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* HMA

Autor Thema: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?  (Gelesen 9205 mal)

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Offline TD

  • BOdFMA
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Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« am: 11 Februar 2012, 11:49:27 »
Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?


Hallo,

lt des sehr interessanten Buches „ Stalins Beutezug“ von Bogdan Musial sollen
die Russen nach der Besetzung der Danziger Werften noch acht U-Boote von Stapel
gelassen haben.
Gibt es dazu weitere Informationen ?

Schönes Wochenende

Theo


...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

Offline kalli

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Re: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« Antwort #1 am: 11 Februar 2012, 15:48:36 »
Hallo Theo,

so genau kenne ich mit U-Booten ja nicht aus und habe auch nur rudimentäre Unterlagen. Deshalb bitte korrigieren oder richtig stellen, wenn ich falsch liege.
Am 30.03.1945 wurde Danzig genommen. Zu diesem Zeitpunkt waren wohl 20 U-Boote Typ XXI ( U-3538 bis U-3557 ) auf Stapel. Für 14 ( U-3558-U-3571 ) waren die Sektionen vorbereitet. Im Sommer ( Tag/Monat ? ) erfolgten Stapelläufe und die Boote wurden in die UdSSR überführt. Von den 20 Booten sollen schon am 13.04.1945 13 in den Bestand aufgenommen worden sein. Die verbleibenden 7 kamen am 12.02.1946 in den Bestand. Die fehlenden deutschen Ausrüstungen wurden durch solche aus sowjetischer Produktion ersetzt.
Vielleicht kann jemand, der sich mit dem Projekt 614 auskennt, mehr dazu sagen.

Offline Schorsch

  • Kapitän zur See
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  • Beiträge: 1579
Re: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« Antwort #2 am: 11 Februar 2012, 17:06:06 »
Hallo Theo, hallo kalli,

E. Rössler hält zu den XXI-er Booten, die von der Roten Armee in Danzig erobert wurden, folgende Informationen in „U-Boottyp XXI“, Bernard & Graefe, 2001 auf Seite 226 bereit:

sowj. Bez./deutsche Bez./Fertigungszustand/Stapellauf
TS 5/U 3535/auf Helling, fast fertig/15.07.1945
TS 6/U 3536/auf Helling, fast fertig/15.07.1945
TS 7/U 3537/auf Helling, ca. 75 % fertig/15.07.1945
TS 8/U 3538/auf Helling, ca. 75 % fertig/15.07.1945
TS 9/U 3539/auf Helling, ca. 65 % fertig/??
TS 10/U 3540/auf Helling, ca. 65 % fertig/??
TS 11/U 3541/auf Helling, ca. 65 % fertig/??
TS 12/U 3542/auf Helling, ca. 65 % fertig/??
TS 13/U 3543/Sektionen vorhanden, Weiterbau/??
TS 15/U 3544/Sektionen vorhanden, Weiterbau/??
TS 17/U 3545/Sektionen vorhanden, Weiterbau/??
TS 18/U 3546/Sektionen vorhanden, Weiterbau/??
TS 19/U 3547/Sektionen z.T. vorhanden, Weiterbau/??
TS 32/U 3548/Sektionen z.T. vorhanden, Weiterbau/??
TS 33/U 3549/Weiterbau 1946 geplant, nicht fortgeführt/kein
TS 34/U 3550/Weiterbau 1946 geplant, nicht fortgeführt/kein
TS 35/U 3551/Weiterbau 1946 geplant, nicht fortgeführt/kein
TS 36/U 3552/Weiterbau 1946 geplant, nicht fortgeführt/kein
TS 37/U 3553/Weiterbau 1946 geplant, nicht fortgeführt/kein
TS 38/U 3554/Weiterbau 1946 geplant, nicht fortgeführt/kein

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

Berühmte letzte Worte: „Präzision und Timing sind das A und O beim Dynamit-Fischen…“

Offline habichtnorbert

  • Fregattenkapitän
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Re: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« Antwort #3 am: 11 Februar 2012, 21:12:00 »
Hallo Theo,

bei meinen Freund Watscheslav gibts alles zu den U-Booten aber in Russsich:

http://navyworld.narod.ru/uucidx.htm

geh mal guggen,

 :MG:
Gruß Norbert

Wo die Flotte hinfährt, sind die Minensucher schon gewesen

Das Historische Marinearchiv: www.historisches-marinearchiv.de

Offline hillus

  • Kapitän zur See
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  • Beiträge: 2137
Re: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« Antwort #4 am: 14 Februar 2012, 16:38:06 »
Moin,

zur Abrundung der hochinteressanten Beiträge können ein paar Dinge ergänzt werden.
Eine Sache sollte eindeutig sein, die Russen haben KEIN deutsches U-Boot fertiggebaut und dann in ihren Flottenbestand vereinnahmt. Sie haben lediglich die U-Boote soweit provisorisch schwimmfähig gemacht, um sie von den Helligen der ehemaligen und nun in ihrem Zugriffbereich liegenden deutschen Werften zu Wasser zu lassen bzw. bereits auf der Helling demontiert. Die Beute-U-Boote wurden soweit auseinandergebaut, um die deutsche Technik weitestgehend zu beherrschen und in ihre beginnende Nachkriegs-Flottenrüstung einfließen zu lassen. Hinzukommt die Notwendigkeit der Ersatzteilgewinnung für die unter russischer Flagge wieder in Dienst gegangenen deutschen U-Boote. Lediglich zwei Zwerg-U-Boot wurde komplett fertiggebaut (Siehe letzter Punkt der tabellarischen Aufstellung).

Die folgende Listung wurde gemeinsam von Kaschube_29 und hillus vorgenommen und ist in unserem Buch über die U-Boote der Baltischen Flotte vertiefend weiter einzusehen.

Die Daten für die sogenannten Beute-U-Boote der ehemaligen Deutschen Kriegsmarine
differieren beträchtlich. Die Angaben der aktuellen russischen U-Bootportale www.deepstorm.ru/
und http://submarines.narod.ru/ sind im Vergleich mit den Handbüchern von Rohwer / Monakow
„Stalin’s ocean going fleet“, S. S. Berezhnoj „Trofei i reparatsii WMF SSSR“, E. Gröner „Die
deutschen Kriegsschiffe 1815 – 1945 Band 3, H. T. Lenton „German submarines“ Teil I und II sowie
mit R. Busch / H.-J. Röll in „Der U-Boot-Krieg“ in fünf Bänden recht unterschiedlich. Wir legten bei
unseren Recherchen die Angaben von Rohwer / Monakow zugrunde, da sich deren Bootsangaben auch in der
deutschen, englischen und russischen Literatur wiederfindet und Kapitän zur See Monakow als
damaliger Leiter der historischen Abteilung des Marinehaupstabes (Admiralität) wohl den Zugang zu den
Archiven der Seekriegsflotte hatte.

Nicht in den Kampfbestand kamen:

- R-1, ex TS-5, ex U-3535 Typ XXI,
30.03.1945 kurz vor dem Stapellauf auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
15.07.1945 provisorischer Stapellauf
25.02.1946 zur Abteilung Baubelehrungs- und Generalüberholungs-U-Boote der
Schulbootbrigade der Nordbaltischen Flotte
08.03.1947 Name R-1
08.08.1947 aus der Schiffsliste der SKF gestrichen und 20sm nw von Kap Ristna versenkt.
Kommandanten waren:
29.04.1945 bis 12.01.1946 FK Lewizkij, Alexander Alexandrowitsch (22.08.1952 wegen
angeblicher Disziplinlosigkeit zum Korvettenkapitän degradiert. Letzte Dienststellung war
Oberoffizier für Gefechtsausbildung im Stab der 33. Division der Nord Flotte (04.1951 bis
06.1953)
03.08.1946 bis 15.02.1947 KL Burdenko, Wladimir Nikolajewitsch
- R-2, ex TS-6, ex U-3536 Typ XXI
30.03.1945 kurz vor dem Stapellauf auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
15.07.1945 provisorischer Stapellauf
08.03.1947 Name R-2, Kommissionierung in den Seestreitkräften möglich
08.08.1947 aus der Schiffsliste der SKF gestrichen und 20sm nw von Kap Ristna versenkt
- R-3, ex TS-7, ex U-3537 Typ XXI
30.03.1945 kurz vor dem Stapellauf auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
15.07.1945 provisorischer Stapellauf
08.03.1947 Name R-3, Kommissionierung in den Seestreitkräften möglich
08.08.1947 aus der Schiffsliste der SKF gestrichen und 20sm nw von Kap Ristna versenkt
- R-4, ex TS-8, ex U-3538 Typ XXI
30.03.1945 unfertig auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
25.02.1946 zur Abteilung Baubelehrungs- und Generalüberholungs-U-Boote der
Schulbootbrigade der Nordbaltischen Flotte
08.03.1947 Name R-4
28.02.1948 aus dem Bestand gestrichen, zur Verwertung freigegeben und auf der Helling
abgewrackt
Kommandant war:
...1947 bis ...1948 KL Morosow, Pawel Alexandrowitsch
- R-5, ex TS-9, ex U3539 Typ XXI
30.03.1945 unfertig auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
08.03.1947 Name R-5, kein Fertigbau für die Seestreitkräfte
28.02.1948 aus dem Bestand gestrichen, zur Verwertung freigegeben und auf der Helling
abgewrackt
- R-6, ex TS-10, ex U3540 Typ XXI
30.03.1945 unfertig auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
08.03.1947 Name R-6, kein Fertigbau für die Seestreitkräfte
28.02.1948 aus dem Bestand gestrichen, zur Verwertung freigegeben und auf der Helling
abgewrackt
- R-7, ex TS-11, ex U3541 Typ XXI
30.03.1945 unfertig auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
08.03.1974 Name R-7, kein Fertigbau für die Seestreitkräfte
28.02.1948 aus dem Bestand gestrichen, zur Verwertung freigegeben und auf der Helling
abgewrackt
- R-8, ex TS-12 ex U-3542 Typ XXI
30.03.1945 unfertig auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
08.03.1947 Name R-8, kein Fertigbau für die Seestreitkräfte
28.02.1948 aus dem Bestand gestrichen, zur Verwertung freigegeben und auf der Helling
abgewrackt
Kommandant war:
14.09.1945 bis 22.02.1946 KL Burdenko, Wladimir Nikolajewitsch
- TS-13, ex U-3543 Typ XXI
30.03.1945 unfertig auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
09.04.1947 aus dem Bestand gestrichen, zur Verwertung freigegeben und abgewrackt
- TS-14, ex U-250 Typ VIIC
08./09.1944 vom ASS der Baltischen Flotte gehoben
12.04.1945 nach Kronstadt geschleppt, Wiederherstellung geplant, aber wegen schwerer
Beschädigungen irreparabel
20.08.1945 aus dem Bestand gestrichen, zur Verwertung freigegeben und abgewrackt
Kommandant war:
12.1944 bis 29.04.1945 KK Lewizkij, Alexander Alexandrowitsch
- TS-15, ex U-3544 Typ XXI
30.03.1945 unfertig auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
09.04.1947 aus dem Bestand gestrichen, zur Verwertung freigegeben und abgewrackt
- TS-17, ex U-3545 Typ XXI
30.03.1945 unfertig auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
09.04.1947 aus dem Bestand gestrichen, zur Verwertung freigegeben und abgewrackt
- TS-18, ex U-3546 Typ XXI
30.03.1945 unfertig auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
09.04.1947 aus dem Bestand gestrichen, zur Verwertung freigegeben und abgewrackt
- TS-19, ex U-3547 Typ XXI
30.03.1945 unfertig auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
09.04.1947 aus dem Bestand gestrichen, zur Verwertung freigegeben und abgewrackt
- TS-32, ex U-3548 Typ XXI
30.03.1945 nicht auf Stapel, nur in Sektionen auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
09.04.1947 zur Verwertung freigegeben und abgewrackt
- TS-33, ex U-3549 Typ XXI
30.03.1945 nicht auf Stapel, nur in Sektionen auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
09.04.1947 zur Verwertung freigegeben und abgewrackt
- TS-34, ex U-3550 Typ XXI
30.03.1945 nicht auf Stapel, nur in Sektionen auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
09.04.1947 zur Verwertung freigegeben und abgewrackt
- TS-35, ex U-3551 Typ XXI
30.03.1945 nicht auf Stapel, nur in Sektionen auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
09.04.1947 zur Verwertung freigegeben und abgewrackt
- TS-36, ex U-3552 Typ XXI
30.03.1945 nicht auf Stapel, nur in Sektionen auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
09.04.1947 zur Verwertung freigegeben und abgewrackt
- TS-37, ex U-3553Typ XXI,
30.03.1945 nicht auf Stapel, nur in Sektionen auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
09.04.1947 zur Verwertung freigegeben und abgewrackt
- TS-38, ex U-3554 Typ XXI
30.03.1945 nicht auf Stapel, nur in Sektionen auf der Schichau Werft in Danzig erbeutet
09.04.1947 zur Verwertung freigegeben und abgewrackt
- Zwei Boote Typ XXVIIB5 „SEEHUND“:
Während der Kampfhandlungen Anfang 1945 erbeuteten die sowjetischen Streitkräfte zwei
Mini-U-Boote „SEEHUND“ auf der Schichau Werft in Elbing. Beide Mini-U-Boote wurden
wahrscheinlich zu Jahresbeginn 1945 auf Stapel gelegt.
Das erste Boot, den Stapellauf noch von der deutschen Werft vollzogen, wurde nach dem
sowjetischen Projekt SH bei der SSZ N° 196 fertiggestellt und 1948 bei den SSK in Betrieb
genommen. Danach bot die Werft das Boot zu Lehrzwecken und anderen möglichen
Verwendungen an, aber die verschiedenen Flottenorganisationen hatten kein Interesse an
einer Übernahme. Nach der Sicherung einiger Teile und Ausrüstungen wurde das Boot aus
Gründen der Geheimhaltung vernichtet.
Das zweite Boot bei der SSZ N° 196 unter der Auftragsnummer 244 mit organisierten Teilen
und Ausrüstunen aus den ehemaligen deutschen Werften der Ostgebiete ergänzt und mit
russischen Bauteilen vervollständigt. Der Zusammenbau erfolgte ebenfalls nach dem Projekt
SH.
Der Stapellauf vollzog sich am 02.11.1947 und vom 05.11.1947 bis 20.11.1947 fanden
Probefahrten mit Torpedoschießen und Tieftauchen statt. Nach letzten Erprobungen im Jahre
1948 erfolgte die Übergabe an die SSK. Nach weiteren Tests wurde das erste „deutsch-sowjetische
Mini-U-Boot“ Ende 1948 ausgemustert.

Grüße aus Braunschweig

hillus
« Letzte Änderung: 14 Februar 2012, 19:12:31 von hillus »

Offline Trimmer

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Re: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« Antwort #5 am: 15 Februar 2012, 16:07:00 »
Danke Jochen- das war wieder eine gute Information. Gibt es auch Informationen wie die gewonnenen Erkenntnisse gerade von der XXI- Klasse sich dann bei der Kostruktion sowj. U-Boote widerspiegelte ?

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

Offline Kaschube_29

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Re: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« Antwort #6 am: 15 Februar 2012, 17:17:53 »
Moin Trimmer,

die sowjetische Marine und die sowjetischen Konstrukteure haben die Klasse XXI gründlich studiert und hauptsächlich bei der Konstruktion der "Whiskey"-Klasse (russisch: Projekt 613) berücksichtigt, die nach dem 2.Weltkrieg in einer Stückzahl von 216 U-Booten gebaut wurde; dort wurde unter anderem auch der Druckkörper in Form einer "8" ausgeführt.

Gruß,

Kaschube_29
 

Offline hillus

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Re: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« Antwort #7 am: 15 Februar 2012, 18:00:53 »
Hallo Achim,

bei einem Glas Whiskey :MLL:, es geht hier auch um die WHISKEY-Boote der Sowjets, würde das am Besten gehen, aber Spaß beiseite, die Erkenntnisse des deutschen U-Bootbaus sind in einigen Projekten der Seekriegsflotte eingeflossen.

1. Einfluß des erbeuteten deutschen U-Bootes U-250, Typ VIIC:
Im Jahre 1944 erteilte die Verwaltung Kriegsschiffbau der Seekriegsflotte den Auftrag zur Erarbeitung von zwei Varianten neuer mittlerer U-Boote. Die 1. Variante bekam die Projektnummer 608 und wurde dem zentralen Konstruktionsbüro N° 18 zugeordnet und die 2. Variante dem Schiffbauwerk SSZ N° 194 mit der Projektnummer 608-1. Es sollte ein mittleres U-Boot mit 640 bis 660 Tonnen entstehen, was auch für Fernfahrten geeignet war.
Mit der Erbeutung von U-250 ergab sich die Chance, die deutsche Technik, die man eigentlich vom Typ "S" her kannte, mit all den Neuerungen kennenzulernen. In diesem Sinne erteilte der damalige Oberbefehlshaber der Seekriegsflotte, Admiral N.G. Kusnezow den Befehl, die gesamten deutschen Erkenntnisse diese Typs in dieses Projekt einfließen zu lassen.
Im Ergebnis dessen erteilte die neue Hauptverwaltung Kriegsschiffbau im Januar 1946 den Auftrag zur Projektierung des 1. Nachkriegsprojektes eines mittleren U-Bootes 613. Daraufhin wurden alle weiteren Arbeiten am Projekt 608/608-1 eingestellt.

2. Einfluß der erbeuteten deutschen U-Boote Typ XXI:
Nach Beendigung des Krieges hatten die Sowjets den Zugriff auf diesen wohl am weitesten entwickelten deutschen U-Boottyp erhalten. Der Typ XXI kam schon dem Begriff "U-BOOT" durch seine längere Tauchzeit am Nächsten, während die früheren Boote nur als Tauchbotte bezeichnet werden können.
Es wurde das zentrale Konstruktionsbüro N° 18 (heute ZKB RUBIN) beauftragt, mit den vorhandenen Sektionen der deutschen Boote einen Fertigbau nach dem neuen Projekt 614 zu realisieren. Als Chefkonstrukteur wurde W. N. Pergudow berufen, ein anerkannter Konstrukteur von U-Booten, und später trat an seine Stelle P. S. Sawinow. Die deutsche Technik und der deutsche U-Bootbau sollte mit der sowjetischen Bewaffnung und Ausrüstung vereinigt werden.
Das gelang nicht und das Projekt wurde nicht weiter verfolgt.

3. Als Fazit kann man sagen, dass in diese beiden sowjetischen Projekte die deutschen Erfahrungen einfliesen sollten, aber wahrscheinlich war, und jetzt begebe ich mich auf das Feld der Spekulation, weil nichts bekannt, der technologische Unterschied p. a. noch so hoch, dass man eine Realisierung als nicht real ansah. Somit wurde auch kein einziges ex deutsches U-Boot nach sowjetischer Art fertiggestellt.
Die Zukunft hat dann aber bestätigt, wie schnell die Sowjets Rückstände in Wisenschaft und Technik, mit und ohne Spionage, aufgeholt haben.
Alle Erkenntnisse über ex deutsche U-Boote fanden wie bei den anderen Alliierten ihren Eingang in den nationalen U-Bootbau. Bei den Sowjets waren es die Projekte 611, 613, A615 und 617, wobei bei den letzten beiden Projekten der Walther-Antrieb genutzt werden sollte. Aber darüber kann man ja später mal schreiben bzw. wer das mal möchte.

Grüße aus Braunschweig

hillus











« Letzte Änderung: 15 Februar 2012, 18:14:52 von hillus »

Offline Trimmer

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Re: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« Antwort #8 am: 15 Februar 2012, 18:25:56 »
Danke Euch Beiden für die Antwort - jetzt habe ich auch eine Vorstellung - Jochen, Whiskey sagt mir natürlich auch in zweierlei Hinsicht etwas  :-D Wobei ich aber doch lieber zu " Stolitschnaja " oder " Moskowskaja " zurück greife- alte Gewohnheiten  :MZ:

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

Offline hillus

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Re: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« Antwort #9 am: 15 Februar 2012, 18:38:40 »
Achim,

ich hatte beim Schreiben im Moment keine andere Allegorie als WHISKEY zur Hand. Aber in den Flaschen ist doch immer gleich Luft drin, wenn man ansetzt. :MG:

Gruß

Jochen

Offline bettika61

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Re: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« Antwort #10 am: 10 Oktober 2014, 14:25:30 »
Alle Erkenntnisse über ex deutsche U-Boote fanden wie bei den anderen Alliierten ihren Eingang in den nationalen U-Bootbau. Bei den Sowjets waren es die Projekte 611, 613, A615 und 617, wobei bei den letzten beiden Projekten der Walther-Antrieb genutzt werden sollte. Aber darüber kann man ja später mal schreiben bzw. wer das mal möchte.
Hallo Hillus,
zum Thema Walter U-Boot  schreibt
Karl G Strecker  "Vom Walter-U-Boot zum Waffelautomaten"
und bezieht sich dabei auf
 "Marineforum" 10/2000 Aufsatz über die russische U-Bootflotte von Dr. Günther Pöschel

Zitat
Im Zweiten Weltkrieg konnten die deutschen U-Bootkonstrukteure in der Stadt Blankenburg im Harz ungestört von alliierten Bombern ihrer Arbeit nachgehen.
Mit Kriegsende fiel neben den erbeuteten Unterlagen auch eine Reihe dieser Konstrukteure den sowjetischen Truppen in die Hände. Sie wurden in die Sowjetunion gebracht, um dort ihre Entwicklungen fortzusetzen. 1948 wurde im damaligen Leningrad das "Spezial-Konstruktionsbüro Nr. 143" gegründet, wo nun auch die deutschen Mitarbeiter tätig waren, bis sie 1951 in die damalige DDR zurückkehren durften.
So entstand unter der Bezeichnung "Projekt 617" ein ca. 950 Tonnen-Walter-Boot, das allerdings nur eine Geschwindigkeit von 20 KN erreichte. ……
.. Das russische Boot wurde der Baltischen Flotte zugeteilt, so daß seine Übungsfahrten in der östlichen Ostsee stattfanden. Dabei kam es am 19. Mai 1959 - wahrscheinlich im Antriebsbereich - zu einer schweren Havarie. Aus diesem Grunde wurde es bald darauf außer Dienst gestellt und später verschrottet.

Ist über das U-Boot und den Unfall 1959 mehr bekannt ?

Grüsse
Beate

Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

Offline hillus

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Re: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« Antwort #11 am: 10 Oktober 2014, 16:02:28 »
Hallo Bettika,

erfrischend, wenn wieder einmal solch ein Thema hochkommt. So wie ich es erkenne, hast Du das Buch Dir zugelegt. Natürlich kann ich Dir helfen. Ich versuche es einmal ausführlich.

Die sowjetischen Konstrukteure versuchten die deutschen Erfahrungen mit dem Walther-Antrieb des deutschen U-Boottyps XXVI zu nutzen und zur Serienreife zu bringen. Damit waren sie aber auch nicht gut beraten, denn der Walther-Antrieb, in sich gefährlich und unausgereift, war eine Sackgasse in der Entwicklung der U-Bootsantriebe. Viele Havarien und sogar zwei Totalverluste waren das Ergebnis. Mit der Projektnummer 617, NATO-Code WHALE, wurde im Verlauf des Jahres 1953 ein weiterführendes Projekt mit Kreislaufantrieb der Flotte zur Erprobung zugeführt. Seine taktische Nummer war S-99.

Die Entwicklung eines Nachbaus des deutschen Typs XXVI wurde dem Zentralen Konstruktionsbüro N°18 des Volkskommissariats für Schiffbauindustrie in Leningrad übertragen. Dazu wurden seit 1946 dienstverpflichtete deutsche Ingenieure mit herangezogen. Die Projektleitung für das Projekt 617 wurde dem Chefkonstrukteur des Büros, A.A. Antipin, übertragen. Dem Konstruktionsbüros N°143 wurde zunächst nur die Entwicklung des neuartigen und unbekannten Antriebs übertragen Das Projekt 617 wurde im Wesentlichen 1947 abgeschlossen. Ab Mai 1948 bekam dann das Sonderkonstruktionsbüro N°143 alle weiteren Arbeiten übertragen.

Hier der historische Abriss zu diesem U-Boot:

Projekt   617/WHALE
S-99
ab 05.02.1952 bis 15.03.1953
05.02.1951 auf Stapel bei der SSZ N° 196 in Leningrad als mittleres U-Boot
05.02.1952 Stapellauf
30.09.1952 in Dienst der Seestreitkräfte
15.05.1953 zur 39. Abteilung Werftlieger-U-Boote der 93. Brigade Schul- und Baubelehrungs-U-Boote der Seekriegsfestung Kronstadt
01.08.1954 zur 39. Abteilung Werftlieger-U-Boote der 93. Brigade Schul- und Werftlieger-U-Boote der 68. Division Schulschiffe (U-Boote) der Seekriegsfestung Kronstadt
Sommer 1956 bis Winter 1958 vertragliche Werftüberholung der Mechanismen in der Schiffswerft SSZ N°196 in Leningrad
30.08.1956 zur 93. Brigade Schul- und Baubelehrungs-U-Boote der 68. Division Schulschiffe (U-Boote) der Rotbanner Seekriegsfestung Kronstadt
15.02.1957 zur 70. Abteilung der 68. Division Schul- und Baubelehrungs-U-Boote der Rotbanner See-kriegsfestung Kronstadt des Leningrader Küstensicherungsbezirkes
01.04.1958 mit der Abteilung zur neu formierten 68. Sonderbrigade Schul-und Baubelehrungs-U-Boote der Rotbanner Seekriegsfestung Kronstadt
Mai 1959 Havarie während der Erprobung
05.1959 bis 06.1959 Reparatur nach Havarie in der Antriebsanlage bei der Schiffsreparaturwerft N°29
17.10.1960 zur 70. Abteilung der 68. Sonderbrigade Schul- und Baubelehrungs-U-Boote der Lenin-grader Flottenbasis
12.12.1960 zur 68. Sonderbrigade der Flottenbasis Leningrad
31.08.1961 außer Dienst gestellt, Klassifizierung als Versuchs-U-Boot und zum ZNII-138 der Seekriegsflotte
28.02.1964 zur Verwertung freigegeben
15.05.1964 Auflösung der Besatzung und bis Ende der 60-ziger Jahre verschrottet

Kommandanten waren:
N.G. Simonow von 1951 bis 195?
A.I. Scharow von 195? bis 10.1958
W.P. Rjabow von 10.1958 bis 1960
I.F. Smirnow von 1960 bis 13.05.1960


Ich hoffe, Du bist zufrieden mit der Auskunft!

hillus
« Letzte Änderung: 10 Oktober 2014, 19:10:45 von hillus »

Offline bettika61

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Re: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« Antwort #12 am: 11 Oktober 2014, 15:12:28 »
Hallo hillus,
sehr zufrieden  :-D  :MG:
Seit gestern habe ich nun  " Eberhard Möller - Marine Geheimprojekte " ,
meine Frage zum  Unfall wird darin  beantwortet .
Urache war vermutlich eine Explosion in der H2O2-Leitung in der Nähe des Bordventils, ausgelöst durch Zersetzung des H2O2 im Rohr infolge von Ablagerungen im Bordventil oder Kondensation von Beimischungen. Nur durch die schnelle Reaktion des Kommandanten Korvettenkapitän Rybow ist
eine Katastrophe vermieden worden.
Möller zitiert dabei aus  "Shirokorad "Sovetskie Podvodnye Lodki poslevoennoy Postroyki"

Worauf beruht Deine negative Bewertung des Walter-Antriebes:
Zitat
Die sowjetischen Konstrukteure versuchten die deutschen Erfahrungen mit dem Walther-Antrieb des deutschen U-Boottyps XXVI zu nutzen und zur Serienreife zu bringen. Damit waren sie aber auch nicht gut beraten, denn der Walther-Antrieb, in sich gefährlich und unausgereift, war eine Sackgasse in der Entwicklung der U-Bootsantriebe

Der von Möller zitierte Shirokorad schreibt darüber anders  :wink::
Zitat
Den sowjetischen Spezialisten gelang es nicht ,ausreichende Informationen über diesen Antrieb zu gewinnen. Deswegen wurde der Antrieb unseres Bootes von uns selbst entwickelt.

Der Sowjetunion hätte nach dem Potsdamer Abkommen auch die Informationen über das   Walter-U-Boot zugestanden, die Entdeckung der Boote und sicher auch die erbeuteten Unterlagen haben die Alliierten den Sowjets vorenthalten, so steht es zumindest hier

Grüsse
Beate
Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

Offline bettika61

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Re: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« Antwort #13 am: 02 Februar 2016, 16:54:58 »
Hallo,
in den o.g. Angaben ist zu finden, das die Russen auch Sektionen von U-Booten erbeuteten.
Im Zusammenhang mit Recherchen zu Jessenitz
gibt es bei der Inventur des Marinearsenals 1946 nicht nur Angaben zu Artilleriemunition sondern auch "Ausrüstungsgegenständen". Es wurden  600 Waggons zum Abtransport dieses Ausrüstungsgegenstände nach Russland bereitgestellt. Dazu fehlen mir leider genauere Angaben.
Genauer wird es dann bei dem bis Ende 1946 vernichteten Material, dazu zählen
Zitat
-55 Tonnen verschiedener Ersatzteile für U-Boote
-11 "Sektionen" von U-Booten"

Zu den Sektionen meine Fragen zur möglichen Herkunft . Sind das erbeutete Sektionen die von den Russen dort gesammelt wurde, oder von den Deutschen vor Kriegsende dort eingelagert?
Wo könnten sie ursprünglich gebaut worden sein?

Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

Offline TD

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Re: Acht U-Boote nach Mai 1945 von Stapel ?
« Antwort #14 am: 02 Februar 2016, 17:55:59 »
Hallo Beate,
bin ja kein großer U- Boot – Kenner.

Aber die Sektionen wurden teilweise im Ruhrgebiet, auch wohl hier in Westfalen, gebaut und gingen auf Binnenschiffen zu den Werften.
Es gab auch eigene Sektions- Transportschiffe für die Seefahrt.

Ich hatte ja zur KMW Wilhelmshaven einige Listen mit Sektionen dort.

Lt. einer in Landon gekauften Akte sollen im Mai 1945 in Hamburg genau 100 U- Boot – Sektionen über die Stadt in Hinterhöfen Hallen usw. gefunden worden sein.
Aber für U- Boote haben wir weitaus bessere Mitglieder unter uns.

Gruß

Theo
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !