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Autor Thema: Schiffstransporte von KZ Stutthof Häftlingen  (Gelesen 15471 mal)

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Online Urs Heßling

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Re: Schiffstransporte von KZ Stutthof Häftlingen
« Antwort #45 am: 20 Juni 2020, 22:15:32 »
moin,

Ein U-Boot-Kommando in Neustadt war z.B. die U-Bootschule der 3-ten ULD.
Die Marine-Versehrten-Kompanie war zwar ein Marine-Kommando, aber kein U-Boot-Kommando.
Es ist im Rahmen dieses Threads absolut unerheblich, aber beide waren Einheiten der Marine.
Es gab ein Oberkommando der Kriegsmarine, es gab Marine-Oberkommandos, es gab ein Marinekommandoamt und ein Kommando der Kleinkampfverbände, ... und es gab natürlich die Marine-Einsatzkommandos (MEK), aber ansonsten wurde der Begriff "-kommando" mW nur für Versuchs- und Erprobungsstellen wie
- Artillerieversuchskommando A.V.K.
- Erprobungskommando für Kriegsschiffneubauten E.K.K.
- Nachrichtenmittelerprobungskommando N.E.K.
- Sperrversuchskommando S.V.K.
- Torpedoerprobungskommando T.E.K.
- Torpedoversuchskommando T.V.K.
verwandt.

Gruß, Urs
« Letzte Änderung: 21 Juni 2020, 08:51:29 von Urs Heßling »
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

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Re: Schiffstransporte von KZ Stutthof Häftlingen
« Antwort #46 am: 22 Juni 2020, 17:56:41 »
Hallo Beate,

ich habe hier noch etwas zum Behördenschlepper Adler:

*** Motorschiff ADLER 
61,85 BRT, 19,50 mL,5,20 mB,2,30 mT  330 PS 95 m³, 7 Mann Besatzung

26.04.1941 An Sperrkommandant Pillau
00.00.1945 In Kiel - Neustdt angekommen-
08.05.1945 im Dienst der Royal Navy vom deutschen Hafenkapitän mit der Kennung LU 12 im Minensuchdienst vor Kiel eingesetzt. Bezahlung durch KMD Kiel/Hamburg.
01.03.1946 An das Wasserstrassenmachinenamt Rendsburg
27.07.1946 Durch Wasserstrassenamt Ostsee an die Bugsier vermietet.
15.03.1948 An die WSA Ostsee zurück gegeben.
02.03.1948 an die WSD Hamburg, WSA Hamburg Wedel
¶ Adler (1929) s. M. S. I

Gruß

Theo
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

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Re: Schiffstransporte von KZ Stutthof Häftlingen
« Antwort #47 am: 28 Juni 2020, 18:39:24 »
Hallo,
anlässlich des aktuell laufenden Prozess gegen den Wachmann des KZ-Stutthof  Bruno D: wurde
Reimer Möller Historiker der KZ-Gedenkstätte Neuengamme als Gutachter gehört.
https://www.ln-online.de/Nachrichten/Norddeutschland/Massaker-von-Neustadt-Fuer-diese-Morde-wurde-niemand-verurteilt
(da nur für Abonnenten sichtbar , erlaube ich mir einige längere Auszüge)
Zitat
Bruno D., damals 17 Jahre alt, war mit der Bewachung eines Häftlingstransports vom Konzentrationslager Stutthof bei Danzig über die Ostsee beauftragt. Er gab in der Verhandlung an, gemeinsam mit anderen SS-Leuten nur zum „Einsammeln“ von Leichen der Häftlinge am Strand abkommandiert worden zu sein. Zu dem Komplex um die Morde in Neustadt und Pelzerhaken wurde der promovierte Historiker Reimer Möller, Archivar der KZ-Gedenkstätte Hamburg-Neuengamme, gehört....

Sie sagten in Ihrem Gutachten vor Gericht auch etwas über das Ausmaß der Massentötung – es handele sich um das zweitgrößte NS-Verbrechen am Ende des Zweiten Weltkriegs in Norddeutschland. Wie kommen Sie dazu?

Die genaue Zahl der Opfer ist nicht mehr bestimmbar, es gibt begründete Schätzungen, die zwischen 250 und 400 Toten liegen. Damit ist das Geschehen am Strand von Pelzerhaken das zweitgrößte nationalsozialistische Gewaltverbrechen in der Endphase des Kriegs in Norddeutschland.....
...
Der Volkssturm, der ja aus Ortsansässigen bestand, ist an den Strand beordert worden, um KZ-Häftlinge einzufangen. Aber die Ermittler haben später niemandem eine Tötung nachweisen können. Die britischen Stellen, die die Vorgänge 1946/47 untersucht haben, belasteten niemanden aus der Zivilbevölkerung. Aktiv waren einige bewaffnete Verbände, zwei Marineeinheiten, etwa 80 Gendarmen aus Ostpreußen und SS-Leute, die als Bewacher der KZ-Insassen auf den Schiffen „Wolfgang“ und „Vaterland“ von der Halbinsel Hela über Lübeck nach Neustadt gefahren sind. Zu diesen SS-Männern gehörte auch der jetzt angeklagte Bruno D...

Haben die Ermittlungen nicht die Namen derer hergegeben, die an den Morden in Pelzerhaken beteiligt waren?

Darum haben sich mehrere Justizsysteme bemüht. Am Anfang haben die Engländer meiner Meinung nach kompetent ermittelt, aber sie hatten die Täter nicht im eigenen Gewahrsam. Auch Namen hatten sie nicht gekannt. 1948 ermittelte die Lübecker Staatsanwaltschaft in der Sache gegen einen Marineoffizier. Das Verfahren wurde zweimal eingestellt
Ist der Name des Mannes bekannt?

Ja, es handelt sich um den Kapitänleutnant Ziemann. Der schickte seine Truppe nach dem Morgenappell am Sandberger Weg mit den Worten zur Jagd auf die KZ-Häftlinge, diese seien ausgebrochen und hätten bereits Frauen und Kinder ermordet

Die Vorgesetzten der verschiedenen Einheiten, die an diesem Tag losgeschickt wurden, sind ja namentlich bekannt gewesen – wie Ziemann. Warum sind nicht die Befehlshaber vor Gericht gestellt worden?

Sie sind in ein Internierungslager gekommen. Man hat sie dort befragt, es haben sich aber offenbar daraus keine strafrechtlich relevanten Vorwürfe ergeben. Nach zwei Jahren wurden sie freigelassen. Beim Chef der Marine, Fregattenkapitän Heinrich Schmidt, bestand immerhin der Verdacht, dass er den Kapitänen der Rettungsschiffe, die rausgefahren sind zur brennenden „Cap Arcona“, das Retten von KZ-Häftlingen verboten hat. Das konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden

P.S könnte ein Mod dieses Thema umbenennen in "Schiffstransporte von KZ Stutthof Häftlingen"  :MG:
Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

Offline bettika61

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Re: Schiffstransporte von KZ Stutthof Häftlingen
« Antwort #48 am: 28 Juni 2020, 19:13:52 »
Hallo,
das Thema wird Gegenstand internationaler Forschungen
Zitat
Therkel Straede, Professor für Zeitgeschichte an der Syddansk Universitet leitet ein neues Forschungsprojekt zu „KZ-Schiffen“ auf der Ostsee. Das Projekt widmet sich den Schiffen, die kurz vor Kriegsende mit mehreren tausend Häftlingen an Bord vom KZ Stutthof bei Danzig starteten
https://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/nachrichten/news/internationale-forschung-im-archiv-der-kz-gedenkstaette-neuengamme/
Grüße
Beate

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana