Holzgasgeneratoren auf Schiffen

Begonnen von TD, 07 Juli 2012, 01:35:42

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TD

Holzgasgeneratoren auf Schiffen

Hallo zusammen,


Sicher hat mancher schon in verschiedenen Quellen gelesen Holzgasgenerator, Versuchsschiff mit Holzgasgenerator, auf Holzgasgenerator umgerüstet usw.
Muss man sich nun vorstellen dass diese Schiffe nun ganze Räume voll Holz mitnehmen mussten ( waren ja alles vorher Ölbrenner die umgerüstet wurden ?
Ich habe ja nur irgendwann die Berichte von Holzgas – LKW gelesen.
Kann hier vielleicht Jemand mit einfachen Worten schreiben wie der Antrieb auf Schiffen funktionierte.

Vielleicht hat Jemand ja als Beigabe auch Fotos von Holzgasanlagen auf Schiffen oder Schiffe mit diesem Antrieb ?

Vielen Dank und schönes Wochenende

Theo
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

Trimmer

Hallo Theo - bitte gehe mal auf  www.atmos.cz/germany/o-firme

dort findest Du u.a.  ein Bild mit einem Schiff auf der Moldau 1943 - mit Holzgasgenerator.

Auch diese Bilder dürften interessant sei : Panzer mit Holzgasgenerator

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

Ulrich Rudofsky

Ja, diese Holzgasgeneratoren bringen Erinnerungen aus meiner Jugend zurück! Ich kann mich noch an ein Auto erinnern wo am Heck von einem Mercedes der eiserne Kessel so schwer war das der Wagen  mit seinen Vorderrädern mit der Strasse nur kaum Kontakt machen konnte und die LKWs lagen  immer schief.  Wir lernten, daß es eine neue Erfindung vom Adolf sei  :-D.   Wir Kinder machten Holzgas aus einem Zündholz im Reagenzröhrchen mit einer kleinen Öffnung.

Dem Buch aus Schweden nach hatten sich die Holzgas-Maschienen für große Schiffe und Langstreckenbetrieb  nicht geignet, aber sie wurden auf Fähren, Küstenfrachtern usw. angewendet.  Siehe in diesem Buch Seite 180-    und Abbildungen 140-143.
"Generator Gas: the Swedish Experience from 1939-1945"     http://books.google.com/books?id=1x5C0cHbTnUC&pg=PA180#v=onepage&q&f=false 

http://www.lowtechmagazine.com/2010/01/wood-gas-cars.html
Ulrich Rudofsky

TD

Recht vielen Dank für die Informationen.

Mich interessiert ja besonders wieviel Holz ein Schiff, auch MFPs gab es mit Holzgasanlagen, für welche Strecke gebrauchten.
War der Antrieb stark genug schnell zu laufen oder ggf. gegen einen Sturm anzukommen.

Eben solche Fragen wie viel Holz jeweils mitgenommen werden musste usw.
Gab es vielleicht auch schon Pressholz mit Brennverstärker ( Feuchtigkeit !)
usw.
Auch in der Donauschifffahrt gab es ja Schiffe die umgebaut wurden
So banal wie sich die Sache ja anhört, es gab ja viele Hintergrunddaten die man nie  erfahren hat.

Bis dann

Theo
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

Albertus

Hallo Theo!

Ich las, dass nicht alle Holzsorten in Frage kamen, geeignet waren Buche, Birke, Kiefer Erle, und Tanne.
Man konnte bis zu 10 Prozent Sägemehl oder Späne beifügen.
Etwa 2 bis 2,5 kg Holz entsprachen der Energie aus einem Liter Benzin.

Gruß, Jane

Trimmer

Hallo Theo - aber "schlag mich nicht wenn es so nicht richtig ist"  :-D  2,5 kg Holz entsprechen einen Brennwert von 1 l Benzin, wenn das Auto also ca.15 l Benzin auf 100 km verbraucht so brauche ich ca. 40kg Holz

Gruß - Achim-Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

brueckenhein

Ja musste man denn während der Fahrt Holz nachlegen? Ich kenne die Stinkkarren noch aus meiner Kindheit aber nur noch ganz flach. In unserer Garage war immer Holz gelagert aber ich habe nie erlebt das damit Kessel angeheizt wurden
Seefahrer sind wie Kletten, sie halten alles zusammen

Trimmer

Also ich habe so ganz dunkle Erinnerungen an einen LKW bei uns vorm Haus. Der Fahrer hat zuerst den Kessel mit Holz bis oben angefüllt. Sah aus wie ein Badeofen. Angezündet und nach einer ganzen Weile ist er dann losgefahren.Auf der Ladefläche waren auch noch Säcke mit Holz.Der Generator war gleich hinter dem Fahrerhaus. Zeitmäßig denke ich so an 1952/53 aber sicher bin ich mir da nicht.

Gruß - Achim-Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

Ulrich Rudofsky

Noch eine Erinnerung.....da war auch ein Flatterluftventil unten an der Kesselseite das klick... klick  ...klick machte und mich als Kind faszinierte. Dort wurde das Holz wurde mit einer Lötlampe angezündet ......es dauerte mindestens eine halbe Stunde bevor man mit dem hustenden Chauffeur und hustenden Motor  langsam zum Fahren anfangen konnte. 
Es war so eine Lötlampe, die auch beim Aufwärmen vom Dieseldrescher und Traktor benutzt wurde   :-D  http://www.heimatverein-ruethen.de/images/Loetlampe.jpg
Ulrich Rudofsky

Trimmer

Hallo Ulrich - ja kenne ich von Opas Lanz-Bulldogg - Traktor auch noch. Lunte oder Lötlampe und dann musste man kräftig kurbeln  :-D

Gruß über den Ozean - Achim-Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

Ulrich Rudofsky

Unser Traktor und Drescher war auch von Lanz.  Ich kann mir nicht vorstellen wie diese Technik auf einem echten Langstreckenschiff (nicht Donau oder Moldau Boot) funktionieren konnte.  Die Gefahr von Feuer, Gasexplosion und CO Vergiftung im Maschinenraum musste sogar damals berücksichtigt werden.  Viele Autofahrer starben angebich damals an Holzgasvergiftung. 
Ulrich Rudofsky

Albertus

Zum Foto:
Die Holzgasanlage befindet sich zwar nicht auf einem Schiff, sondern in/an einem Omnibus. Das Foto entstand 1947/48



Motorfunktion:
Man ließ Frischluft mittels elekt. Ventilator durch das Zündloch ansaugen, dann hielt man eine brennende Lunte an das Zündloch, sie entzündete die Holzkohle im Herd.
Im Idealfall war nach 2 bis 5 Min. Gas vorhanden, so dass der Motor damit angelassen werden konnte. Bei Pausen hielt sich die Glut im Generator 4 bis 5 Std. Um wieder brennbares Gas zu haben, musste die Glut erneut mit dem Ventilator angefacht werden.

Wenn auch oT, vielleicht freut sich jemand über das Bild. (Ich finde es toll)

Gruß, Jane

Trimmer

Jane - ich auch  :-D

Gruß - Achim-Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

TD

Prima, jetzt kommt die Sache richtig unter Dampf !

Man hat sich ja nie Gedanken emacht und nun tauchen immer wieder neue Sachen auf.

Gruß

Theo
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

smutje505

Hallo Theo  und  Jane(toll das Bild)ich habe einmal ein Auszug von Georges Imbert(1884-1950)der Erfinder des Holzgenerators-auch Generatorpapst genannt.Auch ich kann mich erinnern bei uns fuhr noch weit bis Anfang der 60iger ein Opel als Taxi mit diesem Generator.Bin aber auch der Meinung wie Ullrich,daß die Technik auf Schiffen nicht funktionieren konnte(vielleicht hat man auf 1-2 Schiffen Versuche gemacht).Hier einige Auszüge (Google)

.....Nach Meinungsverschiedenheiten mit seinem Teilhaber verließ Imbert 1930 Frankreich und gründete ein eigenes Unternehmen im Saarland. Kurze Zeit später verkaufte Imbert die Lizenz für seinen Holzgasgenerator an den deutschen Unternehmer Johannes Linneborn in Köln. Erst der Kraftstoffmangel im zweiten Weltkrieg führte zu einer weiten Verbreitung der Imbert-Generatoren, die in alle Arten von Kraftfahrzeugen und sogar in Schienenfahrzeuge eingebaut wurden. Aufgrund der geringeren Leistung der Motoren beim Betrieb mit dem Holzgas fand das Verfahren nach dem zweiten Weltkrieg keine nennenswerte Anwendung mehr.....

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