Technik und Waffen > Schutzeinrichtungen

Notausblasesystem bei U-Booten

(1/3) > >>

Albatros:
Für Notsituationen wie z.B. Wassereinbruch oder klemmen der Tiefenruder hatte die deutsche Marine als erste westliche ihre U-Boote ab 1981 mit einem derartigen System zum ausblasen
der Tauchzellen ausgestattet.
Es war/ist in der Lage ein Boot der Klasse 205/206 innerhalb von 26 Sekunden aus 84 m Tiefe an die Oberfläche zu bringen. Ich denke dies wird auf den neueren Klassen nicht viel anders sein.
Mir stellt sich allerdings eine Frage die eventuell einer der U-Boot Spezialisten hier beantworten kann.
Bis zu welchen Grad der Beschädigung ist das System in der Lage ein Boot nach oben zu bringen ?
Also beim klemmen der Tiefenruder wohl immer aber wie ist es bei einem Wassereinbruch.
Nehmen wir mal als Extrembeispiel das Unglück mit der K-141 Kursk, hier werden die Wassereinbrüche wohl zu groß gewesen sein um das Boot so es denn so ein System gehabt hätte
damit zu retten, oder ?

 :MG:

Manfred

Elo:
206 war so gebaut, dass wenn auch das ganze Boot voll Wasser wäre und die Tauchzellen noch heile, hätte der Auftrieb der Tauchzellen gereicht um aufzutauchen. Der NAE (Notanblaseeinrichtung) hätte es sogar nicht gestört wenn die Tauchzellen risse hätten, das Boot wäre trotzdem noch hoch gekommen.

Albatros:
Hallo Elo,

das hätte ich jetzt nicht gedacht, dass selbst wenn alle Abteilungen voll gelaufen sind das Boot noch hoch kommt......

Dann kann man also sagen solange genügend Tauchzellen nicht zu sehr beschädigt sind kann ein Boot mit so einem System unabhängig von seiner Größe wieder
an die Oberfläche kommen und die Besatzung kann sich retten?

 :MG:

Manfred

olpe:

--- Zitat von: Albatros am 29 Dezember 2010, 10:03:48 ---Nehmen wir mal als Extrembeispiel das Unglück mit der K-141 Kursk, hier werden die Wassereinbrü-che wohl zu groß gewesen sein um das Boot so es denn so ein System gehabt hätte damit zu retten, oder ?
--- Ende Zitat ---
Hallo,
nun, vorrangig kamen Notausblasesysteme (z.B. Gasgeneratoren auf Hydrazinbasis) bei U-Bootstypen ohne druckdichte Schottwände, also ohne Unterteilung des Druckkörpers in abgeschottete Abteilungen, zur Anwendung. Des weiteren spielte die Philosophie der Rettungsvarianten im Havariefall eine Rolle: eher individuelle oder eher kollektive Rettungssysteme ... In der Bundesrepublik wurde für Typ 206 eine Notausblaseeinrichtung auf auf Hydrazinbasis in den 70er Jahren d.v.Jh. entwickelt (siehe auch: Gabler: „Unterseebootbau“, S. 115, Text und Bild 121 /a). Heute wird m.E. Hydrazin nicht mehr verwendet, die grundlegende Technik aber schon ...

Bei größeren Booten mit Unterteilung des Druckkörpers in wasserdichte Abteilungen bewirken diese einen gewissen Schutz bei (partiellem) Wassereinbruch. Unabhängig davon, sind Notanblasesysteme aber nunmehr auch hier vorhanden.
Bei kleineren Booten ist ein kurzfristiges, aber nur kurzzeitiges Schnellauftauchen nach Wassereinbruch im Druckkörper mit zügigem Verlassen des Bootes hierdurch möglich.

Zu K-141 "KURSK". Nach meinen Recherchen existierte Bord sowohl ein 30 bar Hochdruck-Pressluftsystem, als auch ein 200 (bzw. 400) bar-System. Obwohl nicht explizit namentlich benannt ("Pulvergeneratorsystem in der Bilge"), ist aber davon auszugehen, dass ein Notanblasesystem vorhanden war. Aufgrund der Gewalt der (zweiten) Detonation an Bord, des Wassereinbruchs dann auch durch die zerstörten Schottwände und Schottdurchgänge sowie der Schnelligkeit der Ereignisse konnten hiernach keinerlei Maßnahmen zum Auftauchen eingeleitet werden. Die Besetzung des kollektiven Rettungssystems ist nicht mehr erfolgt, da die Mannschaften der Abteilungen I bis V (die Russen zählen vom Bug), de facto sofort getötet wurden. Durch die immense Buglastigkeit ging die „KURSK“ umgehend mit dem Bug auf Grund…
(siehe auch: "KURSK" - Das Drama in der Barentssee (pdf)
Grüsse
OLPE

Elo:

--- Zitat ---wenn alle Abteilungen voll gelaufen sind
--- Ende Zitat ---

Nein, nicht alle Abteilungen sondern die Abteilung. 206a bestand nur aus einem Raum.


--- Zitat ---unabhängig von seiner Größe
--- Ende Zitat ---

Ob das alle Ubootklassen betrifft weiß ich nicht. Ich weiß ja nicht wie die Russen oder die Amis ihre Boote bauen, aber auf 206 trifft es auf jeden fall zu.

Bei 206 ist das auch so gewesen, wenn das Boot hoch muss aber aus irgend einen Grund die Tauchzellen nicht mehr zur verfügung stehen, dann konnte man noch auftauchen indem man Vollgas gibt und beide Tiefenruder oben hart legt. Dadurch kam das Boot auch raus.

Definition NAE auf 206a:

Die Anlage dient im Notfall zur schnellen Restauftriebserzeugung durch schlagartiges Ausblasen Der Tauchzellen 1-3 mittels Treibgas (60% Wasserstoff, 30% Stickstoff, 10% Ammoniak und H²O) aus den Gaserzeugern. Dazu befinden sich in den Tauchzellen Gaserzeuger, die durch elektrische Bedieneinrichtung aktiviert weden können.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

Zur normalen Ansicht wechseln