Flaggenstaaten – Billigflaggen- Zweitregister – Flag of Conveniance Bei diesem Thema ist leider viel Text erforderlich und es kann auch leider nicht mit Bildern unterstützt werden – ich hoffe trotzdem, daß es für euch ein interessantes Thema ist.
Das Thema selbst ist sehr komplex und ich kann hier nur die wesentlichen Punkte auflistenIch möchte hier einmal Klarheit üeber das Thema Billigflaggen schaffen.
Die Presse und selbst die Behörden und Politiker in Deutschland haben meistens keine Ahnung was Billigflaggen eigentlich bedeuten.
Was ist eine Billigflagge? (Geschichte – bis heute)Es sind Staaten mit einer offenen Registrierung von Schiffen d.h. ausländische Eigentümer können ihre Schiffe in diesem Land zu wesentlich geringeren Kosten registrieren lassen.
Der grosse Vorteil für die Eigentümer liegt in der
Steuerfreiheit dieser Staaten. (Manche erheben sehr geringe Steuern) – d.h. das erwirtschaftete Einkommen des Schiffes ist steuerfrei.
Ein weiterer Vorteil war daß unter diesen Flaggen
keine Lohnsteuer für die Gehälter der Besatzungen erhoben wurde. Blieb man aus Deutschland länger als 186 Tage weg, galt dies auch für deutsche Besatzungmitglieder. Die Reedereien kürzten den Steuerbetrag und die anderen Nebenkosten von den Bruttogehältern.
Versicherungen und Rentenbeiträge mussten die Besatzungen selbst bezahlen d.h. Arbeitgeber-und Arbeitnehmeranteil.
Die Reedereien sparten ca. 40 % der Gehaltskosten ein und die Besatzungen hatten beim Nettogehalt auch einen gewissen Vorteil
Weiterhin galten an Bord die
Gesetze des jeweiligen Flaggenstaates.In den 60er und 70er Jahren gab es einen regelrechten Boom zur Ausflaggung von Schiffen.
Denn damals konnte man damit auch die eigenen nationalen Gesetze für Schiffbesetzung, Bauvorschriften und Kontrollen umgehen. Einige dieser Flaggenstaaten erfanden sogar ihre eigenen Klassefikationsgesellschaften, deren Qualität natürlich unter aller Sau waren.
Schiffe fuhren mit nicht ausgebildeten Billig-Mannschaften und Offizieren.
So enstanden ganze Flotten von
Substandardschiffen.
Die Qualität eines Schiffes hing aber auch hauptsaechlich vom
Betreiber (Reeder) ab.
Diese Reeder waren Firmen die in den einzelnen grossen Industriestaaten ansässig waren.
Als diese dann auch noch
Postkastenfirmen in den Flaggenstaaten gründeten, um aus jeglicher Haftung herauszukommen, war das Chaos, das in den 80er Jahren seinen Höhepunkt fand, perfekt.
Die gewaltige Ausflaggungswelle lag natürlich auch daran, daß Drittweltländer Frachtraten (durch die geringeren Kosten) anbieten konnten, mit denen Reeder in den Industriestaaten nicht mehr mithalten konnten.
Waehrend dieser Zeit gab es auch Reedereien, die zwar die finanziellen Vorteile der Ausflaggung wahrnahmen aber trotzdem ihre Flotten auf einem sehr guten Niveau hielten.
(z.B..: Sanko Line, Tokio, Rotterdam und Hamburg – damals die größte Tankerreederei der Welt mit Schiffen unter Liberiaflagge)In Deutschland wurden viele Schiffe auch mit NATO – Geldern teilfinanziert d.h.diese Schiffe mustten eigentlich unter deutscher Flagge fahren denn sie sollten die Troßschiffahrt im Falle eines Krieges ergeben.
Anfang der 70er Jahre stellte man fest, daß man gar keinen Zugriff mehr auf diese Schiffe hatte, da sie bereits ausgeflaggt waren.
Der erste offene Flaggenstaat war
Panama. Noch heute ist diese Flagge eine der größten der Welt, jedoch meistens für kleinere Schiffe und Yachten. Die erste Fremdregistrierung erfolgte bereits 1927.
In den 60er Jahren flaggten die amerikanischen Reedereien fast alle Schiffe aus. So entstanden die grossen Register von
Liberia und den
Marshal Islands In Wirklichkeit sind die Schiffe unter diesen Flaggen also eigentlich die amerikanische Flotte.
Der
Commissionor of Maritme Affairs dieser Flaggen sitzt aber nicht auf einem Baum in Liberia oder am Strand der Marshall Islands sondern er sitzt in Washington und ist meistens ein ehemaliger
General der US Coast Guard.Eine weitere Flagge entstand Anfang der 90er Jahre nähmlich die
Antigua und Barbuda Flagge mit Sitz in Oldenburg (Niedersachsen). Die Schiffe dieser Flagge haben sogar als Heimathafen verschiedene deutsche Häfen.
Zypern, das einen speziellen Steuerstatus innerhalb der EU geniest, ist eine weitere Billigflagge. Zypern wurde zum Sitz vieler deutscher Reedereien sowie Register vieler Schiffe. (Die Flagge hatte einen sehr schlechten Ruf)
In den 90er Jahren wurde auch in Deutschland auf Druck der Reeder (damit sie Billig Besatzungen fahren konnten und nicht den deutschen Besetzungsrichtlinien unterlagen) eine Billigflagge gegründet, nämlich :
Das Zweitregister , welches aber nicht sehr erfolgreich war. (siehe hierzu auch links am Ende des Threads)
Es gibt noch viele andere Billigflagen, die aber nicht so grosse Anzahlen von Schiffen haben.
Die Sicherheit und die Einhaltung der Bauvorschriften unterlag also bis zur Einführung neuer internationaler Vorschriften nur noch den Flaggenstaaten und den von Ihnen benutzten
Klassefikationsgesellschaften.
Da es bei diesen Gesellschaften aber ebenfalls weltweit gewaltige Qualitätsunterschiede gab, wurde das Sicherheitsproblem der Schiffe nicht gelöst.
Eine Gruppe der größten Klassifikationsgesellschaften tat sich zusammen und entwickelte etwa gleich hohe Sicherheitsstandards . Zur dier Gruppe gehörten der
Germanische Lloyd (GL), Det Norske Veritas (DNV), American Bureau of Shipping (ABS) und Lloyds Register (LR).
Schiffe die von dieser Gruppe zertifiziert wurden konnten bessere Versicherungsprämien und Charterraten erzielen.
RINA (Italien) und
Bureau Veritas (Frankreich) und alle anderen gehörten nicht zu dieser qualitativ hochwertigen Gruppe.
Um ihren schlechten Ruf zu verbessern, schrieben mehere der großen Billigflaggen ihren Reedern vor, sich bei der qualitativ höheren Gruppe zertifizieren zu lassen.
So kann man sich z. B: bei der Liberiaflagge eine von den 4 grossen Klassefikationsgesellschaften aussuchen.
Bei der Antigua Flagge ist nur der Germanische Lloyd und die deutschen Bauvorschriften zuständig.Bei der Sicherheit der Schiffe spielte aber auch noch die Qualität der Reederei eine maßgebliche Rolle, denn die bestimmten welche Art von Besatzung an Bord kam.
Sie entschiedenen auch über die Qualität der Wartung der Schiffe.
Da diese Reedereien selbst oft nur
Postkastenfirmen ohne Haftung waren, trieb dieses System gewaltige Blüten, die zu riesigen Unfällen führten.
Erst durch die Gesetzgebung des
STCW Codes (mitte 90er) und vor allen Dingen durch die Einführung des
ISM Codes (International Safety Management) (Ende 90er - Anfang 2000er )war nun die letzte Lücke zur Kontrolle und zu einheitlichen Standards geschlossen.
Heute ist füer die Sicherheit, Besetzung, nachweisliche Wartungen und Baustandards eines Schiffes die geführte Flagge vollkommen egal.Alle Schiffe, egal welcher Flagge, müssen heute die gleichen Standards erfüllen und werden in jedem Hafen von
ISM und Klassefikationsinspektoren überprüft.Diese Kontrolleure sind international vernetzt und können so, die Schiffe oder die Erfüllung von gegebenen Auflagen verfolgen.
Die Reedereien werden ebenfalls regelmäßig kontrolliert
(interne- und externe Audits)und werden bei
Nichterfüllung haftbar gemacht und ihre
Schiffe können in jedem Hafen der Welt gestoppt werden.Die
Charterer von Schiffen können sich On Line mit der gesamten Hostorie eines Schiffes und der Reederei vertraut machen.
Im Hafen werden die Schiffe manchmal regelrecht von den verschiedensten Inspektoren überrannt und auseinandergenommen. (Was die Besatzungen manchmal zum Wahnsinn treibt)
Bei den Nachweispflichten entstand ein gewaltiger Papierkrieg, der manchmal von den reduzierten Besatzungen kaum noch zu bewältigen ist. (elektronische Systeme können hierbei gewaltig helfen)
Anschießend ein Link mit der Liste der Weltflotten und ihrer Flaggenverteilung:Interessant darin ist, daß Deutschland die Nummer 2 in der Welt an Schiffseignern ist.
Die unter Nationalflaggen registrierten Schiffe sind meistens Staatsschiffe oder Schiffe die stark mit Staatsgeldern subventioniert wurden.
http://en.wikipedia.org/w...arine_capacity_by_countryAnschliessend einige links zu Pressemitteilungen über Subventionen und Zweitregister
http://www.labournet.de/b...n/dienstleistung/gm1.htmlhttp://www.zeit.de/1992/18/Keine-Subventionen-mehrhttp://www.abendblatt.de/...en/2004/01/27/255489.htmlhttp://www.welt.de/print-...0/Wechselnde_Flaggen.html