Moin, oll tosom! Vor längerer Zeit habe ich mal was über die Versenkung der Blücher gelesen, weiß leider nicht mehr wo.
Mir geht es um den Hergang, ob von dieser unterseeischen Torpedoabschussanlage in deutschen Geheimdiensten, Seekriegsführung gewusst wurde.
Wie hing das mit der Kapitulation der Norweger zusammen?
Danke i. v.! :-)
Die Anlage waren nicht unterseeisch... Sie waren an einer taktisch cleveren Stelle in einem Fort angebracht... Man wusste davon...
Guck mal hier:
http://forum.schlachtschiff.com/topic.asp?TOPIC_ID=358 :MG:
Zitat von: Ralf am 08 März 2007, 10:42:31
Die Anlage waren nicht unterseeisch... Sie waren an einer taktisch cleveren Stelle in einem Fort angebracht... Man wusste davon...
Guck mal hier:
http://forum.schlachtschiff.com/topic.asp?TOPIC_ID=358 :MG:
Ich muss gestehen so ad hoc finde ich in genanntem Thread keinen Hinweiss, dass die Lage und Einsatzbereitschaft der Batterie auf Deutscher Seite bekannt war. Das mag daran liegen, dass ich das schlicht und ergreifend nicht gefunden habe. Der Thread ist ja schon ein Paradebeispiel fuer einen gewissen Stil. :roll:
Mich mal selbst aus diesem Thread:
http://forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,999.0.html
zitierend:
... Im Kriegstagebuch der Seekriegsleitung vom 9. April 194o heisst es noch etwas vage "Schwere Treffer auf Blücher führen zum Ausfall beider Maschinen. Blücher bewegungsunfähig. 1530h durch Minen-, Torpedotreffer oder innere Explosion nördlich Droebak-Enge bei Askholmen gesunken."
Am folgenden Tage beim Lagevortrag Raeders vor Hitler steht dann schon ganz dezidiert: "Lage Oslo: Lützow und Emden wegen ungeklärter Minenlage noch nicht eingelaufen. Blücher gestern Abend nach Minentreffer gesunken."
...
Das wirkt doch eher nicht so als habe man bei der Kriegsmarine gewusst, was einen da erwischt hat, wirkt es nicht?
Auch gewinne ich aus besagtem Thread den Eindruck die Anlage sei (ungewoehnlich genug!) ein unterseeisches Modell gewesen.
Ciao,
Ufo
Die Torpedorohre liegen auf alle Fälle unter Wasser, die Visier-einrichtungen naturgemäß über Wasser.
Konnte man in der Doku über Blücher am Freitag Abend ganz gute sehen, meine ich.
Wie üblich, kann man bei John auf der Webseite einige Fotos sehen:
http://www.admiral-hipper-class.dk/bluecher/miscellaneous/oscarsborg_bluecher_wreck_site_today/oscarsborg_bluecher_wreck_site_today.html
Und hier was auf deutsch:
http://www.atlantikwall-research-norway.de/Festungsinsel_Oscarsborg.html
Wer sich vor ein paar Tagen die " Blücher " -Doku auf NDR angesehen hat, der weiss wie die Anlage aussah. :-D
Soweit ich mich erinnere wurden die Torpedos im Trockenen unterirdisch in einer Felsenkammer auf ein Gestell geladen, welches dann in einer Grube voll Wasser abgesenkt wurde. Die Austrittsöffnung lag grösstenteils Unterwasser, nur ein wenig der Öffnung war über der Wasseroberfläche zu sehen.
[edit] wieder zu spät :-(
@rosenow
Den zwoten Teil Deiner Frage vermag ich nicht recht zu deuten.
Nun – der Verlust Bluechers hing insofern mit der Norwegischen Kapitulation zusammen als dass bei einer erfolgreichen und schnellen Einnahme von Oslo den Deutschen die Norwegische Regierung sowie der Koenig in die Haende gefallen waeren. Damit haette man eventuell ein im Volk angeseheneres Marionettenregime installieren koennen. Durch die gelungene Verteidigung im Oslofjord gelang es den Norwegern eine politisch wirksame Exilregierung unter Koenig Haakon VII zu etablieren.
Aber ich gestehe ich weiss nicht recht, ob Deine Frage darauf abzielte.
Ciao,
Ufo
Und wieder bin ich als quellenloses Individuum gebrandmarkt... Das nächste Mal also erst einmal ordentlich recherchieren, Herr Heckel! :O/S
Sorry!
Ihr seid Klasse, Männer!
Ich Danke euch für die gewohnte schnelle Beantwortung meiner Fragen und auch du, Ufo, hast meine Frage richtig gedeutet und damit beantwortet. :TU:)
Mike Whitley schreibt in seinem Buch über die Deutschen Kreuzer auf Seite 113 (rechts), daß dem Deutschem Geheimdienst lediglich eine Minensperre und die Geschützbatterien bekannt gewesen waren. Die Torpedoanlage sei demnach unbekannt geblieben.
Die änderte jedoch nichts an der Tatsache, daß es ein großes Wagniss für ein großes, wertvolles Kriegsschiff darstellte, auf direktem Wege den Durchbruch zur Haupstadt des Landes zu wagen. Man hatte versucht, zu bluffen und es ging schief.
Geht Hubatsch in "Weserübung" eigentlich näher auf diese Frage ein?
Nach
Oliver Desarzens,
Nachrichtendienstliche Aspekte der "Weserübung" 1940
ISBN 3-7648-1753-4
war den deutschen Planern spätestens am 1. April 1940 folgendes bekannt:
Innere Befestigungsgruppe (Gefechtsstand in Oscarsborg unter Oberst Erikson):
Südkaholm (Oscarsborg):
2x24 oder 28cm, Schußrichtung WSW
4x28cm, Schußrichtung S
3x24 oder 28cm, Schußrichtung SE
2x5cm auf Schienen
Unterwassertorpedostellung
Nordkaholm:
kasemattierte Stände für 3 Geschütze
Haaöen:
Stellung für 4x17cm
Stellung für 8 leichte Geschütze
Naeset:
2x7cm in Türmen
Halangstangen:
1x21cm
Husvik:
2 kasemattierte Stände für je 3 Geschütze
Sejersten:
4x21cm
elektrische Minensperre an der engsten Stelle des Fjordes
Äußere Befestigungsgruppe (Gefechtsstand in Horten unter Oberstleutnant Notland):
neue Batterie nordwestlich von Horten, Schußrichtung S
2x21cm Vorderlader beim Leuchtturm in offener Erdstellung
3x15cm in Erdstellung
auf Vaelos ein altes Erdwerk mit Panzerkuppel
Bolärnene und Rauö befestigt, dazwischen Minensperre
auf Haöy 2x12cm und 4x6,5cm
auf Tjöme möglicherweise schwere Geschütze
Flakstellungen in und um Oslo bekannt
Flak- und/oder Signalstellungen außerdem auf:
Rauer, Hui, Misingen, Struten, Strömtangen, Fulehuk, Mökeröy, Bustein, Skarvesete und Kirköy (hier eventuell auch Minensperre)
Nach
Walther Hubatsch,
Weserübung
war dem OKM laut "Feindnachrichtenblatt Norwegen" vom 01. April 1940 folgendes bekannt:
Oskarsborg: 8 Seezielgeschütze und weitere vorbereitete Stellungen
Fahrwasser bei Döbrak: elektrischen Minensperre ausgelegt und besetzt
Festungsgebiet Oskarsborg
Batterie Kaholm: 3x28cm, 1x30,5cm, 6x5,7cm
Batterie Kopaas: 3x15cm
Batterie Husvik: 2x5,7cm
Batterie Haaoe: 4x28cm Haubitzen, 10x12cm
Batterie Nesset: 3x5,7cm
Torpedobatterie: 3x45cm
Laut Operationsbefehl der Gruppe 5 sollten daher 2 Sperrbrecher am 9. April, 00.15 Uhr, den 59. Breitengrad überschreiten, damit im Oslofjord einlaufen und sich nach Passieren von Rauöy im Quadrat 1686M mit der Kampfgruppe vereinen. Mit 10 kn Geschwindigkeit sollten dann diese beiden Schiffe vor dem Verband die Enge forcieren!
Welche Sperrbrecher waren für diesen Einsatz vorgesehen?
Eine sehr gute Skizze mit den von deutscher Seite vermuteten Befestigungen findet sich in
Hans-Martin Ottmer,
Weserübung - der deutsche Angriff auf Dänemark und Norwegen im April 1940
ISBN 3-486-56092-1
Seite 116
Hier noch zwei gute Links zu Oscarsborg:
John´s Seite:
http://www.admiral-hipper-class.dk/bluecher/miscellaneous/oscarsborg_bluecher_wreck_site_today/oscarsborg_bluecher_wreck_site_today.html
http://www.atlantikwall-research-norway.de/Festungsinsel_Oscarsborg.html
EDIT: Ups, die beiden Links hat THORSTEN ja schon genannt ... :](*,)
(http://www.mysmilie.de/smilies/froehlich/3/60.gif)
Danke für die Infos ausm Hubatsch.
Die Batterie war also bekannt.
Zumindest einigen.
Aber auch den entscheidenden?
Wär ja nicht das erste und auch nicht das letzte mal, das die entscheidenden Stellen wichtige Infos nicht weitergegeben bekommen hatten...
Zitat von: Peter K. am 08 März 2007, 18:43:21
Nach
Walther Hubatsch,
Weserübung
war dem OKM laut "Feindnachrichtenblatt Norwegen" vom 01. April 1940 folgendes bekannt:
Oskarsborg: 8 Seezielgeschütze und weitere vorbereitete Stellungen
Fahrwasser bei Döbrak: elektrischen Minensperre ausgelegt und besetzt
Festungsgebiet Oskarsborg
Batterie Kaholm: 3x28cm, 1x30,5cm, 6x5,7cm
Batterie Kopaas: 3x15cm
Batterie Husvik: 2x5,7cm
Batterie Haaoe: 4x28cm Haubitzen, 10x12cm
Batterie Nesset: 3x5,7cm
Torpedobatterie: 3x45cm
Laut Operationsbefehl der Gruppe 5 sollten daher 2 Sperrbrecher am 9. April, 00.15 Uhr, den 59. Breitengrad überschreiten, damit im Oslofjord einlaufen und sich nach Passieren von Rauöy im Quadrat 1686M mit der Kampfgruppe vereinen. Mit 10 kn Geschwindigkeit sollten dann diese beiden Schiffe vor dem Verband die Enge forcieren!
Welche Sperrbrecher waren für diesen Einsatz vorgesehen?
Wir wollen ja auch nicht paepstlicher sein als der Papst ... aber ... :-D
Ich hab mir die Fussnote Gestern Abend auch noch angeguckt. Drolligerweisse stehen die Anfuehrungsstriche hinter der ausgelegten Minensperre! Die so detailreiche Auflistung der Geschuetze und der Torpedos entstammt offenbar Hubasch's eigener Feder. Das Feindnachrichtenblatt besagt danach ausdruecklich nur: "Oskarsborg: 8 Seezielgeschütze und weitere vorbereitete Stellungen Fahrwasser bei Döbrak: elektrischen Minensperre ausgelegt und besetzt." Keine Torpedos weit und breit vor dem Ende das Zitats.
Ich weiss ich habe einen Hang zum Advocatus Diaboli :roll: aber so eindeutig finde ich den Hubatsch da nicht! Ich denke eher nicht das die so ueberraschend genaue Auflistung der Waffen Teil der Feindnachrichten war.
Ist aber nur der Teil, den er auch als Zitat kenntlich macht original, so wird verstaendlich, warum man bei der Skl zunaechst auf Minentreffer schloss!
Ach bin ich Heute wieder kleinlich ...
Ciao,
Ufo
P.S. Erstaunlich allerdingt tatsachlich, dass der Kommandant die Sperrbecher weggelassen hat! Haette er Torpedogefahr erwartet, mag man argumentieren dass die ihm sowieso nichts genuetzt haetten. Ein Torpedokannonier mit Nerv haette die Sperrbrecher laufen lassen und auf das Kriegsschiff gewartet. Gerade aber wenn man Minen erwartete, war es erstaunlich ruecksichtslos wie zur Flottenparade einzulaufen?! Selbst wenn die Norweger wie erwartet salutiert haetten, hatte man sich immer noch eine Mine in den Bauch fahren koennen. Gerade vor dem Zitat aus den 'Feindnachrichten' erscheint mir das Deutsche Verhalten noch seltsamer!
Ich gebe mal meine etwas unqualifizierte Meinung dazu ab, die eine reine Vermutung ist:
1. Die Torpedobatterie soll wohl SEHR geheim gewesen sein und aus der Zeit VOR dem WK I stammen.
2. Die SKL hat mit Blücher gehofft einfach schnell an dem Fort vorbeizukommen (der Pott lief ja theoretisch immerhin 32kn) und die ollen (deutschen) SK 28 und 30,5cm nicht ernst genommen. Das waren nämlich auch Modelle von der Jahrhundertwende, aber auf kurze Entfernung eben doch noch effektiv. Wahrscheinlich ist es egal, mit was man bei der kurzen Gefechtsentfernung geschossen hat und die ungepanzerte Blücher wäre wahrscheinlich auch mit "Steinlawinen" versenkt worden...
ZitatDie SKL hat mit Blücher gehofft einfach schnell an dem Fort vorbeizukommen ...
... dann frag´ ich mich nur, wieso der Verband dann mit gemächlichen 9 kn, später sogar nur 7 kn, dann mit 12 kn dahingeschlichen ist? :ND//)
... ein bißchen schneller hätten die vergleichsweise lahme LÜTZOW bzw. EMDEN schon gekonnt! :wink:
... und die Enge Rauöy - Bolärne wurde kurz davor ja mit moderaten 18 kn passiert!
*sichmalmitdemblauenaugevonobenwiederhinstellt*
Ich bin vor einem halben Jahr mit der Color Fanatasy in den Oslofjord eingelaufen... Leute, ehrlich... Schiffe von der Größe können/konnten da nicht mal eben mit hoher Geschwindigkeit reinfahren... Schon gar nicht mit dreißig Knoten. Das Fort steht taktisch extrem gut und die mussten daran vorbei...
Wenn ich ganz ehrlich bin, dann ist das schief gegangen, weil man halt nicht ordentlich ermittelt hat... Diese "Mönsch-hallo-Deutsche-kommt-rein-nach-Oslo-wir-Norweger-tun-Euch-nichts"-Taktik ist doch mehr als naiv... Und es waren doch - *wiederganzvorsichtigist* - die 28iger, die die Blücher einen Tritt verpasst haben. Es brach Feuer aus, Strom fiel aus, Pumpen futsch und die Torpedos brachen ihm das genickt, oder? Auf die Entfernung muss eine 28iger eine echte Berdohung sein. Und von denen wusste man. Warum hat man die Forts nicht vorher mit Falschirmjägern genonnem? Oder waren die alle mit Dietle in Narvik?
Ich kann mir nur vorstellen, dass die SKL einfach naiv war, oder sie unter erheblichen Zeitdruck stand, der Nachrichtendienst nicht funktioniert hat, der Kommandant einfach einen an der Waffel hatte oder eben eine Kombination von allem...
Zitat von: Ralf am 09 März 2007, 16:43:10
...
Ich kann mir nur vorstellen, dass die SKL einfach naiv war, oder sie unter erheblichen Zeitdruck stand, der Nachrichtendienst nicht funktioniert hat, der Kommandant einfach einen an der Waffel hatte oder eben eine Kombination von allem...
Ich kann mir auch schon vorstellen, dass da eine erhebliche Naivitaet mit gespielt hat. Aber war die Naivitaet nicht geradezu angebracht?!
Was war das Reich doch gewachsen ... Rheinland und alle jubeln, Oesterreich und jeder ruft 'Willkommen!', Randtschechei und dann Resttschechei; diesmal mit weniger Winken und Fahnenschwenken aber ohne viel Blutvergiessen; selbst der Feldzug in Polen – eher ein Spaziergang. Offenbar sah die Welt doch ein, dass es am Deutschen Wesen zu genesen galt.
Ich denke das Hauptversagen lag in der Einschaetzung der Norwegischen Mentalitaet, nicht so sehr der Einschaetzung der einzelnen Waffen vor Ort.
Mags nicht sein, dass die Operationen weiter Westlich auch nur deshalb geradliniger und vorsichtiger durchgefuehrt worden sind, weil man eben auch mit Britischem Widerstand rechen musste? Wer sagten denn dass da zwischen den Klippen bei Narvik oder Trondheim nicht ein Britischer Zerstörer duempelt; da war Vorsicht angeraten. Aber Oslo – irgendwie scheinen die Oslo so als seine Art Heimspiel angesehen zu haben.
Ufo
Zitat von UfoZitat.......da war Vorsicht angeraten. Aber Oslo – irgendwie scheinen die Oslo so als seine Art Heimspiel angesehen zu haben.
Das ,,Heimspiel" bringt mich auf einen Gedanken.
Kann es sein, dass beim einfahren im Fjord, die Deutschen getäuscht worden sind?
So nach dm Motto: ,,Ich winke mit der weißen Fahne und verpasse ihnen dann eins vorm Bug"
Wurden die Deutschen in den Fjord in Sicherheit gewogen?
Naiv und Siegessicher schipperten die Deutschen dann in die Norwegische Falle.
Könnte das ein beabsichtigter Hinterhalt gewesen sein, um vor der Welt den Widerstand als Norweger zu demonstrieren?
Zitat von: rosenow am 09 März 2007, 17:45:52
Zitat von Ufo
Zitat.......da war Vorsicht angeraten. Aber Oslo – irgendwie scheinen die Oslo so als seine Art Heimspiel angesehen zu haben.
Das ,,Heimspiel" bringt mich auf einen Gedanken.
Kann es sein, dass beim einfahren im Fjord, die Deutschen getäuscht worden sind?
So nach dm Motto: ,,Ich winke mit der weißen Fahne und verpasse ihnen dann eins vorm Bug"
Wurden die Deutschen in den Fjord in Sicherheit gewogen?
Naiv und Siegessicher schipperten die Deutschen dann in die Norwegische Falle.
Könnte das ein beabsichtigter Hinterhalt gewesen sein, um vor der Welt den Widerstand als Norweger zu demonstrieren?
Hallo,
Da ich die Festung schon Besichtigt habe kann ich sagen die Sache war so.
Die Festung wurde schon ein paar Stunden vor der Durchfahrt der Blücher und Lützow, von der deutsche Luftwaffe angegriffen,aber ohne größere Schäden.Die Norweger setzten daraufhin die Deutsche Flagge und die List gelang.Man glaubte die Festung sei in Deutscher Hand und es gab keinen weiteren Luftangriff.Erst nach der versenkung der Blücher wurde die Festung nochmals an gegriffen und Erobert/Besetzt..
Viele Grüße,
Peter
@PETER
... interessant, die Geschichte lese ich so zum ersten Mal!
Bisher war ich immer der Meinung, die deutschen Luftangriffe erfolgten erst nach dem Verlust der BLÜCHER!
Demnach sollen diese Luftangriffe noch bei Dunkelheit am frühen Morgen des 9. April erfolgt sein?
Irgendwie schwer zu glauben ... baute doch das ganze Unternehmen "Weserübung" auf gleichzeitige Überraschung an mehreren Landungsstellen auf! :?
Auch ich kann noch nicht so recht an den Luftangriff vor dem Morgengrauen des 8. Aprils glauben. Die ersten Befestigungen am Eingang zum Oslofjord wurden ja ohne größere Zwischenfälle passiert, hier waren die Norweger noch ziemlich unschlüssig, wer genau denn da Richtung Oslo steuert. Durch die Versenkung des norwegischen Vorpostenbootes dürfte dies dann wohl klar gewesen sein.
Die deutsche Kampfgruppe beabsichtigte, die Dröbak-Enge im ersten Morgengrauen zu passieren, ich nehme mal an, weil hier die gefährlichste Passage auf dem Weg nach Oslo lag. Deshalb die zwischenzeitliche "Bummelei", um den Zeitplan des OP-Befehls einzuhalten.
Die Verlockung, im Morgengrauen die schweren Kanonen der Blücher und Lützow auf die Hauptstadt Norwegens richten zu können, war anscheinend groß genug, um das Wagniss einzugehen. Hätten die Norweger gezögert, würden heute alle Historiker die Kaltschnäuzigkeit und den Mut der Deutschen bewundern. In diesem Fall pokerten die Deutschen zu hoch.
Fallschirmjäger waren mW vorgesehen, allerdings wurde der Einsatz wegen des Wetters abgesagt/verschoben. Werd aber noch genauer nachsehen. Irgendwas spukt im Hinterkopf diesbezüglich herum...
WAS allerdings vorhanden war, waren eingeschiffte Bodentruppen! Bei allen anderen Landungen wurden diese benuzt, um die Festungen zu besetzten, wieso nicht im Oslofjord?
Des weiteren war der Befehlshaber vor Ort nicht gerade auf der Höhe - wie auch bei einem gewissen anderem Einsatz auch nicht :wink:
mfg
alex
ZitatWAS allerdings vorhanden war, waren eingeschiffte Bodentruppen! Bei allen anderen Landungen wurden diese benuzt, um die Festungen zu besetzten, wieso nicht im Oslofjord?
Ein Teil der Truppen besetzte den Kriegshafen Horten, der andere, größere Teil war für Oslo vorgesehen. Bei einer erfolgreichen Passage der Dröbak-Enge hätten die Festungsanlagen keine Gefahr mehr dargestellt und die Deutschen hätten sie viel später angreifen können. Nach erfolgter Kapitulation wären die Festungen sogar kampflos in deutsche Hand gefallen.
@UFO
Tja, tatsächlich ist Hubatsch da nicht gerade eindeutig!
Ich glaube allerdings trotzdem, daß die Torpedobatterie den deutschen Planern bekannt war!
Desarzens erwähnt sie ja ebenfalls und führt dazu als Quellen an:
Militärattaché Skandinavien, Derzeitiger Stand der Landesverteidigung Norwegens, Stockholm, 18.03.1940
Feindnachrichtenblatt Oslo und Oslofjord, 20.03.1940
Die Landbefestigungen, März 1940
Zielstammkarte Dröbak, März 1940
OKM 3/Skl, Norwegen (Nachtrag), 01.04.1940
Auch die bereits erwähnte Skizze bei Ottmer zeigt die (annähernd genaue) Position der Torpedobatterie! Aufgrund der leidigen Copyright-Geschichte kann ich diese hier nicht bringen, aber ich hab´ die Karte ´mal "übersetzt" - siehe Anhang! :-D
Schließlich weist auch die Lageskizze 1 "Die Lage in der Dröbak-Enge am 09.04.1940 früh", abgedruckt in
Klaus-Jürgen Thies, Weserübung - Die Besetzung Dänemarks und die Eroberung Norwegens 09.04.-10.06.1940
Das Lagenbild nach den Originalkarten der Operationsabteilung des Generalstabes des Heeres
ISBN 3-7648-1786-0
folgende Batterien des Festungsbereichs Oscarsborg aus:
Kaholm: 3x28cm Kanonen, 1x30,5cm Kanone, 5x5,7cm Kanonen
Kopaas: 3x15cm Kanonen
Husvik: 2x5,7cm Kanonen
Haaoe: 4x28cm Haubitzen, 10x12cm
Torpedobatterie: 3x45cm Rohre
Man kann also meiner Meinung nach schon davon ausgehen, daß Konteradmiral Kummetz von der Existenz der Torpedobatterie wußte - fraglich ist aber natürlich, wie er deren Einsatzbereitschaft einschätzte (tatsächlich hatte die Batterie 9 einsatzklare Torpedos verfügbar)!
Von den drei alten 28ern schossen dann tatsächlich ja auch nur "AARON" und "MOSES", während für "JOSHUA" keine Mannschaften verfügbar waren.
Ja, die Karte ist sehr gut, da sieht man ganz genau, wie eng das Fahrwasser dort ist. Wer schon mal durch die Enge gefahren ist, weiss wie schmal sie ist. Die Geschütze auf Oscarsborg liegen zum Greifen nahe. Ein weiteres Problem der Enge ist, wenn ich mich jetzt richtig erinnere, man muss auf höhe Kaholmen leicht andrehen, um im Fahrwasser zu bleiben. Nicht so einfach mit 'nem dicken Kreuzer. Hohe Geschwindigkeiten verbieten sich da von selber.
Ist aber schon 'ne Weile her, als ich mit der " Lütjens " dort vorbei bin.
Der Grossvater meiner Frau war auf Oscarsborg stationiert, leider konnte er mir nicht mehr viel erzählen, starb leider zu früh. Als ich ihm unser Bordvideo mit der Vorbeifahrt an Oscarsborg zeigte, blühte er richtig auf.
Ich frage mich auch warum alle anderen Verbände in den anderen Fjorden, nicht genau so Blauäugig vorgegangen sind.
Mögen die Deutschen Siegesverwöhnt und oftmals sehr unklug und dümmlich gewesen sein, aber so Dumm?
Das lässt doch wirklich nur einen Schluss zu.
Also ich vermute mal, wenn den Deutschen die Abschussanlagen der Torpedos bekannt waren, selbst wenn nicht, stellten die Starken Geschütze auf der Insel immer noch eine Gefahr dar, dass sich die Deutschen, auf Grund der gesetzten deutschen Flagge auf der Burg oder anderer mir unbekannter Umstände in Sicherheit wiegten und deshalb so naiv und selbstsicher drauf zu fuhren und keinen Angriff ihrerseits auf die Stellungen vornahmen.
ZitatIch frage mich auch warum alle anderen Verbände in den anderen Fjorden, nicht genau so Blauäugig vorgegangen sind.
Nun, die Bedeutung von Oslo als Hauptstadt ist viel höher zu bewerten, als die anderen Städte. Wenn die deutschen Kriegsschiffe die Enge passiert hätten, ohne angegriffen zu werden, dann hätten deutsche Soldaten am Morgen des 8. April in Oslo gefrühstückt. Radiostationen, Polizei, Ministerien, Regierungsgebäude, Flugplätze usw. wären spätestens am Vormittag besetzt gewesen, wichtige Mitglieder des norwegischen Königshauses und der Regierung befänden sich in deutschem Gewahrsam. Unter diesen Umständen ständen die Chancen für einen sofortigen Waffenstillstand gar nicht so schlecht, gerade diese Aussichten lassen das Risiko des Durchbruchs vertretbar erscheinen.
Die Besetzung von Narvik, Trondheim usw. sind dagegen vergleichsweise nebensächlich und nicht so dringend anzusehen.
Eine weitere wichtige Frage wäre es auch noch, wie die Kampfbereitschaft der norwegischen Marine und Armee deutscherseits eingeschätzt wurde. Den Norwegern dürfte im Frühjahr 1940 bewußt gewesen sein, daß sie zwischen die Fronten geraten waren. Das sich in England Truppen auf eine Besetzung Norwegens vorbereiteten, dürfte wohl nicht verborgen geblieben sein. Ebenso war in Norwegen mit deutschen Aktionen zu rechnen. In diesem ganzen politischem und militärischem Durcheinander ist es für einen Armeekommandeur oder Schiffskommandant verdammt schwierig, die richtige Entscheidung zu treffen, wenn plötzlich unbekannte Schiffe auftauchen. Zeit, sich bei den übergeordneten Stellen rückzuversichern blieb nicht.
@HUSZAR
Für "Weserübung" stand das I. Bataillons des Fallschirmjägerregiments 1 (I./FJR1) unter Major Walther zur Verfügung.
Die 4. Kompanie (ohne einem Zug) unter Hauptmann Gericke nahm zunächst die wichtige Brücke zwischen Falster und Fünen im Sprungeinsatz.
Der fehlende Zug besetzte ebenfalls im Sprungeinsatz den wichtigen Flugplatz Aalborg(-Ost). Dort wurde dann am selben Tag noch das III./IR159 luftgelandet.
Die 3. Kompanie unter Oberleutnant von Brandis nahm den Flugplatz Stavanger-Sola im Sprungeinsatz. Hierher wurden am selben Tag unter anderem noch die I. und II./IR193 eingeflogen.
Die 1. und 2. Kompanie sollten eigentlich den Flugplatz Oslo-Fornebu im Sprungeinsatz nehmen, dichter Nebel zwang die Transportmaschinen aber zur Umkehr. Sie landeten zunächst im soeben besetzten Aalborg. Erst gegen Mittag wurden die beiden Kompanien auf dem Luftweg nach dem inzwischen besetzten Flugplatz Oslo-Fornebu überführt. Dort trafen im Laufe des Tages unter anderem außerdem noch das I. und II./IR324 auf dem Luftweg ein.
Wenig später wurde die 1./FJR1 bei einem Sprungeinsatz bei Dombas beinahe vollständig aufgerieben. Das restliche Bataillon wurde dann in Drontheim versammelt und sprang später zur Verstärkung Dietls bei Narvik ab. Auch das II./FJR1 war noch später dafür vorgesehen und verlegte dazu im Bahntransport von Oslo nach Drontheim. Zu einem derartigen Einsatz kam es allerdings dann nícht mehr.
Moin, moin Seeleute,
Zur Diskusion über die Blücher kann ich den folgenden Erinnerungsbericht meines Vaters beisteuern der bei der MAA 517 war. Gerne höre ich euren Kommentar.
Grüße von Ulrich
Ende 1942 Fredrikstad am Oslofjord
Aus: http://www.nuav.net/coastgr1.html
Artillery units, Group 1
Oslofjord area. Commanded by LXX Army Corps, commander General der Artillerie Tittel.
Artillery commanders: Territorialabschnitt Oslofjord: Generalmaj v.d Hoop, Seekommandant Oslofjord: Kpt. Z. See Schönberg, and Artilleriekommandeur Oslofjord: Oberstleutnant Sprockhoff (HKAR 980)
MKB 2/ 501 Rauöy
Equipped with 4 x 15 cm SKL /45, range 16 000 m. Rauöy was also used as the site of an artillery school.
Es ging also durch Nord-Schweden mit dem Bus bis zu einer Eisenbahn in Schweden dann nach Norwegen und von dort mit dem Zug nach, Fredrikstad am Oslofjord. Von dort zur Insel Rauøy, da lag die Ausbildungsstelle, ca. 30 km von Oslo entfernt. Ich bin länger als 6 Wochen dort gewesen. Das war ein Sperrfeuerlehrgang mit 15 cm Geschützen. Die Ausbildung war sehr schulmäßig, wir haben viel Theorie gehabt. Der Nahme Sperrfeuer komt von den Zerstörern, die hatten vor allem 15 cm Geschütze und mußten bei Feindberührung dem Hauptkampfverband vorausfahren bis sie auf Schußweite vom Gegner waren. Dann schossen sie das sogenannte Sperrfeuer.
Dort lernte ich auf der einen Insel automatische 12 bis 24 cm Geschütze kennen. Unter anderem eine 15 cm Krupp C28 Kanone. Sie hatten nur eine Verkleidung mit Sehschlitz vorne und Seitenschutz, zur Rückseite hin waren sie offen. Auf der Nachbarinsel waren Schwedische Bofort-Geschütze mit "Ofenrohrverschlüssen", dies im Gegensatz zu den Deutschen Kanonen die Keilverschlüsse hatten. An diesen Geschützen wurde ich ebenfalls geschult.
Zu den Inseln fuhr man mit einem Beiboot welches den Motor in Schiffsmitte hatte. Der Ausbilder, Bootsmann Klotz, sang dann auf der Rückfahrt zum Lager immer das Lied "Heimweh nach Sankt Pauli". Nach einigen Tagen hat jeder mitgesungen.
Während dieser Schulungszeit machten wir mit dem Zug einen Ausflug nach Oslo. Den Rückweg, oder einen Teil davon, machten wir zu Fuß. Kameraden im Zug sagten zu mir "guck da mal raus, da ist die Blücher untergegangen". Der Ausbildungsleiter hat hiervon nichts erzählt, das Ereignis wurde totgeschwiegen. Im Reich wurde das nicht bekannt gegeben, es war geheime Kommandosache. (Laut e-mailberichte stimmt das nicht) Ich habe dies auch nicht weitererzählt. In der Marine war allerdings allgemein bekannt daß die Blücher vor Norwegen versenkt worden ist.
"Über die Versenkung der Blücher ist noch viel erzählt worden. Die war verschwunden. Das Schwesterschiff ist auch verschwunden. Die wurde vor dem Krieg verkauft, aber genau weiß ich das nicht. Über die Versenkung der Blücher haben haben mehrere Seeleute auf der Fahrt nach Deutschland debattiert. Die Matrosen saßen auf der Steuerbordseite. Die ersten Jahre hat man gar nicht darüber geredet, das war tabu.
Es wurden dann die militärischen Anlagen von denen aus das Schiff beschossen wurde besichtigt. Allerdings nur die Unterkünfte, eine davon hieß Horten, die waren in den Fels gesprengt. In Horten lag auch eine Kaserne. Die Anlage war nicht so modern wie auf Helgoland, sie bestand nur aus leichten Geschützen und einer alten Torpedobatterie. Die Abfeuerungsanlagen hiervon lagen vollkommen unter Wasser und war von außen also nicht zu sehen. Auf der anderen Fjordseite lag in ca. 3 Kilometer Entfernung eine 28 cm Batterie die war ebenfall nicht so modern wie in Helgoland. Vor dem Bau dieser Batterie haben die Norweger vor dem Krieg bei Krupp eine Offerte für die Lieferung einer modernen 30,5 cm Batterie angefragt. Da diese zu teuer waren kauften sie die gebrauchten 28 cm Geschütze, die kosteten die Hälfte.
Nach Abschluß erhielt ich einen Urlaubsschein (Kommandierte durften durch Schweden reisen) und es ging mit dem Zug nach Trelleborg, Sasnitz und mit dem Bummelzug nach Lübeck.
Die Versenkung der Blücher.
Mir wurde die folgende Geschichte über den Untergang der Bücher erzählt:
In 1940, das war im April, ich hatte gerade die Grundausbildung hinter mir und war auf Helgoland stationiert, als Deutschland Norwegen besetzte. Der Grund waren die Eisen- und Zinkvorkommen und weil englische Voraustruppen schon in Norwegen waren, also konnte man den Angriff nicht verzögern. Es lief also ein Verband mit der Blücher in den Oslofjord ein. Sie hatten den Befehl schnell einzufahren, aber der Flottilienkommandant bestand wiederholt auf langsame Fahrt. Sie fuhren im Schrittempo ein. Man hatte scheinbar keine Informationen über die Batterien, da muß also jemand geschlafen haben. Die norwegischen Batterien waren nur teilweise besetzt. Laut den Erzählungen, die ich gehört habe, wäre nichts passiert wenn die Blücher mit Volldampf durchgefaren wäre, denn sie wurde sehr spät entdeckt. Ein Leutnant der 28 cm Batterie war geistesbewußt und befahl zu schießen und das große Geschütz hat mit der ersten Salve die Geschütze der Blücher weggeblasen (sie haben zu hoch gerichtet). Das Geschütz hat dann doll auf die Unterwasserlinie der Blücher geschossen. Von der gegenüberliegenden Batterie bekam sie auch noch 2 Torpedotreffer und sie sank innerhalb von 15 Minuten. Die Torpedos alleine können unmöglich das Schiff so schnell zum Sinken gebracht haben, dafür gibt es zu viele Schotten und Sicherungen.
Die Mannschaften auf den Gefechtsstationen sind wohl nicht mehr herausgekommen. Von den Matrosen auf Deck und in den Geschütztürmen sind die meisten ertrunken, denn das Wasser, es war April, war zu kalt. Man konnte nur einige Minuten (max. 4?) schwimmen bis man unterkühlte und ertrank. Es wurde erzählt, daß einige Matrosen sich auf einen flachen Felsen im Fjord gerettet haben. Erfroren lagen sie da, als man sie fand. Die deutschen Minen- Räumboote (es wurde damals nur das Wort Räumboot verwendet) haben mit geschleppten Fischnetzen ca. 1 bis 2 Wochen (die Zeitspanne braucht nicht zu stimmen) die Toten aus dem Fjord gefischt.
Die Blücher wurde nur durch zwei 28 cm Granaten im Artillerieleitstand und im Bordflugzeughangar getroffen. Nach Berichten Überlebender waren die 15 cm Geschütze der Batterie Kopas für das Niederkämpfen des Schiffes verantwortlich (20 Treffer innerhalb kürzester Zeit), beim Ablaufen mit 15 Kn trafen dann noch die beiden Torpedos und beschleunigten den Untergang.
Die Artillerietreffer verursachten zwar böse Brände und Ruderversager, aber wirklich tödlich waren die beiden Torpedotreffer!
Anerkennung.
Anerkennung an dieses Forum.
Seit einiger Zeit beschäftigt mich die vermutliche Lagebeurteilung des Adm. Kummetz (9. April 1940 ab ca.0.25 Uhr) nach dem Beschuss der Blücher durch Küstenbatterien auf Bolärne und Rauöy (?) sowie dem nahezu zeitgleichen Gefecht zwischen Albatros und Pol III, also einige Stunden VOR Dröback. (Quelle: Cajus Bekker und Rohwer / Hümmelchen)
Kummetz musste nmE fest damit rechnen, dass er die Dröback-Enge bei Morgendämmerung gegen 5.00 Uhr nicht unbehelligt passieren kann.
Natürlich interessiert mich auch immer der Mensch hinter einer Entscheidung.
Hierüber könnte man lange diskutieren. Meine Gedanken hierzu bewegen sich (neben anderen unerwähnten Aspekten) in der Rivalität zwischen Marine und Luftwaffe (und die Rolle der Marine in der Wehrmacht als solche), drehen sich um die menschlichen Schwächen von Adm. Raeder und gehen zu sehr in den Bereich der Spekulation.
Wie schwer es ist, den eigenen luftmobilen Infanteriezug noch während des Anfluges auf Grund einer veränderten Lage anders als geplant einzusetzen, weiß ich aus eigener Erfahrung als junger Offizier (vor vielen Jahren). Es bedarf einer gewissen Überwindung, von seinem Auftrag abzuweichen und damit SELBST Verantwortung zu übernehmen.
Deswegen beschränke ich mich hier auf meine Anerkennung.
In ein paar Stunden habe ich hier mehr Detailinformationen gefunden, als in den ganzen letzten Jahren.
Grüße an das Forum.
Toll, was?
Ich freu mich immer wieder wie viel Fach- und Detailwissen hier versammelt ist. Teilweise zu Themen von denen ich überhaupt keine Ahnung habe.
Wünsch Dir noch viele schöne Stunden hier
ZitatIch freu mich immer wieder wie viel Fach- und Detailwissen hier versammelt ist. [...] Wünsch Dir noch viele schöne Stunden hier
Dem kann ich absolut zustimmen. - Danke für Deine freundlichen Wünsche. :-)
Allerdings würde ich mir in kontroversen Diskussionen manchmal etwas mehr
Respekt wünschen, der dem Menschen entgegengebracht wird, der (nur scheinbar anonym) 'auf der anderen Seite des Bildschirms' an der Tasta sitzt und auch mal einen nicht ganz ausgegorenen Gedanken, oder eine durchaus fundierte, aber abweichende Meinung formuliert.
Könnte man den genauen Hergang noch etwas visualisieren? Lage der Lichtsperre? Wer hat wann wohin geschossen (wurde getroffen).
Quasi sowas wie die Karte über das Gefecht in der Dänemarkstrasse.
siehe (http://www.kbismarck.org/forum/viewtopic.php?f=1&p=2986&start=0)
Jaaaaaaaa, supi.
Danke für den Link.
@Münchner_im_Himmel top
@ Sebastian Danke top :MG:
Müsst Antonio danken, der hat sich die Arbeit gemacht :wink:
ZitatMüsst Antonio danken, der hat sich die Arbeit gemacht
:O-_ :O-_ :O-_
Antonio hat´s drauf.
Bei der Frage des Verlusts der
Blücher scheint mir, daß sowohl die Planung verfehlt, als auch die Ausführung durch Kummetz sehr unglücklich war.
Zum einen wäre es doch anzustreben gewesen, daß die einzelnen Kriegsschiffgruppen die gefährlichsten Stellen (d.h. die durch norwegische Küstenbatterien gesicherten Nadelöhre, die auf Zwangskursen und mit relativ geringer Geschwindigkeit durchfahren werden mußten, wobei der Verteidiger den großen Vorteil hatte, daß er die Entfernung und den Kurs (und z.T. auch die mögliche Fahrt) des potentiellen Gegners und damit die Schußwerte schon im Frieden genau kannte, so daß eigentlich jeder Schuß ein Treffer sein mußte) möglichst zeitgleich passieren, um den Überraschungseffekt zu wahren und die Norweger nicht zu alarmieren. Dies ist natürlich nicht ganz einfach zu planen und einzuhalten, da diese Engstellen ja in unterschiedlicher Entfernung von den jeweiligen Fjordeingängen und damit vom erstmaligen Eindringen in die norwegischen Hoheitsgewässer liegen (wenngleich dies ja auch nicht unbedingt identisch mit dem Zeitpunkt war, an dem mit dem erstmaligen Sichten durch die Norweger gerechnet werden mußte).
Es wäre aber auf jeden Fall bei der Planung besonderes Augenmerk darauf zu legen gewesen, daß die gefährlichsten Stellen von den einzelnen Kriegsschiffverbänden möglichst gleichzeitig erreicht werden und der aufgrund der geographischen Gegebenheiten naturgemäß unterschiedlich lange Weg durch die Fjorde bis zu diesen Stellen so zügig wie möglich zurückgelegt wird, so daß die Vorwarnzeit für die Norweger so kurz wie nur irgendwie möglich gehalten wurde (im Falle Narvik erwies sich ja z.B., daß die befürchteten Küstenbatterien Hamnes und Ramnes gar nicht existierten).
Deshalb kann man es nur als unverständlich bezeichnen, daß die Oslo-Gruppe nach Eindringen in den Oslofjord, wo mit Sichtung und Meldung der Gruppe gerechnet werden mußte (und was ja durch das Wachboote
Pol III und durch die Küstenbatterie Rauøy gegen Mitternacht erfolgte), dann lt. Planung der Verband um 00:30 Uhr bei Bolärne zur Auschiffung der Landungstruppen für Rauøy, Bolärne und Horten auf die Räumboote
bis 02:00 Uhr stoppen mußte (und damit den Norwegern wertvolle Vorwarnzeit schenkte)! Anschließend erfolgte der Vormarsch zunächst nur mit 8 kn, da beim Ausschiffen lt. Angaben des NO der Schiffsort ungenau geworden war und das Lot abnehmende Wassertiefen von 300 m bis 150 m gemeldet hatte [Binder/Schlünz
»Schwerer Kreuzer Blücher«, Ullstein Taschenbuchverlag 1996, S. 86 und 104].
Dies scheint mir ein schwerer Planungsfehler zu sein. Man hätte m.E. geeignete schnelle Truppentransporter (Fahrgastschiffe oder dgl., die die Fahrt des Verbandes beim Marsch durch den Belt und das Kattegat halten konnten) dem Verband beigeben müssen, die dann dort mit den Räumbooten zur Ausschiffung detachiert werden konnten, während der Hauptverband ohne Zeitverzug weiter Richtung Dröbak-Enge und Oslo marschiert wäre.
Durch diesen unnötigen Zeitverlust kam man dann erst im Morgengrauen gegen 05:20 Uhr vor der Dröbak-Enge an.
Die
Admiral Hipper war unterdessen bereits gegen 04:00 Uhr durch die Sperre bei Agdenes in den Drontheim-Fjord durchgebrochen, wobei sie von den Küstenbatterien beschossen worden war und das Feuer auch mit der achteren Turmgruppe erwidert hatte [Jochen Brennecke,
»Eismeer, Atlantik, Ostsee. Die Einsätze des Schweren Kreuzers Admiral Hipper«, Heyne, München 1982, S. 69 ff.].
Eine solche Zeitdifferenz von fast 1½ Stunden beim Passieren der gefährlichsten Engstellen war natürlich fatal. Es hätte darauf geachtet werden müssen, daß die Engen bei Agdenes und Dröbak zur gleichen Zeit durchbrochen werden.
Ein weiterer Punkt ist das einfallslose Verhalten von Kummetz.
Heye hatte für
»Admiral Hipper« folgenden Blinkspruch vorbereitet, der an die Norweger gegeben werden sollte, falls man angemorst würde und nach Identität und Absichten befragt würde:
»Auf Anruf: British HMS Revenge
Auf Aufforderung zum Stoppen:
- Please repeat last signal
- Impossible to understand your signal
Bei Warnungsschuß: Stop firing. British ship. Good friend.
Bei Frage nach Ziel und Zweck: Going for Trondheim. Chasing German steamer.« [Brennecke, a.a.O., S. 71]
Und den vier am 11. April in Narvik noch fahrbereiten deutschen Zerstörern war von der Gruppe West der Durchbruch für die Nacht vom 11. auf den 12. April mit folgender Weisung befohlen worden:
»An Chef 4. Zerstörerflottille:
1. Bei Rückmarsch jede Art Kriegslist, auch englische Flagge anwenden.
2. Tanker Skagerrak bleibt auf angegebener Standlinie.
3. Bei Brennstoffmangel oder Schäden anlaufen Bergen oder Kristiansund.
4. Drontheim möglichst meiden.«[Karl Springenschmid,
»Die Männer von Narvik«, Ullstein 1979, S. 99]
Die Verwendung der feindlichen Kriegsflagge war eine erlaubte Kriegslist, sofern sie bei Feuereröffnung niedergeholt wurde und die eigene Kriegsflagge gesetzt wurde (siehe auch den Angriff der
Campbeltown am 28.03.1942 auf St. Nazaire.
Hätte Kummetz die engl. Kriegsflagge gesetzt und einen ähnlichen Morsespruch, wie ihn Heye für
Admiral Hipper vorbereitet hatte, in Richtung Festung Oscarsborg absetzen lassen (man hätte ebenso ein englisches Ein-Schornsteinschiff mit zwei schweren Türmen auf dem Vorschiff als
»alter ego« aussuchen müssen), wäre nicht auszuschließen gewesen, daß die Norweger so lange hätten in Verwirrung gestürzt werden können, bis die Engstelle durchbrochen und die beste Schußgelegenheit dahin war.
Weiterhin wurde von Seiten des Heeres Kritik geübt:
»So berichtete [...] Fregattenkapitän Nieden am 28. Juli 1941 aus Oslo: "Aus Äußerungen verschiedener Mitglieder des Stabes der Heeresgruppe XXI, so unter anderem der Ia der Gruppe, Oberstleutnant von Butlar, habe ich entnommen, daß in Heereskreisen eine falsche und der Marine abträgliche Beurteilung über die Führung der Blücher-Gruppe und das Verhalten des Blücher-Kommandanten [...] herrscht.
Der Führung wird der Vorwurf gemacht, daß bei der Forcierung der Dröbak-Enge nicht ein kleines, weniger wertvolles Schiff vorausgesandt worden sei, um das Verhalten der Batterie festzustellen und eventuell deren Feuer von dem wertvollen Objekt abzulenken [...]«[Binder/Schlünz, a.a.O., S. 227]
Auf deutscher Seite wußte man von der Torpedobatterie in der Dröbak-Enge nichts, man ging aber vom Vorhandensein einer elektrisch fernzündbaren Minensperre, die nicht vorhanden war, aus. Deshalb sollten zwei Sperrbrecher im Oslo-Fjord zum Verband stoßen und die Spitze übernehmen. Diese erschienen aber nicht. [Binder/Schlünz, a.a.O., S. 107 und Cajus Bekker,
»Verdammte See. Ein Kriegs-tagebuch der deutschen Marine, Ullstein 1978, S. 100 ff.]
Bekker berichtet auf S. 99:
»Admiral Kummetz ist gewarnt. Über Funk kommt [wohl am späten Abend des 8. April, Anm. GvB]
die Meldung, daß zwei deutsche Dampfer im Eingang zum Oslofjord versenkt worden sind.«Weiß jemand, um welche Dampfer es sich dabei handelte und ob es die zwei vermißten Sperrbrecher waren?
Bestünde die Möglichkeit einer Überrumpelung der Norweger (was aber aufgrund der wiederholten Meldung (mit Anleuchten und Abgabe von Warnschüssen) des Verbandes seit Mitternacht auszuschließen war), wäre es verständlich gewesen (sofern man nicht vom Vorhandensein eines Minenfeldes ausgehen mußte), die wertvollen Schiffe die Enge zuerst passieren zu lassen.
Da die Norweger aber ohne jeden Zweifel vorgewarnt waren und sich seit Stunden auf das Gefecht vorbereiten konnten, muß es als sehr fragwürdig angesehen werden, nicht zuerst ein Torpedoboot durch die Enge vorauszuschicken, ehe man mit
Blücher und
Lützow den Durchbruch wagte.
Ich möchte Adm Kummetz im Rückblick auf die Ereignisse und mit dem heutigen Wissen über den weiteren Verlauf der Operation im Oslofjord nach über 70 Jahren aus meinem bequemen Bürosessel heraus vom Schreibtisch keinen Vorwurf machen.
Aber ich möchte verstehen, welche Umstände den Menschen Kummetz in seinen Entscheidungen beeinflusst haben, um daraus Schlussfolgerungen ziehen zu können.
Ein besonders unglücklicher Umstand für Kummetz stellt sich für mich dadurch dar, einen Adm Raeder 'im Nacken' zu haben, der nicht den Prototyp eines flexibel denkenden Truppenführers repräsentiert.
Eingeschiffte Heerestruppen mit leichtem Gerät auf einem Kriegsschiff (bzw. auf allen großen Einheiten der Kriegsschiffgruppe 5) sind ein zusätzlicher Klotz am Bein.
Das fehlen von Truppentransportern kann ich mir nur dadurch erklären, dass diese die hohe Marschfahrt der Kriegsschiffe nicht hätten einhalten können. - *Spekulation*
(Vielleicht hat jemand eine andere Erklärung dafür.)
Die Annäherung an die Dröback-Enge während der Dunkelheit stellte zweifellos einen taktischen Vorteil für die Deutschen Einheiten dar. Ob dieser für Maßnahmen genutzt wurde, geht aus meinen Quellen nicht hervor. - Naheliegend wäre gewesen, in Richtung Oskarsborg und Dröback zu morsen, sich als Englisches Kriegsschiff (bzw. Kriegsschiffgruppe) auszugeben und die Reaktionen zu analysieren. - Möglicherweise ist dies ja auch so erfolgt.
Frühestmöglich (Lichtverhältnisse) hätten auch Augen in der Luft sein müssen. Der Start von zwei Bordflugzeugen wäre auch in der Enge des Fjordes möglich gewesen.
Auch darüber steht in meinen Quellen nichts, was aber nichts bedeuten muss.
Jetzt kommt wieder der menschliche Faktor ins Spiel. Kummetz stand unter Zeitdruck.
Die Sperrbrecher waren aus unbekannten Gründen nicht verfügbar, die Transportmaschinen für den geplanten Sprungeinsatz auf Oslo-Fornebu (ich weiß nicht, ob ich den Flugplatz aus dem Gedächtnis jetzt richtig bezeichnet habe) würden bald starten (oder waren bereits unterwegs, je nach Zeitpunkt der Situation vor Dröback), er musste nach Oslo, ohne lange Verzögerung.
Unter Zeitdruck kommt nur schwer der Gedanke auf, den Klotz am Bein (Teile der eingeschifften Gebirgstruppen) in eine für den Gegner gefährliche Keule zu verwandeln. Teile der Truppen noch im Schutz der Dunkelheit zu landen hätte wieder Zeit gekostet.
Irgendwann reift in einer solchen Situation der tragische Entschluss: *Durchbrechen*.