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Autor Thema: Hopseidet-Affäre im Mai 1945  (Gelesen 2128 mal)

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  • Kapitän zur See
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Hopseidet-Affäre im Mai 1945
« am: 07 Juli 2012, 21:41:47 »
Vom 1.bis 9. Mai gab es ein Kommandounternehmen des M.E.K.35 mit U318 und U992 gegen Hopseidet (Nordkynn) als Umschlagplatz für den Nachschub norwegischer Truppen zwischen Tana und Laksefjord. Dazu gibt es jetzt eine ausführliche Darstellung von Hartwig Kobelt in seinem Buch über die Marine-Einsatz-Kommandos (siehe Rubrik "Bücher), S.66 bis 71

Im Internet fand ich den thread von Peter H. im Forum Axishistory: http://forum.axishistory.com/viewtopic.php?f=6&t=137975
und den zugrundeliegenden Eintrag auf http://homepage.ntlworld.com/andrew.etherington/1945/05/05.htm

Aber Kobelt gelingt es sehr überzeugend darzulegen, warum selbst norwegische Ermittlungsbehörden den Fall nicht zur Anklage brachten.

Auf jeden Fall sollte der Fall noch in die "Chronik des Seekrieges" aufgenommen werden.
Gerade weil er sich auf dem schmalen Grat zwischen Kampfhandlung und Kriegsverbrechen bewegt.
(Ich brauche aber immer etwas Zeit-Abstand, um einen verwickelten Fall in 10 Zeilen darzustellen).

Gibt es zu den Eingangs erwähnten Hopseidet Zwischenfall noch weitere Erkenntnisse als
die im Internet voneinander abgeschriebenen (für mich nicht schlüssigen) Beiträge

Online bettika61

  • Boardinventar
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  • Beiträge: 4988
Re: Hopseidet-Affäre im Mai 1945
« Antwort #1 am: 21 Mai 2020, 14:35:36 »
Hallo,
für die Norweger ist das Kapitel Hopseidet -Tragödie noch immer nicht abgeschlossen
aus aktuellem Anlaß eine Rede des norwegischen Verteidigungsministers
 https://www.regjeringen.no/no/aktuelt/hopseidet/id2701179/
Zitat
Der Fall wurde von den norwegischen Behörden und erneut in den 1960er Jahren von den Westdeutschen ordnungsgemäß untersucht.  Aber beide Male wurde der Fall abgeschlossen und niemand wurde verurteilt.  Die beteiligten Soldaten behaupteten, sie hätten zur Selbstverteidigung geschossen.  Ihre Erklärungen stimmen nicht mit den forensischen Untersuchungen von 1945 überein.

 Im Nachhinein ist es offensichtlich, dass die Aktionen der deutschen Soldaten als Kriegsverbrechen charakterisiert werden müssen.

 Heute, 75 Jahre nach diesen abscheulichen Vorfällen, müssen wir auch anerkennen, dass die Opfer, die die sechs Getöteten für Norwegen für uns gebracht haben, von den Behörden weder gesehen noch anerkannt wurden.
[übersetzt mit google]

über die forensischen Untersuchungen
https://www.nrk.no/dokumentar/tragedien-pa-hopseidet-1.907210
Zitat
Professor Torleiv Rognum vom Institut für Forensische Medizin hat den Fall geprüft.  Seine Aufgabe als forensische Medizin ist es, die Verletzungen zu untersuchen und mit den gegebenen Erklärungen zu vergleichen.

 Zusammen mit Brennpunkt konnte er durch einfache Untersuchungen auf eine Reihe von Momenten hinweisen, die darauf hinweisen, dass die deutschen Erklärungen zu den Ereignissen bei Hopseidet nicht korrekt sind.

 Lübben behauptet, er habe die Fischer erschossen, als sie auf ihn zukamen, um ihn mitzunehmen.  Aber einige der Fischer werden von hinten und von der Seite erschossen.

 Lübben behauptet, er habe die Fischer allein erschossen - und mit einer langen Salve mit seinem Schmeisser-Maschinengewehr, das ein Magazin mit 32 Schüssen hat.  Aber an der Stelle, an der Lübben steht, hat die Polizei über 50 leere Hülsen gefunden.  Darüber hinaus fand die Polizei in zwei weiteren Positionen um die Fischer herum leere Hülsen.  Einige der leeren Hülsen hatten ein anderes Kaliber als Lübbens Maschinengewehr.
[übersetzt mit Google]

Auf diese Fragestellung wurde im Buch von Hartwig Kobelt nicht eingegangen, lagen die Obduktionsergebnisse in den ausgewerteten Akten nicht vor?
Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

Offline Violoncello

  • Kapitänleutnant
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  • Beiträge: 756
Re: Hopseidet-Affäre im Mai 1945
« Antwort #2 am: 24 Mai 2020, 14:48:37 »
Hallo Beate,

der Artikel zum Anlass des 75. Jahrestages der Ereignisse um Hopseidet belegt, dass die Aufklärung der Hintergründe für alle Seiten unbefriedigend geblieben ist. Insbesondere natürlich für die norwegische, der sich ja 1945/46 die besten Voraussetzungen hierfür boten, konnte sie doch alle Zeugen einvernehmen. Allerdings befanden sich die Strukturen der norwegischen Ermittlungsbehörden erst im Wiederaufbau, so dass vieles heute nicht mehr nachvollziehbar ist. Im vorliegenden Artikel scheint nur die Aussage eines Tatverdächtigen bestimmten Tatsachen gegenübergestellt zu werden, die im Widerspruch zu einander stehen.

In der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft beim Landgericht München II vom 17. September 1969 wird ausgeführt, dass das Ermittlungsergebnis weder eindeutig die auf Notwehr bzw. Putativnotwehr zielende Aussage des Beschuldigten widerlege noch beweise, dass er aus niedrigen Beweggründen heimtückisch oder grausam gehandelt habe. Es wird aber auch darauf verwiesen, dass das Verfahren gegen fünf weitere Beschuldigte eingestellt wurde, da sich nicht einmal beweisen ließ, dass diese Personen auf die sechs Norweger geschossen hätten oder sonst an der Tat mitgewirkt hätten.

Weitere Informationen können unter Beachtung der Bestimmungen über den Schutz personenbezogener Daten im Bundesarchiv Ludwigsburg der Akte BArch B 162/3223 "Tötung von Zivilisten durch Angehörige des 34. (!) Marineeinsatzkommandos in Hopseidet/Norwegen am 6. Mai 1945") entnommen werden.

Viele Grüße

Violoncello