Günther Lütjens - wie Francois-Emmanuel Brézet ihn sieht: Guck an!

Begonnen von Leutnant Werner, 15 Februar 2009, 20:49:21

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Leutnant Werner

Wie ihr ja durch mehrere Freds hier mittlerweile wisst, lese ich zurzeit Brézets Werk über die Kriegsmarine und da das nicht mein "Gebiet" ist, bin ich doch immer wieder erstaunt über Sachen, die ich -wie viele von euch auch - als Jugendlicher in der Abenteuerliteratur von Kurowski, Brennecke, Becker und wie die Schmierfinken alle hießen, so nicht lesen konnte.

Ich hielt Günther Lütjens immer für einen Durchhaltekrieger, der begierig alles aufgeleckt hat, was der nazionalsozialistischen Blase so entlief. Es gibt diese drei verhängnisvollen Funksprüche am Vorabend der Vernichtung, die leider entsprechend interpretiert wurden.

Hier Brézets Bewertung (und damit verbunden die Frage, wo er abgeschrieben hat *lach*), die doch deutlich differenziert ist:

" (...) Diese letzten Funksprüche sollten Lütjens später häufig vorgeworfen werden. Der erste (21.05 h) war vor allem dazu bestimmt, Raeder mitzuteilen, der Richtlinie zu folgen, die dieser nach dem unglücklichen Ende der Admiral Graf Spee vorgegeben hatte. Beim zweiten (23.40 h) deutet alles darauf hin, dass er in der Hoffnung abgesetzt wurde, von der Marine den Zorn des  Diktators abzuwenden, denn Lütjens war kein überzeugter Nazionalsozialist, ganz im Gegenteil."

In der dazugehörigen Fussnote wird vermerkt: "Er war einer der wenigen Offiziere, der nach den antisemitischen Ausschreitungen am 9. November 1938, in der die Synagogen verwüstet wurden, bei seinen Vorgesetzten dagegen protestiert hatte". Da hat der Lütjens aber ganz schön "Cojones" gehabt!

Gleichzeitig wirft Brézet gleichwohl die Frage der Gemütserkrankung bei Lütjens auf, was seine Eignung für ein ambitioniertes Unternehmen schon in Frage stellt. Damit verbunden ist wieder die Frage, ob Kapitän Lindemann  nicht der bessere Führer der Unternehmung gewesen wäre.

Bei mir überragt indes die Erkenntnis, dass Günther Lütjens als "politisch korrekter" Mensch in die Schlacht zog, also nur aus Pflichtgefühl gegenüber Deutschland und nicht aus falschen braunen Idealen. Hier muss ich sagen: Habe ich falsch eingeschätzt - und bin gottseidank schlau gemacht worden.

Any Comments

Gruß
Ekke

t-geronimo

Zum Thema Lindemann wird nun wieder die Diskussion kommen, ob nach Hood auch noch POW versenken... :-D

Meine Meinung: Lütjens hats richtig gemacht, Begründung bitte per Suchfunktion irgendwo hier im Forum (und im SSF auch...  :-D)


Zu Lütjens kann ich sonst nicht viel sagen.
Er kam aus der kaiserlichen Marine, war daher also wohl Vorzeige-Soldat.
Soweit ich weiß, beurteilten ihn alle Vorgesetzten als fähigen See-Offizier, er war recht beliebt, zum Schluß allerdings wohl recht düster als ob er sein Ende ahnte.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Spee

Lütjens war 1914/18 in Flandern T-Bootsfahrer. Da dürfte er deutlich mehr mitgemacht und gesehen haben, als sein Chef Raeder, der wohl nur Stabsjobs hatte. Soviel mal zur Befähigung auf See.

Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Leutnant Werner

Die Frage des Gefechtsabbruchs wird auch von F.-E. Brézet angefasst: "(Gegenüber Raeder) wie bei der GRAF SPEE zeigte er (Hitler) sich erstaunt, dass dieser (Lütjens) das begonnene Gefecht nicht zu Ende geführt und nicht versucht hatte, auch noch die PRINCE OF WALES zu vernichten. Das war leichter gesagt als getan, denn man muss davon ausgehen, dass Lütjens keine Kenntnis von den Schäden auf dem Schiff besaß,  das er für die KING GEORGE V , das Flaggschiff der Home fleet, gehalten hatte. Eine Verfolgung hätte das Risiko enthalten, auf das "Gros" der ROYAL NAVY gezogen zu werden, was weder zweckmäßig noch seine Aufgabe war." (p. 253)

Dieser Ansicht kann ich ebenfalls nicht folgen und ich habe mich in einem anderen Thread schon mal entsprechend geäußert.

Gruß
Lt

Spee

Welcher Ansicht kannst du nicht folgen, der Hitlers oder der Brézets?
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

t-geronimo

da kommen wir beiden nie auf einen grünen Zweig, Ekke. ;)

Ich sehs ja so wie vom Franzosen analysiert wurde! top


Und schon sind wir wieder drin.  :-D
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Leutnant Werner

 :-D Thorsten, Thomas: Lütjens als Entdeckter muss durchfechten, egal wie er die Trefferlage auf dem Gegnerschiff einschätzt. Er ist entdeckt worden und kann sich einer möglichen Bewachung und Stellung durch die Royal Navy  nur dadurch entziehen, indem er die auf dem Gefechtsfeld vorhandene Teilstreitkraft des Gegners vernichtet.

Was niemand in Rechnung stellt, ist der psychologische Sektor. Obwohl das B-Schiff im Ende ein WK-I-Schiff ist...wenn es die Kampfgruppe von Admiral Holland vernichtet, fangen selbst die Briten über die Sinnhaftigkeit einer weiteren Verfolgung das Nachdenken an.

Denk ich mal

Ekke

Peter K.

Zitat... Raeder, der wohl nur Stabsjobs hatte. Soviel mal zur Befähigung auf See.

Wenn ich´s richtig im Kopf habe, war RAEDER´s einziges Bordkommando als Kommandant jenes auf dem Kleinen Kreuzer CÖLN ab Anfang 1918.
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Spee

@Ekke,

Lütjens eigentliche Aufgabe war nicht das Durchfechten gegen zwei gegnerische Schlachtschiffe. Das er "Prince of Wales" versenken könnte ist eine Annahme/Hoffnung/Wunschdenken. Je länger er mit den britischen Einheiten im Gefecht bleibt, desto größer ist die Chance der Briten, den Kontakt aufrecht zu erhalten und desto geringer die Chance der deutschen Kampfgruppe zu überleben.
Sorry, aber das die Briten die Verfolgung auch nach einem möglichen Verlust von 2 Schlachtschiffen aufgeben würden, glaubst du doch selbst nicht. Wer hat mal hier im Forum in Großbuchstaben geschrieben "DAS IST DIE ROYAL NAVY!"  :-) ?
Für die Briten wäre das die doppelte Begründung, die deutsche Kampfgruppe bis zum letzten Schiff zu jagen, zu stellen und zu vernichten.

Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

t-geronimo

Und die erste Kampfgruppe bestand nur aus einem zu alten und einem zu neuen Schiff... :MZ:
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Leutnant Werner

Der Peter wieder  :-D

was entgeht Dir nicht? *lach*

Bloss die Diskussion geht in eine falsche Richtung. Denn die Idee mit der Disruption des englischen Nachschubverkehrs durch alle vorhandenen Mittel stammte ja schließlich von Raeder. Der wollte "action" seiner Überwasserschiffe.

Brezet zeigt recht deutlich auf, dass es Raeders Projekt war, auch gegenüber der Wehrmachtsführung und dort befindliche Widerstände die BISMARCK  in den Nordatlantik zu entsenden.

Und man mag von Raeder halten, was man will, er war bei der Doggerbank und bei Jutland dabei. Der Hinweis auf das erste Kommando auf einem Kreuzer führt in die Irre. Raeder stand im Kommandoturm in diesen Schlachten.

Wollen wir mal lieber wieder über Lütjens sprechen?
Wer kann beitragen?

Grüßle
Ekke

Leutnant Werner

@Thomas, #9,

da sind wir nicht grundsätzlich auseinander. "Lütjens eigentliche Aufgabe war nicht..." . Jetzt sind wir beide, unglaublicherweise, in einer B-Schiff-Diskussion, und wenn Thorsten und Peter und womöglich noch Harold und Kalli reinfunken, dann ist mein Debakel perfekt :MLL:

Die Gretchen-Frage der Seeschlacht an der Dänemark-Strasse: Durchfechten oder nicht? lässt sich wohl von uns nicht lösen.

Spannend aber, was der Lütjens so gesagt und gemacht hat

t-geronimo

Ja, auf alle Fälle.

1. WK wurde ja schon angesprochen, und Weserübung hat er auch zufriedenstellend gelöst.
Und mit OP Berlin die ersten deutschen Schlachtschiffe in den Atlantik gebracht.
Keine ganz chlechte Bilanz!!
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

kalli

Zitatund wenn Thorsten und Peter und womöglich noch Harold und Kalli reinfunken, dann ist mein Debakel perfekt

Da kann ich nur von meiner Seite aus sagen, dass ich nicht reinfunken werde. Mir reicht meine letzte Aktion nach der Lindemann-Grabstätte bezüglich eines angeblichen Funkspruchs. Vom Verursacher dieser Ente habe ich im Forum auch nichts mehr gehört obwohl dieser ja wohl die besten Verbindungen zu geheimen britischen Archiven hat. Erinnert mich stark an jemanden.
Ansonsten, um beim Funken zu bleiben, schaue ich mir am nächsten Wochenende einen echten Funken an. Meine Enkelin als Tänzerin beim Karneval :O/Y

Spee

Richtig. Operation "Berlin" war erfolgreich, Lütjens der Held. Nach einer gelungenen Operation "Rheinübung" wäre ihm sicher alles an Orden angehängt worden, was im Reich verfügbar war.
Ich halte Lütjens für eine der verkanntesten und nach dem Krieg mit Lügen überhäuften Personen der Kriegsmarine. Eigentlicher Verlierer war Raeder, der die Warnungen seiner Untergebenen nicht ernst genommen hat. Bezahlt hat einer anderer, Lütjens.
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Impressum & Datenschutzerklärung