse der Politiker .
nach den Wahlen ist das wieder vergessen !
Wir müssen Dir dankbar sein , dass Du da das Thema
immer wieder zum Kochen bringst !
LG  Jürgen

Offline beck.Schulte

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Re: Munitionsbelastung in den deutschen Meeresgewässern
« Antwort #234 am: 31 Mai 2021, 10:26:48 »
Fraglos ist die Beseitigung von Munition aller Art nötig, wenn dadurch Gefahr für Mensch und Natur beseitig wird.. Was sich aber vor einigen Wochen am Wrack der MAINZ abspielte, ist für mich nicht nachfolgziehbar.   Nach Medienberichten ( Lokalpresse, Buten & Binnen u.ä. ) traten dort Tauchertrupps, Bundes- und Landesbehörden und sogar Vertreter des DSM zu einer "Erkundung" des über 100 jährigen Wracks  im Rahmen der Munitionsbeseitigung an.  Es wurden nach einigen Tauchgängen 2 - 4 Kartuschen  zur weiteren Untersuchung, medienwirksam ans Tageslicht verbracht. Welch Sinn kann die Aktion  gehabt haben?
a)    Schiff, Erstellung, Technik sind seit über 100 Jahren bis ins kleinste Detail bekannt
b)   Gleiches gilt für das Gefecht. Dafür sind britische und deutsche Primärquellen schon lange ausgewertet worden.
c)   Da die Mainz sich im Gefecht fast  vollständig verschossen hat, ist an Restmunition kaum was vor Ort verblieben. Als Kohlenbrenner waren  auch kaum  Ölprodukte an Bord.
d)   Die chemische Zusammensetzung der Sprengstoffe ( Treibladung , Granatenfüllung ) ist  bekannt und deren Wirkung im Verbindung mit Seewasser ebenfalls.
e)   Da weit von der Küste entfernt und allen Fischern  die Position bekannt ist, man dort auch wohl kaum badet und der verklumpten Rest Sprengstoff sich nicht in Richtung Küste bewegt, besteht eine Gefährdung nur für die dort illegal tauchenden Sportsfreunde. Außerdem versandet dort schnell alles.

Vielleicht ist hier wer in der Lage mir die Sinnhaftigkeit der Aktion zu erklären, ich kann mich ja auch in meiner Bewertung irren.   Ich halte das ganze daher für  große PR Aktion , die viele Geld gekostet und nix erbracht hat….oder ?

PS: Das einige Fachorganen der Lokalpresse die Mainz als "Schlachtschiff" titulierten sei geschenkt, Das aber das DSM meinte, dass man jetzt Klarheit über den Untergang des Schiffes erhalten hat, verwundert einem bei der Neuausrichtung der Einrichtung schon nicht mehr.   :angel:   
« Letzte Änderung: 31 Mai 2021, 13:59:56 von beck.Schulte »

Offline Munibob

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Re: Munitionsbelastung in den deutschen Meeresgewässern
« Antwort #235 am: 31 Mai 2021, 14:46:56 »
Moin in die Runde


leider sehe ich da nur Wahlkampfgetöse der Politiker .
nach den Wahlen ist das wieder vergessen !


Die Gefahr sehe ich nicht - das Thema köchelt ja seit langer Zeit, und - mit Sicherheit auch aufgrund des ständigen Drängens der NGOs - wird jetzt auch von mehreren Seiten auf politischer Ebene ernst genommen. Insofern denke ich, dass die Thematik nicht mehr einfach weggeschwiegen werden kann.

... Was sich aber vor einigen Wochen am Wrack der MAINZ abspielte, ist für mich nicht nachvollziehbar.   ...  Es wurden nach einigen Tauchgängen 2 - 4 Kartuschen  zur weiteren Untersuchung, medienwirksam ans Tageslicht verbracht. Welch Sinn kann die Aktion  gehabt haben?
...
Vielleicht ist hier wer in der Lage mir die Sinnhaftigkeit der Aktion zu erklären, ich kann mich ja auch in meiner Bewertung irren.   Ich halte das ganze daher für große PR Aktion , die viele Geld gekostet und nix erbracht hat….oder ?


Das Forschungsprojekt North Sea Wrecks – Wracks in der Nordsee befasst sich ja mit deutlich mehr als nur dem Wrack des SMS MAINZ. Es wurden z.B. Sedimentsproben aus dem Umfeld der MAINZ geholt und Miesmuscheln ausgesetzt, die Ende Juni wieder einsammelt werden. Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit Schadstoffe von der Munition und den Wracks ausgehen und ob diese in die Nahrungs, ob sie von den dort lebenden Organismen aufgenommen werden und wenn ja, ob die Organsimen von den Substanzen gesundheitlich beeinträchtigt werden oder nicht.
Denn
Da weit von der Küste entfernt und allen Fischern  die Position bekannt ist, ... besteht eine Gefährdung nur für die dort illegal tauchenden Sportsfreunde.
stimmt leider nur zum Teil, Fische sind mobil, und auch freigesetzte Gifte schwappen - gerade in der Nordsee - gerne auch einmal woanders hin.

Ich halte das ganze daher für große PR Aktion

DA will ich Dir nicht widersprechen - aber Klappern gehört - auch für Forscher - eben zum Handwerk. Und was kann ein Forscherteam sonst schon (für die Allgemeinheit) interessantes aus dem Labor berichten ...


Insofern wird schon spannend, wie das Ganze in der Praxis umgesetzt werden soll.
Die Industrie und die Räumfirmen stehen bereit (siehe Beates Post
Zu der o.g. Plattform zur Bergung der Munition existiert eine Studie von TKMS
"Industrielle Bergung und Entsorgung von Kampfmitteln in Nord- und OstseeKonzept der thyssenkrupp Marine Systems"
das ich unten anhänge. 

es bedarf nur einer konkreten Beauftragung (wenn man damit erst einmal Heidkate aufräumt hat man ja auch schon etwas gewonnen ...)

Gruß

Robert

Offline Munibob

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Re: Munitionsbelastung in den deutschen Meeresgewässern
« Antwort #236 am: 31 Mai 2021, 16:10:25 »
Hallo Beate,

ich habe mir das Ganze einmal engehört/angesehen
Das
Parteiübergreifend war man sich einig, das die Bergung der Kampfmittel aus dem Meer alternativlos ist.
fand ich in der Tat erstaunlich (und es läßt mich hoffen)

Und das
Bemerkemswert der Vorschlag von  Dr. Mikhail Maistrenko von der Russischen Staatlichen Hydrometeorologischen Universität.
ist wirklich bemerkenswert, aber widerstrebt mir vom Ansatz her:
ein komplettes mit CKS beladenes Schiffswrack eineisen und im Eisblock heben, in ein riesiges Schwimmdock zu verpacken, dann durchs Skagerak und ums Nordkap nach Murmansk verschiffen, um es dort in einem (natürlich noch zu bauenden) unterirdischen Trockendock wieder aufzutauen und dort die CKS entladen und entsorgen, ist doch etwas sehr utopisch.

Robert


Offline beck.Schulte

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Re: Munitionsbelastung in den deutschen Meeresgewässern
« Antwort #237 am: 31 Mai 2021, 16:54:36 »
.Steht doch überhaupt außer Frage, das das Bergung von Gefahrgütern von Wichtigkeit ist.  Nur was man mit größten Aufwand und Kosten bei der Mainz gesucht hat, geht mir nicht auf. Da liegen, wenn überhaupt nur noch nach 100 Jahren Stückchen sich zersetzenden "Giftstoffen" vor. Wie soll davon eine Gesundheitsgefahr ausgehen   ?  Schau wir mal.  Untersuchungen von Fischen , Muscheln usw auf Gift- und andere Stoffe in der Nordsee findet seit Generationen ständig statt und das Munition aus 14-18  eine Rolle spielt hab ich noch nie gehört.  Man hätte die Wega  mit einem Taucher schicken können und der hätte die Proben gezogen. Fertig. Und was sollte das DSM dort? Nein, es war wieder eine der Aktion von öffentlichen Trägern, unter dem Motto  "wer das zahlt ist uns doch gleich" , Hauptsache die Mittel fließen. . Ich habe das über 30 Jahre ständig mit Vertretern von Bundesbehörden erlebt..... und das war es von meiner Seite dazu:   :angel:
« Letzte Änderung: 31 Mai 2021, 18:25:05 von beck.Schulte »

Online bettika61

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Re: Lübecker Bucht "Kampfstoffversenkung"?
« Antwort #238 am: 11 Juni 2021, 17:46:29 »
Hallo Cord,
der Anhang lässt sich nicht öffnen, aber Du meinst sicher https://www.ln-online.de/Nachrichten/Norddeutschland/Luebecker-Bucht-Giftgas-Munition-rostet-frei-zugaenglich
(nur mit Abo lesbar)
Es geht um mögliche Versenkung von Kampfstoffmunition basierend auf  TNA Akten.
Darüber hatte ich bereits 2019 aus dem Vortrag von Manfred Messer berichtet  :-D https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,18301.msg356721.html#msg356721
Zitat
Deutsche chemische Kampfstoffmunition wurde aber nicht nur im SKAGERRAK ver-
senkt, sondern auch in dem „dumping ground“ LÜBECKER BUCHT. Hierüber be-
richtet das War Diary der 21. RPCT - RE LÜBECK am 29. Oktober 1945 (meine
deutsche Übersetzung):
 - Hauptmann L.J. HOPPE an Bord des Schleppers „TRAVEMÜNDE“ begleite-
te eine Klappschute, die im Rahmen eines Versuchs mit feindlicher CW – Munition
beladen wurde, zu dem Munitionsversenkungsgebiet in der LÜBECKER BUCHT.
Das Experiment zur Erprobung der Versenkung von einer Klappschute aus,
verlief zufrieden stellend.
Hallo,
https://m.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Munition-in-der-Ostsee-Experte-mahnt-zur-Bergung
hat jemand zugriff auf den Artikel?
Zitat
Munition in der Ostsee: Experte mahnt Bergung an
Lübecker Nachrichten
....... Land: Chemische Kampfstoffe wurden nicht verklappt.
Der Hintergrund und Quellenlage des Satzes würde mich interessieren.



Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

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Re: Lübecker Bucht "Kampfstoffversenkung"?
« Antwort #239 am: 15 Juni 2021, 20:59:57 »
[
Hallo,
https://m.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Munition-in-der-Ostsee-Experte-mahnt-zur-Bergung
hat jemand zugriff auf den Artikel?
Zitat
Munition in der Ostsee: Experte mahnt Bergung an
Lübecker Nachrichten
....... Land: Chemische Kampfstoffe wurden nicht verklappt.
Der Hintergrund und Quellenlage des Satzes würde mich interessieren.
Dank Probeabo die Antwort
Zitat
Land: Chemische Kampfstoffe wurden nicht verklappt

Entwarnung Nummer zwei: Es habe keine Verklappung von chemischen Kampfstoffen in der Lübecker Bucht gegeben. Der Meeresbiologe Dr. Stefan Nehring hatte im vergangenen Sommer in alten Dokumenten Hinweise gefunden, dass die Briten nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu 100 Tonnen chemische Kampfstoffe in der Lübecker Bucht versenkt hätten – in nur zehn Metern Wassertiefe. Dazu gehören Senfgas, Phosgen und arsenhaltige Kampfstoffe.

Den Hinweis gebe es, erklärte Böttcher im Umweltausschuss der  Bürgerschaft,  aber  das  Land  habe  keine  weiteren  Hinweise  in  den Unterlagen  gefunden.  Böttcher:  „Die  Landesregierung  ist  überzeugt,  dass es  diese  Verklappung  nie  gegeben  hat.“
Mich überzeugt die Antwort und die Begründung in keinster weise  :BangHead:
Zur Erinnerung https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,18301.msg356721.html#msg356721
Zitat
Hierüber be-
richtet das War Diary der 21. RPCT - RE LÜBECK am 29. Oktober 1945 (meine
deutsche Übersetzung):
 - Hauptmann L.J. HOPPE an Bord des Schleppers „TRAVEMÜNDE“ begleite-
te eine Klappschute, die im Rahmen eines Versuchs mit feindlicher CW – Munition
beladen wurde, zu dem Munitionsversenkungsgebiet in der LÜBECKER BUCHT.
Das Experiment zur Erprobung der Versenkung von einer Klappschute aus,
verlief zufrieden stellend.
Dieser Umgang mit einem Dokument , das auch dem  "Experten" vorliegt , stellt mein Verständnis von Archivarbeit auf den Kopf.
Weil es "keine weiteren Dokumente gibt" soll das heißen, alle relevanten  TNA Archivalien wurden  ausgewertet ?  , ist "man sicher" ,das es das Ereignis nicht gegeben hat . Braucht man zukünftig für jedes Ereignis mindestens zwei Dokumente als Nachweis ?
Ich erwarte im Gegenteil, wenn die Versenkung der CW-Munition nicht stattgefunden haben soll, ein Dokument das dies beweist.
Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana